Sonntag, 12. Mai 2013

Verkocht und angebrät


Und strahlend drückten sie mir ein Abschiedgeschenk in die Hand:
ein japanisches Kochbuch auf Japanisch.
Super.
Ich konnte kein Wort verstehen, dass da drin stand.
Machte aber auch nichts: zu hause konnte ich die Zutaten eh nirgends bekommen.
Also lag das Ding zwei Jahre im Schrank.
Als ich wieder herkam nahm ich es wieder mit.
Zwar konnte ich immer noch kein Wort lesen das darin stand, aber zumindest konnte ich jetzt richtig einkaufen gehen.

Es folgt:
Max vs. die Japanische Küche!

FIGHT!





Runde 1:
Für den Japanisch Kurs müssen wir alle kleine Vorträge zu bestimmten Themen halten - auf Japanisch versteht sich.
Ich ziehe das Los: "Japanisches Essen".
Das andere Mädchen mit demselben Thema hält einen Vortrag über: "was man so alles essen kann".
Ich halte einen Vortrag über: "SO! Heute erklär' ich euch mal wie man Sushi macht!"
Ich habe keine Ahnung wie man Sushi macht.

Ich ziehe mein Kochbuch aus dem Regal und versuche es zu übersetzten.
Erstmal werde ich lang und breit darüber aufgeklärt, wie wichtig die Art Zutaten zu schneiden wirklich ist. Da gibt es Fein-Schnitt, Dünn-Schnitt, Tausend-Schnitt, Halbmond-Schnitt, und... naja ich hack' halt mit dem Messer auf das Zeug ein bis ich es in den Mund bekomme. (Kurzer Test... ja passt!)
Für das Rollen rollen bin ich zu faul und ungeschickt, doch zum Glück gibt's auch "Chirashi-Sushi", da wird alles achtlos zusammengeworfen. Das liegt mir näher.
Randnotiz: ich wohne in einem Chirashi-Zimmer. Berühmte Japan-Style Innenarchitektur!

Ich werfe also alles achtlos zusammen, sprenkle noch etwas verbranntes Ei drüber (stand nicht im Rezept, dass man es sofort nach 10 Sekunden wenden muss!) und packe es ein eine Tiefkühl-Schale.

Die Klasse bestaunt mein Ausstellungs-Stück. Ohh...., ahh...
Die armen Irren müssen's ja net essen.
Wenig später bin ich berühmt. Noch während ich mein (von der ganzen Klasse akribisch begutachtete) Ausstellungsstück esse werde ich vom Universitäts-Personal angesprochen:
scheinbar hat noch kein Student jemals so etwas abgezogen.
Da schmeckt mir das kalte, verbrannte, verkochte Gebaze gleich noch etwas besser.

Slide für meinen Vortrag: so machen sie Sushi-Reis.
Im großen Bild: ich habe den Reiskocher in unserer Küche mit Post-It-Notes Gaijin-Tauglich gemacht.



Runde 2:
Wenn der Supermarkt voller Pilze und Gemüse ist, die Sie noch nie gesehen haben, würden sie das einfach mal so riskieren? Herzhaft reinbeißen und hoffen?
Sie könnten ja versuchen das Zeug im Wörterbuch nachzuschlagen. Ist nur blöd, dass es natürlich Schriftzeichen für das Zeug gibt, die Sie noch nie irgendwo anderes gesehen haben, weil es eben genau nur diese Zutat beschreibt.
(Ein beliebtes Bildmotiv hier ist eine Sammlung aller Schriftzeichen für verschiedene Fische. Da können die Eskimos mit ihren 100 Worten für Schnee einpacken!)
Die Schriftzeichen sind also so selten, dass Japaner sie selbst oft nicht wirklich kennen. Ein Rezept aus meinem Buch kann ich nicht reproduzieren, weil selbst das Supermarkt-Personal an der Hauptzutat scheitert.
Also fange ich an nachzukochen was ich im Restaurant sehe.
Aha: diesen Pilz kann man also braten - mit irgend so einer Suppe, und diesem anderen Zeug....
Dummerweise sagen die einem nicht so genau, wie man zum End-Produkt kommt.
Freundin suchen, Freundin fragen.
"Als nächstes brauchen wir Soja-Soße"
"Hier."
"Wäh! Die kannst du dafür nicht verwenden!"
"Da gibt's Unterschiede?"
"Selbstverständlich! Die ist voll ekelhaft! Kauf die da!"
Jetzt muss ich auch noch die Unterschiede in der Soja-Soßen Landschaft lernen...
(Freundin ist mittlerweile weg, Soja-Soße ist noch da. Das Geld war also gut investiert!)



Gemeinschaftliches braten im Restaurant.
Das kochen macht gleich viel mehr Spaß wenn jemand anderes alles vorbereitet und nachher abspült.

