Diesen Monat hab ich mir ja mal ziemlich Zeit gelassen etwas zu schreiben.
Das hatte einen guten Grund: ich habe lieber etwas anderes Geschrieben.
Nämlich eine Forschungsarbeit. Ich hab' also das Zeug das ich so mache mal in 10 Seiten gequetscht und stelle dass jetzt zum ersten mal der Fachwelt vor (wenn die es denn auch lesen).
Das war eher stressig. Also habe ich eigentlich sonst nichts gemacht, worüber ich so schreiben könnte.
Tja, Pech!
Schreib ich halt über die Forschung/Uni/was ich so mache wenn ich nicht versuche Spaß zu haben.
Das in unserer Uni Geld nicht zu knapp, aber etwas merkwürdig verteilt ist, habe ich ja hier (weiter unten) schon mal vertextet.
Schön konnte man das letztens wieder sehen als wir (=wir Studenten; weil: Studenten = billige Arbeitskräfte) das Experimentier-Zimmer ausmisten durften. (Aufmerksame Leser erinnern sich: im Japanischen gibt es keine Unterscheidung zwischen "dürfen" und "müssen").
"Experimentier-Zimmer" klingt so
als ob da Experimente durchgeführt werden. Haha: Informatiker und
Experimente. Nein nein, das ist eher so etwas wie eine Abstellkammer,
in der man ab und zu alte Projekte wieder aufbaut um sie Besuchern zu
zeigen.
Doch was da alles drin war, war uns nicht klar... bis wir's raus getragen haben.
Angefangen hat's mit mehreren hochauflösende Großformat-Displays. Die dicke Staubschicht juckt nicht nur in der Nase, sonder trifft die Studenten - die ihre Filme allesamt auf Laptop-Displays gucken muss - mitten ins Cineasten Herz.
Dann kam das elektrisches Klavier. Nein, kein Keyboard, ein großes Yamaha Klavier. Niemand im Labor kann Klavier spielen. Vermutlich hat ein Student mal für ein Projekt ein Klavier bestellt. Und bekommen. Und hat seinen Abschluss gemacht. Und ist dann gegangen. Wenigstens finden wir die richtigen Knöpfe, damit das Klavier sich nochmal selbst spielen kann, bevor wir's in den Aufzug verfrachten.
Nicht mehr entfernen konnten wir das Doppel-Projektor Dingen: zwei riesige Trümmer die eher aussehen wie Laser-Kanonen und sonst wohl nur auf Konzerten zum Einsatz kommen. Keiner weiß wie man sie in das Zimmer hinein gebracht hat. Nur, dass man sie jetzt nicht anschalten kann, weil der Raum zu klein ist um darin Projektoren dieses Kalibers zu betreiben. So bleibt dem Ding wenigstens das Schicksal erspart, dahin zu kommen wo der ganze Rest hin kommt: in eine noch abgelegenere Abstellkammer. Wo noch Platz ist.
Ja, man kann allerhand Zeug haben... wenn man Geduld hat oder gutes Timing. So: kurz vor Beginn des nächsten Fiskaljahres ist gut, wenn das überschüssige Budget abgestoßen werden muss.
Kurzfristig was ordern ist eher nicht drin. Am Anfang habe ich noch naiv mitten im Semester nach Draht gefragt - so für Elektronik-Gezeug. Hahahaha. Ich bin dann zu anderen Laboren betteln gegangen, bis mir ein Kommilitone endlich grinsend 20cm Draht in die Hand gedrückt hat.
Da habe ich gelernt: Uni-Geld ist groß und behäbig wie ein Container-Frachter.
Mein Geld ist schnell und wendig wie ein Jet-Ski. Also winzig. Meinen Lötkolben habe ich mir dann aus dem 100Yen Shop geholt. Okay, er hat nicht wirklich nur 100Yen gekostet, aber zu einem 4-Euro-Lötkolben sagt man nicht nein... wenn man sonst nichts hat.
Und so ist mein Arbeitsplatz zu einem Frankenstein-Monster aus Billig-Ramsch und exorbitantem High-Tech geworden. Mein Keyboard ist ein krattliges altes japanisches Teil, das häufig mal die Spracheinstellung am Rechner verstellt. Dann beschwert sich der Compiler, weil japanische Leerzeichen im Source-Code Pfui sind! Ich habe ein neues beantragt, mit englischem Layout, dazu neue Software. Kommt aber nicht.
Beim Plausch mit dem neuen Hilfs-Professor kommt das Thema auf.
Sein Kommentar dazu: "Vergessen Sie nicht, dass die Uni ihnen das beste Paper-Writing-Tool zur Verfügung stellt, dass man für Geld kaufen kann: mich!"
Da kann ich nicht argumentieren mit. Meine Autokorrektur-Software hat mir jedenfalls noch nie Seitenweise Verbesserungsvorschläge und Änderungswünsche erstellt... und so teuer wie er war sie auch nicht.
Andererseits weiß ich bis heute nicht ob er mein Traktat wirklich jemals ganz gelesen hat.
Aber um ganz sicher zu gehen dass wir auch in Zukunft ganz vorne mit dabei sind, hat er erstmal für ein paar hunderttausend Dollar neues Equipment geordert.
Ich geh mir mal nen Keyboard kaufen.
Sonntag, 30. März 2014
Sonntag, 9. März 2014
Kann man so sagen...
Letztens hab ich ja einen Beitrag darüber geschrieben, dass sich im Japanischen manche Sachen einfach nicht sagen lassen. Aber auch die Sachen, die man sagen könnte (so denn Vokabular und Grammatik vorhanden ist) kann man trotzdem meist so nicht sagen.
Also: man kann sie schon sagen, aber verstehen tun die Leute einen halt nicht.
So kann man zum Beispiel niemandem einen "Guten Appetit" wünschen. Schöne Feiertage kann man wünschen oder gleich ein ganzes Jahr voller Glück. Aber beim Essen empfängt jeder für sich. So läuft das hier: man kriegt Essen, sagt "ich empfange" (...dieses tolle Essen, das ich selber gekauft und gekocht habe...?) und dann fängt man an mit dem Essen. Isst man selbst nichts, muss man schweigen.
"Empfangen sie schön" geht überhaupt nicht.
Die Japaner haben ganz eigene Wege gefunden, Dinge auszudrücken, und dem muss man folgen.
Um so mehr überrascht bin ich, wenn ich Ausdrucksweisen finde, die tatsächlich genau so eins-zu-eins im Deutschen auftauchen.
Ob da eine gewisse universelle Wahrheit drin steckt?
Perlen vor die Säue:
Geben sie ihrem Hausschwein auch so gerne Schmuck? Die Amerikaner versuchen es ja lieber mit Lippenstift ("lipstick on a pig") um das grunzende Ungetüm etwas aufzuhübschen. Doch auch die Japaner schwören auf Perlenschmuck: Buta ni Shinju 豚に真珠, bedeutet wörtlich: Perlen für das Schweinderl, und genau das meint man auch. Aber damit nicht genug: die Japaner setzten noch einen drauf, und geben der Katz eine Goldmünze: Neko ni Koban (猫に小判). Bedeutet genau dasselbe.
Lustigerweise sind in der Japanischen Kultur ja diese "Winke-winke Katzen" (Maneki-Neko 招き猫) fest verwurzelt: das sind kleine Porzellan-Figuren von Katzen die mit der Pfote winken. Man stellt sie gern am Eingang von Geschäften auf, wo sie die Kundschaft herein-winken sollen. Und eben diese Winke-Katzen haben für gewöhnlich die andere Pfote fest auf einer Goldmünze...
Vielleicht müsste man das mit den Schweinen und den Perlen einfach mal wirklich ausprobieren.
Fäden ziehen:
Der fiese Drahtzieher im Hintergrund hat ja gerne die Fäden in der Hand (wie sind denn jetzt aus den Drähten plötzlich Fäden geworden?). Und da zieht er auch ganz fies dran 'rum - auch in Japan (Ito o hiku 糸を引く). Jetzt könnte man meinen: das kommt vom Puppenspiel, das ist einfach zu offensichtlich. Doch im Japanischen Puppenspiel: "Bunraku", gibt es gar keine Fäden. Die Glieder der Puppe sind an Stäben befestigt. Man müsste also die "Stäbchen drücken". Tut man aber nicht. Man zieht Fäden.
Wände haben Ohren:
Auf meiner Recherche für diesen Beitrag habe ich herausgefunden, dass der Begriff von den Ohren in den Wänden auf einen tatsächlichen Abhörskandal zurück geht, geschehen im 16. Jahrhundert zu Paris. Der Begriff wurde dann vom Französischen ins Deutsche übersetzt. Unwahrscheinlich, dass er viel weiter nach Osten gekommen ist, zu dieser Zeit. Und trotzen haben auch japanische Wände gerne Ohren. Und nicht nur das: diese Papier-Schiebetüren, "Schōji", haben Augen!
Kabe ni mimi ari, shōji ni me ari, 壁に耳あり障子に目あり.
Der zweite Teil ist historisch recht leicht zu verstehen: der Versuch mit einem Finger oder spitzen Gegenstand ein Guckloch ins Papier zu drücken ist wohl bekannt. Jetzt gucken sie nicht so! Wenn Sie mit dem Finger Löcher in die Wände ihres Nachbarn drücken könnten, würden sie auch der NSA Konkurrenz machen!
