Es gibt so ein paar Sachen, über die hätte ich schon länger mal schreiben müssen.
Einfach weil man sie so oft sieht, dass man davon ausgehen muss dass sie fest in der Kultur hier verankert sind.
Da gibt es nur ein Problem: bei so manchen Sachen mach ich einfach nicht mit! Basta!
Das trifft sich gut, weil scheinbar auch alle Japaner sich darauf geeinigt haben da nicht mitzumachen.
Fragt sich nur warum es solche Sachen dann gibt.
Zwei Paradoxe.
Pachinko:
Pachinko ist eine art Glücksspiel-Automat. Man hat ein kleines Nagelbrett, wo von oben Metallkugeln durch fallen. Manche fallen dadurch in Gewinn-Zonen.
Das Problem: Glücksspiel ist eigentlich illegal. Also kann man auch nicht wirklich gewinnen.
Wenn man weiß wie, kann man aber die Gewonnen Kugeln und/oder Sachpreise wieder zurück-verkaufen und doch Gewinn machen.
Man hat also zwei Probleme: erstens ist Gewinnen eh schon unwahrscheinlich, zweitens hat man keine rechtliche Garantie seinen Gewinn überhaupt ausgeschüttet zu bekommen. Zur Polizei gehen geht ja schlecht.
Vielleicht machts ja wenigstens Spaß. Naja, für wie lange kann es Spaß machen, Metallkugeln beim runter Fallen zuzugucken? Also, haben viele Automaten einen eingebauten Monitor auf dem man nebenbei glotzen kann. Das ist dann für gewöhnlich das Alleinstellungsmerkmal der Automaten, und damit werden sie auch beworben: hereinspaziert, wir haben die neuesten Geräte am Start, mit ihrer Lieblings-Zeichentrickserie oder der populären Girlie-Band. Ja, selbst die Produzenten von Mainstream-Popkultur sind sich nicht zu schade für sowas eine offizielle Lizenz zu verkaufen.
Sie haben also etwas zum gucken, aber nicht zum hören. Weil: es ist einfach viel zu laut in diesen Hallen!
Sie verstehen also vielleicht, warum ich da nicht gerne rein gehe. Und egal wie viele Japaner ich treffe, ich habe auch noch nie jemanden kennengelernt der da rein geht. Alle sagen mir dasselbe: zu laut, zu nervig, zu langweilig, nicht an Glücksspiel interessiert.
Trotzdem schießen solche Hallen wie radioaktive Fukushima-Pilze aus dem Boden. Selbst bei mir auf dem Land, kommen Sie ein mehreren solcher Gebäude vorbei bevor sie ein Kino finden.
Irgendwer muss also regelmäßig da hin gehen und ne Menge Geld da lassen. Aber wer?
Vielleicht sollte ich einfach mal in eine reingehen und Leute darin ansprechen...
Host-Bars:
Früher gab es in Japan ja Geishas, die einem gegen Entgelt beim trinken Gesellschaft geleistet haben.
So, auf die eine oder andere Art gibt's das immer noch, und dank der Emanzipation jetzt auch für Frauen: wenn sie etwas tiefer in die Taschen greifen, können Sie mit hübschen Kerl trinken.
Naja, "hübsch" ist so eine Sache. Die "Hosts" sind ein Typ Mann, gegen den Metrosexuelle wie Holzfäller aussehen. Unglaublich aufgestyled, mit gefärbten, gegelten Haaren, Mode die abseits vom Laufsteg niemand wirklich jemals anziehen würde, dürrer, schlaksiger Körperbau ohne Muskeln oder Fett, kindliches Gesicht. Für mich ist das jetzt nicht unbedingt ein Schönheitsideal, aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe. Also frage ich so oft ich kann Frauen, ob sie solche Jungs hübsch finden. Bisher haben das alle bestritten. Auch kenne ich niemanden der schonmal in so einer Host-Bar drin war. Das finde ich schade, weil es mich wirklich interessieren würde, ob die Jungs was drauf haben als Charmeure und Verführer. Laut mehreren Medienberichten sind manche nämlich so gut, dass sich ihre Kundinnen finanziell ruinieren um ihren Schwarm mit Geschenken zu überhäufen.
Irgendwas muss also dran sein.
Jetzt schlagen Sie bitte nicht vor, dass ich da selbst mal rein gehe. Ich verzweifle zwar oft an dem mageren Sozialleben hier am Camput, aber so tief gesunken, dass ich jemanden dafür bezahle sich mit mir zu unterhalten bin ich noch nicht!
...
Na gut, wenn hier draußen so ein Laden aufmacht wirds vielleicht gefährlich.
Achso: natürlich gibts das auch Geschlechts-Vertauscht. Da stehen dann die aufgebrezelten Damen am Straßenrand und suchen Männer die gerne überteuerten Alkohol für weibliche Aufmerksamkeit in kauf nehmen wollen.
Natürlich: selber gehe ich da nicht hin, und bisher hat auch noch jeder Mann geleugnet je in so einer Bar drin gewesen zu sein.
Ich finde das trotzdem super, aber aus einem anderen Grund:
ich gehöre zu diesen Leuten die, wenn ihnen ein Mädel gefällt einfach hingehen und die ansprechen.
Das klappt zugegebenermaßen nicht immer so gut, weil die oft was besseres vorhaben als sich von Ausländern aufgabeln zu lassen.
Dummerweise gilt es in der Japanischen Kultur als akzeptabel (und sogar noch eher höflich) Fragen die man nicht beantworten will einfach zu ignorieren. Kurz: ich werde oft einfach komplett ignoriert.
Das drückt dann etwas auf die Laune.
Aber nur bis zur nächsten Straßenecke, weil da wieder die Hostessen stehen!
Da warten also die hübschesten Mädels in voller Aufreißer-Montur auf bierbäuchige Geschäftsmänner mittleren Alters, sprechen die an als ob sie gerade ihren Traumprinz entdeckt haben; der ignoriert das Mädel natürlich völlig; sie folgt ihm die Straße runter und versucht verzweifelt seine Aufmerksamkeit zu kriegen, kriegt aber nur die kalte Schulter; gibt schließlich auf und geht zu ihren Kolleginnen zurück.
Das macht mich wieder glücklich in so guter Gesellschaft zu sein.
Und meiner informellen Statistik zu folge haben die Damen eine noch schlechtere Quote als ich.
(Okay, die wollen ja auch Geld, und mich gibts kostenlos. Nicht umsonst! Aber kostenlos.)
Freitag, 17. Juli 2015
Dienstag, 30. Juni 2015
Kriegswärts
Ich hoffe ich schaff's nochmal nach Hause bevor der Russe einmarschiert. Man hört hier ja in letzter Zeit so alles mögliche aus den Nachrichten. Da kann ich schon froh sein, das ich hier am "sicheren" Ende von Russland sitze.
Japan macht bei den ganzen Machtspielen natürlich nicht mit. Die haben sich nach dem zweiten Weltkrieg den Pazifismus in die Verfassung geschrieben: die Regierung darf also nie Krieg erklären oder in fremde Länder einmarschieren.
Aber natürlich will man doch gerne mitspielen, also wird das gerade geändert. Ja, es gibt gerade politische Bemühungen den Artikel aus der Verfassung zu streichen, damit man sich endlich keine dummen Ausreden mehr einfallen lassen muss um Krieg zu spielen. Passend dazu hat Japan kürzlich einen dicken Flugzeugträger fertig gestellt. Eigentlich hatte man mal gesagt, dass sich Flugzeugträger zur Landesverteidigung nicht rentieren, und man deswegen freiwillig keine bauen wollte. Also hat man einfach gesagt, dass das ein Zerstörer sei. Ein besonders großer, unförmiger Zerstörer. Ohne Bewaffnung. Packt man halt Hubschrauber aufs Deck, die Torpedos ins Meer werfen können. Ja, nee iss scho recht.
Nahezu alle Japaner sind natürlich dagegen (also gegen die Verfassungsänderung. Gegen die Aufrüstung sowieso). Zwar haben die Leute weniger Berührungsangst mit dem Militär als die Deutschen, aber selbst die Krieg-Spieler haben genug Selbsterkenntnis um ihr Hobby nicht zum Beruf machen zu wollen.
Aber dass die Regierung Dinge macht, die 90% der Bevölkerung ablehnt ist hier der Normalzustand.
