Dienstag, 24. November 2015

Vervorurteilt

Also, um ganz ehrlich zu sein: besonders scharf war ich eigentlich nicht darauf, herzukommen.
Soo großer Amerika-Fan bin ich nie gewesen. Zwar war ich schonmal da, und das war auch super, es war aber auch als kleiner Bub, reiner Tourist, und vor dem 11. September 2001.
Alles was ich danach aus den USA gehört habe war eher beunruhigend: Bürgerrechtsverletzungen, Gewalt, Rassismus, Krieg, noch mehr Gewalt, Umweltverschmutzung, Folter, Massenüberwachung.
Dementsprechend waren meine Erwartungen nicht die besten.

Aber das schöne daran trotzdem zu gehen: man kann seine Vorurteile bestätigen!
... wenn man denn kann.


Erster Blick aus meinem Fenster auf den Broadway. Der Broadway ist so lang, dass "am Broadway wohnen" sowohl Luxus als auch Armut bedeuten kann. Je höher die Hausnummer desto schlechter.


"Also da wo du wohnst, da solltest du Abends besser nicht mehr auf die Straße gehen", sagt mir ein Freund, der lange selbst in New York gelebt hat. Ja super: als freiheitsliebende Nachteule ist eine Ausgangssperre genau das was ich hören will. Zu allem Überfluss stecke ich auch noch so lange in der Passkontrolle fest, dass ich erst Nachts ankomme, übermüdet und mit schweren Taschen. Mist. Einen guten Eindruck macht die Gegend auch nicht. Dunkel und dreckig. An jeder Straßenecke lungern Gruppen von Männern herum. Mist, mist, mist, wo ist das verdammte Haus. Zweimal in die falsche Richtung gelaufen. Endlich gefunden! Safe!

Die Vermieterin gefragt ob man hier Nachts vorsichtig sein muss. Muss man scheinbar nicht, wie ich auch noch am selben Abend bei einem entspannteren zweiten Blick feststellen kann.
Die Autos sind hier viel zu schön und unversehrt als dass echte Ghetto-Stimmung aufkommen könnte. Die Leute die an auf der Straße herumlungern tun das wohl aus rein sozialen Gründen. Generell sind alle recht freundlich. Sprechen halt kein Englisch - scheint das Mexikaner-Viertel zu sein. Da muss man halt mit Handzeichen nachhelfen um dem Verkäufer zu sagen wie er das Fleisch schneiden soll. Dafür schneidet er es mir netterweise dann auch genau so wie ich es gestikuliert habe.


Über solche Kellereingänge werden die allgegenwärtigen "Deli" Mini-Märkte bestückt. Fast wie Japanische Konbinis oder deutsche Tankstellen, nur etwas schmutziger. Dafür können sie hier auch kein Englisch. Fühlt man sich also gleich wie zuhause.

Oh, wo wir schon beim Essen waren: Amerikaner sind ja gerne Zielscheibe des Spottes für ihr Übergewichtsproblem. Zumindest hier in New York kann ich das nicht bestätigen. Eher im Gegenteil: die Supermärkte sind voller Health-Food. Besonders der Proteingehalt von Essen ist hier wichtig und oft angepriesen. Protein-Shakes gehören hier zur Standard-Ausstattung jedes kleinen Supermarktes. Bis zu dem Punkt, dass sogar Starbucks Protein-Kaffees verkauft. Das erklärt auch wo die Leute die ich so im Gym treffe ihre Monster Muckis herhaben. Hab ich Monster gesagt? Den RedBull-Ersatz-Energydrink "Monster" gibt es hier auch in einer Protein Variante.


Die $1.39 betreffen den Kaffee darunter. So billig ist das Leben hier nicht.

Okay, natürlich gibt es auch dicke Leute, und genug ungesundes Zeug dass die Essen können. Während Deutsche und Japanische Supermärke immer dieselben 4-5 Schokoriegel anbieten gibt's hier ganze Regale voll von Süßigkeiten die ich noch nie gesehen habe. Und Toast der Praktisch Kuchen ist, komplett mit Rosinen drin. Und zum draufschmieren gibts Marschmellows.
Bevor ich wieder gehe werde mache ich mal einen Fress-Tag wo ich das alles durchprobiere. Wenn ich danach noch tippen kann, berichte ich darüber.


