Also, was machen wir mit dem Geld dass uns die Stadt netterweise spendiert? Wir müssen etwas aufsehenerregendes machen. Etwas dass uns ins Gespräch bringt - und ein paar neue Kunden durch die Tür. Als erstes machen wir: einen Wettbewerb! Leute sollen zeigen was sie mit unserer Software tollen machen. Das sollen sie auf Facebook und Konsorten herumzeigen. Preis: eine Einladung nach Japan! Da können wir endlich mal unseren Heimvorteil voll ausspielen und bekommen so auch bisschen Face-to-Face Feedback.
Also: ich baue eine "Contest" Version, die es den Teilnehmern einfach macht sich bei der Arbeit zu filmen, und die Marketing-Jungs machen ein cooles Video von Osaka. Was es hier nicht alles zu sehen, zu tun, zu essen gibt. Glücklicherweise sind wir hier nahe an Kyoto dran, also werden die berühmten Tempel und Geishas auch gleich mit-beworben.
Dann wird das ganze Angekündigt und kräftig beworben. Reaktion: stille.
Na kommt schon, selbst ein Gratis-Trip nach Japan kann die Leute nicht motivieren mal ein bisschen was neues Auszuprobieren?! Die Zeit verstreicht und meine schlimmsten Befürchtungen scheinen wahr zu werden: wenn wir so einen großen Event ankündigen und dann keine ernst zu nehmenden Teilnehmer haben, keinen glorreichen Sieger küren können, dann müssen wir der Welt eingestehen das uns keiner haben will. Ist schlimm genug sich mit diesem Gedanken nach jeder Monatsabschlussrechnung im stillen Kammerl in den Schlaf zu weinen. Immerhin hat unser Branding nicht darunter gelitten. Aber jetzt?
Ich feuere mein Team an sich extra gut um die wenigen Teilnehmer zu kümmern und die zu ermutigen extra arbeit rein zu stecken! Leider sind die Teilnehmer alle besser im reden (und sich anfeuern lassen) als darin sich wirklich mal hinzusetzen und etwas zu machen. Wir verlängern sogar die Deadline noch etwas, aber irgendwann muss Schluss sein...
Der Laden um die Ecke hat neuerdings einen Bananen-Milch-Cocktail. Sowas wie einen White Russian, nur halt mit Banane. Riecht genau so wie die Bananen-Milch die ich oft während unseren Meetings trinke. Nun haben wir das Meeting in dem wir aus den wenigen Einsendungen den Besten aussuchen müssen. Na, auf geht's Jungs, zeigt was wir haben.... nee, also der schonmal nicht!
... nee, bitte...
... ich brauch nen Schluck Bananen-Milch... ahh...
... der nächste hat mit unserer Software ein Modell von Osaka Castle gebaut. Das ist immerhin ein netter Gag. Das Modell selbst besteht aber nur aus ein paar groben Blöcken.
... der nächste hat sogar ziemlich gute Arbeit geleistet. Leider ist das genau jener Holländer den wir erst vor ein paar Monaten eingeflogen haben damit er uns mit seiner Expertenmeinung weiter hilft. Wenn er jetzt gewinnt kriegen wir nicht nur kein neues Feedback, es riecht auch arg nach Vetternwirtschaft und zeigt der Welt wie wenige Fans wir haben. Also: doch die Osaka Burg?
Einen haben wir noch? Gut, zeig her.
5 Jahre habe ich mittlerweile an dieser Software gearbeitet (wenn auch immer wieder mit anderem Fokus und Zielsetzung). Irgendwie schon wie mein Kind. Mein kränkliches, von der Welt verabscheutes Kind. Das nun in die Hände eines Mannes gefallen ist, der sie so sehr lieben muss wie ich. Es ist einfach unfassbar was er damit geschaffen hat. Er hat ein solches Meisterwerk aus der Software heraus gekitzelt, dass sogar ich noch etwas lerne!
Wer ist der Kerl?! Ein Franzose? Natürlich ein Franzose - den besten Liebhaber den ein Papa sich für seine Software wünschen kann! Der Contest ist Entschieden! Bitte, sei mein Schwiegersohn und komm' zu uns nach Japan! Mein Gesicht ganz rot vor Freude! vor Erleichterung! vor Begeisterung! vor neuem Optimismus! (vor Bananenmilch)! Kanpai!
Mittwoch, 31. Juli 2019
Sonntag, 30. Juni 2019
Boss (18)
Unsere Investorin will mal wieder dass wir uns für öffentliche Gelder bewerben.
Ist mir eigentlich nicht recht - solche Bewerbungen kosten viel Zeit und ob man unter den zahllosen Bewerbern dann ausgewählt wird ist mehr als fraglich - vor allem wenn man so eine kleine Möchtegern Firma ist.
Aber man kann auch schlecht seinen Investoren sagen: "Danke fürs Geld, jetzt lasst uns in Ruhe".
Also füllen wir erstmal die Form aus und werden immerhin für ein Gespräch eingeladen.
Es ist eine lokale Subvention der Stadt Osaka die hier örtliche Innovation fördern will und dabei auch mehr weltweite Aufmerksamkeit erhofft.
Mein Japanischer Team-Kollege hat das Formelle im Griff, also kann ich mich aufs "Einschmeicheln" konzentrieren.
Ich erzähle wie ich wärend meiner Zeit in Nara jedes Wochenende nach Osaka gefahren bin und mich in die Statdt verliebt habe.
Wie ich mich nach dem Abschluss gegen Tokyo und für Osaka entschieden habe, obwohl in Tokyo die Gehälter viel besser wären.
Wie unserer Technologie einem 3D-Designer mit Handgelenks-Schmerzen geholfen hat wieder Freude in seiner Arbeit zu finden, und wir ihn dann nach Osaka eingeladen haben.
Wir stellen unseren Plan vor, noch mehr Designer nach Osaka einzuladen und tolle Videos mit ihnen zu machen, die Weltweite Aufmerksamkeit erlangen werden (würden wenns nach uns ginge).
Und tatsächlich: wir kommen in die Auswahl-Runde!
Dieses Subventions-Dingen hat einen besonderen Twist: Erhalt des Geldes ist daran geknüpft eine bestimmte Anzahl "Fans" zu begeistern.
Und woran werden "Fans" gemessen? Facebook Follower. Willkommen im 21.Jahrhundert.
Und wie viele brauchen wir? Das Ziel müssen wir uns selbst stecken. Willkommen in Behörden-Denkweise - wir stecken unsere Ziele selber ohne Vorgaben.
Also sagen wir: wir wollen die 1000 Fan-Marke knacken. Dazu fehlen uns 200 Leute. Das ist ambitioniert genug um nicht frech zu sein und halbwegs realistisch. Wir haben ja einen Monat zeit. Ja, die neuen Fans müssen alle in dem einen Monat kommen. Nicht davor, nicht danach.
Unser Plan:
1) Wir hören auf Updates und Videos zu veröffentlichen, gehen auf Schleichfahrt
2) Wir geben unserer Software eine neue Versionsnummer (normalerweise gehöre ich zu den Leuten die alle neuen Features sofort zugänglich machen wollen, also ist die letzte 2.0 Version und die erste 3.0 version fast identisch).
3) Wir produzieren ein dickes Lauch Video.
4) Wir warten auf den Stichtag.
Stichtag. Ein schöner Montag Morgen um ein Video hochzuladen und auf Facebook ein paar Gruppen zu informieren dass wir jetzt "3.0" haben, und all unseren Freunden zu sagen sie sollen unsere Facebook-Page "liken".
Dann haben wir ein Meeting mit den Subventions-Leuten. Die haben ein bisschen sorgen dass wir die Ziele etwas hoch gesteckt haben.
Mein Handy hört das Summen nicht auf, also schalte ich Notifications irgendwann ab. Kann mich aber trotzdem nicht beherrschen immer wieder zu spicken. Bis zum Ende des Meetings haben wir 50 neue Follower. Die geplanten 200 haben wir am nächsten Morgen zusammen. Bis zum Ende des Monats schießen wir noch deutlich über unser Ziel hinaus.
