Mittwoch, 28. September 2016

Mayaland (1)

Sie haben doch nach 6 Jahren sicher die Schnauze voll von Japan.
Also, extra für Sie, mal was neues: Mexiko!

Und das kam so...




Ich muß mal wieder was veröffentlicht bekommen, sonst wird das mit dem Doktor nie was.
Also mal sauber eine Studie rausgehauen.
Die Ergebnisse, also ich will Sie jetzt ja nicht langweilen, aber, hossa!
Artikel geschrieben, eingereicht.
Reviewer 1: "Super! Das MUSS angenommen werden."
Reviewer 2: "Super! Das MUSS angenommen werden."
Reviewer 3: "Okay, da fehlen ein paar Details, aber wenn die drin sind sollte das angenommen werden.
Wir reichen die letzten Details nach.
Meta-Reviewer: "Schrott! Glaubichkeinwort. Naja, vielleicht könnt ihr das als Poster in der Besenkammer aufhängen."
Abgelehnt.
Aber, hey, wir haben da noch so ne andere grindige Studie herumliegen. Die könnt ihr als Poster haben, ihr Pappnasen.
Und so zahlte meine Uni etwa 3000 Euronen, damit ich einem desinteressierten Publikum zwei A4-Seiten fragwürdige Forschungsergebnisse zeigen kann.
Auch was wert - in Mexiko war ich noch nie.




Neues Land, neue Abenteuer Möglichkeiten sich blöd anzustellen.
Die Mexikaner verwenden für ihre Pesos genau dasselbe "$" Zeichen wie die US-Amerikaner.
Das wäre nicht so Problematisch, wären wir nicht in einer Touristenhochburg, wo gerne auch in US-Dollars gehandelt wird.
Naja, kann man ja vielleicht am Betrag erraten was gemeint sein soll - ist schließlich ein Faktor 20 dazwischen.
Flughafen, Mexico-City.
Ich stehe vor zwei Geldautomaten. Auf dem einen steht "US-Dollar". Also gehe ich an den anderen, und hoffe hier Pesos zu bekommen.
Der Automat informiert mich, dass ich fürs Abheben von meiner Kreditkarte 37$ zahlen soll. Okay, der wird Pesos meinen. "OK!".
Dann fragt er mich nach dem Betrag den ich abheben will. Die Skala der vorgeschlagenen Beträge reicht von 10$ bis 1000$.
Für 10 Pesos kriegt man ungefähr ein kleines Wasser, und selbst 1000 Pesos sind nur etwa 50EUR. Der muss doch US-Dollar meinen. Kein Schwein würde je 10 Pesos haben wollen... oder?
Der Automat spuckt meine Karte wieder aus weil ich zu lange gehadert habe.
Ich stelle mich beiseite und hoffe bei den Leuten die nach mir kommen zu erschielen was für Geld sie aus dem Automaten ziehen. Aber die Stecken alle ganz schnell das Bargeld weg. Kann ich gut verstehen. Ich würde dem großen komischen Typen der neben dem Geldautomaten herumlungert auch nicht zeigen wie viel Geld ich gerade abgehoben habe.
Also riskier' ich's einfach.
1000$! *druck*
1000$.
1000 sehr kleine, sehr bunte $.
Hübsches Geld!


Die haben kleine Plastik-Fenster in ihren Scheinen...

Weiter geht's mit dem Flugzeug nach Merida, auf der Halbinsel die Mexiko gen Kuba und Florida ausstreckt.
Das mit dem Flugzeug ist wichtig. Wie ich später von einem Einheimischen erfahre hatte Merida bis vor nicht allzulanger Zeit keinen Flughafen. Die Halbinsel ist mit dichtem Urwald bewachsen, weshalb die einzige Verbindung früher das Schiff war.
Nicht zuletzt deshalb hat sich hier die lokale Kultur erhalten können.
Und mit "lokaler Kultur" sind hier die Maya gemeint.
Als Nicht-Spanisch-Sprechender kann ich das nicht so richtig genießen, aber laut dem Professor der lokalen Uni ist der Alltag hier durchsetzt mit Nicht-Spanisch, und auch die meisten Familiennamen lassen auf andere Wurzeln schließen. Eben dieser Professor hat übrigens eine Einheimische geheiratet (selbst ist er aus Mexiko-Stadt), und versteht sie auch nicht wenn sie mir ihren Eltern spricht. Ideale Voraussetzungen also für ein gutes Verhältnis zur Schwiegermutter.