Das geht schon bei den Wahlen los. Da fahren die Kandidaten mit Lautsprecher-Wägen durch die Straßen. winken dem Volk zu und skandieren Slogans.
Nun sind Japaner zwar an Dauer-Beschallung gewöhnt, trotzdem finden das alle nervig. Kann man aber nichts machen. Am Ende kriegen die beiden großen Partien, die DPJ und die LDP wieder die meisten Stimmen. Was ich schade finde, weil es ganz hübsche Alternativen gibt: etwa die "Glücks-Realisierungs Partei" (kein Scherz). Gut, ich habe keine Ahnung was deren Parteiprogramm ist, aber ich gehe davon aus, dass die Wissen das Angriffskriege nicht viel Glück realisieren.
Dass das Land immer mehr abdriftet liegt auch am Einfluss der "rechts außen" Fraktion, hier gerne als "Ultra-Konservative" bezeichnet. Die haben für sich durchaus Unterhaltungspotential, wenn sie mit ihren Lautsprecher-Wägen öffentliche Plätze belagern, Flaggen hissen, ohne Punkt und Komma unverständliche Reden skandieren und vor der Russischen Botschaft plärren, dass die endlich die Inseln zurück geben sollen, die sie im zweiten Weltkrieg eingenommen haben.
Leider hört die Regierung scheinbar diesen Leuten viel mehr zu als die Bevölkerung...
Mittwoch, 17. Juni 2015
DienstleistungsHochtechnologie
Zwei Dinge die allen Auffallen, die mich Besuchen kommen:
(1) Super Service hier!
(2) Gar nicht so viel High-Tech wie man erwarten würde.
Diesen Eindruck kann ich etwas erweitern...
Tankstellen:
Hier gibt es wirklich noch Tankstellen, wo man betankt wird. Also: ein Tankwart weist einen ein, und betankt einen ohne dass man aussteigen muss. Man sagt ihm einfach den Betrag den man gerne hätte, und der freundliche Herr tankt dann auf den Yen genau Kraftstoff ins Gefährt.Aber natürlich gibt es auch Selbstbedienung. Praktischerweise ist hier alles direkt in der Zapfsäule. Sie geben vor dem Tanken den Betrag an, zahlen, stecken den Schlauch ins Loch gucken zu wie der Zähler exakt auf dem gewünschten Betrag stehen bleibt.
Sollte man mit der Prozedur Probleme haben, stehen immer ein paar Helfer bereit.
Im Gegensatz zu Tankwart putzen die einem aber nicht die Scheibe während man tankt.
Übrigens wurde ich öfters von Besuchern gefragt, ob Benzin hier billig ist. Das konnte ich nicht beantworten weil: (a) habe ich in Deutschland schon seit vielen Jahren nicht mehr getankt, (b) kenne ich nicht immer den Wechselkurs und (c) schluckt meinAuto 4-Rad so wenig Benzin, dass ich nicht darauf achte wieviel das jetzt kostet.
Aber speziell für diesen Blog jetzt mal:
Der Liter Benzin kostet etwa 97 Cent. (Ist das jetzt teuer oder billig?)
Elektro- oder Wasserstoff-Tankstellen konnte ich noch keine finden.
RFID Karten und Bargeld:
Das schöne am Zugfahren in Japan ist ja diese große Karte über den Fahrkarten-Automaten, wo man sich raussuchen muss wo man hin will, dann genau für diese Strecke ein Ticket löst und am Zielbahnhof feststellt, dass man das falsche Ticket hat und nachbezahlen muss.
Daran erkennt man die Touristen. Japaner verwenden die nicht. Dafür gibt's hier RFID Karten die man mit Geld beladen kann. Die klatscht man auf den Scanner und es wird automatisch der richtige Betrag für die Strecke abgebucht. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man schnell noch den Zug erwischen muss.
Aber nicht nur beim Zugfahren, mittlerweile kann man die Dinger in immer mehr Geschäften zum Bezahlen verwenden. Für eine Nation die sich über Jahrzehnte schwer getan hat Visa Karten zu akzeptieren sind sie jetzt ganz schön schnell.
Kann ich verstehen, denn mit Bargeld zu bezahlen kann immer etwas dauern, weil die Kassierer einem immer das Wechselgeld vorzählen. Das heißt: sie zählen natürlich wenn sie das Geld aus der Kasse nehmen. Dann zählen sich für sich selbst sicherheitshalber nochmal nach. Dann präsentieren sie dem Kunden das Geld und zählen es demonstrativ nochmal laut vor. Natürlich erst nachdem sie sich entschuldigt haben, dass das Geld zählen so lange gedauert hat.
Da kann ich schon verstehen, warum immer mehr Leute lieber ihre Geldkarte verwenden.
Und da hier kein Chaos Computer Club da ist um den Leuten zu zeigen wie leicht man ihr RFID Geld klauen kann...
Getränke:
In letzter Zeit gibt es in Tokyo auch immer mehr Getränkeautomaten eine ganz neuen Sorte. Naja, zumindest sehen sie modern aus. Was daran so neu ist habe ich erst an der Uni gelernt, als einer der Professoren die Dinger als Beispiel brachte für das neue "Internet of Things". Also: Geräte werden direkt ans Internet gehängt. Dazu haben sie auch noch eine Webcam um den Kunden aufnehmen zu können. Wozu das ganze? Sicherlich nicht wegen dem nicht vorhandenen Vandalismus (vor allem weil die Dinger bisher nur in Bahnhöfen stehen). Der Professor erklärt, dass man da Gesichtserkennungs-Software drauf hat, und damit Alter und Geschlecht des Kunden bestimmen kann... um damit bessere Vorschläge machen zu können was der Kunde so trinken möchten könnte.
Da muss man jetzt dazu sagen, dass in Japan der Datenschutz noch nicht so weit ist, und der Professor nicht recht verstehen konnte, warum ich damit ein Problem habe.
Da gehe ich lieber in jedes X-Beliebige Schnellrestaurant. Zwar Erkennt die Bedienung da auch mein Gesicht, schickt aber keine Kopie übers Internet. Außerdem gibt's das Getränk umsonst. Ja, in fast allen Restaurants vom schnellen Nudel-Shop bis zur Luxus-Klasse kriegt man entweder Tee oder Wasser soviel man trinken kann. Entweder kommt wieder alle 5 Minuten die Bedienung vorbei zum Nachfüllen, oder sie stellen einem direkt die Karaffe auf den Tisch.
Nein, das ist eine ganz normaler Karaffe. Kein High-Tech. Nur Tee.
(1) Super Service hier!
(2) Gar nicht so viel High-Tech wie man erwarten würde.
Diesen Eindruck kann ich etwas erweitern...
Tankstellen:
Hier gibt es wirklich noch Tankstellen, wo man betankt wird. Also: ein Tankwart weist einen ein, und betankt einen ohne dass man aussteigen muss. Man sagt ihm einfach den Betrag den man gerne hätte, und der freundliche Herr tankt dann auf den Yen genau Kraftstoff ins Gefährt.Aber natürlich gibt es auch Selbstbedienung. Praktischerweise ist hier alles direkt in der Zapfsäule. Sie geben vor dem Tanken den Betrag an, zahlen, stecken den Schlauch ins Loch gucken zu wie der Zähler exakt auf dem gewünschten Betrag stehen bleibt.
Sollte man mit der Prozedur Probleme haben, stehen immer ein paar Helfer bereit.
Im Gegensatz zu Tankwart putzen die einem aber nicht die Scheibe während man tankt.
Übrigens wurde ich öfters von Besuchern gefragt, ob Benzin hier billig ist. Das konnte ich nicht beantworten weil: (a) habe ich in Deutschland schon seit vielen Jahren nicht mehr getankt, (b) kenne ich nicht immer den Wechselkurs und (c) schluckt mein
Aber speziell für diesen Blog jetzt mal:
Der Liter Benzin kostet etwa 97 Cent. (Ist das jetzt teuer oder billig?)
Elektro- oder Wasserstoff-Tankstellen konnte ich noch keine finden.
RFID Karten und Bargeld:
Das schöne am Zugfahren in Japan ist ja diese große Karte über den Fahrkarten-Automaten, wo man sich raussuchen muss wo man hin will, dann genau für diese Strecke ein Ticket löst und am Zielbahnhof feststellt, dass man das falsche Ticket hat und nachbezahlen muss.
