Es gibt eine populäre Buchserie namens: "Nihonjin ga shiranai nihongo".
Zu Deutsch: "Japanisch, das Japaner nicht kennen."
Kernaussage: Japaner haben selbst von ihrer eigenen Sprache keine Ahnung.
Wenig überraschen für Deutsche, die bei Fragen nach Dativ, Genitiv und FuturII ganz schnell das Thema wechseln.
Doch tatsächlich haben überraschend viele Japaner überraschen wenig Kenntnis über Japan, obwohl sie ihr Leben lang da gelebt haben.
Das ist zwar nicht die Regel, aber dafür um so lustiger wenn es mal passiert.
Bei einer Grillparty behauptet ein Japaner steif und fest, mein Japanisch sei besser, als das japanisch junger Japaner heutzutage. Ich halte das für 10 schichten zu dick aufgetragenes Lob, da ich immer noch keine Comics lesen kann ohne das Wörterbuch zu bemühen.
Ein Jahr später häufen sich die Fälle in denen junge Japaner mich nicht verstehen. Kann passieren: mein Schulbuch-Japanisch ist manchmal etwas antiquiert. Daher bin ich meist eher peinlich berührt, wenn jemand meine Wortwahl nicht versteht: hab ich wider Mist aus dem letzten Jahrhundert gelernt.
Als ein junges Mädel (etwa 20) dann mein Wort für "Bestechung" nicht versteht, gehe ich lieber zur Vertrauens-Japanerin und lasse mein Vokabular überprüfen: "Doch, dass stimmt schon so."
In einem Moment der Erleuchtung sehe ich die ganze Situation nochmal vor mir, jetzt ganz klar:
> Ich schreibe gerade an einem wissenschaftlichen Paper...
> Ey, voll krass, Alta! Un des drukkn die dann?
> Klar, wenn ich herausfinde, wen ich dafür bestechen muss.
> Ey, watt issn "bestechen"?
> Uhmm....?
Das hat der Typ auf der Grillparty also gemeint...
Vor dem Tempel gebe ich den Touristenführer:
also beim Eintreten muss man sich rituell Reinigen. Dazu nimmt man diesen langen Löffel, soo das Wasser schöpfen, linke Hand, rechte Hand, ...
Hinter mir: kichern.
Zwei Schulmädchen schauen vergnügt.
"Hab ich was falsches Erklärt?"
"Haben wir noch nie gehört, das!"
Zwei Dutzend Tempel, Info-Tafeln und Reiseführer bin ich sicher:
(a) meine Erklärungen waren richtig, und
(b) die haben einfach keine Ahnung gehabt.
Die Uni bietet extra einen Kurs über Japanische Kultur an - natürlich auf Englisch, an uns Ausländer gerichtet. Das ist mehr Spaßveranstaltung als Büffeln, und tatsächlich höre ich in dem Kurs nichts, was ich nicht schon wo anders gehört habe... und manches was ich für arge Klischees halte.
Trotzdem: leicht verdienter Credit, nicht?
Das dachte sich wohl auch eine Japanerin, die sich da einfach mit rein gesetzt hat.
Clever, ein bisschen arg dreist, aber clever. Das sage ich ihr auch.
Sie kriegt aber gar keinen Credit, sagt sie mir. Sie ist da weil sie sich für Japanische Kultur interessiert.
Nochmal: das ist kein "wir-gehen-in-die-Wagner-Oper" Kulturverein, sondern eine "wir-gehen-mal-in-eine-Kirche-um-eine-Kirche-von-innen-gesehen-zu-haben" Selbsthilfegruppe.
Wir sitzen im Kreis und erzählen plaudern darüber, dass Japaner rohen Fisch essen.
Das Japanische Mädchen guckt aufmerksam.
Naja, immerhin ist sie motiviert etwas zu lernen... oder uns zu verarschen...
Wenn ich Päckchen in die Heimat schicke kommt oft die Frage zurück: "was zur Hölle ist den das?"
Und ich Antworte: "Ich habe keine Ahnung, aber man kann es essen! Zumindest esse ich es ab und zu und lebe noch."
Zwar stehen die Zutaten auf der Verpackung, aber wie man aus Reis einfach alles herstellen kann ist mir unbegreiflich.
Doch mittlerweile kann ich genügend Japanische Freunde fragen: "sag mal was ist das eigentlich?"
"Keine Ahnung."
Es irritiert sie nicht einmal, dass sie gar nicht wissen woraus (oder wie) ihr eigenes Essen gemacht wird.
Solange es gut schmeckt wird es Akzeptiert.
Ich falte einen Origami-Lotus und weil ich das japanische Wort für "Lotus" gerade nicht weiß, erzähle ich den Leuten zu erzählen, dass sein "Renkon". Renkon ist ein populäres Gemüse hier, um genau zu sein ist der der Samenbecher vom Lotus. Das weiß aber keiner.
Wir einigen uns darauf, dass ich "eine Blume" gefaltet habe. Das ist für alle Beteiligten am wenigsten peinlich.
Mittwoch, 23. April 2014
Mittwoch, 16. April 2014
Gibt's ja gar nicht!
Irgendwie habe ich doch einen Bildungsauftrag. Soll keiner sagen können: "jetzt kenne ich schon jemanden der in Japan lebt, und habe trotzdem keine Ahnung".
Und das erste was ich als selbsternannter Oberstudienrat mal machen möchte, ist die gängigen Klischees behandeln, die es so über Japan gibt.
Morgen gibt's dann die Stehgreifaufgabe "Gibt's das oder gibt's das nicht?"
Unterhöschen-Automaten
Ich glaube ja, irgendwo saß mal jemand in einer Werbeagentur (wo bekanntlich alle schrägen Ideen herkommen) und hat versucht aus alten Klischees ein paar neue, verrückte Klischees zu bauen.
Also: was gibts in Japan? Viele Automaten, wo man Zeug kaufen kann. Und komische Fetische.
BAZINNNG! Geboren war die Idee von den Fetisch-Automaten, an denen man getragene Damenunterwäsche kaufen kann.
Also habe ich mich auf die Suche gemacht! Ähh, AUF FORSCHUNGSREISE!
GIBT'S ABER NICHT!
Okay, am Ende meiner Odyssee habe ich tatsächlich einen Gefunden, irgendwo in einer schmuddeligen Gasse in einem schmuddeligen Stadtteil von Tokyo (Tokyo, wo man auch wirklich ALLES irgendwo findet). Und selbst DAS war noch ein transportables Modell, also nicht fest installiert, sondern einfach mal so vor den Laden gestellt.
Um das mal ganz allgemein zu sagen: ich habe in Japan sonst auch nicht viel gefunden, was ich in europäischen Sex-Shops nicht auch gefunden hätte.... auf meinen Forschungsreisen durch Europa....
Das einzig neue ist, dass die Porno Heftchen in Comic-Form gibt, und zwar in jedem Konbini (vergleiche: Tankstelle). Zumindest glaube ich, dass das Pornos sind... so von der Titelseite... die sich versehentlich in der Scheibe gespiegelt hat...
Yakuza
Ahh, die "japanische Mafia", Stoff unzähliger Mythen und Filme. Sonnenbrillen-tragende Anzug-Killer mit Drachen-Tatoos unter den Hemdsärmeln. Wo der Big Boss mit tiefem Kotau begrüßt werden muss, weil sonst: Finger ab! Aber in echt jetzt, gibt's doch gar nicht, oder?
DOCH GIBTS!
Zumindest in größeren Städten kann man durchaus welche sehen, und viele meiner Japanischen Freunde erzählen dass es gerade bei ihnen um die Ecke "so ein Haus gibt".
Da kommt dann die dicke schwarze Limousine vorgefahren und die ungemütlichen Anzugträger stehen sogleich Spalier. Mit tiefer Verneigung und lautem "Osu!" wird dann der Very Important Japaner empfangen. Passanten spielen für die Dauer der Prozedur lieber "Salzsäule" und stieren Löcher in die Luft.
Das beeindruckende ist also nicht, dass es hier organisierte Kriminalität gibt (wo gibt's die nicht?), sondern, dass sie hier so offen zelebriert wird. Da könnten die fast noch ein gutes Geschäft mit Touristen machen...
Verrückte Game-Shows
Erinnert sich noch jemand an Takeshi's Castle? Diese GameShow, wo die Teilnehmer über absurde Hindernis-Parcours geschickt wurden um dann.... okay, okay: erinnert sich jemand NICHT an Takeshi's Castle?
Sind solche schrägen Game-Shows denn die Regel hier?
NEIN, SIND SIE NICHT!
Leider.