Wo kein Feuer, da kein Rauch:
Hier war's bei mir umgekehrt: ich habe im Japanischen eine Schöne Redensart gefunden, nach der an jedem Gerücht auch ein Stück Wahrheit dran hängt. Als Bewohner eines Dorf-Campus' bezweifle ich das zwar, aber ich konnte damit sehr gut Leute aufziehen, die plötzlich ohne ihr Wissen "verliebt", "verheiratet", "schwul" oder "plötzlich verstorben" waren.
Hi no nai tokoro kemuri wa tachinu, 火の無い所に煙は立たぬ, sag ich da nur.
Erst später habe ich herausgefunden dass man das im Deutschen ganz genau so sagt.
Ich war bis dahin davon ausgegangen, dass Deutsche Gerüchte einfach erstunken und erlogen sind.
Aber scheinbar braucht auch Deutscher Rauch ein Feuer, was mich verschiedene Dinge, die so über mich gesagt wurden, nochmal überdenken lässt....
Mist!
Also: man kann sie schon sagen, aber verstehen tun die Leute einen halt nicht.
So kann man zum Beispiel niemandem einen "Guten Appetit" wünschen. Schöne Feiertage kann man wünschen oder gleich ein ganzes Jahr voller Glück. Aber beim Essen empfängt jeder für sich. So läuft das hier: man kriegt Essen, sagt "ich empfange" (...dieses tolle Essen, das ich selber gekauft und gekocht habe...?) und dann fängt man an mit dem Essen. Isst man selbst nichts, muss man schweigen.
"Empfangen sie schön" geht überhaupt nicht.
Die Japaner haben ganz eigene Wege gefunden, Dinge auszudrücken, und dem muss man folgen.
Um so mehr überrascht bin ich, wenn ich Ausdrucksweisen finde, die tatsächlich genau so eins-zu-eins im Deutschen auftauchen.
Ob da eine gewisse universelle Wahrheit drin steckt?
Perlen vor die Säue:
Geben sie ihrem Hausschwein auch so gerne Schmuck? Die Amerikaner versuchen es ja lieber mit Lippenstift ("lipstick on a pig") um das grunzende Ungetüm etwas aufzuhübschen. Doch auch die Japaner schwören auf Perlenschmuck: Buta ni Shinju 豚に真珠, bedeutet wörtlich: Perlen für das Schweinderl, und genau das meint man auch. Aber damit nicht genug: die Japaner setzten noch einen drauf, und geben der Katz eine Goldmünze: Neko ni Koban (猫に小判). Bedeutet genau dasselbe.
Lustigerweise sind in der Japanischen Kultur ja diese "Winke-winke Katzen" (Maneki-Neko 招き猫) fest verwurzelt: das sind kleine Porzellan-Figuren von Katzen die mit der Pfote winken. Man stellt sie gern am Eingang von Geschäften auf, wo sie die Kundschaft herein-winken sollen. Und eben diese Winke-Katzen haben für gewöhnlich die andere Pfote fest auf einer Goldmünze...
Vielleicht müsste man das mit den Schweinen und den Perlen einfach mal wirklich ausprobieren.
Fäden ziehen:
Der fiese Drahtzieher im Hintergrund hat ja gerne die Fäden in der Hand (wie sind denn jetzt aus den Drähten plötzlich Fäden geworden?). Und da zieht er auch ganz fies dran 'rum - auch in Japan (Ito o hiku 糸を引く). Jetzt könnte man meinen: das kommt vom Puppenspiel, das ist einfach zu offensichtlich. Doch im Japanischen Puppenspiel: "Bunraku", gibt es gar keine Fäden. Die Glieder der Puppe sind an Stäben befestigt. Man müsste also die "Stäbchen drücken". Tut man aber nicht. Man zieht Fäden.
Wände haben Ohren:
Auf meiner Recherche für diesen Beitrag habe ich herausgefunden, dass der Begriff von den Ohren in den Wänden auf einen tatsächlichen Abhörskandal zurück geht, geschehen im 16. Jahrhundert zu Paris. Der Begriff wurde dann vom Französischen ins Deutsche übersetzt. Unwahrscheinlich, dass er viel weiter nach Osten gekommen ist, zu dieser Zeit. Und trotzen haben auch japanische Wände gerne Ohren. Und nicht nur das: diese Papier-Schiebetüren, "Schōji", haben Augen!
Kabe ni mimi ari, shōji ni me ari, 壁に耳あり障子に目あり.
Der zweite Teil ist historisch recht leicht zu verstehen: der Versuch mit einem Finger oder spitzen Gegenstand ein Guckloch ins Papier zu drücken ist wohl bekannt. Jetzt gucken sie nicht so! Wenn Sie mit dem Finger Löcher in die Wände ihres Nachbarn drücken könnten, würden sie auch der NSA Konkurrenz machen!
Wo kein Feuer, da kein Rauch:
Hier war's bei mir umgekehrt: ich habe im Japanischen eine Schöne Redensart gefunden, nach der an jedem Gerücht auch ein Stück Wahrheit dran hängt. Als Bewohner eines Dorf-Campus' bezweifle ich das zwar, aber ich konnte damit sehr gut Leute aufziehen, die plötzlich ohne ihr Wissen "verliebt", "verheiratet", "schwul" oder "plötzlich verstorben" waren.
Hi no nai tokoro kemuri wa tachinu, 火の無い所に煙は立たぬ, sag ich da nur.
Erst später habe ich herausgefunden dass man das im Deutschen ganz genau so sagt.
Ich war bis dahin davon ausgegangen, dass Deutsche Gerüchte einfach erstunken und erlogen sind.
Aber scheinbar braucht auch Deutscher Rauch ein Feuer, was mich verschiedene Dinge, die so über mich gesagt wurden, nochmal überdenken lässt....
Mist!
Samstag, 22. Februar 2014
Pan-Asiatisch
Reis.
So weit das Auge reicht: nichts als Reis.
Reisfelder überziehen die Landschaften.
Reissäcke, 10kg, im Supermarkt.
Reis unterm Essen, oder dazwischen.
Süßigkeiten aus Reismehl.
Wie so ziemlich jedes Ost-Asiatische Land hat Japan das Reiskorn zum Magenfüller #1 ernannt.
Im Mittelalter wurde sogar das Einkommen oder der Wert von Landstrichen in Reis berechnet.
und auch das Japanische Frühstück besteht aus: ....
Brot.
Okay, das stimmt so nicht: traditionell wird auch zum Frühstück Reis gegessen, gerne mit einem Stückchen Fisch und eingelegtem Gemüse.
Sie können sich schon vorstellen wie populär das heutzutage noch ist: morgens erstmal Reis kochen (viele Reis-Kocher haben dafür extra eine Wecker-Funktion eingebaut) und das dann mit Eingelegtem zu essen.
Daher wird auch hier das Brot zunehmend beliebt (schon seit geraumer Zeit sogar).
Aber wenn ich "Brot" sage, haha, glauben Sie bloß nicht, dass ich da "Brot" meine!
Nein nein! Wir reden hier von:
Pan!
Ja, genau! Pan!
Die franzosen wollten "le pain" einführen, doch es wurde "Pan".
Das hat in seiner Basis-Variante weniger Ähnlichkeit mit dem Baguette als mehr mit dem Amerikanischen Wonder-Bread: weich wie ein Schwamm und süß wie Kuchen.
Und auch sonst wären die Japaner nicht die Japaner wenn sie die Welt nicht mit ihrer ganz eigenen Misinterpretation fremder Kulturen beglücken würden.
Ein Abstecher durchs Land der aufgehenden Semmel...
AnPan:
Wenn Japaner etwas Süßes wollen, essen sie gerne diese roten Bohnen: "An".
Die sind eher batzig (weil sie ja mit Zucker eingematscht werden). Doch man kann sie in eine Semmel füllen und hat dann soetwas wie einen Krapfen:
das AnPan.
Das ist so populär bei Kindern, dass es sogar einen Zeichentrick-Helden dazu gibt: den AnPanMan.
Nein, ich denke mir das nicht aus. Fragen sie ihren nächstbesten Japaner: das ist die mit Abstand beliebteste Zeichentrick-Figur, und jedes Kind kennt den knuffigen Kerl mit dem AnPan-Gesicht, das man natürlich essen kann. (Einen essbaren Superhelden - sagen sie dass mal dem Mann aus Stahl!)
Hey: eine Zeichentrickfigur, basierdend auf Essen, die man essen kann? Das kann man doch bestimmt gut vermarkten. Richtig: wir sprechen hier von Brot, mit AnPanMan-Gesicht darauf: dem AnPanManPan! [sic!]
Und weil Kindern Schokolade ja eigentlich viel besser schmeckt als Bohnen, ist das AnPanManPan oft mit Schokolade statt mit An gefüllt.
Also nochmal:
AnPanManPan ist mit Schokolade gefülltes Brot, basierden auf einer Zeichentrickfigur, die auf Brot basiert, dass seinen Namen von der An-Bohnen Füllung hat.
Bleibt zu erwähnen, dass das rechtlich nicht immer ganz sauber ist, weil ja irgendwer die Rechte an der Figur hat, aber nicht am AnPan...
Melon-Pan:
Nummer2 in der Liste beliebter Süßigkeiten ist das Melonen-Brot.
