Donnerstag, 31. Oktober 2019

Boss (22)


Wir sind also jetzt frisch gebackener Open Source Entwickler.
Sprich: wir geben nicht nur das Programm für umsonst her, sondern auch den Quellcode.
Das muß den Leuten doch gefallen!
Und vielen tut's das auch. Wir bekommen einen Haufen positiver Kommentare, und langsam kommen auch ein paar Spender zusammen die die Entwicklung unterstützen wollen.
Jeder der mehr als 20 Euro gibt bekommt von uns eine handgeschriebene Postkarte - herzlichsten Dank und viele Grüße aus Japan!


Aber allen gefällt's dann auch nicht.
Manchen ist "alles ist frei" noch nicht frei genug.
Um das nochmal klar zu machen: unser eigener Code ist frei verfügbar.
Wir verwenden lediglich - gezwungenermaßen - die VR Schnittstellen der Hardware Hersteller.
Lässt sich halt nicht verhindern wenn man deren Hardware verwenden will.
Allerdings basiert unser Program halt auf anderer Open-Source Software, und da ist fest gelegt dass auch alle Derivate Open Source sein müssen. Naja sind wir ja auch.
Sicherheitshalber verpacken wir's nochmal getrennt um niemandem auf die Füße zu treten.
Der erste Teil der die Schnittstellen der Hardware Hersteller verwendet ist 100% von uns und Open Source. Verwendet halt "unfreie" Schnittstellen.
Der zweite Teil auf anderer Open Source Software aufbaut verwendet ist auch 100% Open Source und verbindet sich mit dem ersten Teil - wenn der Nutzer das will.
Man muss beide Teile getrennt herunter laden.

Ich bin vielleicht etwas paranoid und pessimistisch das so aufwendig zu trennen, und extra nochmal einen Online-Kurs in Copyright und Software Lizenzen zu absolvieren.
'Etwas' paranoid und pessimistisch.
Besser ich wäre 'etwas mehr' paranoid und pessimistisch gewesen.



Die ersten Nörgler sind schnell zur stelle.
Ich erkläre dass wir nur etwas beisteuern wollen und das absolute Minimum an Geld zum Selbsterhalt sammeln. (Eigentlich ist bald klar dass es nicht mal dafür reicht).
Interessiert sie nicht. Sie nörgeln weiter.
Ich erläutere die Rechtslage.
Glauben sie mir nicht.
Ich weise sie auf genau die Stelle im Lizenztext der Basis-Software hin wo steht dass wir das Recht haben zu tun was wir tun.
Sie widersprechen mir.
Schließlich reicht's mir - wer seid ihr überhaupt!? Anonyme Rechthaber ohne Rechte.
Solange ihr nicht den eigentlichen Autor der Software vertretet könnt ihr von uns mal gar nix verlangen!
Tut ihr das?
Schweigen.
Dann eine Email.
Vom ursprünglichen Autor der Software.
Ihm sei da zu Ohren gekommen dass Leute in der Community "besorgt" seien über das Projekt.
So so, "besorgt" sind sie also?
Hallo Author. Dir hab ich vor einem halben Jahr schonmal geschrieben und dich ausdrücklich  gefragt ob's Probleme gibt mit unseren Plänen.
Damals, du so: ja ja, wie auch immer.
Und wir halten uns auch an die Lizenz. Schau.
Achso, ja dann... aeh... wie auch immer.
...Dankeschön....



Also wieder zurück die Leute zu engagieren die unser Projekt positiv sehen und unterstützen. Kommen ja genug positive Kommentare und Fragen rein. Nur Antworten kann ich nicht mehr. Man hat uns aus dem Forum verbannt.
... Dankeschön auch!

Immerhin war dass das letzte mal das wir von den Entwicklern der Basis-Software gehört haben. Alle unsere Versuche mit ihnen ins Gespräch zu kommen (ob sie nicht etwas von unserem Source Code mal übernehmen wollen - könnte ihnen ja die Arbeit ersparen das später selbst zu schreiben) bleiben unbeantwortet.



