Die fantastoide Geschichte der Erstbesteigung des Mount Fuji!
Ohne Sauerstoffflasche!
Okay, zugegeben, ich war nicht der Erste, aber zumindest der Erste aus unserer Gruppe.
Und wir hatten doch Sauerstoffflaschen dabei. Aber ich hab nur aus Spaß mal daran gezogen, um High zu werden und dazu zu gehören zu den coolen Kindern, und auch nicht auf Lunge, wirklich!!
Also: die nicht ganz so fantastoide Geschichte...
Vortag:
Wir haben uns etwas mehr Zeit genommen, um auch noch das Umland sehen zu können.
Umland heißt halt: weitere Berge.
Nachdem wir uns erst mit der Entfernung verschätzen (das waren vielleicht doch "Auto-Minuten"), und dann verfahren (das dauert jetzt aber auch mit dem Auto schon zu lange), finden wir doch noch wonach wir suchen. Ein versteckt gelegenen Wasserfall!
Die anderen photographieren und zögern, aber ich zieh mich gleich aus! Wie oft hat man schon die Chance unter einem Wasserfall zu baden!?
Das Wasser ist kalt. Also so richtig, richtig bitter kalt! Ich brauche ein paar Augenblicke um ganz einzutauchen. Unter den Wasserfall zu kommen ist gar nicht so einfach. Zwar ist er nur ein paar Meter hoch, aber die Strömung zieht einem Beine und Unterhose weg und die kalten dicken Wassertropfen schlagen einem wie Hagel auf Kopf und Schulter. Bei jedem Versuch schaffe ich es nur für ein paar Sekunden dem Wasser standzuhalten bevor ich den Halt verliere und wieder weg gespült werde. Ein riesiger Spaß, den sich dann auch die anderen nicht entgehen lassen wollen.
Und so sind wir abgehärtet für den Berg!
Abend:
Wir nehmen den Bus zur Basis-Station - die ist etwa auf halber Berg-Höhe. Der Rest vom Berg hat nochmal so viele Höhenmeter wie die Zugspitze vom Fuß zum Gipfel. Wir, das sind 10 Studenten, ein bunter Haufen aus Taiwanesen, Finnen, Philipinos, Deutschen und einem Chinesen. Auch das Fitness-Niveau schwankt stark, von Mukibuden-Macho bis Couch-Kartoffel. Wie lange wir brauchen werden wissen wir nicht. Manche behaupten 10 Stunden, andere 5. Wir rechnen also mit 8 plus eine Stunde Sicherheit falls wir im Stau stehen. Also: am Berg, nicht auf der Straße, denn es ist Hochsaison.
Wir fahren Abends denn wir wollen rechtzeitig da sein: zum Sonnenaufgang.
Über uns thront gewaltig der Gipfel. Wir steigen in den Berg und in die Dämmerung hinein auf noch sehr gemächlichen Pfaden. Noch sind alle da, und alle fröhlich.
Manchmal kommen uns Leute entgegen, doch die meisten anderen Wandern auch in unsere Richtung.
Nacht:
Mit der Dämmerung verändert sich die Wahrnehmung. Man sieht plötzlich ganz andere Dinge. Man sieht die Sterne, viel heller und deutlicher als gewohnt. Man sieht die Lichter der Städte weit unter sich. Man sieht die Hälfte seiner Wandergruppe nicht mehr, weil sie etwas zurück fällt. Man sieht nicht mehr so genau wo man hin Tritt, also holt man seine Stirnlampe heraus und leuchtet sich den Weg. Stirnlampe ist eine gute Idee gewesen, den stellenweise braucht man doch beide Hände um voran zu kommen. Immer enger und steiler werden die Serpentinen. Zwar ist der Weg gesäumt von Laternen, aber die dienen eher der Wegweisung als der Erleuchtung. Naja, ein bisschen helfen sie doch.
Und alle 10 Wendungen kommt man wieder an einer Berghütte vorbei. Also wartet man mal wieder auf einige Nachzügler, trinkt einen Schluck Tee und isst einen Keks. Einkehren ist nicht: die Hütten sind alle ausgebucht mit Japanern, die den Bergaufstieg nicht auf einmal machen wollten.
Spätnacht:
Wir stehen im Stau. Musste ja so kommen.Zwischen zwei Berghütten hat sich die eine oder andere Reisegruppe dazwischen gedrängelt. Meist Japaner im fortgeschrittenen Alter. Von diesen Power-Senioren gibt es hier reichlich: man sieht sie joggend im Park oder besonders gerne auf Wanderwegen, wo sie ihren PlayStation-Kindern die Show stehlen.
Der Grund für den Stau ist also nicht die Trägheit der Leute sondern die Trägheit der Masse: der Pfad ist schlicht voll und zum Überholen zu schmal.
Alle paar Minuten geht es mal wieder ein Stück weiter.
Einer unserer Finnen wird von einem Kameramann interviewt. Wie er das fände von hier oben aus ein Feuerwerk zu sehen. Fänd' er schon toll, glaubt er aber nicht das so etwas passiert. 10 Meter weiter (für die wir etwa 20 Minuten gebraucht haben) sehen wir dann das Feuerwerk - winzig klein über der Stadt am Fuß des Berges. Sieht nicht so beeindruckend aus.
Die Schlange bewegt sich wieder ein paar Meter weiter...
Mitternacht:
Die meisten Leute sind wohl eingekehrt, oder rastieren noch an einer der Hütten. Hier Oben ist jedenfalls kaum noch jemand. Ich mache aber auch nur immer kürzer Halt um auf die anderen zu warten. Durch die häufigen Hütten und zahlreichen Wanderer sind Unfälle recht unwahrscheinlich.
Und mir ist kalt! Es hat zwischendurch mal geregnet und meine Jacke hat sich als weniger Wasserdicht erwiesen als mit Lieb wäre. Dazu der Schweiß und die sogar die Handschuhe sind nass von den Steinen die ich hoch steige.
Die Schilder am Wegessrand verspotten uns: sind doch nur noch ein, zwei Kilometer (Strecke, nicht Höhe)! Kann doch so lang nicht dauern! Doch nach einer weiteren halben Stunde kraxeln dreht einem das nächste Schild eine lange Nase: das waren doch wieder nur 100 Meter, und jeder einzelne hart erkämpft. Das wir Tagsüber kaum geschlafen haben hilft auch überhaupt nicht...
Also weiter. Sind ja nur noch 1200 Meter...
Nach Mitternacht:
Die Landschaft wird immer unwirklicher. Das Vulkangestein mit düsteren, schroffen Formen verschwindet außerhalb des Lichtkegels meiner Stirnlampe. Laternen gibt es hier schon lange nicht mehr. Wanderer auch kaum noch. Ich bin allein. Der Wind pfeift mir kalt um die Ohren. Immer wieder klettere ich halb-blind in die schwere Kette die den Wegrand markiert. Dann blicke ich mich wieder um. Meine Stirnlampe reicht nur einige Meter voraus, gerade genug um zu erkennen wo der Weg weiter geht. Dann bin ich wieder gefangen in dem kleinen Flecken Licht vor meinen Füßen...
Ein Shinto-Tor steht plötzlich quer über den Weg, das Holz weiß von der Witterung und unzählige Münzen in die knorrigen Ritzen gesteckt.
Inmitten der zerklüfteten Finsternis... wäre es nicht hoch am Berg es müsste die Unterwelt sein in der ich hier gelandet bin.
Weiter, noch eine Hand, noch einen Fuß in den Schein meiner Lampe, wieder auf geschaut wo's weiter geht... da seh ich über mir ein blasses Licht. Das muss es sein!! Nur noch ein paar Meter...
???:
Ich trete aus der Finsternis in das Licht! Es ist tatsächlich der Kraterrand!
Doch das Licht ist nicht etwa die Bergstation.
Es sind Getränkeautomaten.
Etwas dermaßen Japanisches hätte ich nicht ausdenken können! Die höchsten Getränkeautomaten Japans (habe ich schon erwähnt, dass "hoch" im Japanischen dasselbe Wort ist wie "teuer").
Ich bin überglücklich, re-organisiere meine Kleidung (ein bisschen was zum wechseln habe ich mitgenommen) und warte auf die Anderen die nach und nach eintrudeln.
Das mit der Glückseligkeit hält nicht lange. Es ist kalt. Die Müdigkeit und die nasse Jacke machen das ganze nicht besser. Wie lange müssen wir denn auf den Sonnenaufgang warten? Wir waren viel zu schnell hier oben!
Das Gipfel-Bier lasse ich im Rucksack - zu kalt - nebst der 2Liter Flasche Wasser die ich natürlich zu viel kalkuliert habe.
Immer wieder fange ich einfach an herum zu laufen um nicht fest-zufrieren. Mein Blick fällt über den Rand auf den Weg zurück den wir gekommen sind. Der ist voller wuselnder Lichter, hunderte und tausende, wie blinkende Ameisen bahnen sie sich in Schlangenlinien den Weg zu uns. Mir schießt es durch den Kopf: DIE WOLLEN ALLE HIER RAUF?!
Sonnenaufgang:
So schlecht gelaunt war ich seit langem nicht mehr. Mir ist so kalt dass ich die Lungenentzündung schon spüren kann. Ich habe in schneller Folge drei Kaffee getrunken um mich wach und warm zu halten. Jetzt ist mir schlecht und kalt. Der Himmel wird hell doch von der Sonne ist noch nichts zu sehen. Das Gedränge um die guten Photo-Pätze habe ich schon lange verloren. Oder aufgegeben. Die Massen an japanischen Opas entwerten nicht nur meine bergsteigerische Leistung, sie nerven auch mit ihrer guten Laune.
Jetzt beeil' dich du verdammte Sonne, damit ich mein Photo kriege und hier wieder runter kann.
Natürlich ist es nebelig ohne Ende. Oder Wolkig. Ist ja auch dasselbe hier. Musste ja so kommen.
Aber dann reißt doch noch kurz die Nebelwand und wir sehen unseren Sonnenaufgang über den Wolken.
Ja! Danke!
