Mittwoch, 27. April 2016
Ordentliche Hüter
Nein, er will noch nicht gehen!
Er will noch 'n bisschen Party.
Hey! Mädchen! Lass da mal reingehen!
Dame des'! (*jap: nee, is nich')
Die blaue Wand die ihm schon seit 50 Metern folgt lässt ihn nicht durch.
Wie Verteidiger im Basketball stehen sie um ihn herum: 5 Polizisten in adretten Uniformen, mit weißen Handschuhen, wie Museumswärter sie tragen wenn sie Ausstellungsstücke anfassen.
Dabei fassen sie ihn überhaupt nicht an. Sie lassen ihn nur nicht durch.
Er grummelt und diskutiert ein bisschen, dann geht er wieder weiter in die einzige Richtung die sie ihm offen lassen - das heisst wo sie ihn gerne hin haben möchten. Nämlich raus aus Kiyamachi, der Amüsiermeile in Kyoto.
Weit kommen sie mit ihm nicht, weil ihm wieder einfällt, dass er noch nicht gehen will. Hey! Da drin ist Party! Aber da steht die Wand schon wieder...
Sicherheitshalber folgen ihm jetzt noch zwei Extra-Polizisten, um im Notfall... auch im Weg stehen zu können.
Er raunzt die Polizisten etwas an, die zeigen sich unbeeindruckt. Ich versuche nicht zu sehr zu lachen als ich mir vorstelle, wie er das in Deutschland oder gar den USA probieren würde. Ich wette er könnte bald alle Stadtteile von München am Geschmack des Asphalts erkennen, oder alle Hersteller Amerikanischer Elektroschock-Pistolen am... aber er hat ja das Glück im Land mit den entspanntesten Polizisten zu leben.
Besonders relaxt sind hier auch die uniformierten Herren in ihren Streifenwagen (und auf Motorrollern. Ja, es gibt hier offizielle Polizei-Vespas).
Die lassen selbst mit Blaulicht gerne noch ein paar Fußgänger über den Zebrastreifen und warten grundsätzlich an roten Ampeln.
Ich fahre Nachts nach Osaka rein... zum.. ähh... japanisch Lernen (irgendwie nicht mal gelogen).
Ich komme in eine Alkoholkontrolle.
Aussteigen muß ich dafür nicht, nur kurz bremsen (ich bin mir nichtmal sicher ob meine Reifen 100% still standen) und auf ein Gerät "drauf pusten". Ich frage mich wie das meinen Alkoholpegel sinnvoll messen will. Dann fällt mir wieder ein, das in Japan JEDER Alkoholpegel zu hoch ist, inklusive Eierlikör-Krapfen. Netter Nebeneffekt dass dadurch Alkoholkontrollen einfacher werden.
Ich fahre Nachts von Osaka zurück, weil: genug Japanisch gelernt.
Auf einmal, hinter mir, Blaulicht!
...
Mist, auf diese Art von Japanischunterricht habe ich keine Lust.
...
Blaulicht, aber keine Kelle, keine Sirene. Mir wird reichlich komisch, als mir einfällt, dass ich keine Ahnung habe wie die Polizei hier Leute anhält. Machen die das so wie in den USA, dass sie nur das Blaulicht anmachen? Soll ich ihn vorbei lassen?
Auf der Straße gibt's nicht wirklich eine gute Gelegenheit zu halten, aber er versucht auch nicht zu überholen. Ich bin verwirrt und kriege leichte Panik. Er fällt etwas zurück. Mir fällt auf, dass ich etwas zu schnell fahre. Also fahre ich wieder langsamer. Ich denke mir: du Idiot, warum fährst du langsamer! Jetzt machst du dich doch erst recht verdächtig! Ich schwitze. Der Polizist tut nix, fährt mir weiter mit Blaulicht langsam hinterher. Wir kriechen gemeinsam durch die Nacht...
Endlich komme ich an eine Kreuzung und biege einfach mal links ab. Der Polizist fährt gerade aus weiter. Ich Ahmte so tief durch, dass die Scheiben beschlagen.
Das liest sich jetzt so als ob Polizisten in Japan nur begrenzt einsatzfähig seien. Dem ist aber wohl nicht so. Ich habe hier ja schonmal erzählt, dass sogar Taschendiebe danach streben, Meister ihres Faches zu sein. Das gilt wohl auch für die Gendarmen.
Meister Wald stellt mir seinen Freund vor, der Polizist ist und von sich behauptet, die betrunkenen Fahrer aus dem Straßenverkehr picken zu können ohne hinschauen zu müssen. Er erkennt sie am Motorgeräusch.
Der Motor klingt nämlich dezent anders wenn der Wagen gerade erst gestartet wurde, als wenn er schon ein bisschen warmgelaufen ist. Er wartet also am Ende der Amüsiermeile und horcht. Warme Autos sind durch die Amüsiermeile durchgefahren ohne zu halten. Kalte Autos tragen ihren Besitzer von der Bar nach Hause...
Ob das stimmt kann ich nicht sagen, aber dieser Freund von Meister Wald macht sogar Meister Wald Angst, also hake ich lieber nicht nach.
Donnerstag, 21. April 2016
Vertragen
Wir sind Weltmeister. Fußball-Weltmeister vor allem, aber auch in anderen Sachen. Bürokratie zum Beispiel. Und das schönste Beamtendeutsch haben wir auch.
Glauben wir.
Gott Staatsapparat sei Dank gibt es dafür keine Weltmeisterschaft. Da würden wir die Brasilianer zwar genau so ausziehen, aber im Finale von den "Samurai Blue" nach Strich und Faden Recht und Gesetz zur Beamtensau gemacht werden.
Erfahrungen aus dem Japanischen Vertragswesen...
(...mit diesem Satz allein habe ich 90% meiner Leserschaft vergrault)
Wenn Sie ihren Arbeitsvertrag gelesen haben (ganz, nicht nur den Teil mit Gehalt und Urlaub!) haben sie bestimmt ein Stündchen gebraucht, oder?
Lächerlich.
Der durchschnittliche Japaner hat den in einer Minute durch.
Ist ja auch nur 10 Zeilen lang.
Die Verträge sind nämlich irgendwann soo lang geworden, daß man den ganzen Vertrag aus dem Vertrag heraus genommen hat, und in einen separaten Wälzer gepackt hat, den sie "Arbeitsregeln" nennen. Da ist dann alles drin vermerkt, was man immer schon mal niederschreiben wollte, aber das Papier alle war. Gehalt natürlich, wann und wie gearbeitet werden muß, Urlaub, der sich nach bestimmten Regeln jedes Jahr um einen Tag verlängert, was die Firma darf (alles) und der Arbeiter nicht darf (sich beschweren), ob Verkehr eine Ausrede ist nicht zur Arbeit kommen zu müssen (nur für die Frau, und auch nur dann wenn er zu Nachwuchs führte) und all die anderen Sachen die Sie in ihrem Vertrag auch nur Quergelesen haben. Die Regeln müssen beim Amt beglaubigt werden und gelten dann für alle Beschäftigten. Also keine Chance um ein paar mehr Tage Urlaub zu pokern beim Bewerbungsgespräch!
Im eigentlichen Vertrag stehen dann nur noch ihre Name, wann Sie anfangen dürfen, und wann sie wieder aufhören sollen. Der letzte Punkt ist extrem wichtig. Es ist nach Japanischem Recht fast nicht möglich Angestellte zufeuern weg-rationalisieren, außer die haben echt Scheiße gebaut. Wer genaueres wissen will, dem sei das Buch "Mit Staunen und Zittern" empfohlen: Memoiren einer Frau, die ein ganzes Jahr nutzlos ist, bis ihr Vertrag endet. Denn so lösen Japanische Arbeitgeber das Problem: Verträge werden fast immer befristet, und nur für die Leute zu verlängern, die man im April bei der Firmen-Kirschblüten-Party wieder dabei haben will. (Ach, der Herr Sato ist doch immer so gesellig!)
