Man kennt das ja: einmal in der Höflichkeits-Form vergriffen, wird man hier gleich zum Duell mit dem Schwert gefordert. Ham's kein's? Gut, dann Halt die Fäuste und Füße geschwungen! Die Japaner haben ihr Karate und Judo und Sumo schließlich nicht zum Spaß erfunden! Hiyaaaa!
Glauben Sie nicht?
Haben Sie recht!
Leider.
Wenn ich hier anfange mich über Sport zu unterhalten, kommt das begeisterte Leuchten in die Augen: Fußball, Baseball, Basketball, Tennis! Hauptsache westliche Ballsportarten.
Ich würde ihnen ja gerne vorhalten, dass sie ihre eigene Kultur vernachlässigen, nur hab ich leider selbst auch keine Ahnung von Fußball... oder Fingerhakeln...
... ja, ja, ich schäme mich ja schon! Aber zurück zum Thema!
Natürlich ist der Kampfsport hier NICHT vom Aussterben bedroht. Dafür sogen schon die quasi-verpflichtenden Schulsport-Vereine. Da haben zwar auch Baseball und Co die Nase vorn, aber es bleibt genug Platz für Schwert und Bogen.
Und so sieht man hier am Wochenende oft die Schulmädchen in ihren Uniformen in der UBahn mit langen Taschen. Nein, sie tragen ihre Waffen (leider?) nicht offen herum, aber jeder weiß was da drin ist. (Die Taschen mit dem Knick am Ende sind Naginata-Hellebarden...)
Allerdings haben die bewaffneten Sportarten vor allem auch kulturellen Charakter: man zieht sich traditionell fein an, verbringt reichlich Zeit mit Grüßen und Ehr-Bekundungen und trainiert seine Form. Der eigentliche Kampfgedanke tritt in den Hintergrund.
Die unbewaffneten Hand-Und-Fuß Sportarten, sind schon etwas seltener.
Wie selten? Nun, als der Sohn meiner Gastfamilie (so um die 5 Jahre) zum ersten mal hört, dass ich Kampfsport mache, fragt er ganz begeistert ob ich ein Superheld sei - so wie die aus dem Fernsehen, die immer böse Jungs verkloppen.
Ähh, klar Kleiner, aber meist finde ich keine bösen Jungs und kloppe mich mit meinen Freunden...
Jaja, die Begeisterung japanischer Jungs für den Kampf Mann gegen -ähm, wasauchimmer - beschränkt sich auf Digitale Medien.
Dort ist er dafür absolute Pflicht: in der Streetfighter-Nation gibt es so viele Prügel-Spiel-Automaten in den Spielhallen wie sonst was. Und die Dinger ziehen einem genau so schnell das Geld aus den Taschen wie eine Yakuza-Bande, wenn man nicht verdammt aufpasst. Whuuuuaaaa!
Schließlich finde ich dann doch noch eine Kampfsport-Schule bei der ich glücklich werde: Nihon-Kempo (übersetzt etwa: "Japanisch-Boxen") heißt der Spaß. Nach ein paar Monaten Formen lernen gehts los: Man bekommt einen Tiefschutz, Brustpanzer und Eisen-Maske... und dann so richtig auf die Nuss!
Ernsthafte Verletzungen sind Dank der Panzerung sehr Unwahrscheinlich, aber trotzdem spürt man jeden Treffer. Kein Abend an dem ich nicht mit blauen Flecken und schmerzendem Kinn nach Hause wanke! Ja, sie erraten es schon: ein riesiger Spaß!
Hier die Highlights:
a) Japanischer Opa etwa so groß wie alt (cm = Jahre), und absolut unbesiegbar. So schnelle Konter dass man sich Fragt ob sie Gesetze der Physik das noch freiwillig mit sich machen lassen, oder ob er die auch regelmäßig verdrischt. Natürlich hat er den Erfahrungs-Bonus, aber könnte er sich nicht ein bisschen an seiner Altersgruppe orientieren? Aber da wirbelt er schon wieder unter meiner Deckung durch klatscht mir eine und grinst dabei freundlich.
b) Endlich schaffe ich es mal einen (anderen) Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Er stürzt und - wie ich das im Taekwondo gelernt habe - gebe ich ihm noch einen sauberen Finishing-Hit auf den schwergepanzerten Brustkorb. (Zitat: "Der steht ja sonst gleich wieder auf!"). Voller Stolz gehe ich in meine Ecke zurück. Doch der Meister ist nicht ganz zufrieden. Hätte ich mir denken können, dass das in Japan als Unehrenhaft gilt...
> "Also, der Wurf war gut, aber du darfst nicht gleich aufhören! Immer feste druff, links, rechts, zack! Der Schiedsrichter sagt dir schon wenn du aufhören sollst!"
Von da an gebe ich mir nochmal extra Mühe mich nicht selbst umwerfen zu lassen!
c) Mit mir zusammen trainiert noch ein anderer Austausch-Student: ein zwei Meter großer Holländer.
Irgendwann kommen die Japaner auf die lustige Idee uns mal gegeneinander Kämpfen zu lassen.
"Oh, prima! Nachdem er auch Anfänger ist, brauchen wir uns ja nicht so anstrengen", dachte ich mir so.
10 Sekunden und 5 rechte Gerade später denke ich eher so "DU VERDAMMTER BASTARD! DIR WERD ICH GLEICH....!"
Aber leichter gesagt als getan: seine Arme und Beine sind gut 15cm länger als meine. Ein Unterschied der mir schwer zu schaffen macht. Eben waren seine Fäuste noch so weit weg, und plötzlich sind sie in meinem Gesicht! Unfair, das!
Es dämmert mir langsam, dass das derselbe Größenvorteil ist, den ich gegenüber den Japanern genieße... so fühlt sich das also an gegen mich zu kämpfen...? Zack, hab ich schon wieder dieses Bein im Bauch.
Als er nach dem Kampf seine Maske abnimmt und ich sehe wie ausgelaugt auch er ist, bin ich vollends im Nirvana.
Hände schütteln und ein Bier trinken gehen!
Tja, und jetzt:
am neuen Campus gibts keinen Kampfsport mehr, und auch der Holländer ist wieder nach Hause gefahren.
Muss ich halt selber anfangen: einmal die Woche wird der Allzweckraum gebucht, und dann bringe ich den Leuten mal etwas Taekwondo bei! Kihap!
Sonntag, 30. Juni 2013
Montag, 17. Juni 2013
Dabei sein ist schon alles
Zwei Völker haben die Ruf, besonders fleißig zu sein (ohne dazu gezwungen zu werden): Deutsche und Japaner.
Ob da was dran ist? Viele Deutsche haben erst gar nicht das Gefühl besonders fleißig zu sein... bis man sie mit anderen Ländern vergleicht. Die Wahrnehmung ist also: "wir sind nicht fleißig, alle anderen sind nur faul!".
Außer die Japaner. Die sind berühmt dafür auch noch die unmenschlichsten Arbeitszeiten mit einem Lächeln zu ertragen. Bis sie umfallen.
Karōshi - Tod durch Überarbeitung - ist als offizielle Todesursache anerkannt (und das beinhaltet noch nicht einmal die beeindruckende Suizidrate).
Eine Freundin kam mit einem blauen Auge davon. Also wortlich: sie hat auf ihrer neuen Arbeitsstelle so lange und hart gearbeitet, bis sie umfiel und sich dabei ein blaues Auge holte. Diagnose: Gogatsu-Byō - Mai-Krankheit. Das ist wenn Leute am ersten April eine neue Arbeit anfangen (weil: Beginn des Fiskaljahres) und dann schon im Mai nicht mehr können, ausgelaugt und übermüdet zum Arzt müssen.
Gottseidank gibt's hier keine Probezeit - man muss also nicht fürchten gleich nach einem Monat schon wieder fristlos gekündigt zu werden.
Berühmt auch die japanischen Angestellten, die nach allen Überstunden noch mit dem Chef trinken gehen müssen ("Nomikai") und ihre eigenen Kinder so gut wie nie sehen. Das betrifft nicht nur die berüchtigt unbarmherzige Welt der Mega-Konzerne: auch unsere Hilfs-Professoren sind selbst Samstag und Sonntag bis spät Nachts im Labor - unabhängig von der aktuellen Arbeitslage.
Andererseits machen viele Japaner auch nicht den Eindruck, als ob sie gerne mehr Zeit zuhause verbringen wollen. So überreden sich Studenten und Hilfs-Professoren gegenseitig zum Nomikai...
Und auch die Studenten (natürlich nur die Japaner, nicht die Internationals) fühlen sich unter Druck gesetzt: "Nicht heimgehen wärend der Prof noch da ist"! Nicht das man irgendwas machen würde- es ist ihnen einfach nur peinlich zu gehen.
Manche schafen gar im Labor - was gelegentlich aber auch praktische Gründe hat: im Sommer ist's im Wohnheim brütend heiß, im Winter schweinekalt, im Labor immer 25 Grad.
Bio-Studenten müssen eh immer da sein, weil sie ihre Experimente (lies: Pflanzen, Bakterien, sonstige Lebewesen) nicht einfach anhalten können wenn sie Heim wollen. Also werden im Labor Serien und Filme geschaut - eine andere Freundin hat so "der Pate" durch bekommen - alle drei Teile an ein einem Tag, immer mal wieder ein Stündchen zwischen den Experimenten.
Bei der Gelegenheit: Dank an die Computer-Pioniere, dass sie einen "Aus" Knopf an den Dingern angebracht haben!
Woher kommt dieser bedingungslose Anwesenheits-Gehorsamkeit?
Ganz natürlich und freiwillig ist sie nicht - zumindest nicht von Anfang an.
Schon in der Schule ist die Mitgleidscahft in einem der Zahlreichen freiwilligen Clubs oder "Circles" quasi verpflichtend - wer will schon nicht-dazugehören.
Und an der Uni wird dann knallhart mit Anwesenheitspflicht nachgelegt: beim betreten der Vorlesungssaales bekommen wir Zettel verteilt, schreiben Name, Matrikelnnummer und Labor-Zugehörigkeit darauf und können sie am Ende der Vorlesung wieder abgeben. Ein Professor der besonders auf Mitarbeit aus ist, vergibt ähnliche Zettel tatsächlich nur an Studenten die eine Frage stellen. Wer keine Fragen stellt besteht also den Kurs nicht weil er nicht anwesend genug war (sic!).