Ich gehe die anderen suchen - was in dem Gedränge aus Mänteln und Kapuzen gar nicht so einfach ist.
Morgen:
Wir hatschen endlose Serpentinen herab. Links, rechts, links, rechts. Andere als wir hochgekommen sind. Dieser Weg ist flacher, breiter. Grober Kies aus Vulkanstein knirscht unter meinen Stiefeln als wir uns zwischen den Leuten durchmogeln (hier ist genug Platz für alle).
Vor allem wird es wärmer. Schicht um Schicht kann ich wieder in den Rucksack verstauen.
Das hebt meine Stimmung aber nur minimal. Die Knie knirschen lauter als der Kies und mit jeder Kehre dreht sich auch mein Magen nochmal um. Doch Stück für Stück kommen wir bergab, hinab zum Meer aus Wolken tief unter uns.
Kurz vor der Basisstation salutieren mir meine treuen Armee-Stiefel noch ein letztes Mal Lebwohl, dann verabschiedet sich die Sohle...
9 Jahre! Vor genau 9 Jahren, August 2004, hat man mir die Füße gemessen und in diese Stiefel gesteckt, auf das ich tapfer marschiere, marschiere, bergauf und bergab. Mir wird etwas wehmütig, aber ein besseres Ende hätte ich mir auch nicht wünschen können. Danke für all die vielen Meilen!
Ich sinke auf einer Bank zusammen und trinke mein Gipfel-Bier (Hey! Ich bin immernoch höher als die Zugspitze!). Wir warten noch etwas auf die Nachzügler, aber am Ende haben es alle geschafft!
Wir fahren zurück ins Hostel und dann gleich weiter zur heißen Quelle zum baden und entspannen....
Montag, 19. August 2013
Montag, 29. Juli 2013
Arbeitsjagd
Sie schauen ihn alle etwas komisch an. Nicht so herabblickend, sondern einfach verwundert... oder verwirrt...
Also alle: sowohl die Internationals als auch die Japaner - aber aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Nur weil er einen Anzug anzieht - oder besser versucht anzuziehen.
Anzüge sind so gar nicht sein Ding. Das mit der Kravatte gleich zweimal nicht.
Aber ich weiß warum er's trotzdem probiert - probieren muss:
er will einen Job!
In Japan!
Da geht ohne Anzug und Kravatte gar nichts - selbst in kleinen, jungen, dynamischen IT Firmen nicht.
Wir Ausländer wundern uns also warum er so ein Geschiss macht: als Informatiker kann er doch kommen wie er will.
Die Japaner dagegen wundern sich, warum er jetzt erst damit anfängt, wo er doch schon in drei Monaten graduiert. Viel zu spät meinen sie, und wundern sich wie er all die Jahre ohne Anzug ausgekommen ist.
In Japan läuft das mit der Arbeitssuche etwas anders als im Westen. Hier ist Job-Hunting ein Lebensstil. Shūshoku-Katsudo (就職活動) nennen sie das, und es kann gerne mal ein halbes oder ganzes Jahr des Lebens verschlingen, bevorzugterweise während man noch Student ist, damit man nicht als NEET (Not in Employment, Education or Training) abgestempelt wird.
Und so entstehen zwei Pfade durch Japanische Masterkurse: der Weg der Ausländer ist geprägt von mäßigem Stress, akzeptabler Freizeit, stetem Sammeln von Credits und was man sonst so von unseren Unis kennt.
Aber nicht für die Japaner: die versuchen verzweifelt alle Credits schon im ersten Jahr zusammenzukratzen, damit sich sich danach ganz aufs Jobsuchen konzentrieren können. Also schieben sie Doppelschichten im Labor und den Vorlesungssälen. Die Uni sah sich gezwungen den Wahnsinn etwas einzudämmen und verfügte, dass man keine Credits von zwei Kursen bekommen kann, die zur selben Zeit stattfinden. Scheinbar haben zu viele Leute versucht die Grenzen der Physik zu dehnen um in zwei Vorlesungen mit Anwesenheitspflicht gleichzeitig anwesend zu sein. Alles nur um ihre Credits schneller voll zu kriegen.
Im zweiten Jahr sind die Studenten dann nämlich weg. Man trifft sie kaum noch im Labor, und die Email von ihnen sind immer dieselben: "Es ist unentschuldbar, aber ich kann diese Woche nicht am Meeting teilnehmen, weil ich ein Vorstellungsgespräch habe."
Der Professor hat sie verdonnert immer dazu schreiben zu müssen, welche Firma, wann und wo das wievielte Vorstellungsgespräch für welche Stelle das ist. Um Missbrauch vorzubeugen.
Ist aber kein Versuch zu Schwänzen. Sie fahren wirklich für eine gute Stelle bis zu 5 mal nach Tokyo. Ich hab ja im Leben noch nie ein zweites Vorstellungsgespräch für irgendwas gehabt. Ich bin ja nicht bei "FirmaX sucht den Super-Programmierer" und lass' mich zum "Recall" einladen. Aber für die Japaner ist das normal. Immerhin - für die späteren Interviews übernehmen die Unternehmen manchmal die Reisekosten.
Also wieder rein in den Anzug und zum Bahnhof.
Was Japaner nicht alles über sich ergehen lassen für eine gute Stelle.
Japanisch lernen zum Beispiel:
Die höheren Sphären der Höflichkeit - Keigo (敬語) - das man im Alltag vor allem als "das komisch Zeug das Verkäufer reden" kennt.
Japaner verstehen zwar meist was gemeint ist wenn sie es hören, aber richtig verwenden können sie es nicht. Da muss man nämlich genau darauf Achten welcher Gruppe man angehört, wer der Gesprächspartner ist und wie die Beziehung zum Gesprächsobjekt ist. Also kein Pappenstil. Da müssen manche nochmal einen Sprachkurs belegen.
Wir reden übrigens immer noch von Hochschulabsolventen in Boom-Branchen von einer respektablen Uni die erst letztens sogar einen Nobelpreisträger produziert hat.
Was ist da schief gelaufen?
Absolventen sind Massenware hier. Nicht nur ist die Quote an Hochschulabsolventen deutlich höher als im Westen, es macht auch gar keinen Unterschied was man Studiert hat: man ist einfach Human Resource. Der Abschluss ist nicht die Vorbereitung und Spezialisierung auf einen bestimmten Beruf, sondern einfach eine Bewährungsprobe, dass man kompliziertes Zeug lernen kann.
Das ist den Leuten aber auch schon bei der Wahl der Studiums klar. Nicht wenige Informatik-Studenten geben offen zu nie als Informatiker arbeiten zu wollen.
Und eine Freundin aus der Bio-Fakultät hat letztens endlich einen guten Job gelandet. Bei Bandai.
Bandai? Der Spiele-Firma?!
Ja.
Sie hat einen Doktor in Biologie und arbeitet jetzt bei Bandai als, äh.... Office Lady.
Wundern sie sich also nicht wenn demnächst Pflänzchen aus ihrem Spielzeug wachsen.
Da hatte jemand Tag-träume auf der Arbeit.
Also alle: sowohl die Internationals als auch die Japaner - aber aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Nur weil er einen Anzug anzieht - oder besser versucht anzuziehen.
Anzüge sind so gar nicht sein Ding. Das mit der Kravatte gleich zweimal nicht.
Aber ich weiß warum er's trotzdem probiert - probieren muss:
er will einen Job!
In Japan!
Da geht ohne Anzug und Kravatte gar nichts - selbst in kleinen, jungen, dynamischen IT Firmen nicht.
Wir Ausländer wundern uns also warum er so ein Geschiss macht: als Informatiker kann er doch kommen wie er will.
Die Japaner dagegen wundern sich, warum er jetzt erst damit anfängt, wo er doch schon in drei Monaten graduiert. Viel zu spät meinen sie, und wundern sich wie er all die Jahre ohne Anzug ausgekommen ist.
In Japan läuft das mit der Arbeitssuche etwas anders als im Westen. Hier ist Job-Hunting ein Lebensstil. Shūshoku-Katsudo (就職活動) nennen sie das, und es kann gerne mal ein halbes oder ganzes Jahr des Lebens verschlingen, bevorzugterweise während man noch Student ist, damit man nicht als NEET (Not in Employment, Education or Training) abgestempelt wird.
Und so entstehen zwei Pfade durch Japanische Masterkurse: der Weg der Ausländer ist geprägt von mäßigem Stress, akzeptabler Freizeit, stetem Sammeln von Credits und was man sonst so von unseren Unis kennt.
Aber nicht für die Japaner: die versuchen verzweifelt alle Credits schon im ersten Jahr zusammenzukratzen, damit sich sich danach ganz aufs Jobsuchen konzentrieren können. Also schieben sie Doppelschichten im Labor und den Vorlesungssälen. Die Uni sah sich gezwungen den Wahnsinn etwas einzudämmen und verfügte, dass man keine Credits von zwei Kursen bekommen kann, die zur selben Zeit stattfinden. Scheinbar haben zu viele Leute versucht die Grenzen der Physik zu dehnen um in zwei Vorlesungen mit Anwesenheitspflicht gleichzeitig anwesend zu sein. Alles nur um ihre Credits schneller voll zu kriegen.
Im zweiten Jahr sind die Studenten dann nämlich weg. Man trifft sie kaum noch im Labor, und die Email von ihnen sind immer dieselben: "Es ist unentschuldbar, aber ich kann diese Woche nicht am Meeting teilnehmen, weil ich ein Vorstellungsgespräch habe."
Der Professor hat sie verdonnert immer dazu schreiben zu müssen, welche Firma, wann und wo das wievielte Vorstellungsgespräch für welche Stelle das ist. Um Missbrauch vorzubeugen.
Ist aber kein Versuch zu Schwänzen. Sie fahren wirklich für eine gute Stelle bis zu 5 mal nach Tokyo. Ich hab ja im Leben noch nie ein zweites Vorstellungsgespräch für irgendwas gehabt. Ich bin ja nicht bei "FirmaX sucht den Super-Programmierer" und lass' mich zum "Recall" einladen. Aber für die Japaner ist das normal. Immerhin - für die späteren Interviews übernehmen die Unternehmen manchmal die Reisekosten.
