Die Flaute hört nicht auf.
Jede neue Markting Strategie, jedes neue Announcement, jedes neue Produktvideo - wieder Hoffnung auf den Durchbruch. Wieder Enttäuschung auf dem Konto.
Nicht das wir keine Reaktion kriegen würden. Reaktion kriegen wir. Sehr gute sogar. Nur halt nicht von Leuten die Kunden sein könnten. Wir sind aufs Feld getreten um mitzuspielen. Jetzt sind wir das Maskottchen geworden. Nein Danke, Ermutigungen und Ermunterungen kann man nicht essen.
"Deine Firma ist soo cool! Wir haben da diesen Start-up Contest! Da musst du unbedingt dabei sein!"
Ja, klar, sobald ich aufhöre Geld aus allen Körperöffnungen zu bluten. Naja, ist ja erst in ein paar Monaten. Bis dahin wird das neue Produktvideo an dem wir gerade arbeiten bestimmt die Lage verbessern. Also mal in die Liste eingetragen. Kann ja notfalls einfach nicht hin gehen.
Dann ist der Tag da und das neue Produktvideo hat mal wieder überhaupt nichts erreicht. Also gehe ich nicht hin.
"Wo bleibst du denn? Wir fangen an!!"
Oh, muss ich wohl vergessen haben, sorry. Jetzt bin ich wohl zu spät, was? Kann man nichts machen, schade, Tschüss.
"Nein, wir warten auf dich! Schnell, komm her!"
Ach Mist. Naja, lass ich mich halt in der Vorrunde rausschmeißen. Vielleicht kann ich zum Mittagessen wieder an der Arbeit sein.
Ich gebe die uninspirierteste Präsentation meines Lebens. Null Vorbereitung, und der Enthusiasmus sackt sogar in den negativen Bereich.
Sie werfen mich natürlich nicht raus. Bin ja das Maskottchen.
Dreck.
Sie bringen uns in den Raum in dem der "Main Event" stattfinden wird. Mit Publikum. Großem Publikum. Ohhhhh Dreck. Rausfliegen ist eine Sache, aber in einem Saal voller Menschen...
Ich muss zumindest schnell einen gescheiten Pitch schreiben. Also schaue ich mir (zum erstem mal) die Website für diesen Event an. In den 40 Minuten die mir bleiben tippe ich auf meinem Smartphone einen Vortrag und versuche ihn auswendig zu lernen. Zeit ist um!
Thema dieser Show ist "in den Ring steigen". Es treten immer zwei Jungunternehmer gegeneinander an und versuchen ihre Firma besser darzustellen als die Konkurrenz. Dafür haben sie extra einen Boxring aufgebaut. Mann, ich wünschte ich dürfte wirklich mich wirklich einfach prügeln. Wenigstens sind die Vorträge alle auf Englisch. In Japan heißt das: Heimvorteil!
Dann legt mein Kontrahent los. In 6 Jahren hier habe ich keinen Japaner so sauberes und akzentfreies Englisch sprechen hören. Heimvorteil für den Arsch. Natürlich ist seine Firma auch viel größer und Erfolgreicher als meine. Aber ehrlich: weniger Erfolgreich könnte er auch nicht sein.
Ich versuche mein Bestes um wenigstens auf der "Leidenschaft und Vision für die Zukunft" Skala zu punkten.
Tatsächlich komme ich damit gut an. Erster Knock-Out. Weiter in die zweite Runde. Wollte ich überhaupt eine Runde weiter kommen?
Die zweite Runde ist auch schon das Finale in meiner Gewichtsklasse (nach Firmengröße - wobei ich glaube dass die Veranstalter mein Stammkapital falsch eingeordnet haben um mich überhaupt mitmachen lassen zu können. Osaka ist halt nicht so ein heißes Start-Up Pflaster. Da muss man nehmen wen man kriegen kann.
Mein neuer Kontrahent entwickelt eine Smartphone App. Ha, wie langweilig. Da kann ich bestimmt mit meinem VR-Zeug Eindruck schinden! Das Problem ist, dass ein Smartphone in die Hosentasche passt und jeder eines dabei hat - und er eine Live-Demonstration auf der Bühne durchziehen kann. Nja, das war's wohl. Aber bevor ich rausgeworfen werde gebe ich dir noch einen Nierenhaken, Freundchen! Ich weise freundlich darauf hin, dass sein Service auf der Liste der Dinge seht, die vermutlich bald von einer Künstlichen Intelligenz erledigt werden kann (zu diesem Zeitpunkt ist das angeblich fast alles). Mein Start-Up dagegen ist für kreative Schöpfer, und Kreativität - dass wird für immer dem Menschen vorbehalten sein!
Selber weiß ich leider zu viel über KI um zu wissen dass das so nicht passieren wird.
Aber das Publikum und die Ringrichter nicht. Knock-out! Mein Maskottchen-Kostüm hat Stahlhandschuhe!
Irgendwie habe ich es geschafft mit Null Vorbereitung und einer scheiternden Firma der Fliegengewichts-Unternehmer-Champion von Osaka zu werden. Kannst du gar nicht ausdenken.
Und jetzt?
Jetzt schicken sie mich zur Weltmeisterschaft! Nach Portugal! Ich wollte heute noch nicht mal mein Haus verlassen (was ich auch geschafft hätte wenn sie mich nicht quasi genötigt hätten). Jetzt gehe ich nach Portugal. Zusammen mit dem Schwergewichts-Champion. Der ist übrigens Schwede.
Japan, du mußt mal aufhören Ausländer als Maskottchen vorn aufs Spielfeld zu stellen.
Dienstag, 30. April 2019
Sonntag, 31. März 2019
Boss (15)
Und während die Visums-Frage auf dem Amt bearbeitet wird, wird mit den neuen Finanzmitteln fleißig an der Firma weiter gearbeitet. Ein alter Bekannter aus Forschungs-Zeiten erzählt von einem seiner Studenten der gerne bei so einem Start-up wie wir eines sind anheuern will. Nach einem Treffen und Abendessen steht fest: ja, der passt zu uns. So sind wir also nun zu dritt.
Dazu meldet sich der Bär wieder. Der Bär veranstaltet jedes Jahr eine Haus-Messe. Ob wir das nicht ausstellen wollen. Wollen wir schon, ist aber sau-teuer. Ein paar tausend Öcken für einen Tisch. Naja, wenn sie die Pätze nicht voll kriegen könnten sie uns einen Platz für billig-bis-umsonst geben. Wirklich? Wirklich!
Uns passiert das auch? Es passiert. Wir gehen nach Tokyo und zeigen unsere Software auf deren Messe. Die Gäste sind alle sehr interessiert, wenn auch etwas zurückhaltend. Naja, braucht halt etwas.
Überhaupt braucht das mit dem Verkauf länger als gehofft. Langsam macht mir das sorgen.
Doch viel Zeit für sorgen habe ich gerade nicht. Der Bär wieder: die Entwickler der Software auf der unsere Technologie aufbaut sind gerade in Japan. Wollen wir die nicht kennenlernen? Wollen wir schon, aber um die Zeit haben wir halt schon andere Verabredungen. Aber entgehen können wir uns die Gelegenheit auch nicht. Also renne ich von unserer Verabredung direkt zum Busbahnhof und nehme den Nacht-Bus, wieder nach Tokyo, führe unsere Technologie den Basis-Software-Managern vor. Die sind nicht schlecht erstaunt. Noch mehr erstaunt sind sie als sie hören dass mich der Trip nach Tokyo nur 40 EUR gekostet hat. Hin-und-Rück. Noch mehr erstaunt sind sie als sie unsere Kundenzahlen hören. Diesmal ist es das falsche "erstaunt". Mist. Ich lungere noch den ganzen Tag in der Lobby herum, arbeite im Starbucks, in der Hoffnung dass ich sie nochmal abfangen kann. Aber die kommen nicht mehr. Also im Nacht-Bus zurück nach Osaka.
Mittlerweile ist auch das Visum fertig - ich kriege den vollen Sündenerlass! Statt verhaftet und abgeschoben werde ich offizieller "Business Manager". Niemand fragt mehr ob es okay war als Austausch-Student eine Firma zu gründen.
Es scheint fast als ob alles endlich richtig zu laufen beginnt. Alles, bis auf den Verkauf. Dummerweise ist dass am Ende des Tages das einzige was für eine Firma entscheidend ist...
Meinen Weihnachts-Urlaub kann ich dieses Jahr nicht wirklich genießen. Ich verstecke mich im Gym. Schmerzen in den Muskeln vertreiben die schleichende Panik die sich wie einen Schatten um mein Genick legt. Ich habe gerade Zweihunderttausend von gutherzigen Investoren angenommen, denen ich versichert habe dass ich dieses Unternehmen in einen Erfolg verwandeln kann. Jetzt ist jeder Tag ohne gute Nachrichten (ich kriege nach wie vor jeden Verkauf per Email benachrichtigt) ein schlechter Tag. Noch schlechter die Tage mit schlechten Nachrichten, und davon gibt es mehr. Der Winter wird ein einziger Marathon der Produkt-Verbesserung. Ich weiss schon gar nicht mehr was ich früher an Wochenenden gemacht habe. Samstag ist der Montag an dem ich Zuhause arbeiten darf. Sonntag ist Freitag an dem ich die schnauze voll vom Zuhause-Arbeiten habe und mich wieder aufs Office freue.