Das hat genau gar nichts mit Melonen zu tun. Das ist einfach stark gezuckertes Brot - so stark gezuckert, dass es an der Oberfläche eine Pseudo-Kruste ergibt.
(Wie heißt "pökeln" mit Zucker?)
Warum heißt es dann Melonen-Brot? Wegen der Form!
Was hat eine Melone denn für eine besondere Form?
Naja, rund halt. AnPan ist auch Rund, aber es ist mehr kugelförmig-dick, und Melon-Pan eher flach.
Also sieht es eigentlich weniger wie eine Melone aus als das AnPan.
Aber die Farbe kommt etwas besser hin.
Natürlich gibt's das auch wieder in Schokolade, falls ihnen "keine Melone" nicht schmeckt.
Letztens habe ich gelesen, dass es jetzt sogar Melon-Pan mit Melonen-Geschmack geben soll.
Verrückt, oder?
YakiSoba-Pan:
Haben sie mal von Pizza Spaghetti gehört? Da haben sich so Leute mal überlegt: wenn man sich nicht zwischen Pizza und Pasta entscheiden kann, packt man die Pasta einfach oben auf den Pizzaboden und hat alle glücklich gemacht. (Außer die Italiener, die erst einen Herzanfall bekommen, um dann im Grabe rotieren zu können).
Hier gibt es das ähnliche Konzept: die beliebten YakiSoba-Nudeln werden in ein aufgeschnittenes Brötchen gelegt. Fragen sie mich nicht warum. Eigentlich passt das überhaupt nicht zusammen: die würzigen YakiSoba-Nudeln mit Fleisch-Stückchen im süß-weichen Schaumstoff-Brot.
Vielleicht einfach weil man YakiSoba so schlecht mit den Händen essen kann.
Jedenfalls ist es so beliebt, dass man es an jeder Ecke kaufen kann.
Das ist jetzt keine Übertreibung: wer mal hier war, kennt die Dichte an kleinen Conbini-Shops. Und jeder Conbini bietet YakiSoba-Pan an.
Also irgendwer scheint's gerne zu essen...
So weit das Auge reicht: nichts als Reis.
Reisfelder überziehen die Landschaften.
Reissäcke, 10kg, im Supermarkt.
Reis unterm Essen, oder dazwischen.
Süßigkeiten aus Reismehl.
Wie so ziemlich jedes Ost-Asiatische Land hat Japan das Reiskorn zum Magenfüller #1 ernannt.
Im Mittelalter wurde sogar das Einkommen oder der Wert von Landstrichen in Reis berechnet.
und auch das Japanische Frühstück besteht aus: ....
Brot.
Okay, das stimmt so nicht: traditionell wird auch zum Frühstück Reis gegessen, gerne mit einem Stückchen Fisch und eingelegtem Gemüse.
Sie können sich schon vorstellen wie populär das heutzutage noch ist: morgens erstmal Reis kochen (viele Reis-Kocher haben dafür extra eine Wecker-Funktion eingebaut) und das dann mit Eingelegtem zu essen.
Daher wird auch hier das Brot zunehmend beliebt (schon seit geraumer Zeit sogar).
Aber wenn ich "Brot" sage, haha, glauben Sie bloß nicht, dass ich da "Brot" meine!
Nein nein! Wir reden hier von:
Pan!
Ja, genau! Pan!
Die franzosen wollten "le pain" einführen, doch es wurde "Pan".
Das hat in seiner Basis-Variante weniger Ähnlichkeit mit dem Baguette als mehr mit dem Amerikanischen Wonder-Bread: weich wie ein Schwamm und süß wie Kuchen.
Und auch sonst wären die Japaner nicht die Japaner wenn sie die Welt nicht mit ihrer ganz eigenen Misinterpretation fremder Kulturen beglücken würden.
Ein Abstecher durchs Land der aufgehenden Semmel...
AnPan:
Wenn Japaner etwas Süßes wollen, essen sie gerne diese roten Bohnen: "An".
Die sind eher batzig (weil sie ja mit Zucker eingematscht werden). Doch man kann sie in eine Semmel füllen und hat dann soetwas wie einen Krapfen:
das AnPan.
Das ist so populär bei Kindern, dass es sogar einen Zeichentrick-Helden dazu gibt: den AnPanMan.
Nein, ich denke mir das nicht aus. Fragen sie ihren nächstbesten Japaner: das ist die mit Abstand beliebteste Zeichentrick-Figur, und jedes Kind kennt den knuffigen Kerl mit dem AnPan-Gesicht, das man natürlich essen kann. (Einen essbaren Superhelden - sagen sie dass mal dem Mann aus Stahl!)
Hey: eine Zeichentrickfigur, basierdend auf Essen, die man essen kann? Das kann man doch bestimmt gut vermarkten. Richtig: wir sprechen hier von Brot, mit AnPanMan-Gesicht darauf: dem AnPanManPan! [sic!]
Und weil Kindern Schokolade ja eigentlich viel besser schmeckt als Bohnen, ist das AnPanManPan oft mit Schokolade statt mit An gefüllt.
Also nochmal:
AnPanManPan ist mit Schokolade gefülltes Brot, basierden auf einer Zeichentrickfigur, die auf Brot basiert, dass seinen Namen von der An-Bohnen Füllung hat.
Bleibt zu erwähnen, dass das rechtlich nicht immer ganz sauber ist, weil ja irgendwer die Rechte an der Figur hat, aber nicht am AnPan...
Melon-Pan:
Nummer2 in der Liste beliebter Süßigkeiten ist das Melonen-Brot.
Das hat genau gar nichts mit Melonen zu tun. Das ist einfach stark gezuckertes Brot - so stark gezuckert, dass es an der Oberfläche eine Pseudo-Kruste ergibt.
(Wie heißt "pökeln" mit Zucker?)
Warum heißt es dann Melonen-Brot? Wegen der Form!
Was hat eine Melone denn für eine besondere Form?
Naja, rund halt. AnPan ist auch Rund, aber es ist mehr kugelförmig-dick, und Melon-Pan eher flach.
Also sieht es eigentlich weniger wie eine Melone aus als das AnPan.
Aber die Farbe kommt etwas besser hin.
Natürlich gibt's das auch wieder in Schokolade, falls ihnen "keine Melone" nicht schmeckt.
Letztens habe ich gelesen, dass es jetzt sogar Melon-Pan mit Melonen-Geschmack geben soll.
Verrückt, oder?
YakiSoba-Pan:
Haben sie mal von Pizza Spaghetti gehört? Da haben sich so Leute mal überlegt: wenn man sich nicht zwischen Pizza und Pasta entscheiden kann, packt man die Pasta einfach oben auf den Pizzaboden und hat alle glücklich gemacht. (Außer die Italiener, die erst einen Herzanfall bekommen, um dann im Grabe rotieren zu können).
Hier gibt es das ähnliche Konzept: die beliebten YakiSoba-Nudeln werden in ein aufgeschnittenes Brötchen gelegt. Fragen sie mich nicht warum. Eigentlich passt das überhaupt nicht zusammen: die würzigen YakiSoba-Nudeln mit Fleisch-Stückchen im süß-weichen Schaumstoff-Brot.
Vielleicht einfach weil man YakiSoba so schlecht mit den Händen essen kann.
Jedenfalls ist es so beliebt, dass man es an jeder Ecke kaufen kann.
Das ist jetzt keine Übertreibung: wer mal hier war, kennt die Dichte an kleinen Conbini-Shops. Und jeder Conbini bietet YakiSoba-Pan an.
Also irgendwer scheint's gerne zu essen...
Sonntag, 16. Februar 2014
Kein Problem
Ich schreibe hier ja immer über die großen und kleinen Probleme die ich so habe: mit der Sprache, mit den Leuten, mit dem Alltag.
Der Grund dafür ist ganz einfach: man kann leichter lustiges Zeug schreiben, wenn Dinge nicht glatt gehen. Dinge die gut laufen sind ein bisschen langweilig.
Um dem Eindruck: "es ist alles ganz furchtbar hier" entgegenzuwirken, jetzt mal eine Sammlung an Dingen mit denen es hier mal überhaupt keine Probleme gibt.
Diebstahl:
Seit einiger Zeit ist es hier Mode für Jungs, diese langen Geldbeutel zu verwenden, wie Kellner sie manchmal haben. Die sind etwa 25cm lang. Man(n) steckt sie dann in die Gesäßtasche. Die Gesäßtasche ist etwa 12cm tief. Sie sehen das Problem?
Eine solche Mode würde sich in den meisten Ländern der Welt selbst verbieten, einfach weil sie gar nicht so schnell neue Geldbeutel kaufen können wie die ihnen geklaut werden. (Also: zeitmäßig würde das schon klappen, aber ihnen fehlt ja jetzt das Geld um einen neuen Geldbeutel zu kaufen.
Aber nicht in Japan. Auch wenn immer wieder vor Taschendiebstahl gewarnt wird, wird so gut wie nichts geklaut. (außer Regenschirmen bei Regen).
Deswegen haben Japaner auch kein Problem damit alle Dinge mit Bargeld zu erledigen, sei es Miete, Autokauf oder sonst-noch-was. Neben jedem Geldautomaten gibt es einen Spender für diskrete Briefkuverts. Da nehmen sie sich einen und stecken nen Haufen Geld rein und zahlen so ihre Rechnungen. Wenn Ihnen komisch wird bei dem Gedanken ein paar tausend Euro in einem Briefkuvert in der Manteltasche mit sich herumzutragen sind Sie kein echter Japaner. Noch nicht.