Ich habe nicht unbedingt ein Problem damit, anwesend zu sein und dumme Fragen zu stellen, doch manche Kurse sind zu lächerlich als ich das unkommentiert lassen könnte:
Seminar1:
Gastredner kommen an die Uni und halten Vorträge über Dinge von denen ich keine Ahnung habe. Auf Japanisch. Manchmal sind die Bilder hübsch.
Seminar2:
Studenten halten Vorträge über ihre Forschungsgebiete, von denen ich - wenn sie nicht aus meinem Labor sind - keine Ahnung habe. Auf Japanisch versteht sich. Manchmal ist die Studentin hübsch.
Muahahahaha, verarscht! Hätt' ich wohl gern, studiere aber leider Informatik!
Study Meeting:
Studenten aus unserem Labor werden in Gruppen eingeteilt und bekommen ein Buch über Computer Vision in die Hand gedrückt. Jede Gruppe muss ein Kapitel lernen und dann einen Vortrag für die anderen Gruppen halten. Also ist die eine Hälfte der Vorträge auf Englisch, die andere Japanisch, und man lernt die Grundlagen die man für's eigene Kapitel bräuchte nicht rechtzeitig oder nur von einem Studenten, die sie selbst gerade erst soso-lala überrissen hat.
Manchmal sind die Bilder hübsch, die ich aus Frustration und Langeweile in meine Unterlagen kritzel.
Ein Muster zeichnet sich ab - sie erraten es schon - man erzieht die Leute nur zur physischen Anwesenheit - nicht aber zum aufpassen oder arbeiten. Das führt dazu das Anwesenheit für die Leute einen intrinsischen Wert besitzt.
Als ich selbst an der Uni einen Nachmittags-Kurs hielt, hab ich mich doch sehr gewundert, schlafende Studenten darin zu finden. Es gab keine Anwesenheitspflicht, keine Prüfung, kein Zertifikat.
Es war nichtmal ein offiziell eingetragener Kurs - nur eine "kommt-vorbei-und-ich-erzähl-euch-was" Präsentation. Der Professor war auch nicht da um irgendwen zu überprüfen.
Trotzdem waren sie da....
Warum nicht lieber dort, wo man Zettel auffüllen oder den Professor beeindrucken kann?
War meine Stimme so angenehm, dass ich insgeheim als Anästhetikum für gestresste, schlaflose Studenten gehandelt würde...?
He! Aufwachen! Blog ist vorbei! Zurück an die Arbeit!
Ob da was dran ist? Viele Deutsche haben erst gar nicht das Gefühl besonders fleißig zu sein... bis man sie mit anderen Ländern vergleicht. Die Wahrnehmung ist also: "wir sind nicht fleißig, alle anderen sind nur faul!".
Außer die Japaner. Die sind berühmt dafür auch noch die unmenschlichsten Arbeitszeiten mit einem Lächeln zu ertragen. Bis sie umfallen.
Karōshi - Tod durch Überarbeitung - ist als offizielle Todesursache anerkannt (und das beinhaltet noch nicht einmal die beeindruckende Suizidrate).
Eine Freundin kam mit einem blauen Auge davon. Also wortlich: sie hat auf ihrer neuen Arbeitsstelle so lange und hart gearbeitet, bis sie umfiel und sich dabei ein blaues Auge holte. Diagnose: Gogatsu-Byō - Mai-Krankheit. Das ist wenn Leute am ersten April eine neue Arbeit anfangen (weil: Beginn des Fiskaljahres) und dann schon im Mai nicht mehr können, ausgelaugt und übermüdet zum Arzt müssen.
Gottseidank gibt's hier keine Probezeit - man muss also nicht fürchten gleich nach einem Monat schon wieder fristlos gekündigt zu werden.
Berühmt auch die japanischen Angestellten, die nach allen Überstunden noch mit dem Chef trinken gehen müssen ("Nomikai") und ihre eigenen Kinder so gut wie nie sehen. Das betrifft nicht nur die berüchtigt unbarmherzige Welt der Mega-Konzerne: auch unsere Hilfs-Professoren sind selbst Samstag und Sonntag bis spät Nachts im Labor - unabhängig von der aktuellen Arbeitslage.
Andererseits machen viele Japaner auch nicht den Eindruck, als ob sie gerne mehr Zeit zuhause verbringen wollen. So überreden sich Studenten und Hilfs-Professoren gegenseitig zum Nomikai...
Und auch die Studenten (natürlich nur die Japaner, nicht die Internationals) fühlen sich unter Druck gesetzt: "Nicht heimgehen wärend der Prof noch da ist"! Nicht das man irgendwas machen würde- es ist ihnen einfach nur peinlich zu gehen.
Manche schafen gar im Labor - was gelegentlich aber auch praktische Gründe hat: im Sommer ist's im Wohnheim brütend heiß, im Winter schweinekalt, im Labor immer 25 Grad.
Bio-Studenten müssen eh immer da sein, weil sie ihre Experimente (lies: Pflanzen, Bakterien, sonstige Lebewesen) nicht einfach anhalten können wenn sie Heim wollen. Also werden im Labor Serien und Filme geschaut - eine andere Freundin hat so "der Pate" durch bekommen - alle drei Teile an ein einem Tag, immer mal wieder ein Stündchen zwischen den Experimenten.
Bei der Gelegenheit: Dank an die Computer-Pioniere, dass sie einen "Aus" Knopf an den Dingern angebracht haben!
Woher kommt dieser bedingungslose Anwesenheits-Gehorsamkeit?
Ganz natürlich und freiwillig ist sie nicht - zumindest nicht von Anfang an.
Schon in der Schule ist die Mitgleidscahft in einem der Zahlreichen freiwilligen Clubs oder "Circles" quasi verpflichtend - wer will schon nicht-dazugehören.
Und an der Uni wird dann knallhart mit Anwesenheitspflicht nachgelegt: beim betreten der Vorlesungssaales bekommen wir Zettel verteilt, schreiben Name, Matrikelnnummer und Labor-Zugehörigkeit darauf und können sie am Ende der Vorlesung wieder abgeben. Ein Professor der besonders auf Mitarbeit aus ist, vergibt ähnliche Zettel tatsächlich nur an Studenten die eine Frage stellen. Wer keine Fragen stellt besteht also den Kurs nicht weil er nicht anwesend genug war (sic!).
Ich habe nicht unbedingt ein Problem damit, anwesend zu sein und dumme Fragen zu stellen, doch manche Kurse sind zu lächerlich als ich das unkommentiert lassen könnte:
Seminar1:
Gastredner kommen an die Uni und halten Vorträge über Dinge von denen ich keine Ahnung habe. Auf Japanisch. Manchmal sind die Bilder hübsch.
Seminar2:
Studenten halten Vorträge über ihre Forschungsgebiete, von denen ich - wenn sie nicht aus meinem Labor sind - keine Ahnung habe. Auf Japanisch versteht sich. Manchmal ist die Studentin hübsch.
Muahahahaha, verarscht! Hätt' ich wohl gern, studiere aber leider Informatik!
Study Meeting:
Studenten aus unserem Labor werden in Gruppen eingeteilt und bekommen ein Buch über Computer Vision in die Hand gedrückt. Jede Gruppe muss ein Kapitel lernen und dann einen Vortrag für die anderen Gruppen halten. Also ist die eine Hälfte der Vorträge auf Englisch, die andere Japanisch, und man lernt die Grundlagen die man für's eigene Kapitel bräuchte nicht rechtzeitig oder nur von einem Studenten, die sie selbst gerade erst soso-lala überrissen hat.
Manchmal sind die Bilder hübsch, die ich aus Frustration und Langeweile in meine Unterlagen kritzel.
Ein Muster zeichnet sich ab - sie erraten es schon - man erzieht die Leute nur zur physischen Anwesenheit - nicht aber zum aufpassen oder arbeiten. Das führt dazu das Anwesenheit für die Leute einen intrinsischen Wert besitzt.
Als ich selbst an der Uni einen Nachmittags-Kurs hielt, hab ich mich doch sehr gewundert, schlafende Studenten darin zu finden. Es gab keine Anwesenheitspflicht, keine Prüfung, kein Zertifikat.
Es war nichtmal ein offiziell eingetragener Kurs - nur eine "kommt-vorbei-und-ich-erzähl-euch-was" Präsentation. Der Professor war auch nicht da um irgendwen zu überprüfen.
Trotzdem waren sie da....
Warum nicht lieber dort, wo man Zettel auffüllen oder den Professor beeindrucken kann?
War meine Stimme so angenehm, dass ich insgeheim als Anästhetikum für gestresste, schlaflose Studenten gehandelt würde...?
He! Aufwachen! Blog ist vorbei! Zurück an die Arbeit!
Freitag, 31. Mai 2013
Man lernt doch nie aus wenn man auswärtig lernt
Aufgabe Nr. 2:
Zeichnen sie mal ein Diagramm, das darstellt wie das Internet so funktioniert, ABER ANDERS!
Dinge, mit denen man so rechnen muss wenn man an einer japanischen Uni studiert.
Es fing schon ganz lustig an.
> "Sie können das gesamte Studium in Englisch absolvieren! Keine Sorge!"
Denn ich hatte mir sorgen gemacht: anders als in Europäischen Sprachen wo die technischen und mathematischen Fachbegriffe offensichtlich zusammenhängen, müssen Sie im Japanischen von den 整数 (normale Zahlen) über den 対数 (Logarithmus) bis zur 行列 (Matrix) alles neu lernen... und es gibt keinen Kurs für sowas.
Aber hey: wenn es alle Kurse in Englisch gibt, kein Problem!
Doch das meinten sie so nicht.
Was sie damit meinten war: es gibt genug Kurse in Englisch, damit sie ihre Credits voll kriegen.
Die meisten Kurse sind natürlich Japanisch.
Ohne offensichtliche Ordnung:
manchmal ist der weiterführende "II"-Kurs in Englisch, setzt aber den Grundlegenden "I"-Kurs voraus, den es nur auf Japanisch gibt.
Also nehme ich was ich so im ersten Semester auf Englisch kriegen kann.