Wir brauchen einen neuen Plan. Nach einer Beratung mit einem unserer Investoren beschließen wir: wir machen einfach ein Partnership mit einer Kunden-Firma! Die Firma darf unsere Software umsonst verwenden, und wir werden Tag und Nacht ackern um alle deren Wünsche zu erfüllen. Danach werden wir dann etwas haben dass fuer diese Firma passt, und das können wir dann einfach zum nächsten Kunden tragen! Prima Idee! ...finden wir. Keine andere Firma findet das eine gute Idee. So finden wir keine Firma die unser "Partner" sein will, egal wie einseitig wir die Konditionen machen.
Na gut, dann machen wir halt dieses Partnerschafts-Dingen mit einem freischaffenden Designer! Er darf kostenlos unsere Software verwenden und sich alles von und Wünschen was er an Verbesserungen will.
Wir finden keinen der will.
Am Ende bezahlen wir einen Designer damit er unsere Software verwendet und uns sagt wo's noch hakt.
Mit der Kraft der Verzweiflung schlucke ich den letzten Rest Stolz den noch hatte.
Ein paar seiner Vorschläge sind tatsächlich gute Vorschläge, aber über weite Strecken arbeitet er einfach so ineffizient, dass unsere Software da auch nicht helfen kann. Am Ende stehen wir nicht viel besser da als davor. Verbessertes Produkt dass sich immer noch nicht verkaufen laesst. Aber wir haben ja noch Geld, und Geld ist Zeit. Zeit in der wir nochmal etwas neues probieren können. Nur... was?
Dazu meldet sich der Bär wieder. Der Bär veranstaltet jedes Jahr eine Haus-Messe. Ob wir das nicht ausstellen wollen. Wollen wir schon, ist aber sau-teuer. Ein paar tausend Öcken für einen Tisch. Naja, wenn sie die Pätze nicht voll kriegen könnten sie uns einen Platz für billig-bis-umsonst geben. Wirklich? Wirklich!
Uns passiert das auch? Es passiert. Wir gehen nach Tokyo und zeigen unsere Software auf deren Messe. Die Gäste sind alle sehr interessiert, wenn auch etwas zurückhaltend. Naja, braucht halt etwas.
Überhaupt braucht das mit dem Verkauf länger als gehofft. Langsam macht mir das sorgen.
Doch viel Zeit für sorgen habe ich gerade nicht. Der Bär wieder: die Entwickler der Software auf der unsere Technologie aufbaut sind gerade in Japan. Wollen wir die nicht kennenlernen? Wollen wir schon, aber um die Zeit haben wir halt schon andere Verabredungen. Aber entgehen können wir uns die Gelegenheit auch nicht. Also renne ich von unserer Verabredung direkt zum Busbahnhof und nehme den Nacht-Bus, wieder nach Tokyo, führe unsere Technologie den Basis-Software-Managern vor. Die sind nicht schlecht erstaunt. Noch mehr erstaunt sind sie als sie hören dass mich der Trip nach Tokyo nur 40 EUR gekostet hat. Hin-und-Rück. Noch mehr erstaunt sind sie als sie unsere Kundenzahlen hören. Diesmal ist es das falsche "erstaunt". Mist. Ich lungere noch den ganzen Tag in der Lobby herum, arbeite im Starbucks, in der Hoffnung dass ich sie nochmal abfangen kann. Aber die kommen nicht mehr. Also im Nacht-Bus zurück nach Osaka.
Mittlerweile ist auch das Visum fertig - ich kriege den vollen Sündenerlass! Statt verhaftet und abgeschoben werde ich offizieller "Business Manager". Niemand fragt mehr ob es okay war als Austausch-Student eine Firma zu gründen.
Es scheint fast als ob alles endlich richtig zu laufen beginnt. Alles, bis auf den Verkauf. Dummerweise ist dass am Ende des Tages das einzige was für eine Firma entscheidend ist...
Meinen Weihnachts-Urlaub kann ich dieses Jahr nicht wirklich genießen. Ich verstecke mich im Gym. Schmerzen in den Muskeln vertreiben die schleichende Panik die sich wie einen Schatten um mein Genick legt. Ich habe gerade Zweihunderttausend von gutherzigen Investoren angenommen, denen ich versichert habe dass ich dieses Unternehmen in einen Erfolg verwandeln kann. Jetzt ist jeder Tag ohne gute Nachrichten (ich kriege nach wie vor jeden Verkauf per Email benachrichtigt) ein schlechter Tag. Noch schlechter die Tage mit schlechten Nachrichten, und davon gibt es mehr. Der Winter wird ein einziger Marathon der Produkt-Verbesserung. Ich weiss schon gar nicht mehr was ich früher an Wochenenden gemacht habe. Samstag ist der Montag an dem ich Zuhause arbeiten darf. Sonntag ist Freitag an dem ich die schnauze voll vom Zuhause-Arbeiten habe und mich wieder aufs Office freue.
Wir brauchen einen neuen Plan. Nach einer Beratung mit einem unserer Investoren beschließen wir: wir machen einfach ein Partnership mit einer Kunden-Firma! Die Firma darf unsere Software umsonst verwenden, und wir werden Tag und Nacht ackern um alle deren Wünsche zu erfüllen. Danach werden wir dann etwas haben dass fuer diese Firma passt, und das können wir dann einfach zum nächsten Kunden tragen! Prima Idee! ...finden wir. Keine andere Firma findet das eine gute Idee. So finden wir keine Firma die unser "Partner" sein will, egal wie einseitig wir die Konditionen machen.
Na gut, dann machen wir halt dieses Partnerschafts-Dingen mit einem freischaffenden Designer! Er darf kostenlos unsere Software verwenden und sich alles von und Wünschen was er an Verbesserungen will.
Wir finden keinen der will.
Am Ende bezahlen wir einen Designer damit er unsere Software verwendet und uns sagt wo's noch hakt.
Mit der Kraft der Verzweiflung schlucke ich den letzten Rest Stolz den noch hatte.
Ein paar seiner Vorschläge sind tatsächlich gute Vorschläge, aber über weite Strecken arbeitet er einfach so ineffizient, dass unsere Software da auch nicht helfen kann. Am Ende stehen wir nicht viel besser da als davor. Verbessertes Produkt dass sich immer noch nicht verkaufen laesst. Aber wir haben ja noch Geld, und Geld ist Zeit. Zeit in der wir nochmal etwas neues probieren können. Nur... was?
Donnerstag, 28. Februar 2019
Boss (14)
Einen neuen Anwalt (der alte hat sich ja durch
monatelanges nichts-tun qualifiziert) habe ich schon vor dem
Heimaturlaub gefunden und angewiesen den Umbau der Firma von einer GmbH
zu einer AG vorzunehmen. Das passiert also in meiner Abwesenheit - alle
Stempel-Drückereien habe ich von vor dem Abflug erledigt. Rechtlich
gesehen wird dazu tatsächlich die Firma kurzfristig aufgelöst und sofort
neu gegründet. Das wird dann in einer speziellen Zeitung
veröffentlicht, damit alle die noch etwas von der Firma wollen (für
gewöhnlich: Geld) noch Zeit haben Einspruch einzulegen. Das erste (und
in gewisser Weise letzte) Mal dass meine Firma also in der Zeitung steht
ist, dass sie dicht macht. Zu irgendeinem Zeitpunkt ist meine
rechtliche Bindung an Japan fast null: kein Studienplatz, und für
einen Tag auch keine Firma. Hätte ich hier die Ausfahrt nehmen sollen?
Hätte ich die Firma in Deutschland neu gründen sollen? Aber ich habe
noch ein Team dort, und Freunde, und Investoren die mir Geld geben
wollen, und eine Wohnung - die jetzt auch die Wohnung meiner Firma ist. Also wird der (Rück-)Spung gewagt und der Rückflug wird gebucht. Der Rückflug zum Rückflug (also nach
Deutschland) erst wieder im Dezember. Ich habe kein Visum bis dahin. Ich
habe nicht mal genug Geld um bis dahin dort Leben zu können. Ich drücke
auf den "Flug Buchen"-Knopf wie auf den Zünder einer Zeitbombe.
Am Flughafen erzähle ich mal nicht dass mein Studium schon vorbei ist. Dafür sage ich dass ich die Arbeitsstelle für mein nächstes Visum schon habe. Ist nicht gelogen, nur weiß ich halt leider auch dass die gerade frisch umgegründete Firma bis dahin schon insolvent sein wird wenn nichts passiert.
Es muss einfach was passieren!
Zurück an die Arbeit.
Zwei Investoren habe ich ja schon aber weder ich noch Die scheinen der ganzen Kiste so recht zu trauen. Immer neue Fragen, immer neue Reifen durch die ich springen soll. Der eine Investor will dass ich nochmal meine Firma pitche, damit wir weitere Investoren finden - wohl auch um ihn selbst zu beruhigen, dass er nicht der einzige Spinner ist der Potenzial in uns sieht. Ist er aber.