Daran erkennt man die Touristen. Japaner verwenden die nicht. Dafür gibt's hier RFID Karten die man mit Geld beladen kann. Die klatscht man auf den Scanner und es wird automatisch der richtige Betrag für die Strecke abgebucht. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man schnell noch den Zug erwischen muss.
Aber nicht nur beim Zugfahren, mittlerweile kann man die Dinger in immer mehr Geschäften zum Bezahlen verwenden. Für eine Nation die sich über Jahrzehnte schwer getan hat Visa Karten zu akzeptieren sind sie jetzt ganz schön schnell.
Kann ich verstehen, denn mit Bargeld zu bezahlen kann immer etwas dauern, weil die Kassierer einem immer das Wechselgeld vorzählen. Das heißt: sie zählen natürlich wenn sie das Geld aus der Kasse nehmen. Dann zählen sich für sich selbst sicherheitshalber nochmal nach. Dann präsentieren sie dem Kunden das Geld und zählen es demonstrativ nochmal laut vor. Natürlich erst nachdem sie sich entschuldigt haben, dass das Geld zählen so lange gedauert hat.
Da kann ich schon verstehen, warum immer mehr Leute lieber ihre Geldkarte verwenden.
Und da hier kein Chaos Computer Club da ist um den Leuten zu zeigen wie leicht man ihr RFID Geld klauen kann...
Getränke:
In letzter Zeit gibt es in Tokyo auch immer mehr Getränkeautomaten eine ganz neuen Sorte. Naja, zumindest sehen sie modern aus. Was daran so neu ist habe ich erst an der Uni gelernt, als einer der Professoren die Dinger als Beispiel brachte für das neue "Internet of Things". Also: Geräte werden direkt ans Internet gehängt. Dazu haben sie auch noch eine Webcam um den Kunden aufnehmen zu können. Wozu das ganze? Sicherlich nicht wegen dem nicht vorhandenen Vandalismus (vor allem weil die Dinger bisher nur in Bahnhöfen stehen). Der Professor erklärt, dass man da Gesichtserkennungs-Software drauf hat, und damit Alter und Geschlecht des Kunden bestimmen kann... um damit bessere Vorschläge machen zu können was der Kunde so trinken möchten könnte.
Da muss man jetzt dazu sagen, dass in Japan der Datenschutz noch nicht so weit ist, und der Professor nicht recht verstehen konnte, warum ich damit ein Problem habe.
Da gehe ich lieber in jedes X-Beliebige Schnellrestaurant. Zwar Erkennt die Bedienung da auch mein Gesicht, schickt aber keine Kopie übers Internet. Außerdem gibt's das Getränk umsonst. Ja, in fast allen Restaurants vom schnellen Nudel-Shop bis zur Luxus-Klasse kriegt man entweder Tee oder Wasser soviel man trinken kann. Entweder kommt wieder alle 5 Minuten die Bedienung vorbei zum Nachfüllen, oder sie stellen einem direkt die Karaffe auf den Tisch.
Nein, das ist eine ganz normaler Karaffe. Kein High-Tech. Nur Tee.
Donnerstag, 28. Mai 2015
Verwaltungsherrschaft
Aus deutscher Sicht geht es hier eigentlich ganz normal zu. Was aber vielleicht eher ein Indiz dafür ist, dass es in Deutschland schon nicht ganz "normal" zugeht. Die meissten anderen Ausländer hier beschweren sich jedenfalls über die ausufernde Bürokratie. Naja, Ihnen kann ich da mit meinen Storys nix vormachen, ... aber ich probier's trotzdem...
Als ich mein Visum verlängern muss, brauche ich natürlich reichlich Unterlagen. Unter anderem ein Formblatt, auf dem ich beschreibe, an was ich überhaupt so forsche. Ich bezweifle, dass das jemals jemand lesen wird, geschweige denn jemand der versteht was ich da schreibe. Aber nachdem ich solche Beschreibungen öfter brauche, habe ich noch welche 'rum liegen.
Darunter dann ein Feld: wie viele Stunden ich in der Woche denn arbeite.
Ich verstehe nicht, was die meinen.
So etwas wie 'Unterricht geben' oder 'Klausuren korrigieren'? Das mache ich gar nicht. Die einzigen Arbeiten die ich außerhalb meiner Forschung mache sind:
(a) ab und zu unseren kratligen Webserver mit neuen Streifen Klebeband und Kaugummi am laufen halten,
(b) die Kaffee-Maschine putzen.
Das macht beides nicht soo viel her.
Ich beschließe einfach die gesamt-Zeit die ich jede Woche so im Labor zubringe zusammen zurechnen: 5x(8:00-18:00 minus Mittagspause) + 2x(8:00-12:00) - manchmal-füher-gehen = grob 50 Stunden.
Ich frage sicherheitshalber den Professor:
> "Da schrieben wir einfach ne Standard-Arbeitszeit rein: 40 Stunden."
Ich trage den Lappen ins International-Office und träume dabei von Wochenenden ohne Labor.
> "Warum steht da denn 40 Stunden?"
> "Hat mein Professor reingeschrieben...."
> "Doktoranden arbeiten 20 Stunden...."
> "Gut zu wissen."
> ".... na dann korrigiere ich das schnell."
Während die Dame also schnell den "Fehler" in ihrem Geordneten Ablauf korrigiert, überlege ich mir schonmal was ich die anderen zwei Drittel vom Jahr so mit meinem Resturlaub mache...
Als Informatiker bin ich ja Freund fester Abläufe (also: Algorithmen), und da sind die Japaner ganz große Meister. Besser noch als Computer. Computer haben manchmal "undefinierte Zustände". Solche Ausnahmen gibt es in der Japanischen Bürokratie nicht. Irgendein Standardfall muss immer zutreffen.
Um etwas mehr Freiheit zu haben will ich also meine eigene Firma gründen, und frage im Büro wie die Prozedur denn so aussehen würde.
> Also dafür müssten Sie erstmal Arbeiten: ohne (zu) der sie gehören geht da nix. Und dann brauchen Sie jemanden, der bereits für Sie arbeitet.
> Ich brauche einen Angestellten, um eine Firma gründen zu können?
> Ja.
> Bei welcher Firma soll der denn angestellt sein, wenn ich vorher keine Firma gründen kann?
> .... tja, äh, das steht hier nicht. Aber Sie können sich das in Ruhe durchlesen.
Ein bisschen lesen und es stellt sich heraus:
Der Prozess geht davon aus, dass man ein Investoren/Manager-Visum hat. Also hat man einfach den Prozess, ein solches Visum zu bekommen vorn dran gestellt. Macht ja algorithmisch Sinn. Wenn Sie also Manager einer Firma sind, können Sie diesem kombinierten Prozess folgen, um ein Manager-Visum zu bekommen, um damit Manager einer Firma zu werden...
Ein Computer erkennt die Rekursion (daran, dass der Speicher überläuft) und terminiert den Prozess. In meinem Fall terminiere ich also das Gespräch mit einem freundlichen SEGFAULT Lächeln und Bedanken und Verbeugen und gehe.
Unnötig zu erwähnen, dass sich kurz darauf herausstellt, dass das mitnichten der einzige noch der gängigste Weg ist als Ausländer in Japan eine Firma zu gründen.
Aber der algorithmisch schönste!
Die Ämter an sich sind gar nicht mal ineffizient (und obendrauf auch noch höflich), aber überall merkwürdig dezentral. Das musste ich feststellen, als ich meinen Führerschein haben wollte.
1. Akt:
Zum Deutschen Generalkonsulat nach Osaka, um meinen Führerschein übersetzen zu lassen.
Das muss ich natürlich bezahlen, was ich natürlich bei einer anderen Dame tun muss als bei der ersten. Dafür sind beide Damen direkt nebeneinander und sprechen fließend Deutsch.
2. Akt:
Nach Ikoma (das ist die Stadt zwischen Nara und Osaka, wo ich am nähesten dran Wohne) um eine Aufenthalts-Bestätigung zu kriegen. Einfach nur einen Ausweis zu haben reicht halt nicht.
Auch hier reicht ein Schalter allein nicht, also muss ich mehrfach Nummern ziehen.