Chichén Itzá, aber dazu später mehr...

Montag, 29. August 2016

Umbenennung (mal wieder)

In Ermangelung echter Neuigkeiten habe ich den Blog mal wieder umbenannt.
Heißt jetzt nicht mehr RiyouRi sondern RiYoUri (里尾売り)
里 Ri: jap. Längeneinheit, etwa 4km.
尾 O: Schwanz (das Ding das am Tier dranhängt)
売り Uri: Verkauf
Ich verkaufe ab jetzt hier also Vier-Kilometer-Schwänze, falls Sie einen wollen...
(Und, ja, mir gehen die Schriftzeichen aus...)


Vorher hieß der Blog ja 理容利: Frisur-Vorteil,
was ich hier erzählt habe.

Damals hatte ich sprachliche Probleme, den Friseuren zu erklären, wie sie meine Haare schneiden sollen.
Man sollte meinen "Under-Cut" (Seiten kurz, oben lang) sei ein Globaler Begriff. Kennen Friseure hier aber nicht.
Aber Dank fleißigem Lernen haben sich die Sprachprobleme aufgelöst... und ein neues Problem zum Vorschein gebracht:
Friseure glauben mir nicht, dass ich wirklich will was ich sage.
Das Problem hat einen Namen, und der ist "Two-Block" (oder "tsuu-burokku", wie die Japaner sagen).
Das ist ein Haarschnitt der hier für Männer sehr populär ist, und wie beim Under-Cut sind die Seiten kurz.
Aber die Rückseite lässt man lang. Nicht so lang wie beim Vokuhila, sieht aber immer noch irgendwie... ähh...
(Bitte sagt mir, dass das außerhalb Japans NICHT Mode ist).
Und egal wie oft ich dem Friseur jetzt sage, dass ich die Rückseite auch kurz will, guckt der nur verwirrt, und meint dann, dass ich bestimmt "kurz für einen Two-Block, aber immer noch lang" meinte.
Meinte ich aber nicht. Ich meinte KURZ. Muss öfter nachbessern lassen.


Vor der letzten Umbenennung hiess der Blos ja 寮利 - Heim-Vorteil, was ich wiederum hier erklärt habe... vor mehr als 6 Jahren.
Hätte mir damals nicht träumen lassen, dass ich nach 6 Jahren immer noch hier bin. Irgendwas mache ich falsch in meinem Leben.
Die Vorteile im Heim zu wohnen wiegen nämlich de Nachteile in keinster Weise auf.
Zwar ist es billig, ja, aber das gesparte Geld muss man wieder aufwaenden um irgendwohin zu kommen, wo einem nicht langweilig ist (*hust* Osaka *hust*).
Zu allem Überfluß macht mir der Haxen jetzt den nächtlichen Heim-Marsch vom Bahnhof schwer. (Glücklicherweise hat mein Auto Automatik - kann also auch ohne linken Haxen bedient werden).
Oh, dass erinnert mich allerdings, dass das Heim einen unerwarteten neuen Vorteil hatte: nämlich hat letztes Jahr gleich neben dem Campus eine neue Feuerwehr-Wache aufgemacht. So mußte ich nur wenige Minuten auf meine Ambulanz warten! (Nachteil war dann wieder, dass das Heim keinen Lift hat und ich im 4. Stock wohne. Aber das war dann der Nachteil der Feuerwehrleute).