Das beinhaltet so Kurse wie "Präsentation auf Englisch" wo den Nicht-Muttersprachlern nochmal die richtige Aussprache für "Algorithm" beigebracht wird. Ich sitze in der letzten Reihe, murmle "Al-Go-Rithm" mit und lerne derweil die nötigen Schriftzeichen für richtige Kurse.
Andere Vorlesungen sind zwar Japanisch, bieten aber wenigstens Englische Unterlagen an.
Ich belege "Software Engineering I", das klingt Handfest! Und es ist meine letzte Chance, dass meine Ingenieur-Eltern auch mal stolz auf mich seien können.
Jetzt seien sie bitte still und verraten meinen Eltern nicht, dass "Software Engineering" nichts mit Ingenieurwesen zu tun hat! Hab ich selbst nicht gewusst! Aber der Kurs hieß halt nunmal nicht: "aus der Anzahl an Zeilen Programm-Code zu Zukunft vorhersagen, unter anderem ob Fehler drin sind und wie teuer das Programm so ist". Aber ich schaffe es meine Enttäuschung zu unterdrücken, selbst als ich in einem viel zitierten Buch das Eingeständnis lese: "Eigentlich konnten wir die Wirksamkeit dieser Methoden nie zweifelsfrei beweisen".
Aber egal: um echter Software-Ingeneur zu werden lerne ich auch das noch auswendig!
Denn Prüfungen stehen vor der Tür! Interessanterweise nicht an einem gesonderten Tag, sondern am Ende der letzten Vorlesung.
Die letzte Vorlesung geht über: Fault Prediction, also den unterhaltsamen Versuch, Fehler vorherzusagen. Nachdem ich mit dem ganzen Rest durch bin, lerne ich sicherheitshalber für diese Vorlesung auch noch vor.
Ich finde einen netten Artikel, sehr renommiert, bekannte Autoren, die über 5 Seiten hinweg alle Theorien zur Fehlervorhersage runter-buttern und erklären, warum das alles net funktioniert!
Ich lerne also die Techniken nebst 12 Gründen warum sie nicht funktionieren.
Der Tag der Prüfung ist da.
Der Inhalt der Vorlesung behandelt eigentlich nicht wirklich Error-Prediction.
Eigentlich ist es eher eine Ansammlung an Dingen: "was ihnen alles Unterstellt wird, dass sie falsch gemacht haben sollen, wenn sie Software-Projekte analysieren" (also: bei der Analyse, nicht beim Projekt).
Dann kommt der Test. Zwei Fragen. Beide drehen sich exklusiv um den Inhalt der letzten Vorlesung.
> "Sie dürfen ihre Laptops verwenden, aber nicht das Internet!"
Die viel Interessantere Frage - was man im Internet finden soll, über eine Vorlesung die gerade erst gehalten wurde - die wird wieder nicht beantwortet.
Ich schreibe also meine eine A4 Seite und ärgere mich ein bisschen jetzt überhaupt gelernt zu haben.
Aber vielleicht kann ich mit dem Wissen irgendwann Source-Code Horoskope erstellen...
Der letzte Kurs den's noch auf Englisch gab war: Netzwerke.
Kannte ich zwar schon, aber der Kurs geht noch ein bisschen weiter, als das was bisher gelernt habe.
Eigentlich umfasst er alles was man so braucht um sein eigenes Internet zu bauen.
Kehrseite der Medaille: Leute die NICHT schon vorher Erfahrung als Netzwerk-Admin haben springen schon vor der Prüfung ab: sie wollen sich ihren Noten-Durchschnitt nicht versauen.
Dafür dürfen wir jetzt sogar das Internet verwenden.
Ironischerweise: um ein Diagramm des Internets zu zeichnen.
Aber: explizit anders als in der Vorlesung repräsentiert.
Wie "anders" steht nicht da.
Also zeichne ich das Internet auf ein A4 Blatt. Mit einen Firmennetzwerk hier und einem Heim-Netzwerk dort und da will jemand auf den Firmen-Server zugreifen, und so geht das zu seinem ISP, aber der ist Tier3, also wird das weitergereicht, zu einem Tier1 ISP und der hat da so ein kleines Peering mit einem anderen Tier1 ISP und von da gehts wieder herunter, aber ach: da ist ein Link down und BGP-4 Pakete warnen gerade noch den Router, dass das jetzt umgeleitet werden muss, und so kommt das ganze dann bei der Firma an, aber erst macht die Firewall noch etwas Deep-Packet-Inspection und guckt nochmal in die HTTP header bevor das an den Webserver geht...
Nach einer halben Stunde ist mein kleines Kunstwerk fertig.
Ich habe keine Ahnung ob das war, was sie mit "ANDERS" meinten, aber ich find's hübsch!
Fast zu hübsch zum Abgeben...
Vielleicht hätte ich doch weiter Design studieren sollen...
Zeichnen sie mal ein Diagramm, das darstellt wie das Internet so funktioniert, ABER ANDERS!
Dinge, mit denen man so rechnen muss wenn man an einer japanischen Uni studiert.
Es fing schon ganz lustig an.
> "Sie können das gesamte Studium in Englisch absolvieren! Keine Sorge!"
Denn ich hatte mir sorgen gemacht: anders als in Europäischen Sprachen wo die technischen und mathematischen Fachbegriffe offensichtlich zusammenhängen, müssen Sie im Japanischen von den 整数 (normale Zahlen) über den 対数 (Logarithmus) bis zur 行列 (Matrix) alles neu lernen... und es gibt keinen Kurs für sowas.
Aber hey: wenn es alle Kurse in Englisch gibt, kein Problem!
Doch das meinten sie so nicht.
Was sie damit meinten war: es gibt genug Kurse in Englisch, damit sie ihre Credits voll kriegen.
Die meisten Kurse sind natürlich Japanisch.
Ohne offensichtliche Ordnung:
manchmal ist der weiterführende "II"-Kurs in Englisch, setzt aber den Grundlegenden "I"-Kurs voraus, den es nur auf Japanisch gibt.
Also nehme ich was ich so im ersten Semester auf Englisch kriegen kann.
Das beinhaltet so Kurse wie "Präsentation auf Englisch" wo den Nicht-Muttersprachlern nochmal die richtige Aussprache für "Algorithm" beigebracht wird. Ich sitze in der letzten Reihe, murmle "Al-Go-Rithm" mit und lerne derweil die nötigen Schriftzeichen für richtige Kurse.
Andere Vorlesungen sind zwar Japanisch, bieten aber wenigstens Englische Unterlagen an.
Ich belege "Software Engineering I", das klingt Handfest! Und es ist meine letzte Chance, dass meine Ingenieur-Eltern auch mal stolz auf mich seien können.
Jetzt seien sie bitte still und verraten meinen Eltern nicht, dass "Software Engineering" nichts mit Ingenieurwesen zu tun hat! Hab ich selbst nicht gewusst! Aber der Kurs hieß halt nunmal nicht: "aus der Anzahl an Zeilen Programm-Code zu Zukunft vorhersagen, unter anderem ob Fehler drin sind und wie teuer das Programm so ist". Aber ich schaffe es meine Enttäuschung zu unterdrücken, selbst als ich in einem viel zitierten Buch das Eingeständnis lese: "Eigentlich konnten wir die Wirksamkeit dieser Methoden nie zweifelsfrei beweisen".
Aber egal: um echter Software-Ingeneur zu werden lerne ich auch das noch auswendig!
Denn Prüfungen stehen vor der Tür! Interessanterweise nicht an einem gesonderten Tag, sondern am Ende der letzten Vorlesung.
Die letzte Vorlesung geht über: Fault Prediction, also den unterhaltsamen Versuch, Fehler vorherzusagen. Nachdem ich mit dem ganzen Rest durch bin, lerne ich sicherheitshalber für diese Vorlesung auch noch vor.
Ich finde einen netten Artikel, sehr renommiert, bekannte Autoren, die über 5 Seiten hinweg alle Theorien zur Fehlervorhersage runter-buttern und erklären, warum das alles net funktioniert!
Ich lerne also die Techniken nebst 12 Gründen warum sie nicht funktionieren.
Der Tag der Prüfung ist da.
Der Inhalt der Vorlesung behandelt eigentlich nicht wirklich Error-Prediction.
Eigentlich ist es eher eine Ansammlung an Dingen: "was ihnen alles Unterstellt wird, dass sie falsch gemacht haben sollen, wenn sie Software-Projekte analysieren" (also: bei der Analyse, nicht beim Projekt).
Dann kommt der Test. Zwei Fragen. Beide drehen sich exklusiv um den Inhalt der letzten Vorlesung.
> "Sie dürfen ihre Laptops verwenden, aber nicht das Internet!"
Die viel Interessantere Frage - was man im Internet finden soll, über eine Vorlesung die gerade erst gehalten wurde - die wird wieder nicht beantwortet.
Ich schreibe also meine eine A4 Seite und ärgere mich ein bisschen jetzt überhaupt gelernt zu haben.
Aber vielleicht kann ich mit dem Wissen irgendwann Source-Code Horoskope erstellen...
Der letzte Kurs den's noch auf Englisch gab war: Netzwerke.
Kannte ich zwar schon, aber der Kurs geht noch ein bisschen weiter, als das was bisher gelernt habe.
Eigentlich umfasst er alles was man so braucht um sein eigenes Internet zu bauen.
Kehrseite der Medaille: Leute die NICHT schon vorher Erfahrung als Netzwerk-Admin haben springen schon vor der Prüfung ab: sie wollen sich ihren Noten-Durchschnitt nicht versauen.
Dafür dürfen wir jetzt sogar das Internet verwenden.
Ironischerweise: um ein Diagramm des Internets zu zeichnen.
Aber: explizit anders als in der Vorlesung repräsentiert.
Wie "anders" steht nicht da.
Also zeichne ich das Internet auf ein A4 Blatt. Mit einen Firmennetzwerk hier und einem Heim-Netzwerk dort und da will jemand auf den Firmen-Server zugreifen, und so geht das zu seinem ISP, aber der ist Tier3, also wird das weitergereicht, zu einem Tier1 ISP und der hat da so ein kleines Peering mit einem anderen Tier1 ISP und von da gehts wieder herunter, aber ach: da ist ein Link down und BGP-4 Pakete warnen gerade noch den Router, dass das jetzt umgeleitet werden muss, und so kommt das ganze dann bei der Firma an, aber erst macht die Firewall noch etwas Deep-Packet-Inspection und guckt nochmal in die HTTP header bevor das an den Webserver geht...