"Ich glaube nicht dass Sie das Zeug haben eine Multi-Millionen-Dollar Firma zu leiten.", sagt mir Mr. U███ einer der potentiellen Investoren ins Gesicht.
Ich sage nichts. Eine Multi-Millionen-Dollar Firma liegt so weit jenseits meines Denk-Horizonts dass ich das tatsächlich auch nicht glauben kann.
Ich gehe zum Entspannen (Stressabbbau) ins Fitness-Studio. Als ich gerade die Bein-Quetsche bearbeite bekomme ich Email. Mr. U███ will sich doch mit einer kleinen Summe an meiner Firma beteiligen. Wie klein? Etwa 10.000$. Was manche Leute so als "kleine Summe" bezeichnen... denke ich und klemme wieder die Schenkel zusammen. Wenige Tage später kommt noch jemand mit einer "kleinen Summe". Jetzt sind es also schon vier Investoren. Viel ruhiger macht mich das nicht - im Gegenteil. Es wird klar, dass die Vier sich gegenseitig als Versicherung sehen. Wenn einer es sich anders überlegt kann das ganze Kartenhaus zusammenfallen.
Einer der Investoren (der mit der meisten Erfahrung) stiftet den Vertragstext und rät mir einen Anwalt zu konsultieren. Tue ich, auch wenn mir selbst nicht klar ist warum - ich fühle mich nicht in der Position viel zu verhandeln. Ich weiß nicht wie ich meine Miete für den nächsten Monat zahlen soll.
Der Anwalt erklärt mir dass ich an dem Vertrag hier und da noch etwas mehr für mich rausholen könnte. Danke, aber 200.000 Dollar auf dem Firmenkonto sind genug für mich. Kaum habe ich die Kanzlei verlassen hat die Freude ein Ende: die Dame von D████ Schwerindustrie will nochmal eine Neuregelung der Aktienverteilung weil sie da von einem Steuersparprogramm gehört hat. Ich bitte höflich darum zu so einem späten Zeitpunkt nichts mehr an der Aktienverteilung zu ändern. Das kriegt sie in den falschen Hals. Es kostet eine Woche und eine lange Aussprache beim Abendessen bis die Beziehung wieder gekittet ist. Die Umverteilung will sie trotzdem.
Also nochmal den Anwalt zurückgepfiffen und zu allen Investoren den neuen Deal schmackhaft gemacht. "Da gibt es so ein Steuersparprogramm...".
Investor Zwei: "Oh, dann andere mal den Namen auf dem Vertrag von meiner Firma auf mich."
Investor Drei: "... ich glaube das Investment wird dann von ... meiner Frau kommen *ahem*."
Investor Vier: "Hey, ich war damals Mitglied in dem Komitee dass diesen Steuer-Deal ausgearbeitet hat! Jetzt kann ich das zum ersten mal selber machen!"
Ich komme mir langsam verarscht vor, aber drucke einfach nochmal alle Verträge neu aus - um x-ten mal. Langsam werde ich Meister in der Kunst des Vertrags-Bindens - ein spezieller Vorgang der verhindern soll dass nachträglich etwas am Text verändert wird. Am Ende wird dann trotzdem nochmal etwas nachträglich am Text geändert weil ein Tippfehler drin war. Der Anwalt wird das einfach mit Bleistift nachbessern. Soviel also dazu.
Dann sind die Dinger draußen. Bleibt nur noch zu warten - wird das Geld wirklich irgendwann kommen? Es ist der 30. August. Später Vormittag. Ist das Geld vielleicht schon auf dem Konto?
Ich brauche eh mal dringend einen Haarschnitt, und auf dem Weg zum Friseur komme ich ja gleich bei der Bank vorbei - Online-Banking ist hier nicht: ich muß schon das Sparbuch mit zur Filiale nehmen. Der Automat druckt brzzz brzzz neue Zeilen in das Büchlein.
Spuckt es wieder aus.
Vier neue Einträge.
Ich sitze unter dem brzzz-brzzz Haarschneider und langsam sickert es in mein Gehirn.
Ich hab's geschafft.
Ich hab's wirklich geschafft.
Oder?
Ich habe noch nie so viel Geld auf dem Konto gehabt.
Gut, man kann immer sagen: ist ja nicht mein Geld.
Aber selbst wenn es mein Geld wäre, ich würde es für nichts anderes ausgeben als das.
Ich habe eine echte Firma. Mit echtem Geld. Echten Investoren, und bald auch echten Angestellten.
Zeit zur Einwanderungsbehörde zu rennen und klarzumachen dass ich kein Student mehr bin.
Am Flughafen erzähle ich mal nicht dass mein Studium schon vorbei ist. Dafür sage ich dass ich die Arbeitsstelle für mein nächstes Visum schon habe. Ist nicht gelogen, nur weiß ich halt leider auch dass die gerade frisch umgegründete Firma bis dahin schon insolvent sein wird wenn nichts passiert.
Es muss einfach was passieren!
Zurück an die Arbeit.
Zwei Investoren habe ich ja schon aber weder ich noch Die scheinen der ganzen Kiste so recht zu trauen. Immer neue Fragen, immer neue Reifen durch die ich springen soll. Der eine Investor will dass ich nochmal meine Firma pitche, damit wir weitere Investoren finden - wohl auch um ihn selbst zu beruhigen, dass er nicht der einzige Spinner ist der Potenzial in uns sieht. Ist er aber.
"Ich glaube nicht dass Sie das Zeug haben eine Multi-Millionen-Dollar Firma zu leiten.", sagt mir Mr. U███ einer der potentiellen Investoren ins Gesicht.
Ich sage nichts. Eine Multi-Millionen-Dollar Firma liegt so weit jenseits meines Denk-Horizonts dass ich das tatsächlich auch nicht glauben kann.
Ich gehe zum Entspannen (Stressabbbau) ins Fitness-Studio. Als ich gerade die Bein-Quetsche bearbeite bekomme ich Email. Mr. U███ will sich doch mit einer kleinen Summe an meiner Firma beteiligen. Wie klein? Etwa 10.000$. Was manche Leute so als "kleine Summe" bezeichnen... denke ich und klemme wieder die Schenkel zusammen. Wenige Tage später kommt noch jemand mit einer "kleinen Summe". Jetzt sind es also schon vier Investoren. Viel ruhiger macht mich das nicht - im Gegenteil. Es wird klar, dass die Vier sich gegenseitig als Versicherung sehen. Wenn einer es sich anders überlegt kann das ganze Kartenhaus zusammenfallen.
Einer der Investoren (der mit der meisten Erfahrung) stiftet den Vertragstext und rät mir einen Anwalt zu konsultieren. Tue ich, auch wenn mir selbst nicht klar ist warum - ich fühle mich nicht in der Position viel zu verhandeln. Ich weiß nicht wie ich meine Miete für den nächsten Monat zahlen soll.
Der Anwalt erklärt mir dass ich an dem Vertrag hier und da noch etwas mehr für mich rausholen könnte. Danke, aber 200.000 Dollar auf dem Firmenkonto sind genug für mich. Kaum habe ich die Kanzlei verlassen hat die Freude ein Ende: die Dame von D████ Schwerindustrie will nochmal eine Neuregelung der Aktienverteilung weil sie da von einem Steuersparprogramm gehört hat. Ich bitte höflich darum zu so einem späten Zeitpunkt nichts mehr an der Aktienverteilung zu ändern. Das kriegt sie in den falschen Hals. Es kostet eine Woche und eine lange Aussprache beim Abendessen bis die Beziehung wieder gekittet ist. Die Umverteilung will sie trotzdem.
Also nochmal den Anwalt zurückgepfiffen und zu allen Investoren den neuen Deal schmackhaft gemacht. "Da gibt es so ein Steuersparprogramm...".
Investor Zwei: "Oh, dann andere mal den Namen auf dem Vertrag von meiner Firma auf mich."
Investor Drei: "... ich glaube das Investment wird dann von ... meiner Frau kommen *ahem*."
Investor Vier: "Hey, ich war damals Mitglied in dem Komitee dass diesen Steuer-Deal ausgearbeitet hat! Jetzt kann ich das zum ersten mal selber machen!"
Ich komme mir langsam verarscht vor, aber drucke einfach nochmal alle Verträge neu aus - um x-ten mal. Langsam werde ich Meister in der Kunst des Vertrags-Bindens - ein spezieller Vorgang der verhindern soll dass nachträglich etwas am Text verändert wird. Am Ende wird dann trotzdem nochmal etwas nachträglich am Text geändert weil ein Tippfehler drin war. Der Anwalt wird das einfach mit Bleistift nachbessern. Soviel also dazu.
Dann sind die Dinger draußen. Bleibt nur noch zu warten - wird das Geld wirklich irgendwann kommen? Es ist der 30. August. Später Vormittag. Ist das Geld vielleicht schon auf dem Konto?
Ich brauche eh mal dringend einen Haarschnitt, und auf dem Weg zum Friseur komme ich ja gleich bei der Bank vorbei - Online-Banking ist hier nicht: ich muß schon das Sparbuch mit zur Filiale nehmen. Der Automat druckt brzzz brzzz neue Zeilen in das Büchlein.