Dazu lasse ich doch mal die Korken knallen. Wörtlich. Ich kaufe eine Flasche Sekt zum feiern und dem Team zu danken.
Das Team besteht aus Nerds die für Sekt nichts übrig haben - da wird nur genippt und dann heim gegangen um Videospiele zu Spielen. Ich verteile den Rest-Sekt unter anderen Leuten im Shared Office, vor allem mir selbst.
Ist mir eigentlich nicht recht - solche Bewerbungen kosten viel Zeit und ob man unter den zahllosen Bewerbern dann ausgewählt wird ist mehr als fraglich - vor allem wenn man so eine kleine Möchtegern Firma ist.
Aber man kann auch schlecht seinen Investoren sagen: "Danke fürs Geld, jetzt lasst uns in Ruhe".
Also füllen wir erstmal die Form aus und werden immerhin für ein Gespräch eingeladen.
Es ist eine lokale Subvention der Stadt Osaka die hier örtliche Innovation fördern will und dabei auch mehr weltweite Aufmerksamkeit erhofft.
Mein Japanischer Team-Kollege hat das Formelle im Griff, also kann ich mich aufs "Einschmeicheln" konzentrieren.
Ich erzähle wie ich wärend meiner Zeit in Nara jedes Wochenende nach Osaka gefahren bin und mich in die Statdt verliebt habe.
Wie ich mich nach dem Abschluss gegen Tokyo und für Osaka entschieden habe, obwohl in Tokyo die Gehälter viel besser wären.
Wie unserer Technologie einem 3D-Designer mit Handgelenks-Schmerzen geholfen hat wieder Freude in seiner Arbeit zu finden, und wir ihn dann nach Osaka eingeladen haben.
Wir stellen unseren Plan vor, noch mehr Designer nach Osaka einzuladen und tolle Videos mit ihnen zu machen, die Weltweite Aufmerksamkeit erlangen werden (würden wenns nach uns ginge).
Und tatsächlich: wir kommen in die Auswahl-Runde!
Dieses Subventions-Dingen hat einen besonderen Twist: Erhalt des Geldes ist daran geknüpft eine bestimmte Anzahl "Fans" zu begeistern.
Und woran werden "Fans" gemessen? Facebook Follower. Willkommen im 21.Jahrhundert.
Und wie viele brauchen wir? Das Ziel müssen wir uns selbst stecken. Willkommen in Behörden-Denkweise - wir stecken unsere Ziele selber ohne Vorgaben.
Also sagen wir: wir wollen die 1000 Fan-Marke knacken. Dazu fehlen uns 200 Leute. Das ist ambitioniert genug um nicht frech zu sein und halbwegs realistisch. Wir haben ja einen Monat zeit. Ja, die neuen Fans müssen alle in dem einen Monat kommen. Nicht davor, nicht danach.
Unser Plan:
1) Wir hören auf Updates und Videos zu veröffentlichen, gehen auf Schleichfahrt
2) Wir geben unserer Software eine neue Versionsnummer (normalerweise gehöre ich zu den Leuten die alle neuen Features sofort zugänglich machen wollen, also ist die letzte 2.0 Version und die erste 3.0 version fast identisch).
3) Wir produzieren ein dickes Lauch Video.
4) Wir warten auf den Stichtag.
Stichtag. Ein schöner Montag Morgen um ein Video hochzuladen und auf Facebook ein paar Gruppen zu informieren dass wir jetzt "3.0" haben, und all unseren Freunden zu sagen sie sollen unsere Facebook-Page "liken".
Dann haben wir ein Meeting mit den Subventions-Leuten. Die haben ein bisschen sorgen dass wir die Ziele etwas hoch gesteckt haben.
Mein Handy hört das Summen nicht auf, also schalte ich Notifications irgendwann ab. Kann mich aber trotzdem nicht beherrschen immer wieder zu spicken. Bis zum Ende des Meetings haben wir 50 neue Follower. Die geplanten 200 haben wir am nächsten Morgen zusammen. Bis zum Ende des Monats schießen wir noch deutlich über unser Ziel hinaus.
Dazu lasse ich doch mal die Korken knallen. Wörtlich. Ich kaufe eine Flasche Sekt zum feiern und dem Team zu danken.
Das Team besteht aus Nerds die für Sekt nichts übrig haben - da wird nur genippt und dann heim gegangen um Videospiele zu Spielen. Ich verteile den Rest-Sekt unter anderen Leuten im Shared Office, vor allem mir selbst.
Freitag, 31. Mai 2019
Boss (17)
Mittlerweile bin ich vom Visums-Empfänger zum Visums-Sponsor geworden. Als Arbeitgeber gebe ich jetzt die Arbeitsstelle die anderen ihre Aufenthaltsberechtigung in Japan stellt. Interessant den Papierkrieg von dieser Seite auch mal kennen zu lernen. Interessant und nervig.
Auch werde ich vom vorlesungs-besuchenden Student zum Vorlesenden. Eine örtliche Uni läd mich und einen anderen Entrepreneur ein über Unternehmertum zu referieren. Eigentlich habe ich keine Zeit aber so ein bisschen Geld macht sich gut in der Buchhaltung. Und so kann ich die nächste Generation warnen diesen Mist auf keinen Fall zu probieren. Finger weg von Drogen und Start-Ups Kinder! Wobei, Drogen sind nicht so schlimm glaubich. Scheinbar ist meine Message nicht negativ genug - einer der Studenten kommt nach dem Vortrag zu mir und fragt ob wir nicht ein Praktikum anbieten würden. Er ist Holländer, ein aufgeweckter Bub. Würden wir ein Praktikum anbieten? Er macht einen guten Eindruck... Ja, warum nicht. Unbezahlte Arbeitskraft, hehehe, kann nicht viel Schief gehen. Prima! Seine Uni meldet sich dann bei mir um zu evaluieren ob die Firma qualifiziert ist, Hollands junge Hoffnungsträger zu unterweisen. Aeh, was? Mist. Dann wird ja bald raus kommen, das "der Deutsche und seine zwei Hanseln" keine richtige Firma sind.
Auch werde ich vom vorlesungs-besuchenden Student zum Vorlesenden. Eine örtliche Uni läd mich und einen anderen Entrepreneur ein über Unternehmertum zu referieren. Eigentlich habe ich keine Zeit aber so ein bisschen Geld macht sich gut in der Buchhaltung. Und so kann ich die nächste Generation warnen diesen Mist auf keinen Fall zu probieren. Finger weg von Drogen und Start-Ups Kinder! Wobei, Drogen sind nicht so schlimm glaubich. Scheinbar ist meine Message nicht negativ genug - einer der Studenten kommt nach dem Vortrag zu mir und fragt ob wir nicht ein Praktikum anbieten würden. Er ist Holländer, ein aufgeweckter Bub. Würden wir ein Praktikum anbieten? Er macht einen guten Eindruck... Ja, warum nicht. Unbezahlte Arbeitskraft, hehehe, kann nicht viel Schief gehen. Prima! Seine Uni meldet sich dann bei mir um zu evaluieren ob die Firma qualifiziert ist, Hollands junge Hoffnungsträger zu unterweisen. Aeh, was? Mist. Dann wird ja bald raus kommen, das "der Deutsche und seine zwei Hanseln" keine richtige Firma sind.
Die Uni schickt mir also ein gutes Duzend Emails und ruft zweimal an. Ich erwarte dass sie mir bald sagen dass das sie mir keinen Studenten anvertrauen werden.
Sie melden sich wieder und sagen mir dass sie mir gerne noch 8 weitere Studenten anvertrauen würden.
Was?
Acht Informatik-Studenten sollten eigentlich ein Praktikum bei einer Firma in Tokyo absolvieren, aber die Firma ist in letzter Minute abgesprungen. Könnte ich da nicht einspringen? Wir sind nur drei Leute und haben schon einen Praktikanten. Naja, einen können wir vielleicht noch...