Nach einer halben Stunde ist mein kleines Kunstwerk fertig.
Ich habe keine Ahnung ob das war, was sie mit "ANDERS" meinten, aber ich find's hübsch!
Fast zu hübsch zum Abgeben...
Vielleicht hätte ich doch weiter Design studieren sollen...
Sonntag, 12. Mai 2013
Verkocht und angebrät
Und strahlend drückten sie mir ein Abschiedgeschenk in die Hand:
ein japanisches Kochbuch auf Japanisch.
Super.
Ich konnte kein Wort verstehen, dass da drin stand.
Machte aber auch nichts: zu hause konnte ich die Zutaten eh nirgends bekommen.
Also lag das Ding zwei Jahre im Schrank.
Als ich wieder herkam nahm ich es wieder mit.
Zwar konnte ich immer noch kein Wort lesen das darin stand, aber zumindest konnte ich jetzt richtig einkaufen gehen.
Es folgt:
Max vs. die Japanische Küche!
FIGHT!
Runde 1:
Für den Japanisch Kurs müssen wir alle kleine Vorträge zu bestimmten Themen halten - auf Japanisch versteht sich.
Ich ziehe das Los: "Japanisches Essen".
Das andere Mädchen mit demselben Thema hält einen Vortrag über: "was man so alles essen kann".
Ich halte einen Vortrag über: "SO! Heute erklär' ich euch mal wie man Sushi macht!"
Ich habe keine Ahnung wie man Sushi macht.
Ich ziehe mein Kochbuch aus dem Regal und versuche es zu übersetzten.
Erstmal werde ich lang und breit darüber aufgeklärt, wie wichtig die Art Zutaten zu schneiden wirklich ist. Da gibt es Fein-Schnitt, Dünn-Schnitt, Tausend-Schnitt, Halbmond-Schnitt, und... naja ich hack' halt mit dem Messer auf das Zeug ein bis ich es in den Mund bekomme. (Kurzer Test... ja passt!)
Für das Rollen rollen bin ich zu faul und ungeschickt, doch zum Glück gibt's auch "Chirashi-Sushi", da wird alles achtlos zusammengeworfen. Das liegt mir näher.
Randnotiz: ich wohne in einem Chirashi-Zimmer. Berühmte Japan-Style Innenarchitektur!
Ich werfe also alles achtlos zusammen, sprenkle noch etwas verbranntes Ei drüber (stand nicht im Rezept, dass man es sofort nach 10 Sekunden wenden muss!) und packe es ein eine Tiefkühl-Schale.
Die Klasse bestaunt mein Ausstellungs-Stück. Ohh...., ahh...
Die armen Irren müssen's ja net essen.
Wenig später bin ich berühmt. Noch während ich mein (von der ganzen Klasse akribisch begutachtete) Ausstellungsstück esse werde ich vom Universitäts-Personal angesprochen:
scheinbar hat noch kein Student jemals so etwas abgezogen.
Da schmeckt mir das kalte, verbrannte, verkochte Gebaze gleich noch etwas besser.
![]() | |
| Slide für meinen Vortrag: so machen sie Sushi-Reis. Im großen Bild: ich habe den Reiskocher in unserer Küche mit Post-It-Notes Gaijin-Tauglich gemacht. |
Runde 2:
Wenn der Supermarkt voller Pilze und Gemüse ist, die Sie noch nie gesehen haben, würden sie das einfach mal so riskieren? Herzhaft reinbeißen und hoffen?
Sie könnten ja versuchen das Zeug im Wörterbuch nachzuschlagen. Ist nur blöd, dass es natürlich Schriftzeichen für das Zeug gibt, die Sie noch nie irgendwo anderes gesehen haben, weil es eben genau nur diese Zutat beschreibt.
(Ein beliebtes Bildmotiv hier ist eine Sammlung aller Schriftzeichen für verschiedene Fische. Da können die Eskimos mit ihren 100 Worten für Schnee einpacken!)
Die Schriftzeichen sind also so selten, dass Japaner sie selbst oft nicht wirklich kennen. Ein Rezept aus meinem Buch kann ich nicht reproduzieren, weil selbst das Supermarkt-Personal an der Hauptzutat scheitert.
Also fange ich an nachzukochen was ich im Restaurant sehe.
Aha: diesen Pilz kann man also braten - mit irgend so einer Suppe, und diesem anderen Zeug....
Dummerweise sagen die einem nicht so genau, wie man zum End-Produkt kommt.
Freundin suchen, Freundin fragen.
"Als nächstes brauchen wir Soja-Soße"
"Hier."
"Wäh! Die kannst du dafür nicht verwenden!"
"Da gibt's Unterschiede?"
"Selbstverständlich! Die ist voll ekelhaft! Kauf die da!"
Jetzt muss ich auch noch die Unterschiede in der Soja-Soßen Landschaft lernen...
(Freundin ist mittlerweile weg, Soja-Soße ist noch da. Das Geld war also gut investiert!)
![]() |
| Gemeinschaftliches braten im Restaurant. Das kochen macht gleich viel mehr Spaß wenn jemand anderes alles vorbereitet und nachher abspült. |
Runde 3:
Ich bin ein Bento Danshi! Hier in Japan ist das Lunchbox (Bento) mitbringen zwar kulturell fest verankert, aber dass Männer ihre Lunchbox selber machen ist so selten, dass sie dafür ein Wort erfunden haben: "Lunchbox Boy".
Außer mir bringt noch ein Student aus dem Labor täglich sein Bento mit.
Er ist aber kein LunchBox-Boy, wie mir erklärt wird.
Er hat ein Freundin, die ihm täglich eine Lunchbox mit in die Uni gibt.
Mir fällt auf, wie abwegig mir dieser Gedanke vorkommt: Freundin (wohl gemerkt: nicht Ehefrau) kocht mir jeden Tag eine Lunchbox....? ....NEEEEEEE!
Mir fällt auf, dass es allen Japanern am Tisch sehr viel abwegiger vorkommt, dass ich selber koche.
Das führt zu einer Diskussion über die Vor-und-Nachteile des Selber-Kochens.
Nachdem Kosten und Zeitersparnis vom Tisch sind, bleibt noch die Gesundheit:
in der Kantine wird zeitgenössische Japanische Küche serviert.
Das ist, wenn man Sachen frittiert, am liebsten Fleisch, weil: das war vorher noch nicht fettig genug. Selbst in der Nudelsuppe schwimmt noch frittierter Tofu. Die Suppe selber konnten sie halt nicht frittieren.
Okay, es ist nicht alles frittiert, aber die berühmte gesunde Japanische Küche muss man sich trotzdem selber machen.
Wenn ich anfange meinen eigenen Sake zu brauen, schreibe ich auch darüber einen Blogeintrag.
Bis dahin: Mahlzeit!
Freitag, 19. April 2013
Forsch!
Wir hören die Frage heute schon zum vierten mal...
> "So... like.. If I do not know what is Augmented Reality, what is it can you explain me, and why you use it, in your research? How is better, than traditional?"
Japaner sind Meister darin mit freundlichen Fragen ungeheuren Druck zu erzeugen.
Klingt doch nett, so nach den Grundsätzen zu fragen, gar nicht böse formuliert.
Aber wenn man seit mehreren Jahren an einem Thema herum-studiert, herum-forscht und herum-experimentiert klingt das eher so nach:
> Haben Sie überhaupt verstanden, was sie da machen?
> Was haben Sie denn überhaupt beizutragen zur Entwicklung der Computertechnologie?
> Klatschen sie da nur neue Technologien aneinander?
Unsere Uni hat - noch mehr als andere Unis - einen starken Fokus auf Forschung: selbst Master-Arbeiten und Semester-Projekte müssen immer immer immer auf aktuellster Forschung aufbauen, und davon ausgehend etwas neues bieten, dass so noch nie jemand gemacht hat, und das ganze dann auf internationalen Konferenzen (und deren Journals) präsentieren.
Rechnen wir kurz nach: wie viele Millionen Studenten machen jedes Jahr ihren Master? Doktor? Wie viele Forscher und Professoren kommen noch dazu?
Wie viele Jahre wird schon auf diesem Gebiet geforscht?
Wie viele Arbeiten veröffentlicht ein so ein Journal überhaupt im Jahr?
Wenn sie gerade erst anfangen, wie lange werden sie wohl brauchen bis sie sich durch Stapelweise Bücher, Papers, Artikel und Webseiten gequält haben (der Schreibstil hilft nicht unbedingt weiter)?
Wie viel Zeit und Gehirn haben sie dann noch übrig um sich etwas neues Einfallen zu lassen, dass sie in ihrer Rest-Regelstudienzeit noch fertig stellen können?
Da ist es leicht zu verstehen, warum kaum ein Doktor-Student pünktlich mit seiner Arbeit fertig wird.
Trotzdem werden sie dann sofort aus dem Studentenwohnheim geschmissen ("rgelstudienzeit abgelaufen").
Und wenn man dann ein Thema findet, dass man überhaupt irgendwie lösen kann, ist die Gefahr groß dass irgendwer anders das eh schon mal gelöst hat.
Zeit zum geordneten Verzweifeln.
Eine taiwanische Kommilitonin wollte irgedwas mit Erziehung, Schule und Augmented Reality machen.
Jetzt pflanzt sie Bohnen im Labor.
Und jeden Tag zeichnet sie die wachsenden Sprösslinge auf einem Block ab.
Warum sie das macht? Keine Ahnung - sinnvolle Erklärung gehört habe ich nicht. Ab und zu fürchte ich sie hat einen Witz des Professors zu wörtlich genommen.
Hintergrund scheint jedenfalls folgender zu sein:
In Japan ist das eine Beliebte Projekarbeit in Grundschulen - die Kinder sollen so etwas über Pflanzenwachstum lernen. Und sie will das irgendwann mit dem iPad "augmentieren".
Wir freuen uns jedenfalls schon auf die leckeren Bohnen.
Das Semester beginnt, und die Labore werben mit ihren Projekten um neue Studenten. Obwohl ich offiziell selbst "Neuer Student" bin, soll ich als "Labor-Veteran" etwas vorstellen - aber nicht mein eigenes Projekt, sondern das eines japanischen Doktoranden. Also bekomme ich 5 Minuten vor Beginn selbst die Blitz-Einführung.