Montag, 30. September 2019

Boss (21)

Ich war immer ein grosser Fan von Open Source.
Die Vorstellung auf der Arbeit anderer Programmierer aufzubauen, etwas beizusteuern, sich gegenseitig zu kontrollieren, und die Software an die eigenen Vorstellungen anpassen zu können ist einfach großartig für jeden Bastler.
Ich sage "Vorstellung" weil wirklich an Open Source Projekten teilgenommen habe ich nie.
Meine eigenen Projekte waren immer zu klein und spezifisch als das sie jemanden interessieren würden.
Die größeren Projekte von der Arbeit durfte ich nicht veröffentlichen.
Also habe ich die "Open Source Commmunity" nie kennengelernt.
Sah von außen aber immer toll aus.



Als ich also meine eigene Software veröffentlichen wollte, war ich am überlegen das ganze Open Source zu machen.
Doch könnte ich dann auch davon leben das ganze weiter zu entwickeln?
Es gibt ja genug Firmen die Open Source machen, aber wie machen die das? Und vor allem: wie ist das als einzelne Person.
Also kontaktiere ich erstmal den Autor einer Open-Source Videobearbeitungs-Software die ich gerne verwende - und zu deren Entwicklung ich gerade erst etwas Geld gespendet habe.
Seine Geschichte zwingt mich fast nochmal mehr Geld hinterher zu spenden - er scheint wirklich fast überhaupt kein Geld zu machen, obwohl seine Software wirklich populär ist.
Also ist das keine gute Option - gut dass ich gefragt habe. Mein Source Code bleibt geheim. War wieder nix mit Open Source Community.


Zwei Jahre später - Software und Team sind reichlich gewachsen - und wir diskutieren in welche Richtung wir uns weiter entwickeln wollen.
Wir wollen nicht mehr so abhängig sein von der Basis-Software auf der wir aufbauen und mehr Leute erreichen.
Also schauen wir welche anderen Design-Tools wir unterstützen könnten.
Die nächsten größeren Produkte gehören aber alle derselben Firma von der wir gerade etwa unabhängiger werden wollen. (Hallo? Monopol-Behörde?)
Der Rest ist etwas "Nischen-Software", ... und die eine große Open Source Alternative. Es gibt immer eine Open Source Alternative.
Wäre dass nichts für uns? Klingt schon spannend, aber auch machbar?
Das heißt:
1) Ist das technisch machbar?
2) Ist das finanziell machbar?
3) Ist das zwischenmenschlich machbar?

Um (1) die technische Machbarkeit zu überprüfen, stürzen wir uns einfach mal in den Source Code - ist ja frei verfügbar.
Ist zwar alles nicht ganz so einfach wie erhofft aber nach ein paar Wochen haben wir einen funktionierenden Prototypen. Yay!

Bei der (2) finanziellen Machbarkeit schaut's etwas düsterer aus.
Spenden-basierte Open-Source Entwicklung scheint nichtmal genug abzuwerfen um einen von uns das bescheidene Gehalt zahlen zu können.
Also Alternativen suchen. "Crowd-Funding" ist ein System bei dem Leute für die Entwicklung eines Produktes zahlen, noch bevor die Entwicklung startet.
Kommt nicht genug Geld zusammen, wird das Produkt nicht gebaut. (Und oft genug wird's auch dann nicht gebaut wenn genug Geld zusammen kommt - die Liste der vergeigten oder betrügerischen Crowdfunding Projekte ist lang).
Klingt fair. Nicht wirklich profitabel aber vielleicht tragbar - VR hat zwar nicht viele Nutzer, aber die Nutzer die's hat sind bereit Geld auszugeben.