Ja gut dann schicken sie mir mal die Lebensläufe und wir verabreden Skype-Interviews damit ich mir den besten aussuchen kann...
Plötzlich bin ich in der Situation Job-Interviews abzuhalten. Was frage ich denn da? Da habe ich mir ja was schönes Eingebrockt mit meinem Vortrag.
Dann erinnere ich mich wieder dass ich vor 8 Jahren selbst mit einem Praktikum zuerst nach Japan gekommen bin. "Hat mein Leben grundlegend Verändert" ist ein Klischee, bis es dir passiert. Irgendwie kann ich also nach 8 Jahren etwas an die nächste Generation weiter geben. Auf einmal ist der Papierkrieg ein Visum zu beantragen eine richtige Freude - fast wie ein Gutschein-Geschenk-Karte: "1 ganz neues Leben für ".
Also auf gehts, der aufgeweckteste Holländer wird ausgewählt (früher oder später muss ich mich wohl eh daran gewöhnen Job-Interviews abzuhalten - besser ich fange mit Praktikanten an die NICHT ein Risiko für die Zukunft der Firma darstellen können) und so sind wir also plötzlich zu fünft...
Dienstag, 30. April 2019
Boss (16)
Die Flaute hört nicht auf.
Jede neue Markting Strategie, jedes neue Announcement, jedes neue Produktvideo - wieder Hoffnung auf den Durchbruch. Wieder Enttäuschung auf dem Konto.
Nicht das wir keine Reaktion kriegen würden. Reaktion kriegen wir. Sehr gute sogar. Nur halt nicht von Leuten die Kunden sein könnten. Wir sind aufs Feld getreten um mitzuspielen. Jetzt sind wir das Maskottchen geworden. Nein Danke, Ermutigungen und Ermunterungen kann man nicht essen.
"Deine Firma ist soo cool! Wir haben da diesen Start-up Contest! Da musst du unbedingt dabei sein!"
Ja, klar, sobald ich aufhöre Geld aus allen Körperöffnungen zu bluten. Naja, ist ja erst in ein paar Monaten. Bis dahin wird das neue Produktvideo an dem wir gerade arbeiten bestimmt die Lage verbessern. Also mal in die Liste eingetragen. Kann ja notfalls einfach nicht hin gehen.
Dann ist der Tag da und das neue Produktvideo hat mal wieder überhaupt nichts erreicht. Also gehe ich nicht hin.
"Wo bleibst du denn? Wir fangen an!!"
Oh, muss ich wohl vergessen haben, sorry. Jetzt bin ich wohl zu spät, was? Kann man nichts machen, schade, Tschüss.
"Nein, wir warten auf dich! Schnell, komm her!"
Ach Mist. Naja, lass ich mich halt in der Vorrunde rausschmeißen. Vielleicht kann ich zum Mittagessen wieder an der Arbeit sein.
Ich gebe die uninspirierteste Präsentation meines Lebens. Null Vorbereitung, und der Enthusiasmus sackt sogar in den negativen Bereich.
Sie werfen mich natürlich nicht raus. Bin ja das Maskottchen.
Dreck.
Sie bringen uns in den Raum in dem der "Main Event" stattfinden wird. Mit Publikum. Großem Publikum. Ohhhhh Dreck. Rausfliegen ist eine Sache, aber in einem Saal voller Menschen...
Ich muss zumindest schnell einen gescheiten Pitch schreiben. Also schaue ich mir (zum erstem mal) die Website für diesen Event an. In den 40 Minuten die mir bleiben tippe ich auf meinem Smartphone einen Vortrag und versuche ihn auswendig zu lernen. Zeit ist um!
Thema dieser Show ist "in den Ring steigen". Es treten immer zwei Jungunternehmer gegeneinander an und versuchen ihre Firma besser darzustellen als die Konkurrenz. Dafür haben sie extra einen Boxring aufgebaut. Mann, ich wünschte ich dürfte wirklich mich wirklich einfach prügeln. Wenigstens sind die Vorträge alle auf Englisch. In Japan heißt das: Heimvorteil!
Dann legt mein Kontrahent los. In 6 Jahren hier habe ich keinen Japaner so sauberes und akzentfreies Englisch sprechen hören. Heimvorteil für den Arsch. Natürlich ist seine Firma auch viel größer und Erfolgreicher als meine. Aber ehrlich: weniger Erfolgreich könnte er auch nicht sein.
Ich versuche mein Bestes um wenigstens auf der "Leidenschaft und Vision für die Zukunft" Skala zu punkten.
Tatsächlich komme ich damit gut an. Erster Knock-Out. Weiter in die zweite Runde. Wollte ich überhaupt eine Runde weiter kommen?
Die zweite Runde ist auch schon das Finale in meiner Gewichtsklasse (nach Firmengröße - wobei ich glaube dass die Veranstalter mein Stammkapital falsch eingeordnet haben um mich überhaupt mitmachen lassen zu können. Osaka ist halt nicht so ein heißes Start-Up Pflaster. Da muss man nehmen wen man kriegen kann.
Mein neuer Kontrahent entwickelt eine Smartphone App. Ha, wie langweilig. Da kann ich bestimmt mit meinem VR-Zeug Eindruck schinden! Das Problem ist, dass ein Smartphone in die Hosentasche passt und jeder eines dabei hat - und er eine Live-Demonstration auf der Bühne durchziehen kann. Nja, das war's wohl. Aber bevor ich rausgeworfen werde gebe ich dir noch einen Nierenhaken, Freundchen! Ich weise freundlich darauf hin, dass sein Service auf der Liste der Dinge seht, die vermutlich bald von einer Künstlichen Intelligenz erledigt werden kann (zu diesem Zeitpunkt ist das angeblich fast alles). Mein Start-Up dagegen ist für kreative Schöpfer, und Kreativität - dass wird für immer dem Menschen vorbehalten sein!
Selber weiß ich leider zu viel über KI um zu wissen dass das so nicht passieren wird.
Aber das Publikum und die Ringrichter nicht. Knock-out! Mein Maskottchen-Kostüm hat Stahlhandschuhe!
Irgendwie habe ich es geschafft mit Null Vorbereitung und einer scheiternden Firma der Fliegengewichts-Unternehmer-Champion von Osaka zu werden. Kannst du gar nicht ausdenken.
Und jetzt?
Jetzt schicken sie mich zur Weltmeisterschaft! Nach Portugal! Ich wollte heute noch nicht mal mein Haus verlassen (was ich auch geschafft hätte wenn sie mich nicht quasi genötigt hätten). Jetzt gehe ich nach Portugal. Zusammen mit dem Schwergewichts-Champion. Der ist übrigens Schwede.
Japan, du mußt mal aufhören Ausländer als Maskottchen vorn aufs Spielfeld zu stellen.
Jede neue Markting Strategie, jedes neue Announcement, jedes neue Produktvideo - wieder Hoffnung auf den Durchbruch. Wieder Enttäuschung auf dem Konto.
Nicht das wir keine Reaktion kriegen würden. Reaktion kriegen wir. Sehr gute sogar. Nur halt nicht von Leuten die Kunden sein könnten. Wir sind aufs Feld getreten um mitzuspielen. Jetzt sind wir das Maskottchen geworden. Nein Danke, Ermutigungen und Ermunterungen kann man nicht essen.
"Deine Firma ist soo cool! Wir haben da diesen Start-up Contest! Da musst du unbedingt dabei sein!"
Ja, klar, sobald ich aufhöre Geld aus allen Körperöffnungen zu bluten. Naja, ist ja erst in ein paar Monaten. Bis dahin wird das neue Produktvideo an dem wir gerade arbeiten bestimmt die Lage verbessern. Also mal in die Liste eingetragen. Kann ja notfalls einfach nicht hin gehen.
Dann ist der Tag da und das neue Produktvideo hat mal wieder überhaupt nichts erreicht. Also gehe ich nicht hin.
