Mittwoch, 31. Januar 2018

Boss (1)

Ich habe einen kleinen Aktenkoffer. Voller Geld. Deswegen habe ich ihn auch mit Handschellen am Arm festgekettet. Dazu wachsen mir kleine Hörner aus dem Schädel.
Es ist Halloween 2013, und ich versuche ich als Teufel auf Seelen-Kauftour. (Oder Banker. 2013 kann man beide Begriffe synonym verwenden.) Den Japanern ist nicht wirklich klar was das Böse und Geld miteinander zu tun haben - ist wohl einer dieser kulturellen Unterschiede. Doch davon lasse ich mir den Abend auf den Straßen von Osaka nicht verderben.


Es wird spät.
Es wird feucht.
Es passiert so allerhand.
Irgendwann wache ich auf.

Ich bin irre sauer.
Ich koche vor Wut.
Ich schreibe einem Freund eine lange haßerfüllte SMS darüber was alles falsch ist mit dieser Welt. Dann gehe ich Heim.

Langsam beruhige ich mich und frage mich, warum ich überhaupt so wütend war.
Es ist nichts schlimmes passiert. Eigentlich ist sogar recht viel Gutes.
Und überhaupt, noch zwei Jahre zuvor wäre ich überglücklich gewesen überhaupt in Japan sein zu können und dort Halloween zu feiern.
Warum also?
Weil es einfach nicht genug war.
Es ist nie genug.
Es ist nicht die Gier nach immer mehr, sondern weil mein Leben ein Ablaufdatum hat: Regelstudienzeit.
Ich habe nur noch ein weiteres Jahr. Da kann man gar nicht genug erleben. Und dann?
Ich habe keinen Plan, was ich danach machen soll. Das hatte ich schonmal. Damals habe mir ein Diploma in die Hand drücken lassen und bin Heim gegangen; habe mir einen Job gesucht; und zum ersten mal seit dem Abitur wieder darüber nachgedacht, dass das Leben nicht so lebenswert ist dass man sich das unbedingt bis zum Ende anschauen muss. Dass das echte Leben jetzt vorbei ist, und ich jetzt nur noch den Rest absitzen muss. Der Teil in dem nichts mehr passiert.
Nicht das die Arbeit schlecht gewesen wäre. Hab halt Computerprogramme geschrieben. Nicht weil ich wollte, sondern weil ich konnte. Ich kann sonst nichts und sonst kann's keiner. Solche Leute nennen wir "Code Monkey". Programmier-aeffchen schreibt fleissig Code für Boss. Boss trotzdem sauer weil... weiß nicht. Also schreibt Code Monkey mehr Code. Wochenende. Montag. Code Monkey write happy code. Code no good. Boss happy. Code Monkey sad. Dienstag. Code hilft dabei Filme zu machen. Code Monkey mag die Filme nicht sehen, die Code macht. Mittwoch. Wüsste auch gar nicht mit wem ich gehen sollte. Wenn Code Monkey nicht vor dem Computer sitzt, dann sitzt Code Monkey vor dem Computer. Donnerstag. Anderen Leuten scheint das nichts auszumachen dass sie nichts Neues erleben, niemand neues kennenlernen, keine Herausforderungen im Leben haben. Freitag. Sie wollen nichmal mich kennen lernen. Kennen schon genug. Wochenende. Nichts passiert. Montag...




Noch einmal habe ich mich ins Student-sein zurück gerettet. Aber für wie lang? Der Druck die Zeit bestmöglich zu genießen wird so groß, dass ich die Zeit nicht mehr genießen kann.
Es bleibt der einzig logische Ausweg:
Ich schaffe die Deadline ab!
Ich gehe einfach nie mehr zurück in das Leben des kleinen Code-Monkey.