Das ist die Brotaufstrich-Abteilung. Die Schokostreusel da links sind also auch fürs Brot gedacht.

Samstag, 7. November 2015

Fernwest

In Japan wird ja jeder Student der kein Japaner ist als "Austausch-Student" (留学生) bezeichnet, selbst wenn er ganz normal eingeschrieben ist und an überhaupt gar keinem Austauschprogramm teilnimmt, selbst Leute mit Dauer-Visum die schon seit Jahren hier leben. Ist halt so.


Also bin ich, um dem ganzen einen Twist zu geben, mal ins Ausland gegangen, als Austausch vom Austausch (der gar kein Austausch ist), und zwar nach New York.

Und das kam so:


Unser neuer Hilfs-Professor ist.. naja, also... mit dem wird einem nicht langweilig. Und er hat immer große Pläne und feste (neue) Meinungen.

Sein neuester Plan: um weltweit ganz vorn mit dabei zu sein müssen wir regelmäßig Studenten ins Ausland schicken. Ist wohl so eine Networking Sache.
Ich muss dabei an den Geschichtsunterricht denken, als man im Mittelalter Politik betrieben hat, indem die Adeligen ihre Töchter an fremde Königshäuser verheiratet haben um einen Fuß in die Tür zu kriegen. Ich werde also als Prinzessin an einen berühmten Professor an der Columbia University verschachert.
Ist mir recht - etwas Tapetenwechsel kann man gut gebrauchen.


 So einfach geht das aber natürlich nicht. Erstmal muss man sich durch die Bürokratie durchwursten und ein Visum kriegen. Wieso ein Visum? Als Deutscher kann ich doch auch so für ein paar Wochen in die Staaten, oder? Ja, aber dann kann die Uni mich nicht offiziell als Austauschstudenten (genauer gesagt: "Short-term Scholar") annehmen. Nicht dass sie mir Geld zahlen würden (Hallo, Mitgift funktioniert anders 'rum!), aber ohne Papierkrieg macht's keinen Spaß.

Also Formulare ausfüllen, Gebühren zahlen, zum Konsulat gehen.

Vom Konsulat wieder weggeschickt werden weil man was falsch gemacht hat und der Passierschein A38 fehlt. Zwischen zwei Konferenzen im Starbucks sitzen und 99Fragen über mich beantworten, die ich selber gar nicht über mich weiß, und daher meinen eigenen Lebenslauf herauskramen muss.

Wieder zum Konsulat gehen, reingelassen werden. Typisch Amerikanisch ist das Ding eine Festung. Nichmal mein Handy lassen sie mir. Nach 3 Minuten "Interview" (dass mich ne Stange Geld gekostet hat) dann die gute Nachricht: Visum wird erstellt.

Westen, ich komme.


Nur das der Westen hier im Osten ist. Obwohl ich über Peking fliege (Air China war mal wieder billigste Option), ist die Flugroute über Alaska und Kanada der kürzere Weg. Ich fliege also nochmal an Japan vorbei, und komme eine halbe Stunde später in New York an.
Normalerweise fliegen Flugzeuge ja nicht schneller als die Erdrotation, aber da ich jetzt nach Osten fliege (also über die Datumsgrenze) gelingt mir beinahe ein Zeitsprung: Abflug 13:00Uhr, Ankunft 13:30.
Von Sitznachbarn mit kleiner Blase und dauer-weinenden Babys nur unwesentlich angeschlagen stehe ich noch eine gute Stunde in der Schlage um mein Visum angeschaut zu bekommen. Irgendwann zieht mich jemand aus der Reihe und stellt mich in eine extra Schlage: sie wollen die Leute aus dem AirChina Flug endlich durch die Schleuse haben, damit wir unser Gepäck endlich vom Gepäckband nehmen. Naja, mir solls recht sein.