Zwar gibt es natürlich Game-Shows, aber die sind meist nicht besonders verrückt. Da hat "Wetten-Dass?" mehr zu bieten.... gehabt...
Erinnert sich noch jemand an diese verrückte Deutsche Game-Show wo Leute aus Klopapier Brücken gebaut haben?
Wirklich komisches Zeug, dass man "Essen" nennt
Na gut, hier muss man halt fragen, was den der Gold-Standard für "Komisches Zeug" ist. Nachdem hier Seetang ein ganz alltägliches Nahrungsmittel ist, kann man schon "ja" sagen.
Aber legen wir die Messlatte mal jenseits von Sushi an... dann war's das auch schon.
Es stimmt zwar, dass man hier an allerhand essbare Merkwürdigkeiten kommt, nur spielen die in der täglichen Ernährung eine Ähnliche Rolle wie die Ochsenschwanzsuppe, die Froschschenkel, die Schnecken, ....
Ja, man kann Qualle essen. Schmeckt nach fast nichts, außer der Soße die man drauf tut.
Man kann Wal essen. Hab ich nicht probiert, aber meine Vorkoster lassen sagen: naja...also für so lausiges Essen braucht man echt keine Wale fangen.
Man kann Kugelfisch essen, am Herzinfarkt über die gesalzenen Preise sterben oder hoffen das einen das Gift davon ablenkt, dass das Ding auch nur nach Fisch schmeckt. (Auch hier verlasse ich mich auf meine Informanten).
Kurz: wir haben bessere Chancen, die Japaner zu schockieren als umgekehrt.
Erzählen sie einfach, dass wir Rehe und Hasen essen, und Tee aus Brennnesseln machen....
Und das erste was ich als selbsternannter Oberstudienrat mal machen möchte, ist die gängigen Klischees behandeln, die es so über Japan gibt.
Morgen gibt's dann die Stehgreifaufgabe "Gibt's das oder gibt's das nicht?"
Unterhöschen-Automaten
Ich glaube ja, irgendwo saß mal jemand in einer Werbeagentur (wo bekanntlich alle schrägen Ideen herkommen) und hat versucht aus alten Klischees ein paar neue, verrückte Klischees zu bauen.
Also: was gibts in Japan? Viele Automaten, wo man Zeug kaufen kann. Und komische Fetische.
BAZINNNG! Geboren war die Idee von den Fetisch-Automaten, an denen man getragene Damenunterwäsche kaufen kann.
Also habe ich mich auf die Suche gemacht! Ähh, AUF FORSCHUNGSREISE!
GIBT'S ABER NICHT!
Okay, am Ende meiner Odyssee habe ich tatsächlich einen Gefunden, irgendwo in einer schmuddeligen Gasse in einem schmuddeligen Stadtteil von Tokyo (Tokyo, wo man auch wirklich ALLES irgendwo findet). Und selbst DAS war noch ein transportables Modell, also nicht fest installiert, sondern einfach mal so vor den Laden gestellt.
Um das mal ganz allgemein zu sagen: ich habe in Japan sonst auch nicht viel gefunden, was ich in europäischen Sex-Shops nicht auch gefunden hätte.... auf meinen Forschungsreisen durch Europa....
Das einzig neue ist, dass die Porno Heftchen in Comic-Form gibt, und zwar in jedem Konbini (vergleiche: Tankstelle). Zumindest glaube ich, dass das Pornos sind... so von der Titelseite... die sich versehentlich in der Scheibe gespiegelt hat...
Yakuza
Ahh, die "japanische Mafia", Stoff unzähliger Mythen und Filme. Sonnenbrillen-tragende Anzug-Killer mit Drachen-Tatoos unter den Hemdsärmeln. Wo der Big Boss mit tiefem Kotau begrüßt werden muss, weil sonst: Finger ab! Aber in echt jetzt, gibt's doch gar nicht, oder?
DOCH GIBTS!
Zumindest in größeren Städten kann man durchaus welche sehen, und viele meiner Japanischen Freunde erzählen dass es gerade bei ihnen um die Ecke "so ein Haus gibt".
Da kommt dann die dicke schwarze Limousine vorgefahren und die ungemütlichen Anzugträger stehen sogleich Spalier. Mit tiefer Verneigung und lautem "Osu!" wird dann der Very Important Japaner empfangen. Passanten spielen für die Dauer der Prozedur lieber "Salzsäule" und stieren Löcher in die Luft.
Das beeindruckende ist also nicht, dass es hier organisierte Kriminalität gibt (wo gibt's die nicht?), sondern, dass sie hier so offen zelebriert wird. Da könnten die fast noch ein gutes Geschäft mit Touristen machen...
Verrückte Game-Shows
Erinnert sich noch jemand an Takeshi's Castle? Diese GameShow, wo die Teilnehmer über absurde Hindernis-Parcours geschickt wurden um dann.... okay, okay: erinnert sich jemand NICHT an Takeshi's Castle?
Sind solche schrägen Game-Shows denn die Regel hier?
NEIN, SIND SIE NICHT!
Leider.
Zwar gibt es natürlich Game-Shows, aber die sind meist nicht besonders verrückt. Da hat "Wetten-Dass?" mehr zu bieten.... gehabt...
Erinnert sich noch jemand an diese verrückte Deutsche Game-Show wo Leute aus Klopapier Brücken gebaut haben?
Wirklich komisches Zeug, dass man "Essen" nennt
Na gut, hier muss man halt fragen, was den der Gold-Standard für "Komisches Zeug" ist. Nachdem hier Seetang ein ganz alltägliches Nahrungsmittel ist, kann man schon "ja" sagen.
Aber legen wir die Messlatte mal jenseits von Sushi an... dann war's das auch schon.
Es stimmt zwar, dass man hier an allerhand essbare Merkwürdigkeiten kommt, nur spielen die in der täglichen Ernährung eine Ähnliche Rolle wie die Ochsenschwanzsuppe, die Froschschenkel, die Schnecken, ....
Ja, man kann Qualle essen. Schmeckt nach fast nichts, außer der Soße die man drauf tut.
Man kann Wal essen. Hab ich nicht probiert, aber meine Vorkoster lassen sagen: naja...also für so lausiges Essen braucht man echt keine Wale fangen.
Man kann Kugelfisch essen, am Herzinfarkt über die gesalzenen Preise sterben oder hoffen das einen das Gift davon ablenkt, dass das Ding auch nur nach Fisch schmeckt. (Auch hier verlasse ich mich auf meine Informanten).
Kurz: wir haben bessere Chancen, die Japaner zu schockieren als umgekehrt.
Erzählen sie einfach, dass wir Rehe und Hasen essen, und Tee aus Brennnesseln machen....
Sonntag, 30. März 2014
100Yen Science
Diesen Monat hab ich mir ja mal ziemlich Zeit gelassen etwas zu schreiben.
Das hatte einen guten Grund: ich habe lieber etwas anderes Geschrieben.
Nämlich eine Forschungsarbeit. Ich hab' also das Zeug das ich so mache mal in 10 Seiten gequetscht und stelle dass jetzt zum ersten mal der Fachwelt vor (wenn die es denn auch lesen).
Das war eher stressig. Also habe ich eigentlich sonst nichts gemacht, worüber ich so schreiben könnte.
Tja, Pech!
Schreib ich halt über die Forschung/Uni/was ich so mache wenn ich nicht versuche Spaß zu haben.
Das in unserer Uni Geld nicht zu knapp, aber etwas merkwürdig verteilt ist, habe ich ja hier (weiter unten) schon mal vertextet.
Schön konnte man das letztens wieder sehen als wir (=wir Studenten; weil: Studenten = billige Arbeitskräfte) das Experimentier-Zimmer ausmisten durften. (Aufmerksame Leser erinnern sich: im Japanischen gibt es keine Unterscheidung zwischen "dürfen" und "müssen").
"Experimentier-Zimmer" klingt so als ob da Experimente durchgeführt werden. Haha: Informatiker und Experimente. Nein nein, das ist eher so etwas wie eine Abstellkammer, in der man ab und zu alte Projekte wieder aufbaut um sie Besuchern zu zeigen.
Doch was da alles drin war, war uns nicht klar... bis wir's raus getragen haben.
Angefangen hat's mit mehreren hochauflösende Großformat-Displays. Die dicke Staubschicht juckt nicht nur in der Nase, sonder trifft die Studenten - die ihre Filme allesamt auf Laptop-Displays gucken muss - mitten ins Cineasten Herz.
Dann kam das elektrisches Klavier. Nein, kein Keyboard, ein großes Yamaha Klavier. Niemand im Labor kann Klavier spielen. Vermutlich hat ein Student mal für ein Projekt ein Klavier bestellt. Und bekommen. Und hat seinen Abschluss gemacht. Und ist dann gegangen. Wenigstens finden wir die richtigen Knöpfe, damit das Klavier sich nochmal selbst spielen kann, bevor wir's in den Aufzug verfrachten.