Spuckt es wieder aus.
Vier neue Einträge.
Ich sitze unter dem brzzz-brzzz Haarschneider und langsam sickert es in mein Gehirn.
Ich hab's geschafft.
Ich hab's wirklich geschafft.
Oder?
Ich habe noch nie so viel Geld auf dem Konto gehabt.
Gut, man kann immer sagen: ist ja nicht mein Geld.
Aber selbst wenn es mein Geld wäre, ich würde es für nichts anderes ausgeben als das.
Ich habe eine echte Firma. Mit echtem Geld. Echten Investoren, und bald auch echten Angestellten.
Zeit zur Einwanderungsbehörde zu rennen und klarzumachen dass ich kein Student mehr bin.
Mittwoch, 30. Januar 2019
Boss (13)
Das Studium geht dem Ende entgegen. Die letzten Änderungswünsche an der Doktorarbeit werden eingebaut. Die letzten Präsentationen gehalten. Der letzte Papierkram erledigt.
Nebenbei muss ich mir schonmal Gedanken machen, wie es danach mit meiner Aufenthaltsberechtigung aussehen wird. Wäre ich Angestellter, würde sich meine Firma darum kümmern. Aber ich bin selbst die Firma. Dafür gibt es ja ein spezielles Manager-Visum.
"Das geht aber hier nicht", sagen mir die Vermieter von meinem Office.
Was?!
"Die Einwanderungsbehörde vergibt das Visum nicht, wenn der Firmensitz ein Shared-Office ist".
Glaube ich nicht. Rufe da später mal an.
"Nein, also so eine Regel in dem Sinne gibt es nicht", sagt der Beamte.
Na also. Mit Erleichterung wieder ins Office.
"Wir haben da vorhin angerufen und uns wurde gesagt dass es ganz sicher nicht akzeptiert wird".
Ja was denn jetzt? Mir wurde gesagt so eine Regel gäbe es nicht.
Bin ich zu blöd zwischen den Zeilen zu lesen? Was soll ich den tun? Ein nicht-shared Office kann ich mir nicht leisten - selbst wenn ich einen Vermieter finden wurde der einem Studenten Büroräume vermietet.
"Ändere doch einfach die offizielle Firmenadresse auf deine Wohnung. Du kannst das Shared Office ja weiter verwenden."
Das ist ja noch dubioser! Eine Firma in der Wohnung der Geschäftsführers?
Noch dazu ist der Mitvertrag als Privatwohnung ausgelegt. Gewerbliche Nutzung untersagt.
Also zum Makler gehen und fragen ob man da nicht was drehen kann. Weil: wenn ich abgeschoben werde kann ich die Wohnung auch nicht mehr mieten.
Der Mann ist sehr hilfsbereit. Ich kriege den Verdacht er hat keinen Bock einen neuen Mieter zu suchen. Hoffe das sagt nichts über die Bausubstanz des Gebäudes aus.
Nach ein paar Telephonaten steht der Deal: ich überweise dem Vermieter privat die Mehrwertsteuer (auf Büroräume muss man Steuern zahlen) und bekomme dafür einen Schrieb dass ich die Wohnung als Firmenadresse nutzen darf.
Ja, das wird das Immigrationsamt bestimmt akzeptieren - aber Shared Offices nicht. Selbst die ungeschriebenen Regeln sind noch saublöd.
Aber naja, ich muss die Firma ja eh von GmbH nach AG umgründen um Investitionen annehmen zu können. Da kommt der Adresswechsel gratis.
Als ich in Deutschland mit dem Studieren angefangen habe hieß dass erstmal nur: in der Schlange stehen und Papiere jonglieren. Außer den Einschreibungs-Formalitäten war da nicht viel zeremonielles außer "da ist dein Studienbuch NÄCHSTER!".
Als ich meinen Master in Japan angefangen habe, durfte ich Zeuge einer ganz anderen Universitätskultur werden.
Es wurde eine große Show gemacht. Ein traditionelles Japanisches Theaterstück wurde aufgeführt. Der Präsident gab eine Rede. Der Bürgermeister war da. Alle sind wir aufgestanden und haben der Nationalhymne gelauscht. Und dann der Hymne der Universität (ja, die hat ihren eigenen Song).
Als ich den Master abgeschlossen habe und den Doktor angefangen habe, habe ich den Fehler gemacht, das zum Halbjahr zu machen (wenn man's halt auch so eilig hat fertig zu werden...). Also fiel die Feier deutlich kleiner aus. Immerhin kam der Präsident und Überreichte mir meine Urkunde. Das Konsortium aus Professoren verneigte sich tief und ich verneigte mich tief, guckte ein paar Sekunden auf den Streifen Klebeband unter meinen Füßen mit dem man uns geleitet hat wo wir uns verneigen sollten.
Als ich meinen Doktor fertig hatte war sogar ein Viertel-Jahr. Naja, vielleicht schickt mir der Präsident wenigstens eine Email...
Tut er nicht. Der Bär schickt mir eine Email. Zur Wiederholung: der Bär ist die große große Firma die meinen Erfolg oder Untergang bedeuten kann. Diesmal sieht's mehr nach "Erfolg" aus: ich werde nach Tokyo eingeladen. Man will mich da ein paar Leuten vorstellen. Selbstverständlich gehe ich nach Tokyo! Wann denn? Am Tag meiner Abschlußfeier.
...
-naja, der Bürgermeister wäre ja eh nicht gekommen.
Und so sitze ich in einem Restaurant in Tokyo und werde gefragte: "sagen Sie mal, wann sind Sie eigentlich mit dem Studium fertig?". Ich schaue auf die Uhr. "Ungefähr gerade jetzt".
Zu meinem Stipendium habe ich einen Rückflug spendiert bekommen. Im Februar habe ich bei einem Pitch-Contest einen Rückflug gewonnen. Ob "aus Japan zurück" oder "nach Japan zurück" stand nicht dabei. Ich könnte natürlich beide Flüge sausen lassen, aber ich war schon seit über 5 Jahren nicht mehr im Sommer in Deutschland. Hole mir erst mal einen harten JetLag: fühlt sich an als ob es 9 Uhr Abends ist, kann aber nicht sein - es ist noch Taghell draußen. Blick auf die Uhr: es ist 9 Uhr Abends. Ist nur noch hell draußen. Verrückt, dieses Deutschland.
Als nächstes hole ich so viel wie möglich aus meinem Besuch raus. Ich besuche die örtliche Niederlassung des Bären und zeige mein Produkt. Kommt gut an.
Als nächstes hole ich mir Feedback und Tipps von einem alten Bekannten, der ziemlich genau in der Zielgruppe meiner Software sitzt. Er will Sushi essen gehen. All-you-can-eat.
Als nächstes hole ich Zeit mit der Familie nach. Die will Zuhause Sushi kochen. Wir machenversehentlich natürlich viel zu viel.
Ich hole mir einen Sushi-Schock, dann stelle ich fest dass das das erste Sushi war das ich dieses Jahr gegessen habe (war immer zu wenig Zeit und Geld). Okay, jetzt reicht's mir auch für den Rest des Jahres. Hat sich mein Deutschland-Urlaub schon gelohnt. Jetzt erstmal in den Biergarten.
Nebenbei muss ich mir schonmal Gedanken machen, wie es danach mit meiner Aufenthaltsberechtigung aussehen wird. Wäre ich Angestellter, würde sich meine Firma darum kümmern. Aber ich bin selbst die Firma. Dafür gibt es ja ein spezielles Manager-Visum.
"Das geht aber hier nicht", sagen mir die Vermieter von meinem Office.
Was?!
"Die Einwanderungsbehörde vergibt das Visum nicht, wenn der Firmensitz ein Shared-Office ist".
Glaube ich nicht. Rufe da später mal an.
"Nein, also so eine Regel in dem Sinne gibt es nicht", sagt der Beamte.
Na also. Mit Erleichterung wieder ins Office.
"Wir haben da vorhin angerufen und uns wurde gesagt dass es ganz sicher nicht akzeptiert wird".
Ja was denn jetzt? Mir wurde gesagt so eine Regel gäbe es nicht.
Bin ich zu blöd zwischen den Zeilen zu lesen? Was soll ich den tun? Ein nicht-shared Office kann ich mir nicht leisten - selbst wenn ich einen Vermieter finden wurde der einem Studenten Büroräume vermietet.
"Ändere doch einfach die offizielle Firmenadresse auf deine Wohnung. Du kannst das Shared Office ja weiter verwenden."
Das ist ja noch dubioser! Eine Firma in der Wohnung der Geschäftsführers?
Noch dazu ist der Mitvertrag als Privatwohnung ausgelegt. Gewerbliche Nutzung untersagt.
Also zum Makler gehen und fragen ob man da nicht was drehen kann. Weil: wenn ich abgeschoben werde kann ich die Wohnung auch nicht mehr mieten.
Der Mann ist sehr hilfsbereit. Ich kriege den Verdacht er hat keinen Bock einen neuen Mieter zu suchen. Hoffe das sagt nichts über die Bausubstanz des Gebäudes aus.