Naja, und da ich jetzt öfters Daheim bleiben muss macht sich der gute alte DVD-Verleih am Campus wieder gut. Von dem habe ich sichr schon erzählt, oder? Kurz meinen eigenen Blog googlen... NEIN? Ich habe noch nicht vom DVD-Shop erzählt?!
Also: wir haben hier zwar keine Bar, keine Kneipe, kein Restaurant, und kein ...eigentlich Alles... aber wir haben einen DVD-Verleih, bei dem man für 50cent für 7 Tage DVDs ausleihen kann. Wie kann der Verleih sich halten? Einerseits ist die Hälfte ein Laden wo man allerhand Zeugs kaufen kann: Chips natürlich, Getränke, Shampoo, Bleistifte, DVD-Rohlinge, ähhh, also wie kann der Laden sich halten?
Es gibt einen 2. Stock. Und dieser "Zweite Stock", enthält ausschließlich Pornos! Also doppelt so viele wie normale DVDs, und dass sind schon reichlich viele! Und die Pornos kosten deutlich mehr und haben kürzere Verleihzeiten. Aber schon allein die Auswahl ist beeinduckend! Hier wird Japan seinem Ruf recht, jeden Fetisch bedienen zu können... und gleich noch ein paar neue zu erfinden, bei denen die Produzenten sich gedacht haben: "die Leute denen DAS gefällt, müssen erst geboren werden. Aber wenn die dann erst 18 sind, DANN SIND WIR VORBEREITET (und haben 100% Authentischen Vintage-Porn - muss man reifen lassen wie guten Wein).

Der Fairness halber muss ich anfügen, dass sie den Laden kürzlich um-modelliert haben, und die Hälfte der 2. Etage jetzt auch normale Filme enthält. Nur so, falls Sie jetzt vorbei kommen wollten um... das Feuerwehrhaus zu besichtigen...

Montag, 15. August 2016

Bein dran

So, jetzt habe ich 'nen halben Monat nachgedacht worüber ich schreiben soll. Und mir ist nix eingefallen. Und dann, heute Morgen, ist endlich was passiert, was ich mal schreiben kann! Also...




Ich wache auf. Hinke zum Klo. Bein tut immer noch weh. Tut schon seit einer Woche oder so weh. Eigentlich schon länger, immer mal wieder, aber dann auch wieder nicht für 'nen Monat oder so. Fühlt sich an wie ein gezerrter Muskel. Aber wenn das nicht besser wird werd ich wohl doch mal zum Arzt müssen. Aber erstmal Frühstück. Also humple ich in die Küche (1.5m vom Klo - so ein Schuhkarton-Zimmer hat auch Vorteile).
Tut doch gut weh, heute. Mal das Bein entlasten. Ich stütze mich auf der Küchenzeile auf. Nach zwei Minuten würde ich mich gerne nicht mehr aufstützen. Aber das geht jetzt nicht mehr. Mist.
Vielleicht kann ich mich ja mal hinsetzen. Ich rücke Zentimeterweise voran, bis ich im Büro ankomme - der 1.2m weite Graben zwischen Küchenzeile und Schreibtisch war grenzwertig. So viel geschwitzt und gekeucht habe ich bei der ganzen Mt. Fuji Besteigung nicht. Die hat auch nicht so wehgetan. Naja, jetzt kann ich mich ja hinsetzten.
Dachte ich.
10 Centimeter komme ich mit der Hüfte runter. Dann schreie ich wie einer dieser Bodybuilder die gerade 200kg Kniebeugen machen und quäle mich auch genau so langsam wieder nach oben.
Mir wird klar, dass ich feststecke. Ich kann weder richtig aufstehen noch mich hinsetzen, noch meine Hände vom Schreibtisch heben.
Winseln kann ich noch ganz gut.
Ich komme irgendwie an mein Handy (das glücklicherweise auf dem Schreibtisch lag, was es sonst nicht tut) und drücke auf den ersten Namen der mir bekannt vorkommt.
Weil der mit einem "A" anfangt und daher ganz oben auf der Liste steht.
Doppelt blöde Idee, weil der (a) nicht der Typ ist der Morgens vor 9 Uhr erreichbar ist, und (b) er mir erst am Vortag erzählt hat, dass er sich beim Fußball den Fuß verknackst hat (oh, Ironie...) und daher nicht die beste Wahl ist um Hilfe zu fragen.
Er geht trotzdem ran.
Winseln kann ich noch, check!

 Am Vorabend wollte ich eigentlich noch zum Obon-Tanz. Bein und Regen haben haben mich aber abgehalten...


