Nun sind wir also nur noch zwei - von zwischenzeitlich mal 5 Leuten sind noch ein Programmierer (ich) und eine ein-Mann Marketing Abteilung übrig.
Allerdings ist die Leistung damit nicht sauber 50/50 aufgeteilt.
Nicht nur das ich ein paar Jahre mehr Erfahrung habe in dem was ich tue, ich arbeite auch deutlich mehr - so zwischen 60 und 80 stunden die Woche, je nachdem wie man rechnet.
Und obwohl unser Produkt besser und besser wird, und der VR Markt kräftig wächst verkaufen wir nicht mehr.
Langsam kriege ich das Gefühl, daß ein Japaner, frisch aus der Uni, vielleicht nicht die Kapazitäten hat, VR Software weltweit zu vertreiben. Zumindest nicht für einen Preis der uns am Leben erhalten würde.
Um so bitterer zu sehen für was für einen Schrott Leute sonst so alles Geld ausgeben - gottseidank hab ich eh kaum Zeit und Geld zum Shopping. Wird man ja nur depressiv.
"Du brauchst einfach jemanden der Leuten gut Zeug verkaufen kann", stimmt mir ein alter Freund zu.
Vielleicht ist es das ja. Und eine Person die sich gut verkaufen kann kenne ich sogar.
Schnell mal ein Telephonat angeleiert. Er ist auch richtig interessiert an der Sache. Könnte er denn bei uns einsteigen?
Nein.
Er hat schon einen Job, und daneben nicht viel Zeit für andere Dinge.
Tja, wer sonst? Inserat? Wo soll ich in Japan einen Marketing Guru finden der sich nicht auf Japan spezialisiert hat und auch bezahlbar ist?
Ausländer in Japan haben die Angewohnheit in "Communities" zusammen zu kleben.
Das liegt of an der Sprachbarriere und kulturellen Unterschieden. Es plaudert sich einfach leichter mit jemandem der fließend Englisch spricht und auch Amerikanische TV Serien guckt und über dieselben Probleme in Japan gestolpert ist - gemeinsames lästern stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
Natürlich gibt es englischsprachige Chat-Groups zu so ziemlich jedem Thema. Naja, zu manchen Themen mehr als andere. Können Sie sich ja denken. Ja, Sie wissen schon worauf die Story hier hinausläuft, also erspare ich mir jetzt die Beichte in welcher dieser Gruppen ich gerade Zeit vertrödelte als mein zukünftiger Marketing-Guru die Frage in Raum warf "kann mir jemand einen Job vermitteln"?
Ich kannte ihn schon. Ich wußte das er freischaffend Online-Marketing macht. Ich wußte daß er Leuten zeug verkaufen kann, weil er mir schonmal Zeug verkaufen konnte.
"Ja, wenn du meine Firma retten kannst", schreibe ich, noch halb im Scherz.
"Kannst du wirklich ein Arbeits-Visum für Japan beschaffen?"
"Die letzten 2 mal hat's jedenfalls geklappt..."
Einen Monat später schickt er mir ein "Pitch Deck" - also eine kurze Powerpoint Präsentation, wie er glaubt unser Produkt an den Mann zu bringen.
Er hat sich wirklich die Mühe gemacht ziemlich genau zu schauen was wir eigentlich verkaufen und hat ein paar gute Ideen. Und überhaupt: alles ist besser als weiter vor sich hin zu siechen und auf den finanziellen Tod zu warten.
Also nochmal den Papier-Krieg ein Arbeitsvisum für einen Ausländer zu beantragen.
Wir planen so einen Monat ein bevor er mit dem Arbeiten anfangen soll.
Zweieinhalb Monate später immer noch keine Antwort vom Amt. Das ist blöd weil ich ihn gerne für die Krankenversicherung angemeldet hätte, aber die schicken mich jedes mal wieder weg. Kein Visum, keine Versicherung. Ich frage mal unseren Buchhalter-Berater.
"Ja, das ist blöd. Die Einwanderungsbehörde ist wohl momentan überlastet".
"Und wie ziehe ich dann den Krankenkassen-Beitrag von seinem Lohn ab?"
"Du darfst ihm überhaupt keinen Lohn zahlen. Das wäre Schwarzarbeit."
"Was? Aber ich kann ihn doch nicht für umsonst arbeiten lassen!"
"Naja, du kannst ihm ja ein Darlehen geben, aber arbeiten darf er dafür nicht."
Ja super, statt Gehalt und Visum hat er jetzt Schulden und kein Visum. Er nimmt das erstaunlich gelassen und beginnt schonmal auf eigene Faust unsere Marketing Strategie zu überarbeiten.
Während ich also noch warte ob ich bald im Gefängnis lande lerne ich mehr darüber wie Facebook und Google dazu verwendet werden können Leuten Zeug zu verkaufen. Beides macht meine Nächte nicht geruhsamer...
Dienstag, 31. Dezember 2019
Samstag, 30. November 2019
Boss (23)
Die Finanzierung unserer Open-Source Anstrengungen machen wir über "Crowd Funding".
Das funktioniert so:
Leute "versprechen" einen gewissen Betrag beizusteuern, zahlen aber erstmal nichts.
Wenn der versprochene Gesamtbetrag an Tag X über einem bestimmten Limit liegt, zahlen alle und wir kriegen das Geld.
Liegt der versprochene Gesamtbetrag darunter, zahlt keiner und wir kriegen nichts.
Keine Ahnung auf welcher Merkwürdigkeit der menschlichen Psychologie das basiert, aber diese Deadline und "Alles-oder-Nichts" Denken ist wirklich populär. Also spielen wir da auch mir.
Was wir nicht wußten: Leute können bis zum Tag X ihr Versprechen auch wieder zurück ziehen. Und das tun sie auch gerne. Ein besonders lustiger Typ verspricht wiederholt hohe Beträge, nur um Tage später seine Meinung scheinbar zu ändern.
Ich denke schon das muss bewußte Sabotage sein - der wird 5 Minuten vor Schluß wieder abspringen und das ganze Projekt zum scheitern Bringen.
Ich habe also das genaue Gegenteil von einem eBay-"3-2-1-meins"-Erlebnis und bange die letzten Minuten vor meinem Computer Bildschirm. 3... 2... 1... KEINER ABGESPRUNGEN! Wir haben die Sache durchbekommen und einen (kleinen) Batzen Geld für unser Open Source Projekt eingesammelt.
Wir Entscheiden uns allen Leuten die mehr als etwa 10 Euro spenden eine Postkarte zu schicken.
