Montag, 31. Oktober 2016

Weihrauch-Hafen (2)

Science-Fiction Fans werden gehört haben, dass die ewig-verregneten Häuserschluchten im Film "Blade Runner" unter anderem von Hong Kong inspiriert wurden. Ja, da haben wir Glück gehabt: hat nämlich viel geregnet.
Genau so wie in Japan bleibt die Temperatur ziemlich hoch auch bei Regen. So macht es einem nicht ganz so viel aus nass zu werden und die Klamotten trocknen recht schnell wieder. Also machen wir am ersten Tag gute Miene zum bösen Wetter und laufen Klatschnass durch die Gassen.
Am zweiten Tag hört der Spaß dann auf - es regnet so heftig, dass wir uns auf eine Museums-Tour machen. Bis uns die Museen ausgehen. Schüttet immer noch. Wir gehen ins Planetarium und schlafen ein bisschen (was würden SIE denn in einem dunklen Raum mit Liege-Sesseln und künstlichem Sternenhimmel machen?). Regnet immer noch. Ich mache Facebook auf und sehe: die gute Wetterlage in HongKong hat sich bis England rumgesprochen.
Dann einen Tag schönes Wetter, also so schnell wie möglich alles abgehakt.
Der nächste Morgen sieht wieder etwas grau aus, aber auch nicht so schlimm. Nur erstaunlich wenig los heute. Ist Feiertag? Internet gefragt. Ja, spontaner Feiertag namens "Taifun-Warnung".
Mhmm, Spannend. So sieht man Hong Kong mal als Geisterstadt. Fühlt sich wunderbar beklemmend an...

Später treffe ich eine Einheimische die mir erzählt, dass solches Wetter extrem selten ist im Dezember. Normalerweise hat es sich bis Ende September komplett ausgeregnet.
Na, da haben wir ja Glück gehabt...


Selber Ort, selbe Uhrzeit, einmal mit Taifun-Warnung, einmal ohne.

Oh, solche Straßenmärkte wie im letzten Video gab es reichlich. Die meisten bieten den typischen Touri-Krimskrams. T-Shirts mit "I ♥ HK" Aufdruck, kleine Buddha-Statuen, Spielzeug, ...
Als wir vor einem Stand zu lange stehen bleiben, dürfen wir die Verhandlungskünste der Inhaberin genießen.
"50$, okay?"
Wir ignorieren sie und gucken weiter das kleine Kleidchen an.
"40$! 40..."
Wir drehen uns sicherheitshalber mal nicht zu ihr um.
"35$ 30, okay?"
Wir fragen uns wie weit sie wohl runter geht wenn wir sie weiter ignorieren.
"25! 25! Okay? 25! 20$..."
Also wenn der Fummel so billig ist, wollen wir ihn auch gar nicht.
Also gehen wir wieder.

Auf einem Abstecher in die New Territories haben wir die Gelegenheit noch einen "echten" Straßenmarkt zu sehen, auf dem die Einheimischen tatsächlich ihr Essen kaufen.
Auch hier werden wir angesprochen, aber nur halbherzig und auf Chinesisch, und so stört uns das nicht.
Trotzdem kaufen wir wieder nix. Nicht dass das Fleisch vor dem Standl net gut aussehen würde, aber eben dass man rohes Fleisch bei diesen Temperaturen offen vor dem Standl liegen lässt ist... ähh... nicht entsprechend DIN Hygiene-Normen!



Nah, so bleibt mehr Geld übrig. Das ist wichtig, weil: ich Sammle. Mir ist aufgefallen, dass nicht alle Hong Kong Dollars gleich sind. Es gibt tatsächlich drei verschiedene Geldinstitute die fleißig Drucken: die Bank of China (Hong Kong), die Hong Kong and Shanghai Banking Corporation (Limited) und die Standard Chartered Bank. Hier Drucken Banken unterschiedlicher Nationen Geld. Würde mich nicht wundern wenn ich plötzlich Hong Kong Dollars der East-India Company in der Hand halte.