Nach ein paar Telephonaten steht der Deal: ich überweise dem Vermieter privat die Mehrwertsteuer (auf Büroräume muss man Steuern zahlen) und bekomme dafür einen Schrieb dass ich die Wohnung als Firmenadresse nutzen darf.
Ja, das wird das Immigrationsamt bestimmt akzeptieren - aber Shared Offices nicht. Selbst die ungeschriebenen Regeln sind noch saublöd.
Aber naja, ich muss die Firma ja eh von GmbH nach AG umgründen um Investitionen annehmen zu können. Da kommt der Adresswechsel gratis.
Als ich in Deutschland mit dem Studieren angefangen habe hieß dass erstmal nur: in der Schlange stehen und Papiere jonglieren. Außer den Einschreibungs-Formalitäten war da nicht viel zeremonielles außer "da ist dein Studienbuch NÄCHSTER!".
Als ich meinen Master in Japan angefangen habe, durfte ich Zeuge einer ganz anderen Universitätskultur werden.
Es wurde eine große Show gemacht. Ein traditionelles Japanisches Theaterstück wurde aufgeführt. Der Präsident gab eine Rede. Der Bürgermeister war da. Alle sind wir aufgestanden und haben der Nationalhymne gelauscht. Und dann der Hymne der Universität (ja, die hat ihren eigenen Song).
Als ich den Master abgeschlossen habe und den Doktor angefangen habe, habe ich den Fehler gemacht, das zum Halbjahr zu machen (wenn man's halt auch so eilig hat fertig zu werden...). Also fiel die Feier deutlich kleiner aus. Immerhin kam der Präsident und Überreichte mir meine Urkunde. Das Konsortium aus Professoren verneigte sich tief und ich verneigte mich tief, guckte ein paar Sekunden auf den Streifen Klebeband unter meinen Füßen mit dem man uns geleitet hat wo wir uns verneigen sollten.
Als ich meinen Doktor fertig hatte war sogar ein Viertel-Jahr. Naja, vielleicht schickt mir der Präsident wenigstens eine Email...
Tut er nicht. Der Bär schickt mir eine Email. Zur Wiederholung: der Bär ist die große große Firma die meinen Erfolg oder Untergang bedeuten kann. Diesmal sieht's mehr nach "Erfolg" aus: ich werde nach Tokyo eingeladen. Man will mich da ein paar Leuten vorstellen. Selbstverständlich gehe ich nach Tokyo! Wann denn? Am Tag meiner Abschlußfeier.
...
-naja, der Bürgermeister wäre ja eh nicht gekommen.
Und so sitze ich in einem Restaurant in Tokyo und werde gefragte: "sagen Sie mal, wann sind Sie eigentlich mit dem Studium fertig?". Ich schaue auf die Uhr. "Ungefähr gerade jetzt".
Zu meinem Stipendium habe ich einen Rückflug spendiert bekommen. Im Februar habe ich bei einem Pitch-Contest einen Rückflug gewonnen. Ob "aus Japan zurück" oder "nach Japan zurück" stand nicht dabei. Ich könnte natürlich beide Flüge sausen lassen, aber ich war schon seit über 5 Jahren nicht mehr im Sommer in Deutschland. Hole mir erst mal einen harten JetLag: fühlt sich an als ob es 9 Uhr Abends ist, kann aber nicht sein - es ist noch Taghell draußen. Blick auf die Uhr: es ist 9 Uhr Abends. Ist nur noch hell draußen. Verrückt, dieses Deutschland.
Als nächstes hole ich so viel wie möglich aus meinem Besuch raus. Ich besuche die örtliche Niederlassung des Bären und zeige mein Produkt. Kommt gut an.
Als nächstes hole ich mir Feedback und Tipps von einem alten Bekannten, der ziemlich genau in der Zielgruppe meiner Software sitzt. Er will Sushi essen gehen. All-you-can-eat.
Als nächstes hole ich Zeit mit der Familie nach. Die will Zuhause Sushi kochen. Wir machen
Ich hole mir einen Sushi-Schock, dann stelle ich fest dass das das erste Sushi war das ich dieses Jahr gegessen habe (war immer zu wenig Zeit und Geld). Okay, jetzt reicht's mir auch für den Rest des Jahres. Hat sich mein Deutschland-Urlaub schon gelohnt. Jetzt erstmal in den Biergarten.
Montag, 31. Dezember 2018
Boss (12)
Inzwischen tut sich was im Angestellten-Register.
Einige Studenten in der Gegend sind auf uns aufmerksam geworden und haben mich eingeladen unser System mal in ihrem Bastler-Club vorzustellen. Also nach Kyoto und mit dem ganzen VR-Geraffel in einen Bus voller Touristen (die Uni ist ausgerechnet in der Nähe des berühmten "Goldenen Pavillons"). Doch es lohnt sich: eine Studentin ist so begeistert, dass sie gleich ein Praktikum machen und bei der Entwicklung mithelfen will.
Das trifft sich zeitlich gut, weil ich bei einem anderen Bastler-Meeting gerade erst einen Programmierer kennen gelernt habe der auch in seiner Freizeit ein bißchen mithelfen will. So kann ich die Einführung gleich für beide Gleichzeitig machen.
Also: Vertrag aufgesetzt, Stempel drauf gedrückt.
Schon lustig - es ist nicht so lange her als ich Praktika gemacht habe und Sachen erklärt bekommen habe, jetzt sitze ich auf der anderen Seite des Tisches. Und natürlich werde ich alles besser machen als die Praktika, die ich selbst bekommen habe. Dachte ich. Da hatte ich noch den Luxus des "von der Realität ungestörten Denkens".
Dann kriege ich eine Email von einem alten Freund der Familie. Er ist ein echter Unternehmer - okay, jetzt muss ich wohl sagen: "er ist auch Unternehmer", aber seine Firma gibt es schon etwa so lange wie mich. Also: mich selbst, nicht meine Firma. Er ist also also ein echtes Vorbild.
Er arbeitet gerade daran eine Zweigstelle in Japan aufzubauen und hat dafür gerade den richtigen Mann gefunden: einen noch-Studenten-bald-Absolventen, einen Japaner der sich mit der Technik auskennt und auch begeistert ist die Japanische Zweigstelle eines Deutsches Unternehmens sein zu können.
Da gibt es nur ein Problem: die Zweigstelle gibt es bisher erst in den Köpfen aller beteiligten, nicht auf dem Papier und noch nicht auf dem Amt. Und jetzt soll der Japaner erstmal zur Weiterbildung nach Deutschland fliegen. Wie soll sich dass denn buchhaltungstechnisch ausgehen?
Naja, ich haette da ja eine Firma, die ganz ganz legal Leute einstellen...
Erstmal Beratung beim Anwalt geholt.
Darf ich ihn den Einstellen wenn er nicht mal in Osaka lebt? Klar, schreiben wir halt "arbeitet von Zuhause" in den Vertrag.
Und der Deutschland-Aufenthalt? Kommt auch mit in den Vertrag, kein Problem.
Und dass er gar nicht an unserem Produkt mitarbeiten wird? Naja, "IT-Dienstleistungen" sind unser Business. Er kann also ohne Probleme als "Berater" bei einem anderen Unternehmen aushelfen.
Mir kommt das gerade recht: je mehr Angestellte und je mehr Aufträge meine Firma hat, desto einfacher sollte es werden später ein ein "Manager"-Visum zu bekommen.
Also: Vertrag aufgesetzt, Stempel drauf gedrückt. (Langsam habe ich da Routine).
So wird mein erster Vollzeit-Angestellter ein Mann den ich gar nicht kenne. Ein Mann dessen Arbeit ich nicht sehe, nichtmal verstehen würde. Ein Mann den ich nie selbst treffen werde. Ein Japaner der in meiner Heimatstadt sein wird während ich versuche in Japan die Firma aufzubauen, bei der er offiziell angestellt ist. Eine Firma deren Büro er nie betreten wird.
Meine Situation wird echt immer verrückter.
Die nächste Email die ich kriege ist auch eine Überraschung - aber keine sehr nette.
Es ist die Investorin. Genau genommen ist es eine Antwort-Email. Eine Antwort auf eine Email die ich nie gesehen habe. Eine Email die unser Buchhalter ihr geschickt hat - hinter meinem Rücken.
Wie erwähnt hatten wir uns um Subventionen beworben.
Nun, damit sind wir gescheitert.
Das war soweit vorhersehbar, aber wie wir gescheitert sind war dann doch problematisch.
Als ich die Unterlagen am Amt aufgeben wollte wurden die schnell einmal auf Vollständigkeit und Korrektheit unüberprüft.
Sie waren: weder noch.
Also bin ich mit dem Fahrrad quer durch Osaka gerast um zwischen Office, dem Buchhalter, und dem Amt noch schnell eine korrigierte Version abgeben zu können. Am Ende saßen der Buchhalter und ich im Wartezimmer des Amtes wie Eltern im Krankenhaus. Der Beamte hat jetzt Zeit sich ihr Kind anzusehen. Ja, klarer Fall von "ist tot". Die Bewerbung war so grundlegend Falsch dass er uns da auch nicht helfen konnte. Und ich dachte der Buchhalter kennt sich mit sowas aus. Aber manche von den Fehlern waren sogar für mich offensichtlich. Naja, kann man nichts machen.