Mann gewöhnt sich so schnell daran, dass es schon nicht mehr gut ist. An Halloween hat mein Kostüm keine Taschen. Also mache ich ein Bündelchen aus Geldbeutel, Schlüssel, Handy, lege das in eine Ecke der Bar und gehe mich amüsieren. Als ich wiederkomme ist das Bündel weg. Ich suche für etwa 20 Minuten. Es kommt mir die ganzen 20Minuten nicht in den Sinn, dass irgendjemand das Zeug geklaut haben könnte, also suche ich weiter. Ein Kellner sieht mich suchen, und nach ein paar unangenehm formulierten Fragen gibt er mir das Zeug wieder: er hatte es Sicherheitshalber eingesteckt und hält mir eine Standpauke, dass ich das nicht machen soll weil: (festhalten) "sind ja auch Ausländer hier"!
Er war übrigens selbst Ausländer, was die ganze Situation noch absurder gemacht hat.
Es beleibt anzumerken, dass es natürlich schon Diebstähle gibt, aber die Gefahr ist um ein vielfaches Geringer als... so ziemlich überall woanders.
Zugfahren:
Jaja, das Züge hier pünklich sind, auf den Meter genau an Bahnsteig-Markierungen halten und adrettes Personal am Bahnsteig aufpasst, dass keiner im Gleisbett rumklettert, das kennen wir alles schon. Aber eine ganz andere Sache wird oft vergessen: sie können überhaupt nicht versehentlich schwarz fahren oder das falsche Ticket kaufen.
Wenn Sie den Bahnhof betreten finden sie gleich eine große Karte mit dem Zugnetz. Und bei jeder Station steht gleich dabei wie viel es von hier nach dort kostet. Darunter sind auch gleich die Fahrkarten-Automaten, sie können also während dem Kauf nochmal nach gucken.
Das können sie auch gar nicht vergessen, weil sie ohne ein Ticket gar nicht durch das Ticket-Gate bis zum Bahnsteig kommen. Sie können auch nicht das falsche Ticket gekauft haben, weil sie mit dem falschen Ticket am Zielbahnhof nicht mehr durch das Ticket-Gate hinaus kommen. Für solche fälle finden sich im Bahnhof "Fare-Adjustment" Automaten, an denen sie nach-zahlen können.
Das ist übrigens ein beliebter Trick wenn sie noch nicht genau wissen wo sie eigentlich hin wollen: einfach das billigste Ticket kaufen und losfahren, am Ziel dann den Rest zahlen.
Aber meist brauchen Sie das eh nicht: jeder der länger als ein paar Wochen hier ist holt sich einfach eine IC(RFID)-Karte. Die drücken Sie einfach aufs Lesegerät am Ticket-Gate und der Betrag wird automatisch abgebucht.
Okay, das war die Bahn, aber Busse sind ja nicht so toll, oder? Tatsächlich kann es bei einigen der konkurrierenden Bus-Systemen dazu kommen, dass sie zu viel zahlen. Wenn sie gleich den Fahrer aufmerksam machen, schreibt der ihnen ein Rezept - direkt das Geld zurück geben kann er nicht.
Toll, denkt man sich, das rentiert sich ja eh nicht dafür extra zur Bus-Firma zu gehen.
Muss man auch nicht: das Rezept wird von den Bussen wiederum als Zahlungsmittel akzeptiert. Sie können es also nächstes mal von ihrem Fahrpreis abziehen.
Warten gelassen werden:
Japaner sagen ja immer: "Verzeihung dass ich Sie habe warten lassen." Auch wenn sie einen gar nicht warten lassen haben - das ist so eine Standard-Floskel wie "Beehren Sie uns bald wieder".
Denn im Vergleich zu anderen Ländern wird man eigentlich recht wenig warten gelassen.
Auf dem Amt zum Beispiel: zwar ist der Bürokratische Apparat ähnlich aufwändig wie in Deutschland, aber dafür kann man die meisten Dinge gleich in einem einzigen Besuch mit nur kurzer Wartepause erledigen.
Und nachdem es die Japaner mit dem Wochenende nicht so genau nehmen (Geschäfte haben auch Samstag und Sonntag bis spät Abends offen), müssen sie meist auch nicht bis Montag warten:
wenn sie Freitag Abend oder Samstag früh etwas brauchen sorgen Firma und Post sorgen dafür, dass sie es auch am Sonntag noch kriegen.
Der Grund dafür ist ganz einfach: man kann leichter lustiges Zeug schreiben, wenn Dinge nicht glatt gehen. Dinge die gut laufen sind ein bisschen langweilig.
Um dem Eindruck: "es ist alles ganz furchtbar hier" entgegenzuwirken, jetzt mal eine Sammlung an Dingen mit denen es hier mal überhaupt keine Probleme gibt.
Diebstahl:
Seit einiger Zeit ist es hier Mode für Jungs, diese langen Geldbeutel zu verwenden, wie Kellner sie manchmal haben. Die sind etwa 25cm lang. Man(n) steckt sie dann in die Gesäßtasche. Die Gesäßtasche ist etwa 12cm tief. Sie sehen das Problem?
Eine solche Mode würde sich in den meisten Ländern der Welt selbst verbieten, einfach weil sie gar nicht so schnell neue Geldbeutel kaufen können wie die ihnen geklaut werden. (Also: zeitmäßig würde das schon klappen, aber ihnen fehlt ja jetzt das Geld um einen neuen Geldbeutel zu kaufen.
Aber nicht in Japan. Auch wenn immer wieder vor Taschendiebstahl gewarnt wird, wird so gut wie nichts geklaut. (außer Regenschirmen bei Regen).
Deswegen haben Japaner auch kein Problem damit alle Dinge mit Bargeld zu erledigen, sei es Miete, Autokauf oder sonst-noch-was. Neben jedem Geldautomaten gibt es einen Spender für diskrete Briefkuverts. Da nehmen sie sich einen und stecken nen Haufen Geld rein und zahlen so ihre Rechnungen. Wenn Ihnen komisch wird bei dem Gedanken ein paar tausend Euro in einem Briefkuvert in der Manteltasche mit sich herumzutragen sind Sie kein echter Japaner. Noch nicht.
Mann gewöhnt sich so schnell daran, dass es schon nicht mehr gut ist. An Halloween hat mein Kostüm keine Taschen. Also mache ich ein Bündelchen aus Geldbeutel, Schlüssel, Handy, lege das in eine Ecke der Bar und gehe mich amüsieren. Als ich wiederkomme ist das Bündel weg. Ich suche für etwa 20 Minuten. Es kommt mir die ganzen 20Minuten nicht in den Sinn, dass irgendjemand das Zeug geklaut haben könnte, also suche ich weiter. Ein Kellner sieht mich suchen, und nach ein paar unangenehm formulierten Fragen gibt er mir das Zeug wieder: er hatte es Sicherheitshalber eingesteckt und hält mir eine Standpauke, dass ich das nicht machen soll weil: (festhalten) "sind ja auch Ausländer hier"!
Er war übrigens selbst Ausländer, was die ganze Situation noch absurder gemacht hat.
Es beleibt anzumerken, dass es natürlich schon Diebstähle gibt, aber die Gefahr ist um ein vielfaches Geringer als... so ziemlich überall woanders.
Zugfahren:
Jaja, das Züge hier pünklich sind, auf den Meter genau an Bahnsteig-Markierungen halten und adrettes Personal am Bahnsteig aufpasst, dass keiner im Gleisbett rumklettert, das kennen wir alles schon. Aber eine ganz andere Sache wird oft vergessen: sie können überhaupt nicht versehentlich schwarz fahren oder das falsche Ticket kaufen.
Wenn Sie den Bahnhof betreten finden sie gleich eine große Karte mit dem Zugnetz. Und bei jeder Station steht gleich dabei wie viel es von hier nach dort kostet. Darunter sind auch gleich die Fahrkarten-Automaten, sie können also während dem Kauf nochmal nach gucken.
Das können sie auch gar nicht vergessen, weil sie ohne ein Ticket gar nicht durch das Ticket-Gate bis zum Bahnsteig kommen. Sie können auch nicht das falsche Ticket gekauft haben, weil sie mit dem falschen Ticket am Zielbahnhof nicht mehr durch das Ticket-Gate hinaus kommen. Für solche fälle finden sich im Bahnhof "Fare-Adjustment" Automaten, an denen sie nach-zahlen können.
Das ist übrigens ein beliebter Trick wenn sie noch nicht genau wissen wo sie eigentlich hin wollen: einfach das billigste Ticket kaufen und losfahren, am Ziel dann den Rest zahlen.
Aber meist brauchen Sie das eh nicht: jeder der länger als ein paar Wochen hier ist holt sich einfach eine IC(RFID)-Karte. Die drücken Sie einfach aufs Lesegerät am Ticket-Gate und der Betrag wird automatisch abgebucht.
Okay, das war die Bahn, aber Busse sind ja nicht so toll, oder? Tatsächlich kann es bei einigen der konkurrierenden Bus-Systemen dazu kommen, dass sie zu viel zahlen. Wenn sie gleich den Fahrer aufmerksam machen, schreibt der ihnen ein Rezept - direkt das Geld zurück geben kann er nicht.
