Donnerstag, 28. Februar 2019

Boss (14)

Einen neuen Anwalt (der alte hat sich ja durch monatelanges nichts-tun qualifiziert) habe ich schon vor dem Heimaturlaub gefunden und angewiesen den Umbau der Firma von einer GmbH zu einer AG vorzunehmen. Das passiert also in meiner Abwesenheit - alle Stempel-Drückereien habe ich von vor dem Abflug erledigt. Rechtlich gesehen wird dazu tatsächlich die Firma kurzfristig aufgelöst und sofort neu gegründet. Das wird dann in einer speziellen Zeitung veröffentlicht, damit alle die noch etwas von der Firma wollen (für gewöhnlich: Geld) noch Zeit haben Einspruch einzulegen. Das erste (und in gewisser Weise letzte) Mal dass meine Firma also in der Zeitung steht ist, dass sie dicht macht. Zu irgendeinem Zeitpunkt ist meine rechtliche Bindung an Japan fast null: kein Studienplatz, und für einen Tag auch keine Firma. Hätte ich hier die Ausfahrt nehmen sollen? Hätte ich die Firma in Deutschland neu gründen sollen? Aber ich habe noch ein Team dort, und Freunde, und Investoren die mir Geld geben wollen, und eine Wohnung - die jetzt auch die Wohnung meiner Firma ist. Also wird der (Rück-)Spung gewagt und der Rückflug wird gebucht. Der Rückflug zum Rückflug (also nach Deutschland) erst wieder im Dezember. Ich habe kein Visum bis dahin. Ich habe nicht mal genug Geld um bis dahin dort Leben zu können. Ich drücke auf den "Flug Buchen"-Knopf wie auf den Zünder einer Zeitbombe.
Am Flughafen erzähle ich mal nicht dass mein Studium schon vorbei ist. Dafür sage ich dass ich die Arbeitsstelle für mein nächstes Visum schon habe. Ist nicht gelogen, nur weiß ich halt leider auch dass die gerade frisch umgegründete Firma bis dahin schon insolvent sein wird wenn nichts passiert.
Es muss einfach was passieren!
Zurück an die Arbeit.



Zwei Investoren habe ich ja schon aber weder ich noch Die scheinen der ganzen Kiste so recht zu trauen. Immer neue Fragen, immer neue Reifen durch die ich springen soll. Der eine Investor will dass ich nochmal meine Firma pitche, damit wir weitere Investoren finden - wohl auch um ihn selbst zu beruhigen, dass er nicht der einzige Spinner ist der Potenzial in uns sieht. Ist er aber.
"Ich glaube nicht dass Sie das Zeug haben eine Multi-Millionen-Dollar Firma zu leiten.", sagt mir Mr. U██ einer der potentiellen Investoren ins Gesicht.
Ich sage nichts. Eine Multi-Millionen-Dollar Firma liegt so weit jenseits meines Denk-Horizonts dass ich das tatsächlich auch nicht glauben kann.
Ich gehe zum Entspannen (Stressabbbau) ins Fitness-Studio. Als ich gerade die Bein-Quetsche bearbeite bekomme ich Email. Mr. U██ will sich doch mit einer kleinen Summe an meiner Firma beteiligen. Wie klein? Etwa 10.000$. Was manche Leute so als "kleine Summe" bezeichnen... denke ich und klemme wieder die Schenkel zusammen. Wenige Tage später kommt noch jemand mit einer "kleinen Summe". Jetzt sind es also schon vier Investoren. Viel ruhiger macht mich das nicht - im Gegenteil. Es wird klar, dass die Vier sich gegenseitig als Versicherung sehen. Wenn einer es sich anders überlegt  kann das ganze Kartenhaus zusammenfallen.



Einer der Investoren (der mit der meisten Erfahrung) stiftet den Vertragstext und rät mir einen Anwalt zu konsultieren. Tue ich, auch wenn mir selbst nicht klar ist warum - ich fühle mich nicht in der Position viel zu verhandeln. Ich weiß nicht wie ich meine Miete für den nächsten Monat zahlen soll.
Der Anwalt erklärt mir dass ich an dem Vertrag hier und da noch etwas mehr für mich rausholen könnte. Danke, aber 200.000 Dollar auf dem Firmenkonto sind genug für mich. Kaum habe ich die Kanzlei verlassen hat die Freude ein Ende: die Dame von D████ Schwerindustrie will nochmal eine Neuregelung der Aktienverteilung weil sie da von einem Steuersparprogramm gehört hat. Ich bitte höflich darum zu so einem späten Zeitpunkt nichts mehr an der Aktienverteilung zu ändern. Das kriegt sie in den falschen Hals. Es kostet eine Woche und eine lange Aussprache beim Abendessen bis die Beziehung wieder gekittet ist. Die Umverteilung will sie trotzdem.
Also nochmal den Anwalt zurückgepfiffen und zu allen Investoren den neuen Deal schmackhaft gemacht. "Da gibt es so ein Steuersparprogramm...".
Investor Zwei: "Oh, dann andere mal den Namen auf dem Vertrag von meiner Firma auf mich."
Investor Drei: "... ich glaube das Investment wird dann von ... meiner Frau kommen *ahem*."
Investor Vier: "Hey, ich war damals Mitglied in dem Komitee dass diesen Steuer-Deal ausgearbeitet hat! Jetzt kann ich das zum ersten mal selber machen!"
Ich komme mir langsam verarscht vor, aber drucke einfach nochmal alle Verträge neu aus - um x-ten mal. Langsam werde ich Meister in der Kunst des Vertrags-Bindens - ein spezieller Vorgang der verhindern soll dass nachträglich etwas am Text verändert wird. Am Ende wird dann trotzdem nochmal etwas nachträglich am Text geändert weil ein Tippfehler drin war. Der Anwalt wird das einfach mit Bleistift nachbessern. Soviel also dazu.