Jetzt aber sehe ich in der Antwort-Email der Investorin, dass er ihr die Story schon erzählt hat. Warum hat er mich da nicht in den CC gesetzt? Könnte damit zusammenhängen wie er unser Scheitern erklärt. "Mangel an Führung und überhaupt keine klare Vision für die Zukunft.". Das sei in der Firma überhaupt so ein Problem.
Kurz gesagt: ich soll schuld sein. Ach ja? Eine Skype-Aussprache später (in der er wenig Einsicht zeigt, dafür um so mehr zusammenhangslose Kritik an mir hervorblubbern lässt) ist klar: wir werden wohl getrennte Wege gehen. Also er geht. Ich gehe in den Keller der Buchhaltung und muss mir irgendwie beibringen zu verstehen was er da noch so an Zeug vergraben hat...
Einige Studenten in der Gegend sind auf uns aufmerksam geworden und haben mich eingeladen unser System mal in ihrem Bastler-Club vorzustellen. Also nach Kyoto und mit dem ganzen VR-Geraffel in einen Bus voller Touristen (die Uni ist ausgerechnet in der Nähe des berühmten "Goldenen Pavillons"). Doch es lohnt sich: eine Studentin ist so begeistert, dass sie gleich ein Praktikum machen und bei der Entwicklung mithelfen will.
Das trifft sich zeitlich gut, weil ich bei einem anderen Bastler-Meeting gerade erst einen Programmierer kennen gelernt habe der auch in seiner Freizeit ein bißchen mithelfen will. So kann ich die Einführung gleich für beide Gleichzeitig machen.
Also: Vertrag aufgesetzt, Stempel drauf gedrückt.
Schon lustig - es ist nicht so lange her als ich Praktika gemacht habe und Sachen erklärt bekommen habe, jetzt sitze ich auf der anderen Seite des Tisches. Und natürlich werde ich alles besser machen als die Praktika, die ich selbst bekommen habe. Dachte ich. Da hatte ich noch den Luxus des "von der Realität ungestörten Denkens".
Dann kriege ich eine Email von einem alten Freund der Familie. Er ist ein echter Unternehmer - okay, jetzt muss ich wohl sagen: "er ist auch Unternehmer", aber seine Firma gibt es schon etwa so lange wie mich. Also: mich selbst, nicht meine Firma. Er ist also also ein echtes Vorbild.
Er arbeitet gerade daran eine Zweigstelle in Japan aufzubauen und hat dafür gerade den richtigen Mann gefunden: einen noch-Studenten-bald-Absolventen, einen Japaner der sich mit der Technik auskennt und auch begeistert ist die Japanische Zweigstelle eines Deutsches Unternehmens sein zu können.
Da gibt es nur ein Problem: die Zweigstelle gibt es bisher erst in den Köpfen aller beteiligten, nicht auf dem Papier und noch nicht auf dem Amt. Und jetzt soll der Japaner erstmal zur Weiterbildung nach Deutschland fliegen. Wie soll sich dass denn buchhaltungstechnisch ausgehen?
Naja, ich haette da ja eine Firma, die ganz ganz legal Leute einstellen...
Erstmal Beratung beim Anwalt geholt.
Darf ich ihn den Einstellen wenn er nicht mal in Osaka lebt? Klar, schreiben wir halt "arbeitet von Zuhause" in den Vertrag.
Und der Deutschland-Aufenthalt? Kommt auch mit in den Vertrag, kein Problem.
Und dass er gar nicht an unserem Produkt mitarbeiten wird? Naja, "IT-Dienstleistungen" sind unser Business. Er kann also ohne Probleme als "Berater" bei einem anderen Unternehmen aushelfen.
Mir kommt das gerade recht: je mehr Angestellte und je mehr Aufträge meine Firma hat, desto einfacher sollte es werden später ein ein "Manager"-Visum zu bekommen.
Also: Vertrag aufgesetzt, Stempel drauf gedrückt. (Langsam habe ich da Routine).
So wird mein erster Vollzeit-Angestellter ein Mann den ich gar nicht kenne. Ein Mann dessen Arbeit ich nicht sehe, nichtmal verstehen würde. Ein Mann den ich nie selbst treffen werde. Ein Japaner der in meiner Heimatstadt sein wird während ich versuche in Japan die Firma aufzubauen, bei der er offiziell angestellt ist. Eine Firma deren Büro er nie betreten wird.
Meine Situation wird echt immer verrückter.
Die nächste Email die ich kriege ist auch eine Überraschung - aber keine sehr nette.
Es ist die Investorin. Genau genommen ist es eine Antwort-Email. Eine Antwort auf eine Email die ich nie gesehen habe. Eine Email die unser Buchhalter ihr geschickt hat - hinter meinem Rücken.
Wie erwähnt hatten wir uns um Subventionen beworben.
Nun, damit sind wir gescheitert.
Das war soweit vorhersehbar, aber wie wir gescheitert sind war dann doch problematisch.
Als ich die Unterlagen am Amt aufgeben wollte wurden die schnell einmal auf Vollständigkeit und Korrektheit unüberprüft.
Sie waren: weder noch.
Also bin ich mit dem Fahrrad quer durch Osaka gerast um zwischen Office, dem Buchhalter, und dem Amt noch schnell eine korrigierte Version abgeben zu können. Am Ende saßen der Buchhalter und ich im Wartezimmer des Amtes wie Eltern im Krankenhaus. Der Beamte hat jetzt Zeit sich ihr Kind anzusehen. Ja, klarer Fall von "ist tot". Die Bewerbung war so grundlegend Falsch dass er uns da auch nicht helfen konnte. Und ich dachte der Buchhalter kennt sich mit sowas aus. Aber manche von den Fehlern waren sogar für mich offensichtlich. Naja, kann man nichts machen.
Jetzt aber sehe ich in der Antwort-Email der Investorin, dass er ihr die Story schon erzählt hat. Warum hat er mich da nicht in den CC gesetzt? Könnte damit zusammenhängen wie er unser Scheitern erklärt. "Mangel an Führung und überhaupt keine klare Vision für die Zukunft.". Das sei in der Firma überhaupt so ein Problem.
Kurz gesagt: ich soll schuld sein. Ach ja? Eine Skype-Aussprache später (in der er wenig Einsicht zeigt, dafür um so mehr zusammenhangslose Kritik an mir hervorblubbern lässt) ist klar: wir werden wohl getrennte Wege gehen. Also er geht. Ich gehe in den Keller der Buchhaltung und muss mir irgendwie beibringen zu verstehen was er da noch so an Zeug vergraben hat...
Freitag, 30. November 2018
Boss (11)
Was Leute dazu bringt in Start-Ups investieren ist mir immer noch nicht klar. Aber zumindest haben wir ja jetzt jemanden, nachdem uns A██s Berater-Team ja zuvor wieder rausgeschmissen hat.
A██ selbst hat nichtmal die Entscheidung getroffen. Seine Motivation scheint weniger die Geldanlage zu sein, als der Versuch Japan in ein Start-Up-Land zu verwandeln. Da hat er einiges vor sich, und gibt dazu auch vor allem Vorträgen und Coachings (also Beratung von angehenden Unternehmern).
Als er gerade mal wieder in Osaka ist, bekomme ich auch mal wieder die Chance mit ihm zu reden.
Er erklärt seine Verwunderung über die Entscheidung seiner Handlanger, zumal die stattdessen in ein anderes Venture investiert haben das er für weniger potent empfindet.
Aber was solls, jetzt habe ich ja einen Investor, und vielleicht kann er wenigstens ein paar Tips geben.
Also hört er sich an was in letzter Zeit so passiert und schaut sich auch das Produkt zum ersten mal selbst an.
Dafür dass er meinen Pitch schon zig mal gehört hat scheint er nun endlich zu verstehen was wir eigentlich machen (ich scheine wirklich miserabel im Erklären zu sein).
Er nennt ein paar Ideen wo das bestimmt auch ein hilfreiches Tool sein könnte. Wird dankbar notiert.
"Und wieviel wolltet ihr dafür nochmal?"
Er meint den Betrag den wir von Investoren wollten.
"Hunderttausend, für 10% Anteil"
Es sind seine Zahlen die er vor Monaten vorgeschlagen hat, nicht meine.
Er streckt mir die Hand entgegen.
Aus bloßem Reflex (!) erwidere ich die Geste.
"Done!" grinst er mich an.
Sein Händedruck ist fest und... MOMENT MAL?!?!?!
Er packt seine Sachen und macht sich ans gehen.
Habe ich eben Hunderttausend in die Hand gedrückt bekommen?
Ich habe eben Hunderttausend in die Hand gedrückt bekommen.
Jetzt müssen sich seine Handlanger wieder mit mir Beschäftigen, was ein bißchen peinlich ist.
Mir wird erstmal erklärt dass ich meine Firma um-gründen muss.
Aus einer "GK" (Japanisches Äquivalent zur GmbH) kann man keine Aktien ausgeben.
Also muss aus der "GK" eine "KK" (Aktiengesellschaft) werden.
Ich kontaktiere meinen Anwalt.