Runde 3:
Ich bin ein Bento Danshi! Hier in Japan ist das Lunchbox (Bento) mitbringen zwar kulturell fest verankert, aber dass Männer ihre Lunchbox selber machen ist so selten, dass sie dafür ein Wort erfunden haben: "Lunchbox Boy".
Außer mir bringt noch ein Student aus dem Labor täglich sein Bento mit.
Er ist aber kein LunchBox-Boy, wie mir erklärt wird.
Er hat ein Freundin, die ihm täglich eine Lunchbox mit in die Uni gibt.
Mir fällt auf, wie abwegig mir dieser Gedanke vorkommt: Freundin (wohl gemerkt: nicht Ehefrau) kocht mir jeden Tag eine Lunchbox....? ....NEEEEEEE!
Mir fällt auf, dass es allen Japanern am Tisch sehr viel abwegiger vorkommt, dass ich selber koche.
Das führt zu einer Diskussion über die Vor-und-Nachteile des Selber-Kochens.
Nachdem Kosten und Zeitersparnis vom Tisch sind, bleibt noch die Gesundheit:
in der Kantine wird zeitgenössische Japanische Küche serviert.
Das ist, wenn man Sachen frittiert, am liebsten Fleisch, weil: das war vorher noch nicht fettig genug. Selbst in der Nudelsuppe schwimmt noch frittierter Tofu. Die Suppe selber konnten sie halt nicht frittieren.
Okay, es ist nicht alles frittiert, aber die berühmte gesunde Japanische Küche muss man sich trotzdem selber machen.

Wenn ich anfange meinen eigenen Sake zu brauen, schreibe ich auch darüber einen Blogeintrag.
Bis dahin: Mahlzeit!

Freitag, 19. April 2013

Forsch!

Wir hören die Frage heute schon zum vierten mal...
> "So... like.. If I do not know what is Augmented Reality, what is it can you explain me, and why you use it, in your research? How is better, than traditional?"
Japaner sind Meister darin mit freundlichen Fragen ungeheuren Druck zu erzeugen.
Klingt doch nett, so nach den Grundsätzen zu fragen, gar nicht böse formuliert.
Aber wenn man seit mehreren Jahren an einem Thema herum-studiert, herum-forscht und herum-experimentiert klingt das eher so nach:
> Haben Sie überhaupt verstanden, was sie da machen?
> Was haben Sie denn überhaupt beizutragen zur Entwicklung der Computertechnologie?
> Klatschen sie da nur neue Technologien aneinander?

Unsere Uni hat - noch mehr als andere Unis - einen starken Fokus auf Forschung: selbst Master-Arbeiten und Semester-Projekte müssen immer immer immer auf aktuellster Forschung aufbauen, und davon ausgehend etwas neues bieten, dass so noch nie jemand gemacht hat, und das ganze dann auf internationalen Konferenzen (und deren Journals) präsentieren.

Rechnen wir kurz nach: wie viele Millionen Studenten machen jedes Jahr ihren Master? Doktor? Wie viele Forscher und Professoren kommen noch dazu?
Wie viele Jahre wird schon auf diesem Gebiet geforscht?
Wie viele Arbeiten veröffentlicht ein so ein Journal überhaupt im Jahr?

Wenn sie gerade erst anfangen, wie lange werden sie wohl brauchen bis sie sich durch Stapelweise Bücher, Papers, Artikel und Webseiten gequält haben (der Schreibstil hilft nicht unbedingt weiter)?
Wie viel Zeit und Gehirn haben sie dann noch übrig um sich etwas neues Einfallen zu lassen, dass sie in ihrer Rest-Regelstudienzeit noch fertig stellen können?

Da ist es leicht zu verstehen, warum kaum ein Doktor-Student pünktlich mit seiner Arbeit fertig wird.
Trotzdem werden sie dann sofort aus dem Studentenwohnheim geschmissen ("rgelstudienzeit abgelaufen").

Und wenn man dann ein Thema findet, dass man überhaupt irgendwie lösen kann, ist die Gefahr groß dass irgendwer anders das eh schon mal gelöst hat.

Zeit zum geordneten Verzweifeln.



Eine taiwanische Kommilitonin wollte irgedwas mit Erziehung, Schule und Augmented Reality machen.
Jetzt pflanzt sie Bohnen im Labor.
Und jeden Tag zeichnet sie die wachsenden Sprösslinge auf einem Block ab.
Warum sie das macht? Keine Ahnung - sinnvolle Erklärung gehört habe ich nicht. Ab und zu fürchte ich sie hat einen Witz des Professors zu wörtlich genommen.
Hintergrund scheint jedenfalls folgender zu sein:
In Japan ist das eine Beliebte Projekarbeit in Grundschulen - die Kinder sollen so etwas über Pflanzenwachstum lernen. Und sie will das irgendwann mit dem iPad "augmentieren".
Wir freuen uns jedenfalls schon auf die leckeren Bohnen.