Dann sind die Dinger draußen. Bleibt nur noch zu warten - wird das Geld wirklich irgendwann kommen? Es ist der 30. August. Später Vormittag. Ist das Geld vielleicht schon auf dem Konto?

Ich brauche eh mal dringend einen Haarschnitt, und auf dem Weg zum Friseur komme ich ja gleich bei der Bank vorbei - Online-Banking ist hier nicht: ich muß schon das Sparbuch mit zur Filiale nehmen. Der Automat druckt brzzz brzzz neue Zeilen in das Büchlein.
Spuckt es wieder aus.
Vier neue Einträge.
Ich sitze unter dem brzzz-brzzz Haarschneider und langsam sickert es in mein Gehirn.
Ich hab's geschafft.
Ich hab's wirklich geschafft.
Oder?
Ich habe noch nie so viel Geld auf dem Konto gehabt.
Gut, man kann immer sagen: ist ja nicht mein Geld.
Aber selbst wenn es mein Geld wäre, ich würde es für nichts anderes ausgeben als das.
Ich habe eine echte Firma. Mit echtem Geld. Echten Investoren, und bald auch echten Angestellten.
Zeit zur Einwanderungsbehörde zu rennen und klarzumachen dass ich kein Student mehr bin.


Mittwoch, 30. Januar 2019

Boss (13)

Das Studium geht dem Ende entgegen. Die letzten Änderungswünsche an der Doktorarbeit werden eingebaut. Die letzten Präsentationen gehalten. Der letzte Papierkram erledigt.
Nebenbei muss ich mir schonmal Gedanken machen, wie es danach mit meiner Aufenthaltsberechtigung aussehen wird. Wäre ich Angestellter, würde sich meine Firma darum kümmern. Aber ich bin selbst die Firma. Dafür gibt es ja ein spezielles Manager-Visum.
"Das geht aber hier nicht", sagen mir die Vermieter von meinem Office.
Was?!
"Die Einwanderungsbehörde vergibt das Visum nicht, wenn der Firmensitz ein Shared-Office ist".
Glaube ich nicht. Rufe da später mal an.
"Nein, also so eine Regel in dem Sinne gibt es nicht", sagt der Beamte.
Na also. Mit Erleichterung wieder ins Office.
"Wir haben da vorhin angerufen und uns wurde gesagt dass es ganz sicher nicht akzeptiert wird".
Ja was denn jetzt? Mir wurde gesagt so eine Regel gäbe es nicht.
Bin ich zu blöd zwischen den Zeilen zu lesen? Was soll ich den tun? Ein nicht-shared Office kann ich mir nicht leisten - selbst wenn ich einen Vermieter finden wurde der einem Studenten Büroräume   vermietet.
"Ändere doch einfach die offizielle Firmenadresse auf deine Wohnung. Du kannst das Shared Office ja weiter verwenden."
Das ist ja noch dubioser! Eine Firma in der Wohnung der Geschäftsführers?
Noch dazu ist der Mitvertrag als Privatwohnung ausgelegt. Gewerbliche Nutzung untersagt.
Also zum Makler gehen und fragen ob man da nicht was drehen kann. Weil: wenn ich abgeschoben werde kann ich die Wohnung auch nicht mehr mieten.
Der Mann ist sehr hilfsbereit. Ich kriege den Verdacht er hat keinen Bock einen neuen Mieter zu suchen. Hoffe das sagt nichts über die Bausubstanz des Gebäudes aus.
Nach ein paar Telephonaten steht der Deal: ich überweise dem Vermieter privat die Mehrwertsteuer (auf Büroräume muss man Steuern zahlen) und bekomme dafür einen Schrieb dass ich die Wohnung als Firmenadresse nutzen darf.
Ja, das wird das Immigrationsamt bestimmt akzeptieren - aber Shared Offices nicht. Selbst die ungeschriebenen Regeln sind noch saublöd.
Aber naja, ich muss die Firma ja eh von GmbH nach AG umgründen um Investitionen annehmen zu können. Da kommt der Adresswechsel gratis.


Als ich in Deutschland mit dem Studieren angefangen habe hieß dass erstmal nur: in der Schlange stehen und Papiere jonglieren. Außer den Einschreibungs-Formalitäten war da nicht viel zeremonielles außer "da ist dein Studienbuch NÄCHSTER!".