Zwei Wochen später bekomme ich sie nochmal in Englisch und verstehe endlich den Inhalt.
Ich weise darauf hin, dass die Demonstration denkbar schlecht gewählt ist um den Vorteil der neuen Technologie darzustellen.
> Danke für die Anmerkung. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Das ist bewusst so gelöst, denn momentan funktioniert der Algorithmus nicht.
Er hat also absichtlich eine Demo vorbereitet bei der man nichts versteht, damit man nicht sieht dass es gar nicht geht.
Brilliant!
Der Professor drängt einen anderen International Student: bis zu seinem Master im Herbst muss er unbedingt noch ein Paper veröffentlichen, am besten in SIGGRAPH oder EuroGraphics.
Wer die nicht kennt: das sind die weltweit renommiertesten Konferenzen auf dem Gebiet der Computergraphik.
Wer hier rein will hat zur Konkurrenz:
- hauptberufliche Forscher, die verzweifelt Professor werden wollen
- Professoren mit 30+ Jahren Erfahrung in dem Gebiet, die einen Ruf zu verlieren haben
- Multi-Mullionen Dollar Konzerne, für die eine Nasenlänge Vorsprung Milliardengewinne bedeutet.
- etwa eine Million japanischer Doktor-Studenten ohne (privat)Leben
Also ganz ernst meinen kann er das nicht, aber vielleicht soll es auch nur der Motivation dienen.
Eine berühmte Amerikanische Universität hat das Motto: "Wenn dein Ziel der Himmel ist, peile einen Stern an." (Distanzunterschied: etwa Faktor 10 hoch 11).
Im kleinerem Maßstab heißt das: "Wenn du eine halbwegs sinnvolle Master-Arbeit schreiben willst, versuche eine Bahnbrechende Neuerung zu erfinden."
Oder auch: "Wenn du zum Supermarkt fährst, programmiere dein Navigationsgerät nach Timbuktu!"
Mein "Forschungsthema" (ich traue mich ja immer noch nicht, dass ohne Anführungszeichen zu schreiben), habe ich mir vor mehr als drei Jahren ausgedacht. Beim Friseur. Als ich gerade gewartet habe und mir dachte: du musst dir noch irgendwas aus den Fingern saugen für deine Bewerbung.
Doch es blieb nicht nur bei einer Bewerbung, und plötzlich wollen alle, dass ich das wirklich umsetze.
Seitdem haben wir viel Spaß miteinander, ich und mein Thema. Unsere Lieblingsspiele sind: "Geht gar nicht", "Will niemand" und mein absolutes Lieblingsspiel: "Gabs schonmal".
Kennen Sie nicht? Hier die Regeln:
1.: Ich finde Hinweise auf einen Artikel (vorzugsweise aus den 90ern), der laut Titel/Inhaltsangabe scheinbar GENAU DASSELBE SCHONMAL GEMACHT HAT.
2.: Ich suche im Internet verzweifelt nach dem Artikel, vorzugsweise ohne 50€ dafür zahlen zu müssen. (Wir erinnern uns: es geht um 3 DIN-A4 Seiten aus den 90ern).
3.: Einem Nervenzusammenbruch nahe überfliege ich den Text...
4.: ... es geht um etwas total anderes. Woher der Autor die Fantasie hat diesen Titel zu wählen - steht nicht da.
5.: Ich brauche eine Kaffepause bevor ich mich wieder beruhigt habe und den Text wirklich lesen kann.
6.: Es überrascht mich, wie jemand in den 90er Jahren etwas bauen konnte das heute noch wie Science-Fiction klingt - und dann hat 20 Jahre niemand etwas daraus gemacht.
7.: Am Ende des Artikels stehen die Quellenangaben (also zwangsläufig noch ältere Texte). Mindestens drei davon KLINGEN GENAU SO WIE MEIN FORSCHUNGSTHEMA (Gehe zu Punkt 1).
Doch ganz im Gegensatz zu meinen Nerven erweist sich mein Projekt als erstaunlich solide.
Vielleicht hätte ich dem Friseur ein Trinkgeld geben sollen.
So viel Glück (lies: Frisur!) ist wohl die Ausnahme...
> "So... like.. If I do not know what is Augmented Reality, what is it can you explain me, and why you use it, in your research? How is better, than traditional?"
Japaner sind Meister darin mit freundlichen Fragen ungeheuren Druck zu erzeugen.
Klingt doch nett, so nach den Grundsätzen zu fragen, gar nicht böse formuliert.
Aber wenn man seit mehreren Jahren an einem Thema herum-studiert, herum-forscht und herum-experimentiert klingt das eher so nach:
> Haben Sie überhaupt verstanden, was sie da machen?
> Was haben Sie denn überhaupt beizutragen zur Entwicklung der Computertechnologie?
> Klatschen sie da nur neue Technologien aneinander?
Unsere Uni hat - noch mehr als andere Unis - einen starken Fokus auf Forschung: selbst Master-Arbeiten und Semester-Projekte müssen immer immer immer auf aktuellster Forschung aufbauen, und davon ausgehend etwas neues bieten, dass so noch nie jemand gemacht hat, und das ganze dann auf internationalen Konferenzen (und deren Journals) präsentieren.
Rechnen wir kurz nach: wie viele Millionen Studenten machen jedes Jahr ihren Master? Doktor? Wie viele Forscher und Professoren kommen noch dazu?
Wie viele Jahre wird schon auf diesem Gebiet geforscht?
Wie viele Arbeiten veröffentlicht ein so ein Journal überhaupt im Jahr?
Wenn sie gerade erst anfangen, wie lange werden sie wohl brauchen bis sie sich durch Stapelweise Bücher, Papers, Artikel und Webseiten gequält haben (der Schreibstil hilft nicht unbedingt weiter)?
Wie viel Zeit und Gehirn haben sie dann noch übrig um sich etwas neues Einfallen zu lassen, dass sie in ihrer Rest-Regelstudienzeit noch fertig stellen können?
Da ist es leicht zu verstehen, warum kaum ein Doktor-Student pünktlich mit seiner Arbeit fertig wird.
Trotzdem werden sie dann sofort aus dem Studentenwohnheim geschmissen ("rgelstudienzeit abgelaufen").
Und wenn man dann ein Thema findet, dass man überhaupt irgendwie lösen kann, ist die Gefahr groß dass irgendwer anders das eh schon mal gelöst hat.
Zeit zum geordneten Verzweifeln.
Eine taiwanische Kommilitonin wollte irgedwas mit Erziehung, Schule und Augmented Reality machen.
Jetzt pflanzt sie Bohnen im Labor.
Und jeden Tag zeichnet sie die wachsenden Sprösslinge auf einem Block ab.
Warum sie das macht? Keine Ahnung - sinnvolle Erklärung gehört habe ich nicht. Ab und zu fürchte ich sie hat einen Witz des Professors zu wörtlich genommen.
Hintergrund scheint jedenfalls folgender zu sein:
In Japan ist das eine Beliebte Projekarbeit in Grundschulen - die Kinder sollen so etwas über Pflanzenwachstum lernen. Und sie will das irgendwann mit dem iPad "augmentieren".
Wir freuen uns jedenfalls schon auf die leckeren Bohnen.
Das Semester beginnt, und die Labore werben mit ihren Projekten um neue Studenten. Obwohl ich offiziell selbst "Neuer Student" bin, soll ich als "Labor-Veteran" etwas vorstellen - aber nicht mein eigenes Projekt, sondern das eines japanischen Doktoranden. Also bekomme ich 5 Minuten vor Beginn selbst die Blitz-Einführung.
Zwei Wochen später bekomme ich sie nochmal in Englisch und verstehe endlich den Inhalt.
Ich weise darauf hin, dass die Demonstration denkbar schlecht gewählt ist um den Vorteil der neuen Technologie darzustellen.
> Danke für die Anmerkung. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Das ist bewusst so gelöst, denn momentan funktioniert der Algorithmus nicht.
Er hat also absichtlich eine Demo vorbereitet bei der man nichts versteht, damit man nicht sieht dass es gar nicht geht.
Brilliant!
Der Professor drängt einen anderen International Student: bis zu seinem Master im Herbst muss er unbedingt noch ein Paper veröffentlichen, am besten in SIGGRAPH oder EuroGraphics.
Wer die nicht kennt: das sind die weltweit renommiertesten Konferenzen auf dem Gebiet der Computergraphik.
Wer hier rein will hat zur Konkurrenz:
- hauptberufliche Forscher, die verzweifelt Professor werden wollen
- Professoren mit 30+ Jahren Erfahrung in dem Gebiet, die einen Ruf zu verlieren haben
- Multi-Mullionen Dollar Konzerne, für die eine Nasenlänge Vorsprung Milliardengewinne bedeutet.
- etwa eine Million japanischer Doktor-Studenten ohne (privat)Leben
Also ganz ernst meinen kann er das nicht, aber vielleicht soll es auch nur der Motivation dienen.
Eine berühmte Amerikanische Universität hat das Motto: "Wenn dein Ziel der Himmel ist, peile einen Stern an." (Distanzunterschied: etwa Faktor 10 hoch 11).
Im kleinerem Maßstab heißt das: "Wenn du eine halbwegs sinnvolle Master-Arbeit schreiben willst, versuche eine Bahnbrechende Neuerung zu erfinden."
Oder auch: "Wenn du zum Supermarkt fährst, programmiere dein Navigationsgerät nach Timbuktu!"
Mein "Forschungsthema" (ich traue mich ja immer noch nicht, dass ohne Anführungszeichen zu schreiben), habe ich mir vor mehr als drei Jahren ausgedacht. Beim Friseur. Als ich gerade gewartet habe und mir dachte: du musst dir noch irgendwas aus den Fingern saugen für deine Bewerbung.
Doch es blieb nicht nur bei einer Bewerbung, und plötzlich wollen alle, dass ich das wirklich umsetze.
Seitdem haben wir viel Spaß miteinander, ich und mein Thema. Unsere Lieblingsspiele sind: "Geht gar nicht", "Will niemand" und mein absolutes Lieblingsspiel: "Gabs schonmal".