Die (3) zwischenmenschliche Machbarkeit, also ob unsere Arbeit in der Community anerkannt wird und wir niemandem auf die Füße treten.
Spüren ein paar Leute auf die mal über so etwas irgendwo in irgendwelchen Foren oder Konferenzen gesprochen haben und Kontaktpersonen im Entwickler-Team und kontaktieren sie einfach. Wie geht's denn bei denen voran?
Die Antworten sind meist kurz und abwiegelnd. Jaja, steht auf dem Plan, wird gemacht, aber momentan geht da nichts voran. Keine Zeit, kein Geld, kein Interesse.
Also fragen wir ob das denn willkommen wäre wenn wir uns darum kümmern würden.
Da hören die Antworten auf. Zwar scheint keiner daran arbeiten zu wollen, aber den Ball abgeben will auch keiner. Schließlich fragen wir sogar den berühmten Gründer der Design Software. Direkt: geht das okay?
"Wir sind Open Source - jeder ist willkommen Teilzunehmen und Beizusteuern."
Das reicht uns.
Wir veröffentlichen den Prototypen, starten das Crowd-Funding, und nennen uns ab heute: Open Source Entwickler! Wo bleibt unsere Willkommens-Umarmung?
Ähhh....also...


Samstag, 31. August 2019

Boss (20)

"Und was machen Sie, wenn Google/Facebook/Amazon in ihr Geschäft einsteigt?" ist wohl eine der beliebtesten Fragen potentieller Investoren.
Die richtige Antwort ist: "dann sind wir halt besser". Zumindest war das die richtige Antwort für Google, Facebook und Amazon - alle drei bekannterweise kaum 20 Jahre alt sind und bei weitem nicht die ersten Firmen in ihren entsprechenden Märkten.
Aber die richtige Antwort ist die falsche Antwort - zumindest für Investoren. Investoren wollen etwas handfestes. Ein Patent auf geistiges Eigentum.
Ich habe mich da immer drum gedrückt. Ein Patent ist erstens schwierig und zeitraubend, zweitens teuer, drittens fragwürdig in seiner Effizienz (wie leicht kann die Konkurrenz einfach drum rum bauen?) und selbst wenn man das alles überwunden hat, dann ist es immer noch Spiel für Anwälte und deren überhöhten Gehälter.
Jetzt haben wir aber gerade einen Batzen Geld von der Stadt bekommen - fällt Grund 2 weg.
Dass wir diesen Batzen Geld bekommen haben stand auch in einer Zeitschrift der Stadtverwaltung, also meldet sich ein Herr von einem anderen Teil der Stadtverwaltung spezialisiert auf Kommerzialisierung neuer Technologien und bietet seine Hilfe an. Hätten wir denn was zu patentieren?
...naja, haben wir.





Das kam so dass während eines Meetings mit einem Investor Ideen herum Geworfen wurden. Ideen sind schnell und billig und geben allen Beteiligten Optimismus und Motivation - Feel-Good-Time!
Der Investor wirft in die Runde dass wir Handgesten verwenden können um den Computer zu steuern. Brilliant! Naja, ehrlich gesagt einfach nur "gut", aber wir sind schon etwas Ideen-Trunken und der Mann hat uns gerade einen großen Haufen Geld gegeben.
Der Kater war dann das implementieren zu müssen.
Ich habe keine Ahnung wie man einem Computer beibringen kann Hand-Gesten zu erkennen.
Aber hey, ich lerne gerne. Also stehe ich jeden Morgen eine Stunde früher auf und büffel Online-Kurse über Künstliche Intelligenz. (Morgens bin ich mehr aufnahmefähig).
Eigentlich eine schöne Art den Morgen zu beginnen, und nach ein paar Monaten habe ich auch endlich die durchschlagende Idee, wie ich das hinkriegen kann!
Also programmiert, getestet, verbessert, wieder das Hirn gemartert, programmiert, ... und langsam wird es.