Donnerstag, 27. Oktober 2016

Weihrauch-Hafen (1)

Sie haben doch nach einem Monat sicher die Schnauze voll von Mexiko!
Also, extra für Sie, mal was neues: HongKong!


Ja, die Ingenieure von Hong Kong verwenden tatsächlich Bambus um ihre Gebäude zu bauen und sanieren.


HongKong schreibt sich mit den Schriftzeichen für "Duft" oder "Weihrauch" (香) und "Hafen" (港).
Das ist ironisch, weil HongKong deswegen zu dem geworden ist was es heute ist, weil die Briten einen Hafen gebraucht haben. Um Opium nach China zu importieren. Auch eine Art von Weihrauch.
Ein guter Teil des Startkapitals der Stadt kam also aus den Taschen chinesischer Junkies.
Ein guter Teil des späteren Einkommens kam aus den Taschen von Kung-Fu-Film Junkies.


Bronzestatue von Bruce Lee vor der Skyline von Hong Kong.


Oh, Kung-Fu! Da fällt mir was ein: die Leute im Süden Chinas sprechen eine anderes Chinesisch, allgemein Kantonesisch genannt.
Als die Europäer also zum ersten mal Kontakt mit China hatten, hatten sie ihn durch Leute, die nicht wirklich Chinesisch sprechen.
Die Chinesen hätten ihnen gerne etwas von Kampfkunst erzählt: WuShu (武術) wie sie es nennen.
Die Kantonesen sprechen das Wort aber "Kung Fu" aus.

Wenn sie mit einem Chinesen also über "Kung Fu" sprechen, ist das so als ob der Chinese mit ihnen über "Wiener Sosedsches" redet.
Bei der Gelegenheit haben die Leute von HongKong den Briten auch erzählt, dass sie gerade Probleme mit Piraten von einer Insel im Nord-Osten haben.
Die Piraten hätten ihnen gerne gesagt, dass sie ihre Insel "Ni-hon" nennen: das "Reich der Sonne".
Doch die Kantonesen lesen dieselben Schriftzeichen... "Ja-pan"...


Der "Hollywood" Park.


Dank des Britischen Einflusses sprechen in Hong Kong fast alle Englisch. Jedenfalls sehr viel besser als ich Chinesisch. Gut, ich spreche auch kein Chinesisch. Aber zumindest kann ich viele von den Schriftzeichen lesen. Was eher zu gefährlichem Halbwissen führt.
Wir wollen einen Bergtempel besuchen. Wir wissen, dass der Tempel oben auf dem Berg ist, sind uns aber nicht sicher, sicher ob wir den richtigen Aufstieg gefunden haben.
"Doch, doch", versichere ich, und deute auf die Schilder auf denen zweifelsfrei "Gipfel" steht.
Das geht so weit gut, bis es nicht mehr weiter geht.
Also einen Einheimischen gefragt (der natürlich fließend Englisch sprach).
Nein, hier gehe es nicht zum Gipfel-Tempel-Dingen. Wir hätten am Fuß des Berges ganz anders abbiegen müssen...

Verdammte Chinesen, können die net g'scheit Japanisch schreiben!?



Freitag, 30. September 2016

Mayaland (2)

Ich reise nicht allein. Ständig bei mir ist ein Mann. Der Mann trägt einen Zylinder.
Warum trägt er einen Zylinder? Es ist ein Magier.
Zumindest hat er sich in den Kopf gesetzt, dass Informatik jetzt eine Form von Magie ist.
Also hat er es sich in den Kopf gesetzt seinen Vortrag im Frack zu machen, und mit Monokel.
Also hat er sich gleich mal den Zylinder auf den Kopf gesetzt - der Frack war dann fürs Flugzeug doch etwas zu unbequem.
Also trägt er den Zylinder zu seinem Hawaii-Hemd, mit abgerissenen Ärmeln.
Naja, so geht er mir im Flughafen-Getümmel zumindest nicht verloren.
Und wer weiß, vielleicht Fällt ja ein Kaninchen für mich dabei heraus.