Als ich meinen Master in Japan angefangen habe, durfte ich Zeuge einer ganz anderen Universitätskultur werden.
Es wurde eine große Show gemacht. Ein traditionelles Japanisches Theaterstück wurde aufgeführt. Der Präsident gab eine Rede. Der Bürgermeister war da. Alle sind wir aufgestanden und haben der Nationalhymne gelauscht. Und dann der Hymne der Universität (ja, die hat ihren eigenen Song).

Als ich den Master abgeschlossen habe und den Doktor angefangen habe, habe ich den Fehler gemacht, das zum Halbjahr zu machen (wenn man's halt auch so eilig hat fertig zu werden...). Also fiel die Feier deutlich kleiner aus. Immerhin kam der Präsident und Überreichte mir meine Urkunde. Das Konsortium aus Professoren verneigte sich tief und ich verneigte mich tief, guckte ein paar Sekunden auf den Streifen Klebeband unter meinen Füßen mit dem man uns geleitet hat wo wir uns verneigen sollten.

Als ich meinen Doktor fertig hatte war sogar ein Viertel-Jahr. Naja, vielleicht schickt mir der Präsident wenigstens eine Email...
Tut er nicht. Der Bär schickt mir eine Email. Zur Wiederholung: der Bär ist die große große Firma die meinen Erfolg oder Untergang bedeuten kann. Diesmal sieht's mehr nach "Erfolg" aus: ich werde nach Tokyo eingeladen. Man will mich da ein paar Leuten vorstellen. Selbstverständlich gehe ich nach Tokyo! Wann denn? Am Tag meiner Abschlußfeier.
...
-naja, der Bürgermeister wäre ja eh nicht gekommen.
Und so sitze ich in einem Restaurant in Tokyo und werde gefragte: "sagen Sie mal, wann sind Sie eigentlich mit dem Studium fertig?". Ich schaue auf die Uhr. "Ungefähr gerade jetzt".



Zu meinem Stipendium habe ich einen Rückflug spendiert bekommen. Im Februar habe ich bei einem Pitch-Contest einen Rückflug gewonnen. Ob "aus Japan zurück" oder "nach Japan zurück" stand nicht dabei. Ich könnte natürlich beide Flüge sausen lassen, aber ich war schon seit über 5 Jahren nicht mehr im Sommer in Deutschland. Hole mir erst mal einen harten JetLag: fühlt sich an als ob es 9 Uhr Abends ist, kann aber nicht sein - es ist noch Taghell draußen. Blick auf die Uhr: es ist 9 Uhr Abends. Ist nur noch hell draußen. Verrückt, dieses Deutschland.

Als nächstes hole ich so viel wie möglich aus meinem Besuch raus. Ich besuche die örtliche Niederlassung des Bären und zeige mein Produkt. Kommt gut an.
Als nächstes hole ich mir Feedback und Tipps von einem alten Bekannten, der ziemlich genau in der Zielgruppe meiner Software sitzt. Er will Sushi essen gehen. All-you-can-eat.
Als nächstes hole ich Zeit mit der Familie nach. Die will Zuhause Sushi kochen. Wir machen versehentlich natürlich viel zu viel.
Ich hole mir einen Sushi-Schock, dann stelle ich fest dass das das erste Sushi war das ich dieses Jahr gegessen habe (war immer zu wenig Zeit und Geld). Okay, jetzt reicht's mir auch für den Rest des Jahres. Hat sich mein Deutschland-Urlaub schon gelohnt. Jetzt erstmal in den Biergarten.


Montag, 31. Dezember 2018

Boss (12)

Inzwischen tut sich was im Angestellten-Register.
Einige Studenten in der Gegend sind auf uns aufmerksam geworden und haben mich eingeladen unser System mal in ihrem Bastler-Club vorzustellen. Also nach Kyoto und mit dem ganzen VR-Geraffel in einen Bus voller Touristen (die Uni ist ausgerechnet in der Nähe des berühmten "Goldenen Pavillons"). Doch es lohnt sich: eine Studentin ist so begeistert, dass sie gleich ein Praktikum machen und bei der Entwicklung mithelfen will.
Das trifft sich zeitlich gut, weil ich bei einem anderen Bastler-Meeting gerade erst einen Programmierer kennen gelernt habe der auch in seiner Freizeit ein bißchen mithelfen will. So kann ich die Einführung gleich für beide Gleichzeitig machen.

Also: Vertrag aufgesetzt, Stempel drauf gedrückt.
Schon lustig - es ist nicht so lange her als ich Praktika gemacht habe und Sachen erklärt bekommen habe, jetzt sitze ich auf der anderen Seite des Tisches. Und natürlich werde ich alles besser machen als die Praktika, die ich selbst bekommen habe. Dachte ich. Da hatte ich noch den Luxus des "von der Realität ungestörten Denkens".