3. Akt:
Zur JAF, dem Japanischen Pendant des ADAC, für... also das verstehe ich jetzt auch nicht mehr genau. Das Ding ist irgendwo im Süden von Nara, also brauche ich ein paar Stunden bis ich da bin. Es gibt nur einen Schalter, dafür versteht der Mann dahinter nicht so ganz was er tun muss. Oder ich verstehe nicht was er von mir will. Wir reden also noch etwas aneinander vorbei, dann gibt er mir einen Wisch und sagt, dass ich damit zur Führerschein-Zulassungsstelle muss. Der Schein ist bei genauerer Betrachtung wieder nur eine Übersetzung (oder Beglaubigung?) meines Deutschen Führerscheins.
4. Akt:
Die Führerschein-Zulassungsstelle ist so weit in der Pampa draußen, dass man ohne Auto fast nicht hinkommt. Macht irgendwie keinen Sinn, denke ich mir so, als ich die 30 Minuten Fußmarsch vom nähesten Bahnhof zurücklege.
Angekommen werde ich in einen Büro verfrachtet und einem freundlichen Verhör ausgesetzt:
Soso, einen Deutschen Führerschein habe ich also. Wie habe ich den denn so gekriegt? Wie viele Theorie-Stunden waren das denn? Wie lange war jede Stunde? Inhalt? Wo bin ich in den Praxis-Stunden so überall rumgefahren? Und wann? Und wer war dabei? Wie lange war der Test?
Es ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich genau 10 Jahre her, dass ich den Führerschein gemacht habe, und dazwischen lagen reichlich Gelegenheiten den Kopf mit wichtigeren Dingen zu füllen, nicht zuletzt Alkohol. Also tue ich was ich immer tue wenn ich keine Ahnung habe. Blöd daherlabern. Lachen Sie nicht! Das hat mir einen Hochschulabschluss beschert!
Zu guter Letzt muss ich noch beim Sehtest vorbei schauen, bezahlen und meinen nagelneuen Führerschein entgegennehmen.
Montag, 18. Mai 2015
Sprechen lernen (3)
Wo steckt die Sprache?
Also: wo in Ihrem Gehirn?
Das Gehirn ist ja kein einheitlicher Schwamm. Da gibt es spezielle Regionen.
"Naja, Sprachzentrum" wird man jetzt sagen, und hat damit eigentlich wirklich gar nichts gesagt.
Okay, anders: wie wird eine Sprache denn in ihrem Gehirn abgebildet?
Als endlose Vokabel-Liste wie ein Telephonbuch? Benutzen Sie ihr Bewusstsein wenn Sie sprechen?
Also ich nicht.
Ich benutze meinen Mund.
3.) Tun:
Wenn Sie versuchen ihre neue Sprache in ihr Gedächtnis zu prügeln, dann ist das so wie wenn Sie ihr neues Regal im Garten aufbauen. Es ist schon irgendwie da, aber nicht da wo Sie's sinnvoll benutzen können weil viel zu weit weg von der Küche, und es wird auch recht böse von der Witterung angegriffen.
Ein besserer Ort ist da wo ihr Gehirn die Aktionen für ihren Körper produziert. Manchmal sagt man, dass Dinge "in Fleisch und Blut" übergehen, aber natürlich ist es immernoch das Gehirn das die Impulse sendet. Nur eben ein anderer Teil des Gehirns den wir bewusst nicht wahrnehmen.
Also: ihr Mund bewegt sich ohne dass Sie denken.
Damit er dann auch das sagt, was Sie sagen wollen (und in der Sprache in der Sie es sagen wollen) müssen Sie ihn trainiert haben. Also natürlich nicht wirklich die Muskeln im Mund, aber die Muster in ihrem Gehirn, die Worte produzieren.
Was ich sagen will:
Wenn Sie lernen, dann sagen Sie ihre Sätze laut auf!
Ja: reden Sie mal wieder ordentlich mit sich selbst.
Wenn ihnen das zu peinlich ist, dann flüstern Sie, oder bewegen Sie zumindest die Lippen.
In der Schule haben Sie das nicht gebraucht, weil ihr Lehrer Sie dazu gezwungen hat regelmäßig etwas zu sagen. Fragen Sie mal einen Lehrer (für Sprachen) was er von der Idee hält die Kinder stillschweigend den "Input" über sich ergehen zu lassen und nur im Kopf über das gelernte zu reflektieren. Absurd? Aber genau das ist die Gefahr wenn man die Schule verlässt und beim Lernen auf sich allein gestellt ist. Man guckt seine Vokabeln an und Glaubt jetzt Sprechen zu können.
Aber echter Fortschritt kommt nur, wenn ihr Gehirn lernt ihren Mund zu bewegen.
Also: fangen Sie an vor sich hin zu plappern.
Das hilft zwar nicht beim Hörverständnis, aber 50% ihrer Unterhaltung haben Sie damit schonmal abgedeckt. Und im Gegensatz zu echten Gesprächen die oft zu schnell sind oder nicht die Sätze oft genug wiederholen die Sie gerade lernen wollen, sind diese hier perfekt auf ihre Lernziele abgestimmt. Wen interessiert da noch, dass keiner zuhört?
Oh, und wo wir schon dabei sind: Vielleicht müssen Sie für ihre neue Sprache ja auch ein paar neue Zeichen lernen.
So um die 30 für Russisch.
Oder etwa 60 für Thai.
Oder ein paar tausend für Chinesisch.
Die werden Sie alle nicht lernen, bis Sie sie schreiben.
Selbst wenn man heute kaum noch mit der Hand schreibt: ihre Hand erinnert sich besser als ihr Gehirn.
Dazu folgende Anekdote:
Ein Freund fragt mich über ein Sandwich wie ich Schriftzeichen lerne. (Weil ich während dem Sandwich-essen nebenbei Schriftzeichen gelernt habe.)
Ich erkläre, dass man auf jeden Fall mit der Hand schreiben sollte, ohne dir Vorlage anzugucken, immer und immer wieder. Die Assoziation mit der Handbewegung hilft um sich die Details zu merken.
"Ach wirklich? Ich lerne immer nur durch anschauen.", wirft ein anderer selbstbewusst ein. Wirklich? Vielleicht bin ich ja nur lernbehindert, und andere Leute brauchen meine Tipps gar nicht.
Probieren wir das doch kurz aus. Ich zeige ihm das Wort, dass ich gerade lerne. "Umsatzabrechnung" steht da. Besteht aus den Schriftzeichen: Verlust + Gewinn + Messung + Rechnen + Schreiben.
Er schaut...
...
Kann er nicht lesen.
Welches davon kann er nicht lesen?
Er schaut nochmal...
...
Alle bis auf das Letzte.
Wirklich? Auch das in der Mitte nicht?
Nochmal schauen...
...
Nope.
Das benutzt man auch um "Uhr" zu schreiben... (ist ja ein "Zeit-Messer").
Aha. Soso.
...
Ich gebe auf.
Achso: ich hab' die Pointe vergessen:
der Mann lebt schon seit 10 Jahren in Japan.
Also: wo in Ihrem Gehirn?
Das Gehirn ist ja kein einheitlicher Schwamm. Da gibt es spezielle Regionen.
"Naja, Sprachzentrum" wird man jetzt sagen, und hat damit eigentlich wirklich gar nichts gesagt.
Okay, anders: wie wird eine Sprache denn in ihrem Gehirn abgebildet?
Als endlose Vokabel-Liste wie ein Telephonbuch? Benutzen Sie ihr Bewusstsein wenn Sie sprechen?
Also ich nicht.
Ich benutze meinen Mund.
3.) Tun:
Wenn Sie versuchen ihre neue Sprache in ihr Gedächtnis zu prügeln, dann ist das so wie wenn Sie ihr neues Regal im Garten aufbauen. Es ist schon irgendwie da, aber nicht da wo Sie's sinnvoll benutzen können weil viel zu weit weg von der Küche, und es wird auch recht böse von der Witterung angegriffen.
Ein besserer Ort ist da wo ihr Gehirn die Aktionen für ihren Körper produziert. Manchmal sagt man, dass Dinge "in Fleisch und Blut" übergehen, aber natürlich ist es immernoch das Gehirn das die Impulse sendet. Nur eben ein anderer Teil des Gehirns den wir bewusst nicht wahrnehmen.
Also: ihr Mund bewegt sich ohne dass Sie denken.
Damit er dann auch das sagt, was Sie sagen wollen (und in der Sprache in der Sie es sagen wollen) müssen Sie ihn trainiert haben. Also natürlich nicht wirklich die Muskeln im Mund, aber die Muster in ihrem Gehirn, die Worte produzieren.