Also wieder rein in den Anzug und zum Bahnhof.
Was Japaner nicht alles über sich ergehen lassen für eine gute Stelle.
Japanisch lernen zum Beispiel:
Die höheren Sphären der Höflichkeit - Keigo (敬語) - das man im Alltag vor allem als "das komisch Zeug das Verkäufer reden" kennt.
Japaner verstehen zwar meist was gemeint ist wenn sie es hören, aber richtig verwenden können sie es nicht. Da muss man nämlich genau darauf Achten welcher Gruppe man angehört, wer der Gesprächspartner ist und wie die Beziehung zum Gesprächsobjekt ist. Also kein Pappenstil. Da müssen manche nochmal einen Sprachkurs belegen.
Wir reden übrigens immer noch von Hochschulabsolventen in Boom-Branchen von einer respektablen Uni die erst letztens sogar einen Nobelpreisträger produziert hat.
Was ist da schief gelaufen?
Absolventen sind Massenware hier. Nicht nur ist die Quote an Hochschulabsolventen deutlich höher als im Westen, es macht auch gar keinen Unterschied was man Studiert hat: man ist einfach Human Resource. Der Abschluss ist nicht die Vorbereitung und Spezialisierung auf einen bestimmten Beruf, sondern einfach eine Bewährungsprobe, dass man kompliziertes Zeug lernen kann.
Das ist den Leuten aber auch schon bei der Wahl der Studiums klar. Nicht wenige Informatik-Studenten geben offen zu nie als Informatiker arbeiten zu wollen.
Und eine Freundin aus der Bio-Fakultät hat letztens endlich einen guten Job gelandet. Bei Bandai.
Bandai? Der Spiele-Firma?!
Ja.
Sie hat einen Doktor in Biologie und arbeitet jetzt bei Bandai als, äh.... Office Lady.
Wundern sie sich also nicht wenn demnächst Pflänzchen aus ihrem Spielzeug wachsen.
Da hatte jemand Tag-träume auf der Arbeit.
Sonntag, 14. Juli 2013
Dienst>Leistung
Japan ist für seine höfliche Service-Kultur bekannt. Jeder der mal da war hat eine Geschichte zu erzählen. Von der Bedienung, die einem das vergessene Wechselgeld (oder Kassenbon) noch auf die Straße nachträgt. Von Busfahrern, die einem zu viel bezahltes Fahrgeld als Bon gutschreiben.
Brauch ich ja eigentlich nix mehr zu sagen.
Aber irgendwas muss ich hier noch schreiben - sonst ist der Text so kurz.
Also kriegen Sie jetzt: die top drei der most-shocking beschähmend freundlichen Service Erlebnisse.
(3)
An der Kasse im Supermarkt fällt mir auf, dass ich arm bin. Nicht so permanent, aber momentan doch deutlich ärmer als erwartet. Sollten da nicht noch so etwa 5000Yen in dem Geldbeutel sein?
Doch, ganz bestimmt: ich hatte noch einen 5000Yen Geldschein... oder? Gedanklich gehe ich zurück, was ich so in letzter Zeit gemacht habe: Zähneputzen, lineare Gleichungssysteme lösen, Kaffee kochen... -moment, zwischendurch war ich noch bei der Post, ein Päckchen verschicken!
Aber da habe ich Kleingeld zusammengekratzt (das jetzt auch fehlt) und nur 1000Yen in Scheinform beigesteuert. Oder war das der 5000er? Ich krame den Kassenbon heraus: steht aber der korrekte Betrag drauf: nix mit 4000Yen Wechselgeld.
Ich grüble noch eine Woche laut vor mich hin bis mir eine Freundin rät: frag halt einfach bei der Post. Wenn sie 4000Yen zu viel in der Kasse haben werden sie das schon merken.
Ja, aber ich kann ja nicht beweisen, dass es meine 4000Yen sind!
Trotzdem gehe ich hin - schäme mich ganz doll so dreist einfach nach Geld zu fragen, aber frage schließlich doch. Die Frau lässt mich kurz warten und verschwindet im Hinterzimmer.
Nach 5 Minuten kommt sie wieder, mit vorbereiteten 4000Yen. Die hat sie nicht einfach aus der Kasse geholt, die hatten sie da eine Woche liegen: "4000Yen, die in der Kasse waren aber nicht im System, vermutlich, weil ein 5000Yen Schein für ein 10000Yen Schein gehalten wurde.
Sie entschuldigt sich ganz zerknirscht immer wieder, dass so ein Fehler unterlaufen konnte.
Ich entschuldigt mich dafür, dass sie mein Geld aufheben mussten, weil ich so blöd war meinen 5000Yen Schein für einen 1000Yen Schein zu halten.
Also entschuldigen wir mich auch ein paar Dutzend mal und gehe dann. Und spendiere meiner Freundin erst mal einen Drink...
(2)
Meinen optisch sehr ansprechenden Lampenschirm habe ich seit meiner Ankunft in Japan noch nicht zusammen-gepuzzelt (das Ding ist nämlich ein zerlegbares Puzzle). Grund: ich hätte gar keine Lampe, Fassung, Kabel oder Schalter. Also gehe ich einkaufen.
Doch irgendwie passt nichts. Die meisten Fassungen haben kein Kabel und wenn, dann keinen Schalter. Auch das 5 kleine Elektro-Geschäft in Nipponbashi nicht. Ich will schon wieder gehen, als mich der alte Ladenbesitzer fragt, was ich brauche. Ich habe überhaupt nicht das Vokabular, um das zu erklären, versuche es aber irgendwie trotzdem, ohne besondere Hoffnungen.
Mhmm, jaa, für Glühbirne... hmm.... und wie lange das Kabel? Achso... und mit Schalter? Jaja.
Nee, ham's auch net.
"Bastel ich dir aber schnell!", grinst mich der Alte an.
Er holt einen Lotkolben hinter der Theke hervor, und ruft eine Frau (oder Tochter?) und Tochter (oder Enkelin)? Die Frau unterhält mich, die Enkelin muss zwei extra Hände zur Verfügung stellen, den so gut klappt das mit dem Löten nicht mehr. Zumindest haben seine Hände schon diverse Brandverletzungen in Lotkolben-Größe. Er setzt also häufiger seine Gesundheit für Kundenwünsche aufs Spiel.
Aber zum Protestieren komme ich ja nicht, weil seine Frau/Tochter mich zu gut ablenkt.
Nach 15 Minuten ist er dann fertig und drückt mir strahlend (wenn auch etwas Zahnlos) das fertige Ding in die Hand.
Dann berechnet er: Kabel, Fassung, Schalter. Alles Centbeträge. Für die Arbeit will er nichts.
Ich kaufe dann wenigstens gleich noch die Glühbirne in seinem Landen, damit sich die Arbeit für ihn wenigstens ein bisschen rentiert hat.
Er bedankt sich, ich bedanke mich, seine Frauen bedanken sich, wir bedanken uns alle noch ein bisschen, dann gehe ich.
(1)
Der Zug kommt nicht.
Das ist verwunderlich: weil der Zug immer kommt, und zwar immer pünktlich.
Und es ist ärgerlich, weil er der letzte Zug heute Nacht ist.
Und es ist problematisch, weil selbst wenn er jetzt noch kommt, verpasse ich meinen Anschluss-Zug, für den habe ich nämlich nur 30 Sekunden Zeit, und es ist auch der letzte.
Mit dämmert, dass ich mich doch etwas zu sehr auf die Zuverlässigkeit der Kintetsu Railway Association verlasse, mit diesem "auf-den-letzten-Drücker" System.
Die Durchsage entschuldigt sich in sehr höflichem Japanisch, dass ich nicht verstehe.
Ich werde also nie erfahren, warum der Zug nicht kam.
Dann kommt der Ersatzzug eingerollt. Ich zweifle kurz ob es überhaupt besser ist, am nächsten Bahnhof festzusitzen, anstatt einfach in Downtown Osaka zu bleiben - hier gibt es wenigstens Capsule-Hotels und Manga-Cafes - entscheide mich dann aber doch für's heimkehren. Vielleicht wartet der andere Zug ja.
Tut er aber nicht - stattdessen werden wir vom Bahnhofs-Vorsteher empfangen, der sich mit tiefer Verbeugung für den verpassten Anschlusszug entschuldigt. Er weist uns an, ein Taxi zu nehmen: die kosten übernehme die Zuggesellschaft.
Bitte was? Ich kann jetzt mit dem Taxi irgendwo hin fahren, und die Zahlen mir das, weil ihr Zug 10 Minuten Verspätung hatte?!
Ja, tun sie.
Am Taxi-Stand ist eine entsprechen lange Schlange.
Darunter auch die gesammte Philippino-Gemeinschaft von unserem Campus. Die sind also auch hier gestrandet. Während wir warten unterhalten wir uns. Kommt raus: sie waren gar nicht in Osaka, sondern in Nara. "Dann ward ihr doch gar nicht im verspäteten Zug?!"
Nein, wie waren selbst ungeschickt genug, den letzten Anschlusszug zu verpassen, aber die Kintetsu Railway Association hat heute die Spendierhosen an: um sicher zu gehen, dass alle Kunden zufrieden heim kommen, bekommen auch alle eine Taxifahrt spendiert.
Ich finde das zwar fragwürdig, aber nachdem ich jetzt mit im Taxi sitze...
Auf der Heimfahrt versuche ich mir vorzustellen, wie die Deutsche Bahn mit dem Problem umgangen wäre....
Brauch ich ja eigentlich nix mehr zu sagen.
Aber irgendwas muss ich hier noch schreiben - sonst ist der Text so kurz.
Also kriegen Sie jetzt: die top drei der most-shocking beschähmend freundlichen Service Erlebnisse.
(3)
An der Kasse im Supermarkt fällt mir auf, dass ich arm bin. Nicht so permanent, aber momentan doch deutlich ärmer als erwartet. Sollten da nicht noch so etwa 5000Yen in dem Geldbeutel sein?