Und jetzt sitzt er uns gegenüber - Mr. O., vom Technologie-Kommerzialisierungs-Office der Stadt Osaka.
Wenn sie sich einen furchtbar netten aber auch furchtbar konfusen alten Japanischen Opa für eine Komödie ausdenken, dann ist er immer noch nur halb so nett, halb so konfus, halb so alt und halb so Japanisch wie Mr. O.
Also: haben wir etwas zu patentieren?
Grund-kein-Patent-zu-wollen Nr 1 ist weg, Nr.2 ist weg und irgendwie Bilde ich mir schon ein bisschen was ein auf meine Erfindung. Nr. 3...
... ääh, ja, wir haben was zu Patentieren.
Prima, da kennt er einen Anwalt!


Also nehme ich mir jeden Morgen eine Stunde Zeit um Patentrecht zu lernen, und jeden Abend ein paar Stunden um eine Japanische Patentschrift aufzusetzen.
Alle paar Wochen ein Meeting.
Hauptsächlich wird in jedem Meeting wieder klar, dass niemand meine Idee versteht. Aber jedes mal finde ich neue Wege das ganze noch einfacher und anschaulicher zu machen, was wiederrum die Patentschrift verbessert.
Es dauert trotzdem fast ein halbes Jahr - und das ist ein Riesen-Problem, denn ein Patent muss man innerhalb eines halben Jahres nach Erfindung einreichen.
Mir schwirrt der Kopf vor all dem Japanisch - meine Studien haben mich weder auf die mathematisch-technische noch auf die rechtliche Verwendung der Sprache je vorbereitet.
Mehr als einmal schaltet sich mein Gehirn während Meetings einfach ab - System Overload.
Glücklicherweise merkt der Japaner in unserem Team das jedes mal und springt schnell in die Bresche.
Am Ende will ich's einfach nur noch von meinem Tisch haben.
Gottverdammt schicken Sie's doch endlich ab! Ich kann echt nicht mehr und hab auch andere Sachen zu tun!
Halt, Moment - da ist noch ein Fehler!
Okay jetzt aber! Raus mit dem Mist!
Halleluja, endlich geschafft.
Ich werde bestimmt so schnell keine Patente mehr anmelden.


Mittwoch, 31. Juli 2019

Boss (19)

Also, was machen wir mit dem Geld dass uns die Stadt netterweise spendiert? Wir müssen etwas aufsehenerregendes machen. Etwas dass uns ins Gespräch bringt - und ein paar neue Kunden durch die Tür. Als erstes machen wir: einen Wettbewerb! Leute sollen zeigen was sie mit unserer Software tollen machen. Das sollen sie auf Facebook und Konsorten herumzeigen. Preis: eine Einladung nach Japan! Da können wir endlich mal unseren Heimvorteil voll ausspielen und bekommen so auch bisschen Face-to-Face Feedback.
Also: ich baue eine "Contest" Version, die es den Teilnehmern einfach macht sich bei der Arbeit zu filmen, und die Marketing-Jungs machen ein cooles Video von Osaka. Was es hier nicht alles zu sehen, zu tun, zu essen gibt. Glücklicherweise sind wir hier nahe an Kyoto dran, also werden die berühmten Tempel und Geishas auch gleich mit-beworben.

Dann wird das ganze Angekündigt und kräftig beworben. Reaktion: stille.
Na kommt schon, selbst ein Gratis-Trip nach Japan kann die Leute nicht motivieren mal ein bisschen was neues Auszuprobieren?! Die Zeit verstreicht und meine schlimmsten Befürchtungen scheinen wahr zu werden: wenn wir so einen großen Event ankündigen und dann keine ernst zu nehmenden Teilnehmer haben, keinen glorreichen Sieger küren können, dann müssen wir der Welt eingestehen das uns keiner haben will. Ist schlimm genug sich mit diesem Gedanken nach jeder Monatsabschlussrechnung im stillen Kammerl in den Schlaf zu weinen. Immerhin hat unser Branding nicht darunter gelitten. Aber jetzt?