Was ich sagen will:
Wenn Sie lernen, dann sagen Sie ihre Sätze laut auf!
Ja: reden Sie mal wieder ordentlich mit sich selbst.
Wenn ihnen das zu peinlich ist, dann flüstern Sie, oder bewegen Sie zumindest die Lippen.
In der Schule haben Sie das nicht gebraucht, weil ihr Lehrer Sie dazu gezwungen hat regelmäßig etwas zu sagen. Fragen Sie mal einen Lehrer (für Sprachen) was er von der Idee hält die Kinder stillschweigend den "Input" über sich ergehen zu lassen und nur im Kopf über das gelernte zu reflektieren. Absurd? Aber genau das ist die Gefahr wenn man die Schule verlässt und beim Lernen auf sich allein gestellt ist. Man guckt seine Vokabeln an und Glaubt jetzt Sprechen zu können.
Aber echter Fortschritt kommt nur, wenn ihr Gehirn lernt ihren Mund zu bewegen.
Also: fangen Sie an vor sich hin zu plappern.
Das hilft zwar nicht beim Hörverständnis, aber 50% ihrer Unterhaltung haben Sie damit schonmal abgedeckt. Und im Gegensatz zu echten Gesprächen die oft zu schnell sind oder nicht die Sätze oft genug wiederholen die Sie gerade lernen wollen, sind diese hier perfekt auf ihre Lernziele abgestimmt. Wen interessiert da noch, dass keiner zuhört?
Oh, und wo wir schon dabei sind: Vielleicht müssen Sie für ihre neue Sprache ja auch ein paar neue Zeichen lernen.
So um die 30 für Russisch.
Oder etwa 60 für Thai.
Oder ein paar tausend für Chinesisch.
Die werden Sie alle nicht lernen, bis Sie sie schreiben.
Selbst wenn man heute kaum noch mit der Hand schreibt: ihre Hand erinnert sich besser als ihr Gehirn.
Dazu folgende Anekdote:
Ein Freund fragt mich über ein Sandwich wie ich Schriftzeichen lerne. (Weil ich während dem Sandwich-essen nebenbei Schriftzeichen gelernt habe.)
Ich erkläre, dass man auf jeden Fall mit der Hand schreiben sollte, ohne dir Vorlage anzugucken, immer und immer wieder. Die Assoziation mit der Handbewegung hilft um sich die Details zu merken.
"Ach wirklich? Ich lerne immer nur durch anschauen.", wirft ein anderer selbstbewusst ein. Wirklich? Vielleicht bin ich ja nur lernbehindert, und andere Leute brauchen meine Tipps gar nicht.
Probieren wir das doch kurz aus. Ich zeige ihm das Wort, dass ich gerade lerne. "Umsatzabrechnung" steht da. Besteht aus den Schriftzeichen: Verlust + Gewinn + Messung + Rechnen + Schreiben.
Er schaut...
...
Kann er nicht lesen.
Welches davon kann er nicht lesen?
Er schaut nochmal...
...
Alle bis auf das Letzte.
Wirklich? Auch das in der Mitte nicht?
Nochmal schauen...
...
Nope.
Das benutzt man auch um "Uhr" zu schreiben... (ist ja ein "Zeit-Messer").
Aha. Soso.
...
Ich gebe auf.
Achso: ich hab' die Pointe vergessen:
der Mann lebt schon seit 10 Jahren in Japan.
Donnerstag, 30. April 2015
Sprechen lernen (2)
Ich kriege ja nie Leserbriefe oder Kommentare. Aber wenn ich welche kriegen würde, dann hätten sie sich über den letzten Eintrag beschwert, dass das ja Offensichtlich war:
zum lernen muss man regelmäßig Zeit investieren. Weiß ja jeder!
Okay: hier ist was das Sie noch wissen:
Hören Sie auf Vokabeln zu lernen.
Lernen Sie keine einzelne Vokabel.
Lernen Sie den ganzen Satz!
2.) Phrasen:
Haben Sie sich schonmal gefragt, wie Kinder ihre erste Sprache lernen? Die haben ja keine Übersetzung für die Worte ("Geheimnis" ist "gugu-gaga" auf Baby-isch).
Klar, für die ersten Worte wird einfach ein Bild gezeigt: das Grüne Ding ist ein "Baum", das süße Ding ein "Apfel", und zusammen ist das ein "Apfelbaum".
Aber das hört schnell auf, wenn die Worte abstrakte Konzepte darstellen. Wie soll man vermitteln, was "Geheimnis" oder "Sprache" bedeuten? Naja, man erklärt's halt. Also: mit anderen Worten.
Und da liegt schon der Hund begraben: die meisten Worte existieren überhaupt nur durch ihren Zusammenhang zu anderen Worten. Denn das ist, was Sprache eigentlich ist. Wenn sie Vokabeln lernen, sprechen sie immer noch Deutsch, nur mit anderen Worte. Die andere Art zu denken, die andere Art sich auszudrücken der anderen Sprache geht komplett verloren.
Also hilft es neue Vokabeln nur im Zusammenhang mit anderen Vokabeln zu lernen. Nicht in der Wörterbuch-Definition sondern in der tatsächlichen Verwendung Form von Beispielsätzen.
Das ist ziemlich hart, und vor allem am Anfang ungewohnt, bringt aber schnell eine ganze Vorteile:
Geschwindigkeit:
Hatten sie schonmal das Gefühl, dass sie alle Worte kennen, die sie in einem Dialog hören (oder sagen wollen) aber einfach alles zu schnell geht? Wenn Sie Vokabeln als Übersetzungen für Worte in ihrer Muttersprache gelernt haben, dann ist ihr Gehirn darauf getrimmt die Worte isoliert zu übersetzen und dann einen Sinn aus dem Satz bilden zu wollen.
Das ist reichlich langsam. So werden Sie da nie rechtzeitig fertig.
Stattdessen sollten schon ganze Teilstücke für Sätze bereit liegen, und zwar möglichst nahe bei anderen Teilstücken die Sie wahrscheinlich gleich noch brauchen können.
Ihr Zuhörer weiß nicht, ob Sie den Satz gerade aus einzelnen Worten zusammengebaut oder vorher einfach auswendig gelernt haben, noch weiß er wie viele Sätze Sie sonst noch so können. Sie können also in ein paar Tagen lernen flüssig wie ein Muttersprachler zu sprechen.... aber halt nur für 10 Sekunden.
Die (traurige) Wahrheit ist: darauf kommt es an! Leute hören nicht gerne Gestotter und wenn ihre ersten 10 Sekunden die Sie jemanden auf der Straße nach dem Weg fragen nicht den Eindruck vermitteln, dass Sie die Antwort verstehen würden, werden sich viele Passanten ganz schnell entschuldigen. Klingt hart. Hab ich auch auf die harte Tour gelernt. Selbst wenn Sie nur 10 Sekunden sprechen können, können ihnen diese 10 Sekunden viele Türen öffnen, wenn Sie fließend Vorgetragen werden.
Verwendung:Haben Sie sich mal gefragt was der Unterschied zwischen "essen", "fressen", "speisen" und "Nahrungsaufnahme" ist? Bedeutet alles dasselbe, oder? Man verwendet sie aber in unterschiedlichen Situationen. Peinlich, wenn man Tante Agathe sagt, sie solle noch ein Stück Kuchen fressen.
Aber auch für den "übertragenen Sinn" von Worten ist es wichtig, denn ob es diesen "Übertragenen Sinn" auch in der Fremdsprache gibt ist nicht sicher. Sie könnten jemanden "zum fressen gern haben", aber in welchen Sprachen der Welt können Sie ihrem Gspusi dass auch mit "fressen" sagen ohne mit dem Kannibalen von Rotenburg verwechselt zu werden? (Hahaha, haben Sie gedacht mit ihrer weißen Hautfarbe wären Sie über jeden Verdacht erhaben?!)
Also: wenn Sie ganze Beispielsätze lernen, lernen Sie die möglichen Einsatzgebiete für das neue Wort gleich mit. Was auch immer Unterhaltsam ist zu sehen auf welche Ideen andere Völker gekommen sind, um ihren Gspusi wissen zu lassen was in ihnen vorgeht...