10 Minuten später stehen zwei Freunde in meiner Bude. Ich habe es mittlerweile geschafft mich hinzusetzten - was meine Situation nicht verbessert hat. Ich hocke halb-kauernd auf dem Stuhl und keuche wie eine werdende Mutter in den Wehen.
Ich bettle um Schmerzmittel. Mein rumänischer Freund sagt er hätte noch rumänische Schmerzmittel Zuhause, aber die würde ich eher nicht wollen.
Da sie nicht wissen wie sie mich so in ein Auto bugsieren sollen, rufen sie den Notarzt. Nach zwei Minuten drücken sie mir den Hörer in die Hand, weil sie kein Japanisch sprechen und der Mann am anderen Ende kein Englisch.
Winseln kann ich noch. Und irgendwie kriege ich meine Adresse und meinen Namen und Symptome durch die Leitung.
Der Rettungsdienst bringt sowas wie einen Klappstuhl mit Reifen mit (die Trage kriegen sie wohl öfter nicht in Japanische Wohnungen), bei dem die Beine recht stark angewinkelt werden.
"Oh, Dreck", denke ich mir - und irre mich, wie so oft. Ich schreie zwar beim Umsiedeln, aber in dieser Sitzhaltung lässt der Schmerz zum ersten mal nach. Mein Gehirn schaltet die (unwichtige) Selbsterkenntnis wieder ein:
(a) ich habe heute weder geduscht, noch die Zähne geputzt, und müffel  wohl ziemlich
(b) ich habe einen Jinbei an - so einen Japanischen Sommer-Pyjama, weil die in der Hitze ganz gut zum Schlafen taugen. Ich sehe also reichlich bescheuert aus. Gewaschen habe ich das Ding auch schon zwei Tage nicht mehr.
(c) ich, der immer Leute mit Gesundheits-Tipps und Sport nervt wurde gerettet von ausgerechnet den beiden Freunden, die (wie sie selbst zugeben) den ungesündesten Lebensstil am Campus pflegen. (Sie werden mich später trösten mit den Worten, dass ich dann mal besser dran sein werde, wenn wir 40 Jahre alt sind - falls ich dann noch ein Bein zum Sport machen haben werde).

Die Notärzte brauchen 3-4 Versuche bis sie ein Krankenhaus für mich finden. Weil: ist Feiertag heute. Obon: das Toten-Fest. Vielleicht wäre alternativ auf dem Friedhof ein Platz für mich...
Im Krankenhaus kriege ich dann erstmal einen Tropf mit Schmerzmittel-Bonus. Das Bein tut mittlerweile kaum noch weh - Teils wohl auch, weil ich den Trick mit der Angewinkelten Haltung beibehalten habe. Teils wohl auch weil, hey, kann ja nicht für immer weh tun. Dafür ist es jetzt Taub. Guter Tausch!
"Nah, wo ist den das Problem?", fragt der Arzt.
Ich erzähle ihm von meinem Bein - jetzt in sehr viel besserem Japanisch als die Notärzte genießen durften.
"Oh, dann Röntgen wir erstmal ihre Hüfte".
Was?


Rein in die Radiologie, einatmen, ausatmen, Luft anhalten, auf die Seite drehen, einatmen, ausatmen, Luft anhalten, Dankeschön.Warten aufs Ergebnis. Meine Freunde kommen und fragen mich ob sie was tun koennen. Ich denke an meinen Kaffee und die Schüssel Haferflocken auf meinem Schreibtisch. Ich habe heute noch nichts gegessen und getrunken. Einen Liter Wasser und ein Reisbällchen später fühle ich mich schon wieder fit genug, das Ergebnis der Untersuchung zu hören.
"Nichts gefunden".
Ach nee, die Hüfte hat ja auch nie Weh getan.
Ich werde belehrt, dass Beine nicht einfach so weh tun, vor allem nicht mehrere Muskeln auf einmal. Es wird irgendwas mit der Wirbelsäule sein. Aber der Experte ist gerade nicht da, und da es kein Notfall ist, werde ich entlassen.
Der Arzt fragt mich noch, was ich von traditioneller Chinesischer Medizin halte. Ich verstehe nicht wirklich was er meint. Krieg' ich jetzt nen Ginseng als Schmerzmittel?
Immerhin kriege Schmerzmittel (wird mir gesagt), und werde verwarnt sehr viel zu trinken.
Soweit ich verstehe hat wohl Dehydration und ein bestehendes Problem im Rücken zu dem Zwischenfall geführt. 5500Yen Praxisgebühr später darf ich Heim zu meinem kalten Kaffee.
Naja, immerhin kann ich wieder humpeln.
Ich bin also wieder da wo ich 4 Stunden vorher war, plus eine Erfahrung reicher:
In Japan Notfall-Eingeliefert werden: abgehakt!