 


Die Konferenz findet in einem schnieken Touri-Hotel statt.
Ich habe mich in einem anderen Hotel einquartiert.
Das hat mehrere Vorteile:
- das Hotel ist billiger
- das Hotel ist im Stadtzentrum, wo es mehr zu sehen und zum ausgehen gibt
- ich kriege mal eine Pause von den ganzen Eierköpfen (außer mir selbst - da gibt's kein Entrinnen)
- stark gesenkte Gefahr, dem MAGIER über den Weg zu laufen
- ich kriege jeden Tag wenigstens ein bißchen Bewegung, weil ich 20 Minuten Fußweg zur Konferenz habe.
Ich kriege jeden Tag 30 Minuten Bewegung, weil ich nicht gut zu Fuß bin.
Außerdem eine Gratis-Sauna "Mexikanisches Klima".
Ich komme total verschwitzt an der Konferenz an. Glücklicherweise gibt es ein gratis T-Shirt für alle Teilnehmer. Dass ziehe ich gleich an und fühle mich viel besser - obwohl ich jetzt wie eine Studentische Hilfskraft aussehe.
Die nächsten Tage wiederhole ich den Trick indem ich einfach eine Garnitur Wechselkleidung mitbringe.

 
 Die Hotel-Lobby


Auf meinem Fußweg sehe ich öfters Busse an mir vorbei rauschen, kann aber ums verrecken keine Bushaltestelle finden.
Es dauert ein zwei Tage bis mir klar wird, dass man hier den Bus einfach per Handzeichen anhält.
Aber dann habe ich immer noch keinen Plan wo der Bus eigentlich hinfährt.
Buspläne gibt es nirgendwo. Selbst das Internet hat nur sporadische Information.
Am letzten Konferenz-Tag siegt dann die Faulheit Abenteuerlust und ich steige einfach ein.
Super, der Bus fährt genau in meine Richtung. Und wie komme ich jetzt wieder raus?  Knöpfchen gibt's keine.
Glücklicherweise steigt ein Ehepaar ganz in der Nahe der Konferenz aus (der Trick war: dem Busfahrer irgendwas auf Spanisch zu sagen), und ich hüpfe einfach mit aus dem Bus.
Cool. Für 7 Pesos ganz schon viel Zeit und Schweiß gespart.
Dafür jetzt schlechtes Gewissen beim Kekse futtern.


 

 
Zurück in Japan dauert es nicht lange bis die Panik ausbricht.
Zika!
Ach ja, da war ja was. Hätte man uns vielleicht vorwarnen.
Mal auf Wikipedia geschaut... und gleich enttäuscht. Da ist ja jede Grippe schlimmer - solange man nicht gerade schwanger ist.
Dummerweise hat genau der Konferenzteilnehmer, der gerade am Kinderwunsch arbeitet das Virus.
Ganz große Leistung, Japan! So wird das mit der Geburtenrate auch nix, wenn man die wenigen gebärwilligen Einwohner in ein Land mit Anti-Baby-Viren schickt.

Mittwoch, 28. September 2016

Mayaland (1)

Sie haben doch nach 6 Jahren sicher die Schnauze voll von Japan.
Also, extra für Sie, mal was neues: Mexiko!

Und das kam so...




Ich muß mal wieder was veröffentlicht bekommen, sonst wird das mit dem Doktor nie was.
Also mal sauber eine Studie rausgehauen.
Die Ergebnisse, also ich will Sie jetzt ja nicht langweilen, aber, hossa!
Artikel geschrieben, eingereicht.
Reviewer 1: "Super! Das MUSS angenommen werden."
Reviewer 2: "Super! Das MUSS angenommen werden."
Reviewer 3: "Okay, da fehlen ein paar Details, aber wenn die drin sind sollte das angenommen werden.
Wir reichen die letzten Details nach.
Meta-Reviewer: "Schrott! Glaubichkeinwort. Naja, vielleicht könnt ihr das als Poster in der Besenkammer aufhängen."
Abgelehnt.
Aber, hey, wir haben da noch so ne andere grindige Studie herumliegen. Die könnt ihr als Poster haben, ihr Pappnasen.
Und so zahlte meine Uni etwa 3000 Euronen, damit ich einem desinteressierten Publikum zwei A4-Seiten fragwürdige Forschungsergebnisse zeigen kann.
Auch was wert - in Mexiko war ich noch nie.