Doch, ganz bestimmt: ich hatte noch einen 5000Yen Geldschein... oder? Gedanklich gehe ich zurück, was ich so in letzter Zeit gemacht habe: Zähneputzen, lineare Gleichungssysteme lösen, Kaffee kochen... -moment, zwischendurch war ich noch bei der Post, ein Päckchen verschicken!
Aber da habe ich Kleingeld zusammengekratzt (das jetzt auch fehlt) und nur 1000Yen in Scheinform beigesteuert. Oder war das der 5000er? Ich krame den Kassenbon heraus: steht aber der korrekte Betrag drauf: nix mit 4000Yen Wechselgeld.
Ich grüble noch eine Woche laut vor mich hin bis mir eine Freundin rät: frag halt einfach bei der Post. Wenn sie 4000Yen zu viel in der Kasse haben werden sie das schon merken.
Ja, aber ich kann ja nicht beweisen, dass es meine 4000Yen sind!
Trotzdem gehe ich hin - schäme mich ganz doll so dreist einfach nach Geld zu fragen, aber frage schließlich doch. Die Frau lässt mich kurz warten und verschwindet im Hinterzimmer.
Nach 5 Minuten kommt sie wieder, mit vorbereiteten 4000Yen. Die hat sie nicht einfach aus der Kasse geholt, die hatten sie da eine Woche liegen: "4000Yen, die in der Kasse waren aber nicht im System, vermutlich, weil ein 5000Yen Schein für ein 10000Yen Schein gehalten wurde.
Sie entschuldigt sich ganz zerknirscht immer wieder, dass so ein Fehler unterlaufen konnte.
Ich entschuldigt mich dafür, dass sie mein Geld aufheben mussten, weil ich so blöd war meinen 5000Yen Schein für einen 1000Yen Schein zu halten.
Also entschuldigen wir mich auch ein paar Dutzend mal und gehe dann. Und spendiere meiner Freundin erst mal einen Drink...
(2)
Meinen optisch sehr ansprechenden Lampenschirm habe ich seit meiner Ankunft in Japan noch nicht zusammen-gepuzzelt (das Ding ist nämlich ein zerlegbares Puzzle). Grund: ich hätte gar keine Lampe, Fassung, Kabel oder Schalter. Also gehe ich einkaufen.
Doch irgendwie passt nichts. Die meisten Fassungen haben kein Kabel und wenn, dann keinen Schalter. Auch das 5 kleine Elektro-Geschäft in Nipponbashi nicht. Ich will schon wieder gehen, als mich der alte Ladenbesitzer fragt, was ich brauche. Ich habe überhaupt nicht das Vokabular, um das zu erklären, versuche es aber irgendwie trotzdem, ohne besondere Hoffnungen.
Mhmm, jaa, für Glühbirne... hmm.... und wie lange das Kabel? Achso... und mit Schalter? Jaja.
Nee, ham's auch net.
"Bastel ich dir aber schnell!", grinst mich der Alte an.
Er holt einen Lotkolben hinter der Theke hervor, und ruft eine Frau (oder Tochter?) und Tochter (oder Enkelin)? Die Frau unterhält mich, die Enkelin muss zwei extra Hände zur Verfügung stellen, den so gut klappt das mit dem Löten nicht mehr. Zumindest haben seine Hände schon diverse Brandverletzungen in Lotkolben-Größe. Er setzt also häufiger seine Gesundheit für Kundenwünsche aufs Spiel.
Aber zum Protestieren komme ich ja nicht, weil seine Frau/Tochter mich zu gut ablenkt.
Nach 15 Minuten ist er dann fertig und drückt mir strahlend (wenn auch etwas Zahnlos) das fertige Ding in die Hand.
Dann berechnet er: Kabel, Fassung, Schalter. Alles Centbeträge. Für die Arbeit will er nichts.
Ich kaufe dann wenigstens gleich noch die Glühbirne in seinem Landen, damit sich die Arbeit für ihn wenigstens ein bisschen rentiert hat.
Er bedankt sich, ich bedanke mich, seine Frauen bedanken sich, wir bedanken uns alle noch ein bisschen, dann gehe ich.
(1)
Der Zug kommt nicht.
Das ist verwunderlich: weil der Zug immer kommt, und zwar immer pünktlich.
Und es ist ärgerlich, weil er der letzte Zug heute Nacht ist.
Und es ist problematisch, weil selbst wenn er jetzt noch kommt, verpasse ich meinen Anschluss-Zug, für den habe ich nämlich nur 30 Sekunden Zeit, und es ist auch der letzte.
Mit dämmert, dass ich mich doch etwas zu sehr auf die Zuverlässigkeit der Kintetsu Railway Association verlasse, mit diesem "auf-den-letzten-Drücker" System.
Die Durchsage entschuldigt sich in sehr höflichem Japanisch, dass ich nicht verstehe.
Ich werde also nie erfahren, warum der Zug nicht kam.
Dann kommt der Ersatzzug eingerollt. Ich zweifle kurz ob es überhaupt besser ist, am nächsten Bahnhof festzusitzen, anstatt einfach in Downtown Osaka zu bleiben - hier gibt es wenigstens Capsule-Hotels und Manga-Cafes - entscheide mich dann aber doch für's heimkehren. Vielleicht wartet der andere Zug ja.
Tut er aber nicht - stattdessen werden wir vom Bahnhofs-Vorsteher empfangen, der sich mit tiefer Verbeugung für den verpassten Anschlusszug entschuldigt. Er weist uns an, ein Taxi zu nehmen: die kosten übernehme die Zuggesellschaft.
Bitte was? Ich kann jetzt mit dem Taxi irgendwo hin fahren, und die Zahlen mir das, weil ihr Zug 10 Minuten Verspätung hatte?!
Ja, tun sie.
Am Taxi-Stand ist eine entsprechen lange Schlange.
Darunter auch die gesammte Philippino-Gemeinschaft von unserem Campus. Die sind also auch hier gestrandet. Während wir warten unterhalten wir uns. Kommt raus: sie waren gar nicht in Osaka, sondern in Nara. "Dann ward ihr doch gar nicht im verspäteten Zug?!"
Nein, wie waren selbst ungeschickt genug, den letzten Anschlusszug zu verpassen, aber die Kintetsu Railway Association hat heute die Spendierhosen an: um sicher zu gehen, dass alle Kunden zufrieden heim kommen, bekommen auch alle eine Taxifahrt spendiert.
Ich finde das zwar fragwürdig, aber nachdem ich jetzt mit im Taxi sitze...
Auf der Heimfahrt versuche ich mir vorzustellen, wie die Deutsche Bahn mit dem Problem umgangen wäre....
Sonntag, 30. Juni 2013
Fight!
Man kennt das ja: einmal in der Höflichkeits-Form vergriffen, wird man hier gleich zum Duell mit dem Schwert gefordert. Ham's kein's? Gut, dann Halt die Fäuste und Füße geschwungen! Die Japaner haben ihr Karate und Judo und Sumo schließlich nicht zum Spaß erfunden! Hiyaaaa!
Glauben Sie nicht?
Haben Sie recht!
Leider.
Wenn ich hier anfange mich über Sport zu unterhalten, kommt das begeisterte Leuchten in die Augen: Fußball, Baseball, Basketball, Tennis! Hauptsache westliche Ballsportarten.
Ich würde ihnen ja gerne vorhalten, dass sie ihre eigene Kultur vernachlässigen, nur hab ich leider selbst auch keine Ahnung von Fußball... oder Fingerhakeln...
... ja, ja, ich schäme mich ja schon! Aber zurück zum Thema!
Natürlich ist der Kampfsport hier NICHT vom Aussterben bedroht. Dafür sogen schon die quasi-verpflichtenden Schulsport-Vereine. Da haben zwar auch Baseball und Co die Nase vorn, aber es bleibt genug Platz für Schwert und Bogen.
Und so sieht man hier am Wochenende oft die Schulmädchen in ihren Uniformen in der UBahn mit langen Taschen. Nein, sie tragen ihre Waffen (leider?) nicht offen herum, aber jeder weiß was da drin ist. (Die Taschen mit dem Knick am Ende sind Naginata-Hellebarden...)
Allerdings haben die bewaffneten Sportarten vor allem auch kulturellen Charakter: man zieht sich traditionell fein an, verbringt reichlich Zeit mit Grüßen und Ehr-Bekundungen und trainiert seine Form. Der eigentliche Kampfgedanke tritt in den Hintergrund.
Die unbewaffneten Hand-Und-Fuß Sportarten, sind schon etwas seltener.
Wie selten? Nun, als der Sohn meiner Gastfamilie (so um die 5 Jahre) zum ersten mal hört, dass ich Kampfsport mache, fragt er ganz begeistert ob ich ein Superheld sei - so wie die aus dem Fernsehen, die immer böse Jungs verkloppen.
Ähh, klar Kleiner, aber meist finde ich keine bösen Jungs und kloppe mich mit meinen Freunden...
Jaja, die Begeisterung japanischer Jungs für den Kampf Mann gegen -ähm, wasauchimmer - beschränkt sich auf Digitale Medien.
Dort ist er dafür absolute Pflicht: in der Streetfighter-Nation gibt es so viele Prügel-Spiel-Automaten in den Spielhallen wie sonst was. Und die Dinger ziehen einem genau so schnell das Geld aus den Taschen wie eine Yakuza-Bande, wenn man nicht verdammt aufpasst. Whuuuuaaaa!
Schließlich finde ich dann doch noch eine Kampfsport-Schule bei der ich glücklich werde: Nihon-Kempo (übersetzt etwa: "Japanisch-Boxen") heißt der Spaß. Nach ein paar Monaten Formen lernen gehts los: Man bekommt einen Tiefschutz, Brustpanzer und Eisen-Maske... und dann so richtig auf die Nuss!
Ernsthafte Verletzungen sind Dank der Panzerung sehr Unwahrscheinlich, aber trotzdem spürt man jeden Treffer. Kein Abend an dem ich nicht mit blauen Flecken und schmerzendem Kinn nach Hause wanke! Ja, sie erraten es schon: ein riesiger Spaß!