Ich beschließe drei Vorsätze:
1: Ich werde endlich lernen meine Gehirn und meine Emotionen unter Kontrolle zu bringen, positiver sein, dankbar für alles was ich habe und erlebe.
2: █████ ████████, ███████ ████ ████.
3: Ich werde meine eigene Firma gründen.
Ja, ich nehme mein Leben selbst in die Hand.
Werde mein eigener Boss.
Gestalte mein Leben wie's mir gefällt.

Und um mich immer daran zu erinnern, schreibe ich meinem Freund gleich nochmal.
Und dann allen Freunden auf Facebook.

So beginnt die lange Reise zu einem neuen Ich...



Montag, 30. Januar 2017

Der Mann aus Hochbergen

Klingt alles so schön exotisch hier.
Ist es aber nicht.
Also, für uns schon, aber für die Leute hier natürlich nicht.

Das Problem darin sich vorzustellen wie Japan für Japaner aussehen muss liegt darin, dass alle Worte die sie verwenden für uns fremd klingen - selbst wenn sie ganz mundane Dinge beschreiben.
Geisha zum Beispiel. Klingt doch super, oder? Ist aber auch nur eine Künstlerin. Das ist genau dass, was das Wort "Geisha" bedeutet: Gei=Kunst, Sha=Person.
Irgendwie gehen darüber die tatsächlich interessanten kulturellen Unterschiede oft verloren, wie zum Beispiel dass man hier Alleinunterhalter(innen) mieten kann, und dass auch keiner für besonders Merkwürdig hält.

Hier also mal zum Test: eine Geschichte die sich ungefähr fast so zugetragen hat, in den Worten die Sie gewohnt sind.



Er musste sich reichlich früh auf den Weg machen. Nicht weil er frühzeitig ankommen musste, sondern weil er in Hochbergen [1] wohnt. Von Hochbergen aus braucht man immer lange um irgendwo hin zu kommen, egal wo. In Langfeld [2] machte die UBahn erstmal eine kurze Pause: der Zug mußte von einer Bahngesellschaft an die andere Übergeben werden. Das Personal der neuen Firma stellt sich über Lautsprecher vor: "Mein Name ist Mittenfluss, ich bin der Zugfuehrer. Der Schaffner ist Unterfeld [3]. Danke, dass Sie auch heute wieder mit der UBahn fahren." Der Zug fuhr weiter und kurze Zeit spaeter betrat ein Mann den Waggon, der wohl Herr Unterfeld sein musste - erkennbar an der adretten Uniform, den weißen Handschuhen und der Verneigung beim Betreten des Waggons. Derweil fuhr der Zug weiter unter den Straßen der Stadt Grosshang [4] hinweg.

Schließlich erreichte er den Bahnhof Neu-Grosshang und stieg in den Schnellzug der Neuen Stammstrecke [5].
Fuer die knapp 500 Kilometer nach Oststadt [6] brauchte er so nur zweieinhalb Stunden. Das stand mal wieder in keinem Verhältnis zu den 60 Minuten die er für die 23 Kilometer von Hochbergen bis in die Stadt gebraucht hat. Aber immerhin musste er diesmal nicht den Nacht-Bus nehmen.

[1] Takayama (高山) wortlich: "hoch" und "Berg"
[2] Nagata (長田) "langes Feld", Stadtteil im Osten von Osaka
[3] Nakagawa (中川) und Shimoda (下田) - die meisten Familiennamen hier sind Ortsbeschreibungen, nicht Berufsbezeichnungen wie in Deutschland.
[4] Osaka (大阪) woertlich "Grosser Huegel" oder "Grosser Hang"
[5] Shinkansen (新幹線), die neue Haupt-Linie
[6] Tokyo (東京), "östliche Hauptstadt"




In Oststadt angekommen traf er auf die Organisatorin der Veranstaltung - die ironischerweise Grosshang hiess. Er war zunächst einen Moment überrascht: aus dem Briefverkehr hatte er nicht erkennen können, dass sie eine Frau ist [6]. Dem Vornamen nach hätte sie auch ein Mann sein können, weil sie ihn in den Emails nur in Lautschrift geschrieben hatte. Das hätte ja alles mögliche heißen können. Vielleicht hatte sie auch einfach keine Schriftzeichen für ihren Vornamen. Kommt in letzter Zeit häufiger vor. Allerdings ist die dafür ein bißchen zu alt. Naja, egal.

