Mittwoch, 14. Oktober 2020

Donnerstag, 30. Juli 2020

Pura

Als ich gerade frisch in Japan angekommen bin, war einer der ersten Sätze den ich mir eingeprägt habe: "Danke ich brauche keine Einkaufstüte".
Musste man immer dran denken. Sonst würde ein Verkäufer nie die Schande begehen einem nicht alles in eine Plastiktüte zu packen.
Natürlich kann man Plastiktüten weiterverwenden, spätestens als Mülltüten (das Müll einfach zum Abholen an den Straßenrand gelegt wird habe ich ja schonmal erwähnt). Aber man kann auch nur begrenzt viele Mülltüten brauchen.
In neue Wohnung eingezogen. Voll möbliert vom Vormieter übernommen. Findet man also alles. Hier der Staubsauger, dort der Abfluss-Frei, hier die 20 liter fassende Schublade randvoll mit Plastiktüten die man bestimmt nochmal irgendwann für irgendwas verwendet. Kennt jeder.
Naja, zumindest jeder Ausländer. Japaner stopfen ihre Plastiktüten nicht einfach so in eine Schublade.
Glaube ich zumindest, ausgehend von meiner begrenzten Erfahrung Damen zum gemeinsam-Abend-Essen-Kochen einzuladen (Japanerinnen lieben Käsespätzle), und dann am nächsten Morgen die Einkaufstüte fein säuberlich in ein kleines Dreieck zusammengefaltet vorzufinden. Ob auch japanische Männer dieses Trash-bag-Origami beherrschen weiss ich leider nicht.


Aber warum erzähle ich das?
Weil damit jetzt Schluss ist! Seit dem 1.7. gilt ein neues Gesetz das Kostenlose Plastiktüten illegal macht. Der Verkäufer muss also jetzt immer fragen ob man man eine Plastiktüte will.
Und obwohl die nur 2 Cent kosten würden sagen die meisten überraschenderweise Nein Danke.
überraschenderweise weil ich nie einen Japaner "Nein Danke" sagen hören hab als sie noch nicht gefragt wurden.
Scheinbar wurde die unhöflichkeit eine geschenkte Tüte abzulehnen nicht so leicht übers herz gebracht... oder den Leuten sind 2 Cent mehr wert als die Umwelt. Jedenfalls wirkt das Gesetz.

Leider sind die Tüten nur ein Teil des Problems. Da bei mir Müll getrennt wird sehe ich leider sehr deutlich, dass Plastik den größten Anteil ausmacht. Gefolgt von Tetra-Packs.
Bekannt und oft angeprangert wird ja, dass in Japan in jeder Packung Kekse, jedes Paar Kekse nochmal extra eingeschweißt wird. Alle sagen, das ist voll die Verschwendung. Die haben alle keine Ahnung. Die eigentliche Verschwendung ist nicht das Pärchen-Päckchen, sondern die 40-Kekse-Umverpackung.
Ich esse durchschnittlich einen Keks am Tag. Im schwül-heißen Sommer ist die Haltbarkeit einer angebrochenen Kekspackung etwa 2 Tage, und der zweite Tag hat schon leichten Pudding-Flair. Zu verlangen die Pärchen-Packungen aufzuhören ist also reiner Wahnsinn wenn man nicht den Tauben auf dem Balkon 38 Kekse spendieren will.


Ist nicht so als ob mir die Umwelt nicht am Herzen läge. Habe extra das Fleisch und Fisch Essen aufgehört für die Natur (Naja, für die Tauben würde ich eine Ausnahme machen, aber die sehen schon arg Schadstoffbelastet aus). Jetzt Esse ich also nur noch Tofu-Tier. Das stellt mich vor neue Probleme, denn Tofu wird immer stückweise in Plastikschalen verkauft. Und wenn sich die Schalen so stapeln frage ich mich ob ich damit der Natur so einen grossen Dienst erweise.
Verpackungslose Läden gibt es hier überhaupt nicht. Wüsste aber auch nicht wie das bei Tofu funktionieren soll. Japanischer Tofu ist so zart dass er in der Hand zerbricht - schwierig den in eine Doggy-Bag zu packen.
Wie mans macht macht mans falsch.
Ich freue mich jedenfalls das die Schublade sich langsam aber sicher leert. Wird dann bald Platz für wichtigere Dinge bieten. Bei der aktuellen Geschwindigkeit vielleicht schon nächstes Jahr.


Dienstag, 30. Juni 2020

Boss (29)

Ich hasse den Monatsanfang.
Pünktlich wenn der Kalender von der 3X auf die 1 umschlägt kriege ich wieder Depression.
Für eine Woche habe ich keinen Bock auf gar nichts mehr, drängel mich irgendwie durch die Tage und versuche mit niemandem zu reden.
Der Grund ist dass ich meine Buchhaltung selber mache.
Nicht das Buchhalten selbst - Zahlen-Schubsen ist meine Leidenschaft.
Sondern dass hier das phantomhafte Unbehagen das mich den ganzen Monat nur aus der ferne an-stiert sich wie ein Gespenst in Zahlen materialisiert:
auch diesen Monat, egal wie sehr ich mich auch bemüht habe, haben wir wieder Geld verloren.
Doch nicht diesmal.
Diesen Monat ist Halloween.
Halloween, exakt 5 Jahre nachdem ich an jenem Morgen des 1. Oktober beschlossen habe eine Firma zu gründen.
Dank meinem Zweit-Job - der mehr Geld einbringt als ich mir wünschen könnte - und einigen guten Produkt-Verkäufen bin ich positiv. Diesmal wird es reichen gerade so schwarze Zahlen zu schreiben!
Ich bin so aufgeregt dass ich die ganzen Abschlußrechnungen schon am 31. mache.
Und nachdem ich alle Daten in die Software eingegeben habe, sehe ich den Endbetrag.
Und der ist gar nicht mal so klein.
Und rot.
Tief rot.
Es war nichtmal knapp.
Ich würde hier gerne einen cleveren Vergleich schreiben wie ich mich gefühlt habe, aber ich habe einfach gar nichts mehr gefühlt.




Ich muss gar nicht mal nachschauen um zu wissen wo ich das ganze Geld wieder verloren habe: Gehälter.
Ich kann zwar mehr Geld in die Firma rein schaufeln als ich fressen kann, aber ich bin ja nicht der einzige Mitesser.
Das ist wohl das bittere Ende das auf 90% aller Start-Ups wartet: der unweigerliche Bankrott. Kann ich nur noch ausharren bis zum Ende.

Nein.
Nein, dafür habe ich mich nicht 5 Jahre lang abgeschuftet!
Das Ding hat noch Zukunft!
Ich setze meinen beiden Angestellten ein Ultimatum:
entweder ihr findet in den nächsten Monaten einen Weg der Firma mehr einzubringen als ihr kostet, oder ihr müsst gehen.
Sehen sie ein und stimmen mir zu dass das die beste Lösung für alle ist. Schließlich wollen sie sich auch nicht als Parasiten fühlen.
Ich lasse ihnen alle Optionen wie sie das anstellen wollen und unterstütze sie so gut ich kann.
Sie machen einen Plan und machen sich an die Arbeit.

Der eine konzentriert sich aufs Fund-Raising: Neue Investoren finden.
Wie das lief habe ich ja im letzten Eintrag schon geschrieben.
Er war nur ein knappes Jahr im Team und hatte es eh nie als etwas dauerhaftes gesehen.
Kein Drama. War'n Versuch wert.



Der Andere sucht sich auch noch einen Nebenjob mit dem er Geld einbringt.
Gerade soviel wie sein Gehalt ist.
Leider kostet er mehr als sein Gehalt ist - schließlich zahlt die Firma 50% seiner Versicherungs- und Rentenbeiträge.
Dafür arbeitet er 40 Stunden die Woche an seinem Nebenjob - in einer anderen Stadt. Und praktisch gar nicht mehr unseren Produkten.
Ich ermahne ihn jeden Monat dass er seinem Nebenjob entweder mehr Bezahlung heraus verhandeln soll oder weniger Arbeitszeit. Kann ja nicht sein dass unsere Firma im Endeffekt deren Firma subventionierte Arbeitskraft stellt und damit nur Verlust macht.
Jeden Monat sagt er mir dass da leider nichts zu machen wäre.
Als das Ultimatum zu Ende geht, texten wir hin und her was wir nun tun.
Er meint, wenn er bei der anderen Firma Angestellter wäre (statt Externer) würden sie ihm auch mehr bezahlen.

Kann man nichts machen, oder?
Ja, kann man wohl nichts machen.

Drei Jahre ist es her dass er Angeheuert hat.
Angestellter Nr. 1, jetzt: Letzter der geht.
Ich lege mein Handy beiseite.
Auf einmal ist es ganz still in meinem Zimmer.
Obwohl es bitterkalt ist in meiner Wohnung, wird mir plötzlich warm. Jemand hat eine heiße helle Glühbirne in meiner Brust angeknipst.
Es ist Vorbei! Keine Verantwortung mehr (außer für mich selbst), keine Verluste mehr (außer mir selbst).
Allein sein war noch nie so schön!
Ich fange an zu tanzen. Hüpfe durch meine Wohnung. Singe laut mit zu dem albernsten Song den YouTube zu bieten hat. Werfe meine Klamotten von mir. Springe unter die kalte Dusche.
Ich habe eine zweite Chance.
Diesmal zieh' ich's richtig auf!
Habe große Pläne und noch größere Motivation!
Ich-AG 2.0, ich komme! (Erstmal nur ich, aber ich bin erstmal genug.)