Das Semester beginnt, und die Labore werben mit ihren Projekten um neue Studenten. Obwohl ich offiziell selbst "Neuer Student" bin, soll ich als "Labor-Veteran" etwas vorstellen - aber nicht mein eigenes Projekt, sondern das eines japanischen Doktoranden. Also bekomme ich 5 Minuten vor Beginn selbst die Blitz-Einführung.
Zwei Wochen später bekomme ich sie nochmal in Englisch und verstehe endlich den Inhalt.
Ich weise darauf hin, dass die Demonstration denkbar schlecht gewählt ist um den Vorteil der neuen Technologie darzustellen.
> Danke für die Anmerkung. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Das ist bewusst so gelöst, denn momentan funktioniert der Algorithmus nicht.
Er hat also absichtlich eine Demo vorbereitet bei der man nichts versteht, damit man nicht sieht dass es gar nicht geht.
Brilliant!


Der Professor drängt einen anderen International Student: bis zu seinem Master im Herbst muss er unbedingt noch ein Paper veröffentlichen, am besten in SIGGRAPH oder EuroGraphics.
Wer die nicht kennt: das sind die weltweit renommiertesten Konferenzen auf dem Gebiet der Computergraphik.
Wer hier rein will hat zur Konkurrenz:
- hauptberufliche Forscher, die verzweifelt Professor werden wollen
- Professoren mit 30+ Jahren Erfahrung in dem Gebiet, die einen Ruf zu verlieren haben
- Multi-Mullionen Dollar Konzerne, für die eine Nasenlänge Vorsprung Milliardengewinne bedeutet.
- etwa eine Million japanischer Doktor-Studenten ohne (privat)Leben
Also ganz ernst meinen kann er das nicht, aber vielleicht soll es auch nur der Motivation dienen.
Eine berühmte Amerikanische Universität hat das Motto: "Wenn dein Ziel der Himmel ist, peile einen Stern an." (Distanzunterschied: etwa Faktor 10 hoch 11).
Im kleinerem Maßstab heißt das:  "Wenn du eine halbwegs sinnvolle Master-Arbeit schreiben willst, versuche eine Bahnbrechende Neuerung zu erfinden."
Oder auch: "Wenn du zum Supermarkt fährst, programmiere dein Navigationsgerät nach Timbuktu!"



Mein "Forschungsthema" (ich traue mich ja immer noch nicht, dass ohne Anführungszeichen zu schreiben), habe ich mir vor mehr als drei Jahren ausgedacht. Beim Friseur. Als ich gerade gewartet habe und mir dachte: du musst dir noch irgendwas aus den Fingern saugen für deine Bewerbung.
Doch es blieb nicht nur bei einer Bewerbung, und plötzlich wollen alle, dass ich das wirklich umsetze.
Seitdem haben wir viel Spaß miteinander, ich und mein Thema. Unsere Lieblingsspiele sind: "Geht gar nicht", "Will niemand" und mein absolutes Lieblingsspiel: "Gabs schonmal".
Kennen Sie nicht? Hier die Regeln:
1.: Ich finde Hinweise auf einen Artikel (vorzugsweise aus den 90ern), der laut Titel/Inhaltsangabe scheinbar GENAU DASSELBE SCHONMAL GEMACHT HAT.
2.: Ich suche im Internet verzweifelt nach dem Artikel, vorzugsweise ohne 50€ dafür zahlen zu müssen. (Wir erinnern uns: es geht um 3 DIN-A4 Seiten aus den 90ern).
3.: Einem Nervenzusammenbruch nahe überfliege ich den Text...
4.: ... es geht um etwas total anderes. Woher der Autor die Fantasie hat diesen Titel zu wählen - steht nicht da.
5.: Ich brauche eine Kaffepause bevor ich mich wieder beruhigt habe und den Text wirklich lesen kann.
6.: Es überrascht mich, wie jemand in den 90er Jahren etwas bauen konnte das heute noch wie Science-Fiction klingt - und dann hat 20 Jahre niemand etwas daraus gemacht.
7.: Am Ende des Artikels stehen die Quellenangaben (also zwangsläufig noch ältere Texte). Mindestens drei davon KLINGEN GENAU SO WIE MEIN FORSCHUNGSTHEMA (Gehe zu Punkt 1).

Doch ganz im Gegensatz zu meinen Nerven erweist sich mein Projekt als erstaunlich solide.
Vielleicht hätte ich dem Friseur ein Trinkgeld geben sollen.
So viel Glück (lies: Frisur!) ist wohl die Ausnahme...

Montag, 1. April 2013

Jubeljahr

Ja, es ist soweit: heute vor einem Jahr bin ich nach Japan zurückgekehrt.
Oft schreibe ich hier über die kleinen und großen Verrücktheiten, Probleme und was sonst noch so nervt und freut.
Natürlich schreibe ich nicht alles - weil: passt ja auch nicht immer in den Artikel.
Aber manches muss dann doch noch gesagt werden.
Hier also ein Jahresrückblick mit den schönsten Tiefen und Höhepunkten des Jahres 4/2012 - 3/2013



Juli:
Zwar hatte ich ein Stipendium für ein Studium, aber den Studienplatz hatte ich noch nicht.
Also sitze ich jeden Tag über meinen Büchern. Ich übe wie man Matrizen invertiert, lerne wie man Differenzialgleichungen löst, zerbreche mir den Kopf über Konvergenz-Beweise - also alles was ich aus dem Grundstudium noch können hätte sollen...