Jedenfalls mußten erstmal mit allen Leuten Visitenkarten ausgetauscht werden. Dabei fiel ihm auf wie schnell er sich durch seinen 100er Pack durchgefressen hatte. Bei jeder Veranstaltung so viele Karten, die meisten davon landen doch er in der Schublade. Er hatte es sogar schon erlebt, dass ihm Leute die Karte aufdrängten die danach alle Versuche zur Kontaktaufnahme ignorierten. Aber Verhalten, dass mehr auf Gebräuchen und Höflichkeit beruht als auf Logik ist hier nicht fremd.

Das Symposium ging dann recht unspektakulär vorüber. Zum Mittagessen wurden Lunch-Box und grüner Tee bereit gestellt. Normalerweise nahm er sich immer Zeit die Gedichte auf der PET-Flasche Tee zu lesen aber heute hatte er dafür keinen Kopf. Er ging lieber im Kopf nochmal seine Präsentation durch. Nicht den Inhalt, den konnte er schon, sondern um das richtige Level an Höflichkeit zu treffen. Ob er es richtig gemacht hatte wusste er wie immer nicht - die Leute sagen einem nie wenn man einen Fehler macht. Manche macht man deshalb Jahrelang und gibt sie auch weiter.

Wie üblich musste nach der Veranstaltung erstmal getrunken werden. Also gingen alle gemeinsam in in eine Schänke [7] um die Ecke. Auf dem Weg kamen sie an einer kleinen Kapelle vorbei die dem heiligen St. Petrus geweiht war [8]. Es standen schon zwei oder drei Leute davor Schlange um um Beistand zu beten - was sich ja immer gut zwischen zwei Meetings quetschen lässt: Münze in den Klingelkasten, die Glocke läuten, klatschen, verneigen, fertig.
Im Lokal angekommen brachte der Kellner gleich Waschlappen [9], und wahrend sie sich die  Hände abrieben bestellten sie schonmal eine Runde Bier.
Dazu gab's allerhand Snacks: Eingelegtes, fritiertes Hähnchenfleisch, rohen Fisch und sogar etwas rohes Pferdefleisch. Mußte wohl doch ein besonderer Anlaß sein. Dazu wurde frei gesprochen und gespaßt - obwohl je die Hälfte von zwei getrennten Firmen waren (also bestimmt ein Faktor Firmenpolitik mitgespielt hat). Wenn Bier fließt muss man die Höflichkeit auch mal sein lassen.
Nach drei oder vier Runden Bier verabschiedete er sich dann um Nachts noch Rechtzeitig wieder in Hochbergen anzukommen. Nachts fahren ja keine Züge mehr.


[6] Namens-Suffixe wie "Herr/Frau" sind im Japanischen Geschlechtslos.
[7] Izakaya (居酒屋), wörtlich: "Alkohol-Laden (in dem man sich aufhalten kann)"
[8] Ebisu (恵比寿), Shinto-Gottheit und Schutzpatron der Fischer (und Händler); das erste Zeichen steht für "gesegnet" (benedeit), könnte also auch der heilige St. Benedikt sein
[9] Oshibori (お絞り), Erfrischungstücher, wörtlich: Ausgewrungene

Mittwoch, 30. November 2016

Du japanisch, Ich höflich

Wenn man anfängt Japanisch zu lernen, fällt einen recht schnell auf wie sehr sich der Lehrer damit quält einem nicht die Worte fuer "Du" oder "Sie" beizubringen. Man soll den anderen doch lieber mit Namen + "san" ("Herr" oder "Frau" - Japaner unterscheiden da nicht) anreden.
Das fühlt sich für Europäer reichlich blöd an. Hätten Herr Lehrer noch andere Wünsche?
Also gibt der Lehrer bald nach und sagt, man soll den Banknachbarn halt "Anata" nennen, und zu sich selbst "Watashi". Klingt ja umständlich.