Ich feuere mein Team an sich extra gut um die wenigen Teilnehmer zu kümmern und die zu ermutigen extra arbeit rein zu stecken! Leider sind die Teilnehmer alle besser im reden (und sich anfeuern lassen) als darin sich wirklich mal hinzusetzen und etwas zu machen. Wir verlängern sogar die Deadline noch etwas, aber irgendwann muss Schluss sein...
Der Laden um die Ecke hat neuerdings einen Bananen-Milch-Cocktail. Sowas wie einen White Russian, nur halt mit Banane. Riecht genau so wie die Bananen-Milch die ich oft während unseren Meetings trinke. Nun haben wir das Meeting in dem wir aus den wenigen Einsendungen den Besten aussuchen müssen. Na, auf geht's Jungs, zeigt was wir haben.... nee, also der schonmal nicht!
... nee, bitte...
... ich brauch nen Schluck Bananen-Milch... ahh...
... der nächste hat mit unserer Software ein Modell von Osaka Castle gebaut. Das ist immerhin ein netter Gag. Das Modell selbst besteht aber nur aus ein paar groben Blöcken.
... der nächste hat sogar ziemlich gute Arbeit geleistet. Leider ist das genau jener Holländer den wir erst vor ein paar Monaten eingeflogen haben damit er uns mit seiner Expertenmeinung weiter hilft. Wenn er jetzt gewinnt kriegen wir nicht nur kein neues Feedback, es riecht auch arg nach Vetternwirtschaft und zeigt der Welt wie wenige Fans wir haben. Also: doch die Osaka Burg?
Einen haben wir noch? Gut, zeig her.



5 Jahre habe ich mittlerweile an dieser Software gearbeitet (wenn auch immer wieder mit anderem Fokus und Zielsetzung). Irgendwie schon wie mein Kind. Mein kränkliches, von der Welt verabscheutes Kind. Das nun in die Hände eines Mannes gefallen ist, der sie so sehr lieben muss wie ich. Es ist einfach unfassbar was er damit geschaffen hat. Er hat ein solches Meisterwerk aus der Software heraus gekitzelt, dass sogar ich noch etwas lerne!
Wer ist der Kerl?! Ein Franzose? Natürlich ein Franzose - den besten Liebhaber den ein Papa sich für seine Software wünschen kann! Der Contest ist Entschieden! Bitte, sei mein Schwiegersohn und komm' zu uns nach Japan! Mein Gesicht ganz rot vor Freude! vor Erleichterung! vor Begeisterung! vor neuem Optimismus! (vor Bananenmilch)! Kanpai!



Sonntag, 30. Juni 2019

Boss (18)

Unsere Investorin will mal wieder dass wir uns für öffentliche Gelder bewerben.
Ist mir eigentlich nicht recht - solche Bewerbungen kosten viel Zeit und ob man unter den zahllosen Bewerbern dann ausgewählt wird ist mehr als fraglich - vor allem wenn man so eine kleine Möchtegern Firma ist.
Aber man kann auch schlecht seinen Investoren sagen: "Danke fürs Geld, jetzt lasst uns in Ruhe".
Also füllen wir erstmal die Form aus und werden immerhin für ein Gespräch eingeladen.
Es ist eine lokale Subvention der Stadt Osaka die hier örtliche Innovation fördern will und dabei auch mehr weltweite Aufmerksamkeit erhofft.
Mein Japanischer Team-Kollege hat das Formelle im Griff, also kann ich mich aufs "Einschmeicheln" konzentrieren.
Ich erzähle wie ich wärend meiner Zeit in Nara jedes Wochenende nach Osaka gefahren bin und mich in die Statdt verliebt habe.
Wie ich mich nach dem Abschluss gegen Tokyo und für Osaka entschieden habe, obwohl in Tokyo die Gehälter viel besser wären.
Wie unserer Technologie einem 3D-Designer mit Handgelenks-Schmerzen geholfen hat wieder Freude in seiner Arbeit zu finden, und wir ihn dann nach Osaka eingeladen haben.
Wir stellen unseren Plan vor, noch mehr Designer nach Osaka einzuladen und tolle Videos mit ihnen zu machen, die Weltweite Aufmerksamkeit erlangen werden (würden wenns nach uns ginge).
Und tatsächlich: wir kommen in die Auswahl-Runde!