Toll, denkt man sich, das rentiert sich ja eh nicht dafür extra zur Bus-Firma zu gehen.
Muss man auch nicht: das Rezept wird von den Bussen wiederum als Zahlungsmittel akzeptiert. Sie können es also nächstes mal von ihrem Fahrpreis abziehen.
Warten gelassen werden:
Japaner sagen ja immer: "Verzeihung dass ich Sie habe warten lassen." Auch wenn sie einen gar nicht warten lassen haben - das ist so eine Standard-Floskel wie "Beehren Sie uns bald wieder".
Denn im Vergleich zu anderen Ländern wird man eigentlich recht wenig warten gelassen.
Auf dem Amt zum Beispiel: zwar ist der Bürokratische Apparat ähnlich aufwändig wie in Deutschland, aber dafür kann man die meisten Dinge gleich in einem einzigen Besuch mit nur kurzer Wartepause erledigen.
Und nachdem es die Japaner mit dem Wochenende nicht so genau nehmen (Geschäfte haben auch Samstag und Sonntag bis spät Abends offen), müssen sie meist auch nicht bis Montag warten:
wenn sie Freitag Abend oder Samstag früh etwas brauchen sorgen Firma und Post sorgen dafür, dass sie es auch am Sonntag noch kriegen.
Mittwoch, 29. Januar 2014
Das können Sie so nicht sagen!
Japanisch ist eine unheimlich dichte Sprache.
Es gibt darin ja vergleichsweise wenig Laute - selbst das "L" und "R" sind ja bekanntlich untrennbar verschmolzen. Doppel-Konsonanten gibts auch nicht. Die Chinesen haben sich ja mit variierten Tonhöhen etwas (Sprach-)Raum geschaffen - die Japaner nicht. Beengte Verhältnisse ist man hier gewohnt...
Also wird der kleine Raum an Lauten die sie nutzen können, mit viel zu vielen Worten voll-gestopft. Dass es da zu Zusammenstößen (also: Homophonen, Worte die genau gleich ausgesprochen werden) kommt ist klar - habe ich hier ja schon erzählt. Auch nebeneinander, dicht an dicht drängeln sich die Vokabeln, so dass ein kleiner Fehler sofort ein anderes Wort trifft. Man sagt: "kiite", hör mal, "kite" komm mal, "kitte", schneid' mal. Das sollten sie sich gut merken, um nicht von ihrem Zuhörer abgestochen to werden.
Natürlich haben auch andere Sprachen einen großen Wortschatz, aber den verwenden sie meist nicht. Japaner aber bestehen darauf, auch im Alltag tief in die Wortschatztruhe zu greifen, und finden dort oft eine große Auswahl an Worten, die alle die gleiche, schwammige Bedeutung haben, aber andere Nuancen. So kann die "Veränderung" entweder "kawari", "henkō", "henka", "henkan" oder eines von etwa 5 anderen Worten sein, die alle "Veränderung" heißen wollen. Die sind fast austauschbar... aber eben nur fast...
Kurz: ist eng hier!
Um so schwerer zu glauben, dass in der Japanischen Sprache einige gigantische Löcher klaffen.
Also: Dinge, die man auf Japanisch einfach nicht sagen kann.
Es gibt einfach keine Worte und keine Grammatik dafür.
Also aufgemerkt: drei Dinge, die Sie auf Japanisch nicht sagen können...
Das erste das beim lernen auffällt: sie werden nie Japanisch sprechen.... denn es gibt keinen Futur!
Für alles was in der Zukunft liegt, verwendet man die Gegenwartsform. Sie sprechen Japanisch, oder eben nicht. Deprimierend nicht?
Klar, auch in Deutschland kann man schon am Montag sagen: "Ich gehe am Sonntag in die Kirche". Aber man kann sich dann dieser Lüge ertappen und korrigieren: "Ich werde am Sonntag in die Kirche gehen". Dann lügt man zwar immer noch, aber es ist jetzt grammatikalisch korrekt gelogen.
Im Japanischen geht das einfach nicht. Japaner kennen kein Aufschieben: wird alles sofort erledigt!
Ein einziges Feigenblatt gibt es dann doch noch: man kann sagen, dass es "einen Plan" gibt etwas zu tun. Naja, Planung ist ja schon die halbe Durchführung, also geht das wohl in Ordnung.
Für Dinge die sich nicht planen lassen (zum Beispiel Regen) müssen sie also eine Zeit angeben.
Im Deutschen haben wir zwei Worte für Bedingungen: "falls" "wenn". Das eine drückt etwas mehr Unsicherheit über das Ja-oder-Nein aus, das andere bezieht sich mehr auf den Zeitrahmen.
Japaner brauchen da etwas mehr Ellenbogenfreiheit: 5 verschiedene Konstrukte haben sie zur Auswahl: ~tara, ~eba, ~nara, to, und ba-ai.
Alle haben sie leichte Nuancen in die eine oder andere Richtung.
Weit kommen sie aber nicht: den Bereich des Möglichen verlassen sie nie.
Ich würde ja ein "würde" verwenden, um darauf hinzuweisen, dass ich diese Option gerne wählen würde, es sie aber leider nicht gibt.
Gibt's aber nicht: in Japan ist alles möglich, also braucht man auch kein "würde" oder "wäre" um über Dinge zu reden, die gar nicht möglich sind. Das sind nur Ausreden sich nicht richtig anzustrengen.
Also merken sie sich: wenn sie ein Vöglein sind, werden sie fliegen! Also fangen Sie besser bald mit dem Arme-wackeln an.
Man muss sich also etwas mit dem Japanischen anfreunden. Also, dass heißt: man darf. Man wird "gelassen", nicht "gezwungen". Ob man will oder nicht! Denn man kann hier auch zwangs-"gelassen" werden, wenn man nicht will.
Denn es gibt keine Möglichkeit den Unterschied zwischen Option und Zwang auszusprechen.
Also: es ist einfach dasselbe Wort: "saseru".
Ob die Mutter nun Eiscreme oder ranzigen Kohl auf den Tisch stillt, sie lässt das Kind (auf)essen.
Interessanterweise ist diese Art sich auszudrücken im Deutschen viel eher nachzuvollziehen als etwa im Englischen, wo kräftig zwischen "let someone" und "make someone" unterschieden wird.
Das könnte auf eine ähnliche Geisteshaltung hinweisen: Sie müssen leiden wollen, sonst könnte man Sie ja nicht "leiden lassen".
Ob das einer der Gründe für die gute Deutsch-Japanische Verständigung ist...?
Es gibt darin ja vergleichsweise wenig Laute - selbst das "L" und "R" sind ja bekanntlich untrennbar verschmolzen. Doppel-Konsonanten gibts auch nicht. Die Chinesen haben sich ja mit variierten Tonhöhen etwas (Sprach-)Raum geschaffen - die Japaner nicht. Beengte Verhältnisse ist man hier gewohnt...
Also wird der kleine Raum an Lauten die sie nutzen können, mit viel zu vielen Worten voll-gestopft. Dass es da zu Zusammenstößen (also: Homophonen, Worte die genau gleich ausgesprochen werden) kommt ist klar - habe ich hier ja schon erzählt. Auch nebeneinander, dicht an dicht drängeln sich die Vokabeln, so dass ein kleiner Fehler sofort ein anderes Wort trifft. Man sagt: "kiite", hör mal, "kite" komm mal, "kitte", schneid' mal. Das sollten sie sich gut merken, um nicht von ihrem Zuhörer abgestochen to werden.
Natürlich haben auch andere Sprachen einen großen Wortschatz, aber den verwenden sie meist nicht. Japaner aber bestehen darauf, auch im Alltag tief in die Wortschatztruhe zu greifen, und finden dort oft eine große Auswahl an Worten, die alle die gleiche, schwammige Bedeutung haben, aber andere Nuancen. So kann die "Veränderung" entweder "kawari", "henkō", "henka", "henkan" oder eines von etwa 5 anderen Worten sein, die alle "Veränderung" heißen wollen. Die sind fast austauschbar... aber eben nur fast...
Kurz: ist eng hier!
Um so schwerer zu glauben, dass in der Japanischen Sprache einige gigantische Löcher klaffen.
Also: Dinge, die man auf Japanisch einfach nicht sagen kann.
Es gibt einfach keine Worte und keine Grammatik dafür.
Also aufgemerkt: drei Dinge, die Sie auf Japanisch nicht sagen können...
Das erste das beim lernen auffällt: sie werden nie Japanisch sprechen.... denn es gibt keinen Futur!
Für alles was in der Zukunft liegt, verwendet man die Gegenwartsform. Sie sprechen Japanisch, oder eben nicht. Deprimierend nicht?
Klar, auch in Deutschland kann man schon am Montag sagen: "Ich gehe am Sonntag in die Kirche". Aber man kann sich dann dieser Lüge ertappen und korrigieren: "Ich werde am Sonntag in die Kirche gehen". Dann lügt man zwar immer noch, aber es ist jetzt grammatikalisch korrekt gelogen.
Im Japanischen geht das einfach nicht. Japaner kennen kein Aufschieben: wird alles sofort erledigt!
Ein einziges Feigenblatt gibt es dann doch noch: man kann sagen, dass es "einen Plan" gibt etwas zu tun. Naja, Planung ist ja schon die halbe Durchführung, also geht das wohl in Ordnung.