Je höher die Spende desto schöner und aufwendiger die Postkarte.
Natürlich Handgeschrieben, weswegen ich oft Abends dasitze und dieselbe Dankesrede immer wieder abschreiben muß.
Eine überraschend schöne Arbeit. Ich sollte ein Dankespostkarten-Versende-Business aufmachen.
Aber da ist ja noch die Entwicklungsarbeit. Die Teilen wir auf: ich bleibe bei der alten Produkt-Linie, und Programmierer Nummer 2 im Team kümmert sich um die Open Source Linie.
So kommen wir uns nicht in die Quere. Und wir haben ja noch einen Praktikanten der ihm zur Hand geht.
So kann die Arbeit beginnen und das Jahr relativ positiv zu Ende gehen. Ich lade alle zur Weihnachtsfeier zu mir nach Hause ein, koche Deutsches Essen und jeder kriegt noch ein kleines Geschenk - ein Dankeschön für die Arbeit dieses Jahr.
Über die Feiertage mache ich Pläne fürs nächste Jahr - 2019 starten wir endlich durch! Ich bereite schonmal eine motivierende meine Neujahrs-Ansprache vor.
Programmierer Nummer 2 kommt mir zuvor: er verläßt das Team um woanders zu arbeiten, Tschüss auch.
Was? Aber wir haben gerade erst von vielen Leuten einen Batzen Geld für Open Source Entwicklungsarbeit bekommen. Die können wir doch jetzt nicht enttäuschen! Wir nicht, er schon.
Und der Praktikant? "Also eigentlich habe ich die Stunden schon voll um mein Praktikum Akkreditiert zu kriegen". Moment, da war aber ne ganze Menge nicht-Arbeit dabei! Egal, zählt für die Akkreditierung.
...und das ich dir eine Wohnung bereit gestellt und mich um dein Visum gekümmert habe? Zählt nicht für die Akkreditierung. Zählt gar nichts. Arbeit ist aus, Tschüss Chef.
Also muss ich mich jetzt auch noch um die Open Source Entwicklung kümmern - die letzen Wochen Zusammenarbeit mit Programmierer Nummer 2 werden in weitgehend in angespanntem Anschweigen abgehalten. Praktikant kommt nur noch einmal vorbei um sein Zeugnis abzuholen.
Das Jahr fängt schonmal gut an.
Naja, dafür sind die Firmenausgaben jetzt deutlich niedriger.
Das funktioniert so:
Leute "versprechen" einen gewissen Betrag beizusteuern, zahlen aber erstmal nichts.
Wenn der versprochene Gesamtbetrag an Tag X über einem bestimmten Limit liegt, zahlen alle und wir kriegen das Geld.
Liegt der versprochene Gesamtbetrag darunter, zahlt keiner und wir kriegen nichts.
Keine Ahnung auf welcher Merkwürdigkeit der menschlichen Psychologie das basiert, aber diese Deadline und "Alles-oder-Nichts" Denken ist wirklich populär. Also spielen wir da auch mir.
Was wir nicht wußten: Leute können bis zum Tag X ihr Versprechen auch wieder zurück ziehen. Und das tun sie auch gerne. Ein besonders lustiger Typ verspricht wiederholt hohe Beträge, nur um Tage später seine Meinung scheinbar zu ändern.
Ich denke schon das muss bewußte Sabotage sein - der wird 5 Minuten vor Schluß wieder abspringen und das ganze Projekt zum scheitern Bringen.
Ich habe also das genaue Gegenteil von einem eBay-"3-2-1-meins"-Erlebnis und bange die letzten Minuten vor meinem Computer Bildschirm. 3... 2... 1... KEINER ABGESPRUNGEN! Wir haben die Sache durchbekommen und einen (kleinen) Batzen Geld für unser Open Source Projekt eingesammelt.
Wir Entscheiden uns allen Leuten die mehr als etwa 10 Euro spenden eine Postkarte zu schicken.
Je höher die Spende desto schöner und aufwendiger die Postkarte.
Natürlich Handgeschrieben, weswegen ich oft Abends dasitze und dieselbe Dankesrede immer wieder abschreiben muß.
Eine überraschend schöne Arbeit. Ich sollte ein Dankespostkarten-Versende-Business aufmachen.
Aber da ist ja noch die Entwicklungsarbeit. Die Teilen wir auf: ich bleibe bei der alten Produkt-Linie, und Programmierer Nummer 2 im Team kümmert sich um die Open Source Linie.
So kommen wir uns nicht in die Quere. Und wir haben ja noch einen Praktikanten der ihm zur Hand geht.
So kann die Arbeit beginnen und das Jahr relativ positiv zu Ende gehen. Ich lade alle zur Weihnachtsfeier zu mir nach Hause ein, koche Deutsches Essen und jeder kriegt noch ein kleines Geschenk - ein Dankeschön für die Arbeit dieses Jahr.
Über die Feiertage mache ich Pläne fürs nächste Jahr - 2019 starten wir endlich durch! Ich bereite schonmal eine motivierende meine Neujahrs-Ansprache vor.
Programmierer Nummer 2 kommt mir zuvor: er verläßt das Team um woanders zu arbeiten, Tschüss auch.
Was? Aber wir haben gerade erst von vielen Leuten einen Batzen Geld für Open Source Entwicklungsarbeit bekommen. Die können wir doch jetzt nicht enttäuschen! Wir nicht, er schon.
Und der Praktikant? "Also eigentlich habe ich die Stunden schon voll um mein Praktikum Akkreditiert zu kriegen". Moment, da war aber ne ganze Menge nicht-Arbeit dabei! Egal, zählt für die Akkreditierung.
...und das ich dir eine Wohnung bereit gestellt und mich um dein Visum gekümmert habe? Zählt nicht für die Akkreditierung. Zählt gar nichts. Arbeit ist aus, Tschüss Chef.
Also muss ich mich jetzt auch noch um die Open Source Entwicklung kümmern - die letzen Wochen Zusammenarbeit mit Programmierer Nummer 2 werden in weitgehend in angespanntem Anschweigen abgehalten. Praktikant kommt nur noch einmal vorbei um sein Zeugnis abzuholen.
Das Jahr fängt schonmal gut an.
Naja, dafür sind die Firmenausgaben jetzt deutlich niedriger.
Donnerstag, 31. Oktober 2019
Boss (22)
Wir sind also jetzt frisch gebackener Open Source Entwickler.
Sprich: wir geben nicht nur das Programm für umsonst her, sondern auch den Quellcode.