Das Problem ist nicht, dass Japaner keine Worte für "ich" und "du" haben, sondern dass sie zu viele haben, und die Höflichkeitsregeln nicht einfach zu durchschauen sind. Mal ein paar Beispiele:



Also erstmal zu mir. Ich bin Watashi... wenn ich mit Geschäftsfreunden oder meinem Professor spreche. Sollte ich mal Politiker werden oder sonst reden halten, könnte ich sogar zum Watakushi werden - das extra "ku" macht's nochmal formeller.
Um vom Watashi zur Atashi zu werden wäre schon eine größere Operation nötig, denn nur Frauen können das "w" fallen lassen - müssen sie nicht, tun sie aber wenn sie niedlich sein wollen.
Unter Freunden werde ich zum Boku. (Das können Frauen jetzt wiederum nicht, ätsch-bätsch). Eigentlich müßte ich zum Ore werden, traue mich aber oft nicht, weil ich nicht 100% weiß wem gegenüber das zuu selbstbewußt erscheinen könnte. Boku ist da auf dem halben Weg zum Watashi schon sicherer.
Wenn ich über 60 wäre könnte ich auch ein Ware sein. Nicht, dass das Wort alten Herren vorbehalten ist, es ist nur so aus der Mode geraten sich selbst als Ware zu bezeichnen, dass nur überlebende der "guten alten Zeit" noch darauf zurückgreifen.
Oh, und weil ich in der Gegend von Osaka / Kyoto wohne werde ich gelegentlich zum Uchi (lies: Utschi). Das klingt fuer Leute aus Tokyo genau so bescheuert wie für Sie jetzt.



Aber kommen wir jetzt mal zu Ihnen.
Die Japanische Nationalhymne heißt: "Kimi-ga-yo" (君が代). (Voll vom Thema abgekommen... ne doch nicht, denn:) In diesem Fall spricht man mit dem "Kimi" den Kini Kaiser an. Es ist also die höchst mögliche Ehrerbietung einer Anrede.
Das Schriftzeichen lässt sich auch "kun" lesen. Dann kann man etwa ShoKun (諸君) sagen, was eine sehr förmliche Anrede für eine Gruppe Menschen ist. "Meine hochverehrten Damen und Herren". Zumindest müssen das nicht alles Kaiser sein.
Man kann damit auch einzelne Personen anreden, indem man es an ihren Namen anhängt. Aus Tanaka-san wird dann Tanaka-kun. Das spart man sich aber lieber für den Sohn von Herrn Tanaka, denn es impliziert dass man mindestens mal deutlich älter und eigentlich auch höher in der Rangordnung steht als der "-kun", oder dass man zumindest sehr gut befreundet ist. Außerdem kann man nur Jungs so ansprechen. Mädchen sind kein "-kun". Oh, aber wie am Anfang gesagt kann man das Schriftzeichen ja "kimi" lesen. Das kann man anstelle des Namens auch als "du" verwenden. Wenn man denn in der Hierarchie wirklich sehr deutlich über dem Kimi steht. Gute Freunde sind kein "Kimi". Die eigene Freundin aber schon, denn Maedchen sind fast immer "Kimi" bis sie das Arbeiten anfangen und "Tanaka-san" werden. Das ist nicht herablassen oder so. Naja, eigentlich irgendwie schon, aber es gibt sonst keine Möglichkeit seine Freundin anzusprechen. Sie "Anata" zu nennen ist so als würde man sie Siezen. Oh, aber natürlich sagt sie zu ihnen "Anata" (oder "Anta" wenn sie wieder niedlich sein will).