Und so komme ich erst gegen 18:00 in meiner neuen Bleibe an...

(Nein, dass ist nicht meine neue Bleibe.)

Freitag, 30. Oktober 2015

Discount Human Transportation

Ha! Leibes-transport. So sehe ich das. Ich zahle die dafür, dass sie meinen physischen Leib nehmen und woanders wieder abladen, möglichst unversehrt.
Erste Klasse? Beinfreiheit? Service? Ha, die paar Stunden überlebe ich auch im Gepäckabteil wenns sein muss. Da spar' ich mir lieber das Geld und investiere das in... aber davon ein Andermal mehr. Hier gehts darum billig von A nach B zu kommen!



Damit habe ich schon 2010 Angefangen, als ich einen Freund im ~600km Entfernten Fukuoka besuchen wollte. Zug Tickets über solche Distanzen sind natürlich teuer. Aber ich finde ein Schlupfloch: für deutlich weniger Zaster gibt's ein "Fahr-so-viel-du-willst" Ticket. Die heißen: "Frühling des Lebens 18"-Tickets. Und auch wenn man nicht mehr 18 sein muss um das Ding zu kaufen zu können, ganz Grundlos ist das nicht. Der Haken nämlich: damit darf man nur reguläre Züge (sprich: S-Bahn) fahren, keine Inter-Citys. Man tauscht also seine Jugend (=Zeit) dafür ein billig überall hin zu kommen.

In meinem Fall einen ganzen Tag: ich fahre früh Morgens mit dem ersten Zug los und bin den ganzen Tag unterwegs. Die Landschaft zieht langsam an mir vorbei, was ich eigentlich ganz nett finde. Sieht man mal was vom Land. Und Leute. Ich scheine nicht der einzige zu sein der diesen Trick versucht. Das fällt mir Mittags auf, als ich in der Endhaltestelle einer Linie ankomme, die - von der anderen Seite - die Endhaltestelle einer anderen Linie ist. Sprich: ich bin im letzten Kaff. Trotzdem ist der Zug gut gefüllt. Und genau wie ich fangen alle sofort das Rennen an um in den 7 Minuten bis zum Anschlusszug im nahegelegenen Supermark Mittagessen zu kaufen. Und so sitzen wir alle in der Bimmelbahn und essen Lunch-Boxen... okay, vielleicht nicht alle, aber ich hab's geschafft.



Aber natürlich sagen Sie: Zeit ist doch Geld. Da spart man ja gar nicht. Da gibts einen noch besseren Trick: Abends hier einschlafen, Morgens dort aufwachen: der Nachtbus! Von 12:00 bis 6:00 hatte ich eh nix anderes vor als schlafen. Okay, ob ich wirklich schlafen kann hängt von mehreren Faktoren ab. Vor allem auch vom Sitznachbarn.
Aber ich hab da meine Routine, da kann fast nix schiefgehen: am Abend nochmal Sport, vor der Abfahrt ein Bierchen, dann Zähne putzen, Kopfhörer rein, mit einem Hörbuch. Am besten ein Fachbuch, dass man schon öfter gehört hat. Was trockenes.
Das letzte mal habe ich dann so gut geschlafen, dass ich im Traum nochmal eingeschlafen bin. Das war dann verwirrend aufzuwachen, und festzustellen dass ich ja nochmal aufwachen muss.