Das muß den Leuten doch gefallen!
Und vielen tut's das auch. Wir bekommen einen Haufen positiver Kommentare, und langsam kommen auch ein paar Spender zusammen die die Entwicklung unterstützen wollen.
Jeder der mehr als 20 Euro gibt bekommt von uns eine handgeschriebene Postkarte - herzlichsten Dank und viele Grüße aus Japan!
Aber allen gefällt's dann auch nicht.
Manchen ist "alles ist frei" noch nicht frei genug.
Um das nochmal klar zu machen: unser eigener Code ist frei verfügbar.
Wir verwenden lediglich - gezwungenermaßen - die VR Schnittstellen der Hardware Hersteller.
Lässt sich halt nicht verhindern wenn man deren Hardware verwenden will.
Allerdings basiert unser Program halt auf anderer Open-Source Software, und da ist fest gelegt dass auch alle Derivate Open Source sein müssen. Naja sind wir ja auch.
Sicherheitshalber verpacken wir's nochmal getrennt um niemandem auf die Füße zu treten.
Der erste Teil der die Schnittstellen der Hardware Hersteller verwendet ist 100% von uns und Open Source. Verwendet halt "unfreie" Schnittstellen.
Der zweite Teil auf anderer Open Source Software aufbaut verwendet ist auch 100% Open Source und verbindet sich mit dem ersten Teil - wenn der Nutzer das will.
Man muss beide Teile getrennt herunter laden.
Ich bin vielleicht etwas paranoid und pessimistisch das so aufwendig zu trennen, und extra nochmal einen Online-Kurs in Copyright und Software Lizenzen zu absolvieren.
'Etwas' paranoid und pessimistisch.
Besser ich wäre 'etwas mehr' paranoid und pessimistisch gewesen.
Die ersten Nörgler sind schnell zur stelle.
Ich erkläre dass wir nur etwas beisteuern wollen und das absolute Minimum an Geld zum Selbsterhalt sammeln. (Eigentlich ist bald klar dass es nicht mal dafür reicht).
Interessiert sie nicht. Sie nörgeln weiter.
Ich erläutere die Rechtslage.
Glauben sie mir nicht.
Ich weise sie auf genau die Stelle im Lizenztext der Basis-Software hin wo steht dass wir das Recht haben zu tun was wir tun.
Sie widersprechen mir.
Schließlich reicht's mir - wer seid ihr überhaupt!? Anonyme Rechthaber ohne Rechte.
Solange ihr nicht den eigentlichen Autor der Software vertretet könnt ihr von uns mal gar nix verlangen!
Tut ihr das?
Schweigen.
Dann eine Email.
Vom ursprünglichen Autor der Software.
Ihm sei da zu Ohren gekommen dass Leute in der Community "besorgt" seien über das Projekt.
So so, "besorgt" sind sie also?
Hallo Author. Dir hab ich vor einem halben Jahr schonmal geschrieben und dich ausdrücklich gefragt ob's Probleme gibt mit unseren Plänen.
Damals, du so: ja ja, wie auch immer.
Und wir halten uns auch an die Lizenz. Schau.
Achso, ja dann... aeh... wie auch immer.
...Dankeschön....
Also wieder zurück die Leute zu engagieren die unser Projekt positiv sehen und unterstützen. Kommen ja genug positive Kommentare und Fragen rein. Nur Antworten kann ich nicht mehr. Man hat uns aus dem Forum verbannt.
... Dankeschön auch!
Immerhin war dass das letzte mal das wir von den Entwicklern der Basis-Software gehört haben. Alle unsere Versuche mit ihnen ins Gespräch zu kommen (ob sie nicht etwas von unserem Source Code mal übernehmen wollen - könnte ihnen ja die Arbeit ersparen das später selbst zu schreiben) bleiben unbeantwortet.
Montag, 30. September 2019
Boss (21)
Ich war immer ein grosser Fan von Open Source.
Die Vorstellung auf der Arbeit anderer Programmierer aufzubauen, etwas beizusteuern, sich gegenseitig zu kontrollieren, und die Software an die eigenen Vorstellungen anpassen zu können ist einfach großartig für jeden Bastler.
Ich sage "Vorstellung" weil wirklich an Open Source Projekten teilgenommen habe ich nie.
Meine eigenen Projekte waren immer zu klein und spezifisch als das sie jemanden interessieren würden.
Die größeren Projekte von der Arbeit durfte ich nicht veröffentlichen.
Also habe ich die "Open Source Commmunity" nie kennengelernt.
Sah von außen aber immer toll aus.
Als ich also meine eigene Software veröffentlichen wollte, war ich am überlegen das ganze Open Source zu machen.
Doch könnte ich dann auch davon leben das ganze weiter zu entwickeln?
Es gibt ja genug Firmen die Open Source machen, aber wie machen die das? Und vor allem: wie ist das als einzelne Person.
Also kontaktiere ich erstmal den Autor einer Open-Source Videobearbeitungs-Software die ich gerne verwende - und zu deren Entwicklung ich gerade erst etwas Geld gespendet habe.
Seine Geschichte zwingt mich fast nochmal mehr Geld hinterher zu spenden - er scheint wirklich fast überhaupt kein Geld zu machen, obwohl seine Software wirklich populär ist.
Also ist das keine gute Option - gut dass ich gefragt habe. Mein Source Code bleibt geheim. War wieder nix mit Open Source Community.
Zwei Jahre später - Software und Team sind reichlich gewachsen - und wir diskutieren in welche Richtung wir uns weiter entwickeln wollen.
Wir wollen nicht mehr so abhängig sein von der Basis-Software auf der wir aufbauen und mehr Leute erreichen.
Also schauen wir welche anderen Design-Tools wir unterstützen könnten.
Die nächsten größeren Produkte gehören aber alle derselben Firma von der wir gerade etwa unabhängiger werden wollen. (Hallo? Monopol-Behörde?)
Der Rest ist etwas "Nischen-Software", ... und die eine große Open Source Alternative. Es gibt immer eine Open Source Alternative.
Wäre dass nichts für uns? Klingt schon spannend, aber auch machbar?
Das heißt:
1) Ist das technisch machbar?
2) Ist das finanziell machbar?
3) Ist das zwischenmenschlich machbar?
Um (1) die technische Machbarkeit zu überprüfen, stürzen wir uns einfach mal in den Source Code - ist ja frei verfügbar.
Ist zwar alles nicht ganz so einfach wie erhofft aber nach ein paar Wochen haben wir einen funktionierenden Prototypen. Yay!