Samstag, 30. Mai 2020

Boss (28)

Es wurde langsam aber sicher offensichtlich dass, egal was wir tun unsere Verkaufszahlen werden nicht schnell genug steigen um rechtzeitig unsere Ausgaben zu decken... bevor wir bankrott gehen.
Kein Problem - das passiert Start-Ups andauernd.
Die Lösung ist einfach mehr Investitionsgelder anzunehmen. Man nennt das dann "Series A", "Series B", "... C". Bis zum Ende des Alphabets bleibt uns also noch Zeit.
Das wichtige ist nur wie man sich den neuen Investoren darstellt.
"Wir verlieren seit Jahren anderer Leute Geld. Wenn Sie wollen können wir bald auch Ihr Geld verlieren. Nein?".
Wir sind praktisch ein Flugzeug dass nicht vom Boden weggekommen ist und jetzt nach mehr Sprit und einer längeren Startbahn fragt.
Also versuchen wir einen "Pivot" - so nennt man dass wenn ein StartUp sich spontan umentscheidet was es eigentlich machen will.
"Wir verlieren seit Jahren anderer Leute Geld, und haben dadurch gelernt was man NICHT macht. Mit Ihrem Geld machen wir's jetzt richtig!"
Das passt für uns ziemlich gut, weil wir die KI die wir als Feature für unser erstes Produkt entwickelt haben gerne auch an andere Entwickler verkaufen wollen. Und ein Patent darauf haben wir ja auch.
Während ich also Geld aus einer anderen Firma in unseren Kessel schaufel und nebenher unsere Software weiter entwickel bekommen die anderen beiden den Auftrag neue Investoren zu finden.





Und da finden sie Allerhand - Start-Ups die Geld suchen und Investoren die Start-Ups suchen ist ein besseres Business als Heiratsvermittlung. Wir verlieren vor potentiellen Gatten bald den Überblick.
Manche machen ein richtiges Curriculum daraus. Ein mehr-monatiger "Accelerator" bei dem die eigene Firma auf Vordermann gebracht wird, und am Ende - wenn man sich gut anstellt - kriegt man einen Batzen Geld investiert. Toll, fast wie diese Dating Shows im Fernsehen. Da lass ich mich doch gerne hübsch machen. Und laut der Website gibt es sogar ein "Stipendium". Toll. ähh, wofür?
Ich muss die kopletten AGBs durchforsten bis ich irgendwo zwischen den Zeilen finde dass die Teilnahme nicht kostenlos ist. Und zwar bei weitem. Also nochmal: man soll Geld für deren Kurs Zahlen damit man am Ende vielleicht Geld investiert kriegt? Darf ich vielleicht die Kursgebur gleich in Aktien Bezahlen? Nein?




Wir bekommen auch nochmal ein Meeting mit alten Investoren. Der kennt sich aus im Geschäft und kann uns Bestimmt Tipps geben.
Hat voll die Erfahrung, hat er. Wie viel Erfahrung? Nah, stellt sich heraus dass er gerade erst vor einem Monat in eine Konkurrenz-Firma investiert hat die genau dasselbe Produkt entwickeln will.
Wie bitte?
Ja wußte er ja nicht, dass wir in denselben Markt einsteigen wollen... wollten... eigentlich schon drin sind.
Kurzer cineastischer Flash-Back: er war derjenige der das Feature das wir jetzt vermarkten wollen vor jahren vorgeschlagen hat.
Scheinbar hat er nie meine emails gelesen dass wir das auch wirklich umgesetzt haben.
Er ist ein bisschen konsterniert, weil unser Pitch deutlich besser ist. Die anderen hatten wohl nur ein Konzept-Video - kein Produkt, kein Patent. Und selbst das video war wohl nicht so gut wie unseres.
Klar verständlich dass sie damit nur schlappe andernhalb Millionen Dollar bekommen haben.
Mein Leben ist schon irgendwie eine Komödie. Kann ich darin ne andere Rolle kriegen bitte?
Aber hey, wenn er die Jungs kennt dann sollte er uns mal vorstellen! Macht ja keinen Sinn dass sich zwei seiner Firmen Konkurrenz machen. Und die sind doch bestimmt an unserer Technologie interessiert. "Tausche: Produkt, das ihr Verspochen habt gegen: Geld, das ihr bekommen habt."
Tolle Idee! Wird er machen. Sagt er. Macht er aber nie.
Immerhin beruhigt es mich das ihm das Geld das er in beide Firmen investiert hat wohl soweit egal ist.


Donnerstag, 30. April 2020

Corona-chan

Haben Sie gedacht Sie könnten dem ständigen Pandemie-Gezwitscher entkommen und sich etwas mit den Abenteuern eines Jungunternehmers ablenken? Hat der Jungunternehmer auch gedacht. Aber dann kam Corona-chan zu Besuch.


Es ist Anfang April und nachdem die erste Welle der Panik-Klopapier-Käufe vorüber gegangen ist hat sich scheinbar alles wieder normalisiert.
Ja, die Schulen sind zu und Leute werden angehalten von zu Hause zu arbeiten wenn sie können, aber in Japan sind die Firmen da nicht so fortschrittlich.
Die Fallzahlen sind niedrig, die meisten Geschäfte haben geöffnet, und die Leute freuen sich auf die Kirschblüte.
Laut einem Bekannten haben in Mittelgroßen Städten wie Nagoya sogar die Nachtclubs noch offen.
In Osaka ist das Nachtleben etwas reduziert, aber noch lebendig. Angeblich, weil auch das weiß ich nur aus zweiter Hand.
Ich habe die letzten Monate ziemlich schuften müssen um die Firma umzustrukturieren. Da blieb keine Zeit auszugehen. Doch es hat sich bezahlt gemacht - die Aussicht für dieses Jahr sind rosig. Heute noch eine neue Version unserer Software veröffentlichen, endlich fertig! Jetzt kann ich endlich all die Dinge tun die ich ewig vor mir her geschoben habe. Werde gleich morgen ausgehen und alles genießen was das Land so zu bieten hat. Heute ist schon zu spät. Ich lasse den Tag mit einem entspannten Training im Gym ausklingen.
Die Fernseher im Gym unterbrechen mein Training mit einer Sondermeldung. Premierminister Abe verhängt den Ausnahmezustand über alle Großstädte.
Tolles Timing Abe, ganz tolles Timing.
Eine knappe Woche später wird es auf ganz Japan ausgeweitet.


Am nächsten Morgen sieht die Welt noch gar nicht so viel anders aus - in dem Stadtteil in dem ich Wohne scheint alles normal. Bis ich mal in die Innenstadt radel. Jenseits der Osaka-Burg (die noch komplett mit Joggern und Familien überlaufen ist) nimmt die Personendichte stark ab. Die üblichen Touristen- und Party-Hotspots sind leer gefegt.

Politiker geben sich proaktiv! Premier Abe verspricht sofort jedem Haushalt zwei Atem-Masken! Zwei. Keine Ahnung wie er auf die Zahl kommt. Wahrscheinlich eine für Papa damit er weiter in die Arbeit gehen kann und eine für Mama zum Einkaufen gehen. Die meisten Japaner horten schon seit Monaten dutzende Masken. Bis die Masken ausgeliefert werden muß es natürlich zu Verzögerungen kommen und einen Skandal über den Preis und die undurchsichtige Auftragsvergabe und niedrige Qualität geben.
Ich habe meine zwei Masken (ich bin ja ein Haushalt, also sowohl Mama als auch Papa, verdiene also auch zwei Masken) Ende April immer noch nicht. Mittlerweile gibt's Masken wieder an jeder Straßenecke zu kaufen. Immerhin habe alle hinter ihren Masken herzlich über Abe lachen können. Aufheiterung ist in Zeiten der Krise ja auch was wert.

Aber Ansteckungs-Prävention ist nicht das einzige das Politiker tun! Ein finanzielles Hilfspaket wird geschnürt. Haushalte die nach bestimmten Regeln bestimmte Einkommensverluste vorweisen können (und die Regeln verstehen) bekommen bis zu 300.000 Yen (etwa 2500 EUR). Sofort wird angeklagt das die Regeln zu kompliziert und zu strickt sind und der bürokratische Aufwand die Beamten (die auch auch besser Zuhause bleiben sollten) komplett überlasten würden. Also Planänderung: jeder bekommt 100.000 Yen (1115 EUR). Also jeder, egal wie arm oder reich, egal ob mit Job oder ohne. Auch Ausländer, sofern sie hier Wohnen. Wir warten noch ob das wirklich passiert,
aber für Leute die ihren Job verloren haben, gibt’s ja Arbeitslosengeld. Also wenn man einbezahlt hat. Leute die das nicht haben sind: ich (weil ich Unternehmer bin, kein Angestellter), Besitzer von Kneipen (selber Grund), alle die sich im Nachleben verdingen (weil da haben sie's scheinbar nicht so mit Angestellten anmelden). Verständlich dass wir da alle gerne weiter arbeiten würden, sofern noch Kundschaft da ist.
Vielleicht anderweitig Präventionsmaßnahmen finden um weiter offen zu haben - in Conbinis und Supermärkten hängen sie jetzt Plastik-Planen vor den Kassierern auf, damit die nicht angehustet werden können. Ob so etwas auch in einer Kneipe klappen koennte?