Tolle Sache, öffentliche Verkehrsmittel, nicht wahr? Naja, nicht immer. In letzter Zeit habe ich angefangen mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Vom meinem Reisfeld aus dauert das ungefähr genau so lange, und hat drei schlagkräftige Vorteile:
Erstens ist es etwas billiger (zumindest mit meinem Mini-Töff-Töff).
Zweites muss ich mich nicht an Bus- oder Zugpläne halten. Wie oft hat mich der letzte Zug schon vorzeitig aus einem großartigen Abend gerissen? Jetzt kann ich ganz entspannt bleiben und notfalls sogar Freunde (oder neue Bekanntschaften) Heim fahren.
Drittens kann ich nicht trinken. Jaja, zuerst hab ich auch gedacht, dass das ein Nachteil ist, habe aber meine Meinung geändert.Sonst fehlt mir ja nach jedem Bier die Ausrede und die Willenskraft, genau jetzt aufzuhören, anstatt noch eine Halbe.... und die sind hier ja eh keine halben, nur so kleine 3/4 pints... und Zack, wieder mehr getrunken als ich wollte. Und darüber den letzten Zug verpasst. Und zu viel Geld für Züge ausgegeben... also das nächste mal doch wieder mit dem Auto.


Dienstag, 20. Oktober 2015

Japan-Net

So weit weg bin ich ja gar nicht. Dank dem Internet ist die Welt ja viel näher zusammengerückt.
Oder so habe sich Leute das vorgestellt. Denn mir fällt der Unterschied zwischen den Ländern vor allem auch am Internet auf. Ja wir haben hier anderes Internet.


Ich komme also Heim nach Deutschland, mache meinen Computer an und meine Musik ist weg! Okay, war ja auch nie wirklich meine Musik, sagt zumindest die GEMA. Ich hab die einfach nur "ge-streamed" und streaming ist in Deutsch-Netz nicht.
Dafür kann ich jetzt wieder Musik auf Amazon kaufen und runterladen. Okay, das kann ich in Japan auch, aber von da komme ich nicht an meine Musik vom deutschen Amazon ran: Amazon mag das nicht, dass ich mein Deutsches Konto vom Ausland aus verwende. Das hat einen konkreten Grund: Japaner sind noch bereit reichlich viel Geld für CDs hinzulegen, was man auch daran sieht dass es hier noch riesige CD-Läden gibt, wo man unter 15 Öcken nix kriegt, auch keine nicht-Neuware, und rein-hören ist auch nicht drin. Ich versuche Amazon klar zu machen, dass ich ein verwöhntes Deutsches Kindl bin, meine Musik gerne billig und vor-gehört mag. Aber mit meinem Japanischen Internet glauben sie mir das nicht.
Also gehe ich zum Japanischen Amazon, die haben meist die Musik nicht da, oder wenn dann nur als teure Import CD. Also streame ich wieder statt zu kaufen.

Überhaupt halten mich alle für einen Japaner wen ich online bin. Also präsentieren sich fast alle Seiten die ich besuche erstmal auf Japanisch, selbst die von Amerikanischen und Deutschen Firmen. Dann muss ich erstmal wieder suchen, wo ich das umstellen kann. Manchmal kann man das nicht. Das senkt meine Lesegeschwindigkeit um gefühlte 80% und meine Aufmerksamkeitsspanne auf... ach Scheiß drauf! Ich geh wieder Musik streamen. Oder ne Runde zocken. Spiele-Webseiten sind wohl international. Glaubte ich, bis Steam sich weigerte einen Gutschein-Code einzulösen. Das Spiel war in Japan nicht erhältlich. Und mit "in Japan" meinten sie "im Japanischen Internet". Ähnliches gilt natürlich für Filme-Seiten, die uns Japanern entweder ganz versperrt sind, oder nur japanische Filme auf Japanisch anbieten.


Mir hat's dann irgendwann gereicht und ich hab mir einen Tunnel gegraben. Habe ja noch einen Server in Deutschland stehen. Der darf dann für mich Deutsch aussehen, wenn ich im Internet meine Schlitzaugen verstecken muss. Jetzt muss ich noch den umgekehrten Trick schaffen: im Deutschen Internet als Japaner durchzugehen. Manch einer hier brüstet sich damit sich sowieso immer als Amerikaner zu maskieren. Das scheint das non-plus-ulta-Net zu sein, dass die da drüben hinterm Pazifik haben...