Damit ist das auf den Weg gebracht und ich kann mich auf die Entwicklung konzentrieren.
Oh, und auf meinen Doktortitel. Da war ja noch was.
Ich fetze schnell einen ersten Entwurf zusammen und schicke ihn an meine Professoren.
Es ist nie gut wenn der erste Entwurf perfekt ist. Professoren müssen IMMER irgendwas kritisieren.
Besser sie kritisieren etwas dass man eh noch ändern wollte, als eine fertige Arbeit nochmal umschreiben zu müssen.
Doch die Kritik bleibt aus.
Das ist erstmals nicht schlecht - so bleibt mehr Zeit zum Arbeiten.
Aber der Abgabetermin rückt langsam näher.
Haben die überhaupt gelesen was ich geschickt habe?
Ein paar Wochen vor der Deadline schicke ich dann eine "finale" Version. "Zwinker zwinker"!
Keinen Tag zu früh. "Final" ist ein Wort das Professoren hassen. Der Professor entscheidet was "final" ist, und solange auch noch nur eine Minute vor der Abgabe Zeit ist muss da noch was verbessert werden.
Also ackere ich durch meine To-Do-Liste.
Mittlerweile habe ich es im Studentenwohnheim nicht mehr ausgehalten und bin nach Osaka gezogen. Das macht jedes Meeting extrem umständlich. Aber ich tippe einfach die geforderten Veränderungen im Zug zur Uni... und dann wieder die neuen Verbesserungswünsche im Zug weg von der Uni.
Ein letztes Mal noch die kleine Weltreise: Abgabe! Mann bin ich froh das Ding im Kasten zu haben.
Oh, vom Anwalt habe ich schon lange nichts mehr gehört.
Mal nachfragen.
"Achso, dass, aeh, ja, richtig, da mache ich mich bald dran".
ER HAT NOCH NICHTMAL ANGEFANGEN?!
Jetzt stecke ich richtig im Schlamassel. Bis zu meinem Abschluß ist nicht mehr genug Zeit den Papierkram zu machen.
Ohne KK kein Investment.
Ohne Investment kein Visum.
Ohne Visum kann ich die Firma in Japan nicht weiterführen.
Ohne Firma in Japan kein Investment, ohne Ersparnisse auch keine neue Firma mehr.
Aus der Traum.
...
Naja, so kann ich ja den kleinen Rest Firmengeld in Japan noch verprassen bevor ich abgeschoben werde - so habe ich wenigstens noch etwas von meiner Zeit hier gehabt. Muss einiges an Freizeit nachholen.
Bis wann habe ich denn noch auf dem Visum?
Drei Monate?
Achja, ich habe ja den "Vorgezogener Abschluss" Joker gezogen: nicht nur dass ich ein halbes Jahr zu schnell mit dem Master fertig war, ich wollte auch drei Monate schneller mit dem PhD fertig sein.
Ich kriege sogar einen Rueckflug nach Deutschland spendiert - den aber jetzt (zum Abschluss) und nicht erst in drei Monaten.
Mhmm... da kommt mir so eine Idee...
Dann... dann hätte ich ja noch drei Monate... um das Investment an Land zu ziehen...
Mit Studenten-Visum ohne Studium zurück ins Land schleichen, als Vollzeit-Geschäftsführer die Firma leiten ohne Vollzeit-Arbeitserlaubnis, schnell das Geld einsacken, dann Visum ändern bevor jemand was merkt.
Riskant... sehr riskant...
Google: Flüge, Deutschland → Japan
A██ selbst hat nichtmal die Entscheidung getroffen. Seine Motivation scheint weniger die Geldanlage zu sein, als der Versuch Japan in ein Start-Up-Land zu verwandeln. Da hat er einiges vor sich, und gibt dazu auch vor allem Vorträgen und Coachings (also Beratung von angehenden Unternehmern).
Als er gerade mal wieder in Osaka ist, bekomme ich auch mal wieder die Chance mit ihm zu reden.
Er erklärt seine Verwunderung über die Entscheidung seiner Handlanger, zumal die stattdessen in ein anderes Venture investiert haben das er für weniger potent empfindet.
Aber was solls, jetzt habe ich ja einen Investor, und vielleicht kann er wenigstens ein paar Tips geben.
Also hört er sich an was in letzter Zeit so passiert und schaut sich auch das Produkt zum ersten mal selbst an.
Dafür dass er meinen Pitch schon zig mal gehört hat scheint er nun endlich zu verstehen was wir eigentlich machen (ich scheine wirklich miserabel im Erklären zu sein).
Er nennt ein paar Ideen wo das bestimmt auch ein hilfreiches Tool sein könnte. Wird dankbar notiert.
"Und wieviel wolltet ihr dafür nochmal?"
Er meint den Betrag den wir von Investoren wollten.
"Hunderttausend, für 10% Anteil"
Es sind seine Zahlen die er vor Monaten vorgeschlagen hat, nicht meine.
Er streckt mir die Hand entgegen.
Aus bloßem Reflex (!) erwidere ich die Geste.
"Done!" grinst er mich an.
Sein Händedruck ist fest und... MOMENT MAL?!?!?!
Er packt seine Sachen und macht sich ans gehen.
Habe ich eben Hunderttausend in die Hand gedrückt bekommen?
Ich habe eben Hunderttausend in die Hand gedrückt bekommen.
Jetzt müssen sich seine Handlanger wieder mit mir Beschäftigen, was ein bißchen peinlich ist.
Mir wird erstmal erklärt dass ich meine Firma um-gründen muss.
Aus einer "GK" (Japanisches Äquivalent zur GmbH) kann man keine Aktien ausgeben.
Also muss aus der "GK" eine "KK" (Aktiengesellschaft) werden.
Ich kontaktiere meinen Anwalt.
Damit ist das auf den Weg gebracht und ich kann mich auf die Entwicklung konzentrieren.
Oh, und auf meinen Doktortitel. Da war ja noch was.
Ich fetze schnell einen ersten Entwurf zusammen und schicke ihn an meine Professoren.
Es ist nie gut wenn der erste Entwurf perfekt ist. Professoren müssen IMMER irgendwas kritisieren.
Besser sie kritisieren etwas dass man eh noch ändern wollte, als eine fertige Arbeit nochmal umschreiben zu müssen.
Doch die Kritik bleibt aus.
Das ist erstmals nicht schlecht - so bleibt mehr Zeit zum Arbeiten.
Aber der Abgabetermin rückt langsam näher.
Haben die überhaupt gelesen was ich geschickt habe?
Ein paar Wochen vor der Deadline schicke ich dann eine "finale" Version. "Zwinker zwinker"!
Keinen Tag zu früh. "Final" ist ein Wort das Professoren hassen. Der Professor entscheidet was "final" ist, und solange auch noch nur eine Minute vor der Abgabe Zeit ist muss da noch was verbessert werden.
Also ackere ich durch meine To-Do-Liste.
Mittlerweile habe ich es im Studentenwohnheim nicht mehr ausgehalten und bin nach Osaka gezogen. Das macht jedes Meeting extrem umständlich. Aber ich tippe einfach die geforderten Veränderungen im Zug zur Uni... und dann wieder die neuen Verbesserungswünsche im Zug weg von der Uni.
Ein letztes Mal noch die kleine Weltreise: Abgabe! Mann bin ich froh das Ding im Kasten zu haben.
Oh, vom Anwalt habe ich schon lange nichts mehr gehört.
Mal nachfragen.
"Achso, dass, aeh, ja, richtig, da mache ich mich bald dran".
ER HAT NOCH NICHTMAL ANGEFANGEN?!
Jetzt stecke ich richtig im Schlamassel. Bis zu meinem Abschluß ist nicht mehr genug Zeit den Papierkram zu machen.
Ohne KK kein Investment.
Ohne Investment kein Visum.
Ohne Visum kann ich die Firma in Japan nicht weiterführen.
Ohne Firma in Japan kein Investment, ohne Ersparnisse auch keine neue Firma mehr.
Aus der Traum.
...
Naja, so kann ich ja den kleinen Rest Firmengeld in Japan noch verprassen bevor ich abgeschoben werde - so habe ich wenigstens noch etwas von meiner Zeit hier gehabt. Muss einiges an Freizeit nachholen.
Bis wann habe ich denn noch auf dem Visum?
Drei Monate?
Achja, ich habe ja den "Vorgezogener Abschluss" Joker gezogen: nicht nur dass ich ein halbes Jahr zu schnell mit dem Master fertig war, ich wollte auch drei Monate schneller mit dem PhD fertig sein.
Ich kriege sogar einen Rueckflug nach Deutschland spendiert - den aber jetzt (zum Abschluss) und nicht erst in drei Monaten.
Mhmm... da kommt mir so eine Idee...
Dann... dann hätte ich ja noch drei Monate... um das Investment an Land zu ziehen...
Mit Studenten-Visum ohne Studium zurück ins Land schleichen, als Vollzeit-Geschäftsführer die Firma leiten ohne Vollzeit-Arbeitserlaubnis, schnell das Geld einsacken, dann Visum ändern bevor jemand was merkt.
Riskant... sehr riskant...
Google: Flüge, Deutschland → Japan
Mittwoch, 31. Oktober 2018
Boss (10)
Natürlich würde dass nicht so einfach werden das Geld zu kriegen.