"Wo bleibst du denn? Wir fangen an!!"
Oh, muss ich wohl vergessen haben, sorry. Jetzt bin ich wohl zu spät, was? Kann man nichts machen, schade, Tschüss.
"Nein, wir warten auf dich! Schnell, komm her!"
Ach Mist. Naja, lass ich mich halt in der Vorrunde rausschmeißen. Vielleicht kann ich zum Mittagessen wieder an der Arbeit sein.
Ich gebe die uninspirierteste Präsentation meines Lebens. Null Vorbereitung, und der Enthusiasmus sackt sogar in den negativen Bereich.
Sie werfen mich natürlich nicht raus. Bin ja das Maskottchen.
Dreck.
Sie bringen uns in den Raum in dem der "Main Event" stattfinden wird. Mit Publikum. Großem Publikum. Ohhhhh Dreck. Rausfliegen ist eine Sache, aber in einem Saal voller Menschen...
Ich muss zumindest schnell einen gescheiten Pitch schreiben. Also schaue ich mir (zum erstem mal) die Website für diesen Event an. In den 40 Minuten die mir bleiben tippe ich auf meinem Smartphone einen Vortrag und versuche ihn auswendig zu lernen. Zeit ist um!
Thema dieser Show ist "in den Ring steigen". Es treten immer zwei Jungunternehmer gegeneinander an und versuchen ihre Firma besser darzustellen als die Konkurrenz. Dafür haben sie extra einen Boxring aufgebaut. Mann, ich wünschte ich dürfte wirklich mich wirklich einfach prügeln. Wenigstens sind die Vorträge alle auf Englisch. In Japan heißt das: Heimvorteil!
Dann legt mein Kontrahent los. In 6 Jahren hier habe ich keinen Japaner so sauberes und akzentfreies Englisch sprechen hören. Heimvorteil für den Arsch. Natürlich ist seine Firma auch viel größer und Erfolgreicher als meine. Aber ehrlich: weniger Erfolgreich könnte er auch nicht sein.
Ich versuche mein Bestes um wenigstens auf der "Leidenschaft und Vision für die Zukunft" Skala zu punkten.
Tatsächlich komme ich damit gut an. Erster Knock-Out. Weiter in die zweite Runde. Wollte ich überhaupt eine Runde weiter kommen?
Die zweite Runde ist auch schon das Finale in meiner Gewichtsklasse (nach Firmengröße - wobei ich glaube dass die Veranstalter mein Stammkapital falsch eingeordnet haben um mich überhaupt mitmachen lassen zu können. Osaka ist halt nicht so ein heißes Start-Up Pflaster. Da muss man nehmen wen man kriegen kann.
Mein neuer Kontrahent entwickelt eine Smartphone App. Ha, wie langweilig. Da kann ich bestimmt mit meinem VR-Zeug Eindruck schinden! Das Problem ist, dass ein Smartphone in die Hosentasche passt und jeder eines dabei hat - und er eine Live-Demonstration auf der Bühne durchziehen kann. Nja, das war's wohl. Aber bevor ich rausgeworfen werde gebe ich dir noch einen Nierenhaken, Freundchen! Ich weise freundlich darauf hin, dass sein Service auf der Liste der Dinge seht, die vermutlich bald von einer Künstlichen Intelligenz erledigt werden kann (zu diesem Zeitpunkt ist das angeblich fast alles). Mein Start-Up dagegen ist für kreative Schöpfer, und Kreativität - dass wird für immer dem Menschen vorbehalten sein!
Selber weiß ich leider zu viel über KI um zu wissen dass das so nicht passieren wird.
Aber das Publikum und die Ringrichter nicht. Knock-out! Mein Maskottchen-Kostüm hat Stahlhandschuhe!
Irgendwie habe ich es geschafft mit Null Vorbereitung und einer scheiternden Firma der Fliegengewichts-Unternehmer-Champion von Osaka zu werden. Kannst du gar nicht ausdenken.
Und jetzt?
Jetzt schicken sie mich zur Weltmeisterschaft! Nach Portugal! Ich wollte heute noch nicht mal mein Haus verlassen (was ich auch geschafft hätte wenn sie mich nicht quasi genötigt hätten). Jetzt gehe ich nach Portugal. Zusammen mit dem Schwergewichts-Champion. Der ist übrigens Schwede.
Japan, du mußt mal aufhören Ausländer als Maskottchen vorn aufs Spielfeld zu stellen.
Sonntag, 31. März 2019
Boss (15)
Und während die Visums-Frage auf dem Amt bearbeitet wird, wird mit den neuen Finanzmitteln fleißig an der Firma weiter gearbeitet. Ein alter Bekannter aus Forschungs-Zeiten erzählt von einem seiner Studenten der gerne bei so einem Start-up wie wir eines sind anheuern will. Nach einem Treffen und Abendessen steht fest: ja, der passt zu uns. So sind wir also nun zu dritt.
Dazu meldet sich der Bär wieder. Der Bär veranstaltet jedes Jahr eine Haus-Messe. Ob wir das nicht ausstellen wollen. Wollen wir schon, ist aber sau-teuer. Ein paar tausend Öcken für einen Tisch. Naja, wenn sie die Pätze nicht voll kriegen könnten sie uns einen Platz für billig-bis-umsonst geben. Wirklich? Wirklich!
Uns passiert das auch? Es passiert. Wir gehen nach Tokyo und zeigen unsere Software auf deren Messe. Die Gäste sind alle sehr interessiert, wenn auch etwas zurückhaltend. Naja, braucht halt etwas.
Überhaupt braucht das mit dem Verkauf länger als gehofft. Langsam macht mir das sorgen.
Doch viel Zeit für sorgen habe ich gerade nicht. Der Bär wieder: die Entwickler der Software auf der unsere Technologie aufbaut sind gerade in Japan. Wollen wir die nicht kennenlernen? Wollen wir schon, aber um die Zeit haben wir halt schon andere Verabredungen. Aber entgehen können wir uns die Gelegenheit auch nicht. Also renne ich von unserer Verabredung direkt zum Busbahnhof und nehme den Nacht-Bus, wieder nach Tokyo, führe unsere Technologie den Basis-Software-Managern vor. Die sind nicht schlecht erstaunt. Noch mehr erstaunt sind sie als sie hören dass mich der Trip nach Tokyo nur 40 EUR gekostet hat. Hin-und-Rück. Noch mehr erstaunt sind sie als sie unsere Kundenzahlen hören. Diesmal ist es das falsche "erstaunt". Mist. Ich lungere noch den ganzen Tag in der Lobby herum, arbeite im Starbucks, in der Hoffnung dass ich sie nochmal abfangen kann. Aber die kommen nicht mehr. Also im Nacht-Bus zurück nach Osaka.
Mittlerweile ist auch das Visum fertig - ich kriege den vollen Sündenerlass! Statt verhaftet und abgeschoben werde ich offizieller "Business Manager". Niemand fragt mehr ob es okay war als Austausch-Student eine Firma zu gründen.
Es scheint fast als ob alles endlich richtig zu laufen beginnt. Alles, bis auf den Verkauf. Dummerweise ist dass am Ende des Tages das einzige was für eine Firma entscheidend ist...
Meinen Weihnachts-Urlaub kann ich dieses Jahr nicht wirklich genießen. Ich verstecke mich im Gym. Schmerzen in den Muskeln vertreiben die schleichende Panik die sich wie einen Schatten um mein Genick legt. Ich habe gerade Zweihunderttausend von gutherzigen Investoren angenommen, denen ich versichert habe dass ich dieses Unternehmen in einen Erfolg verwandeln kann. Jetzt ist jeder Tag ohne gute Nachrichten (ich kriege nach wie vor jeden Verkauf per Email benachrichtigt) ein schlechter Tag. Noch schlechter die Tage mit schlechten Nachrichten, und davon gibt es mehr. Der Winter wird ein einziger Marathon der Produkt-Verbesserung. Ich weiss schon gar nicht mehr was ich früher an Wochenenden gemacht habe. Samstag ist der Montag an dem ich Zuhause arbeiten darf. Sonntag ist Freitag an dem ich die schnauze voll vom Zuhause-Arbeiten habe und mich wieder aufs Office freue.