Neues Land, neue Abenteuer Möglichkeiten sich blöd anzustellen.
Die Mexikaner verwenden für ihre Pesos genau dasselbe "$" Zeichen wie die US-Amerikaner.
Das wäre nicht so Problematisch, wären wir nicht in einer Touristenhochburg, wo gerne auch in US-Dollars gehandelt wird.
Naja, kann man ja vielleicht am Betrag erraten was gemeint sein soll - ist schließlich ein Faktor 20 dazwischen.
Flughafen, Mexico-City.
Ich stehe vor zwei Geldautomaten. Auf dem einen steht "US-Dollar". Also gehe ich an den anderen, und hoffe hier Pesos zu bekommen.
Der Automat informiert mich, dass ich fürs Abheben von meiner Kreditkarte 37$ zahlen soll. Okay, der wird Pesos meinen. "OK!".
Dann fragt er mich nach dem Betrag den ich abheben will. Die Skala der vorgeschlagenen Beträge reicht von 10$ bis 1000$.
Für 10 Pesos kriegt man ungefähr ein kleines Wasser, und selbst 1000 Pesos sind nur etwa 50EUR. Der muss doch US-Dollar meinen. Kein Schwein würde je 10 Pesos haben wollen... oder?
Der Automat spuckt meine Karte wieder aus weil ich zu lange gehadert habe.
Ich stelle mich beiseite und hoffe bei den Leuten die nach mir kommen zu erschielen was für Geld sie aus dem Automaten ziehen. Aber die Stecken alle ganz schnell das Bargeld weg. Kann ich gut verstehen. Ich würde dem großen komischen Typen der neben dem Geldautomaten herumlungert auch nicht zeigen wie viel Geld ich gerade abgehoben habe.
Also riskier' ich's einfach.
1000$! *druck*
1000$.
1000 sehr kleine, sehr bunte $.
Hübsches Geld!


Die haben kleine Plastik-Fenster in ihren Scheinen...

Weiter geht's mit dem Flugzeug nach Merida, auf der Halbinsel die Mexiko gen Kuba und Florida ausstreckt.
Das mit dem Flugzeug ist wichtig. Wie ich später von einem Einheimischen erfahre hatte Merida bis vor nicht allzulanger Zeit keinen Flughafen. Die Halbinsel ist mit dichtem Urwald bewachsen, weshalb die einzige Verbindung früher das Schiff war.
Nicht zuletzt deshalb hat sich hier die lokale Kultur erhalten können.
Und mit "lokaler Kultur" sind hier die Maya gemeint.
Als Nicht-Spanisch-Sprechender kann ich das nicht so richtig genießen, aber laut dem Professor der lokalen Uni ist der Alltag hier durchsetzt mit Nicht-Spanisch, und auch die meisten Familiennamen lassen auf andere Wurzeln schließen. Eben dieser Professor hat übrigens eine Einheimische geheiratet (selbst ist er aus Mexiko-Stadt), und versteht sie auch nicht wenn sie mir ihren Eltern spricht. Ideale Voraussetzungen also für ein gutes Verhältnis zur Schwiegermutter.

Chichén Itzá, aber dazu später mehr...

Montag, 29. August 2016

Umbenennung (mal wieder)

In Ermangelung echter Neuigkeiten habe ich den Blog mal wieder umbenannt.
Heißt jetzt nicht mehr RiyouRi sondern RiYoUri (里尾売り)
里 Ri: jap. Längeneinheit, etwa 4km.
尾 O: Schwanz (das Ding das am Tier dranhängt)
売り Uri: Verkauf
Ich verkaufe ab jetzt hier also Vier-Kilometer-Schwänze, falls Sie einen wollen...
(Und, ja, mir gehen die Schriftzeichen aus...)


Vorher hieß der Blog ja 理容利: Frisur-Vorteil,
was ich hier erzählt habe.