Nicht mehr entfernen konnten wir das Doppel-Projektor Dingen: zwei riesige Trümmer die eher aussehen wie Laser-Kanonen und sonst wohl nur auf Konzerten zum Einsatz kommen. Keiner weiß wie man sie in das Zimmer hinein gebracht hat. Nur, dass man sie jetzt nicht anschalten kann, weil der Raum zu klein ist um darin Projektoren dieses Kalibers zu betreiben. So bleibt dem Ding wenigstens das Schicksal erspart, dahin zu kommen wo der ganze Rest hin kommt: in eine noch abgelegenere Abstellkammer. Wo noch Platz ist.
Ja, man kann allerhand Zeug haben... wenn man Geduld hat oder gutes Timing. So: kurz vor Beginn des nächsten Fiskaljahres ist gut, wenn das überschüssige Budget abgestoßen werden muss.
Kurzfristig was ordern ist eher nicht drin. Am Anfang habe ich noch naiv mitten im Semester nach Draht gefragt - so für Elektronik-Gezeug. Hahahaha. Ich bin dann zu anderen Laboren betteln gegangen, bis mir ein Kommilitone endlich grinsend 20cm Draht in die Hand gedrückt hat.
Da habe ich gelernt: Uni-Geld ist groß und behäbig wie ein Container-Frachter.
Mein Geld ist schnell und wendig wie ein Jet-Ski. Also winzig. Meinen Lötkolben habe ich mir dann aus dem 100Yen Shop geholt. Okay, er hat nicht wirklich nur 100Yen gekostet, aber zu einem 4-Euro-Lötkolben sagt man nicht nein... wenn man sonst nichts hat.
Und so ist mein Arbeitsplatz zu einem Frankenstein-Monster aus Billig-Ramsch und exorbitantem High-Tech geworden. Mein Keyboard ist ein krattliges altes japanisches Teil, das häufig mal die Spracheinstellung am Rechner verstellt. Dann beschwert sich der Compiler, weil japanische Leerzeichen im Source-Code Pfui sind! Ich habe ein neues beantragt, mit englischem Layout, dazu neue Software. Kommt aber nicht.
Beim Plausch mit dem neuen Hilfs-Professor kommt das Thema auf.
Sein Kommentar dazu: "Vergessen Sie nicht, dass die Uni ihnen das beste Paper-Writing-Tool zur Verfügung stellt, dass man für Geld kaufen kann: mich!"
Da kann ich nicht argumentieren mit. Meine Autokorrektur-Software hat mir jedenfalls noch nie Seitenweise Verbesserungsvorschläge und Änderungswünsche erstellt... und so teuer wie er war sie auch nicht.
Andererseits weiß ich bis heute nicht ob er mein Traktat wirklich jemals ganz gelesen hat.
Aber um ganz sicher zu gehen dass wir auch in Zukunft ganz vorne mit dabei sind, hat er erstmal für ein paar hunderttausend Dollar neues Equipment geordert.
Ich geh mir mal nen Keyboard kaufen.
Das hatte einen guten Grund: ich habe lieber etwas anderes Geschrieben.
Nämlich eine Forschungsarbeit. Ich hab' also das Zeug das ich so mache mal in 10 Seiten gequetscht und stelle dass jetzt zum ersten mal der Fachwelt vor (wenn die es denn auch lesen).
Das war eher stressig. Also habe ich eigentlich sonst nichts gemacht, worüber ich so schreiben könnte.
Tja, Pech!
Schreib ich halt über die Forschung/Uni/was ich so mache wenn ich nicht versuche Spaß zu haben.
Das in unserer Uni Geld nicht zu knapp, aber etwas merkwürdig verteilt ist, habe ich ja hier (weiter unten) schon mal vertextet.
Schön konnte man das letztens wieder sehen als wir (=wir Studenten; weil: Studenten = billige Arbeitskräfte) das Experimentier-Zimmer ausmisten durften. (Aufmerksame Leser erinnern sich: im Japanischen gibt es keine Unterscheidung zwischen "dürfen" und "müssen").
"Experimentier-Zimmer" klingt so als ob da Experimente durchgeführt werden. Haha: Informatiker und Experimente. Nein nein, das ist eher so etwas wie eine Abstellkammer, in der man ab und zu alte Projekte wieder aufbaut um sie Besuchern zu zeigen.
Doch was da alles drin war, war uns nicht klar... bis wir's raus getragen haben.
Angefangen hat's mit mehreren hochauflösende Großformat-Displays. Die dicke Staubschicht juckt nicht nur in der Nase, sonder trifft die Studenten - die ihre Filme allesamt auf Laptop-Displays gucken muss - mitten ins Cineasten Herz.
Dann kam das elektrisches Klavier. Nein, kein Keyboard, ein großes Yamaha Klavier. Niemand im Labor kann Klavier spielen. Vermutlich hat ein Student mal für ein Projekt ein Klavier bestellt. Und bekommen. Und hat seinen Abschluss gemacht. Und ist dann gegangen. Wenigstens finden wir die richtigen Knöpfe, damit das Klavier sich nochmal selbst spielen kann, bevor wir's in den Aufzug verfrachten.
Nicht mehr entfernen konnten wir das Doppel-Projektor Dingen: zwei riesige Trümmer die eher aussehen wie Laser-Kanonen und sonst wohl nur auf Konzerten zum Einsatz kommen. Keiner weiß wie man sie in das Zimmer hinein gebracht hat. Nur, dass man sie jetzt nicht anschalten kann, weil der Raum zu klein ist um darin Projektoren dieses Kalibers zu betreiben. So bleibt dem Ding wenigstens das Schicksal erspart, dahin zu kommen wo der ganze Rest hin kommt: in eine noch abgelegenere Abstellkammer. Wo noch Platz ist.
Ja, man kann allerhand Zeug haben... wenn man Geduld hat oder gutes Timing. So: kurz vor Beginn des nächsten Fiskaljahres ist gut, wenn das überschüssige Budget abgestoßen werden muss.
Kurzfristig was ordern ist eher nicht drin. Am Anfang habe ich noch naiv mitten im Semester nach Draht gefragt - so für Elektronik-Gezeug. Hahahaha. Ich bin dann zu anderen Laboren betteln gegangen, bis mir ein Kommilitone endlich grinsend 20cm Draht in die Hand gedrückt hat.
Da habe ich gelernt: Uni-Geld ist groß und behäbig wie ein Container-Frachter.
Mein Geld ist schnell und wendig wie ein Jet-Ski. Also winzig. Meinen Lötkolben habe ich mir dann aus dem 100Yen Shop geholt. Okay, er hat nicht wirklich nur 100Yen gekostet, aber zu einem 4-Euro-Lötkolben sagt man nicht nein... wenn man sonst nichts hat.
Und so ist mein Arbeitsplatz zu einem Frankenstein-Monster aus Billig-Ramsch und exorbitantem High-Tech geworden. Mein Keyboard ist ein krattliges altes japanisches Teil, das häufig mal die Spracheinstellung am Rechner verstellt. Dann beschwert sich der Compiler, weil japanische Leerzeichen im Source-Code Pfui sind! Ich habe ein neues beantragt, mit englischem Layout, dazu neue Software. Kommt aber nicht.
Beim Plausch mit dem neuen Hilfs-Professor kommt das Thema auf.
Sein Kommentar dazu: "Vergessen Sie nicht, dass die Uni ihnen das beste Paper-Writing-Tool zur Verfügung stellt, dass man für Geld kaufen kann: mich!"
Da kann ich nicht argumentieren mit. Meine Autokorrektur-Software hat mir jedenfalls noch nie Seitenweise Verbesserungsvorschläge und Änderungswünsche erstellt... und so teuer wie er war sie auch nicht.
Andererseits weiß ich bis heute nicht ob er mein Traktat wirklich jemals ganz gelesen hat.
Aber um ganz sicher zu gehen dass wir auch in Zukunft ganz vorne mit dabei sind, hat er erstmal für ein paar hunderttausend Dollar neues Equipment geordert.
Ich geh mir mal nen Keyboard kaufen.
Sonntag, 9. März 2014
Kann man so sagen...
Letztens hab ich ja einen Beitrag darüber geschrieben, dass sich im Japanischen manche Sachen einfach nicht sagen lassen. Aber auch die Sachen, die man sagen könnte (so denn Vokabular und Grammatik vorhanden ist) kann man trotzdem meist so nicht sagen.
Also: man kann sie schon sagen, aber verstehen tun die Leute einen halt nicht.