Erst schlucken, dann Googlen: Loxoprofen gegen Entzündungen, Rebamipide für... Schleimhäute, und...  Chinesische Pfingstrose??... was zur Hölle?!

Samstag, 30. Juli 2016

Gesundheitsfordernd

Heute bin ich mal krank.
Sommergrippe.
So finde ich wenigstens wieder Zeit mal wieder was in den Blog zu schreiben.
Bei der Gelegenheit kann ich ja mal über alles schreiben, was ich hätte tun können um Gesund zu bleiben.
In Japan gibts nämlich ein ganz anderes Sammelsurium an Hausmitteln...

Gesundheitsnahrung erkennt man am besten am Namen: wenn etwas schon "Gruene Suppe" (青汁 Au-Jiru) heisst, dann kann es ja nur so gesund sein wie es scheußlich schmeckt. Einfach gesagt ist das pulverisiertes Gruenzeug wie Spinat, Roggen (das Gras, nicht das Korn) oder "Schriftzeichen die ich weder lesen kann noch lernen will". Tatsächlich schaufle ich mir davon oft einen Löffel in die Milch (statt Kakao). Ob's gut schmeckt oder ich mich nur daran gewöhnt habe, kann ich mich nicht mehr erinnern.


Okay, aber das ist vielleicht ein bißchen zu allgemein. Wir wollen mehr zielgerichtete Medizin. Zum Beispiel gegen die gängige leichte Alkoholvergiftung. Dafür gibt's "Ukon" (Kurkuma-Wurzel). Das soll prophylaktisch gegen den "Zweiter-Tag-Rausch" (wie sie den Kater hier netterweise nennen) helfen. Das ist so gaengig, dass Sie das Zeug nicht nur an jeder Straßenecke kriegen, sondern oft auch in den Bars und Karaoke-Lokalen selber.
Ob's wirkt weiß ich nicht. Ich sehe den Kater als Gottes gerechte Strafe für den Suff und hoffe beim 532ten Mal daraus zu lernen nicht mehr so viel zu trinken. Cheaten is nicht!


Shifu, mein KungFu-Meister, hat seine ganz eigenen Hausmittel. Wie repräsentativ er für andere Japaner ist, kann ich nicht sagen. (Ich sehe das Zeug schon in Geschäften, kenne aber sonst keinen, der er verwendet).
Sein Geheimmittel: Wasser!
Leitungswasser.
Aber halt! Nicht einfach so trinken!
Aus einen Gusseisen-Pot trinken (Sie kennen bestimmt diese kleinen japanischen Tee-Kessel). (Ab-)kochen ist nicht nötig - einfach für ein paar Minuten im Pot lassen.
Dadurch wird das Wasser mit Eisen versetzt, was ja allgemeinbekannt Gesund ist.
Allerdings muss man aufpassen wo der Pot hergestellt wurde. Je nach Region gibt es da wohl bessere und schlechtere Qualität.
Der Vorteil ist, dass der atomare Abrieb vom Eisen so gering ist, dass Sie ihren Pot ein Leben lang verwenden können. Die Wände werden bestimmt nicht dünner.


Der andere Trick ist, ein Stück Kohle ins Wasser zu geben.
Nein, nicht um Kohlenstoffe zum Wasser hinzuzufügen, sondern weil die Kohle das Wasser filtert.
Ja, ich weiß was Sie Shifu jetzt fragen wollen, ob die Kohle nicht das teure Eisen wieder aus dem Wasser filtert, aber Sie müssen ja nicht beide Methoden kombinieren!


Wenn man dann erstmal krank ist, braucht man natürlich Suppe (sag doch mal: "Bouillon") um bald wieder fit zu sein.
Gibt's aber nicht. Stattdessen wird hier "Kayu" gegessen, was auf Deutsch wohl "Reis-Congee" heißen soll. Stellen Sie sich einfach vor, sie hätten Milchreis machen wollen, aber versehentlich Wasser statt Milch verwendet. Und genau so un-abenteuerlich schmeckt das auch. Deswegen wird oft ein bisschen Zeug reingemischt, zum Beispiel saures Pflaumenmus.
Jetzt könnte man meinen, dass man das hauptsächlich als Motivation verwendet, bald wieder gesund zu werden und echtes Essen genießen zu können. Ironischerweise ist in China "Kayu" aber das ganz normale Frühstück, was Japaner genau schockiert wie dass Europäer Haferflocken essen.