Hier die Highlights:
a) Japanischer Opa etwa so groß wie alt (cm = Jahre), und absolut unbesiegbar. So schnelle Konter dass man sich Fragt ob sie Gesetze der Physik das noch freiwillig mit sich machen lassen, oder ob er die auch regelmäßig verdrischt. Natürlich hat er den Erfahrungs-Bonus, aber könnte er sich nicht ein bisschen an seiner Altersgruppe orientieren? Aber da wirbelt er schon wieder unter meiner Deckung durch klatscht mir eine und grinst dabei freundlich.
b) Endlich schaffe ich es mal einen (anderen) Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Er stürzt und - wie ich das im Taekwondo gelernt habe - gebe ich ihm noch einen sauberen Finishing-Hit auf den schwergepanzerten Brustkorb. (Zitat: "Der steht ja sonst gleich wieder auf!"). Voller Stolz gehe ich in meine Ecke zurück. Doch der Meister ist nicht ganz zufrieden. Hätte ich mir denken können, dass das in Japan als Unehrenhaft gilt...
> "Also, der Wurf war gut, aber du darfst nicht gleich aufhören! Immer feste druff, links, rechts, zack! Der Schiedsrichter sagt dir schon wenn du aufhören sollst!"
Von da an gebe ich mir nochmal extra Mühe mich nicht selbst umwerfen zu lassen!
c) Mit mir zusammen trainiert noch ein anderer Austausch-Student: ein zwei Meter großer Holländer.
Irgendwann kommen die Japaner auf die lustige Idee uns mal gegeneinander Kämpfen zu lassen.
"Oh, prima! Nachdem er auch Anfänger ist, brauchen wir uns ja nicht so anstrengen", dachte ich mir so.
10 Sekunden und 5 rechte Gerade später denke ich eher so "DU VERDAMMTER BASTARD! DIR WERD ICH GLEICH....!"
Aber leichter gesagt als getan: seine Arme und Beine sind gut 15cm länger als meine. Ein Unterschied der mir schwer zu schaffen macht. Eben waren seine Fäuste noch so weit weg, und plötzlich sind sie in meinem Gesicht! Unfair, das!
Es dämmert mir langsam, dass das derselbe Größenvorteil ist, den ich gegenüber den Japanern genieße... so fühlt sich das also an gegen mich zu kämpfen...? Zack, hab ich schon wieder dieses Bein im Bauch.
Als er nach dem Kampf seine Maske abnimmt und ich sehe wie ausgelaugt auch er ist, bin ich vollends im Nirvana.
Hände schütteln und ein Bier trinken gehen!
Tja, und jetzt:
am neuen Campus gibts keinen Kampfsport mehr, und auch der Holländer ist wieder nach Hause gefahren.
Muss ich halt selber anfangen: einmal die Woche wird der Allzweckraum gebucht, und dann bringe ich den Leuten mal etwas Taekwondo bei! Kihap!
Glauben Sie nicht?
Haben Sie recht!
Leider.
Wenn ich hier anfange mich über Sport zu unterhalten, kommt das begeisterte Leuchten in die Augen: Fußball, Baseball, Basketball, Tennis! Hauptsache westliche Ballsportarten.
Ich würde ihnen ja gerne vorhalten, dass sie ihre eigene Kultur vernachlässigen, nur hab ich leider selbst auch keine Ahnung von Fußball... oder Fingerhakeln...
... ja, ja, ich schäme mich ja schon! Aber zurück zum Thema!
Natürlich ist der Kampfsport hier NICHT vom Aussterben bedroht. Dafür sogen schon die quasi-verpflichtenden Schulsport-Vereine. Da haben zwar auch Baseball und Co die Nase vorn, aber es bleibt genug Platz für Schwert und Bogen.
Und so sieht man hier am Wochenende oft die Schulmädchen in ihren Uniformen in der UBahn mit langen Taschen. Nein, sie tragen ihre Waffen (leider?) nicht offen herum, aber jeder weiß was da drin ist. (Die Taschen mit dem Knick am Ende sind Naginata-Hellebarden...)
Allerdings haben die bewaffneten Sportarten vor allem auch kulturellen Charakter: man zieht sich traditionell fein an, verbringt reichlich Zeit mit Grüßen und Ehr-Bekundungen und trainiert seine Form. Der eigentliche Kampfgedanke tritt in den Hintergrund.
Die unbewaffneten Hand-Und-Fuß Sportarten, sind schon etwas seltener.
Wie selten? Nun, als der Sohn meiner Gastfamilie (so um die 5 Jahre) zum ersten mal hört, dass ich Kampfsport mache, fragt er ganz begeistert ob ich ein Superheld sei - so wie die aus dem Fernsehen, die immer böse Jungs verkloppen.
Ähh, klar Kleiner, aber meist finde ich keine bösen Jungs und kloppe mich mit meinen Freunden...
Jaja, die Begeisterung japanischer Jungs für den Kampf Mann gegen -ähm, wasauchimmer - beschränkt sich auf Digitale Medien.
Dort ist er dafür absolute Pflicht: in der Streetfighter-Nation gibt es so viele Prügel-Spiel-Automaten in den Spielhallen wie sonst was. Und die Dinger ziehen einem genau so schnell das Geld aus den Taschen wie eine Yakuza-Bande, wenn man nicht verdammt aufpasst. Whuuuuaaaa!
Schließlich finde ich dann doch noch eine Kampfsport-Schule bei der ich glücklich werde: Nihon-Kempo (übersetzt etwa: "Japanisch-Boxen") heißt der Spaß. Nach ein paar Monaten Formen lernen gehts los: Man bekommt einen Tiefschutz, Brustpanzer und Eisen-Maske... und dann so richtig auf die Nuss!
Ernsthafte Verletzungen sind Dank der Panzerung sehr Unwahrscheinlich, aber trotzdem spürt man jeden Treffer. Kein Abend an dem ich nicht mit blauen Flecken und schmerzendem Kinn nach Hause wanke! Ja, sie erraten es schon: ein riesiger Spaß!
Hier die Highlights:
a) Japanischer Opa etwa so groß wie alt (cm = Jahre), und absolut unbesiegbar. So schnelle Konter dass man sich Fragt ob sie Gesetze der Physik das noch freiwillig mit sich machen lassen, oder ob er die auch regelmäßig verdrischt. Natürlich hat er den Erfahrungs-Bonus, aber könnte er sich nicht ein bisschen an seiner Altersgruppe orientieren? Aber da wirbelt er schon wieder unter meiner Deckung durch klatscht mir eine und grinst dabei freundlich.
b) Endlich schaffe ich es mal einen (anderen) Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Er stürzt und - wie ich das im Taekwondo gelernt habe - gebe ich ihm noch einen sauberen Finishing-Hit auf den schwergepanzerten Brustkorb. (Zitat: "Der steht ja sonst gleich wieder auf!"). Voller Stolz gehe ich in meine Ecke zurück. Doch der Meister ist nicht ganz zufrieden. Hätte ich mir denken können, dass das in Japan als Unehrenhaft gilt...
> "Also, der Wurf war gut, aber du darfst nicht gleich aufhören! Immer feste druff, links, rechts, zack! Der Schiedsrichter sagt dir schon wenn du aufhören sollst!"
Von da an gebe ich mir nochmal extra Mühe mich nicht selbst umwerfen zu lassen!
c) Mit mir zusammen trainiert noch ein anderer Austausch-Student: ein zwei Meter großer Holländer.
Irgendwann kommen die Japaner auf die lustige Idee uns mal gegeneinander Kämpfen zu lassen.
"Oh, prima! Nachdem er auch Anfänger ist, brauchen wir uns ja nicht so anstrengen", dachte ich mir so.
10 Sekunden und 5 rechte Gerade später denke ich eher so "DU VERDAMMTER BASTARD! DIR WERD ICH GLEICH....!"
Aber leichter gesagt als getan: seine Arme und Beine sind gut 15cm länger als meine. Ein Unterschied der mir schwer zu schaffen macht. Eben waren seine Fäuste noch so weit weg, und plötzlich sind sie in meinem Gesicht! Unfair, das!
Es dämmert mir langsam, dass das derselbe Größenvorteil ist, den ich gegenüber den Japanern genieße... so fühlt sich das also an gegen mich zu kämpfen...? Zack, hab ich schon wieder dieses Bein im Bauch.
Als er nach dem Kampf seine Maske abnimmt und ich sehe wie ausgelaugt auch er ist, bin ich vollends im Nirvana.
Hände schütteln und ein Bier trinken gehen!
Tja, und jetzt:
am neuen Campus gibts keinen Kampfsport mehr, und auch der Holländer ist wieder nach Hause gefahren.
Muss ich halt selber anfangen: einmal die Woche wird der Allzweckraum gebucht, und dann bringe ich den Leuten mal etwas Taekwondo bei! Kihap!
Montag, 17. Juni 2013
Dabei sein ist schon alles
Zwei Völker haben die Ruf, besonders fleißig zu sein (ohne dazu gezwungen zu werden): Deutsche und Japaner.
Ob da was dran ist? Viele Deutsche haben erst gar nicht das Gefühl besonders fleißig zu sein... bis man sie mit anderen Ländern vergleicht. Die Wahrnehmung ist also: "wir sind nicht fleißig, alle anderen sind nur faul!".
Außer die Japaner. Die sind berühmt dafür auch noch die unmenschlichsten Arbeitszeiten mit einem Lächeln zu ertragen. Bis sie umfallen.
Karōshi - Tod durch Überarbeitung - ist als offizielle Todesursache anerkannt (und das beinhaltet noch nicht einmal die beeindruckende Suizidrate).
Eine Freundin kam mit einem blauen Auge davon. Also wortlich: sie hat auf ihrer neuen Arbeitsstelle so lange und hart gearbeitet, bis sie umfiel und sich dabei ein blaues Auge holte. Diagnose: Gogatsu-Byō - Mai-Krankheit. Das ist wenn Leute am ersten April eine neue Arbeit anfangen (weil: Beginn des Fiskaljahres) und dann schon im Mai nicht mehr können, ausgelaugt und übermüdet zum Arzt müssen.