So kann man zum Beispiel niemandem einen "Guten Appetit" wünschen. Schöne Feiertage kann man wünschen oder gleich ein ganzes Jahr voller Glück. Aber beim Essen empfängt jeder für sich. So läuft das hier: man kriegt Essen, sagt "ich empfange" (...dieses tolle Essen, das ich selber gekauft und gekocht habe...?) und dann fängt man an mit dem Essen. Isst man selbst nichts, muss man schweigen.
"Empfangen sie schön" geht überhaupt nicht.
Die Japaner haben ganz eigene Wege gefunden, Dinge auszudrücken, und dem muss man folgen.
Um so mehr überrascht bin ich, wenn ich Ausdrucksweisen finde, die tatsächlich genau so eins-zu-eins im Deutschen auftauchen.
Ob da eine gewisse universelle Wahrheit drin steckt?
Perlen vor die Säue:
Geben sie ihrem Hausschwein auch so gerne Schmuck? Die Amerikaner versuchen es ja lieber mit Lippenstift ("lipstick on a pig") um das grunzende Ungetüm etwas aufzuhübschen. Doch auch die Japaner schwören auf Perlenschmuck: Buta ni Shinju 豚に真珠, bedeutet wörtlich: Perlen für das Schweinderl, und genau das meint man auch. Aber damit nicht genug: die Japaner setzten noch einen drauf, und geben der Katz eine Goldmünze: Neko ni Koban (猫に小判). Bedeutet genau dasselbe.
Lustigerweise sind in der Japanischen Kultur ja diese "Winke-winke Katzen" (Maneki-Neko 招き猫) fest verwurzelt: das sind kleine Porzellan-Figuren von Katzen die mit der Pfote winken. Man stellt sie gern am Eingang von Geschäften auf, wo sie die Kundschaft herein-winken sollen. Und eben diese Winke-Katzen haben für gewöhnlich die andere Pfote fest auf einer Goldmünze...
Vielleicht müsste man das mit den Schweinen und den Perlen einfach mal wirklich ausprobieren.
Fäden ziehen:
Der fiese Drahtzieher im Hintergrund hat ja gerne die Fäden in der Hand (wie sind denn jetzt aus den Drähten plötzlich Fäden geworden?). Und da zieht er auch ganz fies dran 'rum - auch in Japan (Ito o hiku 糸を引く). Jetzt könnte man meinen: das kommt vom Puppenspiel, das ist einfach zu offensichtlich. Doch im Japanischen Puppenspiel: "Bunraku", gibt es gar keine Fäden. Die Glieder der Puppe sind an Stäben befestigt. Man müsste also die "Stäbchen drücken". Tut man aber nicht. Man zieht Fäden.
Wände haben Ohren:
Auf meiner Recherche für diesen Beitrag habe ich herausgefunden, dass der Begriff von den Ohren in den Wänden auf einen tatsächlichen Abhörskandal zurück geht, geschehen im 16. Jahrhundert zu Paris. Der Begriff wurde dann vom Französischen ins Deutsche übersetzt. Unwahrscheinlich, dass er viel weiter nach Osten gekommen ist, zu dieser Zeit. Und trotzen haben auch japanische Wände gerne Ohren. Und nicht nur das: diese Papier-Schiebetüren, "Schōji", haben Augen!
Kabe ni mimi ari, shōji ni me ari, 壁に耳あり障子に目あり.
Der zweite Teil ist historisch recht leicht zu verstehen: der Versuch mit einem Finger oder spitzen Gegenstand ein Guckloch ins Papier zu drücken ist wohl bekannt. Jetzt gucken sie nicht so! Wenn Sie mit dem Finger Löcher in die Wände ihres Nachbarn drücken könnten, würden sie auch der NSA Konkurrenz machen!
Wo kein Feuer, da kein Rauch:
Hier war's bei mir umgekehrt: ich habe im Japanischen eine Schöne Redensart gefunden, nach der an jedem Gerücht auch ein Stück Wahrheit dran hängt. Als Bewohner eines Dorf-Campus' bezweifle ich das zwar, aber ich konnte damit sehr gut Leute aufziehen, die plötzlich ohne ihr Wissen "verliebt", "verheiratet", "schwul" oder "plötzlich verstorben" waren.
Hi no nai tokoro kemuri wa tachinu, 火の無い所に煙は立たぬ, sag ich da nur.
Erst später habe ich herausgefunden dass man das im Deutschen ganz genau so sagt.
Ich war bis dahin davon ausgegangen, dass Deutsche Gerüchte einfach erstunken und erlogen sind.
Aber scheinbar braucht auch Deutscher Rauch ein Feuer, was mich verschiedene Dinge, die so über mich gesagt wurden, nochmal überdenken lässt....
Mist!
Also: man kann sie schon sagen, aber verstehen tun die Leute einen halt nicht.
So kann man zum Beispiel niemandem einen "Guten Appetit" wünschen. Schöne Feiertage kann man wünschen oder gleich ein ganzes Jahr voller Glück. Aber beim Essen empfängt jeder für sich. So läuft das hier: man kriegt Essen, sagt "ich empfange" (...dieses tolle Essen, das ich selber gekauft und gekocht habe...?) und dann fängt man an mit dem Essen. Isst man selbst nichts, muss man schweigen.
"Empfangen sie schön" geht überhaupt nicht.
Die Japaner haben ganz eigene Wege gefunden, Dinge auszudrücken, und dem muss man folgen.
Um so mehr überrascht bin ich, wenn ich Ausdrucksweisen finde, die tatsächlich genau so eins-zu-eins im Deutschen auftauchen.
Ob da eine gewisse universelle Wahrheit drin steckt?
Perlen vor die Säue:
Geben sie ihrem Hausschwein auch so gerne Schmuck? Die Amerikaner versuchen es ja lieber mit Lippenstift ("lipstick on a pig") um das grunzende Ungetüm etwas aufzuhübschen. Doch auch die Japaner schwören auf Perlenschmuck: Buta ni Shinju 豚に真珠, bedeutet wörtlich: Perlen für das Schweinderl, und genau das meint man auch. Aber damit nicht genug: die Japaner setzten noch einen drauf, und geben der Katz eine Goldmünze: Neko ni Koban (猫に小判). Bedeutet genau dasselbe.
Lustigerweise sind in der Japanischen Kultur ja diese "Winke-winke Katzen" (Maneki-Neko 招き猫) fest verwurzelt: das sind kleine Porzellan-Figuren von Katzen die mit der Pfote winken. Man stellt sie gern am Eingang von Geschäften auf, wo sie die Kundschaft herein-winken sollen. Und eben diese Winke-Katzen haben für gewöhnlich die andere Pfote fest auf einer Goldmünze...
Vielleicht müsste man das mit den Schweinen und den Perlen einfach mal wirklich ausprobieren.
Fäden ziehen:
Der fiese Drahtzieher im Hintergrund hat ja gerne die Fäden in der Hand (wie sind denn jetzt aus den Drähten plötzlich Fäden geworden?). Und da zieht er auch ganz fies dran 'rum - auch in Japan (Ito o hiku 糸を引く). Jetzt könnte man meinen: das kommt vom Puppenspiel, das ist einfach zu offensichtlich. Doch im Japanischen Puppenspiel: "Bunraku", gibt es gar keine Fäden. Die Glieder der Puppe sind an Stäben befestigt. Man müsste also die "Stäbchen drücken". Tut man aber nicht. Man zieht Fäden.
Wände haben Ohren:
Auf meiner Recherche für diesen Beitrag habe ich herausgefunden, dass der Begriff von den Ohren in den Wänden auf einen tatsächlichen Abhörskandal zurück geht, geschehen im 16. Jahrhundert zu Paris. Der Begriff wurde dann vom Französischen ins Deutsche übersetzt. Unwahrscheinlich, dass er viel weiter nach Osten gekommen ist, zu dieser Zeit. Und trotzen haben auch japanische Wände gerne Ohren. Und nicht nur das: diese Papier-Schiebetüren, "Schōji", haben Augen!
Kabe ni mimi ari, shōji ni me ari, 壁に耳あり障子に目あり.
Der zweite Teil ist historisch recht leicht zu verstehen: der Versuch mit einem Finger oder spitzen Gegenstand ein Guckloch ins Papier zu drücken ist wohl bekannt. Jetzt gucken sie nicht so! Wenn Sie mit dem Finger Löcher in die Wände ihres Nachbarn drücken könnten, würden sie auch der NSA Konkurrenz machen!