Dann kriege ich eine Email von einem alten Freund der Familie. Er ist ein echter Unternehmer - okay, jetzt muss ich wohl sagen: "er ist auch Unternehmer", aber seine Firma gibt es schon etwa so lange wie mich. Also: mich selbst, nicht meine Firma. Er ist also also ein echtes Vorbild.
Er arbeitet gerade daran eine Zweigstelle in Japan aufzubauen und hat dafür gerade den richtigen Mann gefunden: einen noch-Studenten-bald-Absolventen, einen Japaner der sich mit der Technik auskennt und auch begeistert ist die Japanische Zweigstelle eines Deutsches Unternehmens sein zu können.
Da gibt es nur ein Problem: die Zweigstelle gibt es bisher erst in den Köpfen aller beteiligten, nicht auf dem Papier und noch nicht auf dem Amt. Und jetzt soll der Japaner erstmal zur Weiterbildung nach Deutschland fliegen. Wie soll sich dass denn buchhaltungstechnisch ausgehen?
Naja, ich haette da ja eine Firma, die ganz ganz legal Leute einstellen...
Erstmal Beratung beim Anwalt geholt.
Darf ich ihn den Einstellen wenn er nicht mal in Osaka lebt? Klar, schreiben wir halt "arbeitet von Zuhause" in den Vertrag.
Und der Deutschland-Aufenthalt? Kommt auch mit in den Vertrag, kein Problem.
Und dass er gar nicht an unserem Produkt mitarbeiten wird? Naja, "IT-Dienstleistungen" sind unser Business. Er kann also ohne Probleme als "Berater" bei einem anderen Unternehmen aushelfen.
Mir kommt das gerade recht: je mehr Angestellte und je mehr Aufträge meine Firma hat, desto einfacher sollte es werden später ein ein "Manager"-Visum zu bekommen.

Also: Vertrag aufgesetzt, Stempel drauf gedrückt. (Langsam habe ich da Routine).
So wird mein erster Vollzeit-Angestellter ein Mann den ich gar nicht kenne. Ein Mann dessen Arbeit ich nicht sehe, nichtmal verstehen würde. Ein Mann den ich nie selbst treffen werde. Ein Japaner der in meiner Heimatstadt sein wird während ich versuche in Japan die Firma aufzubauen, bei der er offiziell angestellt ist. Eine Firma deren Büro er nie betreten wird.
Meine Situation wird echt immer verrückter.


Die nächste Email die ich kriege ist auch eine Überraschung - aber keine sehr nette.
Es ist die Investorin. Genau genommen ist es eine Antwort-Email. Eine Antwort auf eine Email die ich nie gesehen habe. Eine Email die unser Buchhalter ihr geschickt hat - hinter meinem Rücken.
Wie erwähnt hatten wir uns um Subventionen beworben.
Nun, damit sind wir gescheitert.
Das war soweit vorhersehbar, aber wie wir gescheitert sind war dann doch problematisch.
Als ich die Unterlagen am Amt aufgeben wollte wurden die schnell einmal auf Vollständigkeit und Korrektheit unüberprüft.
Sie waren: weder noch.
Also bin ich mit dem Fahrrad quer durch Osaka gerast um zwischen Office, dem Buchhalter, und dem Amt noch schnell eine korrigierte Version abgeben zu können. Am Ende saßen der Buchhalter und ich im Wartezimmer des Amtes wie Eltern im Krankenhaus. Der Beamte hat jetzt Zeit sich ihr Kind anzusehen. Ja, klarer Fall von "ist tot". Die Bewerbung war so grundlegend Falsch dass er uns da auch nicht helfen konnte. Und ich dachte der Buchhalter kennt sich mit sowas aus. Aber manche von den Fehlern waren sogar für mich offensichtlich. Naja, kann man nichts machen.
Jetzt aber sehe ich in der Antwort-Email der Investorin, dass er ihr die Story schon erzählt hat. Warum hat er mich da nicht in den CC gesetzt? Könnte damit zusammenhängen wie er unser Scheitern erklärt. "Mangel an Führung und überhaupt keine klare Vision für die Zukunft.". Das sei in der Firma überhaupt so ein Problem.
Kurz gesagt: ich soll schuld sein. Ach ja? Eine Skype-Aussprache später (in der er wenig Einsicht zeigt, dafür um so mehr zusammenhangslose Kritik an mir hervorblubbern lässt) ist klar: wir werden wohl getrennte Wege gehen. Also er geht. Ich gehe in den Keller der Buchhaltung und muss mir irgendwie beibringen zu verstehen was er da noch so an Zeug vergraben hat...


Freitag, 30. November 2018

Boss (11)