Ja, Sie merken schon, in letzter Zeit habe ich mich etwas mehr mit diesem Zeug beschäftigt. Warum, darf ich Ihnen noch nicht sagen. Ich kann Ihnen aber sagen, dass ich ein neues Lieblingsspiel habe: ich gehe aus, lerne Japaner kennen, und wenn die etwas angetrunken sind, hole ich meine Japanisch-Lern-App heraus, und teste sie auf die Schriftzeichen, die ich aus Vertragstexten gelernt habe. Die meisten halten so 5 bis 6 Stück durch, bevor sich die Stirn in Falten legt, und sie zugeben müssen, ihre Arbeitsregeln oder Mietverträge nie wirklich gelesen zu haben. Eine behauptete gar steif und fest, "Satzung" sei kein echtes Schriftzeichen.
Wenn sie also das nächste mal an Beamtendeutsch nagen, freuen sie sich, daß sie wenigstens alle Worte lesen können. (So lange, bis die Deutsche Bürokratie -Nationalmannschaft zu ihrem "Paragraphen-Zeichen" ein paar Erweiterungen einführt. Lachen Sie nicht! Die Mathematiker helfen gerne mit ein paar Symbolen aus, die kein normaler Mensch lesen kann).
Wenn man sich dann mal durch die Verträge durchbeißt, fallen einem zwei Punkte auf, die außerordentlich breit und gewissenhaft diskutiert werden.
Das Erste was ist die Abhandlung von Naturkatastrophen, womit vor allem Erdbeben gemeint sind. Danke, ich fühle mich gleich viel sicherer im 11 Stockwerk!
Das Zweite sind Regeln betreffend "antisozialer" oder "gewalttätiger" Gruppen. Damit sind die Yakuza gemeint. Im Gegensatz zu den Erdbeben ist das wohl eher neu. Also, die Yakuza hat's schon früher gegeben, aber sie tauchten nicht in deinem Mietvertrag auf. Erst um 2010 fanden die Leute das man Gangstern mal das Leben schwer machen könnte, in dem man ihre Vereinigungen verbietet und Bürgern vorschreibt nicht mit ihnen zu verkehren. Ob das so viel Effekt weiß ich jetzt nicht. Für mich lesen sich die Klauseln, wie daß ich kein Yakuza-Mitglied werden und denen kein Geld geben darf etwas überflüssig. Andererseits hilft daß vielleicht den Regel-Freudigen Japanern eine Ausrede zu geben kein Schutzgeld zu zahlen. "Würde Ihnen ja so gerne Geld geben, aber Sie müssen verstehen: mein Vermieter.... möchten Sie mir ersatzweise vielleicht gerne die Beine brechen? Nein? Okay."
Glauben wir.
Erfahrungen aus dem Japanischen Vertragswesen...
(...mit diesem Satz allein habe ich 90% meiner Leserschaft vergrault)
Wenn Sie ihren Arbeitsvertrag gelesen haben (ganz, nicht nur den Teil mit Gehalt und Urlaub!) haben sie bestimmt ein Stündchen gebraucht, oder?
Lächerlich.
Der durchschnittliche Japaner hat den in einer Minute durch.
Ist ja auch nur 10 Zeilen lang.
Die Verträge sind nämlich irgendwann soo lang geworden, daß man den ganzen Vertrag aus dem Vertrag heraus genommen hat, und in einen separaten Wälzer gepackt hat, den sie "Arbeitsregeln" nennen. Da ist dann alles drin vermerkt, was man immer schon mal niederschreiben wollte, aber das Papier alle war. Gehalt natürlich, wann und wie gearbeitet werden muß, Urlaub, der sich nach bestimmten Regeln jedes Jahr um einen Tag verlängert, was die Firma darf (alles) und der Arbeiter nicht darf (sich beschweren), ob Verkehr eine Ausrede ist nicht zur Arbeit kommen zu müssen (nur für die Frau, und auch nur dann wenn er zu Nachwuchs führte) und all die anderen Sachen die Sie in ihrem Vertrag auch nur Quergelesen haben. Die Regeln müssen beim Amt beglaubigt werden und gelten dann für alle Beschäftigten. Also keine Chance um ein paar mehr Tage Urlaub zu pokern beim Bewerbungsgespräch!
Im eigentlichen Vertrag stehen dann nur noch ihre Name, wann Sie anfangen dürfen, und wann sie wieder aufhören sollen. Der letzte Punkt ist extrem wichtig. Es ist nach Japanischem Recht fast nicht möglich Angestellte zu
Ja, Sie merken schon, in letzter Zeit habe ich mich etwas mehr mit diesem Zeug beschäftigt. Warum, darf ich Ihnen noch nicht sagen. Ich kann Ihnen aber sagen, dass ich ein neues Lieblingsspiel habe: ich gehe aus, lerne Japaner kennen, und wenn die etwas angetrunken sind, hole ich meine Japanisch-Lern-App heraus, und teste sie auf die Schriftzeichen, die ich aus Vertragstexten gelernt habe. Die meisten halten so 5 bis 6 Stück durch, bevor sich die Stirn in Falten legt, und sie zugeben müssen, ihre Arbeitsregeln oder Mietverträge nie wirklich gelesen zu haben. Eine behauptete gar steif und fest, "Satzung" sei kein echtes Schriftzeichen.
Wenn sie also das nächste mal an Beamtendeutsch nagen, freuen sie sich, daß sie wenigstens alle Worte lesen können. (So lange, bis die Deutsche Bürokratie -Nationalmannschaft zu ihrem "Paragraphen-Zeichen" ein paar Erweiterungen einführt. Lachen Sie nicht! Die Mathematiker helfen gerne mit ein paar Symbolen aus, die kein normaler Mensch lesen kann).
Wenn man sich dann mal durch die Verträge durchbeißt, fallen einem zwei Punkte auf, die außerordentlich breit und gewissenhaft diskutiert werden.
Das Erste was ist die Abhandlung von Naturkatastrophen, womit vor allem Erdbeben gemeint sind. Danke, ich fühle mich gleich viel sicherer im 11 Stockwerk!
Das Zweite sind Regeln betreffend "antisozialer" oder "gewalttätiger" Gruppen. Damit sind die Yakuza gemeint. Im Gegensatz zu den Erdbeben ist das wohl eher neu. Also, die Yakuza hat's schon früher gegeben, aber sie tauchten nicht in deinem Mietvertrag auf. Erst um 2010 fanden die Leute das man Gangstern mal das Leben schwer machen könnte, in dem man ihre Vereinigungen verbietet und Bürgern vorschreibt nicht mit ihnen zu verkehren. Ob das so viel Effekt weiß ich jetzt nicht. Für mich lesen sich die Klauseln, wie daß ich kein Yakuza-Mitglied werden und denen kein Geld geben darf etwas überflüssig. Andererseits hilft daß vielleicht den Regel-Freudigen Japanern eine Ausrede zu geben kein Schutzgeld zu zahlen. "Würde Ihnen ja so gerne Geld geben, aber Sie müssen verstehen: mein Vermieter.... möchten Sie mir ersatzweise vielleicht gerne die Beine brechen? Nein? Okay."
Donnerstag, 31. März 2016
Gefangener der Maschinen
Psst! Hey! Können Sie das hier lesen? Ich habe nicht viel Zeit, denn DIE sind sicher schon hinter mir her! Wer? Die Maschinen! Die halten mich als Geisel bis ich ihre perversen Wünsche erfülle. Geld wollen sie! Immer Geld! Denn dafür sind sie gebaut!
Nein, das ist kein Dystopie-Science-Fiction-Roman!
Das ist mein Alltag!
Das fing ganz harmlos an. Als ich den Zug genommen habe. Eigentlich zahlt man in Japan sein Zug-Ticket ja beim betreten des Bahnhofs. Dazu gibt es da Automaten, denen man sagt wohin man fahren will, und auf Bezahlung ein Ticket drucken. Damit kommt man dann durch die Schranke in den Bahnhof. Wichtig ist das Ticket nicht zu verlieren, weil man bei der Ankunft am Zielbahnhof das selbe Ticket wieder in die Schranke stecken muß. Sonst kommt man nicht raus. Falls man sich im Bahnhof geirrt hat kann man an einem anderen Automaten den Restbetrag nachbezahlen.
Aber das ist natürlich für Amateure! Ich habe mir gleich eine IC-Karte zugelegt. Das ist so eine Geld-Karte mit der man einfach durch die Schranke durchmarschieren kann... wenn denn genug Geld drauf ist. Sonst macht die Schranke laut "Meep!" und bleibt zu. Da man sich angewöhnt hat einfach durchzugehen, läuft man also dagegen. Man zieht seine Beine wieder aus der Metallabsperrung und drängelt sich zurück durch den Pulk an genervten Anzugträgern die sich sofort hinter einem bildet, wenn man den natürlichen Menschenfluss unterbricht. Dann sucht man sich einen der Automaten innerhalb des Bahnhofes wo man die Karte wieder aufladen kann und erkauft so seine Freiheit.