Strafen gibt es übrigens nicht wenn man nicht mitspielt beim Verstecken spielen. Scheinbar lässt dass das Japanische Recht sowas nicht so ohne weiteres zu. Die meisten Japaner spielen halt freiwillig mit wenn ihnen die Regierung sagt dass alle Geschäfte schließen sollten die nicht unverzichtbar sind.
Aber was heißt schon unverzichtbar.
Beim spazieren gehen spreche ich eine junge Frau an. Die ist gerade auf dem Weg in die Arbeit. Um die Uhrzeit am Wochenende? Was arbeitet sie denn? Prostitution. ... manche haben halt immer offen.
Gottseidank ist das Glücksspiel in Japan illegal - damit könnten die Leute bestimmt auch nicht aufhören. Pachinko ist natürlich kein Glücksspiel, zwinker, zwinker, also völlig legal und auch ganz bestimmt nicht suchterregend, gell?
Die meisten Pachinko-Hallen haben zwar mittlerweile zu gemacht, aber ein paar sture Betreiber trotzen den Weisungen der Regierung.
Japanische Lösung: der Gouverneur von Osaka mahnt die trotzigen Läden öffentlich im Fernsehen, namentlich und mit Nennung des Stadtteils.
Effekt: zwei der 5 Läden knicken ein und machen zu.
Einer der Läden kommt am nächsten Tag ins Fernsehen weil sich jetzt so lange Schlangen vor den geöffneten Toren bilden dass man schon seine Gesundheit verlieren kann bevor man überhaupt anfängt sein Geld zu verlieren.
Vielleicht war das nicht so clever den Spielsüchtigen von Oska zu sagen wo sie noch zocken können.

Ich bin einfach im falschen Business. Man hätte so viel Geld machen können.
Neuester Trend: Anhänger die man sich um den Hals hängen kann die den Virus stoppen!
Hochwissenschaftlich! Der Filter im Anhänger killt alle Viren!
Wieso der Virus erst durch einen Filter in einem Anhänger vor meiner Brust gehen will bevor er in meine Atemwege kommt ist mir nicht klar,
aber die rechteckigen Anhänger erinner mich stark an O-Mamori, die kleinen Beutel mit gesegneten Texten die man bei Tempeln kaufen kann und einem Glück versprechen. Vielleicht werden demnächst ein paar Mantras veröffentlicht die man vor sich hin plappern kann um sich zu schützen. Ohhmmmmmmmmpfstoff für die Seele.

Dienstag, 31. März 2020

Boss (27)

Ein beliebter Spruch in der Gründerszene ist: "ein Start-Up gründen ist wie von einer Klippe springen und versuchen auf dem Weg nach unten ein Flugzeug zu bauen". Damit ist gemeint daß Geld verlieren am Anfang normal ist. Solange man halt noch welches hat. Zwei Jahre nach meinem letzen "Aufwind" (Investorengeld) scheint der Boden jetzt unangenehm nahe zu kommen. Dabei gibt es durchaus Zeichen daß sich die Situation langsam verbessert. Nur halt nicht schnell genug. Ich muß irgendwie langsamer Fallen. Nur wie?


Eine Sache die sich im Leben ändert wenn man eine Firma gründet ist, dass man besseren SPAM bekommt. Statt russischer Damen in deiner Umgebung bekommt man jetzt russische Herren. Also Programmierer und andere Dienstleistungen. Einmal habe ich das sogar ausprobiert (also die Herren, nicht die Damen jetzt), war aber mit dem Kosten-Nutzen Verhältnis überhaupt nicht zufrieden. Vielleicht kann ich den Spieß ja umdrehen und selbst mal für hohe Kosten nutzlos sein. Mein Trumpf ist dass ich in Japan bin und Japanisch spreche, also den Japanischen Outsourcing-Markt bedienen kann. Gyomu-Itaku heißt das hier, und nachdem ich nicht weiß wo ich selbst anfangen soll wende ich mich ein eine Vermittler-Firma. Ich schreibe also einen Lebenslauf und fange mal nebenher an mich vermitteln zu lassen. Kann ja einige Zeit und ein paar Versuche dafür bis ich etwas kriege.
Ich brauche genau eine Woche und einen Versuch bis ich etwas habe.
Ich unterschreibe also den Vertrag das meine Firma (ich) einen Angestellten (mich) temporär ins Office einer anderen Firma schicken wird. Ich bin die Hure und ich bin der Zuhälter. Aber natürlich geht nichts im dreckigen Business ohne Schmiere, also sitzen noch zwei "Outsourcing Vermittler" dazwischen. Ja, sind jetzt schon zwei. Mein Vermittler hat mich nur weiter vermittelt an jemanden der mich weiter vermittelt. Jeder hält die Hand auf. Aber hey, am Ende kommt noch mehr Geld bei mir an als meine trägen Verkaufszahlen - was irgendwie deprimierend ist, also denke ich nicht darüber nach.


Mein Tagesablauf ändert sich nun - nicht in absoluter Arbeits-Leistung, aber er wird etwas rigider. Ich stehe um 6:00 auf und arbeite beim Frühstück an unserer Produktpalette. Dann Radel ich noch im Pyjama durch die Sommer-Hitze, dusche im FitnessCenter um die Ecke, Arbeite von 8:30 bis 18:30, renne in unserem Office vorbei um mit dem Team die Lage zu besprechen und Bürokram zu erledigen, auf dem Heimweg wieder im FitnessCenter vorbei, Streß abbauen, dann Zuhause nochmal an die Arbeit solange ich mich noch konzentrieren kann, falle ins Bett, schlafe 6 Stunden und wiederhole das ganze. Freue mich aufs Wochenende wo ich wieder von Zuhause arbeiten kann.
Wie gesagt, von der Arbeitslast her überhaupt kein Problem.
Nur psychologisch ist die Situation etwas schwer verdaulich.
Klar, von einer Seite aus gesehen rette ich meine Firma.
Kann man aber auch anders herum sehen:
Ich arbeite Vollzeit für ein Gehalt von dem ich nur träumen kann, nur um dann in meiner Freizeit noch härter zu arbeiten und dabei alles wieder zu verlieren.
Ich spaße dass ich normale Leute mit meiner Ausbildung und in meinem Alter ja eine Frau und zwei Kinder durchbringen - ich habe halt eine Firma und zwei Angestellte. Aber ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Schließlich habe ich die Firma ja auch deswegen gegründet damit ich NICHT Code-Monkey für Cheffe spielen muss.
Jetzt habe ich das schlimmste beider Welten.
Was dem ganzen aber die Krone aufsetzt ist als ich herausfinde dass das Projekt das ich dort übernehme aus öffentlichen Geldern finanziert wird.
Also nochmal: Japans Regierung will das etwas gemacht wird. Also zahlen sie Firma X die Entwickler-Kosten. Firma X gibt einen Teil davon an Outsourcing-Vermittler A, der zahlt Outsourcing-Vermittler B, der bezahlt mich dafür das ich das mache. Das diese Pipeline gewaltig leckt ist wohl klar. In einem Meeting bekomme ich mal das ursprüngliche Dokument zu sehen mit der Firma X sich um die Gelder beworben hat. Und beschließe bei nächster Gelegenheit zumindest mal die Arbeit und den Outsourcing Vermittler zu wechseln. Wie kann die Japanische Regierung glauben dass ein Programmierer im Monat so viel Kostet? Oder... wäre dass das Gehalt dass ich eigentlich hätte haben können wenn ich keine Firma gegründet hätte? Das Leben das ich nie hatte zieht nochmal an mir vorüber. Aber nur kurz - muß noch im Buro vorbei, meine Angestellten aufheitern, Steuerformulare ausfüllen. Noch drei Tage, dann ist endlich Wochenende und ich habe wieder Zeit an unserer Produktpalette arbeiten.

Samstag, 29. Februar 2020

Boss (26)


Oh, ich habe ja nie das Ende der Geschichte von meinem "Box-Kampf wer der beste StartUp CEO ist" fertig erzählt.
Naja, dann spulen wir halt nochmal die Zeit zurück.
Ich werde also nach Portugal geschickt - kein ganz kurzer Trip. Aber ich nutze die Zeit um meinen Pitch zu verfeinern und kräftig zu üben. Zwischen Klo und Kombüse erkläre ich dem 30cm Bullauge in der Tür warum mein StartUp das beste StartUp in diesem Flugzeug ist - mit Flüsterstimme, aber vollem Körpereinsatz. Ich hoffe ich werde nicht für geistig Verwirrt gehalten - oder zumindest nicht mehr geistig Verwirrt als ich mich fühle.



Angekommen, besteht der erste Tag aus Leute treffen - andere Teilnehmer, Veranstalter, und auch die Gewinner vom letzten Jahr sind dabei. Ein energetischer Israeli, der Protein aus Heuschrecken will. Er betont das Heuschrecken sowohl Koscher als auch Halal seien, gesund, kostengünstig und umweltfreundlich zu produzieren. Ich bin schon seit dem Wort "Protein" vollstens überzeugt gewesen. Wo kann ich sein Heuschrecken-Pulver kaufen? Leider verkauft er nur an den Großhandel zur Weiterverarbeitung. Zum Trost gibt er mir eine Heuschrecke. Kannst du so essen, versichert er mir. Ich esse sie so. Sehr trocken, aber vom Geschmack nicht schlecht.

Es gibt auch eine Menge Meetings mit möglichen Investoren. Leider sind wir zu diesem Zeitpunkt nicht auf der Suche nach Investoren. Wir suchen nach Kunden. Kunden werden will keiner. Aber hey, immerhin habe ich eine gratis Heuschrecke bekommen - und noch die Chance Weltmeister im "mit-meiner-Firma-Angeben" zu werden.