Samstag, 16. Juli 2016

Bräu!

Ich habe glaubich schonmal erwähnt, dass es in Osaka nicht nur eines, sondern gleich zwei Oktoberfeste gibt (und nochmal eines in Nara, aber das wollen Sie echt lieber nicht sehen). Die Stimmung ist naturgemäß etwas künstlich, aber das Bier ist Original und der Preis übertrifft sogar die Vorlage (schwer zu glauben, ich weiß). Immerhin habe ich so eine Ausrede, ein mal im Jahr die Lederhose aus dem Schrank zu holen.

Aber das ist nicht das Einzige Bier-Fest - es gibt unter anderem auch noch ein Belgisches, und eines für die zahlreichen Japanischen "Micro Breweries", also Kleinst-Brauereien.
Das Problem ist, dass die meinen, das Bier nach irgend etwas schmecken muss... also nach etwas anderem als Bier.

Und so findet man da zum Beispiel Bier mit Apfel-Geschmack...
Bier mit Beeren-Geschmack...
Bier mit Krabben-Geschmack...
Da bin ich dann ausgestiegen - auch wenn mein Freund mit beteuert hat, dass es wirklich, wirklich nicht nach Krabbe schmeckt. Aber das einzige was noch dubioser ist als Krabben-Bier ist Krabben-Bier das nicht nach Krabbe schmeckt.
Also Trinke ich ein Schwarzbier mit Schwarze-Sojabohnen-Geschmack.
Sojabohnen sind hier ein beliebter Snack zum "zum-Bier-dazu"-essen, was auch überraschen gut passt.
Die Sojabohnen ins Bier hinein zu schmeißen hat sich aber, finde ich, nicht bewährt.

Das "Roman" am rechten Standl bezieht sich nicht auf Rom oder Rumänien, sondern auf 浪漫 "rōman", was wohl "romantisch" bedeuten soll.

Oh, und weil sich immer noch das Gerücht hält, dass Japaner so gesund leben:
im Zuge der Diät-Welle haben hier mehrere Brauereien "Null-Kalorien" Bier auf den Markt gebracht.
Das heißt natürlich: auch Null Alkohol (was ja Kalorien wären).
Ob man das noch als Bier bezeichnen mag, überlasse ich Ihnen. Nach Reinheitsgebot gebraut ist es jedenfalls nicht.
Nennen wir es "Kalorienfreier Soft-Drink, der in Farbe und Geschmack entfernt an Bier erinnert".

(Auf der rechten Seite schreiben sie sicherheitshalber nochmal, dass kein Zucker drin ist, was eigentlich schon in den "0-Kalorien" inbegriffen sein sollte.)

Da lasse ich lieber die Finger davon. Und da ich selbst oft Auto fahre, schließt das für mich "echtes Bier" aus. Um so mehr freue ich mich, als ich im Örtlichen Supermarkt plötzlich "Burg Bräu" finde. Und ja, dass ist tatsächlich echtes Deutsches Bier (Wendalinus-Bräu, St. Ingberg).
(Frage an die Leser: gibt es das in Deutschland überhaupt?)
Dafür, dass die 500ml Dose nur etwa 80 Cent kostet, ist es sogar recht gut trinkbar.
Ich genieße hier als noch eine Dose während ich mich frage, wie man einen halben Liter Deutsches Bier um die halbe Welt schiffen, für 80 Cent verkaufen und dann immer noch Profit machen kann.
Und warum Besucher auf dem Osaka-Oktoberfest über 10 Euro für die Halbe zahlen...


Ich frage mich warum sie den Biergehalt immer mit zwei Nachkommastellen angeben. Selbst wenn das Bier noch 0.1% hätte, müsste man 25 Liter davon Trinken um auf den Genuß eines normalen Bieres zu kommen. Und wenn Sie 25 Liter davon trinken, dann sind Sie nicht der Typ der Bier braucht um blödes Zeug zu machen...