Dann ist der Tag da.
"Hilfsmittel und Notizen sind nicht erlaubt."
Das soll wohl ein schlechter Scherz sein - erwarten die, dass ich Kopfrechne?!
Ja, tun sie.
Ich werde nervös.
Ich verrechne mich und sehe die versteckte Abkürzung im Zahlenlabyrinth nicht.
Ich werde noch nervöser. Hab ich schon erwähnt, dass die ihr Stipendium zurück fordern können, wenn ich die Aufnahmeprüfung nicht schaffe? 
Wenn der Körper in Panik gerät wägt er ab was die besseren Überlebenschancen bietet: weglaufen oder zuschlagen.
Vor den beiden Professoren die meine Arbeit an der Tafel kritisch beäugen ist beides kein guter "Plan B". Sie starren mich an - selbst im Boden zu versinken würde mich jetzt nicht mehr retten.
Ich bekommen keine zwei Zahlen in meinem Kopf mehr multipliziert.
Will Informatik studieren. Kann nicht multiplizieren.
Versucht erklären.
Versagt.

So viel Alkohol habe ich gar nicht im Kühlschrank wie ich an diesem Abend saufen möchte.
Irgendwann saufe ich die Dose Tomatensaft aus und feuere sie in die Ecke.
Sie landet auf dem Haufen Weißblech, der bis vor kurzem noch Bier und Cocktails enthielt.
Warum zur Hölle habe ich Tomatensaft gekauft?
Viel wichtiger: ist noch Sake da?

Zur routinemäßigen Bestätigung meines Versagens rufe ich dann Tage später das Ergebnis ab.
Da steht für meinen Bereich und Studienbeginn genau eine Nummer.
Meine Nummer.
Das muss die "nicht angenommen" Liste sein.
Es ist die "bestanden" Liste.
Eine Nummer.
Meine Nummer.

WAAAAAAAAAAAAS?!

(Zur halben Erklärung: kaum einer nimmt so früh schon die Aufnahmeprüfung für nächstes Jahr, und die Aufnahmeprüfung bestand aus mehr als nur der Mathe-Prüfung, und wahrscheinlich werden Stipendiaten sowieso immer aufgenommen.
Aber wie sie dieses Versagen schön reden konnten verstehe ich bis heute nicht...)






August:
Tipp: wenn sie einen leichten Anflug einer Erkältune verspüren, und einer ihrer Freunde seit kurzem aufgrund einer Virus-Infektion sehr heiser klingt, dann gehen sie am besten aus, zum Karaoke oder versuchen in lauten Bars mit Mädchen zu flirten.
So kommen sie zu ihrem unfreiwilligen Schweigegelübde.
Denn als ich in der folgenden Woche mit Freunden einen "geheiligten Berg" besichtigen gehe, übernachten wir echten Tempel (mit Buddhistischer Morgenandacht).
Und ich bin absolut sprachlos.
Ab und zu krächze ich ein bisschen.
Das gefällt dem Türkischen Mädchen: endlich halte ich mal die Klappe.
Muss ich meine Sticheleien halt den Leuten ins Ohr flüstern.
Das gefällt ihr wieder gar nicht, weil sie jetzt nicht mehr weiß, warum gelacht wird, aber sicher ist, dass es um sie geht.
Der Fremdenführer fragt mich wo ich herkomme.
> "Doitsu"
Er fragt nochtmal.
> "Doitsu!"
Er schaut die anderen fragend an. Irgendwann antworten sie dann netter weise auch für mich.
Hab ich schon erwähnt, dass wir unmittelbar im Anschluss einen Strandurlaub geplant hatten?
Weil mich mein Husten eh die Nacht über nicht schlafen lässt, versuche ich verzweifelt einen einen Ersatz für mich zu finden: "Hey, Morgen schon was vor? Drei Tage Sandstrand, Hotel schon komplett bezahlt..."
Eine Koreanerin erbarmt sich dann für umsonst hinzufahren - immer noch besser als das Geld ganz zum Fenster raus zu schmeißen.

Am nächsten Morgen sehen meine Weggefährten dann aber gar nicht nach Sommerlaune aus.
> Was ist los?
> Strandurlaub ist abgeblasen, wegen dem Taifun.
> Taifun?
> Hat die ganze Nacht gestürmt - am Strand unten haben sie heute noch Sturmwarnung. Hast du denn gar nichts mitbekommen?
> Nein, ich habe gehustet...





September:
Meine Theorie ist ja das Dystopien  (in Romanen und Filmen) kontraproduktiv sind:
egal wie übel man die Welt darstellt, allein dadurch dass man es darstellt, wird es den Leuten gefallen.
Zumindest geht es mir so mit Post-apokalyptischen Wüsten, Zombie-Katastrophen und ... ja, Moloch-Megacitys!

In der Übergangszeit zwischen Sprachkurs und Studium muss ich mir eine eigene Wohnung suchen.
Könnte überall hin ziehen.
Also ziehe ich nach Downtown Osaka.

Hahahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka, in einer Hintergasse zwischen Hochhausschluchten (im 5 Stock ohne Lift).
Und weil es keine Fitness-Bude in der Nähe gibt gehe ich jeden Tag joggen.
Wenn ich an einem Park oder Spielplatz vorbei komme, mache ich ein paar Klimmzüge, Liegestütze, übe ein paar Schlag- und Tritt-Kombinationen.
Weil das 80er Jahre Cop-Movie-Feeling (a la Black Rain) noch nicht genug reinballert höre dazu Billy Idol.

Hahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka, gehe Nachts zu Fuß in Clubs und Kneipen. Letzter Zug? Da trinken wir noch einen! Glücklich wanke ich durch die Lichter der Nacht nach Hause, beobachte ich eine Schlägerei - naja, eher ein Pärchen-Streit mit Handgreiflichkeiten ihrerseits - und gehe dazwischen bis die Polizei kommt. Dann verschwinde ich schnell und gehe lieber noch Einen trinken.

Hahahahahaha, ich wohne in Downtown Osaka und lebe aus dem 100Yen Markt um die Ecke.
Es gibt Reis und Tofu und manchmal extrascharfe Instant-Nudeln.
Die Schulkinder auf dem Sportplatz nebenan erinnern mich mit ihrem Geschrei daran, wenigstens Hosen anzuziehen, bevor ich auf dem Balkon meine Wäsche aufhänge. Im Zimmer werden die gleich wieder ausgezogen, weil: ist Schweine-heiß!
Nachts sehe ich in der Ferne einen Berg mit Lichtern darauf: da hinten ist meine Uni, irgendwo auf der anderen Seite dieser ewig weit entfernten grün-grauen Wand.

Hahahahahahahaha!
Ich ziehe an den neuen Campus.
Das Nachtleben besteht aus Reisfeldern.
Ha-hh... scheiße....




Oktober:
Sie wollen von mir ein 3D-Modell für ein anderes Projekt. Ich sage: ich brauche in Graphic-Tablet um Texturen malen zu können. So ein kleines, sage ich, muss nix tolles sein.
Sie kaufen mir das teuerste Ding am Markt - einen von diesen Monitoren auf denen man tatsächlich direkt malen kann. Nach einer Woche bin ich fertig mit der Arbeit. Jetzt habe ich den teuersten Monitor im Labor, um darauf C++ Code zu lesen.

Meine Uni gehört zu den fortschrittlichsten und bestausgestattetsten in ganz Japan - Geld ist also nicht zu knapp vorhanden.
Der Professor besteht sogar darauf, dass die Studenten nichts selber kaufen was sie für ihre Forschung brauchen.
Ich brauche in Head-Mounted-Display (HMD, sowas wo man zwei Kameras vor den Augen hat und auf der Innenseite das bearbeitete Bild sehen kann).
Ich soll aus Einzelteilen selber eines Zusammen bauen, also brauche ich Kameras.
Der Professor fragt mich, welche ich für angemessen halte.
> "Ich habe die Firma angeschrieben, weil der Preis dieser Kameras nicht auf der Webseite stand"
> "Der Preis ist für Sie nicht wichtig. Sie müssen nur schauen, dass die Kameras geeignet für ihr Projekt sind."
> "Ähh, ja, doch die wären schon toll..."
Sie werden gekauft.
Wie die Antwort des Verkäufers verrät, kosten sie in Japan..... oh Gott, bitte nicht fallen lassen!
Ich baue das Ding zusammen mit Teilen, die ich in einem 3D-Drucker drucke - der druckt mit Mehl und Wachs Bauteile die ungefähr so stabil sind wie Knäckebrot.
Bitte, bitte, bitte nicht abbrechen...
Es funktioniert - man bekommt ein schönes Bild. Nur etwas schwer ist das Ding.

Eines Tages steht dann der Professor vor mir:
> "Sie haben gesagt das HMD dass sie gebaut haben ist etwas schwer und unbequem, also haben wir ihnen dieses gekauft."
Er drückt mir ein neues HMD in die Hand.
Ich schau gar nicht erst nach was das gekostet hat...


Samstag, 23. März 2013

Vorsicht: Fleischfressende Mädchen

Wie vermehren sich Japaner?

Das ist nicht einfach nur ein flapsiger Spruch um einen Blog-Post zu eröffnen, sondern der Kern eines gravierenden Problems: Japan kämpft mit einer Geburtenrate ähnlich der Deutschen, aber ohne Einwanderer und mit höherer Lebenserwartung. Und das bei Rekord-Staatsverschuldung.
Sprich: während man lange Zeit auf Kosten zukünftiger Generationen den Lebensstandard angekurbelt hat, stellt man jetzt fest dass man gar keine Kinder hat denen man die Schulden hinterlassen kann. Dafür einen Haufen Rentner mit hohem Lebensstandart und ewigem Leben.

Wo sind die Kinder geblieben?