Grammatik und Redewendungen:
Wenn sie Deutsch sprechen, denken Sie dann auch oft über den Dativ und den Akkusativ nach und ob das Verb jetzt in den Futur muss? Nein? Dafür beherrschen Sie deutsche Grammatik aber ziemlich gut. Vermutlich haben Sie's einfach im Gespür? Sprich: nachdem Sie einen Satzbau oft genug gehört haben, verstehen Sie die Bedeutung, ohne die Regeln zu kennen. Sie reproduzieren einfach dasselbe Muster mit anderen Worten.
Da wollen Sie auch hin wenn sie eine Fremdsprache lernen: weg von den Regeln und hin zum "Gespür". Erstens ist "Bewusst-die-Regeln-anwenden" einfach zu langsam um flüssig Sprechen zu können und zweitens lässt sich nicht jede Phrase und jede Redewendung in die Regeln der Grammatik pressen.
Erinnerung:
Ein beliebter Tipp um sich etwas zu merken ist ja, es mit einem geistigen Bild oder Slogan zu verbinden. Wenn Sie einen ganzen Satz lernen der eine Situation beschreibt, haben Sie diesen Positiven Effekt automatisch. Es macht auch viel mehr Spaß, wenn die Sätze lustige Situationen beschreiben oder Sie an eine Situation erinnern, wo das jemand gesagt hat.
Wenn dann mal ein "Wort auf der Zunge liegt" - Sie also genau wissen, dass Sie's wissen und wo Sie's gelernt haben - dann spucken Sie einfach den ganzen Beispiel-Satz aus, mit dem Sie das Wort gelernt haben.
Kontext:
Japanisch ist ja die Königin der Homophone. Aber auch anderen Sprachen kann die Bedeutung von Worten stark vom Kontext abhängen. Eine das "reizende" an einer Dame mit einer stark "reizenden" Flüssigkeit zu verwechseln kann zu Missverständnissen führen.
Sie wollen wirklich nicht alle Laute auf alle möglichen Interpretationen hin durchprobieren was in diesem Zusammenhang Sinn ergibt, oder? Sie wollen, dass ihr Gehirn "voreingestellt" ist, und nur genau Interpretation durchkommt, die im Zusammenhand zu den ganzen anderen Worten die Sie gerade gehört haben Sinn macht.
Sprich: Sie wollen sich in bestimmen Situationen (außerhalb des Kontextes) eben gerade nicht erinnern welche Bedeutungen so eine Folge auf Lauten auch haben könnte.
Besser also wenn ihr ganzes Vokabular schon Kontext-Gebunden ist.
So, jetzt hab ich einen langen Text verfasst, warum es besser ist Sprachen in ganzen Sätzen zu lernen, aber kein Wort darüber verloren wie man das machen soll.
Hier a kurze Liste:
zum lernen muss man regelmäßig Zeit investieren. Weiß ja jeder!
Okay: hier ist was das Sie noch wissen:
Hören Sie auf Vokabeln zu lernen.
Lernen Sie keine einzelne Vokabel.
Lernen Sie den ganzen Satz!
2.) Phrasen:
Haben Sie sich schonmal gefragt, wie Kinder ihre erste Sprache lernen? Die haben ja keine Übersetzung für die Worte ("Geheimnis" ist "gugu-gaga" auf Baby-isch).
Klar, für die ersten Worte wird einfach ein Bild gezeigt: das Grüne Ding ist ein "Baum", das süße Ding ein "Apfel", und zusammen ist das ein "Apfelbaum".
Aber das hört schnell auf, wenn die Worte abstrakte Konzepte darstellen. Wie soll man vermitteln, was "Geheimnis" oder "Sprache" bedeuten? Naja, man erklärt's halt. Also: mit anderen Worten.
Und da liegt schon der Hund begraben: die meisten Worte existieren überhaupt nur durch ihren Zusammenhang zu anderen Worten. Denn das ist, was Sprache eigentlich ist. Wenn sie Vokabeln lernen, sprechen sie immer noch Deutsch, nur mit anderen Worte. Die andere Art zu denken, die andere Art sich auszudrücken der anderen Sprache geht komplett verloren.
Also hilft es neue Vokabeln nur im Zusammenhang mit anderen Vokabeln zu lernen. Nicht in der Wörterbuch-Definition sondern in der tatsächlichen Verwendung Form von Beispielsätzen.
Das ist ziemlich hart, und vor allem am Anfang ungewohnt, bringt aber schnell eine ganze Vorteile:
Geschwindigkeit:
Hatten sie schonmal das Gefühl, dass sie alle Worte kennen, die sie in einem Dialog hören (oder sagen wollen) aber einfach alles zu schnell geht? Wenn Sie Vokabeln als Übersetzungen für Worte in ihrer Muttersprache gelernt haben, dann ist ihr Gehirn darauf getrimmt die Worte isoliert zu übersetzen und dann einen Sinn aus dem Satz bilden zu wollen.
Das ist reichlich langsam. So werden Sie da nie rechtzeitig fertig.
Stattdessen sollten schon ganze Teilstücke für Sätze bereit liegen, und zwar möglichst nahe bei anderen Teilstücken die Sie wahrscheinlich gleich noch brauchen können.
Ihr Zuhörer weiß nicht, ob Sie den Satz gerade aus einzelnen Worten zusammengebaut oder vorher einfach auswendig gelernt haben, noch weiß er wie viele Sätze Sie sonst noch so können. Sie können also in ein paar Tagen lernen flüssig wie ein Muttersprachler zu sprechen.... aber halt nur für 10 Sekunden.
Die (traurige) Wahrheit ist: darauf kommt es an! Leute hören nicht gerne Gestotter und wenn ihre ersten 10 Sekunden die Sie jemanden auf der Straße nach dem Weg fragen nicht den Eindruck vermitteln, dass Sie die Antwort verstehen würden, werden sich viele Passanten ganz schnell entschuldigen. Klingt hart. Hab ich auch auf die harte Tour gelernt. Selbst wenn Sie nur 10 Sekunden sprechen können, können ihnen diese 10 Sekunden viele Türen öffnen, wenn Sie fließend Vorgetragen werden.
Verwendung:Haben Sie sich mal gefragt was der Unterschied zwischen "essen", "fressen", "speisen" und "Nahrungsaufnahme" ist? Bedeutet alles dasselbe, oder? Man verwendet sie aber in unterschiedlichen Situationen. Peinlich, wenn man Tante Agathe sagt, sie solle noch ein Stück Kuchen fressen.
Aber auch für den "übertragenen Sinn" von Worten ist es wichtig, denn ob es diesen "Übertragenen Sinn" auch in der Fremdsprache gibt ist nicht sicher. Sie könnten jemanden "zum fressen gern haben", aber in welchen Sprachen der Welt können Sie ihrem Gspusi dass auch mit "fressen" sagen ohne mit dem Kannibalen von Rotenburg verwechselt zu werden? (Hahaha, haben Sie gedacht mit ihrer weißen Hautfarbe wären Sie über jeden Verdacht erhaben?!)
Also: wenn Sie ganze Beispielsätze lernen, lernen Sie die möglichen Einsatzgebiete für das neue Wort gleich mit. Was auch immer Unterhaltsam ist zu sehen auf welche Ideen andere Völker gekommen sind, um ihren Gspusi wissen zu lassen was in ihnen vorgeht...
Grammatik und Redewendungen:
Wenn sie Deutsch sprechen, denken Sie dann auch oft über den Dativ und den Akkusativ nach und ob das Verb jetzt in den Futur muss? Nein? Dafür beherrschen Sie deutsche Grammatik aber ziemlich gut. Vermutlich haben Sie's einfach im Gespür? Sprich: nachdem Sie einen Satzbau oft genug gehört haben, verstehen Sie die Bedeutung, ohne die Regeln zu kennen. Sie reproduzieren einfach dasselbe Muster mit anderen Worten.
Da wollen Sie auch hin wenn sie eine Fremdsprache lernen: weg von den Regeln und hin zum "Gespür". Erstens ist "Bewusst-die-Regeln-anwenden" einfach zu langsam um flüssig Sprechen zu können und zweitens lässt sich nicht jede Phrase und jede Redewendung in die Regeln der Grammatik pressen.
Erinnerung:
Ein beliebter Tipp um sich etwas zu merken ist ja, es mit einem geistigen Bild oder Slogan zu verbinden. Wenn Sie einen ganzen Satz lernen der eine Situation beschreibt, haben Sie diesen Positiven Effekt automatisch. Es macht auch viel mehr Spaß, wenn die Sätze lustige Situationen beschreiben oder Sie an eine Situation erinnern, wo das jemand gesagt hat.