Damals hatte ich sprachliche Probleme, den Friseuren zu erklären, wie sie meine Haare schneiden sollen.
Man sollte meinen "Under-Cut" (Seiten kurz, oben lang) sei ein Globaler Begriff. Kennen Friseure hier aber nicht.
Aber Dank fleißigem Lernen haben sich die Sprachprobleme aufgelöst... und ein neues Problem zum Vorschein gebracht:
Friseure glauben mir nicht, dass ich wirklich will was ich sage.
Das Problem hat einen Namen, und der ist "Two-Block" (oder "tsuu-burokku", wie die Japaner sagen).
Das ist ein Haarschnitt der hier für Männer sehr populär ist, und wie beim Under-Cut sind die Seiten kurz.
Aber die Rückseite lässt man lang. Nicht so lang wie beim Vokuhila, sieht aber immer noch irgendwie... ähh...
(Bitte sagt mir, dass das außerhalb Japans NICHT Mode ist).
Und egal wie oft ich dem Friseur jetzt sage, dass ich die Rückseite auch kurz will, guckt der nur verwirrt, und meint dann, dass ich bestimmt "kurz für einen Two-Block, aber immer noch lang" meinte.
Meinte ich aber nicht. Ich meinte KURZ. Muss öfter nachbessern lassen.


Vor der letzten Umbenennung hiess der Blos ja 寮利 - Heim-Vorteil, was ich wiederum hier erklärt habe... vor mehr als 6 Jahren.
Hätte mir damals nicht träumen lassen, dass ich nach 6 Jahren immer noch hier bin. Irgendwas mache ich falsch in meinem Leben.
Die Vorteile im Heim zu wohnen wiegen nämlich de Nachteile in keinster Weise auf.
Zwar ist es billig, ja, aber das gesparte Geld muss man wieder aufwaenden um irgendwohin zu kommen, wo einem nicht langweilig ist (*hust* Osaka *hust*).
Zu allem Überfluß macht mir der Haxen jetzt den nächtlichen Heim-Marsch vom Bahnhof schwer. (Glücklicherweise hat mein Auto Automatik - kann also auch ohne linken Haxen bedient werden).
Oh, dass erinnert mich allerdings, dass das Heim einen unerwarteten neuen Vorteil hatte: nämlich hat letztes Jahr gleich neben dem Campus eine neue Feuerwehr-Wache aufgemacht. So mußte ich nur wenige Minuten auf meine Ambulanz warten! (Nachteil war dann wieder, dass das Heim keinen Lift hat und ich im 4. Stock wohne. Aber das war dann der Nachteil der Feuerwehrleute).




Naja, und da ich jetzt öfters Daheim bleiben muss macht sich der gute alte DVD-Verleih am Campus wieder gut. Von dem habe ich sichr schon erzählt, oder? Kurz meinen eigenen Blog googlen... NEIN? Ich habe noch nicht vom DVD-Shop erzählt?!
Also: wir haben hier zwar keine Bar, keine Kneipe, kein Restaurant, und kein ...eigentlich Alles... aber wir haben einen DVD-Verleih, bei dem man für 50cent für 7 Tage DVDs ausleihen kann. Wie kann der Verleih sich halten? Einerseits ist die Hälfte ein Laden wo man allerhand Zeugs kaufen kann: Chips natürlich, Getränke, Shampoo, Bleistifte, DVD-Rohlinge, ähhh, also wie kann der Laden sich halten?
Es gibt einen 2. Stock. Und dieser "Zweite Stock", enthält ausschließlich Pornos! Also doppelt so viele wie normale DVDs, und dass sind schon reichlich viele! Und die Pornos kosten deutlich mehr und haben kürzere Verleihzeiten. Aber schon allein die Auswahl ist beeinduckend! Hier wird Japan seinem Ruf recht, jeden Fetisch bedienen zu können... und gleich noch ein paar neue zu erfinden, bei denen die Produzenten sich gedacht haben: "die Leute denen DAS gefällt, müssen erst geboren werden. Aber wenn die dann erst 18 sind, DANN SIND WIR VORBEREITET (und haben 100% Authentischen Vintage-Porn - muss man reifen lassen wie guten Wein).