Dieses Subventions-Dingen hat einen besonderen Twist: Erhalt des Geldes ist daran geknüpft eine bestimmte Anzahl "Fans" zu begeistern.
Und woran werden "Fans" gemessen? Facebook Follower. Willkommen im 21.Jahrhundert.
Und wie viele brauchen wir? Das Ziel müssen wir uns selbst stecken. Willkommen in Behörden-Denkweise - wir stecken unsere Ziele selber ohne Vorgaben.
Also sagen wir: wir wollen die 1000 Fan-Marke knacken. Dazu fehlen uns 200 Leute. Das ist ambitioniert genug um nicht frech zu sein und halbwegs realistisch. Wir haben ja einen Monat zeit. Ja, die neuen Fans müssen alle in dem einen Monat kommen. Nicht davor, nicht danach.
Unser Plan:
1) Wir hören auf Updates und Videos zu veröffentlichen, gehen auf Schleichfahrt
2) Wir geben unserer Software eine neue Versionsnummer (normalerweise gehöre ich zu den Leuten die alle neuen Features sofort zugänglich machen wollen, also ist die letzte 2.0 Version und die erste 3.0 version fast identisch).
3) Wir produzieren ein dickes Lauch Video.
4) Wir warten auf den Stichtag.
Stichtag. Ein schöner Montag Morgen um ein Video hochzuladen und auf Facebook ein paar Gruppen zu informieren dass wir jetzt "3.0" haben, und all unseren Freunden zu sagen sie sollen unsere Facebook-Page "liken".
Dann haben wir ein Meeting mit den Subventions-Leuten. Die haben ein bisschen sorgen dass wir die Ziele etwas hoch gesteckt haben.
Mein Handy hört das Summen nicht auf, also schalte ich Notifications irgendwann ab. Kann mich aber trotzdem nicht beherrschen immer wieder zu spicken. Bis zum Ende des Meetings haben wir 50 neue Follower. Die geplanten 200 haben wir am nächsten Morgen zusammen. Bis zum Ende des Monats schießen wir noch deutlich über unser Ziel hinaus.
Dazu lasse ich doch mal die Korken knallen. Wörtlich. Ich kaufe eine Flasche Sekt zum feiern und dem Team zu danken.
Das Team besteht aus Nerds die für Sekt nichts übrig haben - da wird nur genippt und dann heim gegangen um Videospiele zu Spielen. Ich verteile den Rest-Sekt unter anderen Leuten im Shared Office, vor allem mir selbst.


Freitag, 31. Mai 2019

Boss (17)

Mittlerweile bin ich vom Visums-Empfänger zum Visums-Sponsor geworden. Als Arbeitgeber gebe ich jetzt die Arbeitsstelle die anderen ihre Aufenthaltsberechtigung in Japan stellt. Interessant den Papierkrieg von dieser Seite auch mal kennen zu lernen. Interessant und nervig.
Auch werde ich vom vorlesungs-besuchenden Student zum Vorlesenden. Eine örtliche Uni läd mich und einen anderen Entrepreneur ein über Unternehmertum zu referieren. Eigentlich habe ich keine Zeit aber so ein bisschen Geld macht sich gut in der Buchhaltung. Und so kann ich die nächste Generation warnen diesen Mist auf keinen Fall zu probieren. Finger weg von Drogen und Start-Ups Kinder! Wobei, Drogen sind nicht so schlimm glaubich. Scheinbar ist meine Message nicht negativ genug - einer der Studenten kommt nach dem Vortrag zu mir und fragt ob wir nicht ein Praktikum anbieten würden. Er ist Holländer, ein aufgeweckter Bub. Würden wir ein Praktikum anbieten? Er macht einen guten Eindruck... Ja, warum nicht. Unbezahlte Arbeitskraft, hehehe, kann nicht viel Schief gehen. Prima! Seine Uni meldet sich dann bei mir um zu evaluieren ob die Firma qualifiziert ist, Hollands junge Hoffnungsträger zu unterweisen. Aeh, was? Mist. Dann wird ja bald raus kommen, das "der Deutsche und seine zwei Hanseln" keine richtige Firma sind.