Wo kein Feuer, da kein Rauch:
Hier war's bei mir umgekehrt: ich habe im Japanischen eine Schöne Redensart gefunden, nach der an jedem Gerücht auch ein Stück Wahrheit dran hängt. Als Bewohner eines Dorf-Campus' bezweifle ich das zwar, aber ich konnte damit sehr gut Leute aufziehen, die plötzlich ohne ihr Wissen "verliebt", "verheiratet", "schwul" oder "plötzlich verstorben" waren.
Hi no nai tokoro kemuri wa tachinu, 火の無い所に煙は立たぬ, sag ich da nur.
Erst später habe ich herausgefunden dass man das im Deutschen ganz genau so sagt.
Ich war bis dahin davon ausgegangen, dass Deutsche Gerüchte einfach erstunken und erlogen sind.
Aber scheinbar braucht auch Deutscher Rauch ein Feuer, was mich verschiedene Dinge, die so über mich gesagt wurden, nochmal überdenken lässt....
Mist!
Samstag, 22. Februar 2014
Pan-Asiatisch
Reis.
So weit das Auge reicht: nichts als Reis.
Reisfelder überziehen die Landschaften.
Reissäcke, 10kg, im Supermarkt.
Reis unterm Essen, oder dazwischen.
Süßigkeiten aus Reismehl.
Wie so ziemlich jedes Ost-Asiatische Land hat Japan das Reiskorn zum Magenfüller #1 ernannt.
Im Mittelalter wurde sogar das Einkommen oder der Wert von Landstrichen in Reis berechnet.
und auch das Japanische Frühstück besteht aus: ....
Brot.
Okay, das stimmt so nicht: traditionell wird auch zum Frühstück Reis gegessen, gerne mit einem Stückchen Fisch und eingelegtem Gemüse.
Sie können sich schon vorstellen wie populär das heutzutage noch ist: morgens erstmal Reis kochen (viele Reis-Kocher haben dafür extra eine Wecker-Funktion eingebaut) und das dann mit Eingelegtem zu essen.
Daher wird auch hier das Brot zunehmend beliebt (schon seit geraumer Zeit sogar).
Aber wenn ich "Brot" sage, haha, glauben Sie bloß nicht, dass ich da "Brot" meine!
Nein nein! Wir reden hier von:
Pan!
Ja, genau! Pan!
Die franzosen wollten "le pain" einführen, doch es wurde "Pan".
Das hat in seiner Basis-Variante weniger Ähnlichkeit mit dem Baguette als mehr mit dem Amerikanischen Wonder-Bread: weich wie ein Schwamm und süß wie Kuchen.
Und auch sonst wären die Japaner nicht die Japaner wenn sie die Welt nicht mit ihrer ganz eigenen Misinterpretation fremder Kulturen beglücken würden.
Ein Abstecher durchs Land der aufgehenden Semmel...
AnPan:
Wenn Japaner etwas Süßes wollen, essen sie gerne diese roten Bohnen: "An".
Die sind eher batzig (weil sie ja mit Zucker eingematscht werden). Doch man kann sie in eine Semmel füllen und hat dann soetwas wie einen Krapfen:
das AnPan.
Das ist so populär bei Kindern, dass es sogar einen Zeichentrick-Helden dazu gibt: den AnPanMan.
Nein, ich denke mir das nicht aus. Fragen sie ihren nächstbesten Japaner: das ist die mit Abstand beliebteste Zeichentrick-Figur, und jedes Kind kennt den knuffigen Kerl mit dem AnPan-Gesicht, das man natürlich essen kann. (Einen essbaren Superhelden - sagen sie dass mal dem Mann aus Stahl!)
Hey: eine Zeichentrickfigur, basierdend auf Essen, die man essen kann? Das kann man doch bestimmt gut vermarkten. Richtig: wir sprechen hier von Brot, mit AnPanMan-Gesicht darauf: dem AnPanManPan! [sic!]
Und weil Kindern Schokolade ja eigentlich viel besser schmeckt als Bohnen, ist das AnPanManPan oft mit Schokolade statt mit An gefüllt.
Also nochmal:
AnPanManPan ist mit Schokolade gefülltes Brot, basierden auf einer Zeichentrickfigur, die auf Brot basiert, dass seinen Namen von der An-Bohnen Füllung hat.
Bleibt zu erwähnen, dass das rechtlich nicht immer ganz sauber ist, weil ja irgendwer die Rechte an der Figur hat, aber nicht am AnPan...
Melon-Pan:
Nummer2 in der Liste beliebter Süßigkeiten ist das Melonen-Brot.
Das hat genau gar nichts mit Melonen zu tun. Das ist einfach stark gezuckertes Brot - so stark gezuckert, dass es an der Oberfläche eine Pseudo-Kruste ergibt.
(Wie heißt "pökeln" mit Zucker?)
Warum heißt es dann Melonen-Brot? Wegen der Form!
Was hat eine Melone denn für eine besondere Form?
Naja, rund halt. AnPan ist auch Rund, aber es ist mehr kugelförmig-dick, und Melon-Pan eher flach.
Also sieht es eigentlich weniger wie eine Melone aus als das AnPan.
Aber die Farbe kommt etwas besser hin.
Natürlich gibt's das auch wieder in Schokolade, falls ihnen "keine Melone" nicht schmeckt.
Letztens habe ich gelesen, dass es jetzt sogar Melon-Pan mit Melonen-Geschmack geben soll.
Verrückt, oder?
YakiSoba-Pan:
Haben sie mal von Pizza Spaghetti gehört? Da haben sich so Leute mal überlegt: wenn man sich nicht zwischen Pizza und Pasta entscheiden kann, packt man die Pasta einfach oben auf den Pizzaboden und hat alle glücklich gemacht. (Außer die Italiener, die erst einen Herzanfall bekommen, um dann im Grabe rotieren zu können).
Hier gibt es das ähnliche Konzept: die beliebten YakiSoba-Nudeln werden in ein aufgeschnittenes Brötchen gelegt. Fragen sie mich nicht warum. Eigentlich passt das überhaupt nicht zusammen: die würzigen YakiSoba-Nudeln mit Fleisch-Stückchen im süß-weichen Schaumstoff-Brot.
Vielleicht einfach weil man YakiSoba so schlecht mit den Händen essen kann.
Jedenfalls ist es so beliebt, dass man es an jeder Ecke kaufen kann.
Das ist jetzt keine Übertreibung: wer mal hier war, kennt die Dichte an kleinen Conbini-Shops. Und jeder Conbini bietet YakiSoba-Pan an.
Also irgendwer scheint's gerne zu essen...
So weit das Auge reicht: nichts als Reis.
Reisfelder überziehen die Landschaften.
Reissäcke, 10kg, im Supermarkt.
Reis unterm Essen, oder dazwischen.
Süßigkeiten aus Reismehl.
Wie so ziemlich jedes Ost-Asiatische Land hat Japan das Reiskorn zum Magenfüller #1 ernannt.
Im Mittelalter wurde sogar das Einkommen oder der Wert von Landstrichen in Reis berechnet.
und auch das Japanische Frühstück besteht aus: ....
Brot.
Okay, das stimmt so nicht: traditionell wird auch zum Frühstück Reis gegessen, gerne mit einem Stückchen Fisch und eingelegtem Gemüse.
Sie können sich schon vorstellen wie populär das heutzutage noch ist: morgens erstmal Reis kochen (viele Reis-Kocher haben dafür extra eine Wecker-Funktion eingebaut) und das dann mit Eingelegtem zu essen.
Daher wird auch hier das Brot zunehmend beliebt (schon seit geraumer Zeit sogar).
Aber wenn ich "Brot" sage, haha, glauben Sie bloß nicht, dass ich da "Brot" meine!
Nein nein! Wir reden hier von:
Pan!
Ja, genau! Pan!
Die franzosen wollten "le pain" einführen, doch es wurde "Pan".
Das hat in seiner Basis-Variante weniger Ähnlichkeit mit dem Baguette als mehr mit dem Amerikanischen Wonder-Bread: weich wie ein Schwamm und süß wie Kuchen.
Und auch sonst wären die Japaner nicht die Japaner wenn sie die Welt nicht mit ihrer ganz eigenen Misinterpretation fremder Kulturen beglücken würden.
Ein Abstecher durchs Land der aufgehenden Semmel...
AnPan:
Wenn Japaner etwas Süßes wollen, essen sie gerne diese roten Bohnen: "An".
Die sind eher batzig (weil sie ja mit Zucker eingematscht werden). Doch man kann sie in eine Semmel füllen und hat dann soetwas wie einen Krapfen:
das AnPan.
Das ist so populär bei Kindern, dass es sogar einen Zeichentrick-Helden dazu gibt: den AnPanMan.