Jetzt haben sie auch noch meine Geliebte versklavt! Eine Stahlkralle hält sie hier Gefangen. Der Automat blinkt mich warnend an. Ich muß Auslöse zahlen. Erst dann läßt die Kralle ab, und ich kann mein geliebtes Töff-töff vom Parkplatz befreien...
Auch wenn Sie ihr eigenes Verkehrsmittel verwenden entkommen Sie die dem "Geld für Freiheit" Prinzip nicht. Denn hier gibt es keine Politesse die Sie mit einem Zettel entkommen läßt. Denn nahezu alle Parkmöglichkeiten gehören privaten Firmen, und die warten nicht gerne auf ihr Geld. Also haben die Parkplätze eingebaute Wegfahrsperren. Meist hebt sich dazu ein Metallenes Schild oder ein Greifarm hinter einem der Reifen und hindert einen so am Wegfahren.
Das Problem: bezahlt wird natürlich nach geparkter Zeit. Wenn sie also jetzt nicht genug Geld haben, müssen Sie nachher noch mehr Geld haben! Ob das Auto irgendwann entfernt wird oder einfach verkauft wenn die Parkgebühr den Marktwert übersteigt, habe ich noch nicht feststellen können.
Mit dem Fahrrad sind Sie meist auch nicht besser dran. Nur, dass man den Vorderreifen leichter abmontieren und den Rest mit nach Hause nehmen kann...
Ich bin in einem fensterlosen Raum. Die Beleuchtung ist schummrig. Oder vielleicht hätte der Raum sogar ein Fenster... doch egal ob das Paneel an der Wand nur zierte ist, es ist jedenfalls verriegelt. Der einzige Ausweg ist die Tür, doch die lässt sich nicht öffnen. In dem kleinen Windfang ist ein Automat eingebaut. Die Maschine stellt Forderungen für meine Freiheit! Und ich bin nicht allein... jemand ist mit mir in diesem Zimmer...
Wenn Sie wie ich auf dem Land leben, haben Sie ein Problem. Sie müssen in die Stadt zum Spaß haben. Wenn Sie in der Stadt sind und mit einer zweiten Person gemeinsam Spaß haben wollen, haben sie ein Problem. "Hey, lass uns schnell zu mir nach Hause fahren und ähh, einen Film gucken! Sind nur 60 Minuten Zug plus 30 Minuten Fußmarsch durch die Finsternis!". Da würde ich ja selbst die Lust auf einen... ähh, Film verlieren.
Gott sei Dank Aufklärung sei Dank kann man sich ja schnell ein Hotel nehmen. Die haben auch immer einen Fernseher!
Und da kann man sich das Zimmer auch erstmal einfach so 'raus suchen, ohne lange Buchungsverträge. Doch sobald die Tür ins Schloss gefallen ist, ist man gefangen. Dann muss man de Automaten an der Tür mit Geldscheinen milde stimmen, um dasTageslicht Neonlicht wieder sehen zu dürfen...
Andererseits, wenn ich schon einen grausig unangenehmen Moment haben muss, über die Bezahlung von "Zweisame Privatsphäre, Stundenweise" diskutieren zu müssen, dann doch lieber beim verlassen der Bleibe...
Nein, das ist kein Dystopie-Science-Fiction-Roman!
Das ist mein Alltag!
Das fing ganz harmlos an. Als ich den Zug genommen habe. Eigentlich zahlt man in Japan sein Zug-Ticket ja beim betreten des Bahnhofs. Dazu gibt es da Automaten, denen man sagt wohin man fahren will, und auf Bezahlung ein Ticket drucken. Damit kommt man dann durch die Schranke in den Bahnhof. Wichtig ist das Ticket nicht zu verlieren, weil man bei der Ankunft am Zielbahnhof das selbe Ticket wieder in die Schranke stecken muß. Sonst kommt man nicht raus. Falls man sich im Bahnhof geirrt hat kann man an einem anderen Automaten den Restbetrag nachbezahlen.
Aber das ist natürlich für Amateure! Ich habe mir gleich eine IC-Karte zugelegt. Das ist so eine Geld-Karte mit der man einfach durch die Schranke durchmarschieren kann... wenn denn genug Geld drauf ist. Sonst macht die Schranke laut "Meep!" und bleibt zu. Da man sich angewöhnt hat einfach durchzugehen, läuft man also dagegen. Man zieht seine Beine wieder aus der Metallabsperrung und drängelt sich zurück durch den Pulk an genervten Anzugträgern die sich sofort hinter einem bildet, wenn man den natürlichen Menschenfluss unterbricht. Dann sucht man sich einen der Automaten innerhalb des Bahnhofes wo man die Karte wieder aufladen kann und erkauft so seine Freiheit.
Jetzt haben sie auch noch meine Geliebte versklavt! Eine Stahlkralle hält sie hier Gefangen. Der Automat blinkt mich warnend an. Ich muß Auslöse zahlen. Erst dann läßt die Kralle ab, und ich kann mein geliebtes Töff-töff vom Parkplatz befreien...
Auch wenn Sie ihr eigenes Verkehrsmittel verwenden entkommen Sie die dem "Geld für Freiheit" Prinzip nicht. Denn hier gibt es keine Politesse die Sie mit einem Zettel entkommen läßt. Denn nahezu alle Parkmöglichkeiten gehören privaten Firmen, und die warten nicht gerne auf ihr Geld. Also haben die Parkplätze eingebaute Wegfahrsperren. Meist hebt sich dazu ein Metallenes Schild oder ein Greifarm hinter einem der Reifen und hindert einen so am Wegfahren.
Das Problem: bezahlt wird natürlich nach geparkter Zeit. Wenn sie also jetzt nicht genug Geld haben, müssen Sie nachher noch mehr Geld haben! Ob das Auto irgendwann entfernt wird oder einfach verkauft wenn die Parkgebühr den Marktwert übersteigt, habe ich noch nicht feststellen können.
Mit dem Fahrrad sind Sie meist auch nicht besser dran. Nur, dass man den Vorderreifen leichter abmontieren und den Rest mit nach Hause nehmen kann...
Ich bin in einem fensterlosen Raum. Die Beleuchtung ist schummrig. Oder vielleicht hätte der Raum sogar ein Fenster... doch egal ob das Paneel an der Wand nur zierte ist, es ist jedenfalls verriegelt. Der einzige Ausweg ist die Tür, doch die lässt sich nicht öffnen. In dem kleinen Windfang ist ein Automat eingebaut. Die Maschine stellt Forderungen für meine Freiheit! Und ich bin nicht allein... jemand ist mit mir in diesem Zimmer...
Wenn Sie wie ich auf dem Land leben, haben Sie ein Problem. Sie müssen in die Stadt zum Spaß haben. Wenn Sie in der Stadt sind und mit einer zweiten Person gemeinsam Spaß haben wollen, haben sie ein Problem. "Hey, lass uns schnell zu mir nach Hause fahren und ähh, einen Film gucken! Sind nur 60 Minuten Zug plus 30 Minuten Fußmarsch durch die Finsternis!". Da würde ich ja selbst die Lust auf einen... ähh, Film verlieren.
Und da kann man sich das Zimmer auch erstmal einfach so 'raus suchen, ohne lange Buchungsverträge. Doch sobald die Tür ins Schloss gefallen ist, ist man gefangen. Dann muss man de Automaten an der Tür mit Geldscheinen milde stimmen, um das
Andererseits, wenn ich schon einen grausig unangenehmen Moment haben muss, über die Bezahlung von "Zweisame Privatsphäre, Stundenweise" diskutieren zu müssen, dann doch lieber beim verlassen der Bleibe...
Nein, das ist nicht der Automat. Aber auch ein Automat, und einer den man immer schon auf dem Nachtkästchen haben wollte...
Sonntag, 13. März 2016
Weiterführender Schein
Ihre erste geniale Strategie, die Straßen sicherer zu machen war, die Führerschein-Zulassungsstelle irgendwo im nirgendwo zu bauen, wo man fast nicht hin findet.