Zweiter Tag - die Vorauswahl für's Finale. Morgens früh raus - Joggen. Sport beruhigt die Nerven (und das Gewissen - nach den Übermengen leckerem Essen dass wir am Vorabend serviert bekommen haben). Also renne ich vor Sonnenaufgang durch einen Portugiesischen Vorort.
Der Park um die Ecke hat so etwas wie ein kleines Amphitheater, ein runder Sandplatz mit stufenweisen Steinen auf einer Hälfte, vielleicht 20 Meter im Durchmesser.
Ich bleibe in der Mitte des Platzes keuchend stehen und schaue im Halbdunkel des Morgengrauens über die leeren Sitzreihen.
Ich ahmte tief durch, richte mich auf, und trage meinen Pitch der versammelten Niemandschaft vor.
Tosende Stille.
Ich renne weiter, wiederhole das ganze noch drei mal und fühle mich dann endlich Selbstsicher genug Heim zu rennen und zu duschen.

Auch als ich am Austragungsort ankomme wiederhole ich bis zuletzt meinen Vortrag und mein Arsenal vorbereiteter Argumente in meinem Kopf. Dann ist der Moment da. Die Vorauswahl wird in einer alten Portugiesischen Festung abgehalten. Ich laufe die Stufen vom Austragungsort hinauf. Dort warten schon drei Richter auf mich. Und.... LOS!
Flüssig und Selbstbewußt präsentiere ich mein Business. Die Richter sind nicht schlecht beeindruckt, müssen aber natürlich trotzdem fiese Fragen stellen.
Ha! Hab ich vorbereitet! Ihre Zweifel werden abgeschmettert und umgelenkt sodass sie am Ende noch die Stärken meiner Geschäftsidee hervor heben! DING DING DING! Zeit um.
Easy! Mit angemessener Überheblichkeit laufe ich die Treppe wieder herunter. Da hole ich mir doch erstmal einen Kaffee und etwas Gebäck.


Dann die Zweite Runde - nach der ersten kann das ja nicht mehr schief gehen. Oder?
Obs daran lag dass ich nicht mehr bis zuletzt an meinem Kopf geübt habe? Oder an der Hitze? Gleich beim Einstieg lege ich einen Fehlstart hin - Mist! Aufrappeln und nochmal von vorn! Verhaspel mich aber in der Mitte gleich nochmal. Was ist plötzlich los mit mir?! Die Fragen kriege ich zwar noch halbwegs beantwortet, aber mein Showmanship ist dahin - DING DING DING verdammt!

Als dann Abends die Ergebnisse der Vorauswahl verkündet werden, sind zwei Dinge klar.
Ich werde nicht im Finale antreten. Und ich habe mir den Sonnenbrand meines Lebens geholt.
Naja, dafür gibt’s hier ja unbegrenzt kostenlosen Alkohol. Mein Japanischer Landsmann der Schwede ist hat's auch nicht geschafft. Da bin ich wenigstens nicht der einzige der Harakiri begehen muss wenn wir Heim kommen.
Und überhaupt, dafür dass ich nie überhaupt nur an diesem Event teilnehmen wollte habe ich's relativ weit geschafft und einen kostenlosen Trip nach Portugal bekommen.
Also genieße ich den letzten Tag mit meiner Mutter in Lissabon. Mit Portugiesischem Essen - nicht Heuschrecken.



Freitag, 31. Januar 2020

Boss (25)

VR ist ein schlechter Markt. Nicht an sich, sondern weil er groß angekündigt war als "das nächste große Ding". Sprich: jeder hat sich einen Ozean vorgestellt - mit Millionen begeisterter Kunden und massiv Kapital. Bekommen haben wir ein Planschbecken. Jetzt sitzen wir also eng gedrängt in unserem Kinder-Becken und gleichen den Wassermangel mit Schweiß aus.
Auf der Software Seite bedeutet das dass niemand mit dir redet weil jeder in dir den Todfeind sieht der ihm auch noch die letzten zwei Kunden klauen will.
Auf der Hardware Seite ist es umgekehrt: jeder in dir den Heiland der ihm Endlich Kunden bringen wird. Schließlich, wenn ihre Hardware mit deiner Software funktioniert, dann werden alle deine Kunden ihre Hardware kaufen, oder?
Von der Gegenseite (also: meiner Seite) sieht's genau so aus: wenn die Werbung machen für ihre Hardware werden sie wohl sicher gefragt, mit welcher Software man das verwenden kann. Da wäre es schon gut genannt zu werden, oder?
Oder?



Eine oertliche Firma baut kleine Kameras die man sich vorn an seine VR Brille kleben kann. Das Bild wird dann in der VR Brille gezeigt - man sieht also gleichzeitig die wirkliche Wirklichkeit und den virtuellen Kram darin. Augmented Reality nennt sich das. Die legen uns bei einem Treffen mal nahe, dass wir ihre Hardware auch mal unterstützen sollen. Ironischerweise tue ich das schon, weil ich während meinem Studium genau deren Kameras für meine Forschung verwendet habe. Super, da muss ich ja nicht mehr viel machen - nur ein bißchen aufpolieren hier und ein paar neue Videos da und die neue Partnerschaft bewerben. Ist ja auch eigentlich voll cool seine (virtuelle) Arbeit in der Realität zu sehen. Finde ich. Findet sonst wohl keiner. Keiner verwendet die Kameras mit unserem System. Naja, das heißt, einen wichtigen Kunden bekommen wir aber! Eine nicht zu kleine Japanische Firma. Haben sie bestimmt auch schon von gehört. Die hat uns die Kamera-Firma vermittelt. Die kaufen also eine Lizenz. Nutzen sie aber nie - der Eintrag auf unserem Aktivierungs-Server steht für immer leer. Naja, so spare ich mir dir Zeit für weitere Updates und Support.


Ein Hersteller einer Fuß-Kontrolle (also: ein mit den Füßen betriebenes Eingabegerät) kontaktiert mich und nach kurzem gegenseitigen Beschnüffeln (und beweihräuchern als wäre das Turibulum ein Morgenstern) schickt er uns ein Gratis-Exemplar damit wir das auch unterstützen. Mach ich auch gleich. Und dann mach ich ein tolles Video davon wie das einem die Arbeit erleichtern kann und stelle das Online. Ich will fast schon wieder herunter nehmen weil ich das schallende Gelächter persönlich nehme. "Braucht doch keinen Mensch den Mist". Naja, vielleicht habe ich uns wenigstens etwas Publicity gemacht, als Clown. Der CEO der Firma ist jedenfalls begeistert und schlägt uns gleich den nächsten Deal vor: wir sollen in Japan Re-Seller für sein Produkt werden.
Ne, danke, Clownsnase gibt's nur noch zum Fasching.


Jedenfalls werden die Hardware Partner immer professioneller - wir lassen das Start-Up Land hinter uns und werden von immer etablierteren Firmen kontaktiert. Irgendwann ist er ein Internationaler Multi-Millionen-Dollar Konzern der uns neue Gratis-Proben zur Entwicklung schickt. Ich fange sicherheitshalber an immer "vom Team" zu reden. Müssen die ja nicht wissen dass ich momentan der einzige Entwickler bin und die anderen nur Marketing machen. Immerhin ist es zum ersten Mal ein Produkt das die Infrastruktur und den Markennamen hinter sich hat um Massentauglich zu werden. (Naja, so viel "Masse" wie VR halt haben kann).
Der große Launch kommt. Und ja, super, wir stehen tatsächlich als offizieller Partner drauf! Recht weit unten aber, weil alle unsere Konkurrenten auch "Offizielle Partner" sind. Kann ich denen natürlich nicht vorwerfen, aber die Hackordnung so ins Gesicht geballert zu kriegen, da hätte ich jetzt gerne eine dämpfende Clownsnase auf gehabt.
Aber naja, immerhin gratis... Dingsbums... gekriegt... das jetzt bei mir Zuhause rumliegt, weil ich mit dem Management unseres Shared-Office aneinander geraten bin - wir haben da mit unserem Kruscht zu viel Platz eingenommen.
Vielleicht sollte ich ein Kuriositätenmuseum eröffnen....

Dienstag, 31. Dezember 2019

Boss (24)

Nun sind wir also nur noch zwei - von zwischenzeitlich mal 5 Leuten sind noch ein Programmierer (ich) und eine ein-Mann Marketing Abteilung übrig.
Allerdings ist die Leistung damit nicht sauber 50/50 aufgeteilt.
Nicht nur das ich ein paar Jahre mehr Erfahrung habe in dem was ich tue, ich arbeite auch deutlich mehr - so zwischen 60 und 80 stunden die Woche, je nachdem wie man rechnet.
Und obwohl unser Produkt besser und besser wird, und der VR Markt kräftig wächst verkaufen wir nicht mehr.
Langsam kriege ich das Gefühl, daß ein Japaner, frisch aus der Uni, vielleicht nicht die Kapazitäten hat, VR Software weltweit zu vertreiben. Zumindest nicht für einen Preis der uns am Leben erhalten würde.
Um so bitterer zu sehen für was für einen Schrott Leute sonst so alles Geld ausgeben - gottseidank hab ich eh kaum Zeit und Geld zum Shopping. Wird man ja nur depressiv.
"Du brauchst einfach jemanden der Leuten gut Zeug verkaufen kann", stimmt mir ein alter Freund zu.
Vielleicht ist es das ja. Und eine Person die sich gut verkaufen kann kenne ich sogar.
Schnell mal ein Telephonat angeleiert. Er ist auch richtig interessiert an der Sache. Könnte er denn bei uns einsteigen?
Nein.
Er hat schon einen Job, und daneben nicht viel Zeit für andere Dinge.
Tja, wer sonst? Inserat? Wo soll ich in Japan einen Marketing Guru finden der sich nicht auf Japan spezialisiert hat und auch bezahlbar ist?