Bei der (2) finanziellen Machbarkeit schaut's etwas düsterer aus.
Spenden-basierte Open-Source Entwicklung scheint nichtmal genug abzuwerfen um einen von uns das bescheidene Gehalt zahlen zu können.
Also Alternativen suchen. "Crowd-Funding" ist ein System bei dem Leute für die Entwicklung eines Produktes zahlen, noch bevor die Entwicklung startet.
Kommt nicht genug Geld zusammen, wird das Produkt nicht gebaut. (Und oft genug wird's auch dann nicht gebaut wenn genug Geld zusammen kommt - die Liste der vergeigten oder betrügerischen Crowdfunding Projekte ist lang).
Klingt fair. Nicht wirklich profitabel aber vielleicht tragbar - VR hat zwar nicht viele Nutzer, aber die Nutzer die's hat sind bereit Geld auszugeben.
Die (3) zwischenmenschliche Machbarkeit, also ob unsere Arbeit in der Community anerkannt wird und wir niemandem auf die Füße treten.
Spüren ein paar Leute auf die mal über so etwas irgendwo in irgendwelchen Foren oder Konferenzen gesprochen haben und Kontaktpersonen im Entwickler-Team und kontaktieren sie einfach. Wie geht's denn bei denen voran?
Die Antworten sind meist kurz und abwiegelnd. Jaja, steht auf dem Plan, wird gemacht, aber momentan geht da nichts voran. Keine Zeit, kein Geld, kein Interesse.
Also fragen wir ob das denn willkommen wäre wenn wir uns darum kümmern würden.
Da hören die Antworten auf. Zwar scheint keiner daran arbeiten zu wollen, aber den Ball abgeben will auch keiner. Schließlich fragen wir sogar den berühmten Gründer der Design Software. Direkt: geht das okay?
"Wir sind Open Source - jeder ist willkommen Teilzunehmen und Beizusteuern."
Das reicht uns.
Wir veröffentlichen den Prototypen, starten das Crowd-Funding, und nennen uns ab heute: Open Source Entwickler! Wo bleibt unsere Willkommens-Umarmung?
Ähhh....also...
Die Vorstellung auf der Arbeit anderer Programmierer aufzubauen, etwas beizusteuern, sich gegenseitig zu kontrollieren, und die Software an die eigenen Vorstellungen anpassen zu können ist einfach großartig für jeden Bastler.
Ich sage "Vorstellung" weil wirklich an Open Source Projekten teilgenommen habe ich nie.
Meine eigenen Projekte waren immer zu klein und spezifisch als das sie jemanden interessieren würden.
Die größeren Projekte von der Arbeit durfte ich nicht veröffentlichen.
Also habe ich die "Open Source Commmunity" nie kennengelernt.
Sah von außen aber immer toll aus.
Als ich also meine eigene Software veröffentlichen wollte, war ich am überlegen das ganze Open Source zu machen.
Doch könnte ich dann auch davon leben das ganze weiter zu entwickeln?
Es gibt ja genug Firmen die Open Source machen, aber wie machen die das? Und vor allem: wie ist das als einzelne Person.
Also kontaktiere ich erstmal den Autor einer Open-Source Videobearbeitungs-Software die ich gerne verwende - und zu deren Entwicklung ich gerade erst etwas Geld gespendet habe.
Seine Geschichte zwingt mich fast nochmal mehr Geld hinterher zu spenden - er scheint wirklich fast überhaupt kein Geld zu machen, obwohl seine Software wirklich populär ist.
Also ist das keine gute Option - gut dass ich gefragt habe. Mein Source Code bleibt geheim. War wieder nix mit Open Source Community.
Zwei Jahre später - Software und Team sind reichlich gewachsen - und wir diskutieren in welche Richtung wir uns weiter entwickeln wollen.
Wir wollen nicht mehr so abhängig sein von der Basis-Software auf der wir aufbauen und mehr Leute erreichen.
Also schauen wir welche anderen Design-Tools wir unterstützen könnten.
Die nächsten größeren Produkte gehören aber alle derselben Firma von der wir gerade etwa unabhängiger werden wollen. (Hallo? Monopol-Behörde?)
Der Rest ist etwas "Nischen-Software", ... und die eine große Open Source Alternative. Es gibt immer eine Open Source Alternative.
Wäre dass nichts für uns? Klingt schon spannend, aber auch machbar?
Das heißt:
1) Ist das technisch machbar?
2) Ist das finanziell machbar?
3) Ist das zwischenmenschlich machbar?
Um (1) die technische Machbarkeit zu überprüfen, stürzen wir uns einfach mal in den Source Code - ist ja frei verfügbar.
Ist zwar alles nicht ganz so einfach wie erhofft aber nach ein paar Wochen haben wir einen funktionierenden Prototypen. Yay!
Bei der (2) finanziellen Machbarkeit schaut's etwas düsterer aus.
Spenden-basierte Open-Source Entwicklung scheint nichtmal genug abzuwerfen um einen von uns das bescheidene Gehalt zahlen zu können.
Also Alternativen suchen. "Crowd-Funding" ist ein System bei dem Leute für die Entwicklung eines Produktes zahlen, noch bevor die Entwicklung startet.
Kommt nicht genug Geld zusammen, wird das Produkt nicht gebaut. (Und oft genug wird's auch dann nicht gebaut wenn genug Geld zusammen kommt - die Liste der vergeigten oder betrügerischen Crowdfunding Projekte ist lang).
Klingt fair. Nicht wirklich profitabel aber vielleicht tragbar - VR hat zwar nicht viele Nutzer, aber die Nutzer die's hat sind bereit Geld auszugeben.
Die (3) zwischenmenschliche Machbarkeit, also ob unsere Arbeit in der Community anerkannt wird und wir niemandem auf die Füße treten.
Spüren ein paar Leute auf die mal über so etwas irgendwo in irgendwelchen Foren oder Konferenzen gesprochen haben und Kontaktpersonen im Entwickler-Team und kontaktieren sie einfach. Wie geht's denn bei denen voran?
Die Antworten sind meist kurz und abwiegelnd. Jaja, steht auf dem Plan, wird gemacht, aber momentan geht da nichts voran. Keine Zeit, kein Geld, kein Interesse.
Also fragen wir ob das denn willkommen wäre wenn wir uns darum kümmern würden.
Da hören die Antworten auf. Zwar scheint keiner daran arbeiten zu wollen, aber den Ball abgeben will auch keiner. Schließlich fragen wir sogar den berühmten Gründer der Design Software. Direkt: geht das okay?