Dienstag, 28. Juni 2016

BewegDing (2)

Okay, okay, Sie mögen keine Insekten, hab ich kapiert. Wie wär's mit Waschbären? Ja, es gibt hier Waschbären, aber erst seit ein paar Jahren. Und zwar kamen die, wie sollte es anders sein, wegen einer Zeichentrick-Serie.
Was? Nein, nicht weil die Waschbären so gerne Animes gucken wollten (das verwechseln Sie mit einer anderen Tierart: dem "weißen männlichen Nerd", die Sie hier ab und zu treffen... und deren Blogs Sie lesen).
Nein, umgekehrt: es gab hier eine Zeichentrick-Serie über einen Jungen und seinen Waschbären (angesiedelt in Amerika), die so beliebt wurde, dass über tausend Waschbären als Haustiere importiert wurden. Die sind dann ausgebüchst oder ausgesetzt worden und haben sich - wie Waschbären das so können - an die Lebenssituation hier angepasst. (worin sie bekannterweise besser sind als der gemeine "weiße männliche Nerd").
Unlängst habe ich mir die Serie auch mal angeschaut, und kann berichten:
(a) einen Waschbären als Haustier zu haben sieht wirklich verdammt lustig aus
(b) auf Japanisch heißen Waschbären auch "Waschbären" (洗い熊, Arai-Guma, also: waschender Bär)
(c) ich habe nie darüber nachgedacht, warum Waschbären "Waschbären" heißen, aber scheinbar neigen die wirklich dazu, alles erstmal in Wasser zu waschen bevor sie es essen - was verdammt putzig aussieht.
Eine Szene aus dem Anime ist dann so berühmt geworden, dass sie vielen Japanern in meiner Altersgruppe heute noch geläufig ist: darin geben sie dem Waschbären ein Stück Würfelzucker zum essen. Es kommt wie's kommen muss, und der kleine Racker versucht den Zucker zu putzen... die herzzerreißende Szene die folgt kann man sich sich ausmalen... oder mit einem echten Waschbären ausprobieren:



Ich selbst bezeichne mich für gewöhnlich als Hirsch.
Das ist so ein Witz den ich immer bringe wenn ich Leute in Osaka treffe.
Weil ich in Nara wohne, und Nara für seine Hirsche berühmt ist. Also halte ich meine Hände an den Kopf um ein Geweih darzustellen und sage ich bin ein Hirsch.
Haha.
(Dabei gibt's in dem Teil von Nara in dem ich wohne gar keine Hirsche. Aber ich kann ja schlecht sagen "ich bin ein Reisfeld").
Finden die Leute nach vier Jahren immer noch witzig, weil es ja immer andere Leute sind.
Aber eigentlich mag ich die Hirsche nicht besonders, weil ich vor Jahren mal meiner Schwester eine Geburtstagskarte schicken wollte, und dafür in den Park gegangen bin um eine zu zeichnen.
Es war ein schöner Tag und ich saß so idyllisch zwischen den Hirschen und zeichnete, und die Hirsche haben ständig versucht, mein Papier zu fressen.
Kunstbanausen.


So, den letzten Eintrag hatte ich damit abgeschlossen, dass Sie mal über das Japanische Wort für Käfer lachen konnten. Aber da kann ich noch einen 'draufsetzen.
Hier gibt es nämlich auch Angsthasen.
Aber das sind im Japanischen keine "Hasen", sondern "Käfer".
Und zwar: weine-Käfer.
Weinen heißt auf Japanisch "naku (泣く)", und so heißt der weine-Käfer...
...Naki-Mushi. (泣き虫)

Ja, wirklich.
Okay, nicht wirklich. Vom Verhalten her ist der Naki-Mushi eher eine Heulboje als ein Angsthase, aber dann hätte das hier nicht so schön reingepasst.



 Nachtragend: ich hab im Supermarkt mal das Regal mit den Käfer-Utensilien photographier.

Donnerstag, 16. Juni 2016

BewegDing (1)

Ja, also Entschuldigung, dass die Blog-Einträge momentan so zögerlich kommen.
Aber Sie müssen verstehen, nach 125 Einträgen muß ich mittlerweile schon ganz genau hinschauen um noch etwas zu finden, dass ich ihnen noch NICHT erzählt habe.