Ausländer in Japan haben die Angewohnheit in "Communities" zusammen zu kleben.
Das liegt of an der Sprachbarriere und kulturellen Unterschieden. Es plaudert sich einfach leichter mit jemandem der fließend Englisch spricht und auch Amerikanische TV Serien guckt und über dieselben Probleme in Japan gestolpert ist - gemeinsames lästern stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
Natürlich gibt es englischsprachige Chat-Groups zu so ziemlich jedem Thema. Naja, zu manchen Themen mehr als andere. Können Sie sich ja denken. Ja, Sie wissen schon worauf die Story hier hinausläuft, also erspare ich mir jetzt die Beichte in welcher dieser Gruppen ich gerade Zeit vertrödelte als mein zukünftiger Marketing-Guru die Frage in Raum warf "kann mir jemand einen Job vermitteln"?
Ich kannte ihn schon. Ich wußte das er freischaffend Online-Marketing macht. Ich wußte daß er Leuten zeug verkaufen kann, weil er mir schonmal Zeug verkaufen konnte.
"Ja, wenn du meine Firma retten kannst", schreibe ich, noch halb im Scherz.
"Kannst du wirklich ein Arbeits-Visum für Japan beschaffen?"
"Die letzten 2 mal hat's jedenfalls geklappt..."
Einen Monat später schickt er mir ein "Pitch Deck" - also eine kurze Powerpoint Präsentation, wie er glaubt unser Produkt an den Mann zu bringen.
Er hat sich wirklich die Mühe gemacht ziemlich genau zu schauen was wir eigentlich verkaufen und hat ein paar gute Ideen. Und überhaupt: alles ist besser als weiter vor sich hin zu siechen und auf den finanziellen Tod zu warten.





Also nochmal den Papier-Krieg ein Arbeitsvisum für einen Ausländer zu beantragen.
Wir planen so einen Monat ein bevor er mit dem Arbeiten anfangen soll.
Zweieinhalb Monate später immer noch keine Antwort vom Amt. Das ist blöd weil ich ihn gerne für die Krankenversicherung angemeldet hätte, aber die schicken mich jedes mal wieder weg. Kein Visum, keine Versicherung. Ich frage mal unseren Buchhalter-Berater.
"Ja, das ist blöd. Die Einwanderungsbehörde ist wohl momentan überlastet".
"Und wie ziehe ich dann den Krankenkassen-Beitrag von seinem Lohn ab?"
"Du darfst ihm überhaupt keinen Lohn zahlen. Das wäre Schwarzarbeit."
"Was? Aber ich kann ihn doch nicht für umsonst arbeiten lassen!"
"Naja, du kannst ihm ja ein Darlehen geben, aber arbeiten darf er dafür nicht."
Ja super, statt Gehalt und Visum hat er jetzt Schulden und kein Visum. Er nimmt das erstaunlich gelassen und beginnt schonmal auf eigene Faust unsere Marketing Strategie zu überarbeiten.
Während ich also noch warte ob ich bald im Gefängnis lande lerne ich mehr darüber wie Facebook und Google dazu verwendet werden können Leuten Zeug zu verkaufen. Beides macht meine Nächte nicht geruhsamer...

Samstag, 30. November 2019

Boss (23)

Die Finanzierung unserer Open-Source Anstrengungen machen wir über "Crowd Funding".
Das funktioniert so:
Leute "versprechen" einen gewissen Betrag beizusteuern, zahlen aber erstmal nichts.
Wenn der versprochene Gesamtbetrag an Tag X über einem bestimmten Limit liegt, zahlen alle und wir kriegen das Geld.
Liegt der versprochene Gesamtbetrag darunter, zahlt keiner und wir kriegen nichts.
Keine Ahnung auf welcher Merkwürdigkeit der menschlichen Psychologie das basiert, aber diese Deadline und "Alles-oder-Nichts" Denken ist wirklich populär. Also spielen wir da auch mir.

Was wir nicht wußten: Leute können bis zum Tag X ihr Versprechen auch wieder zurück ziehen. Und das tun sie auch gerne. Ein besonders lustiger Typ verspricht wiederholt hohe Beträge, nur um Tage später seine Meinung scheinbar zu ändern.
Ich denke schon das muss bewußte Sabotage sein - der wird 5 Minuten vor Schluß wieder abspringen und das ganze Projekt zum scheitern Bringen.
Ich habe also das genaue Gegenteil von einem eBay-"3-2-1-meins"-Erlebnis und bange die letzten Minuten vor meinem Computer Bildschirm. 3... 2... 1... KEINER ABGESPRUNGEN! Wir haben die Sache durchbekommen und einen (kleinen) Batzen Geld für unser Open Source Projekt eingesammelt.






Wir Entscheiden uns allen Leuten die mehr als etwa 10 Euro spenden eine Postkarte zu schicken.
Je höher die Spende desto schöner und aufwendiger die Postkarte.
Natürlich Handgeschrieben, weswegen ich oft Abends dasitze und dieselbe Dankesrede immer wieder abschreiben muß.
Eine überraschend schöne Arbeit. Ich sollte ein Dankespostkarten-Versende-Business aufmachen.




Aber da ist ja noch die Entwicklungsarbeit. Die Teilen wir auf:  ich bleibe bei der alten Produkt-Linie, und Programmierer Nummer 2 im Team kümmert sich um die Open Source Linie.
So kommen wir uns nicht in die Quere. Und wir haben ja noch einen Praktikanten der ihm zur Hand geht.
So kann die Arbeit beginnen und das Jahr relativ positiv zu Ende gehen. Ich lade alle zur Weihnachtsfeier zu mir nach Hause ein, koche Deutsches Essen und jeder kriegt noch ein kleines Geschenk - ein Dankeschön für die Arbeit dieses Jahr.
Über die Feiertage mache ich Pläne fürs nächste Jahr - 2019 starten wir endlich durch! Ich bereite schonmal eine motivierende meine Neujahrs-Ansprache vor.
Programmierer Nummer 2 kommt mir zuvor: er verläßt das Team um woanders zu arbeiten, Tschüss auch.
Was? Aber wir haben gerade erst von vielen Leuten einen Batzen Geld für Open Source Entwicklungsarbeit bekommen. Die können wir doch jetzt nicht enttäuschen! Wir nicht, er schon.
Und der Praktikant? "Also eigentlich habe ich die Stunden schon voll um mein Praktikum Akkreditiert zu kriegen". Moment, da war aber ne ganze Menge nicht-Arbeit dabei! Egal, zählt für die Akkreditierung.
...und das ich dir eine Wohnung bereit gestellt und mich um dein Visum gekümmert habe? Zählt nicht für die Akkreditierung. Zählt gar nichts. Arbeit ist aus, Tschüss Chef.
Also muss ich mich jetzt auch noch um die Open Source Entwicklung kümmern -  die letzen Wochen Zusammenarbeit mit Programmierer Nummer 2 werden in weitgehend in angespanntem Anschweigen abgehalten. Praktikant kommt nur noch einmal vorbei um sein Zeugnis abzuholen.
Das Jahr fängt schonmal gut an.
Naja, dafür sind die Firmenausgaben jetzt deutlich niedriger.


Donnerstag, 31. Oktober 2019

Boss (22)


Wir sind also jetzt frisch gebackener Open Source Entwickler.
Sprich: wir geben nicht nur das Programm für umsonst her, sondern auch den Quellcode.
Das muß den Leuten doch gefallen!
Und vielen tut's das auch. Wir bekommen einen Haufen positiver Kommentare, und langsam kommen auch ein paar Spender zusammen die die Entwicklung unterstützen wollen.
Jeder der mehr als 20 Euro gibt bekommt von uns eine handgeschriebene Postkarte - herzlichsten Dank und viele Grüße aus Japan!


Aber allen gefällt's dann auch nicht.
Manchen ist "alles ist frei" noch nicht frei genug.
Um das nochmal klar zu machen: unser eigener Code ist frei verfügbar.
Wir verwenden lediglich - gezwungenermaßen - die VR Schnittstellen der Hardware Hersteller.
Lässt sich halt nicht verhindern wenn man deren Hardware verwenden will.
Allerdings basiert unser Program halt auf anderer Open-Source Software, und da ist fest gelegt dass auch alle Derivate Open Source sein müssen. Naja sind wir ja auch.
Sicherheitshalber verpacken wir's nochmal getrennt um niemandem auf die Füße zu treten.
Der erste Teil der die Schnittstellen der Hardware Hersteller verwendet ist 100% von uns und Open Source. Verwendet halt "unfreie" Schnittstellen.
Der zweite Teil auf anderer Open Source Software aufbaut verwendet ist auch 100% Open Source und verbindet sich mit dem ersten Teil - wenn der Nutzer das will.
Man muss beide Teile getrennt herunter laden.

Ich bin vielleicht etwas paranoid und pessimistisch das so aufwendig zu trennen, und extra nochmal einen Online-Kurs in Copyright und Software Lizenzen zu absolvieren.
'Etwas' paranoid und pessimistisch.
Besser ich wäre 'etwas mehr' paranoid und pessimistisch gewesen.