So, jetzt versteht der Herr Leser warum Leute gerne diesem Minenfeld entkommen indem sie auf "ich" und "du" möglichst verzichten.

Montag, 31. Oktober 2016

Weihrauch-Hafen (2)

Science-Fiction Fans werden gehört haben, dass die ewig-verregneten Häuserschluchten im Film "Blade Runner" unter anderem von Hong Kong inspiriert wurden. Ja, da haben wir Glück gehabt: hat nämlich viel geregnet.
Genau so wie in Japan bleibt die Temperatur ziemlich hoch auch bei Regen. So macht es einem nicht ganz so viel aus nass zu werden und die Klamotten trocknen recht schnell wieder. Also machen wir am ersten Tag gute Miene zum bösen Wetter und laufen Klatschnass durch die Gassen.
Am zweiten Tag hört der Spaß dann auf - es regnet so heftig, dass wir uns auf eine Museums-Tour machen. Bis uns die Museen ausgehen. Schüttet immer noch. Wir gehen ins Planetarium und schlafen ein bisschen (was würden SIE denn in einem dunklen Raum mit Liege-Sesseln und künstlichem Sternenhimmel machen?). Regnet immer noch. Ich mache Facebook auf und sehe: die gute Wetterlage in HongKong hat sich bis England rumgesprochen.
Dann einen Tag schönes Wetter, also so schnell wie möglich alles abgehakt.
Der nächste Morgen sieht wieder etwas grau aus, aber auch nicht so schlimm. Nur erstaunlich wenig los heute. Ist Feiertag? Internet gefragt. Ja, spontaner Feiertag namens "Taifun-Warnung".
Mhmm, Spannend. So sieht man Hong Kong mal als Geisterstadt. Fühlt sich wunderbar beklemmend an...

Später treffe ich eine Einheimische die mir erzählt, dass solches Wetter extrem selten ist im Dezember. Normalerweise hat es sich bis Ende September komplett ausgeregnet.
Na, da haben wir ja Glück gehabt...


Selber Ort, selbe Uhrzeit, einmal mit Taifun-Warnung, einmal ohne.

Oh, solche Straßenmärkte wie im letzten Video gab es reichlich. Die meisten bieten den typischen Touri-Krimskrams. T-Shirts mit "I ♥ HK" Aufdruck, kleine Buddha-Statuen, Spielzeug, ...
Als wir vor einem Stand zu lange stehen bleiben, dürfen wir die Verhandlungskünste der Inhaberin genießen.
"50$, okay?"
Wir ignorieren sie und gucken weiter das kleine Kleidchen an.
"40$! 40..."
Wir drehen uns sicherheitshalber mal nicht zu ihr um.
"35$ 30, okay?"
Wir fragen uns wie weit sie wohl runter geht wenn wir sie weiter ignorieren.
"25! 25! Okay? 25! 20$..."
Also wenn der Fummel so billig ist, wollen wir ihn auch gar nicht.
Also gehen wir wieder.

Auf einem Abstecher in die New Territories haben wir die Gelegenheit noch einen "echten" Straßenmarkt zu sehen, auf dem die Einheimischen tatsächlich ihr Essen kaufen.
Auch hier werden wir angesprochen, aber nur halbherzig und auf Chinesisch, und so stört uns das nicht.
Trotzdem kaufen wir wieder nix. Nicht dass das Fleisch vor dem Standl net gut aussehen würde, aber eben dass man rohes Fleisch bei diesen Temperaturen offen vor dem Standl liegen lässt ist... ähh... nicht entsprechend DIN Hygiene-Normen!



Nah, so bleibt mehr Geld übrig. Das ist wichtig, weil: ich Sammle. Mir ist aufgefallen, dass nicht alle Hong Kong Dollars gleich sind. Es gibt tatsächlich drei verschiedene Geldinstitute die fleißig Drucken: die Bank of China (Hong Kong), die Hong Kong and Shanghai Banking Corporation (Limited) und die Standard Chartered Bank. Hier Drucken Banken unterschiedlicher Nationen Geld. Würde mich nicht wundern wenn ich plötzlich Hong Kong Dollars der East-India Company in der Hand halte.