Ihre zweite geniale Strategie war, den Führerscheinen ein Verfallsdatum zu geben.
Ihre dritte geniale Strategie war, die Termine für die Führerschein-Erneuerung auf zwei kurze Zeitfenster pro Tag zu beschränken...
Verdammt, verdammt, verdammt, jetzt spinnt auch noch Google Maps!
Ruhig bleiben, nach dem Weg fragen! Einfach irgendwo auf einer Schotterpiste parken - was ich bestimmt nicht darf, aber hier geht's um Leben und Immobilität - und den Rest der Strecke rennen.
Keuchend komme ich gerade noch rechtzeitig an und kriege ein Formular in die Hand gedrückt. Neben dem Üblichen ist auf der Rückseite auch noch ein Satz fragen gedruckt. Irgendwas ob ich in den vergangenen Jahren mal spontan das Bewusstsein verloren habe. (Spontan war das wohl nicht! Habe das doch schon beim zweiten Bier kommen sehen!). Aber weder habe ich die Zeit jetzt hier alle Schriftzeichen zu entziffern, noch das Selbstvertrauen am Ende nicht doch irgendeine Japanische Höflichkeits-Floskel nicht falsch herum zu verstehen. Also mache ich was jeder gute Student tut und tue beim Nebenmann abschreiben. Ahh, dacht' ich mir doch, dass "NEIN" richtig hätte sein müssen.
So gebe ich das Formular noch rechtzeitig am Schalter ab und darf mich setzen. Puhh, geschafft!
Mein Name wird ausgerufen (ich brauche immer zweimal, bis ich auf die Japanische Aussprache meines Nachnamens reagiere) und ich muss zurück zum Schalter.
Sie hält mir das Blatt mit den Fragen vor.
Verdammt, hätte ich besser nicht vom gratligen Opa abgeschrieben!
Ne, das war's nicht: ich hab einfach nur Kreuze gemacht. Keine Häkchen, wie man es hätte machen sollen. Kreuze. Haken, Kreuze, naa, da verkneif ich mir jetzt blöde Sprüche!
Also gibt sie mir ein neues Blatt und diesmal Hake ich ab!
Dann darf ich ein Feld vorrücken und ein Photo gemacht bekommen.
Die vierte Strategie, Japanern den Spaß am Leben zu nehmen war, das "jetzt-holen-alle-ihre-Führerscheine-raus-und-wir-lachen-über-Jugendsünden" - Party-Spiel kaputt zu machen.
Ich werde in einen Raum geführt, der stark an ein Klassenzimmer erinnert.
Auf jedem Platz liegt ein brauner Umschlag....
Ohhhh, Mist! Auf einen Test war ich schon nicht vorbereitet, als ich meinen Führerschein in Deutschland gemacht habe! (Und der war auf Deutsch ...und angekündigt). Ich glaube mir wird schlecht.
Zu unrecht, denn der Inhalt entpuppt sich als eine Sammlung Info-Broschüren. Dazu kriegen wir den passenden Vortrag.
Wie ein Kreisverkehr funktioniert. Zum ersten mal fällt mir auf, dass ich in Japan tatsächlich noch keinen Kreisverkehr gesehen habe. Ist halt auch kein Platz.
Das man sich anschnallen soll. So, so, ja? Wir kriegen ein passendes Video mit Crash-Tests gezeigt. Crash-Test-Puppen-Tochter verwandelt sich ein ein tödliches Projektil, dass Crash-Test-Puppen-Vati den Schädel zerdeppert, bevor sie sich durch die Windschutzscheibe verabschiedet. Ich werde immer meine Tochter anschnallen, entscheide ich.
Dann lerne ich noch, was dieser lustige Aufkleber bedeutet, den viele hier auf dem Auto haben. Nämlich: Senioren am Steuer. Wundert mich plötzlich gar nicht mehr.Die fahrenden Senioren werden hier netterweise "Silver-Driver" genannt. Ich finde das toll! Klingt fast wie ein Super-Held! Der Silver-Driver naht zur Rettung... etwas langsamer als der restliche Verkehr...
Nach knapp zwei Stunden ist der Unterricht vorbei, und ich kriege meinen neuen Schein.
Und als Belohnung dafür, dass ich zwei Jahre lang keinen Unfall gebaut habe, ändert der die Farbe jetzt von Grün nach Blau. Dankschön. Ich lasse mich von einem LKW Fahrer böse anhupen, warum ich auf seiner Schotterpiste geparkt habe, dann fahre ich Heim.
Ihre zweite geniale Strategie war, den Führerscheinen ein Verfallsdatum zu geben.
Ihre dritte geniale Strategie war, die Termine für die Führerschein-Erneuerung auf zwei kurze Zeitfenster pro Tag zu beschränken...
Verdammt, verdammt, verdammt, jetzt spinnt auch noch Google Maps!
Ruhig bleiben, nach dem Weg fragen! Einfach irgendwo auf einer Schotterpiste parken - was ich bestimmt nicht darf, aber hier geht's um Leben und Immobilität - und den Rest der Strecke rennen.
Keuchend komme ich gerade noch rechtzeitig an und kriege ein Formular in die Hand gedrückt. Neben dem Üblichen ist auf der Rückseite auch noch ein Satz fragen gedruckt. Irgendwas ob ich in den vergangenen Jahren mal spontan das Bewusstsein verloren habe. (Spontan war das wohl nicht! Habe das doch schon beim zweiten Bier kommen sehen!). Aber weder habe ich die Zeit jetzt hier alle Schriftzeichen zu entziffern, noch das Selbstvertrauen am Ende nicht doch irgendeine Japanische Höflichkeits-Floskel nicht falsch herum zu verstehen. Also mache ich was jeder gute Student tut und tue beim Nebenmann abschreiben. Ahh, dacht' ich mir doch, dass "NEIN" richtig hätte sein müssen.
So gebe ich das Formular noch rechtzeitig am Schalter ab und darf mich setzen. Puhh, geschafft!
Mein Name wird ausgerufen (ich brauche immer zweimal, bis ich auf die Japanische Aussprache meines Nachnamens reagiere) und ich muss zurück zum Schalter.
Sie hält mir das Blatt mit den Fragen vor.
Verdammt, hätte ich besser nicht vom gratligen Opa abgeschrieben!
Ne, das war's nicht: ich hab einfach nur Kreuze gemacht. Keine Häkchen, wie man es hätte machen sollen. Kreuze. Haken, Kreuze, naa, da verkneif ich mir jetzt blöde Sprüche!
Also gibt sie mir ein neues Blatt und diesmal Hake ich ab!
Dann darf ich ein Feld vorrücken und ein Photo gemacht bekommen.
Die vierte Strategie, Japanern den Spaß am Leben zu nehmen war, das "jetzt-holen-alle-ihre-Führerscheine-raus-und-wir-lachen-über-Jugendsünden" - Party-Spiel kaputt zu machen.
Ich werde in einen Raum geführt, der stark an ein Klassenzimmer erinnert.
Auf jedem Platz liegt ein brauner Umschlag....
Ohhhh, Mist! Auf einen Test war ich schon nicht vorbereitet, als ich meinen Führerschein in Deutschland gemacht habe! (Und der war auf Deutsch ...und angekündigt). Ich glaube mir wird schlecht.
Zu unrecht, denn der Inhalt entpuppt sich als eine Sammlung Info-Broschüren. Dazu kriegen wir den passenden Vortrag.
Wie ein Kreisverkehr funktioniert. Zum ersten mal fällt mir auf, dass ich in Japan tatsächlich noch keinen Kreisverkehr gesehen habe. Ist halt auch kein Platz.
Das man sich anschnallen soll. So, so, ja? Wir kriegen ein passendes Video mit Crash-Tests gezeigt. Crash-Test-Puppen-Tochter verwandelt sich ein ein tödliches Projektil, dass Crash-Test-Puppen-Vati den Schädel zerdeppert, bevor sie sich durch die Windschutzscheibe verabschiedet. Ich werde immer meine Tochter anschnallen, entscheide ich.
Dann lerne ich noch, was dieser lustige Aufkleber bedeutet, den viele hier auf dem Auto haben. Nämlich: Senioren am Steuer. Wundert mich plötzlich gar nicht mehr.Die fahrenden Senioren werden hier netterweise "Silver-Driver" genannt. Ich finde das toll! Klingt fast wie ein Super-Held! Der Silver-Driver naht zur Rettung... etwas langsamer als der restliche Verkehr...