Wir brauchen einen neuen Plan. Nach einer Beratung mit einem unserer Investoren beschließen wir: wir machen einfach ein Partnership mit einer Kunden-Firma! Die Firma darf unsere Software umsonst verwenden, und wir werden Tag und Nacht ackern um alle deren Wünsche zu erfüllen. Danach werden wir dann etwas haben dass fuer diese Firma passt, und das können wir dann einfach zum nächsten Kunden tragen! Prima Idee! ...finden wir. Keine andere Firma findet das eine gute Idee. So finden wir keine Firma die unser "Partner" sein will, egal wie einseitig wir die Konditionen machen.
Na gut, dann machen wir halt dieses Partnerschafts-Dingen mit einem freischaffenden Designer! Er darf kostenlos unsere Software verwenden und sich alles von und Wünschen was er an Verbesserungen will.
Wir finden keinen der will.
Am Ende bezahlen wir einen Designer damit er unsere Software verwendet und uns sagt wo's noch hakt.
Mit der Kraft der Verzweiflung schlucke ich den letzten Rest Stolz den noch hatte.
Ein paar seiner Vorschläge sind tatsächlich gute Vorschläge, aber über weite Strecken arbeitet er einfach so ineffizient, dass unsere Software da auch nicht helfen kann. Am Ende stehen wir nicht viel besser da als davor. Verbessertes Produkt dass sich immer noch nicht verkaufen laesst. Aber wir haben ja noch Geld, und Geld ist Zeit. Zeit in der wir nochmal etwas neues probieren können. Nur... was?
Dazu meldet sich der Bär wieder. Der Bär veranstaltet jedes Jahr eine Haus-Messe. Ob wir das nicht ausstellen wollen. Wollen wir schon, ist aber sau-teuer. Ein paar tausend Öcken für einen Tisch. Naja, wenn sie die Pätze nicht voll kriegen könnten sie uns einen Platz für billig-bis-umsonst geben. Wirklich? Wirklich!
Uns passiert das auch? Es passiert. Wir gehen nach Tokyo und zeigen unsere Software auf deren Messe. Die Gäste sind alle sehr interessiert, wenn auch etwas zurückhaltend. Naja, braucht halt etwas.
Überhaupt braucht das mit dem Verkauf länger als gehofft. Langsam macht mir das sorgen.
Doch viel Zeit für sorgen habe ich gerade nicht. Der Bär wieder: die Entwickler der Software auf der unsere Technologie aufbaut sind gerade in Japan. Wollen wir die nicht kennenlernen? Wollen wir schon, aber um die Zeit haben wir halt schon andere Verabredungen. Aber entgehen können wir uns die Gelegenheit auch nicht. Also renne ich von unserer Verabredung direkt zum Busbahnhof und nehme den Nacht-Bus, wieder nach Tokyo, führe unsere Technologie den Basis-Software-Managern vor. Die sind nicht schlecht erstaunt. Noch mehr erstaunt sind sie als sie hören dass mich der Trip nach Tokyo nur 40 EUR gekostet hat. Hin-und-Rück. Noch mehr erstaunt sind sie als sie unsere Kundenzahlen hören. Diesmal ist es das falsche "erstaunt". Mist. Ich lungere noch den ganzen Tag in der Lobby herum, arbeite im Starbucks, in der Hoffnung dass ich sie nochmal abfangen kann. Aber die kommen nicht mehr. Also im Nacht-Bus zurück nach Osaka.
Mittlerweile ist auch das Visum fertig - ich kriege den vollen Sündenerlass! Statt verhaftet und abgeschoben werde ich offizieller "Business Manager". Niemand fragt mehr ob es okay war als Austausch-Student eine Firma zu gründen.
Es scheint fast als ob alles endlich richtig zu laufen beginnt. Alles, bis auf den Verkauf. Dummerweise ist dass am Ende des Tages das einzige was für eine Firma entscheidend ist...
Meinen Weihnachts-Urlaub kann ich dieses Jahr nicht wirklich genießen. Ich verstecke mich im Gym. Schmerzen in den Muskeln vertreiben die schleichende Panik die sich wie einen Schatten um mein Genick legt. Ich habe gerade Zweihunderttausend von gutherzigen Investoren angenommen, denen ich versichert habe dass ich dieses Unternehmen in einen Erfolg verwandeln kann. Jetzt ist jeder Tag ohne gute Nachrichten (ich kriege nach wie vor jeden Verkauf per Email benachrichtigt) ein schlechter Tag. Noch schlechter die Tage mit schlechten Nachrichten, und davon gibt es mehr. Der Winter wird ein einziger Marathon der Produkt-Verbesserung. Ich weiss schon gar nicht mehr was ich früher an Wochenenden gemacht habe. Samstag ist der Montag an dem ich Zuhause arbeiten darf. Sonntag ist Freitag an dem ich die schnauze voll vom Zuhause-Arbeiten habe und mich wieder aufs Office freue.
Wir brauchen einen neuen Plan. Nach einer Beratung mit einem unserer Investoren beschließen wir: wir machen einfach ein Partnership mit einer Kunden-Firma! Die Firma darf unsere Software umsonst verwenden, und wir werden Tag und Nacht ackern um alle deren Wünsche zu erfüllen. Danach werden wir dann etwas haben dass fuer diese Firma passt, und das können wir dann einfach zum nächsten Kunden tragen! Prima Idee! ...finden wir. Keine andere Firma findet das eine gute Idee. So finden wir keine Firma die unser "Partner" sein will, egal wie einseitig wir die Konditionen machen.
Na gut, dann machen wir halt dieses Partnerschafts-Dingen mit einem freischaffenden Designer! Er darf kostenlos unsere Software verwenden und sich alles von und Wünschen was er an Verbesserungen will.
Wir finden keinen der will.
Am Ende bezahlen wir einen Designer damit er unsere Software verwendet und uns sagt wo's noch hakt.
Mit der Kraft der Verzweiflung schlucke ich den letzten Rest Stolz den noch hatte.
Ein paar seiner Vorschläge sind tatsächlich gute Vorschläge, aber über weite Strecken arbeitet er einfach so ineffizient, dass unsere Software da auch nicht helfen kann. Am Ende stehen wir nicht viel besser da als davor. Verbessertes Produkt dass sich immer noch nicht verkaufen laesst. Aber wir haben ja noch Geld, und Geld ist Zeit. Zeit in der wir nochmal etwas neues probieren können. Nur... was?
Donnerstag, 28. Februar 2019
Boss (14)
Einen neuen Anwalt (der alte hat sich ja durch
monatelanges nichts-tun qualifiziert) habe ich schon vor dem
Heimaturlaub gefunden und angewiesen den Umbau der Firma von einer GmbH
zu einer AG vorzunehmen. Das passiert also in meiner Abwesenheit - alle
Stempel-Drückereien habe ich von vor dem Abflug erledigt. Rechtlich
gesehen wird dazu tatsächlich die Firma kurzfristig aufgelöst und sofort
neu gegründet. Das wird dann in einer speziellen Zeitung
veröffentlicht, damit alle die noch etwas von der Firma wollen (für
gewöhnlich: Geld) noch Zeit haben Einspruch einzulegen. Das erste (und
in gewisser Weise letzte) Mal dass meine Firma also in der Zeitung steht
ist, dass sie dicht macht. Zu irgendeinem Zeitpunkt ist meine
rechtliche Bindung an Japan fast null: kein Studienplatz, und für
einen Tag auch keine Firma. Hätte ich hier die Ausfahrt nehmen sollen?