"Wir sind Open Source - jeder ist willkommen Teilzunehmen und Beizusteuern."
Das reicht uns.
Wir veröffentlichen den Prototypen, starten das Crowd-Funding, und nennen uns ab heute: Open Source Entwickler! Wo bleibt unsere Willkommens-Umarmung?
Ähhh....also...
Samstag, 31. August 2019
Boss (20)
"Und was machen Sie, wenn Google/Facebook/Amazon in ihr Geschäft einsteigt?" ist wohl eine der beliebtesten Fragen potentieller Investoren.
Die richtige Antwort ist: "dann sind wir halt besser". Zumindest war das die richtige Antwort für Google, Facebook und Amazon - alle drei bekannterweise kaum 20 Jahre alt sind und bei weitem nicht die ersten Firmen in ihren entsprechenden Märkten.
Aber die richtige Antwort ist die falsche Antwort - zumindest für Investoren. Investoren wollen etwas handfestes. Ein Patent auf geistiges Eigentum.
Ich habe mich da immer drum gedrückt. Ein Patent ist erstens schwierig und zeitraubend, zweitens teuer, drittens fragwürdig in seiner Effizienz (wie leicht kann die Konkurrenz einfach drum rum bauen?) und selbst wenn man das alles überwunden hat, dann ist es immer noch Spiel für Anwälte und deren überhöhten Gehälter.
Jetzt haben wir aber gerade einen Batzen Geld von der Stadt bekommen - fällt Grund 2 weg.
Dass wir diesen Batzen Geld bekommen haben stand auch in einer Zeitschrift der Stadtverwaltung, also meldet sich ein Herr von einem anderen Teil der Stadtverwaltung spezialisiert auf Kommerzialisierung neuer Technologien und bietet seine Hilfe an. Hätten wir denn was zu patentieren?
...naja, haben wir.
Das kam so dass während eines Meetings mit einem Investor Ideen herum Geworfen wurden. Ideen sind schnell und billig und geben allen Beteiligten Optimismus und Motivation - Feel-Good-Time!
Der Investor wirft in die Runde dass wir Handgesten verwenden können um den Computer zu steuern. Brilliant! Naja, ehrlich gesagt einfach nur "gut", aber wir sind schon etwas Ideen-Trunken und der Mann hat uns gerade einen großen Haufen Geld gegeben.
Der Kater war dann das implementieren zu müssen.
Ich habe keine Ahnung wie man einem Computer beibringen kann Hand-Gesten zu erkennen.
Aber hey, ich lerne gerne. Also stehe ich jeden Morgen eine Stunde früher auf und büffel Online-Kurse über Künstliche Intelligenz. (Morgens bin ich mehr aufnahmefähig).
Eigentlich eine schöne Art den Morgen zu beginnen, und nach ein paar Monaten habe ich auch endlich die durchschlagende Idee, wie ich das hinkriegen kann!
Also programmiert, getestet, verbessert, wieder das Hirn gemartert, programmiert, ... und langsam wird es.
Und jetzt sitzt er uns gegenüber - Mr. O., vom Technologie-Kommerzialisierungs-Office der Stadt Osaka.
Wenn sie sich einen furchtbar netten aber auch furchtbar konfusen alten Japanischen Opa für eine Komödie ausdenken, dann ist er immer noch nur halb so nett, halb so konfus, halb so alt und halb so Japanisch wie Mr. O.
Also: haben wir etwas zu patentieren?
Grund-kein-Patent-zu-wollen Nr 1 ist weg, Nr.2 ist weg und irgendwie Bilde ich mir schon ein bisschen was ein auf meine Erfindung. Nr. 3...
... ääh, ja, wir haben was zu Patentieren.
Prima, da kennt er einen Anwalt!
Also nehme ich mir jeden Morgen eine Stunde Zeit um Patentrecht zu lernen, und jeden Abend ein paar Stunden um eine Japanische Patentschrift aufzusetzen.
Alle paar Wochen ein Meeting.
Hauptsächlich wird in jedem Meeting wieder klar, dass niemand meine Idee versteht. Aber jedes mal finde ich neue Wege das ganze noch einfacher und anschaulicher zu machen, was wiederrum die Patentschrift verbessert.
Es dauert trotzdem fast ein halbes Jahr - und das ist ein Riesen-Problem, denn ein Patent muss man innerhalb eines halben Jahres nach Erfindung einreichen.
Mir schwirrt der Kopf vor all dem Japanisch - meine Studien haben mich weder auf die mathematisch-technische noch auf die rechtliche Verwendung der Sprache je vorbereitet.
Mehr als einmal schaltet sich mein Gehirn während Meetings einfach ab - System Overload.
Glücklicherweise merkt der Japaner in unserem Team das jedes mal und springt schnell in die Bresche.
Am Ende will ich's einfach nur noch von meinem Tisch haben.
Gottverdammt schicken Sie's doch endlich ab! Ich kann echt nicht mehr und hab auch andere Sachen zu tun!
Halt, Moment - da ist noch ein Fehler!
Okay jetzt aber! Raus mit dem Mist!
Halleluja, endlich geschafft.
Ich werde bestimmt so schnell keine Patente mehr anmelden.
Die richtige Antwort ist: "dann sind wir halt besser". Zumindest war das die richtige Antwort für Google, Facebook und Amazon - alle drei bekannterweise kaum 20 Jahre alt sind und bei weitem nicht die ersten Firmen in ihren entsprechenden Märkten.
Aber die richtige Antwort ist die falsche Antwort - zumindest für Investoren. Investoren wollen etwas handfestes. Ein Patent auf geistiges Eigentum.
Ich habe mich da immer drum gedrückt. Ein Patent ist erstens schwierig und zeitraubend, zweitens teuer, drittens fragwürdig in seiner Effizienz (wie leicht kann die Konkurrenz einfach drum rum bauen?) und selbst wenn man das alles überwunden hat, dann ist es immer noch Spiel für Anwälte und deren überhöhten Gehälter.
Jetzt haben wir aber gerade einen Batzen Geld von der Stadt bekommen - fällt Grund 2 weg.
Dass wir diesen Batzen Geld bekommen haben stand auch in einer Zeitschrift der Stadtverwaltung, also meldet sich ein Herr von einem anderen Teil der Stadtverwaltung spezialisiert auf Kommerzialisierung neuer Technologien und bietet seine Hilfe an. Hätten wir denn was zu patentieren?
...naja, haben wir.