Naja, und so hat alles seine Vor- und Nachteile. Bis auf die zwei, drei mal im Jahr, wo es hier kein Internet gibt, und man nur Nachteile hat. Und das kommt so: unsere Uni veranstaltet zwei, drei mal im Jahr einen Stromausfall. Angeblich aus Wartungsgründen. Und dafür wird im vorauseilendem Gehorsam für drei Tage das Internet abgestellt. Wer jetzt denkt:"och, die armen Informatiker...", der bedenke:
(a) den Bio-Tech Leuten verrecken während des Stromausfalls ihre... was immer sie da abscheuliches in ihren Kühlschränken heranzüchten.
(b) es leben auch einige Familien am Campus, und während dem Stromausfall gibt's auch kein Wasser. Jetzt versuchen sie mal ihrer 4Jährigen klar zu machen, dass sie 6 Stunden lang nicht aufs Klo gehen darf.

Also wundern Sie sich nicht wenn dieser Blog irgendwann auf Japanisch ist. Da hat Google sich einfach gedacht: "hey, der wird doch von nem Japaner geschrieben"...


Mittwoch, 30. September 2015

Gehört sich so!

Ich stehe vor dem Getränke-Regal und überlege ob ich mir eine Dose meines Lieblings-Bieres kaufen soll. Der Supermarkt-Jingle im Hintergrund läuft unbeirrt weiter. Bla bla bla irgendwas von fröhlich sein bla bla, trink Alkohol, vergiß deine Sorgen bla bla, MOMENT MAL! Hab ich das gerade richtig gehört?! Ja, habe ich. Schockt mich auch schon gar nicht mehr. Als mir zum ersten Mal ein Japaner (zu allem Überfluß ein Mädchen von höchstens 24 Jahren) erzählte ihr Hobby sei "Alkohol", hab ich noch blöd geguckt. Aber seit dem haben das so viele Leute von sich selbst behauptet, inklusive Universitäts-Professoren.
Nicht daß das Alkoholiker wären. Das Problem ist vielmehr, daß es sich ein Deutschland einfach nicht gehört seinen Alkohol-Konsum als Hobby zu bezeichnen, oder zuzugeben daß man flüssigen Streßabbau betreibt. Klar, fast alle Leute trinken, aber doch nicht als Hobby! Manche werden Connaisseur einer bestimmten Alkohol-Sorte sein, und das Gesöff der Begierde sammeln wie Briefmarken: nur ab und zu dran lecken, zum testen und trainieren der Geschmacksnerven, nicht wegen des Effekts.
Da ist der soziale Druck einfach zu stark ein der Öffentlichkeit ein Bild gutes Bild abzugeben wie sich das gehört.


Natürlich gibst auch hier harte Regeln, was sozial angemessen ist und was nicht. Aber eben andere. Das ist schön, weil man so auch nach Jahren immer mal wieder ge-(Kultur)-schockt werden kann.Das erste mal wenn der etwas ältere Manager im schicken Anzug in der UBahn offen Comics liest, und zwar einen von diesen eher pornographischen Dingern. Scheint keinen zu stören und den Herrn auch nicht besonders zu genieren.
Das zweite mal dann wenn man die Regale voller homoerotischer Comics in den Geschäften findet. Und dann Frauen die die Dinger offen in der UBahn lesen.
Das dritte mal dann wenn einem (wiederholt) Mädchen erzählen, daß sie sich niemals die Bikini-Zone rasieren wundern, weil daß ja voll peinlich sei, wenn man ins Badehaus geht, zur heißen Quelle oder zum duschen nach dem Sport, und untenrum nichts wächst. Am Anfang hab ich noch gefragt was das die Leute denn angeht, und warum das schlimmer ist als auf dem Weg dahin fragwürdige Comics zu lesen. Hab ich aber schnell aufgegeben, weil ich ja auch nicht erklären kann warum das eine unangemessener finde als das andere, und was es mich überhaupt abgeht was die Leute so in der UBahn lesen.

 "Explosions-Kauf - Wie Sie an Chinesen verkaufen", titelt dieses dieses Buch sehr direkt. Hatte leider keine Zeit rein zu lesen um herauszufinden was den Chinesen so zum Kauf anregt, aber Rassenfragen recht direkt anzusprechen gehört hier zum guten Ton.