Für Dinge die sich nicht planen lassen (zum Beispiel Regen) müssen sie also eine Zeit angeben.
Im Deutschen haben wir zwei Worte für Bedingungen: "falls" "wenn". Das eine drückt etwas mehr Unsicherheit über das Ja-oder-Nein aus, das andere bezieht sich mehr auf den Zeitrahmen.
Japaner brauchen da etwas mehr Ellenbogenfreiheit: 5 verschiedene Konstrukte haben sie zur Auswahl: ~tara, ~eba, ~nara, to, und ba-ai.
Alle haben sie leichte Nuancen in die eine oder andere Richtung.
Weit kommen sie aber nicht: den Bereich des Möglichen verlassen sie nie.
Ich würde ja ein "würde" verwenden, um darauf hinzuweisen, dass ich diese Option gerne wählen würde, es sie aber leider nicht gibt.
Gibt's aber nicht: in Japan ist alles möglich, also braucht man auch kein "würde" oder "wäre" um über Dinge zu reden, die gar nicht möglich sind. Das sind nur Ausreden sich nicht richtig anzustrengen.
Also merken sie sich: wenn sie ein Vöglein sind, werden sie fliegen! Also fangen Sie besser bald mit dem Arme-wackeln an.
Man muss sich also etwas mit dem Japanischen anfreunden. Also, dass heißt: man darf. Man wird "gelassen", nicht "gezwungen". Ob man will oder nicht! Denn man kann hier auch zwangs-"gelassen" werden, wenn man nicht will.
Denn es gibt keine Möglichkeit den Unterschied zwischen Option und Zwang auszusprechen.
Also: es ist einfach dasselbe Wort: "saseru".
Ob die Mutter nun Eiscreme oder ranzigen Kohl auf den Tisch stillt, sie lässt das Kind (auf)essen.
Interessanterweise ist diese Art sich auszudrücken im Deutschen viel eher nachzuvollziehen als etwa im Englischen, wo kräftig zwischen "let someone" und "make someone" unterschieden wird.
Das könnte auf eine ähnliche Geisteshaltung hinweisen: Sie müssen leiden wollen, sonst könnte man Sie ja nicht "leiden lassen".
Ob das einer der Gründe für die gute Deutsch-Japanische Verständigung ist...?
Montag, 13. Januar 2014
Zwischen den Jahren
Und in der Bibel steht geschrieben dass der Herr Herodes sie zum zählen an Weihnachten in ihre Heimatstädte beordert hat. Und so kommen wir auch heute noch jedes Jahr an Weihnachten alle nach Hause. Und weil wir uns da endlich alle mal wieder sehen, plaudern wir, wie's inzwischen so zu geht in den Teilen der Welt in denen wir sonst so rum hängen.
Und natürlich kommt da wieder die Frage die da kommen muss:
"Feiern die denn auch Weihnachten/Neujahr in Japan?"
Also baue ich diesmal schonmal fürs nächste Jahr vor, und erzähle hier die ganze Geschichte:
Was in Japan zu zwischen den Jahren passiert....
Weihnachten:
Natürlich kann sich kein Land heute vom US-Kulturexport abschotten. Auch in Deutschland wurden Nikolaus und Christkind schon lange ersetzt durch Santa Claus. Und die Japaner stehen eh auf extravagante Beleuchtung zur kalten Jahreszeit.
Also hat auch hier das "Kurisu-masu" Einzug gehalten.
Allerdings haben die Japaner das "Fest der Liebe" etwas falsch verstanden:
nicht Nächstenliebe, sondern "Dir-Am-Nächsten"-Liebe der romantischen Zweisamkeit.
Und weil viele gerade keinen geeigneten "Nächsten" zum knutschen unterm Weihnachtsbaum haben, wird daraus schnell eine "Nächst-Besten-Liebe" - greifen Sie sich einfach einen um nicht alleine durch die mit Leuchtgirlanden behangene Stadt zu wandern.
Also kurz: für Japaner ist Weihnachten, was für uns der Valentinstag.... wäre, wenn's uns nicht Wurscht wäre.
Vor dem deutschen Generalkonsulat gibt es schon seit November einen "German Christmas Market". Das ist der kitschigste, teuerste, überbewertetste Christkindlmarkt den Sie je gesehen haben, aber es ist wirklich ein deutscher Christkindlmarkt. Mit Glühwein, Wurstsemmel, Buden die diesen ganzen Krims-krams verkaufen... und Weihnachtsbaum. Ganz aus Plastik und LEDs, als stilisierter Conus. Dafür groß.
Aber keine Angst: auch Amerikanische Tradition wird so ordentlich durch den Fleischwolf gedreht. Und dann frittiert. Nämlich der Truthahn. Der wird ersetzt durch: Kentucky Fried Chicken, also Mc.Nuggets. Das hat KFC durch geschicktes Marketing schon selbst mitverschuldet.
Eine japanische Freundin schmetterte meine Kritik dann auch einfach ab:
"Versuch mal in Japan einen Truthahn zu kriegen!"
Unser lieblings Ausländer-Magazin hier hatte sogar einen extra Artikel darüber, in welchem Import-Shop man am besten seinen Truthahn kauft. (Auflösung: es gibt nur einen, bestellen Sie besser vor).
Neujahr:
Und weil Weihnachten so komplett verkehrt mit schriller Liebe gefeiert wurde, sind die Japaner konsequent und feiern Neujahr in Ruhe und Frieden zu hause mit der Familie.
Feuerwerk, im Sommer fester Bestandteil jeder Party, sind hier Tabu. Überhaupt: alles was Krach und Arbeit macht ist verpönt. Das Essen wird schonmal für die ersten drei Tage im Jahr vorbereitet. Also: es wird so etwas wie eine Lunch-Box gebastelt. Nur eben für jede Mahlzeit. Und dann werden die Gehsteige Hochgeklappt und es kehrt Ruhe ein im Inselstaat.
Nur die Züge fahren ausnahmsweise die ganze Nacht. Das freut Ausländer in Party-Laune. Die Wundern sich dann nur, dass nach dem Count-Down plötzlich die ganzen Japaner weg sind. Denn die Züge fahren nicht für die Party, sondern damit man baldmöglichst zum Schrein kommt.
Denn der Neujahrs-Besuch im Schrein ist für Japaner was uns der Kirchgang an Heiligabend ist.
Das ist wichtig um für ein gutes Jahr zu beten!
Und damit man nicht das ganze Jahr warten muss um zu sehen, ob das Beten erfolgreich war, kann man auch gleich ein Los ziehen, dass einem das Schicksal vorher sagt.
Da steht dann ganz oben so etwas wie "Großes Glück" oder "So nen bisschen Glück" oder "Unglück" drauf, und weiter unten wird das nochmal im Detail erklärt. Dass der Liebespartner noch etwas auf sich warten lässt, aber die Kindesgeburt schon glatt gehen wird. Man pickt sich also raus was man will und kauft sich notfalls noch ein Los oder knotet es an einen Zaun. Das soll helfen.
Dann geht man Heim und macht die ganzen Glückwunschkarten auf. Die kommen auch garantiert pünktlich, denn die Japanische Post hat einen extra Service: alle Neujahrs-Karten die rechtzeitig abgeschickt werden, werden aufbewahrt und alle gleichzeitig am Neujahrstag zugestellt.
Die Deutsche Post hat das natürlich nicht. Die zwei Neujahrskarten die ich bekommen habe wurden beide nicht an Neujahr zugestellt sondern entweder zu früh oder viel zu spät.
Die Japanische Post hat dafür auch meine Weihnachtskarten (die ich alle gleichzeitig weggeschickt habe) gleichmäßig zwischen dem 22. und 29. Dezember verteilt....
Und natürlich kommt da wieder die Frage die da kommen muss:
"Feiern die denn auch Weihnachten/Neujahr in Japan?"
Also baue ich diesmal schonmal fürs nächste Jahr vor, und erzähle hier die ganze Geschichte:
Was in Japan zu zwischen den Jahren passiert....
Weihnachten:
Natürlich kann sich kein Land heute vom US-Kulturexport abschotten. Auch in Deutschland wurden Nikolaus und Christkind schon lange ersetzt durch Santa Claus. Und die Japaner stehen eh auf extravagante Beleuchtung zur kalten Jahreszeit.
Also hat auch hier das "Kurisu-masu" Einzug gehalten.
Allerdings haben die Japaner das "Fest der Liebe" etwas falsch verstanden:
nicht Nächstenliebe, sondern "Dir-Am-Nächsten"-Liebe der romantischen Zweisamkeit.
Und weil viele gerade keinen geeigneten "Nächsten" zum knutschen unterm Weihnachtsbaum haben, wird daraus schnell eine "Nächst-Besten-Liebe" - greifen Sie sich einfach einen um nicht alleine durch die mit Leuchtgirlanden behangene Stadt zu wandern.
Also kurz: für Japaner ist Weihnachten, was für uns der Valentinstag.... wäre, wenn's uns nicht Wurscht wäre.
Vor dem deutschen Generalkonsulat gibt es schon seit November einen "German Christmas Market". Das ist der kitschigste, teuerste, überbewertetste Christkindlmarkt den Sie je gesehen haben, aber es ist wirklich ein deutscher Christkindlmarkt. Mit Glühwein, Wurstsemmel, Buden die diesen ganzen Krims-krams verkaufen... und Weihnachtsbaum. Ganz aus Plastik und LEDs, als stilisierter Conus. Dafür groß.