Das kam so dass während eines Meetings mit einem Investor Ideen herum Geworfen wurden. Ideen sind schnell und billig und geben allen Beteiligten Optimismus und Motivation - Feel-Good-Time!
Der Investor wirft in die Runde dass wir Handgesten verwenden können um den Computer zu steuern. Brilliant! Naja, ehrlich gesagt einfach nur "gut", aber wir sind schon etwas Ideen-Trunken und der Mann hat uns gerade einen großen Haufen Geld gegeben.
Der Kater war dann das implementieren zu müssen.
Ich habe keine Ahnung wie man einem Computer beibringen kann Hand-Gesten zu erkennen.
Aber hey, ich lerne gerne. Also stehe ich jeden Morgen eine Stunde früher auf und büffel Online-Kurse über Künstliche Intelligenz. (Morgens bin ich mehr aufnahmefähig).
Eigentlich eine schöne Art den Morgen zu beginnen, und nach ein paar Monaten habe ich auch endlich die durchschlagende Idee, wie ich das hinkriegen kann!
Also programmiert, getestet, verbessert, wieder das Hirn gemartert, programmiert, ... und langsam wird es.
Und jetzt sitzt er uns gegenüber - Mr. O., vom Technologie-Kommerzialisierungs-Office der Stadt Osaka.
Wenn sie sich einen furchtbar netten aber auch furchtbar konfusen alten Japanischen Opa für eine Komödie ausdenken, dann ist er immer noch nur halb so nett, halb so konfus, halb so alt und halb so Japanisch wie Mr. O.
Also: haben wir etwas zu patentieren?
Grund-kein-Patent-zu-wollen Nr 1 ist weg, Nr.2 ist weg und irgendwie Bilde ich mir schon ein bisschen was ein auf meine Erfindung. Nr. 3...
... ääh, ja, wir haben was zu Patentieren.
Prima, da kennt er einen Anwalt!
Also nehme ich mir jeden Morgen eine Stunde Zeit um Patentrecht zu lernen, und jeden Abend ein paar Stunden um eine Japanische Patentschrift aufzusetzen.
Alle paar Wochen ein Meeting.
Hauptsächlich wird in jedem Meeting wieder klar, dass niemand meine Idee versteht. Aber jedes mal finde ich neue Wege das ganze noch einfacher und anschaulicher zu machen, was wiederrum die Patentschrift verbessert.
Es dauert trotzdem fast ein halbes Jahr - und das ist ein Riesen-Problem, denn ein Patent muss man innerhalb eines halben Jahres nach Erfindung einreichen.
Mir schwirrt der Kopf vor all dem Japanisch - meine Studien haben mich weder auf die mathematisch-technische noch auf die rechtliche Verwendung der Sprache je vorbereitet.
Mehr als einmal schaltet sich mein Gehirn während Meetings einfach ab - System Overload.
Glücklicherweise merkt der Japaner in unserem Team das jedes mal und springt schnell in die Bresche.
Am Ende will ich's einfach nur noch von meinem Tisch haben.
Gottverdammt schicken Sie's doch endlich ab! Ich kann echt nicht mehr und hab auch andere Sachen zu tun!
Halt, Moment - da ist noch ein Fehler!
Okay jetzt aber! Raus mit dem Mist!
Halleluja, endlich geschafft.
Ich werde bestimmt so schnell keine Patente mehr anmelden.
Mittwoch, 31. Juli 2019
Boss (19)
Also, was machen wir mit dem Geld dass uns die Stadt netterweise spendiert? Wir müssen etwas aufsehenerregendes machen. Etwas dass uns ins Gespräch bringt - und ein paar neue Kunden durch die Tür. Als erstes machen wir: einen Wettbewerb! Leute sollen zeigen was sie mit unserer Software tollen machen. Das sollen sie auf Facebook und Konsorten herumzeigen. Preis: eine Einladung nach Japan! Da können wir endlich mal unseren Heimvorteil voll ausspielen und bekommen so auch bisschen Face-to-Face Feedback.
Also: ich baue eine "Contest" Version, die es den Teilnehmern einfach macht sich bei der Arbeit zu filmen, und die Marketing-Jungs machen ein cooles Video von Osaka. Was es hier nicht alles zu sehen, zu tun, zu essen gibt. Glücklicherweise sind wir hier nahe an Kyoto dran, also werden die berühmten Tempel und Geishas auch gleich mit-beworben.
Dann wird das ganze Angekündigt und kräftig beworben. Reaktion: stille.
Na kommt schon, selbst ein Gratis-Trip nach Japan kann die Leute nicht motivieren mal ein bisschen was neues Auszuprobieren?! Die Zeit verstreicht und meine schlimmsten Befürchtungen scheinen wahr zu werden: wenn wir so einen großen Event ankündigen und dann keine ernst zu nehmenden Teilnehmer haben, keinen glorreichen Sieger küren können, dann müssen wir der Welt eingestehen das uns keiner haben will. Ist schlimm genug sich mit diesem Gedanken nach jeder Monatsabschlussrechnung im stillen Kammerl in den Schlaf zu weinen. Immerhin hat unser Branding nicht darunter gelitten. Aber jetzt?
Ich feuere mein Team an sich extra gut um die wenigen Teilnehmer zu kümmern und die zu ermutigen extra arbeit rein zu stecken! Leider sind die Teilnehmer alle besser im reden (und sich anfeuern lassen) als darin sich wirklich mal hinzusetzen und etwas zu machen. Wir verlängern sogar die Deadline noch etwas, aber irgendwann muss Schluss sein...
Der Laden um die Ecke hat neuerdings einen Bananen-Milch-Cocktail. Sowas wie einen White Russian, nur halt mit Banane. Riecht genau so wie die Bananen-Milch die ich oft während unseren Meetings trinke. Nun haben wir das Meeting in dem wir aus den wenigen Einsendungen den Besten aussuchen müssen. Na, auf geht's Jungs, zeigt was wir haben.... nee, also der schonmal nicht!
... nee, bitte...
... ich brauch nen Schluck Bananen-Milch... ahh...
... der nächste hat mit unserer Software ein Modell von Osaka Castle gebaut. Das ist immerhin ein netter Gag. Das Modell selbst besteht aber nur aus ein paar groben Blöcken.
... der nächste hat sogar ziemlich gute Arbeit geleistet. Leider ist das genau jener Holländer den wir erst vor ein paar Monaten eingeflogen haben damit er uns mit seiner Expertenmeinung weiter hilft. Wenn er jetzt gewinnt kriegen wir nicht nur kein neues Feedback, es riecht auch arg nach Vetternwirtschaft und zeigt der Welt wie wenige Fans wir haben. Also: doch die Osaka Burg?