Was Leute dazu bringt in Start-Ups investieren ist mir immer noch nicht klar. Aber zumindest haben wir ja jetzt jemanden, nachdem uns A██s Berater-Team ja zuvor wieder rausgeschmissen hat.
A██ selbst hat nichtmal die Entscheidung getroffen. Seine Motivation scheint weniger die Geldanlage zu sein, als der Versuch Japan in ein Start-Up-Land zu verwandeln. Da hat er einiges vor sich, und gibt dazu auch vor allem Vorträgen und Coachings (also Beratung von angehenden Unternehmern).
Als er gerade mal wieder in Osaka ist, bekomme ich auch mal wieder die Chance mit ihm zu reden.
Er erklärt seine Verwunderung über die Entscheidung seiner Handlanger, zumal die stattdessen in ein anderes Venture investiert haben das er für weniger potent empfindet.
Aber was solls, jetzt habe ich ja einen Investor, und vielleicht kann er wenigstens ein paar Tips geben.
Also hört er sich an was in letzter Zeit so passiert und schaut sich auch das Produkt zum ersten mal selbst an.
Dafür dass er meinen Pitch schon zig mal gehört hat scheint er nun endlich zu verstehen was wir eigentlich machen (ich scheine wirklich miserabel im Erklären zu sein).
Er nennt ein paar Ideen wo das bestimmt auch ein hilfreiches Tool sein könnte. Wird dankbar notiert.
"Und wieviel wolltet ihr dafür nochmal?"
Er meint den Betrag den wir von Investoren wollten.
"Hunderttausend, für 10% Anteil"
Es sind seine Zahlen die er vor Monaten vorgeschlagen hat, nicht meine.
Er streckt mir die Hand entgegen.
Aus bloßem Reflex (!) erwidere ich die Geste.
"Done!" grinst er mich an.
Sein Händedruck ist fest und... MOMENT MAL?!?!?!
Er packt seine Sachen und macht sich ans gehen.
Habe ich eben Hunderttausend in die Hand gedrückt bekommen?
Ich habe eben Hunderttausend in die Hand gedrückt bekommen.




Jetzt müssen sich seine Handlanger wieder mit mir Beschäftigen, was ein bißchen peinlich ist.
Mir wird erstmal erklärt dass ich meine Firma um-gründen muss.
Aus einer "GK" (Japanisches Äquivalent zur GmbH) kann man keine Aktien ausgeben.
Also muss aus der "GK" eine "KK" (Aktiengesellschaft) werden.
Ich kontaktiere meinen Anwalt.
Damit ist das auf den Weg gebracht und ich kann mich auf die Entwicklung konzentrieren.
Oh, und auf meinen Doktortitel. Da war ja noch was.
Ich fetze schnell einen ersten Entwurf zusammen und schicke ihn an meine Professoren.
Es ist nie gut wenn der erste Entwurf perfekt ist. Professoren müssen IMMER irgendwas kritisieren.
Besser sie kritisieren etwas dass man eh noch ändern wollte, als eine fertige Arbeit nochmal umschreiben zu müssen.
Doch die Kritik bleibt aus.
Das ist erstmals nicht schlecht - so bleibt mehr Zeit zum Arbeiten.
Aber der Abgabetermin rückt langsam näher.
Haben die überhaupt gelesen was ich geschickt habe?

Ein paar Wochen vor der Deadline schicke ich dann eine "finale" Version. "Zwinker zwinker"!
Keinen Tag zu früh. "Final" ist ein Wort das Professoren hassen.  Der Professor entscheidet was "final" ist, und solange auch noch nur eine Minute vor der Abgabe Zeit ist muss da noch was verbessert werden.
Also ackere ich durch meine To-Do-Liste.
Mittlerweile habe ich es im Studentenwohnheim nicht mehr ausgehalten und bin nach Osaka gezogen. Das macht jedes Meeting extrem umständlich. Aber ich tippe einfach die geforderten Veränderungen im Zug zur Uni... und dann wieder die neuen Verbesserungswünsche im Zug weg von der Uni.
Ein letztes Mal noch die kleine Weltreise: Abgabe! Mann bin ich froh das Ding im Kasten zu haben.




Oh, vom Anwalt habe ich schon lange nichts mehr gehört.
Mal nachfragen.
"Achso, dass, aeh, ja, richtig, da mache ich mich bald dran".
ER HAT NOCH NICHTMAL ANGEFANGEN?!
Jetzt stecke ich richtig im Schlamassel. Bis zu meinem Abschluß ist nicht mehr genug Zeit den Papierkram zu machen.
Ohne KK kein Investment.
Ohne Investment kein Visum.
Ohne Visum kann ich die Firma in Japan nicht weiterführen.
Ohne Firma in Japan kein Investment, ohne Ersparnisse auch keine neue Firma mehr.
Aus der Traum.
...
Naja, so kann ich ja den kleinen Rest Firmengeld in Japan noch verprassen bevor ich abgeschoben werde - so habe ich wenigstens noch etwas von meiner Zeit hier gehabt. Muss einiges an Freizeit nachholen.
Bis wann habe ich denn noch auf dem Visum?
Drei Monate?
Achja, ich habe ja den "Vorgezogener Abschluss" Joker gezogen: nicht nur dass ich ein halbes Jahr zu schnell mit dem Master fertig war, ich wollte auch drei Monate schneller mit dem PhD fertig sein.
Ich kriege sogar einen Rueckflug nach Deutschland spendiert - den aber jetzt (zum Abschluss) und nicht erst in drei Monaten.
Mhmm... da kommt mir so eine Idee...
Dann... dann hätte ich ja noch drei Monate... um das Investment an Land zu ziehen...
Mit Studenten-Visum ohne Studium zurück ins Land schleichen, als Vollzeit-Geschäftsführer die Firma leiten ohne Vollzeit-Arbeitserlaubnis, schnell das Geld einsacken, dann Visum ändern bevor jemand was merkt.
Riskant... sehr riskant...
Google: Flüge, Deutschland → Japan


Mittwoch, 31. Oktober 2018

Boss (10)

Natürlich würde dass nicht so einfach werden das Geld zu kriegen.
Unsere frischgebackene Investorin scheint dann doch zögerlicher.
Das ist schlecht denn die Verkaufszahlen wachsen deutlich langsamer als gehofft. So machen wir keinen guten Eindruck.
Sie schlägt vor dass wir uns mal für öffentliche Gelder bewerben - sie kennt da so ein Subventionsprogramm der Stadt Osaka. Eigentlich ist mir das gar nicht recht dass ich jetzt auch noch Staatliche Hilfeleistungen in Anspruch nehmen soll, aber nein sagen ist gerade schwierig. Und, hey, die großen Konzerne kriegen auch Subventionen und Steuererleichterungen.