Nach knapp zwei Stunden ist der Unterricht vorbei, und ich kriege meinen neuen Schein.
Und als Belohnung dafür, dass ich zwei Jahre lang keinen Unfall gebaut habe, ändert der die Farbe jetzt von Grün nach Blau. Dankschön. Ich lasse mich von einem LKW Fahrer böse anhupen, warum ich auf seiner Schotterpiste geparkt habe, dann fahre ich Heim.
Mein ganzer Stolz. Im Hintergrund, meine Villa.
Ich sollte endlich mit dem 'rum-Studieren aufhören und mir nen Job suchen.
Freitag, 19. Februar 2016
Meister Wald
"TIEN! Tiefer!"
Shifu.
Das ist nicht sein Name. Aber so nennen ihn hier alle. Shifu.
"Das ist Fundament! Sinken."
Im Japanischen heißt der Meister (oder Lehrer) Sensei. Aber er Unterrichtet Kung-Fu. Das kommt aus China. Wenn Japaner versuchen das Chinesische Wort für "Meister" zu lesen, lesen sie "Shifu".
"Das ist nicht Sumo! Füße gerade! Und tief! Shizumu!"
Er selbst ist Japaner, hat aber lange Zeit in New York gelebt. Außerdem lernt er jetzt Chinesisch. Deswegen muss ich mir jetzt auf drei Sprachen anhören was mit meiner Form alles nicht stimmt.
"Mabuu! Dann Katzen-Fußstellung! Tiefer!"
Meine Oberschenkel brennen wie Feuer. Wenn man lange genug mit tief gebeugten Knien dasteht, hat man irgendwann eh nicht mehr die Kraft aufzustehen. Dann geht es nur noch tiefer.
Noch 3cm. Noch 2... dann knicke ich ein und falle zu Boden.
Er lacht fröhlich.
"Das ist Basics! Muss sein wie Eisen" (er klopft auf seine Schenkel) "und Bambus" (er verbiegt seinen Oberkörper). "Dann, du kannst kontrollieren deinen Körper, kontrollieren deinen Gegner".
Jetzt lebt er wieder in Japan und gibt Kung-Fu Unterricht für Kinder und ältere Damen... und mich.
Sein Name ist... "Wald". Herr Wald. Aber wir nennen ihn Shifu.
Als er jung war ging Shifu nach New York. Um Design zu studieren. Aber wohl auch weil er einfach gerne nach Amerika wollte. Er sprach kein Wort Englisch.
Das machte diese Zeit sehr hart für ihn, aber irgendwie half ihm immer jemand aus der Patsche wenn es brenzlig wurde.
Das ist der Grund warum Austausch-Studenten jetzt gratis bei ihm trainieren dürfen. Als Wiedergutmachung sozusagen. Der eine, offizielle Grund. Der andere ist, dass Ausländer in seiner Stunde das ganze attraktiver für Japaner machen. Viele japanische Eltern finden, dass ihre Kinder möglichst früh an andere Kulturen und die Englische Sprache gewöhnt werden sollen. Shifu ist nicht auf den Kopf gefallen. (Meine Kommilitonen schon, sonst wäre ich nicht der einzige, der zum Gratis-Kung-Fu geht.)
Als Shifu sich gerade schön im Big Apple eingelebt hat, kommen zwei Flugzeuge und beißen eine blutende Wunde ins Fruchtfleisch. 9/11.
"Natürlich, du weißt, Menschen sterben. Aber du denkst das nicht."
Ein anderer Tag, eine anderer Uhrzeit, und Shifu wäre da unter den Trümmern gelegen.
Stattdessen liegen da tausende Andere.
Jetzt muss er sich fragen was er mit seinem Leben eigentlich anfangen will.
Und er fängt eine Firma an.
"Wenn Löwe jagt Hase, Hase wird nicht müde! Warum?"
Ich kenne die Antwort schon, aber meine Beine tun zu sehr weh als dass ich Lust hätte zu antworten. Also keuche ich nur ein bisschen und lasse die Weisheit nochmal über mich ergehen.
"Weil, wenn Hase wird müde.... wird gefressen!"
Er zählt die Geschichte nochmal auf Japanisch den Kindern und lacht beim "gefressen werden" Teil. Die Kinder lachen auch.
Das ist die Mentalität.
In New York leitet Shifu seine Design Firma und trainiert Kung-Fu.
Er stellt Leute ein, einer von welchen mit seinem Geld durchbrennt. "Auch das, du hast eine Erfahrung.", sagt er ohne bedauern.
Er freundet sich mit einem anderen Japaner seines Alters an der zur selben Kung-Fu Schule geht. Die beiden trainieren im Central Park, auf einer kleinen Brücke die besonders gute Energie verspricht. (Jahre später habe ich mal die Gelegenheit auf derselben Brücke zu trainieren und kann sagen: ja, wirklich ausgezeichnete Energie.) Die Freundschaft, (halb Konkurrenz), spornt sie beide an härter zu trainieren. Wann immer man aufgeben will blickt man zum anderen hinüber sieht: ne, jetzt kann man noch nicht aufhören.
Sein Freund geht später ins Show-Geschäft: Kampf-Choreographien und Stunts und so.
Shifu baut seine Firma weiter aus.
Dann kommt die Krise. Die Große. Die so groß ist, dass sogar riesige Banken ins Wanken geraten.
Shifus Firma übersteht das Erdbeben nicht. Er ist darüber nicht im geringsten bitter.
Wäre er 20 oder 30 Jahre alt gewesen, hätte er sie wieder aufgebaut.
Aber jetzt ist er schon 40. Seine Eltern werden alt, und er will eine Familie. Also geht er nach Hause nach Japan.
Und eröffnet die "New York Kung-Fu" Schule.
Sein Name ist Wald, aber wir nennen ihn Shifu.
Shifu.
Das ist nicht sein Name. Aber so nennen ihn hier alle. Shifu.
"Das ist Fundament! Sinken."
Im Japanischen heißt der Meister (oder Lehrer) Sensei. Aber er Unterrichtet Kung-Fu. Das kommt aus China. Wenn Japaner versuchen das Chinesische Wort für "Meister" zu lesen, lesen sie "Shifu".
"Das ist nicht Sumo! Füße gerade! Und tief! Shizumu!"
Er selbst ist Japaner, hat aber lange Zeit in New York gelebt. Außerdem lernt er jetzt Chinesisch. Deswegen muss ich mir jetzt auf drei Sprachen anhören was mit meiner Form alles nicht stimmt.
"Mabuu! Dann Katzen-Fußstellung! Tiefer!"
Meine Oberschenkel brennen wie Feuer. Wenn man lange genug mit tief gebeugten Knien dasteht, hat man irgendwann eh nicht mehr die Kraft aufzustehen. Dann geht es nur noch tiefer.
Noch 3cm. Noch 2... dann knicke ich ein und falle zu Boden.
Er lacht fröhlich.
"Das ist Basics! Muss sein wie Eisen" (er klopft auf seine Schenkel) "und Bambus" (er verbiegt seinen Oberkörper). "Dann, du kannst kontrollieren deinen Körper, kontrollieren deinen Gegner".
Jetzt lebt er wieder in Japan und gibt Kung-Fu Unterricht für Kinder und ältere Damen... und mich.
Sein Name ist... "Wald". Herr Wald. Aber wir nennen ihn Shifu.
Shifu mit Schüler, der gerade einen Preis gewonnen hat.
Als er jung war ging Shifu nach New York. Um Design zu studieren. Aber wohl auch weil er einfach gerne nach Amerika wollte. Er sprach kein Wort Englisch.
Das machte diese Zeit sehr hart für ihn, aber irgendwie half ihm immer jemand aus der Patsche wenn es brenzlig wurde.
Das ist der Grund warum Austausch-Studenten jetzt gratis bei ihm trainieren dürfen. Als Wiedergutmachung sozusagen. Der eine, offizielle Grund. Der andere ist, dass Ausländer in seiner Stunde das ganze attraktiver für Japaner machen. Viele japanische Eltern finden, dass ihre Kinder möglichst früh an andere Kulturen und die Englische Sprache gewöhnt werden sollen. Shifu ist nicht auf den Kopf gefallen. (Meine Kommilitonen schon, sonst wäre ich nicht der einzige, der zum Gratis-Kung-Fu geht.)