Einen haben wir noch? Gut, zeig her.
5 Jahre habe ich mittlerweile an dieser Software gearbeitet (wenn auch immer wieder mit anderem Fokus und Zielsetzung). Irgendwie schon wie mein Kind. Mein kränkliches, von der Welt verabscheutes Kind. Das nun in die Hände eines Mannes gefallen ist, der sie so sehr lieben muss wie ich. Es ist einfach unfassbar was er damit geschaffen hat. Er hat ein solches Meisterwerk aus der Software heraus gekitzelt, dass sogar ich noch etwas lerne!
Wer ist der Kerl?! Ein Franzose? Natürlich ein Franzose - den besten Liebhaber den ein Papa sich für seine Software wünschen kann! Der Contest ist Entschieden! Bitte, sei mein Schwiegersohn und komm' zu uns nach Japan! Mein Gesicht ganz rot vor Freude! vor Erleichterung! vor Begeisterung! vor neuem Optimismus! (vor Bananenmilch)! Kanpai!
Also: ich baue eine "Contest" Version, die es den Teilnehmern einfach macht sich bei der Arbeit zu filmen, und die Marketing-Jungs machen ein cooles Video von Osaka. Was es hier nicht alles zu sehen, zu tun, zu essen gibt. Glücklicherweise sind wir hier nahe an Kyoto dran, also werden die berühmten Tempel und Geishas auch gleich mit-beworben.
Dann wird das ganze Angekündigt und kräftig beworben. Reaktion: stille.
Na kommt schon, selbst ein Gratis-Trip nach Japan kann die Leute nicht motivieren mal ein bisschen was neues Auszuprobieren?! Die Zeit verstreicht und meine schlimmsten Befürchtungen scheinen wahr zu werden: wenn wir so einen großen Event ankündigen und dann keine ernst zu nehmenden Teilnehmer haben, keinen glorreichen Sieger küren können, dann müssen wir der Welt eingestehen das uns keiner haben will. Ist schlimm genug sich mit diesem Gedanken nach jeder Monatsabschlussrechnung im stillen Kammerl in den Schlaf zu weinen. Immerhin hat unser Branding nicht darunter gelitten. Aber jetzt?
Ich feuere mein Team an sich extra gut um die wenigen Teilnehmer zu kümmern und die zu ermutigen extra arbeit rein zu stecken! Leider sind die Teilnehmer alle besser im reden (und sich anfeuern lassen) als darin sich wirklich mal hinzusetzen und etwas zu machen. Wir verlängern sogar die Deadline noch etwas, aber irgendwann muss Schluss sein...
Der Laden um die Ecke hat neuerdings einen Bananen-Milch-Cocktail. Sowas wie einen White Russian, nur halt mit Banane. Riecht genau so wie die Bananen-Milch die ich oft während unseren Meetings trinke. Nun haben wir das Meeting in dem wir aus den wenigen Einsendungen den Besten aussuchen müssen. Na, auf geht's Jungs, zeigt was wir haben.... nee, also der schonmal nicht!
... nee, bitte...
... ich brauch nen Schluck Bananen-Milch... ahh...
... der nächste hat mit unserer Software ein Modell von Osaka Castle gebaut. Das ist immerhin ein netter Gag. Das Modell selbst besteht aber nur aus ein paar groben Blöcken.
... der nächste hat sogar ziemlich gute Arbeit geleistet. Leider ist das genau jener Holländer den wir erst vor ein paar Monaten eingeflogen haben damit er uns mit seiner Expertenmeinung weiter hilft. Wenn er jetzt gewinnt kriegen wir nicht nur kein neues Feedback, es riecht auch arg nach Vetternwirtschaft und zeigt der Welt wie wenige Fans wir haben. Also: doch die Osaka Burg?
Einen haben wir noch? Gut, zeig her.
5 Jahre habe ich mittlerweile an dieser Software gearbeitet (wenn auch immer wieder mit anderem Fokus und Zielsetzung). Irgendwie schon wie mein Kind. Mein kränkliches, von der Welt verabscheutes Kind. Das nun in die Hände eines Mannes gefallen ist, der sie so sehr lieben muss wie ich. Es ist einfach unfassbar was er damit geschaffen hat. Er hat ein solches Meisterwerk aus der Software heraus gekitzelt, dass sogar ich noch etwas lerne!
Wer ist der Kerl?! Ein Franzose? Natürlich ein Franzose - den besten Liebhaber den ein Papa sich für seine Software wünschen kann! Der Contest ist Entschieden! Bitte, sei mein Schwiegersohn und komm' zu uns nach Japan! Mein Gesicht ganz rot vor Freude! vor Erleichterung! vor Begeisterung! vor neuem Optimismus! (vor Bananenmilch)! Kanpai!
Sonntag, 30. Juni 2019
Boss (18)
Unsere Investorin will mal wieder dass wir uns für öffentliche Gelder bewerben.
Ist mir eigentlich nicht recht - solche Bewerbungen kosten viel Zeit und ob man unter den zahllosen Bewerbern dann ausgewählt wird ist mehr als fraglich - vor allem wenn man so eine kleine Möchtegern Firma ist.
Aber man kann auch schlecht seinen Investoren sagen: "Danke fürs Geld, jetzt lasst uns in Ruhe".
Also füllen wir erstmal die Form aus und werden immerhin für ein Gespräch eingeladen.
Es ist eine lokale Subvention der Stadt Osaka die hier örtliche Innovation fördern will und dabei auch mehr weltweite Aufmerksamkeit erhofft.
Mein Japanischer Team-Kollege hat das Formelle im Griff, also kann ich mich aufs "Einschmeicheln" konzentrieren.
Ich erzähle wie ich wärend meiner Zeit in Nara jedes Wochenende nach Osaka gefahren bin und mich in die Statdt verliebt habe.
Wie ich mich nach dem Abschluss gegen Tokyo und für Osaka entschieden habe, obwohl in Tokyo die Gehälter viel besser wären.
Wie unserer Technologie einem 3D-Designer mit Handgelenks-Schmerzen geholfen hat wieder Freude in seiner Arbeit zu finden, und wir ihn dann nach Osaka eingeladen haben.
Wir stellen unseren Plan vor, noch mehr Designer nach Osaka einzuladen und tolle Videos mit ihnen zu machen, die Weltweite Aufmerksamkeit erlangen werden (würden wenns nach uns ginge).
Und tatsächlich: wir kommen in die Auswahl-Runde!