Gottseidank gibt's hier keine Probezeit - man muss also nicht fürchten gleich nach einem Monat schon wieder fristlos gekündigt zu werden.
Berühmt auch die japanischen Angestellten, die nach allen Überstunden noch mit dem Chef trinken gehen müssen ("Nomikai") und ihre eigenen Kinder so gut wie nie sehen. Das betrifft nicht nur die berüchtigt unbarmherzige Welt der Mega-Konzerne: auch unsere Hilfs-Professoren sind selbst Samstag und Sonntag bis spät Nachts im Labor - unabhängig von der aktuellen Arbeitslage.
Andererseits machen viele Japaner auch nicht den Eindruck, als ob sie gerne mehr Zeit zuhause verbringen wollen. So überreden sich Studenten und Hilfs-Professoren gegenseitig zum Nomikai...
Und auch die Studenten (natürlich nur die Japaner, nicht die Internationals) fühlen sich unter Druck gesetzt: "Nicht heimgehen wärend der Prof noch da ist"! Nicht das man irgendwas machen würde- es ist ihnen einfach nur peinlich zu gehen.
Manche schafen gar im Labor - was gelegentlich aber auch praktische Gründe hat: im Sommer ist's im Wohnheim brütend heiß, im Winter schweinekalt, im Labor immer 25 Grad.
Bio-Studenten müssen eh immer da sein, weil sie ihre Experimente (lies: Pflanzen, Bakterien, sonstige Lebewesen) nicht einfach anhalten können wenn sie Heim wollen. Also werden im Labor Serien und Filme geschaut - eine andere Freundin hat so "der Pate" durch bekommen - alle drei Teile an ein einem Tag, immer mal wieder ein Stündchen zwischen den Experimenten.
Bei der Gelegenheit: Dank an die Computer-Pioniere, dass sie einen "Aus" Knopf an den Dingern angebracht haben!
Woher kommt dieser bedingungslose Anwesenheits-Gehorsamkeit?
Ganz natürlich und freiwillig ist sie nicht - zumindest nicht von Anfang an.
Schon in der Schule ist die Mitgleidscahft in einem der Zahlreichen freiwilligen Clubs oder "Circles" quasi verpflichtend - wer will schon nicht-dazugehören.
Und an der Uni wird dann knallhart mit Anwesenheitspflicht nachgelegt: beim betreten der Vorlesungssaales bekommen wir Zettel verteilt, schreiben Name, Matrikelnnummer und Labor-Zugehörigkeit darauf und können sie am Ende der Vorlesung wieder abgeben. Ein Professor der besonders auf Mitarbeit aus ist, vergibt ähnliche Zettel tatsächlich nur an Studenten die eine Frage stellen. Wer keine Fragen stellt besteht also den Kurs nicht weil er nicht anwesend genug war (sic!).
Ich habe nicht unbedingt ein Problem damit, anwesend zu sein und dumme Fragen zu stellen, doch manche Kurse sind zu lächerlich als ich das unkommentiert lassen könnte:
Seminar1:
Gastredner kommen an die Uni und halten Vorträge über Dinge von denen ich keine Ahnung habe. Auf Japanisch. Manchmal sind die Bilder hübsch.
Seminar2:
Studenten halten Vorträge über ihre Forschungsgebiete, von denen ich - wenn sie nicht aus meinem Labor sind - keine Ahnung habe. Auf Japanisch versteht sich. Manchmal ist die Studentin hübsch.
Muahahahaha, verarscht! Hätt' ich wohl gern, studiere aber leider Informatik!
Study Meeting:
Studenten aus unserem Labor werden in Gruppen eingeteilt und bekommen ein Buch über Computer Vision in die Hand gedrückt. Jede Gruppe muss ein Kapitel lernen und dann einen Vortrag für die anderen Gruppen halten. Also ist die eine Hälfte der Vorträge auf Englisch, die andere Japanisch, und man lernt die Grundlagen die man für's eigene Kapitel bräuchte nicht rechtzeitig oder nur von einem Studenten, die sie selbst gerade erst soso-lala überrissen hat.
Manchmal sind die Bilder hübsch, die ich aus Frustration und Langeweile in meine Unterlagen kritzel.
Ein Muster zeichnet sich ab - sie erraten es schon - man erzieht die Leute nur zur physischen Anwesenheit - nicht aber zum aufpassen oder arbeiten. Das führt dazu das Anwesenheit für die Leute einen intrinsischen Wert besitzt.
Als ich selbst an der Uni einen Nachmittags-Kurs hielt, hab ich mich doch sehr gewundert, schlafende Studenten darin zu finden. Es gab keine Anwesenheitspflicht, keine Prüfung, kein Zertifikat.
Es war nichtmal ein offiziell eingetragener Kurs - nur eine "kommt-vorbei-und-ich-erzähl-euch-was" Präsentation. Der Professor war auch nicht da um irgendwen zu überprüfen.
Trotzdem waren sie da....
Warum nicht lieber dort, wo man Zettel auffüllen oder den Professor beeindrucken kann?
War meine Stimme so angenehm, dass ich insgeheim als Anästhetikum für gestresste, schlaflose Studenten gehandelt würde...?
He! Aufwachen! Blog ist vorbei! Zurück an die Arbeit!
Ob da was dran ist? Viele Deutsche haben erst gar nicht das Gefühl besonders fleißig zu sein... bis man sie mit anderen Ländern vergleicht. Die Wahrnehmung ist also: "wir sind nicht fleißig, alle anderen sind nur faul!".
Außer die Japaner. Die sind berühmt dafür auch noch die unmenschlichsten Arbeitszeiten mit einem Lächeln zu ertragen. Bis sie umfallen.
Karōshi - Tod durch Überarbeitung - ist als offizielle Todesursache anerkannt (und das beinhaltet noch nicht einmal die beeindruckende Suizidrate).
Eine Freundin kam mit einem blauen Auge davon. Also wortlich: sie hat auf ihrer neuen Arbeitsstelle so lange und hart gearbeitet, bis sie umfiel und sich dabei ein blaues Auge holte. Diagnose: Gogatsu-Byō - Mai-Krankheit. Das ist wenn Leute am ersten April eine neue Arbeit anfangen (weil: Beginn des Fiskaljahres) und dann schon im Mai nicht mehr können, ausgelaugt und übermüdet zum Arzt müssen.
Gottseidank gibt's hier keine Probezeit - man muss also nicht fürchten gleich nach einem Monat schon wieder fristlos gekündigt zu werden.
Berühmt auch die japanischen Angestellten, die nach allen Überstunden noch mit dem Chef trinken gehen müssen ("Nomikai") und ihre eigenen Kinder so gut wie nie sehen. Das betrifft nicht nur die berüchtigt unbarmherzige Welt der Mega-Konzerne: auch unsere Hilfs-Professoren sind selbst Samstag und Sonntag bis spät Nachts im Labor - unabhängig von der aktuellen Arbeitslage.
Andererseits machen viele Japaner auch nicht den Eindruck, als ob sie gerne mehr Zeit zuhause verbringen wollen. So überreden sich Studenten und Hilfs-Professoren gegenseitig zum Nomikai...
Und auch die Studenten (natürlich nur die Japaner, nicht die Internationals) fühlen sich unter Druck gesetzt: "Nicht heimgehen wärend der Prof noch da ist"! Nicht das man irgendwas machen würde- es ist ihnen einfach nur peinlich zu gehen.
Manche schafen gar im Labor - was gelegentlich aber auch praktische Gründe hat: im Sommer ist's im Wohnheim brütend heiß, im Winter schweinekalt, im Labor immer 25 Grad.
Bio-Studenten müssen eh immer da sein, weil sie ihre Experimente (lies: Pflanzen, Bakterien, sonstige Lebewesen) nicht einfach anhalten können wenn sie Heim wollen. Also werden im Labor Serien und Filme geschaut - eine andere Freundin hat so "der Pate" durch bekommen - alle drei Teile an ein einem Tag, immer mal wieder ein Stündchen zwischen den Experimenten.
Bei der Gelegenheit: Dank an die Computer-Pioniere, dass sie einen "Aus" Knopf an den Dingern angebracht haben!
Woher kommt dieser bedingungslose Anwesenheits-Gehorsamkeit?
Ganz natürlich und freiwillig ist sie nicht - zumindest nicht von Anfang an.
Schon in der Schule ist die Mitgleidscahft in einem der Zahlreichen freiwilligen Clubs oder "Circles" quasi verpflichtend - wer will schon nicht-dazugehören.
Und an der Uni wird dann knallhart mit Anwesenheitspflicht nachgelegt: beim betreten der Vorlesungssaales bekommen wir Zettel verteilt, schreiben Name, Matrikelnnummer und Labor-Zugehörigkeit darauf und können sie am Ende der Vorlesung wieder abgeben. Ein Professor der besonders auf Mitarbeit aus ist, vergibt ähnliche Zettel tatsächlich nur an Studenten die eine Frage stellen. Wer keine Fragen stellt besteht also den Kurs nicht weil er nicht anwesend genug war (sic!).
Ich habe nicht unbedingt ein Problem damit, anwesend zu sein und dumme Fragen zu stellen, doch manche Kurse sind zu lächerlich als ich das unkommentiert lassen könnte:
Seminar1:
Gastredner kommen an die Uni und halten Vorträge über Dinge von denen ich keine Ahnung habe. Auf Japanisch. Manchmal sind die Bilder hübsch.
Seminar2:
Studenten halten Vorträge über ihre Forschungsgebiete, von denen ich - wenn sie nicht aus meinem Labor sind - keine Ahnung habe. Auf Japanisch versteht sich. Manchmal ist die Studentin hübsch.
Muahahahaha, verarscht! Hätt' ich wohl gern, studiere aber leider Informatik!