Kennen Sie nicht? Hier die Regeln:
1.: Ich finde Hinweise auf einen Artikel (vorzugsweise aus den 90ern), der laut Titel/Inhaltsangabe scheinbar GENAU DASSELBE SCHONMAL GEMACHT HAT.
2.: Ich suche im Internet verzweifelt nach dem Artikel, vorzugsweise ohne 50€ dafür zahlen zu müssen. (Wir erinnern uns: es geht um 3 DIN-A4 Seiten aus den 90ern).
3.: Einem Nervenzusammenbruch nahe überfliege ich den Text...
4.: ... es geht um etwas total anderes. Woher der Autor die Fantasie hat diesen Titel zu wählen - steht nicht da.
5.: Ich brauche eine Kaffepause bevor ich mich wieder beruhigt habe und den Text wirklich lesen kann.
6.: Es überrascht mich, wie jemand in den 90er Jahren etwas bauen konnte das heute noch wie Science-Fiction klingt - und dann hat 20 Jahre niemand etwas daraus gemacht.
7.: Am Ende des Artikels stehen die Quellenangaben (also zwangsläufig noch ältere Texte). Mindestens drei davon KLINGEN GENAU SO WIE MEIN FORSCHUNGSTHEMA (Gehe zu Punkt 1).
Doch ganz im Gegensatz zu meinen Nerven erweist sich mein Projekt als erstaunlich solide.
Vielleicht hätte ich dem Friseur ein Trinkgeld geben sollen.
So viel Glück (lies: Frisur!) ist wohl die Ausnahme...
Montag, 1. April 2013
Jubeljahr
Ja, es ist soweit: heute vor einem Jahr bin ich nach Japan zurückgekehrt.
Oft schreibe ich hier über die kleinen und großen Verrücktheiten, Probleme und was sonst noch so nervt und freut.
Natürlich schreibe ich nicht alles - weil: passt ja auch nicht immer in den Artikel.
Aber manches muss dann doch noch gesagt werden.
Hier also ein Jahresrückblick mit den schönsten Tiefen und Höhepunkten des Jahres 4/2012 - 3/2013
Juli:
Zwar hatte ich ein Stipendium für ein Studium, aber den Studienplatz hatte ich noch nicht.
Also sitze ich jeden Tag über meinen Büchern. Ich übe wie man Matrizen invertiert, lerne wie man Differenzialgleichungen löst, zerbreche mir den Kopf über Konvergenz-Beweise - also alles was ich aus dem Grundstudium noch können hätte sollen...
Dann ist der Tag da.
"Hilfsmittel und Notizen sind nicht erlaubt."
Das soll wohl ein schlechter Scherz sein - erwarten die, dass ich Kopfrechne?!
Ja, tun sie.
Ich werde nervös.
Ich verrechne mich und sehe die versteckte Abkürzung im Zahlenlabyrinth nicht.
Ich werde noch nervöser. Hab ich schon erwähnt, dass die ihr Stipendium zurück fordern können, wenn ich die Aufnahmeprüfung nicht schaffe?
Wenn der Körper in Panik gerät wägt er ab was die besseren Überlebenschancen bietet: weglaufen oder zuschlagen.
Vor den beiden Professoren die meine Arbeit an der Tafel kritisch beäugen ist beides kein guter "Plan B". Sie starren mich an - selbst im Boden zu versinken würde mich jetzt nicht mehr retten.
Ich bekommen keine zwei Zahlen in meinem Kopf mehr multipliziert.
Will Informatik studieren. Kann nicht multiplizieren.
Versucht erklären.
Versagt.
So viel Alkohol habe ich gar nicht im Kühlschrank wie ich an diesem Abend saufen möchte.
Irgendwann saufe ich die Dose Tomatensaft aus und feuere sie in die Ecke.
Sie landet auf dem Haufen Weißblech, der bis vor kurzem noch Bier und Cocktails enthielt.
Warum zur Hölle habe ich Tomatensaft gekauft?
Viel wichtiger: ist noch Sake da?
Zur routinemäßigen Bestätigung meines Versagens rufe ich dann Tage später das Ergebnis ab.
Da steht für meinen Bereich und Studienbeginn genau eine Nummer.
Meine Nummer.
Das muss die "nicht angenommen" Liste sein.
Es ist die "bestanden" Liste.
Eine Nummer.
Meine Nummer.
WAAAAAAAAAAAAS?!
(Zur halben Erklärung: kaum einer nimmt so früh schon die Aufnahmeprüfung für nächstes Jahr, und die Aufnahmeprüfung bestand aus mehr als nur der Mathe-Prüfung, und wahrscheinlich werden Stipendiaten sowieso immer aufgenommen.
Aber wie sie dieses Versagen schön reden konnten verstehe ich bis heute nicht...)
August:
Tipp: wenn sie einen leichten Anflug einer Erkältune verspüren, und einer ihrer Freunde seit kurzem aufgrund einer Virus-Infektion sehr heiser klingt, dann gehen sie am besten aus, zum Karaoke oder versuchen in lauten Bars mit Mädchen zu flirten.
So kommen sie zu ihrem unfreiwilligen Schweigegelübde.
Denn als ich in der folgenden Woche mit Freunden einen "geheiligten Berg" besichtigen gehe, übernachten wir echten Tempel (mit Buddhistischer Morgenandacht).
Und ich bin absolut sprachlos.
Ab und zu krächze ich ein bisschen.
Das gefällt dem Türkischen Mädchen: endlich halte ich mal die Klappe.
Muss ich meine Sticheleien halt den Leuten ins Ohr flüstern.
Das gefällt ihr wieder gar nicht, weil sie jetzt nicht mehr weiß, warum gelacht wird, aber sicher ist, dass es um sie geht.
Der Fremdenführer fragt mich wo ich herkomme.
> "Doitsu"
Er fragt nochtmal.
> "Doitsu!"
Er schaut die anderen fragend an. Irgendwann antworten sie dann netter weise auch für mich.
Hab ich schon erwähnt, dass wir unmittelbar im Anschluss einen Strandurlaub geplant hatten?
Weil mich mein Husten eh die Nacht über nicht schlafen lässt, versuche ich verzweifelt einen einen Ersatz für mich zu finden: "Hey, Morgen schon was vor? Drei Tage Sandstrand, Hotel schon komplett bezahlt..."
Eine Koreanerin erbarmt sich dann für umsonst hinzufahren - immer noch besser als das Geld ganz zum Fenster raus zu schmeißen.
Am nächsten Morgen sehen meine Weggefährten dann aber gar nicht nach Sommerlaune aus.
> Was ist los?
> Strandurlaub ist abgeblasen, wegen dem Taifun.
> Taifun?
> Hat die ganze Nacht gestürmt - am Strand unten haben sie heute noch Sturmwarnung. Hast du denn gar nichts mitbekommen?
> Nein, ich habe gehustet...
September:
Meine Theorie ist ja das Dystopien (in Romanen und Filmen) kontraproduktiv sind:
egal wie übel man die Welt darstellt, allein dadurch dass man es darstellt, wird es den Leuten gefallen.
Zumindest geht es mir so mit Post-apokalyptischen Wüsten, Zombie-Katastrophen und ... ja, Moloch-Megacitys!
In der Übergangszeit zwischen Sprachkurs und Studium muss ich mir eine eigene Wohnung suchen.
Könnte überall hin ziehen.
Also ziehe ich nach Downtown Osaka.
Hahahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka, in einer Hintergasse zwischen Hochhausschluchten (im 5 Stock ohne Lift).
Und weil es keine Fitness-Bude in der Nähe gibt gehe ich jeden Tag joggen.
Wenn ich an einem Park oder Spielplatz vorbei komme, mache ich ein paar Klimmzüge, Liegestütze, übe ein paar Schlag- und Tritt-Kombinationen.
Weil das 80er Jahre Cop-Movie-Feeling (a la Black Rain) noch nicht genug reinballert höre dazu Billy Idol.
Hahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka, gehe Nachts zu Fuß in Clubs und Kneipen. Letzter Zug? Da trinken wir noch einen! Glücklich wanke ich durch die Lichter der Nacht nach Hause, beobachte ich eine Schlägerei - naja, eher ein Pärchen-Streit mit Handgreiflichkeiten ihrerseits - und gehe dazwischen bis die Polizei kommt. Dann verschwinde ich schnell und gehe lieber noch Einen trinken.
Hahahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka und lebe aus dem 100Yen Markt um die Ecke.
Es gibt Reis und Tofu und manchmal extrascharfe Instant-Nudeln.
Die Schulkinder auf dem Sportplatz nebenan erinnern mich mit ihrem Geschrei daran, wenigstens Hosen anzuziehen, bevor ich auf dem Balkon meine Wäsche aufhänge. Im Zimmer werden die gleich wieder ausgezogen, weil: ist Schweine-heiß!
Nachts sehe ich in der Ferne einen Berg mit Lichtern darauf: da hinten ist meine Uni, irgendwo auf der anderen Seite dieser ewig weit entfernten grün-grauen Wand.
Hahahahahahahaha!
Ich ziehe an den neuen Campus.
Das Nachtleben besteht aus Reisfeldern.
Ha-hh... scheiße....
Oktober:
Sie wollen von mir ein 3D-Modell für ein anderes Projekt. Ich sage: ich brauche in Graphic-Tablet um Texturen malen zu können. So ein kleines, sage ich, muss nix tolles sein.
Sie kaufen mir das teuerste Ding am Markt - einen von diesen Monitoren auf denen man tatsächlich direkt malen kann. Nach einer Woche bin ich fertig mit der Arbeit. Jetzt habe ich den teuersten Monitor im Labor, um darauf C++ Code zu lesen.
Meine Uni gehört zu den fortschrittlichsten und bestausgestattetsten in ganz Japan - Geld ist also nicht zu knapp vorhanden.
Der Professor besteht sogar darauf, dass die Studenten nichts selber kaufen was sie für ihre Forschung brauchen.
Ich brauche in Head-Mounted-Display (HMD, sowas wo man zwei Kameras vor den Augen hat und auf der Innenseite das bearbeitete Bild sehen kann).
Ich soll aus Einzelteilen selber eines Zusammen bauen, also brauche ich Kameras.
Der Professor fragt mich, welche ich für angemessen halte.