Hätte ich die Firma in Deutschland neu gründen sollen? Aber ich habe
noch ein Team dort, und Freunde, und Investoren die mir Geld geben
wollen, und eine Wohnung - die jetzt auch die Wohnung meiner Firma ist. Also wird der (Rück-)Spung gewagt und der Rückflug wird gebucht. Der Rückflug zum Rückflug (also nach
Deutschland) erst wieder im Dezember. Ich habe kein Visum bis dahin. Ich
habe nicht mal genug Geld um bis dahin dort Leben zu können. Ich drücke
auf den "Flug Buchen"-Knopf wie auf den Zünder einer Zeitbombe.
Am Flughafen erzähle ich mal nicht dass mein Studium schon vorbei ist. Dafür sage ich dass ich die Arbeitsstelle für mein nächstes Visum schon habe. Ist nicht gelogen, nur weiß ich halt leider auch dass die gerade frisch umgegründete Firma bis dahin schon insolvent sein wird wenn nichts passiert.
Es muss einfach was passieren!
Zurück an die Arbeit.
Zwei Investoren habe ich ja schon aber weder ich noch Die scheinen der ganzen Kiste so recht zu trauen. Immer neue Fragen, immer neue Reifen durch die ich springen soll. Der eine Investor will dass ich nochmal meine Firma pitche, damit wir weitere Investoren finden - wohl auch um ihn selbst zu beruhigen, dass er nicht der einzige Spinner ist der Potenzial in uns sieht. Ist er aber.
"Ich glaube nicht dass Sie das Zeug haben eine Multi-Millionen-Dollar Firma zu leiten.", sagt mir Mr. U███ einer der potentiellen Investoren ins Gesicht.
Ich sage nichts. Eine Multi-Millionen-Dollar Firma liegt so weit jenseits meines Denk-Horizonts dass ich das tatsächlich auch nicht glauben kann.
Ich gehe zum Entspannen (Stressabbbau) ins Fitness-Studio. Als ich gerade die Bein-Quetsche bearbeite bekomme ich Email. Mr. U███ will sich doch mit einer kleinen Summe an meiner Firma beteiligen. Wie klein? Etwa 10.000$. Was manche Leute so als "kleine Summe" bezeichnen... denke ich und klemme wieder die Schenkel zusammen. Wenige Tage später kommt noch jemand mit einer "kleinen Summe". Jetzt sind es also schon vier Investoren. Viel ruhiger macht mich das nicht - im Gegenteil. Es wird klar, dass die Vier sich gegenseitig als Versicherung sehen. Wenn einer es sich anders überlegt kann das ganze Kartenhaus zusammenfallen.
Einer der Investoren (der mit der meisten Erfahrung) stiftet den Vertragstext und rät mir einen Anwalt zu konsultieren. Tue ich, auch wenn mir selbst nicht klar ist warum - ich fühle mich nicht in der Position viel zu verhandeln. Ich weiß nicht wie ich meine Miete für den nächsten Monat zahlen soll.
Der Anwalt erklärt mir dass ich an dem Vertrag hier und da noch etwas mehr für mich rausholen könnte. Danke, aber 200.000 Dollar auf dem Firmenkonto sind genug für mich. Kaum habe ich die Kanzlei verlassen hat die Freude ein Ende: die Dame von D████ Schwerindustrie will nochmal eine Neuregelung der Aktienverteilung weil sie da von einem Steuersparprogramm gehört hat. Ich bitte höflich darum zu so einem späten Zeitpunkt nichts mehr an der Aktienverteilung zu ändern. Das kriegt sie in den falschen Hals. Es kostet eine Woche und eine lange Aussprache beim Abendessen bis die Beziehung wieder gekittet ist. Die Umverteilung will sie trotzdem.
Also nochmal den Anwalt zurückgepfiffen und zu allen Investoren den neuen Deal schmackhaft gemacht. "Da gibt es so ein Steuersparprogramm...".
Investor Zwei: "Oh, dann andere mal den Namen auf dem Vertrag von meiner Firma auf mich."
Investor Drei: "... ich glaube das Investment wird dann von ... meiner Frau kommen *ahem*."
Investor Vier: "Hey, ich war damals Mitglied in dem Komitee dass diesen Steuer-Deal ausgearbeitet hat! Jetzt kann ich das zum ersten mal selber machen!"
Ich komme mir langsam verarscht vor, aber drucke einfach nochmal alle Verträge neu aus - um x-ten mal. Langsam werde ich Meister in der Kunst des Vertrags-Bindens - ein spezieller Vorgang der verhindern soll dass nachträglich etwas am Text verändert wird. Am Ende wird dann trotzdem nochmal etwas nachträglich am Text geändert weil ein Tippfehler drin war. Der Anwalt wird das einfach mit Bleistift nachbessern. Soviel also dazu.
Dann sind die Dinger draußen. Bleibt nur noch zu warten - wird das Geld wirklich irgendwann kommen? Es ist der 30. August. Später Vormittag. Ist das Geld vielleicht schon auf dem Konto?
Ich brauche eh mal dringend einen Haarschnitt, und auf dem Weg zum Friseur komme ich ja gleich bei der Bank vorbei - Online-Banking ist hier nicht: ich muß schon das Sparbuch mit zur Filiale nehmen. Der Automat druckt brzzz brzzz neue Zeilen in das Büchlein.
Spuckt es wieder aus.
Vier neue Einträge.
Ich sitze unter dem brzzz-brzzz Haarschneider und langsam sickert es in mein Gehirn.
Ich hab's geschafft.
Ich hab's wirklich geschafft.
Oder?
Ich habe noch nie so viel Geld auf dem Konto gehabt.
Gut, man kann immer sagen: ist ja nicht mein Geld.
Aber selbst wenn es mein Geld wäre, ich würde es für nichts anderes ausgeben als das.
Ich habe eine echte Firma. Mit echtem Geld. Echten Investoren, und bald auch echten Angestellten.
Zeit zur Einwanderungsbehörde zu rennen und klarzumachen dass ich kein Student mehr bin.
Am Flughafen erzähle ich mal nicht dass mein Studium schon vorbei ist. Dafür sage ich dass ich die Arbeitsstelle für mein nächstes Visum schon habe. Ist nicht gelogen, nur weiß ich halt leider auch dass die gerade frisch umgegründete Firma bis dahin schon insolvent sein wird wenn nichts passiert.
Es muss einfach was passieren!
Zurück an die Arbeit.
Zwei Investoren habe ich ja schon aber weder ich noch Die scheinen der ganzen Kiste so recht zu trauen. Immer neue Fragen, immer neue Reifen durch die ich springen soll. Der eine Investor will dass ich nochmal meine Firma pitche, damit wir weitere Investoren finden - wohl auch um ihn selbst zu beruhigen, dass er nicht der einzige Spinner ist der Potenzial in uns sieht. Ist er aber.
"Ich glaube nicht dass Sie das Zeug haben eine Multi-Millionen-Dollar Firma zu leiten.", sagt mir Mr. U███ einer der potentiellen Investoren ins Gesicht.
Ich sage nichts. Eine Multi-Millionen-Dollar Firma liegt so weit jenseits meines Denk-Horizonts dass ich das tatsächlich auch nicht glauben kann.
Ich gehe zum Entspannen (Stressabbbau) ins Fitness-Studio. Als ich gerade die Bein-Quetsche bearbeite bekomme ich Email. Mr. U███ will sich doch mit einer kleinen Summe an meiner Firma beteiligen. Wie klein? Etwa 10.000$. Was manche Leute so als "kleine Summe" bezeichnen... denke ich und klemme wieder die Schenkel zusammen. Wenige Tage später kommt noch jemand mit einer "kleinen Summe". Jetzt sind es also schon vier Investoren. Viel ruhiger macht mich das nicht - im Gegenteil. Es wird klar, dass die Vier sich gegenseitig als Versicherung sehen. Wenn einer es sich anders überlegt kann das ganze Kartenhaus zusammenfallen.
Einer der Investoren (der mit der meisten Erfahrung) stiftet den Vertragstext und rät mir einen Anwalt zu konsultieren. Tue ich, auch wenn mir selbst nicht klar ist warum - ich fühle mich nicht in der Position viel zu verhandeln. Ich weiß nicht wie ich meine Miete für den nächsten Monat zahlen soll.