Donnerstag, 27. Oktober 2016

Weihrauch-Hafen (1)

Sie haben doch nach einem Monat sicher die Schnauze voll von Mexiko!
Also, extra für Sie, mal was neues: HongKong!


Ja, die Ingenieure von Hong Kong verwenden tatsächlich Bambus um ihre Gebäude zu bauen und sanieren.


HongKong schreibt sich mit den Schriftzeichen für "Duft" oder "Weihrauch" (香) und "Hafen" (港).
Das ist ironisch, weil HongKong deswegen zu dem geworden ist was es heute ist, weil die Briten einen Hafen gebraucht haben. Um Opium nach China zu importieren. Auch eine Art von Weihrauch.
Ein guter Teil des Startkapitals der Stadt kam also aus den Taschen chinesischer Junkies.
Ein guter Teil des späteren Einkommens kam aus den Taschen von Kung-Fu-Film Junkies.


Bronzestatue von Bruce Lee vor der Skyline von Hong Kong.


Oh, Kung-Fu! Da fällt mir was ein: die Leute im Süden Chinas sprechen eine anderes Chinesisch, allgemein Kantonesisch genannt.
Als die Europäer also zum ersten mal Kontakt mit China hatten, hatten sie ihn durch Leute, die nicht wirklich Chinesisch sprechen.
Die Chinesen hätten ihnen gerne etwas von Kampfkunst erzählt: WuShu (武術) wie sie es nennen.
Die Kantonesen sprechen das Wort aber "Kung Fu" aus.

Wenn sie mit einem Chinesen also über "Kung Fu" sprechen, ist das so als ob der Chinese mit ihnen über "Wiener Sosedsches" redet.
Bei der Gelegenheit haben die Leute von HongKong den Briten auch erzählt, dass sie gerade Probleme mit Piraten von einer Insel im Nord-Osten haben.
Die Piraten hätten ihnen gerne gesagt, dass sie ihre Insel "Ni-hon" nennen: das "Reich der Sonne".
Doch die Kantonesen lesen dieselben Schriftzeichen... "Ja-pan"...


Der "Hollywood" Park.


Dank des Britischen Einflusses sprechen in Hong Kong fast alle Englisch. Jedenfalls sehr viel besser als ich Chinesisch. Gut, ich spreche auch kein Chinesisch. Aber zumindest kann ich viele von den Schriftzeichen lesen. Was eher zu gefährlichem Halbwissen führt.
Wir wollen einen Bergtempel besuchen. Wir wissen, dass der Tempel oben auf dem Berg ist, sind uns aber nicht sicher, sicher ob wir den richtigen Aufstieg gefunden haben.
"Doch, doch", versichere ich, und deute auf die Schilder auf denen zweifelsfrei "Gipfel" steht.
Das geht so weit gut, bis es nicht mehr weiter geht.
Also einen Einheimischen gefragt (der natürlich fließend Englisch sprach).
Nein, hier gehe es nicht zum Gipfel-Tempel-Dingen. Wir hätten am Fuß des Berges ganz anders abbiegen müssen...

Verdammte Chinesen, können die net g'scheit Japanisch schreiben!?



Freitag, 30. September 2016

Mayaland (2)

Ich reise nicht allein. Ständig bei mir ist ein Mann. Der Mann trägt einen Zylinder.
Warum trägt er einen Zylinder? Es ist ein Magier.
Zumindest hat er sich in den Kopf gesetzt, dass Informatik jetzt eine Form von Magie ist.
Also hat er es sich in den Kopf gesetzt seinen Vortrag im Frack zu machen, und mit Monokel.
Also hat er sich gleich mal den Zylinder auf den Kopf gesetzt - der Frack war dann fürs Flugzeug doch etwas zu unbequem.
Also trägt er den Zylinder zu seinem Hawaii-Hemd, mit abgerissenen Ärmeln.
Naja, so geht er mir im Flughafen-Getümmel zumindest nicht verloren.
Und wer weiß, vielleicht Fällt ja ein Kaninchen für mich dabei heraus.