Aber keine Angst: auch Amerikanische Tradition wird so ordentlich durch den Fleischwolf gedreht. Und dann frittiert. Nämlich der Truthahn. Der wird ersetzt durch: Kentucky Fried Chicken, also Mc.Nuggets. Das hat KFC durch geschicktes Marketing schon selbst mitverschuldet.
Eine japanische Freundin schmetterte meine Kritik dann auch einfach ab:
"Versuch mal in Japan einen Truthahn zu kriegen!"
Unser lieblings Ausländer-Magazin hier hatte sogar einen extra Artikel darüber, in welchem Import-Shop man am besten seinen Truthahn kauft. (Auflösung: es gibt nur einen, bestellen Sie besser vor).
Neujahr:
Und weil Weihnachten so komplett verkehrt mit schriller Liebe gefeiert wurde, sind die Japaner konsequent und feiern Neujahr in Ruhe und Frieden zu hause mit der Familie.
Feuerwerk, im Sommer fester Bestandteil jeder Party, sind hier Tabu. Überhaupt: alles was Krach und Arbeit macht ist verpönt. Das Essen wird schonmal für die ersten drei Tage im Jahr vorbereitet. Also: es wird so etwas wie eine Lunch-Box gebastelt. Nur eben für jede Mahlzeit. Und dann werden die Gehsteige Hochgeklappt und es kehrt Ruhe ein im Inselstaat.
Nur die Züge fahren ausnahmsweise die ganze Nacht. Das freut Ausländer in Party-Laune. Die Wundern sich dann nur, dass nach dem Count-Down plötzlich die ganzen Japaner weg sind. Denn die Züge fahren nicht für die Party, sondern damit man baldmöglichst zum Schrein kommt.
Denn der Neujahrs-Besuch im Schrein ist für Japaner was uns der Kirchgang an Heiligabend ist.
Das ist wichtig um für ein gutes Jahr zu beten!
Und damit man nicht das ganze Jahr warten muss um zu sehen, ob das Beten erfolgreich war, kann man auch gleich ein Los ziehen, dass einem das Schicksal vorher sagt.
Da steht dann ganz oben so etwas wie "Großes Glück" oder "So nen bisschen Glück" oder "Unglück" drauf, und weiter unten wird das nochmal im Detail erklärt. Dass der Liebespartner noch etwas auf sich warten lässt, aber die Kindesgeburt schon glatt gehen wird. Man pickt sich also raus was man will und kauft sich notfalls noch ein Los oder knotet es an einen Zaun. Das soll helfen.
Dann geht man Heim und macht die ganzen Glückwunschkarten auf. Die kommen auch garantiert pünktlich, denn die Japanische Post hat einen extra Service: alle Neujahrs-Karten die rechtzeitig abgeschickt werden, werden aufbewahrt und alle gleichzeitig am Neujahrstag zugestellt.
Die Deutsche Post hat das natürlich nicht. Die zwei Neujahrskarten die ich bekommen habe wurden beide nicht an Neujahr zugestellt sondern entweder zu früh oder viel zu spät.
Die Japanische Post hat dafür auch meine Weihnachtskarten (die ich alle gleichzeitig weggeschickt habe) gleichmäßig zwischen dem 22. und 29. Dezember verteilt....
Montag, 2. Dezember 2013
Einen im Tee
In zwei Jahren Palavern seriöser Berichterstattung über Japan immer noch kein einziges mal über Tee geredet?
Das muss ich doch gleich mal ändern!
Da muss man allerdings etwas vorsichtig sein, denn die Bedeutung des Wortes "Tee" ist nicht ganz einheitlich.
In Deutsch benennen wir alles "Tee" wo man heißes Wasser drüber kippen kann, und das Wasser danach noch trinkbar ist. Gerne auch Obst oder Unkraut (Brennnessel-Tee? Wirklich?).
Einzige Außnahme: wenn Fett drin ist, nennen wir das Wasser danach "Suppe"; oder "Brühe" wenn wir uns noch nicht ganz sicher sind was es ist. Kann man das Wasser nicht mehr trinken, nennen wir es "Abwasser" oder "Rooibos".
Japaner sind da wesentlich spezifischer. Das Wort "Tee" ist für richtigen, echten Tee reserviert - also: die Tee-Pflanze. Das heißt aber nicht, dass Tee hier ein einseitiges Erlebnis wäre!
Ein kurzer Tee-Führer durchs Land der aufgehenden Teekanne....
Eine wichtige Information voraus: die silbe "Cha" ("Tee") wird "Tscha" ausgesprochen. Wie "Checker". Also bitte das Reichs-CH in Deutschland lassen.
お茶 O-Cha:
Der einzige Tee der so sehr Tee ist, dass er keine Zu-Silbe braucht und einfach nur das Ehrenhafte-"O" bekommt: der Grüne Tee. Der ist so ursprünglich, frisch und unverdorben, da schmecken sie das Tee-Feld noch. Im Klartext: er schmeckt ziemlich nach Gras. (Manche sagen gar "Alge"). Das fällt um so mehr auf, als dass er pur, ohne Zucker oder Zitrone getrunken wird.
Und es ist ein absolutes Standard-Getränk. Also ohne "Tea-Time" und Zeremoniell. Wie "Standard"? Also bei uns in der Uni-Kantine kriegt man das Zeug umsonst.
Also nicht: zum Essen dazu - Sie brauchen dafür nicht extra Essen zu kaufen. Sie kriegen auch einfach so Tee.
Wenn sie wollen.
Wenn nicht gibt's Wasser.
抹茶 Maccha:
Wenn man grünen Tee aufkocht, dann eindickt, das übrig gebliebene Pulver aufhebt und später wieder in heißem Wasser auflöst... hat das Zeug eigentlich nicht mehr viel Ähnlichkeit mit Tee.
Zumindest erzählt man sich, dass die grüne Brühe "Maccha"(könnte man grob mit "Reibe-Tee" übersetzen) so hergestellt wird. Kenner werfen dann ein, dass man für den "echten" Maccha auch eine ganz besondere Tee-Sorte braucht, und das Pulver dass man so zu seinem Sushi bekommt gar kein Maccha ist. Wie dem auch sei: es ist der traditionelle Tee für die japanische Tee-Zeremonie. Und so bitter, dass die Japaner für die Tee Zeremonie extra Süßigkeiten erfunden haben um das Erlebnis etwas positiver zu gestalten. Man könnte es also als den "Espresso" des Tees bezeichnen (tatsächlich habe ich mal ein Getränk namens "Green-Presso" gefunden, dass starke ähnlichkeit mit Maccha hatte).
Und was macht man mit Espresso?
Richtig: dicke Milch und Zucker rein und als "Latte Macchiato" verkaufen! Und so finden sie auch "Maccha-Latte" in jedem Supermarkt. Und das schmeckt gar nicht mal schlecht. Wenn sie sich nicht daran stören, dass ihr "Latte" grün ist und nach Tee schmeckt...
ほうじ茶 HōjiCha:
Eine andere Alternative dem grünen Tee das Grasen auszutreiben ist: ihn zu rösten! Dann schmeckt er sehr viel angenehmer. Auch ist er sehr viel angehemer zuzubereiten: sie werfen einen Beutel in einen großen Pott kaltes Wasser uns stellen das für ein paar Stunden in den Kühlschrank, und schon haben Sie reichlich kalten, leckeren Tee. Vor allem im Sommer also eine tolle Sache!
Sie sollten den Beutel allerdings nicht vergessen, sonst schmeckt ihr Tee irgendwann wieder unabsichtlich nach Alge...
紅茶 KōCha:
Denn wenn man sich das was wir so als "schwarzen Tee" bezeichnen genau anschaut, dann ist der eigentlich gar nicht schwarz! Sondern Karmesinrot!
Ähm, vielleicht auch nicht. Die Japaner sagen trotzdem "roter Tee" dazu.
Pur ist das Zeug auch nicht besonders beliebt, auch wenn man ihn immer wieder sieht.
Aber mit kräftig Zucker und Milch (oder alternativ Zitrone) wird er zum Verkaufsschlager: 午後の紅茶 (Gogo-no-Kōcha) - "Afternoon Tea" gibts an fast jedem Getränkeautomaten (also: überall) und versucht an Englische-Kolonialzeit-Tea-Time-Gefühle anzuknüpfen. Nachdem die Japaner das Ende der Kolonialzeit auf der richtigen (also falschen) Seite verbracht haben, fühlen sie sich von solchem Marketing auch nicht abgeschreckt.
烏龍茶 Ūlong-Cha:
Der "Raben-Drachen-Tee" ist ein Kulturimport aus China. Dort lässt man den Tee etwas zu lang in der brütenden Sonne stehen, dann schmeckt er sehr sanft, ohne eine Spur von grasigkeit. Das gefällt den Japanern. So gut, dass der Tee ein Standard-Geränk ist für, wenn man ausgeht aber keinen Alkohol trinken will. Also sowas wie Apfelschorle ohne Frucht oder Kohlensäure. Und weil dieAlkoholiker Alkohol-Trinker da neidisch werden, haben sie mit dem Zeug auch gleich allerhand Alkohol-Mix-Getränke erfunden. Ich glaube mich erinnern zu können in einer sehr abgestürtzen Nacht einmal "Jägermeister-Ūlong" getrunken zu haben. Allerdings sind Nächte in denen man "Jägermeister-Ūlong" trinkt genau diese Art von Nächten bei denen man am nächsten Morgen nicht sicher ist ob sie überhaupt stattgefunden haben.