Die ersten Nörgler sind schnell zur stelle.
Ich erkläre dass wir nur etwas beisteuern wollen und das absolute Minimum an Geld zum Selbsterhalt sammeln. (Eigentlich ist bald klar dass es nicht mal dafür reicht).
Interessiert sie nicht. Sie nörgeln weiter.
Ich erläutere die Rechtslage.
Glauben sie mir nicht.
Ich weise sie auf genau die Stelle im Lizenztext der Basis-Software hin wo steht dass wir das Recht haben zu tun was wir tun.
Sie widersprechen mir.
Schließlich reicht's mir - wer seid ihr überhaupt!? Anonyme Rechthaber ohne Rechte.
Solange ihr nicht den eigentlichen Autor der Software vertretet könnt ihr von uns mal gar nix verlangen!
Tut ihr das?
Schweigen.
Dann eine Email.
Vom ursprünglichen Autor der Software.
Ihm sei da zu Ohren gekommen dass Leute in der Community "besorgt" seien über das Projekt.
So so, "besorgt" sind sie also?
Hallo Author. Dir hab ich vor einem halben Jahr schonmal geschrieben und dich ausdrücklich  gefragt ob's Probleme gibt mit unseren Plänen.
Damals, du so: ja ja, wie auch immer.
Und wir halten uns auch an die Lizenz. Schau.
Achso, ja dann... aeh... wie auch immer.
...Dankeschön....



Also wieder zurück die Leute zu engagieren die unser Projekt positiv sehen und unterstützen. Kommen ja genug positive Kommentare und Fragen rein. Nur Antworten kann ich nicht mehr. Man hat uns aus dem Forum verbannt.
... Dankeschön auch!

Immerhin war dass das letzte mal das wir von den Entwicklern der Basis-Software gehört haben. Alle unsere Versuche mit ihnen ins Gespräch zu kommen (ob sie nicht etwas von unserem Source Code mal übernehmen wollen - könnte ihnen ja die Arbeit ersparen das später selbst zu schreiben) bleiben unbeantwortet.



Montag, 30. September 2019

Boss (21)

Ich war immer ein grosser Fan von Open Source.
Die Vorstellung auf der Arbeit anderer Programmierer aufzubauen, etwas beizusteuern, sich gegenseitig zu kontrollieren, und die Software an die eigenen Vorstellungen anpassen zu können ist einfach großartig für jeden Bastler.
Ich sage "Vorstellung" weil wirklich an Open Source Projekten teilgenommen habe ich nie.
Meine eigenen Projekte waren immer zu klein und spezifisch als das sie jemanden interessieren würden.
Die größeren Projekte von der Arbeit durfte ich nicht veröffentlichen.
Also habe ich die "Open Source Commmunity" nie kennengelernt.
Sah von außen aber immer toll aus.



Als ich also meine eigene Software veröffentlichen wollte, war ich am überlegen das ganze Open Source zu machen.
Doch könnte ich dann auch davon leben das ganze weiter zu entwickeln?
Es gibt ja genug Firmen die Open Source machen, aber wie machen die das? Und vor allem: wie ist das als einzelne Person.
Also kontaktiere ich erstmal den Autor einer Open-Source Videobearbeitungs-Software die ich gerne verwende - und zu deren Entwicklung ich gerade erst etwas Geld gespendet habe.
Seine Geschichte zwingt mich fast nochmal mehr Geld hinterher zu spenden - er scheint wirklich fast überhaupt kein Geld zu machen, obwohl seine Software wirklich populär ist.
Also ist das keine gute Option - gut dass ich gefragt habe. Mein Source Code bleibt geheim. War wieder nix mit Open Source Community.


Zwei Jahre später - Software und Team sind reichlich gewachsen - und wir diskutieren in welche Richtung wir uns weiter entwickeln wollen.
Wir wollen nicht mehr so abhängig sein von der Basis-Software auf der wir aufbauen und mehr Leute erreichen.
Also schauen wir welche anderen Design-Tools wir unterstützen könnten.
Die nächsten größeren Produkte gehören aber alle derselben Firma von der wir gerade etwa unabhängiger werden wollen. (Hallo? Monopol-Behörde?)
Der Rest ist etwas "Nischen-Software", ... und die eine große Open Source Alternative. Es gibt immer eine Open Source Alternative.
Wäre dass nichts für uns? Klingt schon spannend, aber auch machbar?
Das heißt:
1) Ist das technisch machbar?
2) Ist das finanziell machbar?
3) Ist das zwischenmenschlich machbar?

Um (1) die technische Machbarkeit zu überprüfen, stürzen wir uns einfach mal in den Source Code - ist ja frei verfügbar.
Ist zwar alles nicht ganz so einfach wie erhofft aber nach ein paar Wochen haben wir einen funktionierenden Prototypen. Yay!

Bei der (2) finanziellen Machbarkeit schaut's etwas düsterer aus.
Spenden-basierte Open-Source Entwicklung scheint nichtmal genug abzuwerfen um einen von uns das bescheidene Gehalt zahlen zu können.
Also Alternativen suchen. "Crowd-Funding" ist ein System bei dem Leute für die Entwicklung eines Produktes zahlen, noch bevor die Entwicklung startet.
Kommt nicht genug Geld zusammen, wird das Produkt nicht gebaut. (Und oft genug wird's auch dann nicht gebaut wenn genug Geld zusammen kommt - die Liste der vergeigten oder betrügerischen Crowdfunding Projekte ist lang).
Klingt fair. Nicht wirklich profitabel aber vielleicht tragbar - VR hat zwar nicht viele Nutzer, aber die Nutzer die's hat sind bereit Geld auszugeben.



Die (3) zwischenmenschliche Machbarkeit, also ob unsere Arbeit in der Community anerkannt wird und wir niemandem auf die Füße treten.
Spüren ein paar Leute auf die mal über so etwas irgendwo in irgendwelchen Foren oder Konferenzen gesprochen haben und Kontaktpersonen im Entwickler-Team und kontaktieren sie einfach. Wie geht's denn bei denen voran?
Die Antworten sind meist kurz und abwiegelnd. Jaja, steht auf dem Plan, wird gemacht, aber momentan geht da nichts voran. Keine Zeit, kein Geld, kein Interesse.
Also fragen wir ob das denn willkommen wäre wenn wir uns darum kümmern würden.
Da hören die Antworten auf. Zwar scheint keiner daran arbeiten zu wollen, aber den Ball abgeben will auch keiner. Schließlich fragen wir sogar den berühmten Gründer der Design Software. Direkt: geht das okay?
"Wir sind Open Source - jeder ist willkommen Teilzunehmen und Beizusteuern."
Das reicht uns.
Wir veröffentlichen den Prototypen, starten das Crowd-Funding, und nennen uns ab heute: Open Source Entwickler! Wo bleibt unsere Willkommens-Umarmung?
Ähhh....also...


Samstag, 31. August 2019

Boss (20)

"Und was machen Sie, wenn Google/Facebook/Amazon in ihr Geschäft einsteigt?" ist wohl eine der beliebtesten Fragen potentieller Investoren.
Die richtige Antwort ist: "dann sind wir halt besser". Zumindest war das die richtige Antwort für Google, Facebook und Amazon - alle drei bekannterweise kaum 20 Jahre alt sind und bei weitem nicht die ersten Firmen in ihren entsprechenden Märkten.
Aber die richtige Antwort ist die falsche Antwort - zumindest für Investoren. Investoren wollen etwas handfestes. Ein Patent auf geistiges Eigentum.
Ich habe mich da immer drum gedrückt. Ein Patent ist erstens schwierig und zeitraubend, zweitens teuer, drittens fragwürdig in seiner Effizienz (wie leicht kann die Konkurrenz einfach drum rum bauen?) und selbst wenn man das alles überwunden hat, dann ist es immer noch Spiel für Anwälte und deren überhöhten Gehälter.
Jetzt haben wir aber gerade einen Batzen Geld von der Stadt bekommen - fällt Grund 2 weg.
Dass wir diesen Batzen Geld bekommen haben stand auch in einer Zeitschrift der Stadtverwaltung, also meldet sich ein Herr von einem anderen Teil der Stadtverwaltung spezialisiert auf Kommerzialisierung neuer Technologien und bietet seine Hilfe an. Hätten wir denn was zu patentieren?
...naja, haben wir.





Das kam so dass während eines Meetings mit einem Investor Ideen herum Geworfen wurden. Ideen sind schnell und billig und geben allen Beteiligten Optimismus und Motivation - Feel-Good-Time!
Der Investor wirft in die Runde dass wir Handgesten verwenden können um den Computer zu steuern. Brilliant! Naja, ehrlich gesagt einfach nur "gut", aber wir sind schon etwas Ideen-Trunken und der Mann hat uns gerade einen großen Haufen Geld gegeben.
Der Kater war dann das implementieren zu müssen.
Ich habe keine Ahnung wie man einem Computer beibringen kann Hand-Gesten zu erkennen.
Aber hey, ich lerne gerne. Also stehe ich jeden Morgen eine Stunde früher auf und büffel Online-Kurse über Künstliche Intelligenz. (Morgens bin ich mehr aufnahmefähig).
Eigentlich eine schöne Art den Morgen zu beginnen, und nach ein paar Monaten habe ich auch endlich die durchschlagende Idee, wie ich das hinkriegen kann!
Also programmiert, getestet, verbessert, wieder das Hirn gemartert, programmiert, ... und langsam wird es.


Und jetzt sitzt er uns gegenüber - Mr. O., vom Technologie-Kommerzialisierungs-Office der Stadt Osaka.
Wenn sie sich einen furchtbar netten aber auch furchtbar konfusen alten Japanischen Opa für eine Komödie ausdenken, dann ist er immer noch nur halb so nett, halb so konfus, halb so alt und halb so Japanisch wie Mr. O.
Also: haben wir etwas zu patentieren?
Grund-kein-Patent-zu-wollen Nr 1 ist weg, Nr.2 ist weg und irgendwie Bilde ich mir schon ein bisschen was ein auf meine Erfindung. Nr. 3...
... ääh, ja, wir haben was zu Patentieren.
Prima, da kennt er einen Anwalt!