Nein, ich denke mir das nicht aus. Fragen sie ihren nächstbesten Japaner: das ist die mit Abstand beliebteste Zeichentrick-Figur, und jedes Kind kennt den knuffigen Kerl mit dem AnPan-Gesicht, das man natürlich essen kann. (Einen essbaren Superhelden - sagen sie dass mal dem Mann aus Stahl!)
Hey: eine Zeichentrickfigur, basierdend auf Essen, die man essen kann? Das kann man doch bestimmt gut vermarkten. Richtig: wir sprechen hier von Brot, mit AnPanMan-Gesicht darauf: dem AnPanManPan! [sic!]
Und weil Kindern Schokolade ja eigentlich viel besser schmeckt als Bohnen, ist das AnPanManPan oft mit Schokolade statt mit An gefüllt.
Also nochmal:
AnPanManPan ist mit Schokolade gefülltes Brot, basierden auf einer Zeichentrickfigur, die auf Brot basiert, dass seinen Namen von der An-Bohnen Füllung hat.
Bleibt zu erwähnen, dass das rechtlich nicht immer ganz sauber ist, weil ja irgendwer die Rechte an der Figur hat, aber nicht am AnPan...
Melon-Pan:
Nummer2 in der Liste beliebter Süßigkeiten ist das Melonen-Brot.
Das hat genau gar nichts mit Melonen zu tun. Das ist einfach stark gezuckertes Brot - so stark gezuckert, dass es an der Oberfläche eine Pseudo-Kruste ergibt.
(Wie heißt "pökeln" mit Zucker?)
Warum heißt es dann Melonen-Brot? Wegen der Form!
Was hat eine Melone denn für eine besondere Form?
Naja, rund halt. AnPan ist auch Rund, aber es ist mehr kugelförmig-dick, und Melon-Pan eher flach.
Also sieht es eigentlich weniger wie eine Melone aus als das AnPan.
Aber die Farbe kommt etwas besser hin.
Natürlich gibt's das auch wieder in Schokolade, falls ihnen "keine Melone" nicht schmeckt.
Letztens habe ich gelesen, dass es jetzt sogar Melon-Pan mit Melonen-Geschmack geben soll.
Verrückt, oder?
YakiSoba-Pan:
Haben sie mal von Pizza Spaghetti gehört? Da haben sich so Leute mal überlegt: wenn man sich nicht zwischen Pizza und Pasta entscheiden kann, packt man die Pasta einfach oben auf den Pizzaboden und hat alle glücklich gemacht. (Außer die Italiener, die erst einen Herzanfall bekommen, um dann im Grabe rotieren zu können).
Hier gibt es das ähnliche Konzept: die beliebten YakiSoba-Nudeln werden in ein aufgeschnittenes Brötchen gelegt. Fragen sie mich nicht warum. Eigentlich passt das überhaupt nicht zusammen: die würzigen YakiSoba-Nudeln mit Fleisch-Stückchen im süß-weichen Schaumstoff-Brot.
Vielleicht einfach weil man YakiSoba so schlecht mit den Händen essen kann.
Jedenfalls ist es so beliebt, dass man es an jeder Ecke kaufen kann.
Das ist jetzt keine Übertreibung: wer mal hier war, kennt die Dichte an kleinen Conbini-Shops. Und jeder Conbini bietet YakiSoba-Pan an.
Also irgendwer scheint's gerne zu essen...
Sonntag, 16. Februar 2014
Kein Problem
Ich schreibe hier ja immer über die großen und kleinen Probleme die ich so habe: mit der Sprache, mit den Leuten, mit dem Alltag.
Der Grund dafür ist ganz einfach: man kann leichter lustiges Zeug schreiben, wenn Dinge nicht glatt gehen. Dinge die gut laufen sind ein bisschen langweilig.
Um dem Eindruck: "es ist alles ganz furchtbar hier" entgegenzuwirken, jetzt mal eine Sammlung an Dingen mit denen es hier mal überhaupt keine Probleme gibt.
Diebstahl:
Seit einiger Zeit ist es hier Mode für Jungs, diese langen Geldbeutel zu verwenden, wie Kellner sie manchmal haben. Die sind etwa 25cm lang. Man(n) steckt sie dann in die Gesäßtasche. Die Gesäßtasche ist etwa 12cm tief. Sie sehen das Problem?
Eine solche Mode würde sich in den meisten Ländern der Welt selbst verbieten, einfach weil sie gar nicht so schnell neue Geldbeutel kaufen können wie die ihnen geklaut werden. (Also: zeitmäßig würde das schon klappen, aber ihnen fehlt ja jetzt das Geld um einen neuen Geldbeutel zu kaufen.
Aber nicht in Japan. Auch wenn immer wieder vor Taschendiebstahl gewarnt wird, wird so gut wie nichts geklaut. (außer Regenschirmen bei Regen).
Deswegen haben Japaner auch kein Problem damit alle Dinge mit Bargeld zu erledigen, sei es Miete, Autokauf oder sonst-noch-was. Neben jedem Geldautomaten gibt es einen Spender für diskrete Briefkuverts. Da nehmen sie sich einen und stecken nen Haufen Geld rein und zahlen so ihre Rechnungen. Wenn Ihnen komisch wird bei dem Gedanken ein paar tausend Euro in einem Briefkuvert in der Manteltasche mit sich herumzutragen sind Sie kein echter Japaner. Noch nicht.
Mann gewöhnt sich so schnell daran, dass es schon nicht mehr gut ist. An Halloween hat mein Kostüm keine Taschen. Also mache ich ein Bündelchen aus Geldbeutel, Schlüssel, Handy, lege das in eine Ecke der Bar und gehe mich amüsieren. Als ich wiederkomme ist das Bündel weg. Ich suche für etwa 20 Minuten. Es kommt mir die ganzen 20Minuten nicht in den Sinn, dass irgendjemand das Zeug geklaut haben könnte, also suche ich weiter. Ein Kellner sieht mich suchen, und nach ein paar unangenehm formulierten Fragen gibt er mir das Zeug wieder: er hatte es Sicherheitshalber eingesteckt und hält mir eine Standpauke, dass ich das nicht machen soll weil: (festhalten) "sind ja auch Ausländer hier"!
Er war übrigens selbst Ausländer, was die ganze Situation noch absurder gemacht hat.
Es beleibt anzumerken, dass es natürlich schon Diebstähle gibt, aber die Gefahr ist um ein vielfaches Geringer als... so ziemlich überall woanders.
Zugfahren:
Jaja, das Züge hier pünklich sind, auf den Meter genau an Bahnsteig-Markierungen halten und adrettes Personal am Bahnsteig aufpasst, dass keiner im Gleisbett rumklettert, das kennen wir alles schon. Aber eine ganz andere Sache wird oft vergessen: sie können überhaupt nicht versehentlich schwarz fahren oder das falsche Ticket kaufen.
Wenn Sie den Bahnhof betreten finden sie gleich eine große Karte mit dem Zugnetz. Und bei jeder Station steht gleich dabei wie viel es von hier nach dort kostet. Darunter sind auch gleich die Fahrkarten-Automaten, sie können also während dem Kauf nochmal nach gucken.
Das können sie auch gar nicht vergessen, weil sie ohne ein Ticket gar nicht durch das Ticket-Gate bis zum Bahnsteig kommen. Sie können auch nicht das falsche Ticket gekauft haben, weil sie mit dem falschen Ticket am Zielbahnhof nicht mehr durch das Ticket-Gate hinaus kommen. Für solche fälle finden sich im Bahnhof "Fare-Adjustment" Automaten, an denen sie nach-zahlen können.
Das ist übrigens ein beliebter Trick wenn sie noch nicht genau wissen wo sie eigentlich hin wollen: einfach das billigste Ticket kaufen und losfahren, am Ziel dann den Rest zahlen.
Aber meist brauchen Sie das eh nicht: jeder der länger als ein paar Wochen hier ist holt sich einfach eine IC(RFID)-Karte. Die drücken Sie einfach aufs Lesegerät am Ticket-Gate und der Betrag wird automatisch abgebucht.
Okay, das war die Bahn, aber Busse sind ja nicht so toll, oder? Tatsächlich kann es bei einigen der konkurrierenden Bus-Systemen dazu kommen, dass sie zu viel zahlen. Wenn sie gleich den Fahrer aufmerksam machen, schreibt der ihnen ein Rezept - direkt das Geld zurück geben kann er nicht.
Toll, denkt man sich, das rentiert sich ja eh nicht dafür extra zur Bus-Firma zu gehen.
Muss man auch nicht: das Rezept wird von den Bussen wiederum als Zahlungsmittel akzeptiert. Sie können es also nächstes mal von ihrem Fahrpreis abziehen.