Der Anwalt erklärt mir dass ich an dem Vertrag hier und da noch etwas mehr für mich rausholen könnte. Danke, aber 200.000 Dollar auf dem Firmenkonto sind genug für mich. Kaum habe ich die Kanzlei verlassen hat die Freude ein Ende: die Dame von D████ Schwerindustrie will nochmal eine Neuregelung der Aktienverteilung weil sie da von einem Steuersparprogramm gehört hat. Ich bitte höflich darum zu so einem späten Zeitpunkt nichts mehr an der Aktienverteilung zu ändern. Das kriegt sie in den falschen Hals. Es kostet eine Woche und eine lange Aussprache beim Abendessen bis die Beziehung wieder gekittet ist. Die Umverteilung will sie trotzdem.
Also nochmal den Anwalt zurückgepfiffen und zu allen Investoren den neuen Deal schmackhaft gemacht. "Da gibt es so ein Steuersparprogramm...".
Investor Zwei: "Oh, dann andere mal den Namen auf dem Vertrag von meiner Firma auf mich."
Investor Drei: "... ich glaube das Investment wird dann von ... meiner Frau kommen *ahem*."
Investor Vier: "Hey, ich war damals Mitglied in dem Komitee dass diesen Steuer-Deal ausgearbeitet hat! Jetzt kann ich das zum ersten mal selber machen!"
Ich komme mir langsam verarscht vor, aber drucke einfach nochmal alle Verträge neu aus - um x-ten mal. Langsam werde ich Meister in der Kunst des Vertrags-Bindens - ein spezieller Vorgang der verhindern soll dass nachträglich etwas am Text verändert wird. Am Ende wird dann trotzdem nochmal etwas nachträglich am Text geändert weil ein Tippfehler drin war. Der Anwalt wird das einfach mit Bleistift nachbessern. Soviel also dazu.
Dann sind die Dinger draußen. Bleibt nur noch zu warten - wird das Geld wirklich irgendwann kommen? Es ist der 30. August. Später Vormittag. Ist das Geld vielleicht schon auf dem Konto?
Ich brauche eh mal dringend einen Haarschnitt, und auf dem Weg zum Friseur komme ich ja gleich bei der Bank vorbei - Online-Banking ist hier nicht: ich muß schon das Sparbuch mit zur Filiale nehmen. Der Automat druckt brzzz brzzz neue Zeilen in das Büchlein.
Spuckt es wieder aus.
Vier neue Einträge.
Ich sitze unter dem brzzz-brzzz Haarschneider und langsam sickert es in mein Gehirn.
Ich hab's geschafft.
Ich hab's wirklich geschafft.
Oder?
Ich habe noch nie so viel Geld auf dem Konto gehabt.
Gut, man kann immer sagen: ist ja nicht mein Geld.
Aber selbst wenn es mein Geld wäre, ich würde es für nichts anderes ausgeben als das.
Ich habe eine echte Firma. Mit echtem Geld. Echten Investoren, und bald auch echten Angestellten.
Zeit zur Einwanderungsbehörde zu rennen und klarzumachen dass ich kein Student mehr bin.
Mittwoch, 30. Januar 2019
Boss (13)
Das Studium geht dem Ende entgegen. Die letzten Änderungswünsche an der Doktorarbeit werden eingebaut. Die letzten Präsentationen gehalten. Der letzte Papierkram erledigt.
Nebenbei muss ich mir schonmal Gedanken machen, wie es danach mit meiner Aufenthaltsberechtigung aussehen wird. Wäre ich Angestellter, würde sich meine Firma darum kümmern. Aber ich bin selbst die Firma. Dafür gibt es ja ein spezielles Manager-Visum.
"Das geht aber hier nicht", sagen mir die Vermieter von meinem Office.
Was?!
"Die Einwanderungsbehörde vergibt das Visum nicht, wenn der Firmensitz ein Shared-Office ist".
Glaube ich nicht. Rufe da später mal an.
"Nein, also so eine Regel in dem Sinne gibt es nicht", sagt der Beamte.
Na also. Mit Erleichterung wieder ins Office.
"Wir haben da vorhin angerufen und uns wurde gesagt dass es ganz sicher nicht akzeptiert wird".
Ja was denn jetzt? Mir wurde gesagt so eine Regel gäbe es nicht.
Bin ich zu blöd zwischen den Zeilen zu lesen? Was soll ich den tun? Ein nicht-shared Office kann ich mir nicht leisten - selbst wenn ich einen Vermieter finden wurde der einem Studenten Büroräume vermietet.
"Ändere doch einfach die offizielle Firmenadresse auf deine Wohnung. Du kannst das Shared Office ja weiter verwenden."
Das ist ja noch dubioser! Eine Firma in der Wohnung der Geschäftsführers?
Noch dazu ist der Mitvertrag als Privatwohnung ausgelegt. Gewerbliche Nutzung untersagt.
Also zum Makler gehen und fragen ob man da nicht was drehen kann. Weil: wenn ich abgeschoben werde kann ich die Wohnung auch nicht mehr mieten.
Der Mann ist sehr hilfsbereit. Ich kriege den Verdacht er hat keinen Bock einen neuen Mieter zu suchen. Hoffe das sagt nichts über die Bausubstanz des Gebäudes aus.
Nach ein paar Telephonaten steht der Deal: ich überweise dem Vermieter privat die Mehrwertsteuer (auf Büroräume muss man Steuern zahlen) und bekomme dafür einen Schrieb dass ich die Wohnung als Firmenadresse nutzen darf.
Ja, das wird das Immigrationsamt bestimmt akzeptieren - aber Shared Offices nicht. Selbst die ungeschriebenen Regeln sind noch saublöd.
Aber naja, ich muss die Firma ja eh von GmbH nach AG umgründen um Investitionen annehmen zu können. Da kommt der Adresswechsel gratis.
Als ich in Deutschland mit dem Studieren angefangen habe hieß dass erstmal nur: in der Schlange stehen und Papiere jonglieren. Außer den Einschreibungs-Formalitäten war da nicht viel zeremonielles außer "da ist dein Studienbuch NÄCHSTER!".
Als ich meinen Master in Japan angefangen habe, durfte ich Zeuge einer ganz anderen Universitätskultur werden.
Es wurde eine große Show gemacht. Ein traditionelles Japanisches Theaterstück wurde aufgeführt. Der Präsident gab eine Rede. Der Bürgermeister war da. Alle sind wir aufgestanden und haben der Nationalhymne gelauscht. Und dann der Hymne der Universität (ja, die hat ihren eigenen Song).
Als ich den Master abgeschlossen habe und den Doktor angefangen habe, habe ich den Fehler gemacht, das zum Halbjahr zu machen (wenn man's halt auch so eilig hat fertig zu werden...). Also fiel die Feier deutlich kleiner aus. Immerhin kam der Präsident und Überreichte mir meine Urkunde. Das Konsortium aus Professoren verneigte sich tief und ich verneigte mich tief, guckte ein paar Sekunden auf den Streifen Klebeband unter meinen Füßen mit dem man uns geleitet hat wo wir uns verneigen sollten.
Als ich meinen Doktor fertig hatte war sogar ein Viertel-Jahr. Naja, vielleicht schickt mir der Präsident wenigstens eine Email...
Tut er nicht. Der Bär schickt mir eine Email. Zur Wiederholung: der Bär ist die große große Firma die meinen Erfolg oder Untergang bedeuten kann. Diesmal sieht's mehr nach "Erfolg" aus: ich werde nach Tokyo eingeladen. Man will mich da ein paar Leuten vorstellen. Selbstverständlich gehe ich nach Tokyo! Wann denn? Am Tag meiner Abschlußfeier.
...
-naja, der Bürgermeister wäre ja eh nicht gekommen.