Also nehme ich mir jeden Morgen eine Stunde Zeit um Patentrecht zu lernen, und jeden Abend ein paar Stunden um eine Japanische Patentschrift aufzusetzen.
Alle paar Wochen ein Meeting.
Hauptsächlich wird in jedem Meeting wieder klar, dass niemand meine Idee versteht. Aber jedes mal finde ich neue Wege das ganze noch einfacher und anschaulicher zu machen, was wiederrum die Patentschrift verbessert.
Es dauert trotzdem fast ein halbes Jahr - und das ist ein Riesen-Problem, denn ein Patent muss man innerhalb eines halben Jahres nach Erfindung einreichen.
Mir schwirrt der Kopf vor all dem Japanisch - meine Studien haben mich weder auf die mathematisch-technische noch auf die rechtliche Verwendung der Sprache je vorbereitet.
Mehr als einmal schaltet sich mein Gehirn während Meetings einfach ab - System Overload.
Glücklicherweise merkt der Japaner in unserem Team das jedes mal und springt schnell in die Bresche.
Am Ende will ich's einfach nur noch von meinem Tisch haben.
Gottverdammt schicken Sie's doch endlich ab! Ich kann echt nicht mehr und hab auch andere Sachen zu tun!
Halt, Moment - da ist noch ein Fehler!
Okay jetzt aber! Raus mit dem Mist!
Halleluja, endlich geschafft.
Ich werde bestimmt so schnell keine Patente mehr anmelden.


Mittwoch, 31. Juli 2019

Boss (19)

Also, was machen wir mit dem Geld dass uns die Stadt netterweise spendiert? Wir müssen etwas aufsehenerregendes machen. Etwas dass uns ins Gespräch bringt - und ein paar neue Kunden durch die Tür. Als erstes machen wir: einen Wettbewerb! Leute sollen zeigen was sie mit unserer Software tollen machen. Das sollen sie auf Facebook und Konsorten herumzeigen. Preis: eine Einladung nach Japan! Da können wir endlich mal unseren Heimvorteil voll ausspielen und bekommen so auch bisschen Face-to-Face Feedback.
Also: ich baue eine "Contest" Version, die es den Teilnehmern einfach macht sich bei der Arbeit zu filmen, und die Marketing-Jungs machen ein cooles Video von Osaka. Was es hier nicht alles zu sehen, zu tun, zu essen gibt. Glücklicherweise sind wir hier nahe an Kyoto dran, also werden die berühmten Tempel und Geishas auch gleich mit-beworben.

Dann wird das ganze Angekündigt und kräftig beworben. Reaktion: stille.
Na kommt schon, selbst ein Gratis-Trip nach Japan kann die Leute nicht motivieren mal ein bisschen was neues Auszuprobieren?! Die Zeit verstreicht und meine schlimmsten Befürchtungen scheinen wahr zu werden: wenn wir so einen großen Event ankündigen und dann keine ernst zu nehmenden Teilnehmer haben, keinen glorreichen Sieger küren können, dann müssen wir der Welt eingestehen das uns keiner haben will. Ist schlimm genug sich mit diesem Gedanken nach jeder Monatsabschlussrechnung im stillen Kammerl in den Schlaf zu weinen. Immerhin hat unser Branding nicht darunter gelitten. Aber jetzt?




Ich feuere mein Team an sich extra gut um die wenigen Teilnehmer zu kümmern und die zu ermutigen extra arbeit rein zu stecken! Leider sind die Teilnehmer alle besser im reden (und sich anfeuern lassen) als darin sich wirklich mal hinzusetzen und etwas zu machen. Wir verlängern sogar die Deadline noch etwas, aber irgendwann muss Schluss sein...
Der Laden um die Ecke hat neuerdings einen Bananen-Milch-Cocktail. Sowas wie einen White Russian, nur halt mit Banane. Riecht genau so wie die Bananen-Milch die ich oft während unseren Meetings trinke. Nun haben wir das Meeting in dem wir aus den wenigen Einsendungen den Besten aussuchen müssen. Na, auf geht's Jungs, zeigt was wir haben.... nee, also der schonmal nicht!
... nee, bitte...
... ich brauch nen Schluck Bananen-Milch... ahh...
... der nächste hat mit unserer Software ein Modell von Osaka Castle gebaut. Das ist immerhin ein netter Gag. Das Modell selbst besteht aber nur aus ein paar groben Blöcken.
... der nächste hat sogar ziemlich gute Arbeit geleistet. Leider ist das genau jener Holländer den wir erst vor ein paar Monaten eingeflogen haben damit er uns mit seiner Expertenmeinung weiter hilft. Wenn er jetzt gewinnt kriegen wir nicht nur kein neues Feedback, es riecht auch arg nach Vetternwirtschaft und zeigt der Welt wie wenige Fans wir haben. Also: doch die Osaka Burg?
Einen haben wir noch? Gut, zeig her.



5 Jahre habe ich mittlerweile an dieser Software gearbeitet (wenn auch immer wieder mit anderem Fokus und Zielsetzung). Irgendwie schon wie mein Kind. Mein kränkliches, von der Welt verabscheutes Kind. Das nun in die Hände eines Mannes gefallen ist, der sie so sehr lieben muss wie ich. Es ist einfach unfassbar was er damit geschaffen hat. Er hat ein solches Meisterwerk aus der Software heraus gekitzelt, dass sogar ich noch etwas lerne!
Wer ist der Kerl?! Ein Franzose? Natürlich ein Franzose - den besten Liebhaber den ein Papa sich für seine Software wünschen kann! Der Contest ist Entschieden! Bitte, sei mein Schwiegersohn und komm' zu uns nach Japan! Mein Gesicht ganz rot vor Freude! vor Erleichterung! vor Begeisterung! vor neuem Optimismus! (vor Bananenmilch)! Kanpai!



Sonntag, 30. Juni 2019

Boss (18)

Unsere Investorin will mal wieder dass wir uns für öffentliche Gelder bewerben.
Ist mir eigentlich nicht recht - solche Bewerbungen kosten viel Zeit und ob man unter den zahllosen Bewerbern dann ausgewählt wird ist mehr als fraglich - vor allem wenn man so eine kleine Möchtegern Firma ist.
Aber man kann auch schlecht seinen Investoren sagen: "Danke fürs Geld, jetzt lasst uns in Ruhe".
Also füllen wir erstmal die Form aus und werden immerhin für ein Gespräch eingeladen.
Es ist eine lokale Subvention der Stadt Osaka die hier örtliche Innovation fördern will und dabei auch mehr weltweite Aufmerksamkeit erhofft.
Mein Japanischer Team-Kollege hat das Formelle im Griff, also kann ich mich aufs "Einschmeicheln" konzentrieren.
Ich erzähle wie ich wärend meiner Zeit in Nara jedes Wochenende nach Osaka gefahren bin und mich in die Statdt verliebt habe.
Wie ich mich nach dem Abschluss gegen Tokyo und für Osaka entschieden habe, obwohl in Tokyo die Gehälter viel besser wären.
Wie unserer Technologie einem 3D-Designer mit Handgelenks-Schmerzen geholfen hat wieder Freude in seiner Arbeit zu finden, und wir ihn dann nach Osaka eingeladen haben.
Wir stellen unseren Plan vor, noch mehr Designer nach Osaka einzuladen und tolle Videos mit ihnen zu machen, die Weltweite Aufmerksamkeit erlangen werden (würden wenns nach uns ginge).
Und tatsächlich: wir kommen in die Auswahl-Runde!



Dieses Subventions-Dingen hat einen besonderen Twist: Erhalt des Geldes ist daran geknüpft eine bestimmte Anzahl "Fans" zu begeistern.
Und woran werden "Fans" gemessen? Facebook Follower. Willkommen im 21.Jahrhundert.
Und wie viele brauchen wir? Das Ziel müssen wir uns selbst stecken. Willkommen in Behörden-Denkweise - wir stecken unsere Ziele selber ohne Vorgaben.
Also sagen wir: wir wollen die 1000 Fan-Marke knacken. Dazu fehlen uns 200 Leute. Das ist ambitioniert genug um nicht frech zu sein und halbwegs realistisch. Wir haben ja einen Monat zeit. Ja, die neuen Fans müssen alle in dem einen Monat kommen. Nicht davor, nicht danach.
Unser Plan:
1) Wir hören auf Updates und Videos zu veröffentlichen, gehen auf Schleichfahrt
2) Wir geben unserer Software eine neue Versionsnummer (normalerweise gehöre ich zu den Leuten die alle neuen Features sofort zugänglich machen wollen, also ist die letzte 2.0 Version und die erste 3.0 version fast identisch).
3) Wir produzieren ein dickes Lauch Video.
4) Wir warten auf den Stichtag.
Stichtag. Ein schöner Montag Morgen um ein Video hochzuladen und auf Facebook ein paar Gruppen zu informieren dass wir jetzt "3.0" haben, und all unseren Freunden zu sagen sie sollen unsere Facebook-Page "liken".
Dann haben wir ein Meeting mit den Subventions-Leuten. Die haben ein bisschen sorgen dass wir die Ziele etwas hoch gesteckt haben.
Mein Handy hört das Summen nicht auf, also schalte ich Notifications irgendwann ab. Kann mich aber trotzdem nicht beherrschen immer wieder zu spicken. Bis zum Ende des Meetings haben wir 50 neue Follower. Die geplanten 200 haben wir am nächsten Morgen zusammen. Bis zum Ende des Monats schießen wir noch deutlich über unser Ziel hinaus.
Dazu lasse ich doch mal die Korken knallen. Wörtlich. Ich kaufe eine Flasche Sekt zum feiern und dem Team zu danken.
Das Team besteht aus Nerds die für Sekt nichts übrig haben - da wird nur genippt und dann heim gegangen um Videospiele zu Spielen. Ich verteile den Rest-Sekt unter anderen Leuten im Shared Office, vor allem mir selbst.