Warten gelassen werden:
Japaner sagen ja immer: "Verzeihung dass ich Sie habe warten lassen." Auch wenn sie einen gar nicht warten lassen haben - das ist so eine Standard-Floskel wie "Beehren Sie uns bald wieder".
Denn im Vergleich zu anderen Ländern wird man eigentlich recht wenig warten gelassen.
Auf dem Amt zum Beispiel: zwar ist der Bürokratische Apparat ähnlich aufwändig wie in Deutschland, aber dafür kann man die meisten Dinge gleich in einem einzigen Besuch mit nur kurzer Wartepause erledigen.
Und nachdem es die Japaner mit dem Wochenende nicht so genau nehmen (Geschäfte haben auch Samstag und Sonntag bis spät Abends offen), müssen sie meist auch nicht bis Montag warten:
wenn sie Freitag Abend oder Samstag früh etwas brauchen sorgen Firma und Post sorgen dafür, dass sie es auch am Sonntag noch kriegen.
Der Grund dafür ist ganz einfach: man kann leichter lustiges Zeug schreiben, wenn Dinge nicht glatt gehen. Dinge die gut laufen sind ein bisschen langweilig.
Um dem Eindruck: "es ist alles ganz furchtbar hier" entgegenzuwirken, jetzt mal eine Sammlung an Dingen mit denen es hier mal überhaupt keine Probleme gibt.
Diebstahl:
Seit einiger Zeit ist es hier Mode für Jungs, diese langen Geldbeutel zu verwenden, wie Kellner sie manchmal haben. Die sind etwa 25cm lang. Man(n) steckt sie dann in die Gesäßtasche. Die Gesäßtasche ist etwa 12cm tief. Sie sehen das Problem?
Eine solche Mode würde sich in den meisten Ländern der Welt selbst verbieten, einfach weil sie gar nicht so schnell neue Geldbeutel kaufen können wie die ihnen geklaut werden. (Also: zeitmäßig würde das schon klappen, aber ihnen fehlt ja jetzt das Geld um einen neuen Geldbeutel zu kaufen.
Aber nicht in Japan. Auch wenn immer wieder vor Taschendiebstahl gewarnt wird, wird so gut wie nichts geklaut. (außer Regenschirmen bei Regen).
Deswegen haben Japaner auch kein Problem damit alle Dinge mit Bargeld zu erledigen, sei es Miete, Autokauf oder sonst-noch-was. Neben jedem Geldautomaten gibt es einen Spender für diskrete Briefkuverts. Da nehmen sie sich einen und stecken nen Haufen Geld rein und zahlen so ihre Rechnungen. Wenn Ihnen komisch wird bei dem Gedanken ein paar tausend Euro in einem Briefkuvert in der Manteltasche mit sich herumzutragen sind Sie kein echter Japaner. Noch nicht.
Mann gewöhnt sich so schnell daran, dass es schon nicht mehr gut ist. An Halloween hat mein Kostüm keine Taschen. Also mache ich ein Bündelchen aus Geldbeutel, Schlüssel, Handy, lege das in eine Ecke der Bar und gehe mich amüsieren. Als ich wiederkomme ist das Bündel weg. Ich suche für etwa 20 Minuten. Es kommt mir die ganzen 20Minuten nicht in den Sinn, dass irgendjemand das Zeug geklaut haben könnte, also suche ich weiter. Ein Kellner sieht mich suchen, und nach ein paar unangenehm formulierten Fragen gibt er mir das Zeug wieder: er hatte es Sicherheitshalber eingesteckt und hält mir eine Standpauke, dass ich das nicht machen soll weil: (festhalten) "sind ja auch Ausländer hier"!
Er war übrigens selbst Ausländer, was die ganze Situation noch absurder gemacht hat.
Es beleibt anzumerken, dass es natürlich schon Diebstähle gibt, aber die Gefahr ist um ein vielfaches Geringer als... so ziemlich überall woanders.
Zugfahren:
Jaja, das Züge hier pünklich sind, auf den Meter genau an Bahnsteig-Markierungen halten und adrettes Personal am Bahnsteig aufpasst, dass keiner im Gleisbett rumklettert, das kennen wir alles schon. Aber eine ganz andere Sache wird oft vergessen: sie können überhaupt nicht versehentlich schwarz fahren oder das falsche Ticket kaufen.
Wenn Sie den Bahnhof betreten finden sie gleich eine große Karte mit dem Zugnetz. Und bei jeder Station steht gleich dabei wie viel es von hier nach dort kostet. Darunter sind auch gleich die Fahrkarten-Automaten, sie können also während dem Kauf nochmal nach gucken.
Das können sie auch gar nicht vergessen, weil sie ohne ein Ticket gar nicht durch das Ticket-Gate bis zum Bahnsteig kommen. Sie können auch nicht das falsche Ticket gekauft haben, weil sie mit dem falschen Ticket am Zielbahnhof nicht mehr durch das Ticket-Gate hinaus kommen. Für solche fälle finden sich im Bahnhof "Fare-Adjustment" Automaten, an denen sie nach-zahlen können.
Das ist übrigens ein beliebter Trick wenn sie noch nicht genau wissen wo sie eigentlich hin wollen: einfach das billigste Ticket kaufen und losfahren, am Ziel dann den Rest zahlen.
Aber meist brauchen Sie das eh nicht: jeder der länger als ein paar Wochen hier ist holt sich einfach eine IC(RFID)-Karte. Die drücken Sie einfach aufs Lesegerät am Ticket-Gate und der Betrag wird automatisch abgebucht.
Okay, das war die Bahn, aber Busse sind ja nicht so toll, oder? Tatsächlich kann es bei einigen der konkurrierenden Bus-Systemen dazu kommen, dass sie zu viel zahlen. Wenn sie gleich den Fahrer aufmerksam machen, schreibt der ihnen ein Rezept - direkt das Geld zurück geben kann er nicht.
Toll, denkt man sich, das rentiert sich ja eh nicht dafür extra zur Bus-Firma zu gehen.
Muss man auch nicht: das Rezept wird von den Bussen wiederum als Zahlungsmittel akzeptiert. Sie können es also nächstes mal von ihrem Fahrpreis abziehen.
Warten gelassen werden:
Japaner sagen ja immer: "Verzeihung dass ich Sie habe warten lassen." Auch wenn sie einen gar nicht warten lassen haben - das ist so eine Standard-Floskel wie "Beehren Sie uns bald wieder".
Denn im Vergleich zu anderen Ländern wird man eigentlich recht wenig warten gelassen.
Auf dem Amt zum Beispiel: zwar ist der Bürokratische Apparat ähnlich aufwändig wie in Deutschland, aber dafür kann man die meisten Dinge gleich in einem einzigen Besuch mit nur kurzer Wartepause erledigen.
Und nachdem es die Japaner mit dem Wochenende nicht so genau nehmen (Geschäfte haben auch Samstag und Sonntag bis spät Abends offen), müssen sie meist auch nicht bis Montag warten:
wenn sie Freitag Abend oder Samstag früh etwas brauchen sorgen Firma und Post sorgen dafür, dass sie es auch am Sonntag noch kriegen.
Mittwoch, 29. Januar 2014
Das können Sie so nicht sagen!
Japanisch ist eine unheimlich dichte Sprache.
Es gibt darin ja vergleichsweise wenig Laute - selbst das "L" und "R" sind ja bekanntlich untrennbar verschmolzen. Doppel-Konsonanten gibts auch nicht. Die Chinesen haben sich ja mit variierten Tonhöhen etwas (Sprach-)Raum geschaffen - die Japaner nicht. Beengte Verhältnisse ist man hier gewohnt...
Also wird der kleine Raum an Lauten die sie nutzen können, mit viel zu vielen Worten voll-gestopft. Dass es da zu Zusammenstößen (also: Homophonen, Worte die genau gleich ausgesprochen werden) kommt ist klar - habe ich hier ja schon erzählt. Auch nebeneinander, dicht an dicht drängeln sich die Vokabeln, so dass ein kleiner Fehler sofort ein anderes Wort trifft. Man sagt: "kiite", hör mal, "kite" komm mal, "kitte", schneid' mal. Das sollten sie sich gut merken, um nicht von ihrem Zuhörer abgestochen to werden.
Natürlich haben auch andere Sprachen einen großen Wortschatz, aber den verwenden sie meist nicht. Japaner aber bestehen darauf, auch im Alltag tief in die Wortschatztruhe zu greifen, und finden dort oft eine große Auswahl an Worten, die alle die gleiche, schwammige Bedeutung haben, aber andere Nuancen. So kann die "Veränderung" entweder "kawari", "henkō", "henka", "henkan" oder eines von etwa 5 anderen Worten sein, die alle "Veränderung" heißen wollen. Die sind fast austauschbar... aber eben nur fast...