Der Fairness halber muss ich anfügen, dass sie den Laden kürzlich um-modelliert haben, und die Hälfte der 2. Etage jetzt auch normale Filme enthält. Nur so, falls Sie jetzt vorbei kommen wollten um... das Feuerwehrhaus zu besichtigen...

Montag, 15. August 2016

Bein dran

So, jetzt habe ich 'nen halben Monat nachgedacht worüber ich schreiben soll. Und mir ist nix eingefallen. Und dann, heute Morgen, ist endlich was passiert, was ich mal schreiben kann! Also...




Ich wache auf. Hinke zum Klo. Bein tut immer noch weh. Tut schon seit einer Woche oder so weh. Eigentlich schon länger, immer mal wieder, aber dann auch wieder nicht für 'nen Monat oder so. Fühlt sich an wie ein gezerrter Muskel. Aber wenn das nicht besser wird werd ich wohl doch mal zum Arzt müssen. Aber erstmal Frühstück. Also humple ich in die Küche (1.5m vom Klo - so ein Schuhkarton-Zimmer hat auch Vorteile).
Tut doch gut weh, heute. Mal das Bein entlasten. Ich stütze mich auf der Küchenzeile auf. Nach zwei Minuten würde ich mich gerne nicht mehr aufstützen. Aber das geht jetzt nicht mehr. Mist.
Vielleicht kann ich mich ja mal hinsetzen. Ich rücke Zentimeterweise voran, bis ich im Büro ankomme - der 1.2m weite Graben zwischen Küchenzeile und Schreibtisch war grenzwertig. So viel geschwitzt und gekeucht habe ich bei der ganzen Mt. Fuji Besteigung nicht. Die hat auch nicht so wehgetan. Naja, jetzt kann ich mich ja hinsetzten.
Dachte ich.
10 Centimeter komme ich mit der Hüfte runter. Dann schreie ich wie einer dieser Bodybuilder die gerade 200kg Kniebeugen machen und quäle mich auch genau so langsam wieder nach oben.
Mir wird klar, dass ich feststecke. Ich kann weder richtig aufstehen noch mich hinsetzen, noch meine Hände vom Schreibtisch heben.
Winseln kann ich noch ganz gut.
Ich komme irgendwie an mein Handy (das glücklicherweise auf dem Schreibtisch lag, was es sonst nicht tut) und drücke auf den ersten Namen der mir bekannt vorkommt.
Weil der mit einem "A" anfangt und daher ganz oben auf der Liste steht.
Doppelt blöde Idee, weil der (a) nicht der Typ ist der Morgens vor 9 Uhr erreichbar ist, und (b) er mir erst am Vortag erzählt hat, dass er sich beim Fußball den Fuß verknackst hat (oh, Ironie...) und daher nicht die beste Wahl ist um Hilfe zu fragen.
Er geht trotzdem ran.
Winseln kann ich noch, check!

 Am Vorabend wollte ich eigentlich noch zum Obon-Tanz. Bein und Regen haben haben mich aber abgehalten...