Freitag, 31. Mai 2019

Boss (17)

Mittlerweile bin ich vom Visums-Empfänger zum Visums-Sponsor geworden. Als Arbeitgeber gebe ich jetzt die Arbeitsstelle die anderen ihre Aufenthaltsberechtigung in Japan stellt. Interessant den Papierkrieg von dieser Seite auch mal kennen zu lernen. Interessant und nervig.
Auch werde ich vom vorlesungs-besuchenden Student zum Vorlesenden. Eine örtliche Uni läd mich und einen anderen Entrepreneur ein über Unternehmertum zu referieren. Eigentlich habe ich keine Zeit aber so ein bisschen Geld macht sich gut in der Buchhaltung. Und so kann ich die nächste Generation warnen diesen Mist auf keinen Fall zu probieren. Finger weg von Drogen und Start-Ups Kinder! Wobei, Drogen sind nicht so schlimm glaubich. Scheinbar ist meine Message nicht negativ genug - einer der Studenten kommt nach dem Vortrag zu mir und fragt ob wir nicht ein Praktikum anbieten würden. Er ist Holländer, ein aufgeweckter Bub. Würden wir ein Praktikum anbieten? Er macht einen guten Eindruck... Ja, warum nicht. Unbezahlte Arbeitskraft, hehehe, kann nicht viel Schief gehen. Prima! Seine Uni meldet sich dann bei mir um zu evaluieren ob die Firma qualifiziert ist, Hollands junge Hoffnungsträger zu unterweisen. Aeh, was? Mist. Dann wird ja bald raus kommen, das "der Deutsche und seine zwei Hanseln" keine richtige Firma sind.



Die Uni schickt mir also ein gutes Duzend Emails und ruft zweimal an. Ich erwarte dass sie mir bald sagen dass das sie mir keinen Studenten anvertrauen werden.
Sie melden sich wieder und sagen mir dass sie mir gerne noch 8 weitere Studenten anvertrauen würden.
Was?
Acht Informatik-Studenten sollten eigentlich ein Praktikum bei einer Firma in Tokyo absolvieren, aber die Firma ist in letzter Minute abgesprungen. Könnte ich da nicht einspringen? Wir sind nur drei Leute und haben schon einen Praktikanten. Naja, einen können wir vielleicht noch...
Ja gut dann schicken sie mir mal die Lebensläufe und wir verabreden Skype-Interviews damit ich mir den besten aussuchen kann...




Plötzlich bin ich in der Situation Job-Interviews abzuhalten. Was frage ich denn da? Da habe ich mir ja was schönes Eingebrockt mit meinem Vortrag.
Dann erinnere ich mich wieder dass ich vor 8 Jahren selbst mit einem Praktikum zuerst nach Japan gekommen bin. "Hat mein Leben grundlegend Verändert" ist ein Klischee, bis es dir passiert. Irgendwie kann ich also nach 8 Jahren etwas an die nächste Generation weiter geben. Auf einmal ist der Papierkrieg ein Visum zu beantragen eine richtige Freude - fast wie ein Gutschein-Geschenk-Karte: "1 ganz neues Leben für ".
Also auf gehts, der aufgeweckteste Holländer wird ausgewählt (früher oder später muss ich mich wohl eh daran gewöhnen Job-Interviews abzuhalten - besser ich fange mit Praktikanten an die NICHT ein Risiko für die Zukunft der Firma darstellen können) und so sind wir also plötzlich zu fünft...


Dienstag, 30. April 2019

Boss (16)

Die Flaute hört nicht auf.
Jede neue Markting Strategie, jedes neue Announcement, jedes neue Produktvideo - wieder Hoffnung auf den Durchbruch. Wieder Enttäuschung auf dem Konto.
Nicht das wir keine Reaktion kriegen würden. Reaktion kriegen wir. Sehr gute sogar. Nur halt nicht von Leuten die Kunden sein könnten. Wir sind aufs Feld getreten um mitzuspielen. Jetzt sind wir das Maskottchen geworden. Nein Danke, Ermutigungen und Ermunterungen kann man nicht essen.
"Deine Firma ist soo cool! Wir haben da diesen Start-up Contest! Da musst du unbedingt dabei sein!"
Ja, klar, sobald ich aufhöre Geld aus allen Körperöffnungen zu bluten. Naja, ist ja erst in ein paar Monaten. Bis dahin wird das neue Produktvideo an dem wir gerade arbeiten bestimmt die Lage verbessern. Also mal in die Liste eingetragen. Kann ja notfalls einfach nicht hin gehen.
Dann ist der Tag da und das neue Produktvideo hat mal wieder überhaupt nichts erreicht. Also gehe ich nicht hin.
"Wo bleibst du denn? Wir fangen an!!"
Oh, muss ich wohl vergessen haben, sorry. Jetzt bin ich wohl zu spät, was? Kann man nichts machen, schade, Tschüss.
"Nein, wir warten auf dich! Schnell, komm her!"
Ach Mist. Naja, lass ich mich halt in der Vorrunde rausschmeißen. Vielleicht kann ich zum Mittagessen wieder an der Arbeit sein.
Ich gebe die uninspirierteste Präsentation meines Lebens. Null Vorbereitung, und der Enthusiasmus sackt sogar in den negativen Bereich.
Sie werfen mich natürlich nicht raus. Bin ja das Maskottchen.
Dreck.
Sie bringen uns in den Raum in dem der "Main Event" stattfinden wird. Mit Publikum. Großem Publikum. Ohhhhh Dreck. Rausfliegen ist eine Sache, aber in einem Saal voller Menschen...
Ich muss zumindest schnell einen gescheiten Pitch schreiben. Also schaue ich mir (zum erstem mal) die Website für diesen Event an. In den 40 Minuten die mir bleiben tippe ich auf meinem Smartphone einen Vortrag und versuche ihn auswendig zu lernen. Zeit ist um!



Thema dieser Show ist "in den Ring steigen". Es treten immer zwei Jungunternehmer gegeneinander an und versuchen ihre Firma besser darzustellen als die Konkurrenz. Dafür haben sie extra einen Boxring aufgebaut. Mann, ich wünschte ich dürfte wirklich mich wirklich einfach prügeln. Wenigstens sind die Vorträge alle auf Englisch. In Japan heißt das: Heimvorteil!
Dann legt mein Kontrahent los. In 6 Jahren hier habe ich keinen Japaner so sauberes und akzentfreies Englisch sprechen hören. Heimvorteil für den Arsch. Natürlich ist seine Firma auch viel größer und Erfolgreicher als meine. Aber ehrlich: weniger Erfolgreich könnte er auch nicht sein.
Ich versuche mein Bestes um wenigstens auf der "Leidenschaft und Vision für die Zukunft" Skala zu punkten.
Tatsächlich komme ich damit gut an. Erster Knock-Out. Weiter in die zweite Runde. Wollte ich überhaupt eine Runde weiter kommen?

Die zweite Runde ist auch schon das Finale in meiner Gewichtsklasse (nach Firmengröße - wobei ich glaube dass die Veranstalter mein Stammkapital falsch eingeordnet haben um mich überhaupt mitmachen lassen  zu können. Osaka ist halt nicht so ein heißes Start-Up Pflaster. Da muss man nehmen wen man kriegen kann.
Mein neuer Kontrahent entwickelt eine Smartphone App. Ha, wie langweilig. Da kann ich bestimmt mit meinem VR-Zeug Eindruck schinden! Das Problem ist, dass ein Smartphone in die Hosentasche passt und jeder eines dabei hat - und er eine Live-Demonstration auf der Bühne durchziehen kann. Nja, das war's wohl. Aber bevor ich rausgeworfen werde gebe ich dir noch einen Nierenhaken, Freundchen! Ich weise freundlich darauf hin, dass sein Service auf der Liste der Dinge seht, die vermutlich bald von einer Künstlichen Intelligenz erledigt werden kann (zu diesem Zeitpunkt ist das angeblich fast alles). Mein Start-Up dagegen ist für kreative Schöpfer, und Kreativität - dass wird für immer dem Menschen vorbehalten sein!
Selber weiß ich leider zu viel über KI um zu wissen dass das so nicht passieren wird.
Aber das Publikum und die Ringrichter nicht. Knock-out! Mein Maskottchen-Kostüm hat Stahlhandschuhe!

Irgendwie habe ich es geschafft mit Null Vorbereitung und einer scheiternden Firma der Fliegengewichts-Unternehmer-Champion von Osaka zu werden. Kannst du gar nicht ausdenken.
Und jetzt?
Jetzt schicken sie mich zur Weltmeisterschaft! Nach Portugal! Ich wollte heute noch nicht mal mein Haus verlassen (was ich auch geschafft hätte wenn sie mich nicht quasi genötigt hätten). Jetzt gehe ich nach Portugal. Zusammen mit dem Schwergewichts-Champion. Der ist übrigens Schwede.
Japan, du mußt mal aufhören Ausländer als Maskottchen vorn aufs Spielfeld zu stellen.