In öffentlichen Verkehrsmitteln hier gibt es sogenannte "Priority-Seats". Also Sitzplätze die für ältere Menschen, Behinderte, Schwangere und Eltern mit kleinen Kindern reserviert sind.
Vielleicht haben Sie auch in Deutschen Bussen schonmal Zeichen entdeckt, die einen
Ungeschriebene Übereinkunft ist natürlich daß, wenn gerade kein Behinderter da ist, jedermann den Sitz haben kann. Soweit gleich in beiden Ländern. Ungeschriebene Übereinkunft ist natürlich auch, daß man dem Behinderten wenn er denn kommt den eigenen Sitzplatz anbietet, egal wo. Naja, damit divergieren die Übereinkünfte dann: wenn es kein "Priority Seat" ist, geben Japaner für gewöhnlich ihren Sitzplatz nicht auf. Entsprechend überrascht waren dann auch alle Omis und Opis, als ich ihnen meinen Platz angeboten habe. Ich weiß bis heute nicht ob ich damit irgendwen beleidige (den Opa oder die anderen Fahrgäste). Ist mir aber auch egal. Assimilation hat Grenzen.

In diesem "Prioity Seat" scheint das ungeborene Kind bereits WLAN zu haben.

Sonntag, 13. September 2015

Spiel-Forscher

In letzter Zeit habe ich ja immer öfter das Gefühl, dass akademische Forschung nicht ganz ernst gemeint ist. Erst dachte ich: das bin nur ich der hier "Forscher" spielt, und sobald die das merken, werfen die mich raus. Aber so langsam zeigt sich dass ich nicht das einzige "Kind im Laborkittel, das nicht recht weiß was es da tut" bin.

Also habe ich mal bei den Spiele-Forschern vorbei geschaut (ist das jetzt ein Doppel-Negativ?). Also auf einer Konferenz für Computerspiele-Forschung. Und darüber gibt's jetzt mal Bla-bla und Bewegtbild.


Das wichtige zuerst: natürlich gab's Kaffee! Aber aus was für einem Automaten! Der zeigte einem im eingebauten Bildschirm live wie im inneren der Kaffee zubereitet wird:

(Auf anderen Einstellungen hätte man sogar den Brau-Vorgang sehen können, aber ich war zu arm knausrig und habe daher nur Instant-Kaffee getrunken).


Natürlich gabs auch Vorträge. Heißes Thema war Virtual Reality. Momentan arbeiten mehrere große Firmen daran VR-Brillen auf den Markt zu kriegen. Die Technik ist durchaus ausgereift, wie ich an den Demo-Ständen selbst testen konnte. Bleibt noch der Inhalt: Oculus setzt mich einen einen Raumjäger, und für 30 Sekunden fühle ich mich wie Luke Skywalker im X-Wing! Super! Dann fällt mir wieder ein wie dreckig schlecht ich in diesen Space-Fighting-Games bin und quäle mich durch 5 Minuten Duell mit einem feindlichen Jäger. Duell, oder sinnloses aneinander-vorbei-fliegen. Dann sterbe ich endlich und darf gehen.
Sony macht die Sache noch schlimmer: ihr Demo-Spiel ist... äh... sowas wie eine Dating-Simulation. Oder eher eine "schüchterner japanischer Nerd" Simulation, denn sagen kann man ja nix, dafür ist das Mädel meine Nachhilfe-Schülerin. Ich bringe also einem virtuellen Mädchen Japanisch bei. Was tue ich hier?! Wie gesagt: ich kann nicht reden, nur nicken (wenn sie was richtig macht), den Kopf schütteln (wenn sie was falsch macht) und Dinge angucken, wenn sie... ähh... also sie sitzt schon verdammt nah an mir neben mir, und rückt dann noch ein bisschen näher um mich in ihr Japanisches Textbuch gucken zu lassen. Ich habe keine Ahnung was da drin steht, ist mir aber auch egal. Dann lässt sie auch noch etwas fallen und bückt sich einmal quer über meinen Schoß ums wieder aufzuheben. Ich greife ihr an den, aber sie ist ja nicht echt und virtuelle Hände habe ich auch keine. Vielleicht erwartet Sony, dass Spieler ihre echten Hände derweil anderweitig verwenden. Und falls sie dass jetzt noch nicht ulkig genug fanden gibts das Sahnehäubchen: das Blickfeld des Spielers wurde auch auf einem 21-Zoll Bildschirm wiedergegeben, der von außerhalb des Saales komplett einsehbar war. Also: von der Warteschlange aus. Ja, da konnte man schonmal gucken, wo der Vorgänger so hinguckt, damit man da später selber hingucken kann.
Danke, Sony, da lass ich mich lieber wieder von Luke Skywalker abknallen.