> "Ich habe die Firma angeschrieben, weil der Preis dieser Kameras nicht auf der Webseite stand"
> "Der Preis ist für Sie nicht wichtig. Sie müssen nur schauen, dass die Kameras geeignet für ihr Projekt sind."
> "Ähh, ja, doch die wären schon toll..."
Sie werden gekauft.
Wie die Antwort des Verkäufers verrät, kosten sie in Japan..... oh Gott, bitte nicht fallen lassen!
Ich baue das Ding zusammen mit Teilen, die ich in einem 3D-Drucker drucke - der druckt mit Mehl und Wachs Bauteile die ungefähr so stabil sind wie Knäckebrot.
Bitte, bitte, bitte nicht abbrechen...
Es funktioniert - man bekommt ein schönes Bild. Nur etwas schwer ist das Ding.
Eines Tages steht dann der Professor vor mir:
> "Sie haben gesagt das HMD dass sie gebaut haben ist etwas schwer und unbequem, also haben wir ihnen dieses gekauft."
Er drückt mir ein neues HMD in die Hand.
Ich schau gar nicht erst nach was das gekostet hat...
Oft schreibe ich hier über die kleinen und großen Verrücktheiten, Probleme und was sonst noch so nervt und freut.
Natürlich schreibe ich nicht alles - weil: passt ja auch nicht immer in den Artikel.
Aber manches muss dann doch noch gesagt werden.
Hier also ein Jahresrückblick mit den schönsten Tiefen und Höhepunkten des Jahres 4/2012 - 3/2013
Juli:
Zwar hatte ich ein Stipendium für ein Studium, aber den Studienplatz hatte ich noch nicht.
Also sitze ich jeden Tag über meinen Büchern. Ich übe wie man Matrizen invertiert, lerne wie man Differenzialgleichungen löst, zerbreche mir den Kopf über Konvergenz-Beweise - also alles was ich aus dem Grundstudium noch können hätte sollen...
Dann ist der Tag da.
"Hilfsmittel und Notizen sind nicht erlaubt."
Das soll wohl ein schlechter Scherz sein - erwarten die, dass ich Kopfrechne?!
Ja, tun sie.
Ich werde nervös.
Ich verrechne mich und sehe die versteckte Abkürzung im Zahlenlabyrinth nicht.
Ich werde noch nervöser. Hab ich schon erwähnt, dass die ihr Stipendium zurück fordern können, wenn ich die Aufnahmeprüfung nicht schaffe?
Wenn der Körper in Panik gerät wägt er ab was die besseren Überlebenschancen bietet: weglaufen oder zuschlagen.
Vor den beiden Professoren die meine Arbeit an der Tafel kritisch beäugen ist beides kein guter "Plan B". Sie starren mich an - selbst im Boden zu versinken würde mich jetzt nicht mehr retten.
Ich bekommen keine zwei Zahlen in meinem Kopf mehr multipliziert.
Will Informatik studieren. Kann nicht multiplizieren.
Versucht erklären.
Versagt.
So viel Alkohol habe ich gar nicht im Kühlschrank wie ich an diesem Abend saufen möchte.
Irgendwann saufe ich die Dose Tomatensaft aus und feuere sie in die Ecke.
Sie landet auf dem Haufen Weißblech, der bis vor kurzem noch Bier und Cocktails enthielt.
Warum zur Hölle habe ich Tomatensaft gekauft?
Viel wichtiger: ist noch Sake da?
Zur routinemäßigen Bestätigung meines Versagens rufe ich dann Tage später das Ergebnis ab.
Da steht für meinen Bereich und Studienbeginn genau eine Nummer.
Meine Nummer.
Das muss die "nicht angenommen" Liste sein.
Es ist die "bestanden" Liste.
Eine Nummer.
Meine Nummer.
WAAAAAAAAAAAAS?!
(Zur halben Erklärung: kaum einer nimmt so früh schon die Aufnahmeprüfung für nächstes Jahr, und die Aufnahmeprüfung bestand aus mehr als nur der Mathe-Prüfung, und wahrscheinlich werden Stipendiaten sowieso immer aufgenommen.
Aber wie sie dieses Versagen schön reden konnten verstehe ich bis heute nicht...)
August:
Tipp: wenn sie einen leichten Anflug einer Erkältune verspüren, und einer ihrer Freunde seit kurzem aufgrund einer Virus-Infektion sehr heiser klingt, dann gehen sie am besten aus, zum Karaoke oder versuchen in lauten Bars mit Mädchen zu flirten.
So kommen sie zu ihrem unfreiwilligen Schweigegelübde.
Denn als ich in der folgenden Woche mit Freunden einen "geheiligten Berg" besichtigen gehe, übernachten wir echten Tempel (mit Buddhistischer Morgenandacht).
Und ich bin absolut sprachlos.
Ab und zu krächze ich ein bisschen.
Das gefällt dem Türkischen Mädchen: endlich halte ich mal die Klappe.
Muss ich meine Sticheleien halt den Leuten ins Ohr flüstern.
Das gefällt ihr wieder gar nicht, weil sie jetzt nicht mehr weiß, warum gelacht wird, aber sicher ist, dass es um sie geht.
Der Fremdenführer fragt mich wo ich herkomme.
> "Doitsu"
Er fragt nochtmal.
> "Doitsu!"
Er schaut die anderen fragend an. Irgendwann antworten sie dann netter weise auch für mich.
Hab ich schon erwähnt, dass wir unmittelbar im Anschluss einen Strandurlaub geplant hatten?
Weil mich mein Husten eh die Nacht über nicht schlafen lässt, versuche ich verzweifelt einen einen Ersatz für mich zu finden: "Hey, Morgen schon was vor? Drei Tage Sandstrand, Hotel schon komplett bezahlt..."
Eine Koreanerin erbarmt sich dann für umsonst hinzufahren - immer noch besser als das Geld ganz zum Fenster raus zu schmeißen.
Am nächsten Morgen sehen meine Weggefährten dann aber gar nicht nach Sommerlaune aus.
> Was ist los?
> Strandurlaub ist abgeblasen, wegen dem Taifun.
> Taifun?
> Hat die ganze Nacht gestürmt - am Strand unten haben sie heute noch Sturmwarnung. Hast du denn gar nichts mitbekommen?
> Nein, ich habe gehustet...
September:
Meine Theorie ist ja das Dystopien (in Romanen und Filmen) kontraproduktiv sind:
egal wie übel man die Welt darstellt, allein dadurch dass man es darstellt, wird es den Leuten gefallen.
Zumindest geht es mir so mit Post-apokalyptischen Wüsten, Zombie-Katastrophen und ... ja, Moloch-Megacitys!
In der Übergangszeit zwischen Sprachkurs und Studium muss ich mir eine eigene Wohnung suchen.
Könnte überall hin ziehen.
Also ziehe ich nach Downtown Osaka.
Hahahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka, in einer Hintergasse zwischen Hochhausschluchten (im 5 Stock ohne Lift).
Und weil es keine Fitness-Bude in der Nähe gibt gehe ich jeden Tag joggen.
Wenn ich an einem Park oder Spielplatz vorbei komme, mache ich ein paar Klimmzüge, Liegestütze, übe ein paar Schlag- und Tritt-Kombinationen.
Weil das 80er Jahre Cop-Movie-Feeling (a la Black Rain) noch nicht genug reinballert höre dazu Billy Idol.
Hahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka, gehe Nachts zu Fuß in Clubs und Kneipen. Letzter Zug? Da trinken wir noch einen! Glücklich wanke ich durch die Lichter der Nacht nach Hause, beobachte ich eine Schlägerei - naja, eher ein Pärchen-Streit mit Handgreiflichkeiten ihrerseits - und gehe dazwischen bis die Polizei kommt. Dann verschwinde ich schnell und gehe lieber noch Einen trinken.
Hahahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka und lebe aus dem 100Yen Markt um die Ecke.
Es gibt Reis und Tofu und manchmal extrascharfe Instant-Nudeln.
Die Schulkinder auf dem Sportplatz nebenan erinnern mich mit ihrem Geschrei daran, wenigstens Hosen anzuziehen, bevor ich auf dem Balkon meine Wäsche aufhänge. Im Zimmer werden die gleich wieder ausgezogen, weil: ist Schweine-heiß!
Nachts sehe ich in der Ferne einen Berg mit Lichtern darauf: da hinten ist meine Uni, irgendwo auf der anderen Seite dieser ewig weit entfernten grün-grauen Wand.
Hahahahahahahaha!
Ich ziehe an den neuen Campus.
Das Nachtleben besteht aus Reisfeldern.
Ha-hh... scheiße....
Oktober:
Sie wollen von mir ein 3D-Modell für ein anderes Projekt. Ich sage: ich brauche in Graphic-Tablet um Texturen malen zu können. So ein kleines, sage ich, muss nix tolles sein.
Sie kaufen mir das teuerste Ding am Markt - einen von diesen Monitoren auf denen man tatsächlich direkt malen kann. Nach einer Woche bin ich fertig mit der Arbeit. Jetzt habe ich den teuersten Monitor im Labor, um darauf C++ Code zu lesen.
Meine Uni gehört zu den fortschrittlichsten und bestausgestattetsten in ganz Japan - Geld ist also nicht zu knapp vorhanden.
Der Professor besteht sogar darauf, dass die Studenten nichts selber kaufen was sie für ihre Forschung brauchen.
Ich brauche in Head-Mounted-Display (HMD, sowas wo man zwei Kameras vor den Augen hat und auf der Innenseite das bearbeitete Bild sehen kann).
Ich soll aus Einzelteilen selber eines Zusammen bauen, also brauche ich Kameras.
Der Professor fragt mich, welche ich für angemessen halte.
> "Ich habe die Firma angeschrieben, weil der Preis dieser Kameras nicht auf der Webseite stand"
> "Der Preis ist für Sie nicht wichtig. Sie müssen nur schauen, dass die Kameras geeignet für ihr Projekt sind."
> "Ähh, ja, doch die wären schon toll..."
Sie werden gekauft.
Wie die Antwort des Verkäufers verrät, kosten sie in Japan..... oh Gott, bitte nicht fallen lassen!
Ich baue das Ding zusammen mit Teilen, die ich in einem 3D-Drucker drucke - der druckt mit Mehl und Wachs Bauteile die ungefähr so stabil sind wie Knäckebrot.