Als Shifu sich gerade schön im Big Apple eingelebt hat, kommen zwei Flugzeuge und beißen eine blutende Wunde ins Fruchtfleisch. 9/11.
"Natürlich, du weißt, Menschen sterben. Aber du denkst das nicht."
Ein anderer Tag, eine anderer Uhrzeit, und Shifu wäre da unter den Trümmern gelegen.
Stattdessen liegen da tausende Andere.
Jetzt muss er sich fragen was er mit seinem Leben eigentlich anfangen will.
Und er fängt eine Firma an.
"Wenn Löwe jagt Hase, Hase wird nicht müde! Warum?"
Ich kenne die Antwort schon, aber meine Beine tun zu sehr weh als dass ich Lust hätte zu antworten. Also keuche ich nur ein bisschen und lasse die Weisheit nochmal über mich ergehen.
"Weil, wenn Hase wird müde.... wird gefressen!"
Er zählt die Geschichte nochmal auf Japanisch den Kindern und lacht beim "gefressen werden" Teil. Die Kinder lachen auch.
Das ist die Mentalität.
In New York leitet Shifu seine Design Firma und trainiert Kung-Fu.
Er stellt Leute ein, einer von welchen mit seinem Geld durchbrennt. "Auch das, du hast eine Erfahrung.", sagt er ohne bedauern.
Er freundet sich mit einem anderen Japaner seines Alters an der zur selben Kung-Fu Schule geht. Die beiden trainieren im Central Park, auf einer kleinen Brücke die besonders gute Energie verspricht. (Jahre später habe ich mal die Gelegenheit auf derselben Brücke zu trainieren und kann sagen: ja, wirklich ausgezeichnete Energie.) Die Freundschaft, (halb Konkurrenz), spornt sie beide an härter zu trainieren. Wann immer man aufgeben will blickt man zum anderen hinüber sieht: ne, jetzt kann man noch nicht aufhören.
Sein Freund geht später ins Show-Geschäft: Kampf-Choreographien und Stunts und so.
Shifu baut seine Firma weiter aus.
Besagte Hochenergie-Brücke. Der freundlich lächelnde Mann ist ein alter Kung-Fu Freund von Shifu.
Dann kommt die Krise. Die Große. Die so groß ist, dass sogar riesige Banken ins Wanken geraten.
Shifus Firma übersteht das Erdbeben nicht. Er ist darüber nicht im geringsten bitter.
Wäre er 20 oder 30 Jahre alt gewesen, hätte er sie wieder aufgebaut.
Aber jetzt ist er schon 40. Seine Eltern werden alt, und er will eine Familie. Also geht er nach Hause nach Japan.
Und eröffnet die "New York Kung-Fu" Schule.
Sein Name ist Wald, aber wir nennen ihn Shifu.
Eintopf-Party in Shifu's Haus. Shifu im Hintergrund, Eintopf im Vordergrund.
Mittwoch, 10. Februar 2016
Was zu feiern
Den Unterschied in der Mentalität der Leute kann man ganz gut daran erkennen welche Dinge sie für Feier-Würdig halten.
Amerika feiert seine Soldaten. Mit eigenem nationalen Feiertag.
Natürlich nur die Veteranen. Stubenhocker werden nicht gefeiert.
Vielleicht ist das einer der Gründe für die Auslandseinsätze der USA. Ohne Krieg gäbe es ja irgendwann keine Veteranen mehr zu feiern.
Und auch sonst scheuen sich Soldaten hier nicht sich in ihrer Garde-Uniform ins Nachtleben zu stürzen. Wann haben Sie das letzte mal einen Bundswehr-Soldaten in Ausgeh-Uniform in einer Bar oder im Konzert gesehen? Wann haben Sie überhaupt jemals die BW-Paradeuniform gesehen. Okay, zwei oder drei Leser dieses Blogs haben mich gesehen. Ich hatte das Ding genau einmal an: als ich vereidigt wurde. Immerhin hat mich das etwas vorbereitet darauf in einer Bar plötzlich einem Marine Sergeant gegenüberzustehen. Genug um seinen Dienstgrad zu wissen (von wegen NATO Bündnispatner). Das hat ihn beeindruckt, weil das wohl viele seiner Landsleute trotz Hollywood-Bildung nicht wüssten. Naja, den Tag feiern ist halt einfacher als sich mit der Sache zu beschäftigen.
Japan feiert seinen Kaier!
Beide!
Nein, nicht die Kaiserin. Den Kaiser vor dem Kaiser.
Genau: den Showa-Kaiser Hirohito.
(Ja, der mit dem Weltkrieg.)
Normalerweise wird traditionell nur der Geburtstag des gegenwärtigen Kaiers gefeiert, aber nachdem Hirohito gestorben ist hat man einfach weitergefeiert. Passiert schonmal dass die Party weitergeht nachdem der Gastgeber schon gegangen ist.
Um dem neuen Kaiser nicht auf die Füße zu treten hat man den Tag grün angemalt. Am "Grün" Tag wird dann halt offiziell was anderes verehrt. Natur und so, uns das grüne Gras das übers Grab wächst.
Vor ein paar Jahren war dann genug Gras gewachsen und man fand man könnte jetzt schon wieder zugeben, dass das Kaisers Geburtstag sein soll. Aber jetzt haben sich die Leute halt schon an den grünen Tag mit der Natur gewöhnt. Also ist der "Tag der Ruhe" jetzt der neue "Grüne Tag", und der alte Grüne Tag heißt jetzt "Showa-Tag", und der neue Kaiser hat immer noch Geburtstag.
Mal sehen ob's mit dem nächsten Kaiser wieder eine neue Farbe und einen zusätzlichen Feiertag gibt.
In Amerika war nächste wichtige Fest war dann Thanksgiving. Das ist, so wurde mir gesagt, fast genau so wichtig wie Weihnachten, was den Müttern doppelten Stress auferlegt.Die Geschichte die sich hier über Thanksgiving erzählt wird dreht sich darum, dass die ersten Siedler einmal gemeinsam mit einem Stamm Amerikanischer Ureinwohner gemeinsam die gute Ernte gefeiert, und auch sonst viel paktiert haben.
Die Nachkommen der Ureinwohner sehen das etwas anders und ärgern sich über das Hurra-Amerika gehabe. Dieses Thanksgiving war das doppelt pikant, weil nach den Anschlägen in Paris viele Politiker keine Syrischen Flüchtlinge mit an den Festtagstisch lassen wollen. Naja, vielleicht schließen sie auch von sich auf andere und befürchten, die nächsten "verdrängten Amerikanischen Ureinwohner" zu werden.
Immerhin: das Fest bewegt nicht nur die Leute, sie bewegen sich auch: es gibt nämlich eine große Parade. Die wird zwar vom Kaufhaus Macy's organisiert, erweckt bei den New Yorkern aber trotzdem etwas Lokalpatriotismus und andere warme Gefühle.
Ernte wird in Japan nicht mehr gefeiert: so wie man über die Felder Elektronik-Konzerne gebaut hat, hat man über Erntedank den Tag der Arbeit gebaut. Was ja auch passt, da die wenigsten Japaner Bauern sind und die meisten Lebensmittel importiert.
Aber dafür wird die Natur gefeiert, wie man ja schon am grünen Tag sehen konnte.
Aber Moment! Japan ist doch von Meer umgeben! Da ist die Hälfte der Natur doch gar nicht Grün? (Naja, eigentlich, ...)
Aber ja! Dafür gibt's dann den "Meer-Tag", ein nationaler Feiertag in dem man den Ozean feiert, und was man da so zum essen heraus ziehen kann.
Aber Moment! Wo bleibt da der Kaiser!
Aber doch! Der Tag geht zurück auf eine See-Reise des Meiji-Kaisers (der Kaiser vor dem Kaiser, vor dem Kaiser, vor dem Kaiser; der der die Samurai abgeschafft hat).
Aber Moment! Auf der anderen Seite besteht Japan doch im Inland fast komplett aus Bergen.
(Naja, die sind aber doch grün, ...)
Aaach, was solls! Dann machen wir halt noch einen Feiertag für die Berge und was man da so zum Essen runterholen kann.