 


Die Konferenz findet in einem schnieken Touri-Hotel statt.
Ich habe mich in einem anderen Hotel einquartiert.
Das hat mehrere Vorteile:
- das Hotel ist billiger
- das Hotel ist im Stadtzentrum, wo es mehr zu sehen und zum ausgehen gibt
- ich kriege mal eine Pause von den ganzen Eierköpfen (außer mir selbst - da gibt's kein Entrinnen)
- stark gesenkte Gefahr, dem MAGIER über den Weg zu laufen
- ich kriege jeden Tag wenigstens ein bißchen Bewegung, weil ich 20 Minuten Fußweg zur Konferenz habe.
Ich kriege jeden Tag 30 Minuten Bewegung, weil ich nicht gut zu Fuß bin.
Außerdem eine Gratis-Sauna "Mexikanisches Klima".
Ich komme total verschwitzt an der Konferenz an. Glücklicherweise gibt es ein gratis T-Shirt für alle Teilnehmer. Dass ziehe ich gleich an und fühle mich viel besser - obwohl ich jetzt wie eine Studentische Hilfskraft aussehe.
Die nächsten Tage wiederhole ich den Trick indem ich einfach eine Garnitur Wechselkleidung mitbringe.

 
 Die Hotel-Lobby


Auf meinem Fußweg sehe ich öfters Busse an mir vorbei rauschen, kann aber ums verrecken keine Bushaltestelle finden.
Es dauert ein zwei Tage bis mir klar wird, dass man hier den Bus einfach per Handzeichen anhält.
Aber dann habe ich immer noch keinen Plan wo der Bus eigentlich hinfährt.
Buspläne gibt es nirgendwo. Selbst das Internet hat nur sporadische Information.
Am letzten Konferenz-Tag siegt dann die Faulheit Abenteuerlust und ich steige einfach ein.
Super, der Bus fährt genau in meine Richtung. Und wie komme ich jetzt wieder raus?  Knöpfchen gibt's keine.
Glücklicherweise steigt ein Ehepaar ganz in der Nahe der Konferenz aus (der Trick war: dem Busfahrer irgendwas auf Spanisch zu sagen), und ich hüpfe einfach mit aus dem Bus.
Cool. Für 7 Pesos ganz schon viel Zeit und Schweiß gespart.
Dafür jetzt schlechtes Gewissen beim Kekse futtern.


 

 
Zurück in Japan dauert es nicht lange bis die Panik ausbricht.
Zika!
Ach ja, da war ja was. Hätte man uns vielleicht vorwarnen.
Mal auf Wikipedia geschaut... und gleich enttäuscht. Da ist ja jede Grippe schlimmer - solange man nicht gerade schwanger ist.
Dummerweise hat genau der Konferenzteilnehmer, der gerade am Kinderwunsch arbeitet das Virus.
Ganz große Leistung, Japan! So wird das mit der Geburtenrate auch nix, wenn man die wenigen gebärwilligen Einwohner in ein Land mit Anti-Baby-Viren schickt.

Mittwoch, 28. September 2016

Mayaland (1)

Sie haben doch nach 6 Jahren sicher die Schnauze voll von Japan.
Also, extra für Sie, mal was neues: Mexiko!

Und das kam so...