...
Na gut, so genau hinschauen mußte ich dann doch wieder nicht. War ja groß genug der Hoschi, der mir heute Morgen über den Schulweg gelaufen ist:


Ja, diesmal geht's um Viechzeug. Oder "Bewegt-Dinger" (動物 Do-Butsu), wie die Japaner ihre Tierwelt liebevoll nennen. 

Wie sie ja gerade schon sehen konnten, die Insekten hier sind eine Nummer größer ausgefallen.
Gottseidank ist nichts gefährlich Giftiges dabei.
Außer dieser Australischen Austauschstudentin-spinne über die ich vor sechs Jahren schonmal berichtet habe. Ja, die gibt's immer noch. Ich habe Sie in all den Jahren aber nur einmal getroffen. Und zwar als ich mitten in der Nacht nochmal ins Labor wollte (weil: wenn man nur drei Stunden schläft, kann man zu den lustigsten Zeiten arbeiten), aber zu müde war die 10 Minuten zu Fuß zu gehen. Also habe ich mein altes Fahrrad abgestaubt, welches ich kaum noch verwendet habe seit ich mir ein Auto zugelegt habe. Das war natürlich kräftig eingewoben. Jetzt habe ich Spinnen zwar immer geduldet, aber nie an meinem Körper haben wollen. Also nehme ich ein kleines Stöckchen aus dem Gestrüpp um die Untermieter aus meinem Fahrrad zu entfernen. Das war eine gute Idee, weil die Mieterin in Apartment 23, zwischen den Pedalen und dem Hinterreifen war überraschen groß und ziemlich Rot am Hintern...
Gut, gestorben wäre ich jetzt auch nicht, aber laut Wikipedia hätte sie mir schon Bauchschmerzen bereiten können - wörtlich.



Was den Japanern hier mehr Angst einjagt sind die Hundertfüßler - die sind hier natürlich etwas größer und gefährlicher ausgefallen als die Deutschen Vettern, aber nicht häufiger. Aber ehrlichgesagt erzähle ich das nur, weil ich an einen früheren Eintrag über Japanisch und Chinesisch anknüpfen wollte. Man kann die Dinger hier nämlich als "hundert" + "fuß" (百足) beschriften. Ich schreibe absichtlich "beschriften", weil, ansprechen kann man sie so nicht. Die Japaner nennen sie "Mukade", und da steckt kein einziger Fuß im Namen. Sie benutzen einfach nur die Schriftzeichen für "hundert" und "Fuß", weil... naja, was würden Sie machen wenn sie kein eigenes Schriftsystem haben, aber wissen, dass das "c" in "cm" für hundert steht, und ein einzelner 'Apostroph die Maßeinheit "Fuß" bezeichnet? Genau: die Schreiben c' und sagen weiter Hundertfüßler. Naja, mittlerweile haben die Japaner ja ihr eigenes Schreibsystem und schreiben daher öfter einfach "ムカデ" (also Lautschriftlich "mu-ka-de").

Okay, reden wir von netteren Insekten. Zum Beispiel vom Kabuto-Käfer. Schon der Name ist cool (Kabuto ist der Helm der Samurai-Rüstung), sie sind beeindruckend groß, und wenn man sie lässt, dann führen sie sogar einen Sumo-Ringkampf auf. Dazu setzt man einfach zwei Männchen auf einen Baumstumpf und schon versuchen die sich gegenseitig herunter zu schubsen. (Achten Sie darauf nicht versehentlich ein Weibchen in den Ring zu setzen, sonst führen die einen ganz anderen Ringkampf aus.)
Wen wundert es da, dass der Käfer ein beliebtes Haustier für Japanische Jungs ist. (Bei der beengten Wohnsituation ist an Hunde ja kaum zu denken. Außerdem können Sie Hunde nicht einfach im Park von einem Baum pflücken und mit Heim nehmen). In jedem 100Yen Markt gibt es daher eine kleine Abteilung mit den nötigen Utensilien, Terrarien, etc, die Sie als werdender Käfer-Trainer brauchen.


Oh, fast hätt'  ich's vergessen zu erwähnen!
Damit Sie auch noch was zu lachen haben: "Käfer" (oder allgemeiner "Insekt", oder "Kleintier"), heißt im Japanischen "Mushi".
Jap, "Mushi".
...
Schönen Tag noch.