Bitte, bitte, bitte nicht abbrechen...
Es funktioniert - man bekommt ein schönes Bild. Nur etwas schwer ist das Ding.
Eines Tages steht dann der Professor vor mir:
> "Sie haben gesagt das HMD dass sie gebaut haben ist etwas schwer und unbequem, also haben wir ihnen dieses gekauft."
Er drückt mir ein neues HMD in die Hand.
Ich schau gar nicht erst nach was das gekostet hat...
Samstag, 23. März 2013
Vorsicht: Fleischfressende Mädchen
Wie vermehren sich Japaner?
Das ist nicht einfach nur ein flapsiger Spruch um einen Blog-Post zu eröffnen, sondern der Kern eines gravierenden Problems: Japan kämpft mit einer Geburtenrate ähnlich der Deutschen, aber ohne Einwanderer und mit höherer Lebenserwartung. Und das bei Rekord-Staatsverschuldung.
Sprich: während man lange Zeit auf Kosten zukünftiger Generationen den Lebensstandard angekurbelt hat, stellt man jetzt fest dass man gar keine Kinder hat denen man die Schulden hinterlassen kann. Dafür einen Haufen Rentner mit hohem Lebensstandart und ewigem Leben.
Wo sind die Kinder geblieben?
Scheinbar tun sich jüngere Generationen hier schwer mit der Fortpflanzung.
Nicht biologisch, sondern sozial: laut irgend so einer an den Haaren herbeigezogenen Statistik sind über 70% der jungen Japaner (20-30 Jahre) Single.
Ob das stimmt ist sehr schwer nachzuprüfen, und normalerweise glaube ich keinen Statistiken die ich nicht selbst miss-interpretiert habe (man kann in Statistiken ALLES hinein-interpretieren).
Aber ich war dann doch überrascht von meiner eigenen Überraschung darüber, ein Mädchen kennen zu lernen, das doch einen Freund hatte. Also nochmal: ich war überrascht das zu hören, und dass ich überrascht war hat mich dann doch überrascht, weil: sollte doch irgendwie normal sein.
Ist es aber nicht.
Ein Problem hängt mit einem schleichenden soziologischen Wandel zusammen: immer weniger Männer verfolgen aktiv romantische oder sexuelle Ziele.
Man nennt sie "sōshoku" - Pflanzenfresser.
Die Frauen versuchen von der anderen Seite diese Lücke zu schließen indem sie selbst aktiv werden, Männer aufreißen, baggern und ins Bett kriegen.
Man nennt diese Mädchen "nikushoku" - Fleischfresser.
Doch die Fleisch-freundinnen hinken hinterher.
Laut (m)einer Blitz-Umfrage ist der Großteil der männlichen Japaner zwischen 20 und 30 (also alle Studenten die ich auftreiben konnte) Pflanzenfresser - was sie auch offen zugeben.
Aber kaum ein Mädchen bekennt sich zum Fleischkonsum.
(Was schade ist: ich freu mich immer wenn ich angebaggert werde).
Selbst wenn es dann mal klappt mit dem zusammenkommen, heißt das noch lange nicht, dass es auch klappt mit dem zusammenkommen. Die Freundin einer Freundin hat zwar schon seit einem Jahr einen festen Freund, aber keinen Sex - weil er nicht will.
Sonst läuft die Beziehung wohl super, nur für Bettgymnastik kann sich der junge Mann einfach nicht erwärmen.
Das ist natürlich hören-sagen und ein Einzelfall, aber es ist bezeichnend für eine Gesellschaft in der Pornographie allgegenwärtig ist, aber Sex ein Tabu.
Wie so oft wenn man in ein Extrem fällt, fällt auf der anderen Seite ein Gegengewicht raus.
In Japan heißt das: Nampa.
Nampa, dass ist wenn Männer ihr aggressives Baggern zum Hobby machen. Viele Berichte und Meinung kursieren darüber, was Nampa eigentlich genau ist - von "einfach nur nicht schüchtern sein" bis schwere sexuelle Nötigung.
Einige Clubs verbieten daher Nampa - naja zumindest hängen sie Plakate auf das man das nicht machen soll. (Das hilft ungefähr so gut wie das Tanzverbot).
Leider ist es in den Bars und Clubs zu laut, als dass ich authentisches Nampa je selbst gehört hätte, und ob der Mann da drüben seine Freundin begrabscht oder ein wildfremde Frau belästigt kann ich von hier aus auch nicht sagen (sie wehrt sich zumindest nicht).
Aber an einem schönen Sommertag konnte ich die Sandstrand-Variante live beobachten:
Zwei Mädchen liegen auf ihren Handtüchern und versuchen nicht braun zu werden (blasse Haut gilt hier als besonders hübsch - fragt mich nicht, warum sie trotzdem an den Strand gehen).
Ein fescher Bursch mit dunkler Sonnenbrille und Ghettoblaster löst sich von seiner Gruppe, läuft zu den Mädchen hinüber.
Er stellt den Ghettoblaster in den Sand vor den Handtüchern, dreht auf und - ohne ein Wort zu sagen - legt er einen Brake-Dance hin. Also er versucht es zumindest, weil auf dem Sand und mit seinem schlaksigen Körperbau ist das nicht so einfach. Aber er gibt sich größte Mühe.
Die Mädchen sind erheitert, sagen aber nix.
Er sein Radio und geht wieder, ohne enttäuscht oder erleichtert zu wirken.
Sobald ich heraus finde, wie man so Leute kennen lernen will, probier' ich das auch mal...
Das ist nicht einfach nur ein flapsiger Spruch um einen Blog-Post zu eröffnen, sondern der Kern eines gravierenden Problems: Japan kämpft mit einer Geburtenrate ähnlich der Deutschen, aber ohne Einwanderer und mit höherer Lebenserwartung. Und das bei Rekord-Staatsverschuldung.
Sprich: während man lange Zeit auf Kosten zukünftiger Generationen den Lebensstandard angekurbelt hat, stellt man jetzt fest dass man gar keine Kinder hat denen man die Schulden hinterlassen kann. Dafür einen Haufen Rentner mit hohem Lebensstandart und ewigem Leben.
Wo sind die Kinder geblieben?
Scheinbar tun sich jüngere Generationen hier schwer mit der Fortpflanzung.
Nicht biologisch, sondern sozial: laut irgend so einer an den Haaren herbeigezogenen Statistik sind über 70% der jungen Japaner (20-30 Jahre) Single.
Ob das stimmt ist sehr schwer nachzuprüfen, und normalerweise glaube ich keinen Statistiken die ich nicht selbst miss-interpretiert habe (man kann in Statistiken ALLES hinein-interpretieren).
Aber ich war dann doch überrascht von meiner eigenen Überraschung darüber, ein Mädchen kennen zu lernen, das doch einen Freund hatte. Also nochmal: ich war überrascht das zu hören, und dass ich überrascht war hat mich dann doch überrascht, weil: sollte doch irgendwie normal sein.
Ist es aber nicht.
Ein Problem hängt mit einem schleichenden soziologischen Wandel zusammen: immer weniger Männer verfolgen aktiv romantische oder sexuelle Ziele.
Man nennt sie "sōshoku" - Pflanzenfresser.
Die Frauen versuchen von der anderen Seite diese Lücke zu schließen indem sie selbst aktiv werden, Männer aufreißen, baggern und ins Bett kriegen.
Man nennt diese Mädchen "nikushoku" - Fleischfresser.
Doch die Fleisch-freundinnen hinken hinterher.
Laut (m)einer Blitz-Umfrage ist der Großteil der männlichen Japaner zwischen 20 und 30 (also alle Studenten die ich auftreiben konnte) Pflanzenfresser - was sie auch offen zugeben.
Aber kaum ein Mädchen bekennt sich zum Fleischkonsum.
(Was schade ist: ich freu mich immer wenn ich angebaggert werde).
Selbst wenn es dann mal klappt mit dem zusammenkommen, heißt das noch lange nicht, dass es auch klappt mit dem zusammenkommen. Die Freundin einer Freundin hat zwar schon seit einem Jahr einen festen Freund, aber keinen Sex - weil er nicht will.
Sonst läuft die Beziehung wohl super, nur für Bettgymnastik kann sich der junge Mann einfach nicht erwärmen.
Das ist natürlich hören-sagen und ein Einzelfall, aber es ist bezeichnend für eine Gesellschaft in der Pornographie allgegenwärtig ist, aber Sex ein Tabu.
Wie so oft wenn man in ein Extrem fällt, fällt auf der anderen Seite ein Gegengewicht raus.
In Japan heißt das: Nampa.
Nampa, dass ist wenn Männer ihr aggressives Baggern zum Hobby machen. Viele Berichte und Meinung kursieren darüber, was Nampa eigentlich genau ist - von "einfach nur nicht schüchtern sein" bis schwere sexuelle Nötigung.
Einige Clubs verbieten daher Nampa - naja zumindest hängen sie Plakate auf das man das nicht machen soll. (Das hilft ungefähr so gut wie das Tanzverbot).
Leider ist es in den Bars und Clubs zu laut, als dass ich authentisches Nampa je selbst gehört hätte, und ob der Mann da drüben seine Freundin begrabscht oder ein wildfremde Frau belästigt kann ich von hier aus auch nicht sagen (sie wehrt sich zumindest nicht).
Aber an einem schönen Sommertag konnte ich die Sandstrand-Variante live beobachten:
Zwei Mädchen liegen auf ihren Handtüchern und versuchen nicht braun zu werden (blasse Haut gilt hier als besonders hübsch - fragt mich nicht, warum sie trotzdem an den Strand gehen).
Ein fescher Bursch mit dunkler Sonnenbrille und Ghettoblaster löst sich von seiner Gruppe, läuft zu den Mädchen hinüber.
Er stellt den Ghettoblaster in den Sand vor den Handtüchern, dreht auf und - ohne ein Wort zu sagen - legt er einen Brake-Dance hin. Also er versucht es zumindest, weil auf dem Sand und mit seinem schlaksigen Körperbau ist das nicht so einfach. Aber er gibt sich größte Mühe.
Die Mädchen sind erheitert, sagen aber nix.
Er sein Radio und geht wieder, ohne enttäuscht oder erleichtert zu wirken.
Sobald ich heraus finde, wie man so Leute kennen lernen will, probier' ich das auch mal...
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