Study Meeting:
Studenten aus unserem Labor werden in Gruppen eingeteilt und bekommen ein Buch über Computer Vision in die Hand gedrückt. Jede Gruppe muss ein Kapitel lernen und dann einen Vortrag für die anderen Gruppen halten. Also ist die eine Hälfte der Vorträge auf Englisch, die andere Japanisch, und man lernt die Grundlagen die man für's eigene Kapitel bräuchte nicht rechtzeitig oder nur von einem Studenten, die sie selbst gerade erst soso-lala überrissen hat.
Manchmal sind die Bilder hübsch, die ich aus Frustration und Langeweile in meine Unterlagen kritzel.
Ein Muster zeichnet sich ab - sie erraten es schon - man erzieht die Leute nur zur physischen Anwesenheit - nicht aber zum aufpassen oder arbeiten. Das führt dazu das Anwesenheit für die Leute einen intrinsischen Wert besitzt.
Als ich selbst an der Uni einen Nachmittags-Kurs hielt, hab ich mich doch sehr gewundert, schlafende Studenten darin zu finden. Es gab keine Anwesenheitspflicht, keine Prüfung, kein Zertifikat.
Es war nichtmal ein offiziell eingetragener Kurs - nur eine "kommt-vorbei-und-ich-erzähl-euch-was" Präsentation. Der Professor war auch nicht da um irgendwen zu überprüfen.
Trotzdem waren sie da....
Warum nicht lieber dort, wo man Zettel auffüllen oder den Professor beeindrucken kann?
War meine Stimme so angenehm, dass ich insgeheim als Anästhetikum für gestresste, schlaflose Studenten gehandelt würde...?
He! Aufwachen! Blog ist vorbei! Zurück an die Arbeit!
Freitag, 31. Mai 2013
Man lernt doch nie aus wenn man auswärtig lernt
Aufgabe Nr. 2:
Zeichnen sie mal ein Diagramm, das darstellt wie das Internet so funktioniert, ABER ANDERS!
Dinge, mit denen man so rechnen muss wenn man an einer japanischen Uni studiert.
Es fing schon ganz lustig an.
> "Sie können das gesamte Studium in Englisch absolvieren! Keine Sorge!"
Denn ich hatte mir sorgen gemacht: anders als in Europäischen Sprachen wo die technischen und mathematischen Fachbegriffe offensichtlich zusammenhängen, müssen Sie im Japanischen von den 整数 (normale Zahlen) über den 対数 (Logarithmus) bis zur 行列 (Matrix) alles neu lernen... und es gibt keinen Kurs für sowas.
Aber hey: wenn es alle Kurse in Englisch gibt, kein Problem!
Doch das meinten sie so nicht.
Was sie damit meinten war: es gibt genug Kurse in Englisch, damit sie ihre Credits voll kriegen.
Die meisten Kurse sind natürlich Japanisch.
Ohne offensichtliche Ordnung:
manchmal ist der weiterführende "II"-Kurs in Englisch, setzt aber den Grundlegenden "I"-Kurs voraus, den es nur auf Japanisch gibt.
Also nehme ich was ich so im ersten Semester auf Englisch kriegen kann.
Das beinhaltet so Kurse wie "Präsentation auf Englisch" wo den Nicht-Muttersprachlern nochmal die richtige Aussprache für "Algorithm" beigebracht wird. Ich sitze in der letzten Reihe, murmle "Al-Go-Rithm" mit und lerne derweil die nötigen Schriftzeichen für richtige Kurse.
Andere Vorlesungen sind zwar Japanisch, bieten aber wenigstens Englische Unterlagen an.
Ich belege "Software Engineering I", das klingt Handfest! Und es ist meine letzte Chance, dass meine Ingenieur-Eltern auch mal stolz auf mich seien können.
Jetzt seien sie bitte still und verraten meinen Eltern nicht, dass "Software Engineering" nichts mit Ingenieurwesen zu tun hat! Hab ich selbst nicht gewusst! Aber der Kurs hieß halt nunmal nicht: "aus der Anzahl an Zeilen Programm-Code zu Zukunft vorhersagen, unter anderem ob Fehler drin sind und wie teuer das Programm so ist". Aber ich schaffe es meine Enttäuschung zu unterdrücken, selbst als ich in einem viel zitierten Buch das Eingeständnis lese: "Eigentlich konnten wir die Wirksamkeit dieser Methoden nie zweifelsfrei beweisen".
Aber egal: um echter Software-Ingeneur zu werden lerne ich auch das noch auswendig!
Denn Prüfungen stehen vor der Tür! Interessanterweise nicht an einem gesonderten Tag, sondern am Ende der letzten Vorlesung.
Die letzte Vorlesung geht über: Fault Prediction, also den unterhaltsamen Versuch, Fehler vorherzusagen. Nachdem ich mit dem ganzen Rest durch bin, lerne ich sicherheitshalber für diese Vorlesung auch noch vor.
Ich finde einen netten Artikel, sehr renommiert, bekannte Autoren, die über 5 Seiten hinweg alle Theorien zur Fehlervorhersage runter-buttern und erklären, warum das alles net funktioniert!
Ich lerne also die Techniken nebst 12 Gründen warum sie nicht funktionieren.
Der Tag der Prüfung ist da.
Der Inhalt der Vorlesung behandelt eigentlich nicht wirklich Error-Prediction.
Eigentlich ist es eher eine Ansammlung an Dingen: "was ihnen alles Unterstellt wird, dass sie falsch gemacht haben sollen, wenn sie Software-Projekte analysieren" (also: bei der Analyse, nicht beim Projekt).
Dann kommt der Test. Zwei Fragen. Beide drehen sich exklusiv um den Inhalt der letzten Vorlesung.
> "Sie dürfen ihre Laptops verwenden, aber nicht das Internet!"
Die viel Interessantere Frage - was man im Internet finden soll, über eine Vorlesung die gerade erst gehalten wurde - die wird wieder nicht beantwortet.
Ich schreibe also meine eine A4 Seite und ärgere mich ein bisschen jetzt überhaupt gelernt zu haben.
Aber vielleicht kann ich mit dem Wissen irgendwann Source-Code Horoskope erstellen...
Der letzte Kurs den's noch auf Englisch gab war: Netzwerke.
Kannte ich zwar schon, aber der Kurs geht noch ein bisschen weiter, als das was bisher gelernt habe.
Eigentlich umfasst er alles was man so braucht um sein eigenes Internet zu bauen.
Kehrseite der Medaille: Leute die NICHT schon vorher Erfahrung als Netzwerk-Admin haben springen schon vor der Prüfung ab: sie wollen sich ihren Noten-Durchschnitt nicht versauen.
Dafür dürfen wir jetzt sogar das Internet verwenden.
Ironischerweise: um ein Diagramm des Internets zu zeichnen.
Aber: explizit anders als in der Vorlesung repräsentiert.
Wie "anders" steht nicht da.
Also zeichne ich das Internet auf ein A4 Blatt. Mit einen Firmennetzwerk hier und einem Heim-Netzwerk dort und da will jemand auf den Firmen-Server zugreifen, und so geht das zu seinem ISP, aber der ist Tier3, also wird das weitergereicht, zu einem Tier1 ISP und der hat da so ein kleines Peering mit einem anderen Tier1 ISP und von da gehts wieder herunter, aber ach: da ist ein Link down und BGP-4 Pakete warnen gerade noch den Router, dass das jetzt umgeleitet werden muss, und so kommt das ganze dann bei der Firma an, aber erst macht die Firewall noch etwas Deep-Packet-Inspection und guckt nochmal in die HTTP header bevor das an den Webserver geht...
Nach einer halben Stunde ist mein kleines Kunstwerk fertig.
Ich habe keine Ahnung ob das war, was sie mit "ANDERS" meinten, aber ich find's hübsch!
Fast zu hübsch zum Abgeben...
Vielleicht hätte ich doch weiter Design studieren sollen...
Zeichnen sie mal ein Diagramm, das darstellt wie das Internet so funktioniert, ABER ANDERS!
Dinge, mit denen man so rechnen muss wenn man an einer japanischen Uni studiert.
Es fing schon ganz lustig an.
> "Sie können das gesamte Studium in Englisch absolvieren! Keine Sorge!"
Denn ich hatte mir sorgen gemacht: anders als in Europäischen Sprachen wo die technischen und mathematischen Fachbegriffe offensichtlich zusammenhängen, müssen Sie im Japanischen von den 整数 (normale Zahlen) über den 対数 (Logarithmus) bis zur 行列 (Matrix) alles neu lernen... und es gibt keinen Kurs für sowas.
Aber hey: wenn es alle Kurse in Englisch gibt, kein Problem!
Doch das meinten sie so nicht.
Was sie damit meinten war: es gibt genug Kurse in Englisch, damit sie ihre Credits voll kriegen.
Die meisten Kurse sind natürlich Japanisch.
Ohne offensichtliche Ordnung:
manchmal ist der weiterführende "II"-Kurs in Englisch, setzt aber den Grundlegenden "I"-Kurs voraus, den es nur auf Japanisch gibt.
Also nehme ich was ich so im ersten Semester auf Englisch kriegen kann.
Das beinhaltet so Kurse wie "Präsentation auf Englisch" wo den Nicht-Muttersprachlern nochmal die richtige Aussprache für "Algorithm" beigebracht wird. Ich sitze in der letzten Reihe, murmle "Al-Go-Rithm" mit und lerne derweil die nötigen Schriftzeichen für richtige Kurse.
Andere Vorlesungen sind zwar Japanisch, bieten aber wenigstens Englische Unterlagen an.
Ich belege "Software Engineering I", das klingt Handfest! Und es ist meine letzte Chance, dass meine Ingenieur-Eltern auch mal stolz auf mich seien können.
Jetzt seien sie bitte still und verraten meinen Eltern nicht, dass "Software Engineering" nichts mit Ingenieurwesen zu tun hat! Hab ich selbst nicht gewusst! Aber der Kurs hieß halt nunmal nicht: "aus der Anzahl an Zeilen Programm-Code zu Zukunft vorhersagen, unter anderem ob Fehler drin sind und wie teuer das Programm so ist". Aber ich schaffe es meine Enttäuschung zu unterdrücken, selbst als ich in einem viel zitierten Buch das Eingeständnis lese: "Eigentlich konnten wir die Wirksamkeit dieser Methoden nie zweifelsfrei beweisen".