Ja, ganz frisch und nochniedagewesen ab diesem Jahr.
Wir warten auf einen neuen Kaiser, den wir da dran hängen können.
Amerika feiert seine Soldaten. Mit eigenem nationalen Feiertag.
Natürlich nur die Veteranen. Stubenhocker werden nicht gefeiert.
Vielleicht ist das einer der Gründe für die Auslandseinsätze der USA. Ohne Krieg gäbe es ja irgendwann keine Veteranen mehr zu feiern.
Und auch sonst scheuen sich Soldaten hier nicht sich in ihrer Garde-Uniform ins Nachtleben zu stürzen. Wann haben Sie das letzte mal einen Bundswehr-Soldaten in Ausgeh-Uniform in einer Bar oder im Konzert gesehen? Wann haben Sie überhaupt jemals die BW-Paradeuniform gesehen. Okay, zwei oder drei Leser dieses Blogs haben mich gesehen. Ich hatte das Ding genau einmal an: als ich vereidigt wurde. Immerhin hat mich das etwas vorbereitet darauf in einer Bar plötzlich einem Marine Sergeant gegenüberzustehen. Genug um seinen Dienstgrad zu wissen (von wegen NATO Bündnispatner). Das hat ihn beeindruckt, weil das wohl viele seiner Landsleute trotz Hollywood-Bildung nicht wüssten. Naja, den Tag feiern ist halt einfacher als sich mit der Sache zu beschäftigen.
Japan feiert seinen Kaier!
Beide!
Nein, nicht die Kaiserin. Den Kaiser vor dem Kaiser.
Genau: den Showa-Kaiser Hirohito.
(Ja, der mit dem Weltkrieg.)
Normalerweise wird traditionell nur der Geburtstag des gegenwärtigen Kaiers gefeiert, aber nachdem Hirohito gestorben ist hat man einfach weitergefeiert. Passiert schonmal dass die Party weitergeht nachdem der Gastgeber schon gegangen ist.
Um dem neuen Kaiser nicht auf die Füße zu treten hat man den Tag grün angemalt. Am "Grün" Tag wird dann halt offiziell was anderes verehrt. Natur und so, uns das grüne Gras das übers Grab wächst.
Vor ein paar Jahren war dann genug Gras gewachsen und man fand man könnte jetzt schon wieder zugeben, dass das Kaisers Geburtstag sein soll. Aber jetzt haben sich die Leute halt schon an den grünen Tag mit der Natur gewöhnt. Also ist der "Tag der Ruhe" jetzt der neue "Grüne Tag", und der alte Grüne Tag heißt jetzt "Showa-Tag", und der neue Kaiser hat immer noch Geburtstag.
Mal sehen ob's mit dem nächsten Kaiser wieder eine neue Farbe und einen zusätzlichen Feiertag gibt.
In Amerika war nächste wichtige Fest war dann Thanksgiving. Das ist, so wurde mir gesagt, fast genau so wichtig wie Weihnachten, was den Müttern doppelten Stress auferlegt.Die Geschichte die sich hier über Thanksgiving erzählt wird dreht sich darum, dass die ersten Siedler einmal gemeinsam mit einem Stamm Amerikanischer Ureinwohner gemeinsam die gute Ernte gefeiert, und auch sonst viel paktiert haben.
Die Nachkommen der Ureinwohner sehen das etwas anders und ärgern sich über das Hurra-Amerika gehabe. Dieses Thanksgiving war das doppelt pikant, weil nach den Anschlägen in Paris viele Politiker keine Syrischen Flüchtlinge mit an den Festtagstisch lassen wollen. Naja, vielleicht schließen sie auch von sich auf andere und befürchten, die nächsten "verdrängten Amerikanischen Ureinwohner" zu werden.
Immerhin: das Fest bewegt nicht nur die Leute, sie bewegen sich auch: es gibt nämlich eine große Parade. Die wird zwar vom Kaufhaus Macy's organisiert, erweckt bei den New Yorkern aber trotzdem etwas Lokalpatriotismus und andere warme Gefühle.
Ernte wird in Japan nicht mehr gefeiert: so wie man über die Felder Elektronik-Konzerne gebaut hat, hat man über Erntedank den Tag der Arbeit gebaut. Was ja auch passt, da die wenigsten Japaner Bauern sind und die meisten Lebensmittel importiert.
Aber dafür wird die Natur gefeiert, wie man ja schon am grünen Tag sehen konnte.
Aber Moment! Japan ist doch von Meer umgeben! Da ist die Hälfte der Natur doch gar nicht Grün? (Naja, eigentlich, ...)
Aber ja! Dafür gibt's dann den "Meer-Tag", ein nationaler Feiertag in dem man den Ozean feiert, und was man da so zum essen heraus ziehen kann.
Aber Moment! Wo bleibt da der Kaiser!
Aber doch! Der Tag geht zurück auf eine See-Reise des Meiji-Kaisers (der Kaiser vor dem Kaiser, vor dem Kaiser, vor dem Kaiser; der der die Samurai abgeschafft hat).
Aber Moment! Auf der anderen Seite besteht Japan doch im Inland fast komplett aus Bergen.
(Naja, die sind aber doch grün, ...)
Aaach, was solls! Dann machen wir halt noch einen Feiertag für die Berge und was man da so zum Essen runterholen kann.
Ja, ganz frisch und nochniedagewesen ab diesem Jahr.
Wir warten auf einen neuen Kaiser, den wir da dran hängen können.
Mittwoch, 27. Januar 2016
Silber-Schubsen
Ginko.
Nein, nicht der Baum.
"銀行".
Schreibt sich wie "Silber" und "Bewegen".
So nennt man hier Banken.
Und Junge, Junge, bewegen die das Silber!
Anfangen tut's damit, dass ich ein Sparbuch habe. Also: ein richtiges kleines Büchlein. Nix mit Kontoauszug. Ich nehme das Ding mit zum Geldautomaten und stecke es hinein. Ja, die Geldautomaten hier haben einen Slot für Sparbücher. Und dann druckt das Ding da rein was so auf meinem Konto passiert.
Netterweise habe ich auch eine Karte im EC-Format bekommen, damit ich das Ding nicht immer mit mir rumtragen muss.
Aber süß ist das irgendwie schon. Erinnert mich an meine Kindheit, als meine Eltern ein Sparbuch für mich hatten, mich zur Bank mitnahmen damit ich ein Update kriege und ich dann sehen konnte wie meine Ersparnisse langsam wachsen, und davon träumte was für tolle Spielsachen ich mir von dem Geld kaufen könnte.... nur das ich das Geld jetzt halt für andere SachenAAAABER DAVON REDEN WIR JETZT NICHT!
Dafür kann das Konto relativ wenig. So mit Überweisung ist schon wieder nicht ganz so.
Man kann lustigerweise zu einer anderen Bank gehen, und dort ohne ein Konto zu haben am Geldautomaten Geld reinstecken, damit dass dann Überwiesen wird.
Aber andere Banken sind gerade nicht in der Gegend als ich mein Auto kaufen will.
Aber mein Freund der mir die Karre verkaufen will ist ja bei der selben Bank.
Also kein Problem:
Wir fahren gemeinsam in seinem Auto zur Bank.
Ich hebe am Geldautomaten 150.000 Yen ab.
Ich zähle ihm vor: 10.000, 20.000, 30.000, ...
Er steckt die 150.000 Yen wieder zurück in den Geldautomaten (diesmal mit seinem Sparbuch drin).
Wir fahren gemeinsam mit meinem Auto nach Hause.
Aber machen Sie sich nicht vorzeitig über Japan lustig! In anderen Ländern ist das System mindestens genau so kaputt. In den USA zum Beispiel. Wenn sie von Japan nach New York gehen haben Sie also doppelten Spaß.
Wussten Sie bei der Gelegenheit, dass es zwar IBAN (mit "I" wie "International") heißt, das System aber praktisch nur in Europa existiert?
Und so sitze ich da und soll die Kaution für meine Bude im voraus bezahlen. Die Japanische Bank will kein Geld verschicken, in den USA will's keiner annehmen.
Web 2.0 kommt zur Rettung: PayPal erlaubt ja Geldtransfer von Person zu Person, und an der Uni drüben sitzt ein Nerd der auch ein PayPal Konto hat.