Wenn dann mal ein "Wort auf der Zunge liegt" - Sie also genau wissen, dass Sie's wissen und wo Sie's gelernt haben - dann spucken Sie einfach den ganzen Beispiel-Satz aus, mit dem Sie das Wort gelernt haben.
Kontext:
Japanisch ist ja die Königin der Homophone. Aber auch anderen Sprachen kann die Bedeutung von Worten stark vom Kontext abhängen. Eine das "reizende" an einer Dame mit einer stark "reizenden" Flüssigkeit zu verwechseln kann zu Missverständnissen führen.
Sie wollen wirklich nicht alle Laute auf alle möglichen Interpretationen hin durchprobieren was in diesem Zusammenhang Sinn ergibt, oder? Sie wollen, dass ihr Gehirn "voreingestellt" ist, und nur genau Interpretation durchkommt, die im Zusammenhand zu den ganzen anderen Worten die Sie gerade gehört haben Sinn macht.
Sprich: Sie wollen sich in bestimmen Situationen (außerhalb des Kontextes) eben gerade nicht erinnern welche Bedeutungen so eine Folge auf Lauten auch haben könnte.
Besser also wenn ihr ganzes Vokabular schon Kontext-Gebunden ist.
So, jetzt hab ich einen langen Text verfasst, warum es besser ist Sprachen in ganzen Sätzen zu lernen, aber kein Wort darüber verloren wie man das machen soll.
Hier a kurze Liste:
- Statt der einzelnen Vokabel, packen Sie immer einen ganzen Satz auf ihre Vokabel-Karte (oder Software). Machen Sie die Übersetzungen ruhig primitiv und stichpunktartig oder "grammatikalisch falsch" um dem Satz in der Fremdsprache gerecht zu werden. Es reicht wenn Sie sich erinnern um welche Bedeutung es ging.
- Lernen Sie die Karten "vorwärts und rückwärts" also sowohl von Muttersprache zu Fremdsprache als auch umgekehrt.
- Markieren Sie das "Zielwort" (wenn es denn eines gibt) durch Farbe oder Unterstreichen. Das wirkt ein bisschen wie ein Anker um das Ding in ihr Gehirn zu kriegen. Und wenn Sie erstmal ein paar Tausend Sätze beisammen haben ist es hilfreich sich zu erinnern, welches Wort sie da mal lernen wollten. Wenn Sie nicht wollen brauchen Sie aber auch gar kein "Zielwort".
- Beispielsätze mit (korrekten) Übersetzungen zu finden ist manchmal Schwierig. Webseiten wie tatoeba.org helfen da sehr weiter. Dort findet man Sätze für fast alle Sprachen der Welt.
- Die Zeit-Regel aus dem letzten Artikel gilt natürlich auch hier.
Sonntag, 26. April 2015
Sprechen lernen (1)
Das hat ja mal lange gedauert...
Ursprünglich wollte ich hier mein gemoser rauslassen über meine meist gefürchtete Frage:
"Kannst du denn jetzt Japanisch?!"
Aber dann ist mir aufgefallen, dass er wirklich tot-uninteressant ist was ich jetzt verstehen kann und was nicht.
Hier die Zusammenfassung: "Sprache können" ist keine ja/nein Frage, hängt stark vom Kontext ab (Alltag, Bürokratie, spezielle Interessen, ...) und selbst Muttersprachler haben nur einen begrenzten Wortschatz (oft im Zusammenhang mit Hintergrund/Bildungsniveau) und halten sich nicht an die linguistischen Regeln.
Sie können also ganz schnell lernen eine Sprache "besser" als die Einheimischen zu sprechen, werden dann aber immer noch kein Wort verstehen.
So, nachdem ich alles was ich zu dem Thema zu sagen habe in einen einzigen Absatz komprimiert habe, kann ich zu dem Thema kommen, dass ich viel interessanter finde:
Wie lernt man denn am besten eine Sprache?
Ich persönlich bin sprachlich komplett unbegabt. Tatsächlich beginnt die Geschichte, warum ich Japanisch gelernt habe damit, dass ich in Französisch versagt habe (aber das verzähl' ich a anders mal). Also grausige Startvoraussetzungen.
Deswegen habe ich immer großes Interesse daran das ganze zu vereinfachen und effizienter zu lernen.
Also schreibe ich jetzt hier mal meine Sammlung an Tipps auf.
Vielleicht wollen Sie ja noch eine neue Sprache lernen...
1.) Zeit:
Das Gehirn hat eine ganz tolle Funktion: es kann vergessen.
Es kann nicht nur, es arbeitet aktiv an der Entsorgung aller Erinnerungen.
Wie ein Elternteil, der gnadenlos ihr Dachzimmer ausmistet und alles weg wirft was Sie in letzter Zeit nicht mehr getragen haben. VERDAMMT, DAS WOLLTE ICH NOCHMAL ANZIEHEN!
Warum erzähle ich das?
... hab ich vergessen, haha *tuschhh*. Ach ne! Jetzt kommt der Tipp:
Weil lernen nichts anderes ist als "nicht vergessen".
Deswegen ist das Timing entscheidend!
Sie können jedes Wort in einer Sekunde lernen. Das ist nicht das Problem.
Beispiel gefällig? "Lernen" heißt "benkyo" auf Japanisch. Kapiert?
Die Frage ist nur ob Sie's behalten können, weil: ihr Gehirn will's nicht.
Was hieß "Lernen" gleich nochmal? Gut! noch da!
So könnten sie also in einer Stunde rund 3600 Vokabeln lernen.
Doch schon nach ein paar Sekunden versucht ihr Gehirn gleich wieder jedes Wort sofort wieder weg zu werfen. Also müssen Sie's vorher wiederholt haben. Was hieß "Lernen" gleich nochmal....?
Das hält dann vielleicht so eine Minute. Dann kommt ihr Gehirn wieder vorbei. Wehe sie haben's bis dann nicht wiederholt. Und mit wiederholen meine ich nicht: nochmal lesen und passiv verstehen, sondern aktiv ohne Nachschauen aus Ihrem Gedächtnis reproduzieren. Was heißt "Lernen"?! Ah, das hat ihnen wieder eine Minute gekauft!
Das geht immer so weiter: aus der einen Minute werden zwei, dann fünf, dann 10, 30, eine Stunde, ein Tag, zwei Tage, eine Woche, ein Monat, ein halbes Jahr...
Wann hört's auf?
Nie.
Wenn Sie schonmal die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen ein Wort "auf der Zunge" lag, aber Sie sich einfach nicht erinnern konnten, wissen Sie dass ihr Gehirn selbst vor ihrer Muttersprache nicht halt macht.
Wenn also sie heute aufhören würden Deutsch zu sprechen, würde ihr Gehirn schon Morgen mit dem Ausmisten anfangen, angefangen mit den Worten die sie am wenigsten benutzt haben.
Netter weise wird die Erinnerung nicht auf einen Schlag komplett weggeworfen. "Erneut-lernen" ist also weniger aufwändig als das erste mal etwas neues zu lernen.
Zumindest für einige Zeit. Aber das hilft ja nicht wenn Sie nicht rechtzeitig wiederholen.
Und irgendwann ist alles Weg.
Genau so wie das Japanische Wort für "Lernen" jetzt weg ist...
Das heißt also, dass Sie nur dann eine Chance haben die Sprache zu lernen, wenn sie regelmäßig üben.
Regelmäßig heißt: jeden Tag, über den Tag verteilt: Morgens, Mittags, Abends, ...
Wenn Sie nur Abends lernen, Morgens aber nicht wiederholen, dann sind viele Worte bis zum Abend schon wieder weg. Etwas wird natürlich immer hängen bleiben, aber viel ihrer Mühen (und Lernzeit) sind dann verschwendet.
Also nutzen Sie Ihren Weg zur Arbeit und zurück, sowie ihre Pinkel-Pausen zum lernen. Haben Sie immer Kartei-Karten oder ihr SmartPhone dabei und nutzen Sie kleine Pausen.
Wie viel Zeit ist genug?
Tja, zwar werden die Vokabeln zum wiederholen immer mehr, aber die Zeitabstände für jede Vokabel immer länger je länger Sie lernen.