10 Minuten später stehen zwei Freunde in meiner Bude. Ich habe es mittlerweile geschafft mich hinzusetzten - was meine Situation nicht verbessert hat. Ich hocke halb-kauernd auf dem Stuhl und keuche wie eine werdende Mutter in den Wehen.
Ich bettle um Schmerzmittel. Mein rumänischer Freund sagt er hätte noch rumänische Schmerzmittel Zuhause, aber die würde ich eher nicht wollen.
Da sie nicht wissen wie sie mich so in ein Auto bugsieren sollen, rufen sie den Notarzt. Nach zwei Minuten drücken sie mir den Hörer in die Hand, weil sie kein Japanisch sprechen und der Mann am anderen Ende kein Englisch.
Winseln kann ich noch. Und irgendwie kriege ich meine Adresse und meinen Namen und Symptome durch die Leitung.
Der Rettungsdienst bringt sowas wie einen Klappstuhl mit Reifen mit (die Trage kriegen sie wohl öfter nicht in Japanische Wohnungen), bei dem die Beine recht stark angewinkelt werden.
"Oh, Dreck", denke ich mir - und irre mich, wie so oft. Ich schreie zwar beim Umsiedeln, aber in dieser Sitzhaltung lässt der Schmerz zum ersten mal nach. Mein Gehirn schaltet die (unwichtige) Selbsterkenntnis wieder ein:
(a) ich habe heute weder geduscht, noch die Zähne geputzt, und müffel  wohl ziemlich
(b) ich habe einen Jinbei an - so einen Japanischen Sommer-Pyjama, weil die in der Hitze ganz gut zum Schlafen taugen. Ich sehe also reichlich bescheuert aus. Gewaschen habe ich das Ding auch schon zwei Tage nicht mehr.
(c) ich, der immer Leute mit Gesundheits-Tipps und Sport nervt wurde gerettet von ausgerechnet den beiden Freunden, die (wie sie selbst zugeben) den ungesündesten Lebensstil am Campus pflegen. (Sie werden mich später trösten mit den Worten, dass ich dann mal besser dran sein werde, wenn wir 40 Jahre alt sind - falls ich dann noch ein Bein zum Sport machen haben werde).

Die Notärzte brauchen 3-4 Versuche bis sie ein Krankenhaus für mich finden. Weil: ist Feiertag heute. Obon: das Toten-Fest. Vielleicht wäre alternativ auf dem Friedhof ein Platz für mich...
Im Krankenhaus kriege ich dann erstmal einen Tropf mit Schmerzmittel-Bonus. Das Bein tut mittlerweile kaum noch weh - Teils wohl auch, weil ich den Trick mit der Angewinkelten Haltung beibehalten habe. Teils wohl auch weil, hey, kann ja nicht für immer weh tun. Dafür ist es jetzt Taub. Guter Tausch!
"Nah, wo ist den das Problem?", fragt der Arzt.
Ich erzähle ihm von meinem Bein - jetzt in sehr viel besserem Japanisch als die Notärzte genießen durften.
"Oh, dann Röntgen wir erstmal ihre Hüfte".
Was?


Rein in die Radiologie, einatmen, ausatmen, Luft anhalten, auf die Seite drehen, einatmen, ausatmen, Luft anhalten, Dankeschön.Warten aufs Ergebnis. Meine Freunde kommen und fragen mich ob sie was tun koennen. Ich denke an meinen Kaffee und die Schüssel Haferflocken auf meinem Schreibtisch. Ich habe heute noch nichts gegessen und getrunken. Einen Liter Wasser und ein Reisbällchen später fühle ich mich schon wieder fit genug, das Ergebnis der Untersuchung zu hören.
"Nichts gefunden".
Ach nee, die Hüfte hat ja auch nie Weh getan.
Ich werde belehrt, dass Beine nicht einfach so weh tun, vor allem nicht mehrere Muskeln auf einmal. Es wird irgendwas mit der Wirbelsäule sein. Aber der Experte ist gerade nicht da, und da es kein Notfall ist, werde ich entlassen.
Der Arzt fragt mich noch, was ich von traditioneller Chinesischer Medizin halte. Ich verstehe nicht wirklich was er meint. Krieg' ich jetzt nen Ginseng als Schmerzmittel?
Immerhin kriege Schmerzmittel (wird mir gesagt), und werde verwarnt sehr viel zu trinken.
Soweit ich verstehe hat wohl Dehydration und ein bestehendes Problem im Rücken zu dem Zwischenfall geführt. 5500Yen Praxisgebühr später darf ich Heim zu meinem kalten Kaffee.
Naja, immerhin kann ich wieder humpeln.
Ich bin also wieder da wo ich 4 Stunden vorher war, plus eine Erfahrung reicher:
In Japan Notfall-Eingeliefert werden: abgehakt!

Erst schlucken, dann Googlen: Loxoprofen gegen Entzündungen, Rebamipide für... Schleimhäute, und...  Chinesische Pfingstrose??... was zur Hölle?!