Das Problem ist nur dass der Bewerbungsprozess 100% auf Japanisch und extrem kompliziert ist.
Nein, das ist noch nicht dass Problem - wir haben ja jetzt einen Buchhalter der sich mit solchen Dingen auskennt en sollte. Das Problem ist der Buchhalter.
Der verhält sich in letzter Zeit verdächtig. Scheint mich überreden zu wollen dass ich einen Kredit aufnehme.
Das habe ich immer abgelehnt. Wenn ich alles verliere was ich besitze, dann ist das Okay. Dann fange ich halt wieder bei Null an. Bei einer schwarzen Null. Aber Schulden machen? Nein. "Gar nichts" sollte immer die untere Grenze meines Reichtums sein.
"Aber Geld von Investoren anzunehmen ist doch auch eine Art von Schulden aufnehmen", schreibt er mir im Team-Chat.
"Nein, dass ist dann ja Eigenkapital der Firma", schreibe ich zurück.

"Eigenkapital sind auch Fremdkapital (also Schulden)"
Was? Also so viel verstehe dann sogar ich über Geschäftsfinanzen, dass ich weiss dass das nicht stimmen kann.
"Und wenn du Investoren Aktien gibts, dann würde das Geld ja als Schenkung an dich gewertet und hoch besteuert!"
Moment! Wenn Investoren investieren, dann ist das Geld Eigentum der Firma und nicht mein privates Vermögen. Dafür werden Aktien ja extra ausgegeben.
Das sieht er anders.
Also entweder hat er keine Ahnung, oder er lügt mich an um mich dazu zu überreden einen Kredit aufzunehmen. Beides ist unakzeptabel.


Das wars. Aus. Ist vorbei. Ich kann der einzigen Person die versteht wie der Papierkram funktioniert nicht vertrauen. Und wer weiss was der sonst noch alles für Leichen in unserer Buchführung vergraben hat.
Ich stehe vom Rechner auf und lege mich auf mein Bett.
Es ist aus. Ich kann das nicht weiter machen.
Ein schöner Frühlingstag. Mitte Mai. Warm und sonnig.
Vorbei. Es ist vorbei.
Die Wolken aus Blei stürzen aus dem Himmel und geben den Blick frei auf den Horizont.
Es ist vorbei - und ich habe noch ein paar Monate Zeit in Japan!
Ich kann reisen! Ich kann ausgehen! Ich kann faul sein (abgesehen von der Doktorarbeit)!
Versagen hat sich noch nie so gut angefühlt.
Ich hab's vergeigt. Gottseidank!

Gleich am nächsten Tag treffe ich unsere Möchtegern-Investorin. Nachdem sie sich schon so geziert hat mir ihr Geld anzuvertrauen ist sie bestimmt froh zu hören, dass ich es gar nicht mehr will.
Dachte ich - so sieht sie aber gar nicht aus.
Vielleicht stelle ich mich auch nicht gut genug an die Aussichtslosigkeit der Lage zu schildern.
Sie fragt was ich machen werde.
Heim gehen, Arbeit suchen.
Und mein Traum mein Projekt weiter zu treiben und meine eigene Firma zu Leiten?
Ich kanns ja später nochmal probieren.
Später? Nachdem ich jetzt schon Unterstützer und Investoren gefunden habe? So weit wie jetzt komme ich so schnell nicht wieder.
Da hat sie recht.
Warum dann jetzt aufgeben?
Weil ich auf die Null zugehe - finanziell und nervlich. Ich werde mir nicht den Rest meines Lebens ruinieren für eine fixe Idee.
Dass sieht sie ein. Aber die Null ist ja ein ein Stückchen entfernt.
Ja, aber...
...
"Na, dann gehen Sie erstmal zu einem Tempel und meditieren - das reinigt den Kopf. Und in der Zwischenzeit arbeiten wir mal weiter darauf hin Subvention und Investment auf den Weg zu bringen".
...
Hat mich die Frau gerade wieder dazu überredet ihr Geld zu nehmen?