Als Faustregel hat sich bei mir aber eine Stunde pro Tag durchgesetzt. Das sind etwa 1/3 aus dem "das lerne ich gerade zum ersten mal" Stapel, 1/3 aus "wird wiederholt" und 1/3 aus "hab ich früher mal gelernt, darf ich aber nicht vergessen".
Ist natürlich einfacher gesagt als getan. Wie schafft man dass sich jeden Tag zu einer ganzen Stunde büffeln zu motivieren?
Konfuzius sagt: "Kenne deine Schwächen und lasse sie für dich arbeiten."
Max sagt: "Wenn du ein Argument bringen willst, behaupte einfach Konfuzius hätte irgendsowas gesagt, dann hinterfragt dich keiner." (Und ehrlich, der Typ hat so viel gesagt...)
Außerdem ist der Max ein verklemmter Pedant, an der Grenze zum Autismus.
Auch hat der eine Japanisch-Lern-Software, die Statistiken über der verbrachte Zeit anzeigen kann.
Das ist ganz furchtbar, denn wenn man erstmal angefangen hat da ganz geordnete "eine-Stunde"-Balken aufzureihen (eins für Montag, eins für Dienstag...), ertrage ich die Lücke eines verpassten Tages nicht mehr.
Wenn Sie also wissen, was ihr Gehirn überhaupt nicht ab kann, benutzen Sie's um sich zum regelmäßigen Lernen zu zwingen.
Ich bin dann mal weg.... meinen Balken für Heute auffüllen....
Ursprünglich wollte ich hier mein gemoser rauslassen über meine meist gefürchtete Frage:
"Kannst du denn jetzt Japanisch?!"
Aber dann ist mir aufgefallen, dass er wirklich tot-uninteressant ist was ich jetzt verstehen kann und was nicht.
Hier die Zusammenfassung: "Sprache können" ist keine ja/nein Frage, hängt stark vom Kontext ab (Alltag, Bürokratie, spezielle Interessen, ...) und selbst Muttersprachler haben nur einen begrenzten Wortschatz (oft im Zusammenhang mit Hintergrund/Bildungsniveau) und halten sich nicht an die linguistischen Regeln.
Sie können also ganz schnell lernen eine Sprache "besser" als die Einheimischen zu sprechen, werden dann aber immer noch kein Wort verstehen.
So, nachdem ich alles was ich zu dem Thema zu sagen habe in einen einzigen Absatz komprimiert habe, kann ich zu dem Thema kommen, dass ich viel interessanter finde:
Wie lernt man denn am besten eine Sprache?
Ich persönlich bin sprachlich komplett unbegabt. Tatsächlich beginnt die Geschichte, warum ich Japanisch gelernt habe damit, dass ich in Französisch versagt habe (aber das verzähl' ich a anders mal). Also grausige Startvoraussetzungen.
Deswegen habe ich immer großes Interesse daran das ganze zu vereinfachen und effizienter zu lernen.
Also schreibe ich jetzt hier mal meine Sammlung an Tipps auf.
Vielleicht wollen Sie ja noch eine neue Sprache lernen...
1.) Zeit:
Das Gehirn hat eine ganz tolle Funktion: es kann vergessen.
Es kann nicht nur, es arbeitet aktiv an der Entsorgung aller Erinnerungen.
Wie ein Elternteil, der gnadenlos ihr Dachzimmer ausmistet und alles weg wirft was Sie in letzter Zeit nicht mehr getragen haben. VERDAMMT, DAS WOLLTE ICH NOCHMAL ANZIEHEN!
Warum erzähle ich das?
... hab ich vergessen, haha *tuschhh*. Ach ne! Jetzt kommt der Tipp:
Weil lernen nichts anderes ist als "nicht vergessen".
Deswegen ist das Timing entscheidend!
Sie können jedes Wort in einer Sekunde lernen. Das ist nicht das Problem.
Beispiel gefällig? "Lernen" heißt "benkyo" auf Japanisch. Kapiert?
Die Frage ist nur ob Sie's behalten können, weil: ihr Gehirn will's nicht.
Was hieß "Lernen" gleich nochmal? Gut! noch da!
So könnten sie also in einer Stunde rund 3600 Vokabeln lernen.
Doch schon nach ein paar Sekunden versucht ihr Gehirn gleich wieder jedes Wort sofort wieder weg zu werfen. Also müssen Sie's vorher wiederholt haben. Was hieß "Lernen" gleich nochmal....?
Das hält dann vielleicht so eine Minute. Dann kommt ihr Gehirn wieder vorbei. Wehe sie haben's bis dann nicht wiederholt. Und mit wiederholen meine ich nicht: nochmal lesen und passiv verstehen, sondern aktiv ohne Nachschauen aus Ihrem Gedächtnis reproduzieren. Was heißt "Lernen"?! Ah, das hat ihnen wieder eine Minute gekauft!
Das geht immer so weiter: aus der einen Minute werden zwei, dann fünf, dann 10, 30, eine Stunde, ein Tag, zwei Tage, eine Woche, ein Monat, ein halbes Jahr...
Wann hört's auf?
Nie.
Wenn Sie schonmal die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen ein Wort "auf der Zunge" lag, aber Sie sich einfach nicht erinnern konnten, wissen Sie dass ihr Gehirn selbst vor ihrer Muttersprache nicht halt macht.
Wenn also sie heute aufhören würden Deutsch zu sprechen, würde ihr Gehirn schon Morgen mit dem Ausmisten anfangen, angefangen mit den Worten die sie am wenigsten benutzt haben.
Netter weise wird die Erinnerung nicht auf einen Schlag komplett weggeworfen. "Erneut-lernen" ist also weniger aufwändig als das erste mal etwas neues zu lernen.
Zumindest für einige Zeit. Aber das hilft ja nicht wenn Sie nicht rechtzeitig wiederholen.
Und irgendwann ist alles Weg.
Genau so wie das Japanische Wort für "Lernen" jetzt weg ist...
Das heißt also, dass Sie nur dann eine Chance haben die Sprache zu lernen, wenn sie regelmäßig üben.
Regelmäßig heißt: jeden Tag, über den Tag verteilt: Morgens, Mittags, Abends, ...
Wenn Sie nur Abends lernen, Morgens aber nicht wiederholen, dann sind viele Worte bis zum Abend schon wieder weg. Etwas wird natürlich immer hängen bleiben, aber viel ihrer Mühen (und Lernzeit) sind dann verschwendet.
Also nutzen Sie Ihren Weg zur Arbeit und zurück, sowie ihre Pinkel-Pausen zum lernen. Haben Sie immer Kartei-Karten oder ihr SmartPhone dabei und nutzen Sie kleine Pausen.
Wie viel Zeit ist genug?
Tja, zwar werden die Vokabeln zum wiederholen immer mehr, aber die Zeitabstände für jede Vokabel immer länger je länger Sie lernen.
Als Faustregel hat sich bei mir aber eine Stunde pro Tag durchgesetzt. Das sind etwa 1/3 aus dem "das lerne ich gerade zum ersten mal" Stapel, 1/3 aus "wird wiederholt" und 1/3 aus "hab ich früher mal gelernt, darf ich aber nicht vergessen".
Ist natürlich einfacher gesagt als getan. Wie schafft man dass sich jeden Tag zu einer ganzen Stunde büffeln zu motivieren?
Konfuzius sagt: "Kenne deine Schwächen und lasse sie für dich arbeiten."
Max sagt: "Wenn du ein Argument bringen willst, behaupte einfach Konfuzius hätte irgendsowas gesagt, dann hinterfragt dich keiner." (Und ehrlich, der Typ hat so viel gesagt...)
Außerdem ist der Max ein verklemmter Pedant, an der Grenze zum Autismus.
Auch hat der eine Japanisch-Lern-Software, die Statistiken über der verbrachte Zeit anzeigen kann.
Das ist ganz furchtbar, denn wenn man erstmal angefangen hat da ganz geordnete "eine-Stunde"-Balken aufzureihen (eins für Montag, eins für Dienstag...), ertrage ich die Lücke eines verpassten Tages nicht mehr.
Wenn Sie also wissen, was ihr Gehirn überhaupt nicht ab kann, benutzen Sie's um sich zum regelmäßigen Lernen zu zwingen.
Ich bin dann mal weg.... meinen Balken für Heute auffüllen....
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