Aber egal: um echter Software-Ingeneur zu werden lerne ich auch das noch auswendig!
Denn Prüfungen stehen vor der Tür! Interessanterweise nicht an einem gesonderten Tag, sondern am Ende der letzten Vorlesung.
Die letzte Vorlesung geht über: Fault Prediction, also den unterhaltsamen Versuch, Fehler vorherzusagen. Nachdem ich mit dem ganzen Rest durch bin, lerne ich sicherheitshalber für diese Vorlesung auch noch vor.
Ich finde einen netten Artikel, sehr renommiert, bekannte Autoren, die über 5 Seiten hinweg alle Theorien zur Fehlervorhersage runter-buttern und erklären, warum das alles net funktioniert!
Ich lerne also die Techniken nebst 12 Gründen warum sie nicht funktionieren.
Der Tag der Prüfung ist da.
Der Inhalt der Vorlesung behandelt eigentlich nicht wirklich Error-Prediction.
Eigentlich ist es eher eine Ansammlung an Dingen: "was ihnen alles Unterstellt wird, dass sie falsch gemacht haben sollen, wenn sie Software-Projekte analysieren" (also: bei der Analyse, nicht beim Projekt).
Dann kommt der Test. Zwei Fragen. Beide drehen sich exklusiv um den Inhalt der letzten Vorlesung.
> "Sie dürfen ihre Laptops verwenden, aber nicht das Internet!"
Die viel Interessantere Frage - was man im Internet finden soll, über eine Vorlesung die gerade erst gehalten wurde - die wird wieder nicht beantwortet.
Ich schreibe also meine eine A4 Seite und ärgere mich ein bisschen jetzt überhaupt gelernt zu haben.
Aber vielleicht kann ich mit dem Wissen irgendwann Source-Code Horoskope erstellen...
Der letzte Kurs den's noch auf Englisch gab war: Netzwerke.
Kannte ich zwar schon, aber der Kurs geht noch ein bisschen weiter, als das was bisher gelernt habe.
Eigentlich umfasst er alles was man so braucht um sein eigenes Internet zu bauen.
Kehrseite der Medaille: Leute die NICHT schon vorher Erfahrung als Netzwerk-Admin haben springen schon vor der Prüfung ab: sie wollen sich ihren Noten-Durchschnitt nicht versauen.
Dafür dürfen wir jetzt sogar das Internet verwenden.
Ironischerweise: um ein Diagramm des Internets zu zeichnen.
Aber: explizit anders als in der Vorlesung repräsentiert.
Wie "anders" steht nicht da.
Also zeichne ich das Internet auf ein A4 Blatt. Mit einen Firmennetzwerk hier und einem Heim-Netzwerk dort und da will jemand auf den Firmen-Server zugreifen, und so geht das zu seinem ISP, aber der ist Tier3, also wird das weitergereicht, zu einem Tier1 ISP und der hat da so ein kleines Peering mit einem anderen Tier1 ISP und von da gehts wieder herunter, aber ach: da ist ein Link down und BGP-4 Pakete warnen gerade noch den Router, dass das jetzt umgeleitet werden muss, und so kommt das ganze dann bei der Firma an, aber erst macht die Firewall noch etwas Deep-Packet-Inspection und guckt nochmal in die HTTP header bevor das an den Webserver geht...
Nach einer halben Stunde ist mein kleines Kunstwerk fertig.
Ich habe keine Ahnung ob das war, was sie mit "ANDERS" meinten, aber ich find's hübsch!
Fast zu hübsch zum Abgeben...
Vielleicht hätte ich doch weiter Design studieren sollen...
Sonntag, 12. Mai 2013
Verkocht und angebrät
Und strahlend drückten sie mir ein Abschiedgeschenk in die Hand:
ein japanisches Kochbuch auf Japanisch.
Super.
Ich konnte kein Wort verstehen, dass da drin stand.
Machte aber auch nichts: zu hause konnte ich die Zutaten eh nirgends bekommen.
Also lag das Ding zwei Jahre im Schrank.
Als ich wieder herkam nahm ich es wieder mit.
Zwar konnte ich immer noch kein Wort lesen das darin stand, aber zumindest konnte ich jetzt richtig einkaufen gehen.
Es folgt:
Max vs. die Japanische Küche!
FIGHT!
Runde 1:
Für den Japanisch Kurs müssen wir alle kleine Vorträge zu bestimmten Themen halten - auf Japanisch versteht sich.
Ich ziehe das Los: "Japanisches Essen".
Das andere Mädchen mit demselben Thema hält einen Vortrag über: "was man so alles essen kann".
Ich halte einen Vortrag über: "SO! Heute erklär' ich euch mal wie man Sushi macht!"
Ich habe keine Ahnung wie man Sushi macht.
Ich ziehe mein Kochbuch aus dem Regal und versuche es zu übersetzten.
Erstmal werde ich lang und breit darüber aufgeklärt, wie wichtig die Art Zutaten zu schneiden wirklich ist. Da gibt es Fein-Schnitt, Dünn-Schnitt, Tausend-Schnitt, Halbmond-Schnitt, und... naja ich hack' halt mit dem Messer auf das Zeug ein bis ich es in den Mund bekomme. (Kurzer Test... ja passt!)
Für das Rollen rollen bin ich zu faul und ungeschickt, doch zum Glück gibt's auch "Chirashi-Sushi", da wird alles achtlos zusammengeworfen. Das liegt mir näher.
Randnotiz: ich wohne in einem Chirashi-Zimmer. Berühmte Japan-Style Innenarchitektur!
Ich werfe also alles achtlos zusammen, sprenkle noch etwas verbranntes Ei drüber (stand nicht im Rezept, dass man es sofort nach 10 Sekunden wenden muss!) und packe es ein eine Tiefkühl-Schale.
Die Klasse bestaunt mein Ausstellungs-Stück. Ohh...., ahh...
Die armen Irren müssen's ja net essen.
Wenig später bin ich berühmt. Noch während ich mein (von der ganzen Klasse akribisch begutachtete) Ausstellungsstück esse werde ich vom Universitäts-Personal angesprochen:
scheinbar hat noch kein Student jemals so etwas abgezogen.
Da schmeckt mir das kalte, verbrannte, verkochte Gebaze gleich noch etwas besser.
![]() | |
| Slide für meinen Vortrag: so machen sie Sushi-Reis. Im großen Bild: ich habe den Reiskocher in unserer Küche mit Post-It-Notes Gaijin-Tauglich gemacht. |
Runde 2:
Wenn der Supermarkt voller Pilze und Gemüse ist, die Sie noch nie gesehen haben, würden sie das einfach mal so riskieren? Herzhaft reinbeißen und hoffen?
Sie könnten ja versuchen das Zeug im Wörterbuch nachzuschlagen. Ist nur blöd, dass es natürlich Schriftzeichen für das Zeug gibt, die Sie noch nie irgendwo anderes gesehen haben, weil es eben genau nur diese Zutat beschreibt.
(Ein beliebtes Bildmotiv hier ist eine Sammlung aller Schriftzeichen für verschiedene Fische. Da können die Eskimos mit ihren 100 Worten für Schnee einpacken!)
Die Schriftzeichen sind also so selten, dass Japaner sie selbst oft nicht wirklich kennen. Ein Rezept aus meinem Buch kann ich nicht reproduzieren, weil selbst das Supermarkt-Personal an der Hauptzutat scheitert.
Also fange ich an nachzukochen was ich im Restaurant sehe.
Aha: diesen Pilz kann man also braten - mit irgend so einer Suppe, und diesem anderen Zeug....
Dummerweise sagen die einem nicht so genau, wie man zum End-Produkt kommt.
Freundin suchen, Freundin fragen.
"Als nächstes brauchen wir Soja-Soße"
"Hier."
"Wäh! Die kannst du dafür nicht verwenden!"
"Da gibt's Unterschiede?"
"Selbstverständlich! Die ist voll ekelhaft! Kauf die da!"
Jetzt muss ich auch noch die Unterschiede in der Soja-Soßen Landschaft lernen...
(Freundin ist mittlerweile weg, Soja-Soße ist noch da. Das Geld war also gut investiert!)
![]() |
| Gemeinschaftliches braten im Restaurant. Das kochen macht gleich viel mehr Spaß wenn jemand anderes alles vorbereitet und nachher abspült. |
Runde 3:
Ich bin ein Bento Danshi! Hier in Japan ist das Lunchbox (Bento) mitbringen zwar kulturell fest verankert, aber dass Männer ihre Lunchbox selber machen ist so selten, dass sie dafür ein Wort erfunden haben: "Lunchbox Boy".
Außer mir bringt noch ein Student aus dem Labor täglich sein Bento mit.
Er ist aber kein LunchBox-Boy, wie mir erklärt wird.
Er hat ein Freundin, die ihm täglich eine Lunchbox mit in die Uni gibt.
Mir fällt auf, wie abwegig mir dieser Gedanke vorkommt: Freundin (wohl gemerkt: nicht Ehefrau) kocht mir jeden Tag eine Lunchbox....? ....NEEEEEEE!
Mir fällt auf, dass es allen Japanern am Tisch sehr viel abwegiger vorkommt, dass ich selber koche.
Das führt zu einer Diskussion über die Vor-und-Nachteile des Selber-Kochens.
Nachdem Kosten und Zeitersparnis vom Tisch sind, bleibt noch die Gesundheit:
in der Kantine wird zeitgenössische Japanische Küche serviert.
Das ist, wenn man Sachen frittiert, am liebsten Fleisch, weil: das war vorher noch nicht fettig genug. Selbst in der Nudelsuppe schwimmt noch frittierter Tofu. Die Suppe selber konnten sie halt nicht frittieren.
Okay, es ist nicht alles frittiert, aber die berühmte gesunde Japanische Küche muss man sich trotzdem selber machen.
Wenn ich anfange meinen eigenen Sake zu brauen, schreibe ich auch darüber einen Blogeintrag.
Bis dahin: Mahlzeit!
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