Scheinbar tun sich jüngere Generationen hier schwer mit der Fortpflanzung.
Nicht biologisch, sondern sozial: laut irgend so einer an den Haaren herbeigezogenen Statistik sind über 70% der jungen Japaner (20-30 Jahre) Single.
Ob das stimmt ist sehr schwer nachzuprüfen, und normalerweise glaube ich keinen Statistiken die ich nicht selbst miss-interpretiert habe (man kann in Statistiken ALLES hinein-interpretieren).
Aber ich war dann doch überrascht von meiner eigenen Überraschung darüber, ein Mädchen kennen zu lernen, das doch einen Freund hatte. Also nochmal: ich war überrascht das zu hören, und dass ich überrascht war hat mich dann doch überrascht, weil: sollte doch irgendwie normal sein.
Ist es aber nicht.



Ein Problem hängt mit einem schleichenden soziologischen Wandel zusammen: immer weniger Männer verfolgen aktiv romantische oder sexuelle Ziele.
Man nennt sie "sōshoku" - Pflanzenfresser.

Die Frauen versuchen von der anderen Seite diese Lücke zu schließen indem sie selbst aktiv werden, Männer aufreißen, baggern und ins Bett kriegen.
Man nennt diese Mädchen "nikushoku" - Fleischfresser.
Doch die Fleisch-freundinnen hinken hinterher.

Laut (m)einer Blitz-Umfrage ist der Großteil der männlichen Japaner zwischen 20 und 30 (also alle Studenten die ich auftreiben konnte) Pflanzenfresser - was sie auch offen zugeben.
Aber kaum ein Mädchen bekennt sich zum Fleischkonsum.
(Was schade ist: ich freu mich immer wenn ich angebaggert werde).

Selbst wenn es dann mal klappt mit dem zusammenkommen, heißt das noch lange nicht, dass es auch klappt mit dem zusammenkommen. Die Freundin einer Freundin hat zwar schon seit einem Jahr einen festen Freund, aber keinen Sex - weil er nicht will.
Sonst läuft die Beziehung wohl super, nur für Bettgymnastik kann sich der junge Mann einfach nicht erwärmen.
Das ist natürlich hören-sagen und ein Einzelfall, aber es ist bezeichnend für eine Gesellschaft in der Pornographie allgegenwärtig ist, aber Sex ein Tabu.





Wie so oft wenn man in ein Extrem fällt, fällt auf der anderen Seite ein Gegengewicht raus.
In Japan heißt das: Nampa.
Nampa, dass ist wenn Männer ihr aggressives Baggern zum Hobby machen. Viele Berichte und Meinung kursieren darüber, was Nampa eigentlich genau ist - von "einfach nur nicht schüchtern sein" bis schwere sexuelle Nötigung.
Einige Clubs verbieten daher Nampa  - naja zumindest hängen sie Plakate auf das man das nicht machen soll. (Das hilft ungefähr so gut wie das Tanzverbot).

Leider ist es in den Bars und Clubs zu laut, als dass ich authentisches Nampa je selbst gehört hätte, und ob der Mann da drüben seine Freundin begrabscht oder ein wildfremde Frau belästigt kann ich von hier aus auch nicht sagen (sie wehrt sich zumindest nicht).
Aber an einem schönen Sommertag konnte ich die Sandstrand-Variante live beobachten:


Zwei Mädchen liegen auf ihren Handtüchern und versuchen nicht braun zu werden (blasse Haut gilt hier als besonders hübsch - fragt mich nicht, warum sie trotzdem an den Strand gehen).
Ein fescher Bursch mit dunkler Sonnenbrille und Ghettoblaster löst sich von seiner Gruppe, läuft zu den Mädchen hinüber.
Er stellt den Ghettoblaster in den Sand vor den Handtüchern, dreht auf und - ohne ein Wort zu sagen - legt er einen Brake-Dance hin. Also er versucht es zumindest, weil auf dem Sand und mit seinem schlaksigen Körperbau ist das nicht so einfach. Aber er gibt sich größte Mühe.
Die Mädchen sind erheitert, sagen aber nix.
Er sein Radio und geht wieder, ohne enttäuscht oder erleichtert zu wirken.

Sobald ich heraus finde, wie man so Leute kennen lernen will, probier' ich das auch mal...


Sonntag, 17. März 2013

Name?


Yuki?
Die war wahrscheinlich die zehnte "Yuki" die ich kennen lernte.
> Wie schreibt man denn das? Wie YuJin? ("Freund")
> Nein, nein, so:
Sie schreibt mit ihrem Finger ein Schriftzeichen in meine Hand.
> Wie, ... was? Nochmal! Wie.... wie... "furchteinflößend"!?!

Für die meisten Menschen (eigentlich alle Nicht-Japaner) sind Japanische Namen sinnlose Anhäufungen von Lauten,  die man sofort wieder vergisst, wenn man keine Visitenkarte in die Hand gedrückt bekommt.
Das ganze wird leichter, wenn man genügend Schriftzeichen gelernt hat.
Dann wird die Bedeutung des Namens ersichtlich... vielleicht... oder es findet sich ein guter Aufhänger um Leuten Spitznamen zu geben.

Jedenfalls protestierte diese Yuki umsonst, dass ich die Zeichen für "Furcht" und "Wunsch"verwechselt habe, von da an war sie "Yu, die Schreckliche"!