Und so sitze ich in einem Restaurant in Tokyo und werde gefragte: "sagen Sie mal, wann sind Sie eigentlich mit dem Studium fertig?". Ich schaue auf die Uhr. "Ungefähr gerade jetzt".
Zu meinem Stipendium habe ich einen Rückflug spendiert bekommen. Im Februar habe ich bei einem Pitch-Contest einen Rückflug gewonnen. Ob "aus Japan zurück" oder "nach Japan zurück" stand nicht dabei. Ich könnte natürlich beide Flüge sausen lassen, aber ich war schon seit über 5 Jahren nicht mehr im Sommer in Deutschland. Hole mir erst mal einen harten JetLag: fühlt sich an als ob es 9 Uhr Abends ist, kann aber nicht sein - es ist noch Taghell draußen. Blick auf die Uhr: es ist 9 Uhr Abends. Ist nur noch hell draußen. Verrückt, dieses Deutschland.
Als nächstes hole ich so viel wie möglich aus meinem Besuch raus. Ich besuche die örtliche Niederlassung des Bären und zeige mein Produkt. Kommt gut an.
Als nächstes hole ich mir Feedback und Tipps von einem alten Bekannten, der ziemlich genau in der Zielgruppe meiner Software sitzt. Er will Sushi essen gehen. All-you-can-eat.
Als nächstes hole ich Zeit mit der Familie nach. Die will Zuhause Sushi kochen. Wir machenversehentlich natürlich viel zu viel.
Ich hole mir einen Sushi-Schock, dann stelle ich fest dass das das erste Sushi war das ich dieses Jahr gegessen habe (war immer zu wenig Zeit und Geld). Okay, jetzt reicht's mir auch für den Rest des Jahres. Hat sich mein Deutschland-Urlaub schon gelohnt. Jetzt erstmal in den Biergarten.
Nebenbei muss ich mir schonmal Gedanken machen, wie es danach mit meiner Aufenthaltsberechtigung aussehen wird. Wäre ich Angestellter, würde sich meine Firma darum kümmern. Aber ich bin selbst die Firma. Dafür gibt es ja ein spezielles Manager-Visum.
"Das geht aber hier nicht", sagen mir die Vermieter von meinem Office.
Was?!
"Die Einwanderungsbehörde vergibt das Visum nicht, wenn der Firmensitz ein Shared-Office ist".
Glaube ich nicht. Rufe da später mal an.
"Nein, also so eine Regel in dem Sinne gibt es nicht", sagt der Beamte.
Na also. Mit Erleichterung wieder ins Office.
"Wir haben da vorhin angerufen und uns wurde gesagt dass es ganz sicher nicht akzeptiert wird".
Ja was denn jetzt? Mir wurde gesagt so eine Regel gäbe es nicht.
Bin ich zu blöd zwischen den Zeilen zu lesen? Was soll ich den tun? Ein nicht-shared Office kann ich mir nicht leisten - selbst wenn ich einen Vermieter finden wurde der einem Studenten Büroräume vermietet.
"Ändere doch einfach die offizielle Firmenadresse auf deine Wohnung. Du kannst das Shared Office ja weiter verwenden."
Das ist ja noch dubioser! Eine Firma in der Wohnung der Geschäftsführers?
Noch dazu ist der Mitvertrag als Privatwohnung ausgelegt. Gewerbliche Nutzung untersagt.
Also zum Makler gehen und fragen ob man da nicht was drehen kann. Weil: wenn ich abgeschoben werde kann ich die Wohnung auch nicht mehr mieten.
Der Mann ist sehr hilfsbereit. Ich kriege den Verdacht er hat keinen Bock einen neuen Mieter zu suchen. Hoffe das sagt nichts über die Bausubstanz des Gebäudes aus.
Nach ein paar Telephonaten steht der Deal: ich überweise dem Vermieter privat die Mehrwertsteuer (auf Büroräume muss man Steuern zahlen) und bekomme dafür einen Schrieb dass ich die Wohnung als Firmenadresse nutzen darf.
Ja, das wird das Immigrationsamt bestimmt akzeptieren - aber Shared Offices nicht. Selbst die ungeschriebenen Regeln sind noch saublöd.
Aber naja, ich muss die Firma ja eh von GmbH nach AG umgründen um Investitionen annehmen zu können. Da kommt der Adresswechsel gratis.
Als ich in Deutschland mit dem Studieren angefangen habe hieß dass erstmal nur: in der Schlange stehen und Papiere jonglieren. Außer den Einschreibungs-Formalitäten war da nicht viel zeremonielles außer "da ist dein Studienbuch NÄCHSTER!".
Als ich meinen Master in Japan angefangen habe, durfte ich Zeuge einer ganz anderen Universitätskultur werden.
Es wurde eine große Show gemacht. Ein traditionelles Japanisches Theaterstück wurde aufgeführt. Der Präsident gab eine Rede. Der Bürgermeister war da. Alle sind wir aufgestanden und haben der Nationalhymne gelauscht. Und dann der Hymne der Universität (ja, die hat ihren eigenen Song).
Als ich den Master abgeschlossen habe und den Doktor angefangen habe, habe ich den Fehler gemacht, das zum Halbjahr zu machen (wenn man's halt auch so eilig hat fertig zu werden...). Also fiel die Feier deutlich kleiner aus. Immerhin kam der Präsident und Überreichte mir meine Urkunde. Das Konsortium aus Professoren verneigte sich tief und ich verneigte mich tief, guckte ein paar Sekunden auf den Streifen Klebeband unter meinen Füßen mit dem man uns geleitet hat wo wir uns verneigen sollten.
Als ich meinen Doktor fertig hatte war sogar ein Viertel-Jahr. Naja, vielleicht schickt mir der Präsident wenigstens eine Email...
Tut er nicht. Der Bär schickt mir eine Email. Zur Wiederholung: der Bär ist die große große Firma die meinen Erfolg oder Untergang bedeuten kann. Diesmal sieht's mehr nach "Erfolg" aus: ich werde nach Tokyo eingeladen. Man will mich da ein paar Leuten vorstellen. Selbstverständlich gehe ich nach Tokyo! Wann denn? Am Tag meiner Abschlußfeier.
...
-naja, der Bürgermeister wäre ja eh nicht gekommen.
Und so sitze ich in einem Restaurant in Tokyo und werde gefragte: "sagen Sie mal, wann sind Sie eigentlich mit dem Studium fertig?". Ich schaue auf die Uhr. "Ungefähr gerade jetzt".
Zu meinem Stipendium habe ich einen Rückflug spendiert bekommen. Im Februar habe ich bei einem Pitch-Contest einen Rückflug gewonnen. Ob "aus Japan zurück" oder "nach Japan zurück" stand nicht dabei. Ich könnte natürlich beide Flüge sausen lassen, aber ich war schon seit über 5 Jahren nicht mehr im Sommer in Deutschland. Hole mir erst mal einen harten JetLag: fühlt sich an als ob es 9 Uhr Abends ist, kann aber nicht sein - es ist noch Taghell draußen. Blick auf die Uhr: es ist 9 Uhr Abends. Ist nur noch hell draußen. Verrückt, dieses Deutschland.
Als nächstes hole ich so viel wie möglich aus meinem Besuch raus. Ich besuche die örtliche Niederlassung des Bären und zeige mein Produkt. Kommt gut an.
Als nächstes hole ich mir Feedback und Tipps von einem alten Bekannten, der ziemlich genau in der Zielgruppe meiner Software sitzt. Er will Sushi essen gehen. All-you-can-eat.
Als nächstes hole ich Zeit mit der Familie nach. Die will Zuhause Sushi kochen. Wir machen
Ich hole mir einen Sushi-Schock, dann stelle ich fest dass das das erste Sushi war das ich dieses Jahr gegessen habe (war immer zu wenig Zeit und Geld). Okay, jetzt reicht's mir auch für den Rest des Jahres. Hat sich mein Deutschland-Urlaub schon gelohnt. Jetzt erstmal in den Biergarten.
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