Samstag, 29. September 2018

Boss (9)

Also Team-Mitglieder suchen. An der eigenen Uni? Das ist vorher schonmal schlecht ausgegangen. Bei Start-Up Treffen? War auch nix: Begeisterung ja, Durchhaltevermögen nein.
Aber hey, dafür gibt's ja das Internet! Start-up-Mitglieder- Partnerbörse!
Ich brauche einen Marketing-Typen der weiß wie man meine Software verkaufen kann!
Finde auch gleich einen der einen guten Eindruck macht. Der sitzt zwar in Tokyo, aber das ist kein Problem. Der "Bär" hat mich nämlich nach Tokyo eingeladen! Ich soll da einen Vortrag halten. So ein freundlicher Bär!
In einem Café treffe ich ihn (den Marketing-Jungen, nicht den Bären). Wir verstehen uns auf Anhieb. Willkommen an Bord! Ich muss dann auch weiter, den Bären glücklich machen.


Zweites Problem: ich brauche Geld!
Der Ideale Event um Investoren zu finden ist auch schon im Kalender: einmal im Jahr findet in Osaka ein großer Start-Up Event statt, mit Pitch-Contest. "Pitch", so nennt man wenn man versucht in möglichst kurzer Zeit seine Geschäftsidee reichen Investoren vorzustellen. Weil: die können es sich leisten eine Aufmerksamkeitsspanne wie ein 5-Jähriger zu haben.
Ich trete also an gegen Leute die eine echte Firma haben, so mit Angestellten und Gewinn.
Trotzdem gewinne ich den dritten Preis. Wahrscheinlich weil ich der einzige Bewerber aus Osaka bin. Der Lokalpatriotismus mach auch vor meinem kaukasischen Erscheinungsbild nicht halt. Ich gewinne: ein Flugticket nach überallhin. Solange es außerhalb Japans ist. Mir gefällt der Unterton nicht, dass ich das Ticket doch bitte verwenden möge um Japan zu verlassen.
Aber viel Zeit darüber zu grübeln habe ich eh nicht. Neben der Bühne stehen schon Leute Schlange die meine Bekanntschaft machen wollen. "Bekanntschaft" ist etwas übertrieben, sie wollen mal Visitenkarten austauschen, oft ohne konkreten Plan worüber wir je reden sollten. Banker mit einem vagen Gedanken von "wenn ihr mal euren Eintritt in den Aktienmarkt macht, da haben wir tolle Dienstleistungen". Krönender Abschluß ist eine Dame von D█████ - Schwerindustrie. Viel weiter kann man kaum daneben liegen. Echte Venture-Investoren sind nicht dabei. Dieses "in-Startups-investieren" ist in Japan irgendwie noch nicht so richtig angekommen.

Aber einen Kontakt habe ich ja noch: A██. (Alle anderen Investoren die ich kenne haben schon aufgehört auf meine E-Mails zu antworten). Natürlich ist er Amerikaner, wie sollte es auch sonst sein. Im Gespräch erzählt er, dass er gerade erst einen Erfolgreichen "Exit" hatte. So nennt man das wenn StartUps erfolgreich sind, von Mega-Konzernen aufgekauft werden und die Investoren dann reich sind. Also noch reicher. Und jetzt sucht er wieder nach neuen Start-Ups zum investieren. Da bin ich doch dabei! Er delegiert mich an seine Handlanger damit wir bald einen privaten Pitch machen können.



Der Handlanger erklärt mir kurz den Prozeß, und sagt mir dass ich auf jeden Fall einen Buchhalter brauche. Trifft sich gut, weil: es ist bald Zeit die Steuer zu machen. Meine Versuche selbst zu verstehen wie man in Japan auf Japanisch Unternehmenssteuern zu fertigen hat sind gescheitert.
Also wieder ins Internet. Da findet sich auch wieder gleich jemand. Scheint ein recht netter Kerl zu sein, und Dankbarerweise will er erstmal weder Geld noch Arbeitsvertrag weil er noch bei einer anderen Firma arbeitet.
Also auch das Abgehakt, und der Tag des Pitches ist da. Mein neuer Marketing Manager wird extra aus Tokyo eingeflogen, ein neuer high-end Laptop für eine Live-Demo gekauft. Wir sind bereit!

A███ selbst ist nicht da. Nur sein Investment-Team. Und davon zwei auch nur über Skype.
Wir erklären also was wir vorhaben und wie wir uns die Zukunft so vorstellen.
Danke, sie werden darüber beraten.
Bis zum Abend.
Dann kommt die Email: nee, also sie glauben nicht dass das was wird.
...Fuck.