Die Uni schickt mir also ein gutes Duzend Emails und ruft zweimal an. Ich erwarte dass sie mir bald sagen dass das sie mir keinen Studenten anvertrauen werden.
Sie melden sich wieder und sagen mir dass sie mir gerne noch 8 weitere Studenten anvertrauen würden.
Was?
Acht Informatik-Studenten sollten eigentlich ein Praktikum bei einer Firma in Tokyo absolvieren, aber die Firma ist in letzter Minute abgesprungen. Könnte ich da nicht einspringen? Wir sind nur drei Leute und haben schon einen Praktikanten. Naja, einen können wir vielleicht noch...
Ja gut dann schicken sie mir mal die Lebensläufe und wir verabreden Skype-Interviews damit ich mir den besten aussuchen kann...




Plötzlich bin ich in der Situation Job-Interviews abzuhalten. Was frage ich denn da? Da habe ich mir ja was schönes Eingebrockt mit meinem Vortrag.
Dann erinnere ich mich wieder dass ich vor 8 Jahren selbst mit einem Praktikum zuerst nach Japan gekommen bin. "Hat mein Leben grundlegend Verändert" ist ein Klischee, bis es dir passiert. Irgendwie kann ich also nach 8 Jahren etwas an die nächste Generation weiter geben. Auf einmal ist der Papierkrieg ein Visum zu beantragen eine richtige Freude - fast wie ein Gutschein-Geschenk-Karte: "1 ganz neues Leben für ".
Also auf gehts, der aufgeweckteste Holländer wird ausgewählt (früher oder später muss ich mich wohl eh daran gewöhnen Job-Interviews abzuhalten - besser ich fange mit Praktikanten an die NICHT ein Risiko für die Zukunft der Firma darstellen können) und so sind wir also plötzlich zu fünft...


Dienstag, 30. April 2019

Boss (16)

Die Flaute hört nicht auf.
Jede neue Markting Strategie, jedes neue Announcement, jedes neue Produktvideo - wieder Hoffnung auf den Durchbruch. Wieder Enttäuschung auf dem Konto.
Nicht das wir keine Reaktion kriegen würden. Reaktion kriegen wir. Sehr gute sogar. Nur halt nicht von Leuten die Kunden sein könnten. Wir sind aufs Feld getreten um mitzuspielen. Jetzt sind wir das Maskottchen geworden. Nein Danke, Ermutigungen und Ermunterungen kann man nicht essen.
"Deine Firma ist soo cool! Wir haben da diesen Start-up Contest! Da musst du unbedingt dabei sein!"
Ja, klar, sobald ich aufhöre Geld aus allen Körperöffnungen zu bluten. Naja, ist ja erst in ein paar Monaten. Bis dahin wird das neue Produktvideo an dem wir gerade arbeiten bestimmt die Lage verbessern. Also mal in die Liste eingetragen. Kann ja notfalls einfach nicht hin gehen.
Dann ist der Tag da und das neue Produktvideo hat mal wieder überhaupt nichts erreicht. Also gehe ich nicht hin.
"Wo bleibst du denn? Wir fangen an!!"
Oh, muss ich wohl vergessen haben, sorry. Jetzt bin ich wohl zu spät, was? Kann man nichts machen, schade, Tschüss.
"Nein, wir warten auf dich! Schnell, komm her!"
Ach Mist. Naja, lass ich mich halt in der Vorrunde rausschmeißen. Vielleicht kann ich zum Mittagessen wieder an der Arbeit sein.
Ich gebe die uninspirierteste Präsentation meines Lebens. Null Vorbereitung, und der Enthusiasmus sackt sogar in den negativen Bereich.
Sie werfen mich natürlich nicht raus. Bin ja das Maskottchen.
Dreck.
Sie bringen uns in den Raum in dem der "Main Event" stattfinden wird. Mit Publikum. Großem Publikum. Ohhhhh Dreck. Rausfliegen ist eine Sache, aber in einem Saal voller Menschen...
Ich muss zumindest schnell einen gescheiten Pitch schreiben. Also schaue ich mir (zum erstem mal) die Website für diesen Event an. In den 40 Minuten die mir bleiben tippe ich auf meinem Smartphone einen Vortrag und versuche ihn auswendig zu lernen. Zeit ist um!