Also: von meiner Bank auf mein PayPal Konto, auf sein PayPal Konto (mit netter Gebühr oben drauf, danke auch), auf sein Bank Konto, in seine Hand, in die Hand der Vermieterin.
Aber hey: das muss so kompliziert sein, wegen der Geldwäsche-Gesetze. Sonst könnte ja ein Japanischer Drogenbaron plötzlich Mieten in New York zahlen...
Geld verschieben, zweiter Akt: Geld nach Japan schicken.
Wie gesagt: IBAN ist nicht. Die Japanische Bank gibt einen etwas umständlichen Umweg über eine "Vermittler-Bank" an. Ich frage mal bei meiner Bank nach. Die schicken mir ein paar Unterlagen zum ausfüllen. Ich glaube zwar, dass das die falschen Unterlagen sind, aber ich fülle sie so gut wie's geht aus und schicke sie der Bank. Waren wohl wirklich die falschen Unterlagen, weil: passieren tut nichts.
Zweiter Versuch: wir tun einfach mal so als ob meine Japanische Kontonummer eine IBAN wäre. Zwischen den Zeilen kann man bei meiner Bank rauslesen, dass das klappen könnte.
Also einfach mal mit kleinem Betrag getestet:
Ich überweise: 100 Euronen.
Sie nehmen mir: 132,50 Euronen.
Ankommen tun: 0 Euronen.
Sie müssen verstehen, als Bank heutzutage hat man's nicht leicht. Da muss man schonmal 132,5% Gewinnmarge abziehen. Das verstehe ich schon. Aber immerhin hätte ich gerne eine Aufstellung gehabt. (Eine An-Die-Wand-Stellung wäre auch nicht schlecht...).
Stellt sich heraus dass dero Thaler 12,50 der Bank seien für ihre gnädigen Dienste. 20 Dreckige Dollars nehmen Sie mal mit, falls die Bank drüben geschmiert werden muss. War wohl nicht genug.
Mein Telephon klingelt. Mein Magen kickt die Leber in der freudigen Erwartung gleich einen Schwall Ultra-Höflichkeits-Level Japanisch über mir ausgekippt zu bekommen. Ja, Sie wissen natürlich schon was jetzt kommt, aber mich hat das drei Minuten "Hai? Hai?" gekostet. Also soll ich zur Bank kommen. Dort wissen sie natürlich von nichts. Müssen erstmal in der Zentralstelle anfragen. Irgendwann kriegen sie's dann gebacken und schreiben mir in mein Bank-Buch dass ich jetzt Geld empfangen darf. Also: das schreiben sie da mit Kugelschreiber rein. Super!
Und zwei Tage später ist das Geld tatsächlich da. Zum schlechtesten Wechselkurs den ich den ganzen Monat über gesehen habe. Aber Sie müssen verstehen: als Bank heutzutage...
Nein, nicht der Baum.
"銀行".
Schreibt sich wie "Silber" und "Bewegen".
So nennt man hier Banken.
Und Junge, Junge, bewegen die das Silber!
Anfangen tut's damit, dass ich ein Sparbuch habe. Also: ein richtiges kleines Büchlein. Nix mit Kontoauszug. Ich nehme das Ding mit zum Geldautomaten und stecke es hinein. Ja, die Geldautomaten hier haben einen Slot für Sparbücher. Und dann druckt das Ding da rein was so auf meinem Konto passiert.
Netterweise habe ich auch eine Karte im EC-Format bekommen, damit ich das Ding nicht immer mit mir rumtragen muss.
Aber süß ist das irgendwie schon. Erinnert mich an meine Kindheit, als meine Eltern ein Sparbuch für mich hatten, mich zur Bank mitnahmen damit ich ein Update kriege und ich dann sehen konnte wie meine Ersparnisse langsam wachsen, und davon träumte was für tolle Spielsachen ich mir von dem Geld kaufen könnte.... nur das ich das Geld jetzt halt für andere SachenAAAABER DAVON REDEN WIR JETZT NICHT!
Dafür kann das Konto relativ wenig. So mit Überweisung ist schon wieder nicht ganz so.
Man kann lustigerweise zu einer anderen Bank gehen, und dort ohne ein Konto zu haben am Geldautomaten Geld reinstecken, damit dass dann Überwiesen wird.
Aber andere Banken sind gerade nicht in der Gegend als ich mein Auto kaufen will.
Aber mein Freund der mir die Karre verkaufen will ist ja bei der selben Bank.
Also kein Problem:
Wir fahren gemeinsam in seinem Auto zur Bank.
Ich hebe am Geldautomaten 150.000 Yen ab.
Ich zähle ihm vor: 10.000, 20.000, 30.000, ...
Er steckt die 150.000 Yen wieder zurück in den Geldautomaten (diesmal mit seinem Sparbuch drin).
Wir fahren gemeinsam mit meinem Auto nach Hause.
Aber machen Sie sich nicht vorzeitig über Japan lustig! In anderen Ländern ist das System mindestens genau so kaputt. In den USA zum Beispiel. Wenn sie von Japan nach New York gehen haben Sie also doppelten Spaß.
Wussten Sie bei der Gelegenheit, dass es zwar IBAN (mit "I" wie "International") heißt, das System aber praktisch nur in Europa existiert?
Und so sitze ich da und soll die Kaution für meine Bude im voraus bezahlen. Die Japanische Bank will kein Geld verschicken, in den USA will's keiner annehmen.
Web 2.0 kommt zur Rettung: PayPal erlaubt ja Geldtransfer von Person zu Person, und an der Uni drüben sitzt ein Nerd der auch ein PayPal Konto hat.
Also: von meiner Bank auf mein PayPal Konto, auf sein PayPal Konto (mit netter Gebühr oben drauf, danke auch), auf sein Bank Konto, in seine Hand, in die Hand der Vermieterin.
Aber hey: das muss so kompliziert sein, wegen der Geldwäsche-Gesetze. Sonst könnte ja ein Japanischer Drogenbaron plötzlich Mieten in New York zahlen...
Geld verschieben, zweiter Akt: Geld nach Japan schicken.
Wie gesagt: IBAN ist nicht. Die Japanische Bank gibt einen etwas umständlichen Umweg über eine "Vermittler-Bank" an. Ich frage mal bei meiner Bank nach. Die schicken mir ein paar Unterlagen zum ausfüllen. Ich glaube zwar, dass das die falschen Unterlagen sind, aber ich fülle sie so gut wie's geht aus und schicke sie der Bank. Waren wohl wirklich die falschen Unterlagen, weil: passieren tut nichts.
Zweiter Versuch: wir tun einfach mal so als ob meine Japanische Kontonummer eine IBAN wäre. Zwischen den Zeilen kann man bei meiner Bank rauslesen, dass das klappen könnte.
Also einfach mal mit kleinem Betrag getestet:
Ich überweise: 100 Euronen.
Sie nehmen mir: 132,50 Euronen.
Ankommen tun: 0 Euronen.
Sie müssen verstehen, als Bank heutzutage hat man's nicht leicht. Da muss man schonmal 132,5% Gewinnmarge abziehen. Das verstehe ich schon. Aber immerhin hätte ich gerne eine Aufstellung gehabt. (Eine An-Die-Wand-Stellung wäre auch nicht schlecht...).
Stellt sich heraus dass dero Thaler 12,50 der Bank seien für ihre gnädigen Dienste. 20 Dreckige Dollars nehmen Sie mal mit, falls die Bank drüben geschmiert werden muss. War wohl nicht genug.
Mein Telephon klingelt. Mein Magen kickt die Leber in der freudigen Erwartung gleich einen Schwall Ultra-Höflichkeits-Level Japanisch über mir ausgekippt zu bekommen. Ja, Sie wissen natürlich schon was jetzt kommt, aber mich hat das drei Minuten "Hai? Hai?" gekostet. Also soll ich zur Bank kommen. Dort wissen sie natürlich von nichts. Müssen erstmal in der Zentralstelle anfragen. Irgendwann kriegen sie's dann gebacken und schreiben mir in mein Bank-Buch dass ich jetzt Geld empfangen darf. Also: das schreiben sie da mit Kugelschreiber rein. Super!
Und zwei Tage später ist das Geld tatsächlich da. Zum schlechtesten Wechselkurs den ich den ganzen Monat über gesehen habe. Aber Sie müssen verstehen: als Bank heutzutage...
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