Das heißt dass ich wohl aus Japan abgeschoben werde. Die Voraussetzung hier als Unternehmer ein Visum zu kriegen sind mindestens 50.000$ Stammkapital. Selbst wenn ich all meine Ersparnisse zusammenkratze packe ich das nicht. Soll ich die Firma auflösen und woanders neu gründen?
Als letzten Strohhalm nochmal alle Kontakte abgeklappert. Sogar die Dame von D████ Schwerindustrie. Die ist immerhin bereit mal mit uns Essen zu gehen. Ich habe kein Geld und keine Zeit mit Damen aus der Schwerindustrie zu dinieren. Aber ich gehe trotzdem. Und, es gibt.. Smalltalk, ... yay! Ich will nur noch Heim.
Sie erzählt von ihrer Arbeit. Ich gebe mein bestes der Unterhaltung (natürlich Japanisch) zu folgen, aber als sie kurz auf Toilette ist muss ich doch kurz den Buchhalter fragen.
"Hat sie gesagt dass sie die "Yome" des Geschäftsführers ist?"
"Ja, genau."
"... heißt "yome" nicht eigentlich Braut oder Ehefrau?"
"Ja, dass ist es was sie meinte."
... ist das jetzt gut dass sie so nah an dem hohen Tier dran ist oder schlecht dass sie selbst in der Firma wohl nicht die Karriereleiter geklettert ist?
Sie kommt zurück und irgendwann kommt das Gespräch dann doch auf die Firma und meine Situation. Dass ich nicht das Geld habe auch nur in Japan zu bleiben.
"Na das kriegen wir schon hin." sagt sie.
Ich bin da nicht so positiv das "wir" irgendwas hinkriegen.
"Viel zu sagen habe ich in der Firma ja nicht, aber was ich kann das kann ich!" sagt sie.
Ja toll, kann's kaum erwarten dass sie in einem Schwerindustrie-Konzern Werbung für mich macht.
Der Buchhalter merkt dass ich auf dem Japanischen Schlauch stehe.
"Sie meint, dass das sie dir notfalls selbst das Geld gibt damit du in Japan bleiben und die Firma weiter betreiben kannst."
Was? Ich schaue sie ungläubig an.
"Ja", sagt sie, als sie dann auch merkt dass man bei mir etwas deutlicher werden muß.
... was...?
... wie...?
... warum...?
Aber hey, Fragen machen nur den Moment kaputt! Da trinken wir lieber noch einen! Kampai!


Donnerstag, 30. August 2018

Boss (8)

Der Verkauf ging schleppend los... und blieb dann auch schleppend liegen. Das hab ich mir irgendwie einfacher vorgestellt mit dem Software verkaufen.
Das Jahresende rückt näher und ich fliege erstmal Heim zur Familie: Weihnachten...



Erster Weihnachtsfeiertag. Ich sitze im Keller mit meinen Kumpels - wie jedes Jahr zu Weihnachten.
Natürlich wird das Status-Update eingefordert. Ich war ja blöd genug auf Facebook bekannt zu geben dass ich eine Firma gegründet habe.
Wieviel verdienst du denn jetzt so damit?
Es tut weh antworten zu müssen. Vielleicht so 100~200 Euro im Monat...
Er guckt mich etwas despektierlich an.
"... davon kann man aber nicht leben."
Nee, kann man nicht.
Meine Freunde haben ihre Ingenieurs-Studiengänge längst abgeschlossen und beschäftigen sich jetzt mit Fragen wie: welche Couch passt am besten ins neue Wohnzimmer.
Ich bin Student mit einer im-Scheitern-begriffenen Firma. Ich habe kein Wohnzimmer, nur ein Wohnheims-Zimmer. Kein Platz für eine Couch zu haben kaschiert das Problem sich keine Couch leisten zu können.
Denken wir nicht drüber nach. Machen wir ein Bier auf und zocken ein paar Computerspiele.
Eine Email flattert herein - jemand hat gekauft.
Naja, auch nur 17 Euro...
Dann noch einer.
Noch einer.
Was ist denn los? Ist es plötzlich Weihnachten? Achja, es ist ja tatsächlich Weihnachten... sacht wie Schnee rieselt Geld auf mein Konto...

Ich erlebe zum ersten mal die Zweischneidigkeit des Unternehmers:
Auch wenn du noch so hart arbeitest, eine Bezahlung ist nicht garantiert am ende des Tages.
Andererseits kann es auch sein dass man bezahlt wird wenn man gerade gar nicht arbeitet, sondern im Keller hockt und mit seinem Kumpels Bier trinkt und Games zockt.



Ueber das folgende Jahr werde ich daran jeden monat erinnert werden, wenn am 25. PayPal mir in schneller abfolge mehrere Emails schickt - und sie zahlen immer noch.


Und weiter jetzt?
Ich treffe einen alten bekannten der in der Filmindustrie arbeitet und zeige ihm mein momentanes Produkt.
Er ist recht beeindruckt. Auch wenn das fuer ihn noch etwas jenseits des Horizontes liegt, das kommt bestimmt!
Ich sollte da von ein paar reichen Leuten Investitions-Geld annehmen und das gescheit vorantreiben.
Skype call mit einem Business Mentor. Etwa 100k fuer 10% der Firma sind ueblich in Startup kreisen.
Ich frage mich wer so bescheuert sein koennte zu glauben, dass 10% der Firma 100k wert sein könnte. Dass hieße ja die ganze Firma ist ne Million wert?!
Ich setze mich mal an Excel. Bei den momentanen Verkaufszahlen... extrapoliert auf das Marktwachstum (VR ist ja im kommen)...
Hey das könnte sogar klappen! Muss nur ein bisschen mehr Zeit überbrücken als ich selbst Geld auf dem Konto habe.
Ich gehe also etwas tiefer und stecke mir das als ziel: 50k für 10%! Das sollte es wert sein!

Ich bin voller Begeisterung fuer 2017: die verkaufszahlen steigen langsam, und vielleicht... ja...
Auf auf, zurück nach Japan, Studium abschließen und Investoren angeln!

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