...stattgefunden haben sollen.
...man öffentlich zugeben möchte, dass sie stattgefunden haben.
Vergessen Sie den letzten Abschnitt einfach wieder. Es gibt keinen "Jägermeister-Ūlong".
麦茶 Mugi-Cha:
Hab ich vorhin behauptet, Japaner sagen "Tee" nur zu echtem Tee? Haha, voll angeschmiert!
Sie können auch einfach ihre Gerste rösten und dann in heißes Wasser werfen. Dann heißt das Mugi-Cha oder "Gersten-Tee". Das klingt ein bisschen kratzig und so schmeckt es auch. Das Getränk ist vor allem im Sommer beliebt (als Kaltgetränk) und lässt sich ähnlich leicht herstellen wie HōjiCha. Allerdings ist die zeitliche Toleranz sehr viel geringer: eine Stunde zu lang den Beutel drin gelassen, und ihr Tee verwandelt sich in eine schwarzbraune Brühe von unvergleichbarer Bitterkeit. Also schütten Sie's weg und versuchen das ganze nochmal. Kann gerne auch mehrfach wiederholt werden wenn man etwas vergesslich ist. Dann steigt man irgendwann auf HōjiCha um, der schmeckt besser, hat Koffein und ist pflegeleichter.
Und wer schon immer mal die andere Seite des belieben Kultur-Schockings sehen wollte, hatte dazu letztens Gelegenheit:
ein Doctor-Student kommt aus seinem Austausch-Aufenthalt aus Hongkong zurück.
"Und, war was?"
"Die tun da Zucker in den (grünen) Tee!"
Angewiederte Gesichter.
"Zucker?!"
"Zucker."
"... ist ja ekelhaft!"
Das muss ich doch gleich mal ändern!
Da muss man allerdings etwas vorsichtig sein, denn die Bedeutung des Wortes "Tee" ist nicht ganz einheitlich.
In Deutsch benennen wir alles "Tee" wo man heißes Wasser drüber kippen kann, und das Wasser danach noch trinkbar ist. Gerne auch Obst oder Unkraut (Brennnessel-Tee? Wirklich?).
Einzige Außnahme: wenn Fett drin ist, nennen wir das Wasser danach "Suppe"; oder "Brühe" wenn wir uns noch nicht ganz sicher sind was es ist. Kann man das Wasser nicht mehr trinken, nennen wir es "Abwasser" oder "Rooibos".
Japaner sind da wesentlich spezifischer. Das Wort "Tee" ist für richtigen, echten Tee reserviert - also: die Tee-Pflanze. Das heißt aber nicht, dass Tee hier ein einseitiges Erlebnis wäre!
Ein kurzer Tee-Führer durchs Land der aufgehenden Teekanne....
Eine wichtige Information voraus: die silbe "Cha" ("Tee") wird "Tscha" ausgesprochen. Wie "Checker". Also bitte das Reichs-CH in Deutschland lassen.
お茶 O-Cha:
Der einzige Tee der so sehr Tee ist, dass er keine Zu-Silbe braucht und einfach nur das Ehrenhafte-"O" bekommt: der Grüne Tee. Der ist so ursprünglich, frisch und unverdorben, da schmecken sie das Tee-Feld noch. Im Klartext: er schmeckt ziemlich nach Gras. (Manche sagen gar "Alge"). Das fällt um so mehr auf, als dass er pur, ohne Zucker oder Zitrone getrunken wird.
Und es ist ein absolutes Standard-Getränk. Also ohne "Tea-Time" und Zeremoniell. Wie "Standard"? Also bei uns in der Uni-Kantine kriegt man das Zeug umsonst.
Also nicht: zum Essen dazu - Sie brauchen dafür nicht extra Essen zu kaufen. Sie kriegen auch einfach so Tee.
Wenn sie wollen.
Wenn nicht gibt's Wasser.
抹茶 Maccha:
Wenn man grünen Tee aufkocht, dann eindickt, das übrig gebliebene Pulver aufhebt und später wieder in heißem Wasser auflöst... hat das Zeug eigentlich nicht mehr viel Ähnlichkeit mit Tee.
Zumindest erzählt man sich, dass die grüne Brühe "Maccha"(könnte man grob mit "Reibe-Tee" übersetzen) so hergestellt wird. Kenner werfen dann ein, dass man für den "echten" Maccha auch eine ganz besondere Tee-Sorte braucht, und das Pulver dass man so zu seinem Sushi bekommt gar kein Maccha ist. Wie dem auch sei: es ist der traditionelle Tee für die japanische Tee-Zeremonie. Und so bitter, dass die Japaner für die Tee Zeremonie extra Süßigkeiten erfunden haben um das Erlebnis etwas positiver zu gestalten. Man könnte es also als den "Espresso" des Tees bezeichnen (tatsächlich habe ich mal ein Getränk namens "Green-Presso" gefunden, dass starke ähnlichkeit mit Maccha hatte).
Und was macht man mit Espresso?
Richtig: dicke Milch und Zucker rein und als "Latte Macchiato" verkaufen! Und so finden sie auch "Maccha-Latte" in jedem Supermarkt. Und das schmeckt gar nicht mal schlecht. Wenn sie sich nicht daran stören, dass ihr "Latte" grün ist und nach Tee schmeckt...
ほうじ茶 HōjiCha:
Eine andere Alternative dem grünen Tee das Grasen auszutreiben ist: ihn zu rösten! Dann schmeckt er sehr viel angenehmer. Auch ist er sehr viel angehemer zuzubereiten: sie werfen einen Beutel in einen großen Pott kaltes Wasser uns stellen das für ein paar Stunden in den Kühlschrank, und schon haben Sie reichlich kalten, leckeren Tee. Vor allem im Sommer also eine tolle Sache!
Sie sollten den Beutel allerdings nicht vergessen, sonst schmeckt ihr Tee irgendwann wieder unabsichtlich nach Alge...
紅茶 KōCha:
Denn wenn man sich das was wir so als "schwarzen Tee" bezeichnen genau anschaut, dann ist der eigentlich gar nicht schwarz! Sondern Karmesinrot!
Ähm, vielleicht auch nicht. Die Japaner sagen trotzdem "roter Tee" dazu.
Pur ist das Zeug auch nicht besonders beliebt, auch wenn man ihn immer wieder sieht.
Aber mit kräftig Zucker und Milch (oder alternativ Zitrone) wird er zum Verkaufsschlager: 午後の紅茶 (Gogo-no-Kōcha) - "Afternoon Tea" gibts an fast jedem Getränkeautomaten (also: überall) und versucht an Englische-Kolonialzeit-Tea-Time-Gefühle anzuknüpfen. Nachdem die Japaner das Ende der Kolonialzeit auf der richtigen (also falschen) Seite verbracht haben, fühlen sie sich von solchem Marketing auch nicht abgeschreckt.
烏龍茶 Ūlong-Cha:
Der "Raben-Drachen-Tee" ist ein Kulturimport aus China. Dort lässt man den Tee etwas zu lang in der brütenden Sonne stehen, dann schmeckt er sehr sanft, ohne eine Spur von grasigkeit. Das gefällt den Japanern. So gut, dass der Tee ein Standard-Geränk ist für, wenn man ausgeht aber keinen Alkohol trinken will. Also sowas wie Apfelschorle ohne Frucht oder Kohlensäure. Und weil die
...stattgefunden haben sollen.
...man öffentlich zugeben möchte, dass sie stattgefunden haben.
Vergessen Sie den letzten Abschnitt einfach wieder. Es gibt keinen "Jägermeister-Ūlong".
麦茶 Mugi-Cha:
Hab ich vorhin behauptet, Japaner sagen "Tee" nur zu echtem Tee? Haha, voll angeschmiert!
Sie können auch einfach ihre Gerste rösten und dann in heißes Wasser werfen. Dann heißt das Mugi-Cha oder "Gersten-Tee". Das klingt ein bisschen kratzig und so schmeckt es auch. Das Getränk ist vor allem im Sommer beliebt (als Kaltgetränk) und lässt sich ähnlich leicht herstellen wie HōjiCha. Allerdings ist die zeitliche Toleranz sehr viel geringer: eine Stunde zu lang den Beutel drin gelassen, und ihr Tee verwandelt sich in eine schwarzbraune Brühe von unvergleichbarer Bitterkeit. Also schütten Sie's weg und versuchen das ganze nochmal. Kann gerne auch mehrfach wiederholt werden wenn man etwas vergesslich ist. Dann steigt man irgendwann auf HōjiCha um, der schmeckt besser, hat Koffein und ist pflegeleichter.
Und wer schon immer mal die andere Seite des belieben Kultur-Schockings sehen wollte, hatte dazu letztens Gelegenheit:
ein Doctor-Student kommt aus seinem Austausch-Aufenthalt aus Hongkong zurück.
"Und, war was?"
"Die tun da Zucker in den (grünen) Tee!"
Angewiederte Gesichter.
"Zucker?!"
"Zucker."
"... ist ja ekelhaft!"
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