Kurz: ist eng hier!
Um so schwerer zu glauben, dass in der Japanischen Sprache einige gigantische Löcher klaffen.
Also: Dinge, die man auf Japanisch einfach nicht sagen kann.
Es gibt einfach keine Worte und keine Grammatik dafür.
Also aufgemerkt: drei Dinge, die Sie auf Japanisch nicht sagen können...
Das erste das beim lernen auffällt: sie werden nie Japanisch sprechen.... denn es gibt keinen Futur!
Für alles was in der Zukunft liegt, verwendet man die Gegenwartsform. Sie sprechen Japanisch, oder eben nicht. Deprimierend nicht?
Klar, auch in Deutschland kann man schon am Montag sagen: "Ich gehe am Sonntag in die Kirche". Aber man kann sich dann dieser Lüge ertappen und korrigieren: "Ich werde am Sonntag in die Kirche gehen". Dann lügt man zwar immer noch, aber es ist jetzt grammatikalisch korrekt gelogen.
Im Japanischen geht das einfach nicht. Japaner kennen kein Aufschieben: wird alles sofort erledigt!
Ein einziges Feigenblatt gibt es dann doch noch: man kann sagen, dass es "einen Plan" gibt etwas zu tun. Naja, Planung ist ja schon die halbe Durchführung, also geht das wohl in Ordnung.
Für Dinge die sich nicht planen lassen (zum Beispiel Regen) müssen sie also eine Zeit angeben.
Im Deutschen haben wir zwei Worte für Bedingungen: "falls" "wenn". Das eine drückt etwas mehr Unsicherheit über das Ja-oder-Nein aus, das andere bezieht sich mehr auf den Zeitrahmen.
Japaner brauchen da etwas mehr Ellenbogenfreiheit: 5 verschiedene Konstrukte haben sie zur Auswahl: ~tara, ~eba, ~nara, to, und ba-ai.
Alle haben sie leichte Nuancen in die eine oder andere Richtung.
Weit kommen sie aber nicht: den Bereich des Möglichen verlassen sie nie.
Ich würde ja ein "würde" verwenden, um darauf hinzuweisen, dass ich diese Option gerne wählen würde, es sie aber leider nicht gibt.
Gibt's aber nicht: in Japan ist alles möglich, also braucht man auch kein "würde" oder "wäre" um über Dinge zu reden, die gar nicht möglich sind. Das sind nur Ausreden sich nicht richtig anzustrengen.
Also merken sie sich: wenn sie ein Vöglein sind, werden sie fliegen! Also fangen Sie besser bald mit dem Arme-wackeln an.
Man muss sich also etwas mit dem Japanischen anfreunden. Also, dass heißt: man darf. Man wird "gelassen", nicht "gezwungen". Ob man will oder nicht! Denn man kann hier auch zwangs-"gelassen" werden, wenn man nicht will.
Denn es gibt keine Möglichkeit den Unterschied zwischen Option und Zwang auszusprechen.
Also: es ist einfach dasselbe Wort: "saseru".
Ob die Mutter nun Eiscreme oder ranzigen Kohl auf den Tisch stillt, sie lässt das Kind (auf)essen.
Interessanterweise ist diese Art sich auszudrücken im Deutschen viel eher nachzuvollziehen als etwa im Englischen, wo kräftig zwischen "let someone" und "make someone" unterschieden wird.
Das könnte auf eine ähnliche Geisteshaltung hinweisen: Sie müssen leiden wollen, sonst könnte man Sie ja nicht "leiden lassen".
Ob das einer der Gründe für die gute Deutsch-Japanische Verständigung ist...?
Es gibt darin ja vergleichsweise wenig Laute - selbst das "L" und "R" sind ja bekanntlich untrennbar verschmolzen. Doppel-Konsonanten gibts auch nicht. Die Chinesen haben sich ja mit variierten Tonhöhen etwas (Sprach-)Raum geschaffen - die Japaner nicht. Beengte Verhältnisse ist man hier gewohnt...
Also wird der kleine Raum an Lauten die sie nutzen können, mit viel zu vielen Worten voll-gestopft. Dass es da zu Zusammenstößen (also: Homophonen, Worte die genau gleich ausgesprochen werden) kommt ist klar - habe ich hier ja schon erzählt. Auch nebeneinander, dicht an dicht drängeln sich die Vokabeln, so dass ein kleiner Fehler sofort ein anderes Wort trifft. Man sagt: "kiite", hör mal, "kite" komm mal, "kitte", schneid' mal. Das sollten sie sich gut merken, um nicht von ihrem Zuhörer abgestochen to werden.
Natürlich haben auch andere Sprachen einen großen Wortschatz, aber den verwenden sie meist nicht. Japaner aber bestehen darauf, auch im Alltag tief in die Wortschatztruhe zu greifen, und finden dort oft eine große Auswahl an Worten, die alle die gleiche, schwammige Bedeutung haben, aber andere Nuancen. So kann die "Veränderung" entweder "kawari", "henkō", "henka", "henkan" oder eines von etwa 5 anderen Worten sein, die alle "Veränderung" heißen wollen. Die sind fast austauschbar... aber eben nur fast...
Kurz: ist eng hier!
Um so schwerer zu glauben, dass in der Japanischen Sprache einige gigantische Löcher klaffen.
Also: Dinge, die man auf Japanisch einfach nicht sagen kann.
Es gibt einfach keine Worte und keine Grammatik dafür.
Also aufgemerkt: drei Dinge, die Sie auf Japanisch nicht sagen können...
Das erste das beim lernen auffällt: sie werden nie Japanisch sprechen.... denn es gibt keinen Futur!
Für alles was in der Zukunft liegt, verwendet man die Gegenwartsform. Sie sprechen Japanisch, oder eben nicht. Deprimierend nicht?
Klar, auch in Deutschland kann man schon am Montag sagen: "Ich gehe am Sonntag in die Kirche". Aber man kann sich dann dieser Lüge ertappen und korrigieren: "Ich werde am Sonntag in die Kirche gehen". Dann lügt man zwar immer noch, aber es ist jetzt grammatikalisch korrekt gelogen.
Im Japanischen geht das einfach nicht. Japaner kennen kein Aufschieben: wird alles sofort erledigt!
Ein einziges Feigenblatt gibt es dann doch noch: man kann sagen, dass es "einen Plan" gibt etwas zu tun. Naja, Planung ist ja schon die halbe Durchführung, also geht das wohl in Ordnung.
Für Dinge die sich nicht planen lassen (zum Beispiel Regen) müssen sie also eine Zeit angeben.
Im Deutschen haben wir zwei Worte für Bedingungen: "falls" "wenn". Das eine drückt etwas mehr Unsicherheit über das Ja-oder-Nein aus, das andere bezieht sich mehr auf den Zeitrahmen.
Japaner brauchen da etwas mehr Ellenbogenfreiheit: 5 verschiedene Konstrukte haben sie zur Auswahl: ~tara, ~eba, ~nara, to, und ba-ai.
Alle haben sie leichte Nuancen in die eine oder andere Richtung.
Weit kommen sie aber nicht: den Bereich des Möglichen verlassen sie nie.
Ich würde ja ein "würde" verwenden, um darauf hinzuweisen, dass ich diese Option gerne wählen würde, es sie aber leider nicht gibt.
Gibt's aber nicht: in Japan ist alles möglich, also braucht man auch kein "würde" oder "wäre" um über Dinge zu reden, die gar nicht möglich sind. Das sind nur Ausreden sich nicht richtig anzustrengen.
Also merken sie sich: wenn sie ein Vöglein sind, werden sie fliegen! Also fangen Sie besser bald mit dem Arme-wackeln an.
Man muss sich also etwas mit dem Japanischen anfreunden. Also, dass heißt: man darf. Man wird "gelassen", nicht "gezwungen". Ob man will oder nicht! Denn man kann hier auch zwangs-"gelassen" werden, wenn man nicht will.
Denn es gibt keine Möglichkeit den Unterschied zwischen Option und Zwang auszusprechen.
Also: es ist einfach dasselbe Wort: "saseru".
Ob die Mutter nun Eiscreme oder ranzigen Kohl auf den Tisch stillt, sie lässt das Kind (auf)essen.
Interessanterweise ist diese Art sich auszudrücken im Deutschen viel eher nachzuvollziehen als etwa im Englischen, wo kräftig zwischen "let someone" und "make someone" unterschieden wird.
Das könnte auf eine ähnliche Geisteshaltung hinweisen: Sie müssen leiden wollen, sonst könnte man Sie ja nicht "leiden lassen".
Ob das einer der Gründe für die gute Deutsch-Japanische Verständigung ist...?
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