Vornamen werden von den Eltern meist nach Laut ("klingt schön") oder einem obskuren Familien-System ausgesucht ("die erste Silbe vom Namen der Großmutter oder jeweils der zweite Buchstabe vom Namen der großen Schwester oder... äh...").
Dann sucht man sich unter den zigtausend Schriftzeichen welche raus, die hübsch ausschauen und die man mit biegen und brechen vielleicht so lesen kann wie der Name klingt.
Auf Geschlecht wird da keine Rücksicht genommen: für männliche Yuki wählt man halt halt etwas andere Schriftzeichen aus. Gibt ja genug.
Und wenn alle Stricke reißen, lässt man die Schriftzeichen halt ganz weg und schreibt nur in Lautschrift.

Eine andere Yuki musste kleinlaut zugeben, dass sie selbst die Bedeutung ihrer Schriftzeichen nicht kennt - da haben die Eltern etwas zu obskure Kritzeleien in alten Büchern gefunden.
> "...aber manchmal verwendet man es in Worten die irgendwas mit Zeit zu tun haben!"
Andererseits: wie viele Europäer kennen schon die Bedeutung ihres Namens.... (ich).





Kein Wunder dass da Spitznamen groß in Mode sind.
Besonders Chinesisch-Stämmige Leute (die zwar dieselben Schriftzeichen haben, aber deren Aussprache sich im Japanischen eh net wiedergeben lässt) müssen sich oft Umdeutungen gefallen lassen.
Von einer anderen Yuki wusste ich erst gar nicht, dass sie Chinesin ist - wo sie doch so einen typisch japanischen Vornamen hat...
Aber sie heißt gar nicht Yuki. In ihrem Namen (für Japaner unnötig kompliziert) fand sich einfach das Zeichen für "Schnee" - also nennen alle sie jetzt "Schnee" - was nur zufälligerweise "Yuki" heißt.
(Ich verweise hier nochmal auf diverse Hass-Predigten, die ich über Homophone in der Japanischen Sprache verfasst habe.)

Ein brasilianischer Kommilitone hat die "Hin-und-her-Übersetzung" von Lauten und Bedeutungen von Namen dann zur Kunstform erhoben.
Eine Chinesin machte einmal den Fehler ihm die Bedeutung ihrer Schriftzeichen zu erklären.
"Das eine ist 'Morgen', aber nicht so früh am Morgen, eher so 10 Uhr..."
Das hätte sie nicht sagen sollen.
Seitdem heißt die "Juu-ji" (jap.: "10 Uhr").
Und weil das wie das Englische "Judy" klingt, glauben manche zuerst tatsächlich das sei ihr Name.
Als ich nach 2 Jahren Abwesenheit an den Campus zurück kam hieß sie immer noch so.





Die gängigste Quelle für Spitznamen liegt aber viel näher:
erste Silbe des Namens + 'chan'.
'Chan' ist eine Niedlichkeitsform, ähnlich dem Deutschen "~chen".
Während aus Yuki also Yu-chan wird, wird der Maximilian zum Mäxchen....
..ja, toll, das ging jetzt wieder voll nach Hinten los!

Wo wir schon beim Max sind: auch in Japan gibt es einen Herrn Mustermann.
Taro ist sein Name. Einen einheitlichen Nachnamen hat er nicht. Man verwendet immer das Naheliegendste Wort, das gerade mit dem Beispiel zu tun hat.
Die Formulare auf den Ämtern haben immer den Namen der Stadt als Taro's Nachnamen.
Also "Taro Osaka" oder "Taro Kyoto".

Auf einem English-Test für Internationale Kommunikation fand ich dann den Herrn "Taro International".
Und an unserer Universität gibt es gar einen "Taro Sentan" - Sentan bedeutet so viel wie "führend", "Speerspitze", "Vorhut" oder "anderen Unis weit voraus".
Vielleicht haben manche Deutsche Unis ja einen "Max Elite" oder "Max Exzellenz-Cluster"
(wobei letzteres Wohl ein zusammengesetzter Name von Papa "Exzellenz" und Mama "Cluster" sein muss).

Aber die Geschichte mit den Nachnamen erzähl ich wann anders mal.


Dienstag, 26. Februar 2013

Nein, das andere Andere!


> Ano ne (*nicht übersetzt da 100% Inhaltsfrei)
> Hmm?
> Bevor du nach Japan gekommen bist, was hast du geglaubt wie's hier ist?
> Inwiefern?
> Hast du geglaubt, dass hier überall Samurai rumlaufen?

Meine Gesichtszüge sind nicht sofort entgleist.
Erst habe ich ein paar Sekunden gebraucht um zu kapieren, dass die Frage ernst gemeint war.
Dann hab ich dafür aber auch gleich doppelt blöd geschaut.