Ich muß mal wieder was veröffentlicht bekommen, sonst wird das mit dem Doktor nie was.
Also mal sauber eine Studie rausgehauen.
Die Ergebnisse, also ich will Sie jetzt ja nicht langweilen, aber, hossa!
Artikel geschrieben, eingereicht.
Reviewer 1: "Super! Das MUSS angenommen werden."
Reviewer 2: "Super! Das MUSS angenommen werden."
Reviewer 3: "Okay, da fehlen ein paar Details, aber wenn die drin sind sollte das angenommen werden.
Wir reichen die letzten Details nach.
Meta-Reviewer: "Schrott! Glaubichkeinwort. Naja, vielleicht könnt ihr das als Poster in der Besenkammer aufhängen."
Abgelehnt.
Aber, hey, wir haben da noch so ne andere grindige Studie herumliegen. Die könnt ihr als Poster haben, ihr Pappnasen.
Und so zahlte meine Uni etwa 3000 Euronen, damit ich einem desinteressierten Publikum zwei A4-Seiten fragwürdige Forschungsergebnisse zeigen kann.
Auch was wert - in Mexiko war ich noch nie.




Neues Land, neue Abenteuer Möglichkeiten sich blöd anzustellen.
Die Mexikaner verwenden für ihre Pesos genau dasselbe "$" Zeichen wie die US-Amerikaner.
Das wäre nicht so Problematisch, wären wir nicht in einer Touristenhochburg, wo gerne auch in US-Dollars gehandelt wird.
Naja, kann man ja vielleicht am Betrag erraten was gemeint sein soll - ist schließlich ein Faktor 20 dazwischen.
Flughafen, Mexico-City.
Ich stehe vor zwei Geldautomaten. Auf dem einen steht "US-Dollar". Also gehe ich an den anderen, und hoffe hier Pesos zu bekommen.
Der Automat informiert mich, dass ich fürs Abheben von meiner Kreditkarte 37$ zahlen soll. Okay, der wird Pesos meinen. "OK!".
Dann fragt er mich nach dem Betrag den ich abheben will. Die Skala der vorgeschlagenen Beträge reicht von 10$ bis 1000$.
Für 10 Pesos kriegt man ungefähr ein kleines Wasser, und selbst 1000 Pesos sind nur etwa 50EUR. Der muss doch US-Dollar meinen. Kein Schwein würde je 10 Pesos haben wollen... oder?
Der Automat spuckt meine Karte wieder aus weil ich zu lange gehadert habe.
Ich stelle mich beiseite und hoffe bei den Leuten die nach mir kommen zu erschielen was für Geld sie aus dem Automaten ziehen. Aber die Stecken alle ganz schnell das Bargeld weg. Kann ich gut verstehen. Ich würde dem großen komischen Typen der neben dem Geldautomaten herumlungert auch nicht zeigen wie viel Geld ich gerade abgehoben habe.
Also riskier' ich's einfach.
1000$! *druck*
1000$.
1000 sehr kleine, sehr bunte $.
Hübsches Geld!


Die haben kleine Plastik-Fenster in ihren Scheinen...

Weiter geht's mit dem Flugzeug nach Merida, auf der Halbinsel die Mexiko gen Kuba und Florida ausstreckt.
Das mit dem Flugzeug ist wichtig. Wie ich später von einem Einheimischen erfahre hatte Merida bis vor nicht allzulanger Zeit keinen Flughafen. Die Halbinsel ist mit dichtem Urwald bewachsen, weshalb die einzige Verbindung früher das Schiff war.
Nicht zuletzt deshalb hat sich hier die lokale Kultur erhalten können.
Und mit "lokaler Kultur" sind hier die Maya gemeint.
Als Nicht-Spanisch-Sprechender kann ich das nicht so richtig genießen, aber laut dem Professor der lokalen Uni ist der Alltag hier durchsetzt mit Nicht-Spanisch, und auch die meisten Familiennamen lassen auf andere Wurzeln schließen. Eben dieser Professor hat übrigens eine Einheimische geheiratet (selbst ist er aus Mexiko-Stadt), und versteht sie auch nicht wenn sie mir ihren Eltern spricht. Ideale Voraussetzungen also für ein gutes Verhältnis zur Schwiegermutter.

Chichén Itzá, aber dazu später mehr...