Einer der VR-Vorträge. Die blauen Punke am unteren Bildrand sind der Spieler mit der Brille auf dem Gesicht.

Natürlich gabs auch ne Party. Und scheinbar gibts in Japan nur zwei Arten von Parties: die wo man erzwungenermaßen mit seinem Boss saufen muss, und die wo man um die Wette Visitenkarten austauschen muss. Mit wem ist egal, warum ist nicht wichtig, Hauptsache man kriegt seine Karten an den Mann oder die Frau. Nicht das man sich später erinnern könnte wer wer war, oder ob man überhaupt einen Grund hätte den anderen jemals zu kontaktieren. Ich fühle mich ein bisschen austauschbar. Aber hey, in Nachtclubs bin ich auch nicht sauer, wenn das Mädel meinen Namen vergisst. Andererseits ist das hier auch ne Nummer härter. Die könnten sich wenigstens für 10 Minuten mit mir unterhalten, nachdem sie mir ihr Papier-Kärtchen in die Hand gedrückt haben. Wenn Visitenkarten-Austauschen Sex wäre, wären hier alle nächste Woche beim Doktor...

Der Mann von der Tokyo Hochschule für Industriedesign sorge auf der Party für Stimmung.

Sonntag, 23. August 2015

Schland

Manchmal geht man so durch Osaka, und ist plötzlich in Deutschland.

Dann bleibt man stehen und guckt nochmal, denn was man da Entdeckt hat ist schon Deutschland, aber auch wieder so schräg, dass man das in Deutschland so gar nicht finden könnte.

Dann macht man ein Photo, grinst und geht weiter.

Hier mal fünf solche Momente:



Das lustige daran ist, dass dieses Lokal in einer Untergrund-Einkaufspassage ist, und in diesr wiederum leicht abgesenkt. Also irgendwie triffts der Name schon.
Besonders Deutsch ist das Essen dort allerdings nicht.


Das ist ihnen zu lau? Dann gehen sie halt ins "New Mynhen"! (engl.: "Neu", jap. "München").
Auf der anderen Seite steht über dem Eingang: "Hopfen und Malz, Gott erhalts".
Drin gibt's japanisches Bier (bekanntlich oft unter Zugabe von Reis gebraut) und Sushi (bekanntlich oft unter Zugabe von Reis unzureichend zubereiteter Steckerlfisch).



An der nächsten Kneipe wäre ich fast vorbei gegangen, dabei ist der Name so schön.... und treffend...



Und in einem Geschäft habe ich dann das hier gefunden.

Um Fragen zuvorzukommen: ja es gibt hier Butter, aber eher selten als Block, und wenn dann selten so großformatig und wenn dann sehr teuer.



Der letzte ist gleichzeitig ein Test:

Wer's nicht erkennt, hat verweiget. Oder ist eine Frau. Beides ist unentschuldbar.
Das sind original Bundeswehr Seesack Schlösser. Damit macht man seinen überdimensionalen Wäschebehälter oben zu machen.
Es gab in dem Laden aber keine Seesäcke zu kaufen. Keine Ahnung wer rund 10 Euro dafür ausgeben soll, aber es waren wirklich original Bundeswehr Bestände (laut Etikett).