Thema dieser Show ist "in den Ring steigen". Es treten immer zwei Jungunternehmer gegeneinander an und versuchen ihre Firma besser darzustellen als die Konkurrenz. Dafür haben sie extra einen Boxring aufgebaut. Mann, ich wünschte ich dürfte wirklich mich wirklich einfach prügeln. Wenigstens sind die Vorträge alle auf Englisch. In Japan heißt das: Heimvorteil!
Dann legt mein Kontrahent los. In 6 Jahren hier habe ich keinen Japaner so sauberes und akzentfreies Englisch sprechen hören. Heimvorteil für den Arsch. Natürlich ist seine Firma auch viel größer und Erfolgreicher als meine. Aber ehrlich: weniger Erfolgreich könnte er auch nicht sein.
Ich versuche mein Bestes um wenigstens auf der "Leidenschaft und Vision für die Zukunft" Skala zu punkten.
Tatsächlich komme ich damit gut an. Erster Knock-Out. Weiter in die zweite Runde. Wollte ich überhaupt eine Runde weiter kommen?

Die zweite Runde ist auch schon das Finale in meiner Gewichtsklasse (nach Firmengröße - wobei ich glaube dass die Veranstalter mein Stammkapital falsch eingeordnet haben um mich überhaupt mitmachen lassen  zu können. Osaka ist halt nicht so ein heißes Start-Up Pflaster. Da muss man nehmen wen man kriegen kann.
Mein neuer Kontrahent entwickelt eine Smartphone App. Ha, wie langweilig. Da kann ich bestimmt mit meinem VR-Zeug Eindruck schinden! Das Problem ist, dass ein Smartphone in die Hosentasche passt und jeder eines dabei hat - und er eine Live-Demonstration auf der Bühne durchziehen kann. Nja, das war's wohl. Aber bevor ich rausgeworfen werde gebe ich dir noch einen Nierenhaken, Freundchen! Ich weise freundlich darauf hin, dass sein Service auf der Liste der Dinge seht, die vermutlich bald von einer Künstlichen Intelligenz erledigt werden kann (zu diesem Zeitpunkt ist das angeblich fast alles). Mein Start-Up dagegen ist für kreative Schöpfer, und Kreativität - dass wird für immer dem Menschen vorbehalten sein!
Selber weiß ich leider zu viel über KI um zu wissen dass das so nicht passieren wird.
Aber das Publikum und die Ringrichter nicht. Knock-out! Mein Maskottchen-Kostüm hat Stahlhandschuhe!

Irgendwie habe ich es geschafft mit Null Vorbereitung und einer scheiternden Firma der Fliegengewichts-Unternehmer-Champion von Osaka zu werden. Kannst du gar nicht ausdenken.
Und jetzt?
Jetzt schicken sie mich zur Weltmeisterschaft! Nach Portugal! Ich wollte heute noch nicht mal mein Haus verlassen (was ich auch geschafft hätte wenn sie mich nicht quasi genötigt hätten). Jetzt gehe ich nach Portugal. Zusammen mit dem Schwergewichts-Champion. Der ist übrigens Schwede.
Japan, du mußt mal aufhören Ausländer als Maskottchen vorn aufs Spielfeld zu stellen.