Unsere frischgebackene Investorin scheint dann doch zögerlicher.
Das ist schlecht denn die Verkaufszahlen wachsen deutlich langsamer als gehofft. So machen wir keinen guten Eindruck.
Sie schlägt vor dass wir uns mal für öffentliche Gelder bewerben - sie kennt da so ein Subventionsprogramm der Stadt Osaka. Eigentlich ist mir das gar nicht recht dass ich jetzt auch noch Staatliche Hilfeleistungen in Anspruch nehmen soll, aber nein sagen ist gerade schwierig. Und, hey, die großen Konzerne kriegen auch Subventionen und Steuererleichterungen.
Das Problem ist nur dass der Bewerbungsprozess 100% auf Japanisch und extrem kompliziert ist.
Nein, das ist noch nicht dass Problem - wir haben ja jetzt einen Buchhalter der sich mit solchen Dingen auskennt en sollte. Das Problem ist der Buchhalter.
Der verhält sich in letzter Zeit verdächtig. Scheint mich überreden zu wollen dass ich einen Kredit aufnehme.
Das habe ich immer abgelehnt. Wenn ich alles verliere was ich besitze, dann ist das Okay. Dann fange ich halt wieder bei Null an. Bei einer schwarzen Null. Aber Schulden machen? Nein. "Gar nichts" sollte immer die untere Grenze meines Reichtums sein.
"Aber Geld von Investoren anzunehmen ist doch auch eine Art von Schulden aufnehmen", schreibt er mir im Team-Chat.
"Nein, dass ist dann ja Eigenkapital der Firma", schreibe ich zurück.
"Eigenkapital sind auch Fremdkapital (also Schulden)"
Was? Also so viel verstehe dann sogar ich über Geschäftsfinanzen, dass ich weiss dass das nicht stimmen kann.
"Und wenn du Investoren Aktien gibts, dann würde das Geld ja als Schenkung an dich gewertet und hoch besteuert!"
Moment! Wenn Investoren investieren, dann ist das Geld Eigentum der Firma und nicht mein privates Vermögen. Dafür werden Aktien ja extra ausgegeben.
Das sieht er anders.
Also entweder hat er keine Ahnung, oder er lügt mich an um mich dazu zu überreden einen Kredit aufzunehmen. Beides ist unakzeptabel.
Das wars. Aus. Ist vorbei. Ich kann der einzigen Person die versteht wie der Papierkram funktioniert nicht vertrauen. Und wer weiss was der sonst noch alles für Leichen in unserer Buchführung vergraben hat.
Ich stehe vom Rechner auf und lege mich auf mein Bett.
Es ist aus. Ich kann das nicht weiter machen.
Ein schöner Frühlingstag. Mitte Mai. Warm und sonnig.
Vorbei. Es ist vorbei.
Die Wolken aus Blei stürzen aus dem Himmel und geben den Blick frei auf den Horizont.
Es ist vorbei - und ich habe noch ein paar Monate Zeit in Japan!
Ich kann reisen! Ich kann ausgehen! Ich kann faul sein (abgesehen von der Doktorarbeit)!
Versagen hat sich noch nie so gut angefühlt.
Ich hab's vergeigt. Gottseidank!
Gleich am nächsten Tag treffe ich unsere Möchtegern-Investorin. Nachdem sie sich schon so geziert hat mir ihr Geld anzuvertrauen ist sie bestimmt froh zu hören, dass ich es gar nicht mehr will.
Dachte ich - so sieht sie aber gar nicht aus.
Vielleicht stelle ich mich auch nicht gut genug an die Aussichtslosigkeit der Lage zu schildern.
Sie fragt was ich machen werde.
Heim gehen, Arbeit suchen.
Und mein Traum mein Projekt weiter zu treiben und meine eigene Firma zu Leiten?
Ich kanns ja später nochmal probieren.
Später? Nachdem ich jetzt schon Unterstützer und Investoren gefunden habe? So weit wie jetzt komme ich so schnell nicht wieder.
Da hat sie recht.
Warum dann jetzt aufgeben?
Weil ich auf die Null zugehe - finanziell und nervlich. Ich werde mir nicht den Rest meines Lebens ruinieren für eine fixe Idee.
Dass sieht sie ein. Aber die Null ist ja ein ein Stückchen entfernt.
Ja, aber...
...
"Na, dann gehen Sie erstmal zu einem Tempel und meditieren - das reinigt den Kopf. Und in der Zwischenzeit arbeiten wir mal weiter darauf hin Subvention und Investment auf den Weg zu bringen".
...
Hat mich die Frau gerade wieder dazu überredet ihr Geld zu nehmen?
Unsere frischgebackene Investorin scheint dann doch zögerlicher.
Das ist schlecht denn die Verkaufszahlen wachsen deutlich langsamer als gehofft. So machen wir keinen guten Eindruck.
Sie schlägt vor dass wir uns mal für öffentliche Gelder bewerben - sie kennt da so ein Subventionsprogramm der Stadt Osaka. Eigentlich ist mir das gar nicht recht dass ich jetzt auch noch Staatliche Hilfeleistungen in Anspruch nehmen soll, aber nein sagen ist gerade schwierig. Und, hey, die großen Konzerne kriegen auch Subventionen und Steuererleichterungen.
Das Problem ist nur dass der Bewerbungsprozess 100% auf Japanisch und extrem kompliziert ist.
Nein, das ist noch nicht dass Problem - wir haben ja jetzt einen Buchhalter der sich mit solchen Dingen auskenn
Der verhält sich in letzter Zeit verdächtig. Scheint mich überreden zu wollen dass ich einen Kredit aufnehme.
Das habe ich immer abgelehnt. Wenn ich alles verliere was ich besitze, dann ist das Okay. Dann fange ich halt wieder bei Null an. Bei einer schwarzen Null. Aber Schulden machen? Nein. "Gar nichts" sollte immer die untere Grenze meines Reichtums sein.
"Aber Geld von Investoren anzunehmen ist doch auch eine Art von Schulden aufnehmen", schreibt er mir im Team-Chat.
"Nein, dass ist dann ja Eigenkapital der Firma", schreibe ich zurück.
"Eigenkapital sind auch Fremdkapital (also Schulden)"
Was? Also so viel verstehe dann sogar ich über Geschäftsfinanzen, dass ich weiss dass das nicht stimmen kann.
"Und wenn du Investoren Aktien gibts, dann würde das Geld ja als Schenkung an dich gewertet und hoch besteuert!"
Moment! Wenn Investoren investieren, dann ist das Geld Eigentum der Firma und nicht mein privates Vermögen. Dafür werden Aktien ja extra ausgegeben.
Das sieht er anders.
Also entweder hat er keine Ahnung, oder er lügt mich an um mich dazu zu überreden einen Kredit aufzunehmen. Beides ist unakzeptabel.
Das wars. Aus. Ist vorbei. Ich kann der einzigen Person die versteht wie der Papierkram funktioniert nicht vertrauen. Und wer weiss was der sonst noch alles für Leichen in unserer Buchführung vergraben hat.
Ich stehe vom Rechner auf und lege mich auf mein Bett.
Es ist aus. Ich kann das nicht weiter machen.
Ein schöner Frühlingstag. Mitte Mai. Warm und sonnig.
Vorbei. Es ist vorbei.
Die Wolken aus Blei stürzen aus dem Himmel und geben den Blick frei auf den Horizont.
Es ist vorbei - und ich habe noch ein paar Monate Zeit in Japan!
Ich kann reisen! Ich kann ausgehen! Ich kann faul sein (abgesehen von der Doktorarbeit)!
Versagen hat sich noch nie so gut angefühlt.
Ich hab's vergeigt. Gottseidank!
Gleich am nächsten Tag treffe ich unsere Möchtegern-Investorin. Nachdem sie sich schon so geziert hat mir ihr Geld anzuvertrauen ist sie bestimmt froh zu hören, dass ich es gar nicht mehr will.
Dachte ich - so sieht sie aber gar nicht aus.
Vielleicht stelle ich mich auch nicht gut genug an die Aussichtslosigkeit der Lage zu schildern.
Sie fragt was ich machen werde.
Heim gehen, Arbeit suchen.
Und mein Traum mein Projekt weiter zu treiben und meine eigene Firma zu Leiten?
Ich kanns ja später nochmal probieren.
Später? Nachdem ich jetzt schon Unterstützer und Investoren gefunden habe? So weit wie jetzt komme ich so schnell nicht wieder.
Da hat sie recht.
Warum dann jetzt aufgeben?
Weil ich auf die Null zugehe - finanziell und nervlich. Ich werde mir nicht den Rest meines Lebens ruinieren für eine fixe Idee.
Dass sieht sie ein. Aber die Null ist ja ein ein Stückchen entfernt.
Ja, aber...
...
"Na, dann gehen Sie erstmal zu einem Tempel und meditieren - das reinigt den Kopf. Und in der Zwischenzeit arbeiten wir mal weiter darauf hin Subvention und Investment auf den Weg zu bringen".
...
Hat mich die Frau gerade wieder dazu überredet ihr Geld zu nehmen?
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