Dieses Subventions-Dingen hat einen besonderen Twist: Erhalt des Geldes ist daran geknüpft eine bestimmte Anzahl "Fans" zu begeistern.
Und woran werden "Fans" gemessen? Facebook Follower. Willkommen im 21.Jahrhundert.
Und wie viele brauchen wir? Das Ziel müssen wir uns selbst stecken. Willkommen in Behörden-Denkweise - wir stecken unsere Ziele selber ohne Vorgaben.
Also sagen wir: wir wollen die 1000 Fan-Marke knacken. Dazu fehlen uns 200 Leute. Das ist ambitioniert genug um nicht frech zu sein und halbwegs realistisch. Wir haben ja einen Monat zeit. Ja, die neuen Fans müssen alle in dem einen Monat kommen. Nicht davor, nicht danach.
Unser Plan:
1) Wir hören auf Updates und Videos zu veröffentlichen, gehen auf Schleichfahrt
2) Wir geben unserer Software eine neue Versionsnummer (normalerweise gehöre ich zu den Leuten die alle neuen Features sofort zugänglich machen wollen, also ist die letzte 2.0 Version und die erste 3.0 version fast identisch).
3) Wir produzieren ein dickes Lauch Video.
4) Wir warten auf den Stichtag.
Stichtag. Ein schöner Montag Morgen um ein Video hochzuladen und auf Facebook ein paar Gruppen zu informieren dass wir jetzt "3.0" haben, und all unseren Freunden zu sagen sie sollen unsere Facebook-Page "liken".
Dann haben wir ein Meeting mit den Subventions-Leuten. Die haben ein bisschen sorgen dass wir die Ziele etwas hoch gesteckt haben.
Mein Handy hört das Summen nicht auf, also schalte ich Notifications irgendwann ab. Kann mich aber trotzdem nicht beherrschen immer wieder zu spicken. Bis zum Ende des Meetings haben wir 50 neue Follower. Die geplanten 200 haben wir am nächsten Morgen zusammen. Bis zum Ende des Monats schießen wir noch deutlich über unser Ziel hinaus.
Dazu lasse ich doch mal die Korken knallen. Wörtlich. Ich kaufe eine Flasche Sekt zum feiern und dem Team zu danken.
Das Team besteht aus Nerds die für Sekt nichts übrig haben - da wird nur genippt und dann heim gegangen um Videospiele zu Spielen. Ich verteile den Rest-Sekt unter anderen Leuten im Shared Office, vor allem mir selbst.
Ist mir eigentlich nicht recht - solche Bewerbungen kosten viel Zeit und ob man unter den zahllosen Bewerbern dann ausgewählt wird ist mehr als fraglich - vor allem wenn man so eine kleine Möchtegern Firma ist.
Aber man kann auch schlecht seinen Investoren sagen: "Danke fürs Geld, jetzt lasst uns in Ruhe".
Also füllen wir erstmal die Form aus und werden immerhin für ein Gespräch eingeladen.
Es ist eine lokale Subvention der Stadt Osaka die hier örtliche Innovation fördern will und dabei auch mehr weltweite Aufmerksamkeit erhofft.
Mein Japanischer Team-Kollege hat das Formelle im Griff, also kann ich mich aufs "Einschmeicheln" konzentrieren.
Ich erzähle wie ich wärend meiner Zeit in Nara jedes Wochenende nach Osaka gefahren bin und mich in die Statdt verliebt habe.
Wie ich mich nach dem Abschluss gegen Tokyo und für Osaka entschieden habe, obwohl in Tokyo die Gehälter viel besser wären.
Wie unserer Technologie einem 3D-Designer mit Handgelenks-Schmerzen geholfen hat wieder Freude in seiner Arbeit zu finden, und wir ihn dann nach Osaka eingeladen haben.
Wir stellen unseren Plan vor, noch mehr Designer nach Osaka einzuladen und tolle Videos mit ihnen zu machen, die Weltweite Aufmerksamkeit erlangen werden (würden wenns nach uns ginge).
Und tatsächlich: wir kommen in die Auswahl-Runde!
Dieses Subventions-Dingen hat einen besonderen Twist: Erhalt des Geldes ist daran geknüpft eine bestimmte Anzahl "Fans" zu begeistern.
Und woran werden "Fans" gemessen? Facebook Follower. Willkommen im 21.Jahrhundert.
Und wie viele brauchen wir? Das Ziel müssen wir uns selbst stecken. Willkommen in Behörden-Denkweise - wir stecken unsere Ziele selber ohne Vorgaben.
Also sagen wir: wir wollen die 1000 Fan-Marke knacken. Dazu fehlen uns 200 Leute. Das ist ambitioniert genug um nicht frech zu sein und halbwegs realistisch. Wir haben ja einen Monat zeit. Ja, die neuen Fans müssen alle in dem einen Monat kommen. Nicht davor, nicht danach.
Unser Plan:
1) Wir hören auf Updates und Videos zu veröffentlichen, gehen auf Schleichfahrt
2) Wir geben unserer Software eine neue Versionsnummer (normalerweise gehöre ich zu den Leuten die alle neuen Features sofort zugänglich machen wollen, also ist die letzte 2.0 Version und die erste 3.0 version fast identisch).
3) Wir produzieren ein dickes Lauch Video.
4) Wir warten auf den Stichtag.
Stichtag. Ein schöner Montag Morgen um ein Video hochzuladen und auf Facebook ein paar Gruppen zu informieren dass wir jetzt "3.0" haben, und all unseren Freunden zu sagen sie sollen unsere Facebook-Page "liken".
Dann haben wir ein Meeting mit den Subventions-Leuten. Die haben ein bisschen sorgen dass wir die Ziele etwas hoch gesteckt haben.
Mein Handy hört das Summen nicht auf, also schalte ich Notifications irgendwann ab. Kann mich aber trotzdem nicht beherrschen immer wieder zu spicken. Bis zum Ende des Meetings haben wir 50 neue Follower. Die geplanten 200 haben wir am nächsten Morgen zusammen. Bis zum Ende des Monats schießen wir noch deutlich über unser Ziel hinaus.
Dazu lasse ich doch mal die Korken knallen. Wörtlich. Ich kaufe eine Flasche Sekt zum feiern und dem Team zu danken.
Das Team besteht aus Nerds die für Sekt nichts übrig haben - da wird nur genippt und dann heim gegangen um Videospiele zu Spielen. Ich verteile den Rest-Sekt unter anderen Leuten im Shared Office, vor allem mir selbst.
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