Samstag, 30. Juli 2016

Gesundheitsfordernd

Heute bin ich mal krank.
Sommergrippe.
So finde ich wenigstens wieder Zeit mal wieder was in den Blog zu schreiben.
Bei der Gelegenheit kann ich ja mal über alles schreiben, was ich hätte tun können um Gesund zu bleiben.
In Japan gibts nämlich ein ganz anderes Sammelsurium an Hausmitteln...

Gesundheitsnahrung erkennt man am besten am Namen: wenn etwas schon "Gruene Suppe" (青汁 Au-Jiru) heisst, dann kann es ja nur so gesund sein wie es scheußlich schmeckt. Einfach gesagt ist das pulverisiertes Gruenzeug wie Spinat, Roggen (das Gras, nicht das Korn) oder "Schriftzeichen die ich weder lesen kann noch lernen will". Tatsächlich schaufle ich mir davon oft einen Löffel in die Milch (statt Kakao). Ob's gut schmeckt oder ich mich nur daran gewöhnt habe, kann ich mich nicht mehr erinnern.


Okay, aber das ist vielleicht ein bißchen zu allgemein. Wir wollen mehr zielgerichtete Medizin. Zum Beispiel gegen die gängige leichte Alkoholvergiftung. Dafür gibt's "Ukon" (Kurkuma-Wurzel). Das soll prophylaktisch gegen den "Zweiter-Tag-Rausch" (wie sie den Kater hier netterweise nennen) helfen. Das ist so gaengig, dass Sie das Zeug nicht nur an jeder Straßenecke kriegen, sondern oft auch in den Bars und Karaoke-Lokalen selber.
Ob's wirkt weiß ich nicht. Ich sehe den Kater als Gottes gerechte Strafe für den Suff und hoffe beim 532ten Mal daraus zu lernen nicht mehr so viel zu trinken. Cheaten is nicht!


Shifu, mein KungFu-Meister, hat seine ganz eigenen Hausmittel. Wie repräsentativ er für andere Japaner ist, kann ich nicht sagen. (Ich sehe das Zeug schon in Geschäften, kenne aber sonst keinen, der er verwendet).
Sein Geheimmittel: Wasser!
Leitungswasser.
Aber halt! Nicht einfach so trinken!
Aus einen Gusseisen-Pot trinken (Sie kennen bestimmt diese kleinen japanischen Tee-Kessel). (Ab-)kochen ist nicht nötig - einfach für ein paar Minuten im Pot lassen.
Dadurch wird das Wasser mit Eisen versetzt, was ja allgemeinbekannt Gesund ist.
Allerdings muss man aufpassen wo der Pot hergestellt wurde. Je nach Region gibt es da wohl bessere und schlechtere Qualität.
Der Vorteil ist, dass der atomare Abrieb vom Eisen so gering ist, dass Sie ihren Pot ein Leben lang verwenden können. Die Wände werden bestimmt nicht dünner.


Der andere Trick ist, ein Stück Kohle ins Wasser zu geben.
Nein, nicht um Kohlenstoffe zum Wasser hinzuzufügen, sondern weil die Kohle das Wasser filtert.
Ja, ich weiß was Sie Shifu jetzt fragen wollen, ob die Kohle nicht das teure Eisen wieder aus dem Wasser filtert, aber Sie müssen ja nicht beide Methoden kombinieren!


Wenn man dann erstmal krank ist, braucht man natürlich Suppe (sag doch mal: "Bouillon") um bald wieder fit zu sein.
Gibt's aber nicht. Stattdessen wird hier "Kayu" gegessen, was auf Deutsch wohl "Reis-Congee" heißen soll. Stellen Sie sich einfach vor, sie hätten Milchreis machen wollen, aber versehentlich Wasser statt Milch verwendet. Und genau so un-abenteuerlich schmeckt das auch. Deswegen wird oft ein bisschen Zeug reingemischt, zum Beispiel saures Pflaumenmus.
Jetzt könnte man meinen, dass man das hauptsächlich als Motivation verwendet, bald wieder gesund zu werden und echtes Essen genießen zu können. Ironischerweise ist in China "Kayu" aber das ganz normale Frühstück, was Japaner genau schockiert wie dass Europäer Haferflocken essen.