Japan hat unter den erste-Welt-Ländern vielleicht den geringsten Kulturaustausch.
Der Ausländeranteil liegt bei grob 2% (vergleiche: Deutschland 20%) wovon die meisten nochmal Koreaner oder Chinesen sind. Insofern halten sich hier hartnäckig einige abstruse Vorstellungen übers Ausland (was auf Japanisch alles als "Übersee" angesehen wird, weil's ja zwangsläufig jenseits irgend eines Ozeans liegt).
Nicht dass es an tatsächlichen Unterschieden Mangeln würde.
Aber sie schaffen es mit schlafwandlerischer Sicherheit immer genau die falschen Sachen als besonders Japanisch zu betrachten, genau an den falschen Stellen Missverständnisse und Irrglauben zu vermuten.


Vor langer Zeit hatte ich mal eine Touri-Bruschüre in der Hand die für Japan warb "wo es vier Jahreszeiten gibt".
Das ist ja schön für euch, dachte ich mir und dachte mir nichts weiter dabei.


Im Sprachkurs wurde mir erst klar, warum dass da stand:
denn die heutige "erzählen-sie-mal-wie-das-bei-ihnen-Zuhause-so-ist" Frage (Sprachkurse bestehen zu 60% aus solchen Fragen) dreht sich um: die Anzahl der Jahreszeiten.

Und der Reihe nach gucken wir alle mal doof und nennen dann FrühlingSommerHerbstWinter. Als ob das irgendwie mit der Erdachse zusammen hängen würde und nicht kulturell bedingt wäre.

GottSeiDank war wenigstens EIN Mädchen aus Malaysia dabei (zusammengefasst: "manchmal regnet's"). Damit hatten wir einen "kommt-aus-einem-Land-wo-es-nicht-vier-Jahreszeiten-gibt" Anteil von: einer Person.

Wie der Lehrer - der ja bestimmt nicht zum ersten mal mit Ausländern zu tun hat - trotzdem noch überrascht sein kann...


Sie planen eine Party. Sie wollen wissen ob es Essen gibt, dass ich nicht mag. Ich nenne Nattō. Sonst nichts?
> Essen sie denn Tako?
> Taco? Klar ich liebe Tacos!
Er schaut so überrascht, dass ich nochmal nachdenke, was er gerade gesagt hat.
> Ach, sie meinen Tako (Octopus)! Klar, warum den nicht.
Er schaut noch ein bisschen überraschter, was dann auch auf mich abfärbt.

Nun sind die Japaner ja tatsächlich berühmt dafür alles zu essen, was sie aus dem Mehr ziehen. Vom Seetang über die Qualle bis zum Wahl. Aber bei den Meeresfrüchten, die von der Mediterranen bis zur Südost-Asiatischen Küche überall in den Topf kommen, überrascht sie das.

Was wirklich typisch Japanisch ist - das von der Pizza bis zum Sushi alles eine dicke Schicht Mayonnaise abbekommt - halten sie dafür wieder für einen Kulturimport.
> Wie, du magst keine Mayonnaise?
> Mag ich schon, aber ich will meinen Octopus darunter noch sehen können!



Freitag, 8. Februar 2013

Spaß trotz Winter

Frühling ist die Zeit der Kirschblüte.
Im Sommer jeden Tag ein anderes großes Fest.[1]
Im Hebst geht man in die Natur, das Laub bestaunen.[2]
Und im Winter?
Wer nicht gerade auf der Nordinsel Hokkaido lebt (dort gibt es das berühmte Schnee-Festival... und überhaupt erstmal Schnee), kann man sich wohl nur in heiße Quellen verkriechen...?
"Chau!" sagt da der Japaner!

Drei Dinge, die man in Kansai (mittlerer Westen) in der kalten Jahreszeit bestaunen kann:


Kobe Luminarie
Nach dem schweren Erdbeben in Kobe 1995 hat sich die Welt überlegt wie man der schwer angeschlagenen Stadt wieder etwas aufheitern und auf die Beine helfen kann.
Italien hat ihnen einfach ein paar Glühbirnen geschenkt.
Also, ein paar sehr sehr viele...

Und das sind ist nur eine von mehreren Konstruktionen.



Osaka Toka Ebisu
Das berühmte Ebisu-Bier (eines der wenigen echten und echt guten japanischen Biere) hat seinen Namen von der dickbäuchigen Gottheit "Ebisu".
Weil der als Kind an den Strand gespült wurde und immer so fröhlich Lacht wird er gerne angerufen wenn darum geht, dass etwas das glücklich macht in den Schoß fallen soll.
Also wird Anfang des Jahres zum Schrein gepilgert um für Glück im neuen Jahr zu bitten.

Die Statue zu berühren bringt Glück - weshalb es sehr schwer war durch die Menschenmassen überhaupt erst so nah ran zu kommen.



Nara Wakakusa Yamayaki
Johannisfeuer? Lächerlich! Wir fakeln gleich den ganzen Berg ab!
Jeden Winter wird der Heilige Berg Wakakusa angezündet.
(Oder zumindest eine große Grasfläche auf dem Kuppel. Ihr wisst schon: Safty first!) 
Angeblich konnten sich zwei Tempel nicht einigen, wem der heilige Berg gehört, und in Salomonischer Weisheit hat dann einfach die Schreichhölzer geholt.

Natürlich gab es auch ein großes Feuerwerk.
Ob das die Brandursache war kann man allerdings schwer sagen.